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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-26 · Heft 2725 (26.9.1926) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2725 (26.9.1926)
Date
1926-09-26
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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«ettr § Wien, SonMg Wietter Myrstenzeirung Sy. «epiemoer IN2V 9tt. TTZTi Das Buch der Zeit t TERATURBEILAGE DER .WIENER MORGENZEITUNG Frani Werfel» „Paulus unter den Stiöeti". Das neue Bühnenwerk Franz Werfels, eine dramatische Legende *) unternimmt nicht Geringeres, als „den großen Augenblick der Weltgeschichte, da das erste Christentum sich loslöst von der jüdischen Religion und Mutterwelt", auf die Bretter zu bringen. In dem Nachwort der Buchausgabe heißt es: „Mit bangem Gesiihl übergebe ich der Oessentlichkeit dieses Drama. Nicht Zweifel des Gelingens oder des Erfolges sind es, die mir dieses Bangen einflößen, sondern das schwere Gefühl de^r Verantwortung vor dem hier gewählten Vorwurf. Die Fabel der Werfelschen Legende: Chanan, der Zelot, organisiert in Jerusalem den Aufruhr wider Rom, wider die Priester, wider die Wechsler und Händler und „wider die Abtrünnigen Israels", ,das sind die Jünger des Gekreuzigten. Er betrachtet sich als das Werkzeug Schauls, der Jerusalem verließ. „Ich weiß nicht, ob Messias kommt. Aber ich weiß, daß Schaul, mein Lehrer, kommt." Er kommt wieder, aber aus Saulus ist Paulus geworden. Früher ein Fanatiker wider Christus — er hat den „Ketzer Stephanus" zum Richtsatz geschleppt und den ersten Stein auf ihn geworfen — ist er in der Wüste zum Apostel Christi geworden und kam wieder, weil er es ihm auferlegte. Schon aus seiner ersten Begegnung mit anderen Aposteln (Jakobus. Barnabas, Simon Petrus) geht hervor, daß Paulus als der erste unter ihnen, ja zu ihrer erschreckten Verwunderung, die neue Religion vom Judentum lösen und der Menschheit bringen will. Jakobus warnt ihn „grimmig": „Hüte dich, Mann, mit Blut und Weisheit haben wir die Kirche des Christus geschaffen. Tie lebt im jüdischen Gesetz ewiglich. Jedes Prahlen mit Gewaltiges hat Werfel unternommen. Aber hier war (so scheint es uns) der scharfe klare Intellekt, der harte heiße Wille — nicht der schöpferische Genius, den der Referent in manchem lyrischen Gedicht Werfels, aber bisher in keinem seiner Dramen fühlte. In „Spiegelmensch", „Bocksgesang", „Mittagsgöttin" griff er, gewaltig ausholend, ins Kosmische und es war eher Literatenals Titanengeste. Sein vorletztes Bühnenwerk, „Juarez und Maximilian^, war uns willkommen. Eine kräftig geformte, auf Bühnenwirkung gearbeitete dramatische Historie, deren buntes „Theater" ein Mangel beeinträchtigte, welcher bei „Paulus unter den Inden" nicht minder empfindlich ist: Es fehlt die Atmosphäre. Man steht einer gut geformten und gesteigerten, kräftig, klug und wirksam dialogisierten Bühnenarbeit „gegenüber". Die Bühnenaufführung, die unter anderem am nächtlichen Richtplatz zu Jerusalem, im Tempel am Jom Kippur vor sich geht, das Zeremoniell der Einkleidung des Hohepriesters in die heiligen Gewänder Aayrons am Rüsttag des Jom Kippur, die römischen Posaunen, der Beschwörungsakt, der Tod Gamaliels, werden auf der Szene gewiß Wirkung üben. Aber deutlicher als bei der Jnszencsetzung sieht man bei der Lektüre in die Werkstatt des Autors, sieht, daß die Dialoge nicht lebensvoll, sondern abstrakt, die Figuren nicht gestaltet, sondern typisiert sind 0. A. Sitte Äenilche Velamlausaabe von Schnlom Aich. Zum erstenmal wird das Gesamtwert eines Vertreters der jiddischen Dichtung in einer deutschen Ausgabe erscheinen. Der weit über die Grenzen seines Sprachgebietes Hinalls berühmte Dramatiker und Romanschriftsteller Schalom A s ch, dessen Schauder unbeschnittenen; spiel „Gott der Rache" ein Welterfolg war und von dem einzelne Welt ist Ungehorsam." Paulus geht seinen Weg und er führt ihn Romane auch in deutscher, französischer und polnischer Sprache zu seinem einstigen Meister, den großen heiligen Rabbi Gamaliel. Meile Verbreitung gesunden haben, läßt, wie wir erfahren, eine Vor ihm und den versammelten Rabbinen erklärt er, das Gesetz deutsche lß e sa m t a u s g a b e seiner Werke im Verlag sei erfüllt, die Thora ungültig, der Messias se: gekommen und göiuil, Wien-Leipzig, erscheinen. Zu diesem Zwecke hat der Israel habe ihn getötet. Die Rabbinen wollen Paulus unverzüggenannten Verlag die bereits bet Ladyschnikow, Berlin, erschieillnstrierte Heft enthält ferner die lesenswerten Rubriken „Bücherquerschnitt", Sgmmelqnerschnitt, „Marginalien" und „Das Ausland". Dr. Heinrich Herbatschek: Blirgerkunde. Verlag: Wien, 1. Bez., Rofenbursenftraße 2. In diesem Buche sind die österreichischen Gesetze gemeinverständlich dargeftellt. Don besten Beweis für die Brauchbarkeit und Qualität eines Lehrbuches liefert die Tatsache, daß neue Auflagen erforderlich werden. Der in einer den veränderten Verhältnissen angepaßten, vermehrten Auflage erschienene „Leitfaden der österreichischen Bürgerkunde" wird seiner Bestimmllng, an Mittel chnlen und vertva'ndten Lehranstalten für den Unterricht in dieser ziemlich neuen Materie allgemein verwendet zu werden, voll um ganz entsprechen. Auch wer sich sonst über das Staatsgefüge und über die Grundsätze von Verfassung und Verwaltung orientieren will, kann durch das Buch vollen Auftchluß erhalten. „Deutsche Kunst und Dekoration." Das soeben erschienene Oktoherheft hat besondere Bedeutung, denn er eröffnet den SO. Jahrgang dieser hervorragenden Darmstädter Knnstzeitschrift. Der Verlag hat das Jubtläumsheft besonders reichhaltig gestaltet und mit nicht weniger als 90 Illustrationen und Kunstberlagen geschmückt. Aus dem Inhalt ist ein wertvoller Aufsatz von Graf Hermann Keyserling, „Der Mensch ohne Kunst", besonders hervorzuheben. Ueber die Ausstellung der Neuen Münchener Sezession berichtet Wilhelm Michel. Eine Reihe ausgezeichneter Reproduktionen unterrichten über neueste Schweizer Malerei. Das Heft enthält ferner neuartige, sehr geschmackvolle Jnnenräume, eine Auswahl entzückender venezianischer Gläser, reizvoller Wiener Keramiken, Emaillen, neue Bucheinbände und Edelmetallarbriten von Josef Hoffmann und kostbaren Schmuck von Emil Lettre. Den Abschluß bildet eine Gartengestaltung der Züricher Gartenarchitekten Otto Fryebels Erben. Die Verlagsanstalt Alexander Koch ist zu diesem Jubiläumsheft zu beglückwünschen. NEUERSCHEINUNGEN 1927, Internationaler Psychoanalittscher Der« Jahr 5687, herausgegeben lich richten, aber Gamaliel schützt ihn. Bei der Abstimmung finden ihn von den vier Rabbinen zwei für besessen und krank und Gamaliel kann für ihn entscheiden, ihn zunächst dem Rabbi Beschwörer überantworten. Bei der Beschwörung erweist sich Paulus als der stärkere. Er sieht dem