Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2728 (30.9.1926)
- Date
- 1926-09-30
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Rr. 2M Een. #tmtterli4fi Di«« MorWWWWg J <m*zB I will ■ »»»—,„»,» Namsamrs Forde«»-. Vbbm der Schamvgerichte. — Lode-ftrafe. S«wr, LS. GepteMer. Die „Germania" berichtet: Die ^Sher auf dem internationalen Pokizeikongretz -gchaltenen Reden beschLstigen sich in der Hauptsache mit der Frage dereinyeitlichenZulammencttfic tt d e r K rim in ülp oli z e i aller Staaten. Der Vertreter VolgimS, Keffer, regte die Gründung eines internationalen KorreMmdenzbureaus an. Eine große Debatte rief die Frage. * der weiblichen Polizei hervor. Hier traten die Gegensätze in der Auffaffang der verschiedenen Länder klar zutage. Mß Allen (London) trat dafür ein. daß weibliche Polizeibeamte zur Ergänzung ihrer männlichen Kollegen auf möglichst vielen Gebieten herangezagen werden. Dieser Ansicht schloß sich auch Ministerialrat Barl (Karlsruhe) an. Ganz im Gegensatz hiezu forderte die Vertreterin der weiblichen Polizei in Preußen, Fräulein Doldt. daß weibliche PolizeDeamte nur zur Lösung ganz besonderer Spezialfragen herangezogen werden sollten. Pcoseffor L e n z (Graz) hielt einen längeren wissenschaftlichen Vortrag Aber die. Entwicklung der Psychologie der Verbrecher. Hofrat Är. Si a m s a u e r (Wien) wendete sich scharf -rgm die vielen Begnadigungen, die m der letzten Zeit bewilligt wurden. Der Redner forderte auch einen Abbau der Schwurgerichte und verlangte, daß die Staatsorgane, die da- Verbrechen aufdecken und den Verbrecher fassen, ihn auch gleich verurteilen: Der Redner trat auch für die Wiedereinführung der T o d e § st r a f e ein. Weiters, forderte er di« schärfste Handhabung der Filmzensur. Hofrat Dr. Dreßler (Wien)! sprach über das vhema Polizei und Presse. Der Redner forderte eine möglichst enge Zusammenarbeitzwischen Polizei undPresse und weitestgehende Ausschaltung einschrünlendet: Bestimmungen. Mitten sehr beachtenswerten Antrag stellte die spanische Delegation: Zur Vereinheitlichung der Polizei wurde ver- Ämgt, daß sämtliche Kriminalpolizisten in Zukunft einheitliche Verbrecheralben imlegen sollten. Neben der Landessprache soll" in Zukunft von allen Polizeistationen Esperanto angetvendet werden. Btteutlltrversuch >ms dm W«ord«rtm Kolischer Me aUS Lemberg gemeldet wird, wurde dort ein Irrsinniger, welcher in die Wohnung deS früheren österreichischen Abgeordneten und jetzigen Präsidenten der Lem- . bergen Handelskammer, Dr. Heinrich Ko lisch e r, em- -dringen ivollte, ium' ihn .'zu erschießen, verhaftet. Als der Diener ihm keinen. Einlaß gewähren wollte, schlug er sämtliche Fenster ein. Ms Ursache gab er an, daß Präsident Kolischer den Verstand verloren habe und ihn mit dem Tode bedrohte, sobald er dessen Tochter nicht heiraten werde. fite Mord an Nordpol. Nerv ho r k wird uns geschrieben: D« Forscher Pn n«r a n> welcher soeben aus Grönland zurückkommt» wo er eine Expedition in den arktischen Gegenden unternahm, , berichtet in einem an die „Sfceto Uork Times" gerichteten SchreDen von einer Tragödie, welche sich vor 17 Jahren an der Polar-GiSbank zu trug und welcher Professor Roß Ward Ln, einer der Gefährt«» Pearys zum Opfer fiel. Mavvin war in Begleitung zweier ESkiirnoS auf dem Rückmarsch nach Grönland begriffen, als er Plötzlich Anzeichen geistiger Verwirrung gegeben habe und einen der EMmoS «ntsr Drohungen au-fgefordert haben soll» inmitten der Ernfsamkeit der EiSwüfto allein und ohne Lebensmittel zuarückAuibleiben. Der. zweite EÄimo habe dann, .um feinen. Kameraden zu retten, Marvin