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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-30 · Heft 2728 (30.9.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2728 (30.9.1926)
Date
1926-09-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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SW^ Men. BmEWW"' Wense MnegsnMmg 5'67ÄDmM'^9ä8 t«. ttmfrtJfc wobei seine HÄcke heormpendeüen, als suche er einen OdftkmS umWkippen, betupfte die Wangen mit einem SeDtztttützlein und eilte auf eine dicke Matrone zu, die chm lerkftLg zuAchttte «S sitz E &Bm beringten ftänltett an feine «Mn Schutt«» kkmmrerte. Bald erfuhr ich, daß Har Jack ob« wie ihn die Kellner anfprachen, da beste Ektckidyve da ,-Hallä>ria"-Bor fei. Sie gabLr ihm enifpAchKtzv Winke Wld er ürd dmm die betreffende tanMstige Dlwte ein. Auf enmnck fiattd er vsr tmftrem Tisch Der geMe BÜck des Kellners hvtts sofort bemerkt, daß ich urtt der Tanzkunst nicht auf bestem Fuße stehe, und WLe Wrar Retter in der Not. Er «achte eine tadellose ÄttVmgmvg und lud meine Schwttgerin zum Tanz ein. Dbejh nicht wenig geschmeichelt, schickte sich an, ihm zu folgen. Ich gönnte beiden da- Vergnügen, konnte mich aber, einer plötzlichen Eingebung folgert, nicht enthalten, ihn anzurÄen. „Jankel", sagte ich zu ihm in demselben vertrauten Tonfall wie einst daheim im Städtchen, als er an unserem Fenster vorbfilief, „Jenkutz, wie gcht es dir, was treibst du in Bien-?" Sein erhobener Arm, der sich um die Taille meiner Schwägerin legen wollte, siel schlaff hinunter, die ganze i Gestalt verlor die bisherige straffe Haltung und sein Gericht bedeckte sich mit Schamröte. Er näherte sich mir tmd bat müh mit gedämpfter Stimme, ihn nicht mehr bei 'seinem früheren Namen zn nennen. . „Schau," sagte er zu mir im Wiener Dialekt, „schau, wozu braucht man wiffen, daß ich ein ,Polnischer' bin?" Er erzählte mir dann Verschiedenes über seine großen Erfolge als Tanzmeister ruck» daß er vielleicht schon sehr bald .feine eigene Tanzschule haben, werde. Was ihm fehle, sei nur eine Konzession, das nötige Kapital habe er be- -reits beiseite gelegt. Klara schaute abwechselnd aus sein .nettes Shimnch-Mafcherl und meinen fadenscheinigen Selbstbinder, dessen Knoten mir ausgerechnet diesmal ganz besonders mißlungen war. Sie.schmollte anfangs wegen der DanASrung, fand sich aber schließlich drein, als ich ihr ins Ohr raunte, wer . dieser Herr Jack fei. Den ganzen Abend hänselte sie mich, mit meinem neuen Namen ^Sami" und prophezeite, mir den Erfolg, der bis jetzt, leider ruÄblieb. Ich Habe dann Jack noch zu wiederhvLen Malen gesehen. Seit längerer Zeit besitzt er bereits eine Tanzschule und beschäftigt einige lÄntänzer. Und wiewohl.ich den dünnen Sami seit Jahr und Tag führe, ist der Erfolg noch immer Jankel, dem Tanzmeister, geblieben. Ltt BöllrrimuLlongreb in Salzburg. Salzburg, 29. September. Das seit gestern hier tagende, uKL dem Entwurf für das M i n o r i t ä t c n ö er»' fahren cke lege ferenda befaßte Subkomitee,der; Jnteruakonalen Union der DofkerbuNdligen hat heute in einer viKstündigen Sitzung seine Arbeiten beendet und wird, darüber der morgen zusammcntreterrden gemischten Kom- Mission.für das Min.oritätcnverfahren Bericht erstatten. Im Le^rfe des heutigen Tages fanden auch zwischen den einzelnen Delegierten interne Besprechungen über verschiedent Fragen des F r e m d e n der l e h r s statt. nat vorn Staub zerfressen zu sein und einige faffeit in- Trümuser. Sie sind bedeckt, lang, schmal und wirken sehr schön hinsichtlich der Perspektive. Itt Jerusalem ist alles gewölbt; von Zeit zu Zeit, komnit man in den. Straßen unter einem halben oder einem Viertelbogen durch; die Häuser sind in dieser fertteu Bauart hergestellt und überall hat man Kuppeln über dem Kopfe. In den Gegenden des armenischen Viertels, die sehr sorgfältig gepflegt sind, ist es überall sehr schmutzig; das. Pflaster ist für die Pferde säst unmöglich. Mitten .