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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-24 · Heft 2723 (24.9.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2723 (24.9.1926)
Date
1926-09-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2725 24. September 1626 Seite 8 Wien, Freitag Mkener Morsterrzelturrs Bühne und Kunst.- „Komteffe Snüerl." Lustspieltheater. Bis sich Potsdam und Wien kriegen, dauerts — eine Ewigkeit. Diese politische Umständlichkeit von heute galt anno dazumal, zu Metternichs walzerseligen Zeiten, in punkto Liebe. Zart und drollig, aber verstaubt — eine dickte Schichte! — ist dieses kriegerische Lustspiel im Geist der Vorkriegszeit von Franz v. Schönthan und Franz Koppel-Elfe!d. Die Kaserne hat sich in Karlsbad in Zivil geworfen und spielt statt Soldaten wieder einmal: Weiber. Bon den Weibern hat eine, Komtesse Guckerl, das Herz am rechten wienerischen Fleck, woraus bekanntlich der gemütliche Humor entspringt. Da es eine Grandrolle für Hansi Jarno ist, war es notwendig, weil Otto Storm mitwirkt, wurde es amüsant. Haust*Jarno hat einiges von Papa und mehreres von Mama, der Mischung fehlt aber die Mirze eigenen Teniperaments. Vielleicht wird's noch, wenn mit der Reife der Spielausdruck auch in den Details deutlicher und sicherer geworden ist. Ein Musterbeispiel in dieser Hinsicht: Otto Storm. Jedes Wort, jede Gesichts- und Körperbewegung plastisch und wirkungsvoll. Qualität hat die gange Aufführung; besonders erwähnenswert sind aber noch die verdienstvollen Darsteller der Familie von Mittersteig: Der wandelbare Hofrat Heinrich NeckammS, seine steif-böhmische Gattin,, von Grete L ö h r verkörpert, und das vergnügte Pärchen Else P a n t o und Willy T r e b i t s ch. l. th. Sie guftiknde ln öer Bolkroper. Der Betriebsrat der Volksoper sowie der Bühnenverein verständigen die Oefentlichkett, daß an der Kandidatur des Intendanten Bolkner fe st gehalten wird. Mit der zugunsten der VolkLoper angesetztxn Vorstellung des »Ligeunsrbaron". welche vom Thoaterverein veranstaltet wird, will der Betriebsrat der Arbeitsgemeinschaft Bolksoper nichts zn tun haben. Die Arbeitsgemeinschaft lehnt jede Kombination entschiedenst ab, die im Zusammenhang mit den Verhältnissen der vergangenen Saison steht. Die starre Haltung der Leitung des Theatervereincs sei das einzige Hindernis für den Neuaufbau der Bolksoper. Aug Den Matern. Burstheater. Samstag, 7-8 Uhr abends. ,W i l h e l m Teil". A k a d e m i e t h e a t e r. Sam-tag. 7,8 Uhr abends, ,D i e D n r ch g ä n g e r t n". Tdeater tit der Jojefftadt. Die Erstauffttbrung des Sckiau'pieles .Regen" von John Cotton und Clemence R a n d o l v b. deutsch von Rudolf Kammer, wird für Samstag den 2. Oktober vordere tet. Johann-Srrauß-Theater. Sonntag als Nachmittagsvorstellung bei ermäßigten Preisen „Die F l e d e rm a u 8" Modernes £ o e a t e i. Heute Freitag den 24. d., 7,8 Uhr abends, Erstaufführung von Leon dAndrejews Spiel »Der, derdte Ohrfeigen kriegt". Diese Komaoie bleibt allabendlich, 7-8 Uhr abends, auf dem Spielvlan. Nachtvorstellung allabendlich, 10 Uhr, russisch-deutsches Grotesktheater. Kammerspiele. „Das SPrüngbett der Liebe" bat sich nun die dritte Buhne erobert. Die Zugkraft dieser Komödie von Sablons und Barde ist in dem seinen französischen Humor der drei Akte und in der ausgezeichneten Darstellung durch das Ensemble der Jarno-Bühne begründet. Alle Darsteller, insbesondere aber Josef Jarno selbst, sind an dem großen Erfolg des Stückes beteiligt. Der amerikanische „Eisenbach" gestorben. Wie uns aus New- Aork der ich:et wind ist dort der bekannte „Jew Comedian" Ben W e l t s ch gestorben. Weltsch ,var Jahrzehnte hindurch der berühmteste Judendarsteller in den typischen amerikanischen Burlesken und Vaudevilles, die ohne Judentypus nicht denkbar sind. Auch sonst galt er als der beste „silbische Humorist" auf englischen Bühnen, die das leichte Dariete-Geure pflegen. Bor sechs Jahren ereilte ihn in Chikägo ein furchtbares Unglück. Während er auf der Bühne eine burleske jüdische Figur darstellte und das Publikum in stürmische Heiterkeit ausbrach, erblindete der „Jew Comedian" ans offener Szene. Lange Zeit spielte er noch trotz seiner Blinidbei:. Vor kurzem erlitt er einen SchloMniall und starb bald darauf m einem Sanatorium. An seinen: Leichenbegängnis haben mehrere tausend Menschell, deren Liebling der Verblichene war, teilgenommell. Eine „Schalom-Alejchem-Dichtergabe" in Weißrußland. Ans Anlaß des zehnjährigen Todestages von Schalom Ales ch ein hat das Kommissarrat für Volksbildung der Regierung in Weißrußland beschlossen, in jedem Monat 100 Rubel als Dichtergabe für begabte jiddische Dichter in Weißrußland ausgusetzen. Das Stipendium trägt den Name:: „Schalom-Alejchem-Drchtergabe". Für die Jahre 1926 und 1927 wurde die Dichtergabe Ist C h artk in Minsk verliehen. Di« Eröffnungsvorstellung der Kammerspiele unter der Direktion Frallz Wenzler ist nun auf Mittwoch den 29. d., 8 Uhr abends, endgültig festgesetzt. Für diesen Abend ist Lenaus „Faust" angesetzt. PPPfflSI lMllWWk ns der jüdischen Welt gum 200. Gebuktrtan von Moses Menvelsohu. Im Jahre 1729 ist Moses Mendelsohn geboren, es wird also im Jahre 1939 das 200jährigc Gedellken seilles Geburtstages gefeiert werden. Anläßlich dieser Gedenkfeier soll eine große textkritische Ausgabe der gesamten Werke Mcndelsohn erscheinen, die auch viales bisher ungedruckte Material enthalten wird. