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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-28 · Heft 2726 (28.9.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2726 (28.9.1926)
Date
1926-09-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Ms Dchövden otbneten tne MnBgtabmtie Weh- «»« Lerchen von Perftmen an, deren Todesursache ver- SSchttg VM Md verhaftete vor einigen Tayen die PrLsi-ettti», so-vie errnge LMgKeder der Gesellschüft, die nnvovsichtigerweife nach Kikmda käme«, nachdem ste längere Zeit von dort verschwunden gewesen waren. In dem Orte herrscht grotze Erregung. Diele FcmMenvLbtt verlassen ihr Helm, aus Furcht verMei zu werden. Zunge Leute verlassen ihre Geliebten und Bräute. Sie Mische Presse io Amerika. Aus eine« Gespräch, mit Herrn ZackoK Lauda«, -Leiter der Jüdischen Telegraphen^lgenLur. Herr Jakob Landau, Gründer und Präsident der Jüdischen Tekezraphen-Agentur in Netv-Nork, befindet sich jetzt auf einer Reise durch Europa, mn me Lage deS Judentums in den verschiedenen europäischen Ländern zu studieren. Herr Landau besuchte Rumänien, Ungar», Polen, Deutschlarw, Frankreich und England. Er. hielt sich auch einige Tage auf seiner 'Durchreise in Wien auf und einer unserer Mitarbeiter nahm Gelegenheit, Herrn Landau über die Verhältnisse in der amerikanischen Presse zu befragen. Amerika ist heute in vielfacher Beziehung daS Land, .zu dxm das jüdische Europa hinübersieht. Das Drei^MÄonew'Judentmn, das dort lebt, ist zunächst in materieller Hinsicht der glücklichste Teil unseres JöotfeS und darum in der Lage, in der Renaissance bewegung des jüdische» Volkes eine wichtige Rolle zu spielen. Die Ausführungen deS Herrn Landau über die amerikanische Presse, die ein Ausdruck der jüdischen öffentlichen Meinung in Amerika ist, sind daher von besonderem Interesse. Die jüdisch« Presse nahm in den letzter: Jahren in Amerika, führte Harr Landau aus, einen großen Aufschwung, sowohl was ihre Auflagenhöhe, als auch ihr Berant wörtlich keitSgefühl betrifft. An der Spitze der jüdischen Tagesblätter Amerikas schreitet das New-Dorker Arbeiterorgan, der „Vorwärts", der eine Auflage von Über 200.000 Exemplaren besitzt. Das Blatt gehört einer Bereinigung und sein Chefredakteur ist Ab. Cahan. An zweiter Stolle steht das „Jewish Morning- Journal", ein Blatt, das sich au orthodoxe und zionistische Kreis« wendet, dessen Chefredakteure Jacob Fishman und Peter Wiernik sind. Das Blatt hat eine Auflage von mehr als 100.000 Exemplaren. Es ist das einzige jiddische MorgeMatt Amerikas, während alle auderen Tagesblätter Abendblätter sind. Außer dem „Vorwärts"-: gehören-all« Tagesblatter privaten Unternehmern. So ist z. B. der alleinige Inhaber des „Tog" David Schapiro und die Redakteure sind Dr. Magosches Und Dingol. Der „Tog" ist das Blatt des fortschrittlichen Zionismus. In New-Uork erscheint und) das orthodoxzionistische „Tageblatt" unter der Redaktion von G. Bublick und das kommunistische TageSorgan „Die Freiheit". Die amerikanische Hauptstadt besitzt also allein fünf große Tagesblätter in jiddischer Sprache, die alle ihren bedeutenden Leserkreis haben. Bor kurzem erst wurde in Netv-Aork die einzige englisch-Mische Tageszeitung ,jewish Daily Bulletin", von Herrn Landau selbst gegründet. Dieses englisch-jüdische Blatt hat eine ganz besondere Bedeutung. Es bringt alle Nachrichten, wie die anderen jüdischen Blätter, hat aber keine Leitartikel, es bringt vielmehr täglich die wichiigswn Auszüge aus allen Leitartikeln der Mische»: Presse, um auf diese . Weise den Führern des amerikanischen Judentums,- die vielfach die jiddischen Zeitungen nicht lesen können, ein Bill» der Anschauungen der jüdischen Masse zu