mit ei ne« Gewehrschuß nieder gast reckt. Nach Grünland zu» .rückgekehrt» hätten die beiden ESkimoS erzählt, Marvin sei bei der lleberschreitung einer nur mit einer dünnen Eisschicht verdeckt gewesenen Spalte eingebrochen, und ertrunken und ihre Erzählung habe bei Psary und den andern EspeditionSmi-gkeder« Äauben gefunden. Diese Tragödie wäre ewig un'beLannt geblieben, wenn sie nicht der schuldige EMno, welcher kürzlich Irun Ehristentmn übertrat, zur Entlastung seine- ÄewUens. gebeichtet hätte. Sie wurde von iseipäm Gefährten MM m Memmmm. Wie ein «Prager Lokalkorrofpondenz meldet, hat' eine Firma der tschechoslowakischen Eisenbcchrvverwaliung die Ernführunst spezieller kinematographischev Borsiellungen in den Gise«bah«-ügen vorgeschkagen. Die EssenbahnveLwalliMg verhalt sich gegenüber dfesem Anträge n i ch.t a b l e h n e n d, verlangt aber, daß die Firma auf ihre eigenen Kosten spezielle Wagen für Kinovorstellungen bauen laßt und auch die Kosten de- Betriebes dieser Waggons übernimmt. ' ■..J' ” JuMäiu» der Meteorologischen Versuchsanftftalt. Anläj , des Wrigen Bestandes der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik auf de« Hohen Warte fand gestern vormittags i» Festsaat der Akademie der Wissenschaften eine Feier statt. Der ' c c " " kleine Wiener Erd- Exner schilderte rrtung der Institution. Letzte Nachrichte«. Nf t|QII9l|iMiUH^ ywMWmNHm Einderufeas fit den 14. Mt Prag, 20. September. Das tschechoflotvcckische Wy««S«etsnhaus wird für den 14. Oktober einberufen werden. Kt der ersten Sitzung wird das B udge t voegelcht. FirranMnister Dr. Englisch wird ein Exposee Wer die Wirtschaftslage und die Keife halten. Man rechnet mit einer stürmischen Debatte über die Ereignisse der letzten Zeit. »le fiosnanos«. «. U»gü»ftis« Stand des UafevushmeuS. Prag, 29. September. An der houttgen Börse sind Co s-manos-Aktien, die schon vor einigen Lagen unter LvS Nominale von 400 sich. Kr. gesunken waren, auf 360 zurückge-gaugsir. Der Kurssturz wird mit Gerüchden Wer. einen sehr ungünstigen G t a n b des Unternehmens Vit Zusammenhang gebracht. Dem „Prager LagLlatt^ zufolge wird zurzeit eine umfassende Reorganisierung deS Unternehmens vorgenommen. Die abnormal großen Warenvorräte wurden größtenteils abgestoßen. ES könne angenommen werden, daß die CoSmanos-A.-G. für daS abgelaufene Jvchr keine Dividende verteiLen wirb. vvvsvvvovvsvsvvsvOvAvvssvsvsvvoovssov» Lnglmüiimselt. Mit Kleinigkeiten geben sich die Engländer nicht ab, in Dingen d«S Sportes lassen, sie vollends mit sich nicht spassen und wo andere tändeln, geht eS bei ihnen um die Helligkeit eines Rekords. In ditzfem Jahre wällen die e'N-g'lischvn Du gle-r der Welt zeigen, was sie zu leisten vermögen. In manchen Ländern ist der Angler eure halb rührende, halb komische Figur. In seiner Unzeitgemäßheit mutet er oft wie ein Ueberblärbsel auS.Großvaters Tagen an und in der Beliebtheit bei- Witzblattredakteuren kommt der Angler gleich nach der Schwiegermutter. In England hingegen, wo sogär noch Croquet gespiält imrd, besitzt der Angelsport eine ungcheure Anhängerschaft. Im Grunde ist das Angeln eine britische Angelegenheit. Englisches Phlegma kommt diesem Sport sehr errtgegen. In das melancholische. Bill» der oft unenneßlich weiten englischen Flußlandschaften mit ihren weicherr, verschwommenen Linien und gedämpften Farben, die das Auge oft wie hinter einem Schleier wahminunt, fügt sich die Gestalt des Anglers gut ein. Wer in diesen Wochen englisches Land durchwandert, macht die Beobachtung, daß dem Angelsport mit einer wahren Besessenheit gehuldigt wird, eben mit jener Spovtgründlichkeit