Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2726 (28.9.1926)
- Date
- 1926-09-28
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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mwm RReiiw tteytyBun Tagesbericht. Wegen lle-eHehel«ng der,Messe VkSWesM. ttwg^ in eise avdeee LmSe«i Kaste die gestrige MttagSMSgabe unseres Blattes sicht erscherms. Wir bitte« mftte Leser, dies zrr entschuldige«. * Döe Lelephouuummer der Nachtvebattü» der Mieser MorgenMus-g^ lastet Nos heute ab: Nr. 31*209. Diese Nummer ist ab 6 Uhr aSeubs aus», asses. Die Juden Mens. Mm statistische Studie +) vou Dr. Leo Golvhammer. es Besuch vo« Hochschule«. Dar scheu im vorigen Abschnitt der große Drang der Jude« nach einer höheren als der Volks- und Bürgerschulbildung besonders auffällig, so ist er um so mehr in die Augen springend, wenn wir die Frequenz der Wiener Universität betrachte,». Die nachfolgende Tabelle gibt uns hierüber lehrreichen Aufschluß, wobei wir die eigentlichen KriegSjaHre, ÄS nicht normale, unberücksichtigt lassen. Die Wiener Universität wurde besucht in dem Jahre: vo« je 100 vo» Juden von Nichtjudeu Stuoeute» waren Juden 1909/10 2281 8809 26.09 1910/11 2404 711« 26.26 1911/12 , , 2686 7262 26.28 1912/18 , , 2693 7209 27.19 1918/14 , , 2786 7829 27.54 1914/15 , . 2668 3888 31.64 192Y/21 , 4666 6263 42.16 1921/22 i 8848 7330 32.96 1922/28 , , 8722 7323 88.69 1923/24 , 2663 6669 80.88 1924/26 , 2476 6802 26.68 1926/26 2269 6829 24.86 Es abftrfiasftlt diKdt «tu Itaoittftee, aefcte riesige Witten« dtr echte DIANA- FRANZBRANNTWEIN MITMKNTHOL MnMc mHatiuhen ErzeugtUiM and (hmUA At. Nwrvoaltll «ad KoduliniRM Leidende wenden m» «tut Matsage an, um sich zn erfrischen und ihre ermüdende Tageaarbeit fortseteen nt kOmaa. Ueberali emaitllcit. Die bessere stziale Stellung, die größere Wohlhabenhett und höhere BWumg der jüdischen Eltern bewirkte es bnc dem Kriege, daß fast keine jüdische Familie vorhanden war, di« ihre Kinder nicht auf die Universität geschickt hätte. Decher auch das allmähliche Ansteigen des Prozentsatzes der jüdischen UniverfitAshSrer. InteressantistdaSplötzlicheAnschwell e» der jüdischen Höhrerzahl im ersten KriegSjaHre 1914/16 und im ersten NachkriegSßchre 1920/21. Diese Erscheinung dürste wohl darauf zurückzufü-ren sei«, daß die Zahl der militärpflichtige« Gtudeute» -u Beginn de» DeltteiegeS geringer war, att die der nichtjüdifchen, und daß dann aller einrückend gemacht wurde, was geväde Glich« hätte. Vom Jahre 1921/22 ist aber eine stetig« Abnahme sowohl der absoluten att auch relative» Zahl d« jüdischen Hörer festzustellen. Sollte da der versteckte Numerus clausus die Ursache sein? Es ist kein Gcheirmris, daß die hohen JnflripttonSgebühren für Ausländ«, die Bestimmungen üb« die Verteilung der Platze in Instituten und Laboratorien, d« Ausschluß d« Ausländer von allen Hilfsaktionen zugunsten d« Studentenschaft usw. d« Grund dafür sind, daß die jüdischen Studenten sich immer mehr den italienische«, tschechischen usw. Univ«sitäten zuwenden. Welche Fakultät wird nun vom jüdischen WadernAer bevorzugt? hierüber gibt die nachfolgende Zusammenstellung Aufklärung: Rechtsu. staatsw. Fakultät Medizinische Fakultät Philosophisch« Fakultät Juden Nichtjude» v. Inden Nichtjudeu % Jude« Nichtjude« % 1918/14 . 1051 4072 28.81 1167 2877 40.56 568 2909 16.43 1914/16 , 1210 2924 41.88 843 1477 66.89 615 1808 3401 1920/21 , 1181 2077 86.26 1979 1767 52.88 1896 2409 36.68 1921/22 1108 2261 82.78 1778 2368 44.00 970 3806 22.68 1922/28 4 928 1988 81.75 1475 2041 41.96 1823 3294 28.63 1928/24 . 815 1822 80.90 1080 1711 88.69 968 3026 2423 1924/25 , 719 2068 . 25.44 886 1715 84.08 872 8019 28.41 1926/26 669 2098 24.20 816 1595 38.84 774 8189 3426 Daraus ergibt sich, daß die jüdischen Studierende» in Me« sich in erheblich höherem Matze der medizinischen Wissenschaft zuwenden, ÄS ihre nichtjüdischen Kollege«, daß aber in dxn Nachkriegsjahren auch hi« ein allmählich« Wandel zu bemerken ist, und daß die früh« von Juden nicht häufig besuchte philosophische Fakultät sich nunmehr immer mehr eines besseren Zuspruches erfreut/ offenbar deshalb, weil das von den Zionisten geschaffene jüdische Schulwerk eine erhebliche Anzahl von Mittelschullehvern erforderlich macht. D« verhältnismäßig geringe Besuch ein« Realschule durch Juden kommt hei der Zahl der jüdischen Technik« zum Ausdruck. Da das BundeSministerrmn für Statistik die Auszählung d« Hör« an den Hochschulen nach ihr« Konfession ausgelassen hat, war es uns bisher nicht möglich. die Daten für die Nach« ttiegsjahre zu ermitteln. Wir mußten uns vielmehr mit einem *) Siehe „Wiener Morgenzeituug* vom 26. IM. 1., &, 38. urü» 2V. August, 12. Septeucher. einzigen Rachkriegsjähr begnügen. An der Technischen Hochschule in Wien hörten im Jahre: Jude» Nichtjudeu Von je 100 . Studenten waren Juden 1909/10 . . 794 2417 2472 1910/11 m ■ „ 783 2456 28.86 1911/12 . 747 2478 28.19 1912/18 k 698 2245 22.20 1918/14 , . 660 2338 20.67 1914/16 , , 845 1044 2498 1924/25 , _ . 728 8677 19^6 WKhrend wir also an der Universität i* de» BmckriegSjahren ein absolutes und relatives Anwüchsen d« jüdischen Hörttschaft beobachten konnten, müssen wir hi« emununterb r o ch e n eS Gin k e » der Frequenz feststellen. Für das Jahr 1914/16 werden wohl dieselben Gründe maßgebend gewesen sei«, die wir oben angeführt haben, und die sich auch bei den iwdeM Hochschule» zeige». Al» verstärkendes Moment Mr Ns ununterbrochene Abnähmö der jüdische» Hör« ist auch »och ab« zufühttn, daß die Technik schon im Frieden d« Sitz d« hakenkveuzlerischen Richtung 1» bet deutschen Studentenschaft war. Mit der Aufnahme d« pvÄtische» ArLett in Palästina begann sich eine, wenn auch noch absolut geringe ZM Mischer StvLenten dem Studium der Bodenkultur MMveuden. An ftec Hochschule für Bode»k«lt«r wäre«: von je 100 Ades Mch^udeu Gtudeute» - -- wwa ottOvJv 1909/10 , 97 978 8.64 1910/11 , . 81 1020 2.96 1911/1* « « 89 1106 2.56 1912/18 « » 88 1180 2:42 1918/14 » » 87 1114 2.87 1914/15 . 7 888 8J9 1924/26 . 18 806 4SI Auch auf der Hochschule für Bodenkuttnr hat das aSHw mittfche Verhalten der deutschen Studentenschaft eine« stärkere» Besuch durch jüdische Hochschüler verhindert. Beträchtlicher ist sowohl absolut, ÄS auch rÄattv die Zahl d« Hör« an d« Hochschule für Welth««* d e l ( früh« Export-Madomie>. Diese wurde besucht: von ie 100 Nichtjudeu Stndente» mim . . 194 «8 waren Jude« 29.88 1914/15 . , tu 190 87.50 1920/21 . . 1128 3887 82^6 1921/28 . . 1052 2826 81J4 1922/28 . . 897 1289 41.06 1928/24 . . 