gebe»».. DaS „Jewish Daily Bulletin" erfüllt so die Aufgabe des Vermittlers zwischen Volk und Führern. Es wird von William Z. Spiegelmann redigiert. In Philadelphia erscheint die Tageszeitung „Jewish World", in Chicago der „Jewish Daily Curier" und eine Chikagoer Ausgabe des „Vorwärts". Auch Cleveland hat eine Mische Tageszeitung, die „Jewish World" heißt. Jüdische Wochenblätter gibt es in Amerika in eng-« lischer und jiddischer Sprache mehr alS fünfzig, die alle Parteischattierpngen vertreten 'Ein großer Teil der Wochenblätter wird von reformjüdischen Kreisen in Amerika herauSgegcben, die in Amerika bekanntlich eine viel größere Rolle spielen, als in Europa. Seit dem Kriege nimmt die jüdische Presse Amerikas großes Interesse an europäischen Vorgängen und Ereignissen. Der amerikanische Jicke interessiert sich zunächst für das Schicksal seiner Brüher in Grropa, denen er vielfach auch materielle. Hilfe angedeihen läßt, und darum werden Berichte aus allen Ländern Wer die wirtschaftliche, politische Und kulturelle Lage der Juden sehr stark gelesen. Insbesonderedie Pogrome mit ihren surchtbaren Folgen haben das Interesse das amerikanischen Juden an Europa wachgerusen. Eins» großen Raum in der jüdischen Presse Amerikas nehmen die Aufsätze und Berichte Oer Palästina ein. Wie die allgemeine amerikanische Presst, so beschäftigt sich auch die Mische Presse in Amerika mehr mit konkreten und praktischen Dingen als mit abstrakt geistigen. In der letzten Zeit beschäftigt sich di« jüdische amert* konische Presse sehr stark mit der Frag« dev. Krimkolonisation, imckei sie sich um ein«; Ausgleich der Meinungen bemüht. Auch der bevorstehende Schtvarzbarch- Prozeß und die Anwanderungsfrage gehören zu den Haupitthemen.der jüdischen Zeitungen in Amerika. Schließlich wendet die Presst große Aufmerksamkeit den Fragen und Institutionen des MM» LchevS in Amerika zu. .MMiiäMim. __ liti — *-n wvt9(lf|llft gCSClt vlC Unter dem Vorsitze deS Generaldirektors LLwy HM der Schkchdaband der ReklamckreLenLen eine äußerst -erreich besuchte Protestversammlmrg gegen bk gewaltsame Beschränkung dev Reklame ab. $9 vucke eine Resolvtivu angenommen, in welcher die Handelskammer avfgefordevt wird, die von chr schon längst versprochene große Enquete über die Reklamesteuern in Wien und in de» Bundesländern abzuhalten. I« Angelegenheit der drohenden Porto-Erhöhung wurde ein energischer Protest beschlossen und erklärt, daß, falls eS zu der Dmcksacheu-Portr^ erhöhung tatsächlich kommen fMe, im EruveMchmeu mit dem Gremium der Wiener Kaufmannschaft und de« JudustriellenverLarü» eine SelbsthilfeorgainLsativn geschaffen werden wird, die für die ZnflMmg der Rellame Trucksorten, analog der bereits bestehenden Zustellungsorganisationen zahlreicher wirtschaftlicher Korporativnen und Banken, selbst sorgen wird. Aue zweite Resolution richtet sich gegen die Uebervalorifieruug der Preise für elektrische» Strom für die Lichtreklame. Geltusg mV KirksamM der vemkrMche« Staatsordnung. Nrfevake auf dem Sogiologenkongreß. Gestern vormibbagS begannen m der. Universität die Beratungen der Deutschen Gazivl-oMchen Gesellschaft. BvrvdeÄprLstdent Dr. Hainisch begrüßte mit Freude die Mitglieder der Soziologischen Gesellschaft, zu deren Gründern und treuen Freunden er selbst gehöre. Er sei von jeher Demotrat und mittätig um die Einführung des allgemeinen Wahlrechts im alten Oesterreich bemüht gewesen. Für die Demokratie sei die Hauptsache nicht die geschriebene Verfassung, sondern vielmehr der demokratisch g e s i n n t ef M e n is ch, ohne dessen stete Mitarbeit das Gesetz bloß ein toter Buchstabe bleibt. Zum Schlüsse seiner Rede kam der Bun-desprästdent auch auf die Staatsform