«auf der Straße, in der unser Gasthof liegt, verwest ungestört ein gelber Hund, ohne daß es jemandem einfiele, ihn fortzuschaffen; die K.... längs der Mauern sind wegen ihrer schlechten Beschaffenheit geradezu erschreckend! AVer immerhin findet man weniger Melonenabfälle als in Jaffa. i 4 Am''folgenden Morgen sind wir um sechs Uhr Mft. gestanden, um die Juden an den. Trümmern ihrer Mauern; klagen zu sehcM. Ihr Sockel besteht aus Zyklopen-Sternett, die in ihrer gewaltigen Herstellung an Aegypten erinnern. , Sie sind viereckig und zeigen auf der Innenseite lein quadratisches OmamÄtti, ähnlich dem, das die Tischler mit dem HyM jan Türm anbringen. — Alter Jude iu fernem Winkel, fcwt Kapf mit seinem weißen Gewand bedeckt, barfuß, der äuZ einem Buche etwas psalmodierte, mit dem Rücken der Mauer zugekehrt und sich auf den ßersen hin und her wiegend. Düftlbe Bauart, dieselbe Mauer findet sitz auf dm arHererr, der Ostseite des Teürpeks, wiedfer. Ms wir Von dort weggingen, begegneten uns aMM Juden, die sich wohl hknbegabcn. Ich habe pckh rqsieMn Wett bei einem Barbier, der mich mit Wachen ansah, ohne daß ich wüßte weshalb, und der ftnich mit heißem.Wasser rasiert hat. Bon da ans gingen wir (in ein Cacheum einen Schische zu rauche«. Als wir mrs nuü auf denr hölzernen Diwan, auf denr wir faßen, rrmdrehtett, bemerkten wir eine große viereckige Prszina (Ezechiel-Piszina) Volk grünlichem Wasser, von hohen, hie und da durchbrochenen Mauern umschlossen, die ein paar i spärliche, «megelmäßig angebrachte Fenjterchen zeigen; es hie rückseitigen Mauern der sie umgebenden Häuser.. Das Erdbeben. «a «au ItMafc in «enMMn. Ratz den bisher registrierten Meldungen dürfte der Herd des Erlebens, das in Wien Dienstag nachinättngs, am stärksten in der Inneren Stadt verspürt tourde. in der Gegend von N e u n k i r ch e n gewesen sein/ wo die Wer Erdstöße auch MN eine Minute früher verspürt wurden als in Wien. Die Erschütterung war viel heftiger als überall; Rauchfänge stursten auf die Straße, das Mancvwerk löste sich von Dächern und. Gesimsen. Felrlster brachen und bald waren die Straßen der Stadt mit Schutt bedeckt. Viele Häusermanerri zeigen fingerbreite Risse. Abends war in Neurckirchen ein n.e u erlich e r, ebenfalls ziemlich heftiger Erdstoß zu verspüren, der die Erregung unter der Bevölkerung noch steiger Um 3 Uhr früh folgte dann abermals ein Erdstoß, der wohl schwächer und von kürzerer Dauer war als die vorhergehenden, aber doch die Fenster zum klirren brachte unid viele Leute aus dem Schlafe weckte. Auch in Wiener-Neustadt rmd Umgebung nmr.de das Beben sehr h e'f t i g verspürt, am ' stärksten in der Gegend zwischen Wiener-Neu stad t und dem S e m m e r i n g. In den Hotels des Semmerings mar die Erschütterung fahr stark. In Baden waren ebenso wie in Wien «die zwei Erdstöße nur in einigen -Stadtteilen zu spüren. Interessant ist, daß auch n den Giscnbahnzügei. der lokalen Aüdbcchnstrecke, besonders zwischen Wiener- Nenstadt und Payerbach, die Erderschütterung t gemerkt wurde, Ivas für die Stärke der Erdstöße spricht. Im B u r g e n la n d war die Heftigkeit -der Erdstöße ziemlich stark, besonders in Matter s b u r g, wo sie i n allen Häusern wahrgenommen wurden. Auch in cinzelnen u n g a r i s ch e n -Orten war das Beben zu spüren. Das Erdbeben, das Dienstag in Wien gespürt wurde, war nach achtzehn Jahren wieder das erste stärkere Nahbeben. Wie noch erinnerlich, war - itu 