984 1846 4QJ3S Aus der noch zu erörternden BerufSstaLWk mW aus der. Erfahrung läßt sich ohnsweiters der Beweis dafür «bringe«, daß die Juden sich fp^iell während d« JnflattonSperiode dem Handel zuwandten, und wir finden es vollkommen begreiflich^ daß auch hi« sowohl -Le jüdischen Eltern, Äs auch die Mische Jugend selbst um eine auf der Höhe stehende kaufmännische Ausbildung besorgt Ware». Dazu kommt noch, daß sich d« jüdische Akademiker einen Weg in die noch offene überseeische Welt bahnen wollte und will, und daher zu einem Berufe griff mrd greift, der ihn nicht an das. Heimatland kettet. I« Kürze wollen wir noch zwei« Hochschulen Erwähnung tun, um nicht in unser« Arbeit unvollständig zu bleihen, wenn sie auch nicht von solcher wirtschaftlich« Bedeutung fttt die Juden find. Wir meine« die Tierärztliche Hochschule Nutz die Akademie d« bildenden Künste. An d« trer a rztl ich»« Hoch sch ube wäre» Wtt» Viert: ) vo« fr 100 Inden Nichtzuden Stndente« wareuJrcken 1913/14 . » . 4L 926 .438 1914/16 . . 28 860; 5.70 : 1920/21 , . 27 568 4.89 Die Zahl ist fast unverändert gebliebea, ebenso, :wie bei dea Hörern der Akademte de< bilde-nüan Künste. Hier Snbett Iüchftudeu von fr U» Studenten waren Juden 1918/14 . . 16 288 6.42 1914/15 , . M v ■ 148 248 6.54 1920/21 . . 19 7.88 . Alle diese Ziffern beweise» unsere am Eingänge Reset Kapitels aufgestellte Behauptung, daß das Strebe« d« Jude» nach der Hochschulbildung i» einem engen Zusammenhang« taü ihrer abnormÄen soziÄen und wirtschaftlichen Gliedevung ftehL; die detaillierte» Schlüsse aus Lies« Tatsache Lärm frderuwrw seM leicht ziehen. Auferstehung. Bon Dr. Jizchak Epstei« (ZJerusalem). Zu einem kleinen Winkel denahen Ostens, in Palästina, erficht ein erschütterndes Phänomen sozialer Psychologie, das die Aufmerksamkeit der gesamten Kulturwelt verdient. Palästina, dieser kleine Landstrich zwischen Mittelmeer und Jordan, hat zu allen Zetten Ereignisse von höchster moralisch« Wichtigkett hervorgebracht, die seinen Namen „Heilige- Land" berechtigen. Die Periode der moralischen Phänomene aber brach ab, als die Unheilig kett der Welt übermächtig wurde. Bis in diese unsere Tage, da ein neues Wunder, ein wahchaftes Wunder geschieht: die biblische Sprache, die mehr Äs zwanzig Jahrhunderte verstummt war, «sicht wieder zu zeugendem Leben. - Wer würde heute versuchen, Sanskrit, Assyrisch oder auch nur das! .klassische Griechisch wieder lebendig zu machen, ohne nicht bald die Aussichtslosigkeit des Versuches zu «kennen? Die Sprache Esaus und Jeremias' aber ertönt heute wich« auf den Feldern Galiläas «nd in den judäischen Städten. Gewiß, die ersten Lebensmanifesta'.tonen dieser scheintoten Sprache in diesen Tagen waren nur recht mühsam wahrnehmbar, aber das Leben schreitet zur Geburt wie zur Wiedergeburt mit langsamen, unaufhaltsamen Schritten fort... Am Beginn der Wischen Kolonisationstätigkeit in PÄästina, um das Jahr 1890, stellten sich vor allem in der Schule Sprachschwierig- Wen ein. In welch« Sprache sollten hie Jmmigrant«:- kind« unterrichtet werden, die aus alle» Ländern der Welt kamen und aller Länder Sprachen mttbrachten, deutsch, russisch, arabisch, von den Mischen, spaniottschen und kaukasischen Idiomen gär nicht zu reden? Am Ende gar in der Sprache d« heiligen Texte, in d« Sprachder Bibel und der Propheten? „Ja, in der Sprache der Bibel wollen wir. sprechen!" Das war der Ruf, mit dem dieses Wund« unserer Tage begann, der Ruf, d« den schärfsten Widerstand jener