Rabbi Beschwörer in die Augen und bezwingt ihn, daß er stammelnd die Arme emporwirft und davonstürzt. Gamaliel aber führte Paulus in sein Haus und bespricht mit ihm in inbrünstiger Abgeschlossenheit das Leben, Wirken und die Kreuzigung des Jeschua. Gamaliel, der Patriarch, kommt zur Entscheidung, daß ein Fehlurteil in Israel.geschehen ist. „Ein unschuldiger Tod hat die Ordnungen der Wahrheit verwirrt." Wer während Gamaliel erkennt, Jeschua habe das Gesetz erhellt, nichts gesagt oder gedacht, was nicht schon in der Thora besiegelt ist. spricht ihm Paulus die Göttlichkeit zu. Am Jom Kippur ist die letzte große Auseinandersetzung zwischen Gamaliel und Paul. Ter Meister will den Jünger dazu bringen, daß er sage: „Er war ein Mensch." Aber Paulus entgegnet ihm: „Kein Mensch, er zag bloß der Menschheit Kleid an, er ist Gottes Sohn, der war, ehe die Welt war." Nun steht Gamaliel gegen seinen Schüler. „Israels Selbsthaß" nennt er ihn, greift nach dem Opfermesser und will ihn richten. Ein innerer Zwiespalt lähmt seinen Arm, er läßt das Messer fallen. Seine letzte Vision ist die Zerstörung Jerusalems, dann sinkt er tot nieder, Paulus zieht in die Welt, die neue Religion zu künden und der Landpfleger Marullus verliest den Erlaß des Cäsar Kaligula, der die Anbetung seines Standbildes im Allerheiligsten des Tempels anbefiehlt, *) Franz Werfel: „Paulus unter den Juden," dramatische Legende. Paul Zsolnay Verlag. neuen deutschen Ucbertragungen von Aschs Romanen „Onkel Moses", „Die Zauberin von Kastilien", „Ein Glaubensmartyrium", „Der Mlrische Stuhl" und „Molke, der Dieb" erworben und wird in kurzen Abständen die anderen epischen und dramatischen Werke des Dichters, die er sämtliche vom Autor für die deutsche Uebertvagung erworben hat, herausbringeu. Als nächster! Band erscheint Aschs Roman „Die Mutter" in der Uebertvagung von Siegfried S ch m i tz. Auch Aschs jüngstes dramatisches Werk „Reverend Dr. Silber" wird im Löwit-Verlage in deutscher Bühnenausga'be erscheinen. „Ha-Jscha" (Die Frau), Monatsschrift für die I n t e i e t i * n b e c v a l ä >l l n e i> > i I ch e II Frau. iUiß lüngbe He,t IV/V d'eter lit dßbräi che, Sprache erscheinenden Jeruaieme' Monals,ch,ikl we>st rügenden Jntialr auf Achad oaam zum 70, GebU'letan Dr. S. Elienstadt-Bars l a tr „.'iur rechN'chen Stellung der jübn-hen Frau". Hedw'g Gellner: „D e >lrbe lerinnenbew gung in Palästina". L'iz'e Ha « dsr „DieAguiiab md oenvanbte Probleme". Helene Hanna T b o n, ..Glossen >ur Frauentage". Ad'nad K a ti a n s k y r «Die B ca und ihre Kolonist, neu". Mo dechai Te », ktnr G.d chte I L t t e n» bäum D?bora B ron. Ben I e ch e S k e t: „E ne liebliche und aottesfürchl'ge Fran" (nach chass'vilchen Onellen). Eüher R a b: ..Morgenröte", A. K a b a t' „He mwäcls" Beilage R a l' ch l ä g e für Kinderpflege Mitteilungen: Die Frauenarbeit >n Pa ästina Die Frau nn AuS'and. Büche« ichau. „Der Querschnitt." (Propyläenverlag. Berlin.) Das so« eben erschienene Septemberbest enthält eine Reihe bemerkenswerter Aufsätze, u. a. „Okkultismus, eine psychiatrische Angelegenheit?" von Gulat-Wellenhurg, „Auf Stiimnfang in Aegypten" von Benno B a r d i, „Paris-Mrmirt" von Michel Leiris und „Londoner Typen' von Viola Tree. Das reich Almanach lag. W« n Jüdischer Amanach ans das vom K'ren Ka'emeth. 