zu sprechen, Problem „Monarchie oder Republik". Nach seiner Ue-beyzeuglMg ist die Frage bereits entschieden: Die Rückkehr zu den alten Verhältnissen und Staats formen darf als ausgeschlossen g el L e n, weil eine Tradition, die einmal gebrochen ist,'schwer wieder aufleben kann. Der ganze gestrige Dag des Kongreffes galt den Auseinandersetzurrgen über die Geltung und die Wirksamkeit der demokratischen Staatso ridnu ng. Zunächst hielt Prof. Kaiser,' der Staatsre'chtslehrer der Wiener Universität sin Referat über ,Me Demokratie." Die ist nach ferner Definition jene Staatsform,' in der der StaatSwille durch die ihm Unterworfenen erzeugt wird, also Subjekt und Objekt der Herrschaft sich decken. Er kam zu dem Schluffe: Die „formelle Demokratie" und der Parilamentarrsmus seien der richtig« Ausdruck der bestehenden Machtvevhältnisse in der heute irr zwei Klaffen gespaltenen Gesellschaft. Auf unblutige Weise ist der Zwiespalt nur durch die parlamentarische Demokratie zu lösen, die vielleicht nicht das Ideal der „Gleichheit", aber die Realität des Friedens ist. Prof. Öppenheimer M den Föderalismus. Prof. Franz Oppenheimer konstatierte, Laß die europäische und amerikanische Gesellschaft sich m einer s chwer eu K $ He. befinden. Sonst müßte jeder ihrer Glieder Las Lebensnotwendigste besitzen. Gegenwärtig schwank: die Gesellschaft zwischen dem offenen und latenten Bürgerkrieg. Versagt haben bisher ebenso der Absolutismus der Fürsten, die Diktatur der süüeuropärschen Militärs in der jüngsten Gegenwart^ der ANsolutisinus der Minoritäten — in Rußland — die sich logisch von dem Absolutismus der EinzÄkren nicht unterscheidet. Es Ware ein Irrtum, wenn man ein Drittel für unmöglich hält: ES gi-bt eine Formsdes FöderaliSU»S, wie,er vor dem verhältnismäßig jungen MrstenMMtWmuS bei den SWteu, Staaten und Körperschaften Europas bestand. Die ZentxaKsaW» muffe wieder der sonverLne« Autonomie weichen. Diese' UmbMnmg ist aber nicht möglich ohne Lösung der ft>Akflen Fragen. Prof. Koigen (Rußland) hebt den Zusammen* Hang von Demokratie mit Kultur und Bildung, der Sozialmch StaatsWduntz, der Humanität und ihren Mrkungsgrenzen hervor. - Ne Autoraserek. Zwei Todesopfer in Mm. Gestern vormittags wurde in der Feldgasse nächst dem Sichcrheitswachzimmer der zchnjäbrige Bundesbahnrcckssohn Fritz Zeil er, Feldgasse 10, vo« dem Aww A VI 179 überfahren. Der Knabe erAt schwere Verletzungen, denen er erlag. — Am Getreidemarft vor dem Hause Nr. 1 wurde gestern der 50jährige Maurer Ignaz Grub er beim Ueberschreiten der Fahrbahn von dem Lastenauto M 53 MS Elfmstadt niedergestoßen. Tie Rettungsgesellsthast fand ihn hepchs tot vor. In bewen Fällen ist die Amtshandlüng zur Klärung der Schuldsrage eingeleüet. . . va*» iaSL&wxs & JiiV WIEN, h, OnranNQ ü brtogt för de haarige Herbst- «ml Wteteraafeoa ROCKE iWImMHMHHItHHlMlmiiliuuiri»* «ad Farben aal Seide J Jg||, «m von HRARHUTE hl den modernsten Fassons, durchwegs mit f _ Solde geMttert, de» passend, rom Preise von & Mi ooooo^;xooooo«mx»oooo{mmmx» PrShistorische Sunde. Ser Stöbet tet ^»feetöen Affen" cttÄe*. Batavia, 27. September. M-Mer.) In «wem javanischen Dorf hat ein Professor den vollständige« Schädel der Prtheoanthropus erectus gefunden — Der PiiHeoarüHrrWS erectttS ist das Zwischenglied zwischen Mensch rmd Affe. . »r.ürf'-• r Ein Mmmnut-Ka-aver. Tschita, 27. September. (Wofff.) Im TrwMallü!-Gvu» bernement ist in Len ewigen Eisschichten ein gut erhaltener Mammut-Kadaver aufgeftmden worden. Der Fund wurde nach Leningrad an die Wadenne der Wissenschaften zur wiffenschastlichen Untersuchung gesandt. Dies ist im letzte» Jahrhundert derzweiteFall, daß ein vollkommen erhaltener Mammut-Kadaver zutage gefördert werden konnte. B«mW««g der geschiedene» PMesstn gloachim vo» Preche«. Berü», 27. September. Die geschiedene Gattin des Prinzen Joachim von Preußen, der bekanntlich im Jahre 1920 Selbstmord verübte, hat sich mit einem Sohn des Reichsfrecherrn von Leon vermählt. (Die Prinzeffin ist / eine geborene S u l z e r, eine Verwandte des ehemaligen Oberkantors und Komponfften Josef Snilger.) Verhaftung eines Wiener gnweiierr. Auf Grund der Anzeige des Sekretärs . des Wiener DiamanterMubs wurde der 30jähvige Juwelier Leo La«.- d -a oi, et-Miert t» der Großen Sperlgasse, von. der PoKg« verfolgt. Er soll, wie die Korresspcmdenz WAhel-m unelde^ sich Veruntreuungen mit einem , Gefamtschaden vrm eöwa 112 Millionen haben zuschulden kommen laffem Er wurde gestern im Geschäfte eines befreundeten Juweliers t n M 54)» l i ng^v erhaftet, u-nd nach Men WexstelÜ. Er rechtfertigte sich damit, daß er in große SchuGen geraten sei. I». teveflant ist, daß Landau auch zu der engeren Gesellschaft gehört, die am 21. d. M. im Wiener DiamanteMub gewellt hat, als sich, der. rätselhafte Diebstahl von Juwelen ft» Werte von zirka 4000 Schilling ereignet hat. Landau war öämaD zur kritischen Zeit zwischen den beiden nebeneinanderstehenden Tischchen gesessen, von deren einem das Juwelensäckchen abhanden gekommen ist. Es habe» sich jedoch keine Anhaltspunkte dafür ergeben, daß Landau mit deM Verschwinden des Schmuckes in irgendwelchem Zusammenhang steht/ ' , Wie«, 28. September. * Warum ist dar Wort „meschügge" vollstümlrch? In einer EhrenbeleMgungArerhandlung vor dem Bezirksgericht Favorite» sagte eine Frau Mache!, ihr Ariertmn schließe die.Kenntnis des Wortes ^meschugge^ aus. Frau Fritsch ^habe sie „boshaft" genannt, sie konnte aber nicht mit „meschugge" replizitten, denn dieser Ausdruck sei ihr fremd. Di« Fra« wollte sogar' den Wahrheitsbeweis dafür erbringe»; dem Richter gelang aber eine Versöhnung der streitenden Damen. Bocher hatte er aber noch bemerkt, das Wort »meschugge* sei beinahe volkstümlich geworden. Der Richter scheint also anzunehmen, daß das Ariertmn vor Annahme treffsicherer jüdischer' ^Krastausdrücke Nicht schütze. Worte, die den Nagel auf den Kopf treffen, brechen Volks- und Sprachengrenzen. Sie finden den direkten Weg zmn Temperament, wo sie erst individualisiert werden. Sie haben sozusagen einen breiten Hintergrund, auf den dann der einzelne seine LieblingSfarben auflegen kann. Go bedeutete «mefchugge" ursprünglich wahnsinnig und wird doch firr alle Abstufungen büd Warten des VerrücktseinS gchvaucht. Nervös, hysterisch, zerstreut, dann alles Mögliche, das einem nicht paßt. Um seinem Zorn ein Ende zu sehen, ist es daS beste, die Person oder Gqche mit ^meschugge" abzutu». Wen« man bk Lade nicht austun kann, schimpft man sie «meschngge^ und die schmollende Freundin ist »vreschugge". der wild gewordene Hund und der wrfreundliche Chef. Mit dem Wort wird em Bentll fur die Un- Wdämpfe 1« GesMÄeffel geöffnet. Man macht sich Luft und ebnet den Weg zum Vergessen. Hebel ist nur, wen» die Sache chronisch wird und der Tag. die Woche, das Jahr ^nefchugge" werde«. Dan« hilft das Wort weder dem Arier, noch dem Juden. Die Operation muß teffitefec gemacht werde». X th. * DaS Wetter. Gestern gab es leichten Rege». Pie Voraussage lautet: Wechselnd, meist starke Bewöllung, zeitweise sonnig «ch milde/ * Mdmäßigo MerWche ip der Oösrau. In der Oberau haben sich die wilden Siedler feldmäßig eingerichtet. Sic erbauten sich Unter st a n d e (M u st e r W e I t k r i e g) und erllären, in diesen Notunterkünften, wenn, es gerade sein muß, aM zu überwintern. Die Mnatty» .«fuhr gestern keine

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