Orthodoxie entfachte, die im alltäglichen Gebrauch d« hebräischen Sprache eine Profanation des göttlichen Wortes sah. Und dennoch, trotz der unendliche» Schwierigkeiten, die sich nicht nur von dies« Sette entgegentürmten, wurde Hebräisch die Sprache des Unterrichts. Aber man mußte uotwenpigerweise eine Sprache de- Tages schaffen, die von den erhabenen Kothurne« rettgiöS-natiönÄ« Poesie in daS bunte mW real-moderne Läben d« Alltäglichkeit hinabstieg. Die Sprache der hinreißenden Klagelieder, die Sprache zukünstsfreudig« Verheißung, bestimmt für die stilM Stunden d« SÄbstbesinnung, mußte sich dän Erford«nissen der Gegenwart anpassen. Es biwetm sich um die Schulen Gruppen von Intellektuellen, die chre ganze Existenz einsetzten, die chr Bestes hergaben, um das Hebräische in das Leben der Famllie und d« Gemeinschaft einzuführen. Men.voran Elieser ben jeh u da h, der eine Aktivität entfaltete, die ihm in der Kulturgeschichte des Wischen Volkes für ewige Zetten einen «haben«! Platz sichert. Bald erweiterten sich die Kreist, die von der wunderbaren Idee fasziniert wurden und, besonders gefördert von der Arbeiterschaft, würde die Wiedereroberüng des jüdischen Volkes für die hebräische Sprache zum intrausigent v«sochteiien Programmpunkt eines Ideals, das sich ist der nun dreieinigan Forderung nach eigenem Land, eigener Arbeit und eigener Sprache zu manifestieren begann. BolWndige Wädexgchurt heißt Wiedergeburt des Körpers und /der GeÄe, des Stoffes und deS Geister. Dieser Gedanke war es, d« heute das hebräische Wort auf den Feldern, auf dem Markt, in den Bechumnlmrgen mw von der Bühne herab «klingen läßt. Bald stellten sich die Kritik« ein. Das ungestüm anfgemfene hebräische Wort mußte da und dort versagen, wenn cs sich um Begriffe handÄte, die der Zett der Bibel «nd des Talmuds fremd waren. Und nicht nur daS: die JdeÄisten, die für die Sprache kämpften, waren au den otzwmtalen Sprachtypus zu sehr assimilier^ mu im Sprechen d« charakteristischen Kurven des semitischen Geistes achtzuhaben. So kam eS, daß sie wohl mit he-- bräischen Worten, ab« in deutschen od« russischen Wendurigen sprachen. Glücklicherweise ab« erwachten die Lehrer und die Schriftsteller zur rechten Zett aus ihrem Rausch un& brachten dst Sprache zu ihr« wahren Quelle Wküch so daß heute das Hebräisch der Intellektuellen sich dem klassischen Vorbild zu nähern beginnt. ES genügt^ die öffentlichen Kundmachungen zu lesen, oder einer Stunde in den Gymnasien beizuwohne», um sich zu überzeugen, daß das moderne Hebräisch, die biblischen Formen mtt dem reichen talmudischen Wortschatz glücklich verbindend sich imm« mehr reinigt. Würde Amos sich heute ans dem Grabe «heben, « würde eine Unterhaltung in TeLawiw oder Rechowoth vollkommen verstehen, und das Schwätzen der Meinen in den Kindergärten würde de» strengen Moralisten vo«. Thokea erfreuen und erschüttern. Wenn nun aber auch vom Gesichtspunkt deS StileS'die Fortschritt« des modernen, gesprochenen Hebräisch nicht «« erfreuliche, sondern auch recht erstaunliche sind, läßt doch die Phonetik, die Aussprache des palästinensischen Hebräisch zu wünschen übrig. Zwei mächtige Fattoren vereinigen sich, mn die AüSsprache zu verderben. Grinnem wir uns, daß das Hebräisch, in d«n gelesen wurde, eine tote Spräche war und vergessm wir nicht, daß, wenn mau in ein« Sprache