'lJsrael, Prag. Pierre Benoit, „Alberte", (Die Tragödie einer Leidenschaft. eu <: ü . •i.t frM ct) t l n aa 3^:11 \ e ” Das Buch Namen, verdeutscht von Martin Bub er gemeinsam m > ,nan< R o > e u § w e , g (Tie Schrill ll,. Be lag rambe's ^chneder Berlin Dekobra, „Wie ich Griseldas Millionen gewann . . .", Neue ne» Vera., telliba l m v ■>.>. r.jtm VV tu Siegmund Freud, „Die Frage der Laienanalyse", Internattona'e o nd'o n» d'ctnr Verla > LeioumR-ieu Zür'ch Flaubert, „Tagebücher" (Aegypten, Palästina, Karthago), I C- C Bnui» Verlag M, den ' Josef Gerber, „Mussolini und die Astrologie", Verlag Leo »V"eitei, 'tten •< Be M. I. bin Gorion, „Mose" - Me Sagen der Inden zur Bibel , Veil >» :>in ir» <L roe,i' a Fra» iurr a. M Dr. Erwin Kahn, „Lassalle, der Führer" (Imago-Bücher 9). Jnleinatmtia!" v ulio^mal n cher V laa -e p< n-'v en-Zli n Thomas-Mann, „Lübeck als geistige Lebensform" Verlag Otio On iwen. J)o«I Mederow, „Das Spiel von Dr. Faust von Goethe", lsner, Verlagsgesellschaft m. b. H., Berlin. „Jakob Netter, sein Leben und sein Werk", erschienen 1926, Mikwe' J ifiel < n (iitttrn t eb iu rti Dr. Eeberhard Neugebauer, „Funkrecht", Verlag Georg Stille Beil,! Josef Ponten, „Die letzte Reise", Verlag Otto Quitzow, eck »Josef Rivlin zum Gedächnis", anläßlich seines 20. Todestage-, I uti'i em. in 6 i kb>ä> cy Siegfried Tiwertz, „Das Witwenspiel", Verlag Otto Quitzow uno cf. Franz Werfel, „Paulus unter den Juden", dramatische Legende, Paul Z'olnay Verlag, Wien. Nie jüdische Moses-Legende. Eine Sammlung ans dem Nachlaß Berdyezewskis (Micha Josef bin Gorion.) Das groß angelegte Werk des hebräischen Schriftstellers M. I. Berdyezewski (Micha Joses bin Gorion), der eS unternahm, die ungeheure Menge des jüdischen Sagen- und Mythenmaterials, das sich um.das Fünsbuch rankt, methodisch geordnet in deutscher Sprache Herauszugoben, wird nach mehrjähriger Unterbrechung erst nach dem Tode des Verfassers wieder ausgenommen. Den ersten drei Bänden der Sammlung „Dis Sagen der Juden",*) welche die um das erste Btlbelbuch geschlungenen Sagen in drei Gruppen ,ß\z Urzeit", „Die Erzväter" und „Die zwölf Stämme" wiedergibt, ist jetzt als vierte Gruppe die der Moses-Sagen gefolgt. Das Material zu diesem Band hat Berdyezewski noch zu seinen Lebzeiten gesammelt und geordnet, nur die Zusammenstellung des Buches besorgten sein Sohn und seine Frau, welche letztere auch diesmal, wie in den früheren Bänden, die deutsche Uebersetzung, die von vornehmer Einfachheit ist, durchgoffchrt hat. Wohl keine Gestalt der jüdischen Geschichte ist so stark von Sage, Legendedund Mythos behandelt worden, wie Moses, der Gesetzgeber, der" Schöpfer des jüdischen Volkstums. Mag die Existenz Moses nun als historisch aMnehmen sein.oder nicht (ein schlüssiger Beweis für das eine oder das andere ist bisher im historisch-wissenschaftlichen Sinne nicht gegeben), so ist doch eines besonders charakteristisch: Moses ist in weit höhrrem Maße *) Dir «sagen m ,v .. ., m ■ der Iuden. Gesammelt von Micha Josef bin Gorion. Bd. 4. Mose, Jüdische Sagen und Mythen. Uebersetzt und h.