und -gMegenheit, für die es noch kein anderes Wort.als. „mglisch". gibt. Die Flußufer sind eingesäumt von einet Armee twn Anglern, die ihrer Tätigkeit vom frühen Morgen bis zum späten Abend oüliegvn. Niemals ist in England so viel geangelt worden, das werden rmrhl die Fische zu allererst festgestellt Hatzen, denen es so sehr an den Kragen geht und die noch nie so bittere Zeiten erlebt haberr. Dabeiist dieses Wettangevr nrchts als Training, ein Borspiel zu großen Ereignissen, die der Herbst bringen soll, Di« Birmingham and District Anglers Society wird in den ersten Oktobertagon im Severnstuß eine AnAesilkonkurranz veranstalten, wie sie die Welt noch nicht gesehen. Bis h«üe sdck nicht weniger als viertausend Nennungen eingelauftn. Viertausend Angler, jeder bestrebt, die meiste», die größten, die herrlichsten Fische zu fangen. Die armen Fische! Wenn sie das Nnheil ahnten, das ihnen der Oktober bringen wird! Wäre es ein Wunder, wemr sie kopfhänAerisch würden? Aber gesehlt, ich habe etliche von chnen gesthen. Sie sind munter wie eben die Fische im Wasser, lassen es sich nicht träumen, daß sie vielleicht nur zu rasch auf dem Trockenen sein werden und begehr» sicher noch die Unllugheit, sich über Gebühr zu vermehren, statt weise zu beschränken, um es den Anglern nicht allzu leicht zu machen. ES sollen übrigens schon fahÄhaste Fischexemplare von mävchenhaften Maßen geangelt worden sein, haben mir dortige Fischer erz^jt. Und ich habe keine Ursache, ihre» Berichten zu mißtrauen, denn wenn rS ein Jägerlatein gibt, von einem Latein der FVfch-er hat man noch nicht gehSrt. I. G. Mrviel 8«ergir brimchtM Nvlsch ,m» (M«t! > Vielleicht daS Ueberrascherchst« an der menschlichen Drache ist die außerordentlich geringfügige Energiemenge, die der Mensch zum Sprechen braucht. Pwftssor JoneS vom Forschungsinststut der amerikanischen Telegraphen- und Delephvnkompagnie hat berechnet, daß e iNe'Mill'io n Personen» wenn mcm sie ümnerfort sprechen ließe und diel Energie ihrer Stimmen in Wärme verwandelte, anderthalb Stunden reden müßten, Um durch ihre Sprache soviel Wärme zu erzeugen, UM eiWe einzig« Tasse Tee zu bereiten. Die. unvorstellbar Vvine Kraftwepae, hie die Modulation der Sprache Hervorrust, entspricht der Ladung, die best» Telephonieren den TelephondrWen zugeleitet wird. Beim Telephonieren tverden gewisse Töne öurch einen Apparat. erMgt, dann in elektrische Wellen verwandelt, die mit oder oym Draht zu . dein Empfänger geleitet tverden und sich dort wieder in Lufttvellen verwandeln, die das i Ihr* Gasundheit kdaadd Sie ron«t&odig wieder zuröckerlangen, von alles Ihren Schmerzen werden Sie gründlich befreit, wenn Sie DIANA- - FRANZBRANNTWEIN Hit MfNTHQl äußerlich zu Einreibungen, Innerlich auf Zucker, 'tropfenweise genommen, verwenden. Das beste Hausmittel. Ober all ERHXmiCHi Ober all ERHXmiCHi svsvassvsvsvvssvsvsvsvsvvsvvvvvvi-vvsvs menschliche Ohr hören kann. Das Telephon ist ja.auf Grund eingehenden Studiums der menschlichen Stimme erfunden worb«». Graham Bell, der Erfinder des Telephons, war ein Professor für Stimmphysiologie und vor und nach seiner großen Erfindung hat er viel zur'Kenntnis der Stimmbildung und der Gehöraufnahme durch das Ohr beigetragen. Er betrachtete Sprechorgane und Ohr als mechanische Apparate, die man auch auf technischem Wege konstruieren könne. Sir Richard Paget baute dann später einen Apparat, der Kehlkopf und Mundhöhle nachahmte, Gummibänder an Stelst von Stimmbändern besaß und in dem es eine künstliche Zkunge und künstliche Lippen gab. Die Lunge wurde durch einen Blasebalg ersetzt. Es gelang, mit