19. Februar 1908, kurz nach 10 Uhr abends, t n g a n z Wi e n/ein Erdbeben verspürt worden, das in drei heftigen Stößen verlies; die Ersck-üjkerungen waren viel st ä r k e r als diesmal, doch ' wurde auch damals .'kein Schaden angerichtet. Lutz bas Beben vom' Zsatzve iM war ein tektonisches Naybeben, hervsrgervftL durch Urnschichtungen und Derschisbungen der GeMnSlagerung in der durch -die geoloMchen Fvrschimgen der berühmten Wiener Geologen Eduard Gu s ß festgestellten und nach ihm benmmten " Thermalliure, dieser Siödbabnstre'cke und' dem Randbruch des Wiener BeckenS^ entlang von .der Semmeringgegend über das Steinfel-d, über Bö-lau, Baden und M S d I i« g nach Wien-Meidling führt und sich von hier nach dem Marchfelde fortsetzt. EMeben v u l k a n i s ch e r Art sind in Wien nicht zu verzeichnen, da das Wiener Gebiet nicht echt vManischer Natur ist. Die Nahbeben in Wien verlaufen fast alle in derselben Richtung sükd- und südostrvärts. Die tektonischen Nahbcben in dem oben bezeichneten Gebiet sind ziemlich häufig, werden allerdings zumeist nicht verspür!, jedoch von den empfindlichen seiSmographifchen Apparaten unserer Institute stets registriert. Glektrizitätrstvemtgett. Nicht auf das Erdbeben zurüchufikhren, sondern, wie so. häufig, gewissermaßen auf eigene Rechnung' der städtischen ElektrizitätTanlagen. ist dis Elektrizitätsstörung, die Dienstag, abends in Rubolfsbeim und den angrenzenden Bszirksteilen vorkam. Im Rudolfsheimer Werk , der städtischen Elektrigriätswerke explodierte infolge li e >b e r! a st u n g ein Oelschalter, wodurch eine halbstiindige Licht- und Stromstörung in den Wohnungen, Betrieben und auf den von diesen Werk versorgten Straßenbahn Tinten entstand. Orkane in Mittelamertka. Poris, 29. September. Nach einer Meldung deS „New Dark Herald" aus M i a m i luird von der Wetterstation ein neuer Orf an von ungewöhnlicher Starke geineldet, der nördlich von Portorico aufgetreten sei und sich m der Richtung auf Florida bewege. Die nötigen Sicherheitsmaßnabmen seien bereits getroffen worden. 9kach einer Meldung ans V e r a er u z hat gestern ein heftiger Mrbelsturm die Stadt heimgesucht. Die V c r l u st e an M e n s ch c n I e b e n sind, soweit bisher bekannt, gering. Mehrere Kriegsschiffe sind im Hafen gesunken. Der Dampfer „San Juan" der .Harbour-.Linie ist teilweise ein Wrack geworden/ Die Ursache der MW in Hanuover. Aus Be r lie wird berichtet: Die lange gesuchte Ursache der Typhusepidemie in Hannover scheint nunmehr mit zieinlicher Sicherheit^ festgestellt zu .sein. Die Untersuchung von 50 Brunnen im Stadtgebiet von Hannover ergab/ daß, das Wasser von 13 B r u n » c n für den menschlichen Genuß nicht geeignet mrd das aus 20 Brunnen als verdächtig bezeichnet werden muß. Für die Berwaltmrg der Stadt Hannover ist es bezeichnend, daß-die Versorgung mit Trinkwasser durch Brunnen erfolgen Muß. Die Typhnsepidemie hält-noch immer ziemlich stark an. S\. Entlassungen aus den Krankenhäusern stehen 30 Neuerkrankungen gegenüber. Bisher sind 143 Pe rso ne u am Typhus gestorben. Der Waffevschutz i« Wien. Vor eilügen Tagen wurde cinc'Sitzüng der Quellen» schutzkomMission abgehalten. Der Vorsitzende Stadtratz Professor Dr. Tandler erörterte den gegenwärtigen Stand jener Infektionskrankheiten in.Wien und .Nredcrösterreich, die erfahrungsgemäß am leichtesten d u r ch Wasser verbreitet rrrden. Wien hatte im Monatsdurch- . schnitt des „ersten Halbjahres 1926 15 Typhusfällc, also auf 10.000 Eiwvohner 0,6 Fälle. In Hannover betrug der Monatsdurchschnitt 6,9 auf 10.000 Einwohner! Im Monat Juli hatte Wien 37 Typhusfälle. Niederösterreich -hatte im jJuli 10-fThPhusfälle. An'August»vurden in Wimr 34 Typhusfalle