-rausgeg be»r .vmi Nabel und Emanuel bi« Gorion, IQtiti, Mlten u. Loening Verlag, Franßjurt a. M. als es in Mythos und Sage irgend eines anderen Volkes geschieht, jüdischer Heros. Vielleicht ist dieses geradezu unmittelbare Verhältnis, das alle Moses-Sagen irgendwie zur Existenz des in ihnen dargestellten Mannes zeigen, ein nicht unbeachtenSwerter Hinweis darauf, daß die Volkswerdung Israels Wirklich unter dem Einfluß einer überragenden Persönlichkeit geschah. Dem Charakter des Heroenmylhos entsprechend, in den für die jüdische S-ammesgcschichte Moses geradezu unvergänglich einging, gilbt der Sagenkreis um den großen Volksschöpfer noch weit detaillierter als die sreskenhafte Schilderung der Bibelbücher alle Motive der Heroenmythen wieder. Dabei sind die fremden Einflüsse, beziehungsweise die Analogien der Mythenbildung unverkennbar. So ist der gxoße Legeudenkreis, der den Tod Moses' behandelt, eine Fundgrube für vergleichende Mythologie, von dem Versternnngsmotiv beginnend bis zu den im Grunde eigentlich nniüdischen Motiven der völligen VergötM-nng. Eine ganze Reihe der Legenden weist unverkennbar Anklänge an ägyptische Religionsmythen auf, so die Sageustücke, die Moses' Beziehungen zu dem Starumvater Joseis erzählen. Jnsbosondere die Sage, wie Moses den Sarg des Josef aus dem Nil, wo er 100 Jahre goborgen lag, emporhob, ' das darin verwendete Motiv dreitägiger fruchtloser, von Trauer erfüllter Bemühungen, den Sarg zu erlangen, Ist deutliche Nenfortnung der ägyptischen Mond-Osyris-Mhthe. In vielen der Sagen merkt nun, das eindringliche Bemühen, den Heros MoseS aus dem fremden ägyptischen Kreis, den, er irgendwie n,ehr verwurzelt war als es für das Selbstbewußtsein eines Urvolkss paßte, loszulösen, so in der Sage, welche die vielen Namen wiedergibt, die MoseS bei seiner Geburt erhielt; es spielte dabei das dunkle Empfinden mit, daß der NaW dieses Nütivualhervs eigentlich ein ägyptischer sei und dieser heroische Charakterdefekt mußte gedeckt werden. Die interessantesten Sagen um Moses sind die, welche sein vierzig, nach anderen Versionen sechzig Jahre währendes Hervscherleben unter den Stämmen Afrikas behandeln. Sie führen in historisch sehr dunkle, aber recht merkwürdige Beziehungen der Inden zu diesem Erdteil, die in späteren biblischen Erzählungen und den an sie geknüpften Sagen sonderbar häufig wiederkehren; es ist, als wäre der schwarze Erdteil den Juden weniger geheimnisvoll gewesen als er es zum Teil heute noch ist. Den breitesten Raum nehmen natürlich die Mythen und Sagen ein, die sich an das große Ereignis der Gesetzgebung knüpfen. Die Fahrten Moses' durch die Himmel und durch die Höllen sind das phantasievollsto Stück der Moses-Legenden. Wie stark Irdisches sich in ihnen aber auch findet, dafür gibt jene am Korach anknüpfende Legende ein Beispiel, die —^möglicherweise der Geschichte am nächsten kommend — Korach als proletarischen Revolutionär und die Priestergesetzgebung des Moses als schwere Form drückender Ausbeutung hinstellt. So führt die Sammlung aus dem Nachlaß Berdyezewskis ebenso wie alle seine früheren Legenden- und Sagensammebwerke in ein großes Reich jüdischen Volksschaffens, das Berdyezewskis Arbeiten für Europa eigentlich erst erschlossen haben. Denn wieviel auch sonst wissenschaftliche' und Sammlertätigkeit, Anthologie und Chrestomathie von diesem Gchiete gegeben haben, es war immer zu unlöbendig um zu wirken. In Berdyczvwskis Sammlungen führt ein« künstlerisch empfindende Hand, die mit einem großen wissenden Geist verbunden ist, durch den unermeßlich großen reichen Garten und zeigt ihn in der Blüte, wei/ ihr das Geheimnis gegeben ist, ihn blühen zu machen. Zu sri'f ist die solchen Zaubers kundige Hand entschwunden. E.G. Frird.

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