diesem Apparat, der für die Erforschung der menschlichen Stimme sehr lehrreich war, Dokal-e hervorzubringen. Genie oder Wiffeuschaft im Schach? Eine pshchotechmsche Untersuchung der Schachweltmrister« Während des letzten Wettstreites um Schachehren in Moskau sind die daran teilnehmenden Schachmeister durch drei Hochschulprofessoren Moskaus (Dschakew, Rudik und Petrowski) in einem dazu eingerichteten LaLoratormm pscht chot-echnrsch untersucht worden. Der russischen Fachzeitschrift „Schachmatny LiM" entnehmen wir dieses zusammengefaßte Ergebnis der psychotechnifchen Untersuchung, die durch drei Moskauer Universitätsprofessoren angestellt worden ist, um festzustellen, welche geistigen Eigenschaften den Schachspieler kennzeichnen und inwiefern der Intellekt durch daS Schachspiel gefördert werden kann: Das GedLchitniS der Schachmeister erhcht sich rm allgemeinen nicht über den Durchschnitt. Das Gedächtnis der Blind spiel er, die oft viele Partien gleichzeitig blind spielen, ohne das Schachbrett zu sehen, istin der Hauptsache als eine Art „Berufsgedachtnis" zu betrachten, das in der Hauptsache auf der gründlicher Kenntnis und der Vertrautheit mit dem Gegenstand, hier mit dem Schachspiel, beruht. Es ist in diesen Hinsicht mit dem oft verwunderlichen Berufsgedächtnis von Musikern, Philologen, Bibliothekaren oder sewst Postbeamten KU vergleichen.' :: y Die Aufmerksamkeit, das Kon^n^aL^vuWe.vmögen auf Lein bestimmtes Thema, ist ebenfalfe ««ht mehr als mittelmäßig. Tagegen wurde Lei allen unfersuchten Schachmeistern eine große Eignung wahrgenommen, Peränderungen, aufeinanderfolgende Geschehnisse, auch mehrere gleichzeitige Geschehnisse, schnell zu beobachten, daher eine Art dynamischer Beobachtungsgabe. Während die statische Aufmerksamkeit, die Konzentration auf em Thema oft dem Typ der Gelehrtenarbeit entspricht und über das Vergessen von allem andern zur Zerstreut^ heit führt, die ja auch! für Gelehrte so sprichwörtlich, ist, führt die dynamische Aufmerksamkeit des Schachspielers gevcLe zu dem Gegenteile der Zerstrmrcheft, nämlich zur Sammlung. Ein besonderes Schachtalent gibt es also nicht! Wohl besteht eine Eignung zum adstvakten, formeller und objektiven Denken, das das Mg«»eme dem Unbedeutenden übermämet und das darauf «ms ist, das Befmwere unter einen ’ aßgemeinen Gesichtspunkt zu bringen. r \- I» dieser Buchung gleicht der Schachmeister dem Mathematiker, doch besteht cäer zwischen beiden «n gwßer Unterschied. Während der Mathematiker formelle G^>ankerrarbeit auf Abstraktes richtet, sind die Objekte der SchachwWsr konkret. Die psychotechnifchen Untersuchungen haben bewiest«, daß die Schachpartie für den SchachstnÄer kein Gcsichchws ist, daS weit ans dem WiMthkeittb eroich steht, vielmehr wirkt sie auf ihn wie «n dramatischer Streit voller Leben, nnd eben dchcki liegt em groß Dell'dev Anziehungskraft, die das Schach auf seine; Anhänger ausübt. Die russischen UnLversitätsprosesjvren teÜeu die Schachspieler in zwei Typen ein: intuitiv nrch gental auf der einen und logisch mw wissenschaftlich anf der andwen Seife. I« die erste Grnppe der genialon vechwr sie den Minekst« Dr. La S kpr ein, Ca pa bl a.» Pa -der in dfe zweite Gruppe. * Professor HaLban m Lemberg gestqrbem Aus.Lemherg wird uns geschrieben: Hier ist der ehemalige Abgeordnete im östorreichischm Parlament und gelveftne Reftor/dec Lemherger Universität, Prof. Dr. H a l b a n (B lume n st o ck) gestorben. Der Verstorbene, der ein Alter von 61 Jahren erreichte, trug an der'Universität westeuropäisches Recht vor. Die .Ueherfsshrung der Leiche nach Krakau fand gestern statt.