festgestestt. Niederösterreich hatte im August 112 Typhusfalle. fin gsweleurSaber atu der Lmeutzienftrebe feffBetumuctt. Aus Breslau ivird uns berichtet: Die hiesige 'Krimi- ,ralpolizei hat den 40jährigen'Johannes Spru'ch ckus Ratibor, zuletzt in Berlin wohnhaft, festgelwmMen, bei dem sich ein Teil der Juwelen b«ckand, die, wie vor kurzem,gemeldet, bei verwegenen, mit'Hilft von Explösivkdrpern bei hellichtem Tage verübten Einbruch in ein kunstgewerbliches Atelier in-der jTauentzftnstraße in Berlin tzerarcht wurden. Spruch ist geständig, die Tat gemeinsam mit seiner Geliebten Vegängen zu haben. Dieft ist mit einem Teil der gestohlene« Juwelen unterwegs nach Warscha«. Die HBsershelferin Spruchs ist, wie Wetters gemeldet Mrd, eine!gMsse Sonja Jgnatiew. Sie. hat den Einbruch in der Tauentzienstraße in Männevftti,dnng* mitverübt. Spruch hei die JMratiew drei Monaten in Berü« in der Vrftdrichstraße temat gelernt und schon daMls mit ihr den Raub platt verabredei. Die Jgnatiew 'Wtzt cimn polnischen Paß, der ihr, wenn die Angabe Spruchs, sie befinde sich auf der Reise itach Warschau, richtig ist, gute Dienste leisten dürfte. Spylch wurde in dem Augenblick verhaftet, als er in Breslau den Versuch machte,. Sch muckstücke zu' verkaufen, die aus dein Berliner Raub stammten^ In seinen Taschen und in seiner Herberge fanden die Kriminalbeamter noch weitere Beutestücke. Die Frage des zehents iu PaWlna. L. Jerusalem. 29. September. Nach einer Meldung des „Felcfiin" erklärte der Vertreter des Oberkommissaxs, Eolonel Symes,'anläßlich seines letzten Besuches in Jaffa einer Abordnung gegenüber, daß die Regierung wohl die Aufhebung der Zeheickstcucr crrr»-ge, doch' sei 'rrs ausgeschlossen, diese Aufhebung vor Bollett* düngder-Bodenvermessungen.durchzuführen. Tir -Regierung beabsichtige, an Stelle des Zehents eine p r o - vis arische Steuer im Ausmaße der .durchschnittlichen Einnahmen aus dem Zehent Ivährend der htzten vier Jahr-' kinzuführe" . Sie Sprache der RegenwLrmer. . Durch zufällige BeÄbachtungcn und danu weiter verfol^le Gnüdeckungep tza.t der Plhysiolog Prof. Mavgolh festftellen können, daß diis Würmer durchaus nicht stumm sind, wie man sie bisher gehalten hat.' Gr Holk vislmchr bvvachten können» daß zu lievschliiedsnsten TageSzeiten bestiamsüe. schnalzend« u-nd schmatzende Töne auS soinen Rogeuiwurmterranen hervordrangen, die er deutlich vis zu vier Metzer Entfernung hörte. Die Eingelltöne sind, wie Hermann Radestock in der Ze»tschrist „Kosmos" mittrilt, ganz kürze, mit dem Sonsonantrn '*!>• und einem der fünf Vokale geWdete Silben^ Dt« Klangfarbe ist oft unrein. In Ausnahmasälftn klingen die Töne wie von e»ner Neinen Mte geblasen cher als schlüge ein Hämmerchen gegen ein straft gespannter PapierLlatt. Dar -Merkwürdigste und ack meisten an spmGlsche Verbindungen GrÜn-nernde ist dar Aneinand.erreihvn Per La.att«r. Oft hört nian diese eitrzeinaber meistens schließen sie sich zu ganzen Reihen mit wechselnder Anzahl Von» Läute« zusanvmen, * * * 4 . . 1 _.,v. Wie der 'Regenwurm dies« Töne hevvorbckWgt, ist vorläufig allerdings noch ein Rätsel. Gr bedient slch.bevftlben «8m» lich beim Arbeiten ln ver Höhle, wo er schpo»^ M beobachten ist. Doch ist Mel festgejtellt, daß er sich tttcht um Maße gpfällige Arlbeirsgeräusche, sondern um wikllkKrll'ch«, durch rhythmisches Oeftnen und Schließen der MoMchWe hervor* govrachte Laute handelt. Was aber der Wuwü damit boech* sichtigt. ist freilich noch nicht gckkläri, d. h. man weiß noch nichtz ob diese Ton« mit ftäner Boh rarbeit -u^mMetthAnchW oider zu Mitteilungen an benachbarte MfegW»H»iW werden oder etwa gar D-irHeS laute sind. /

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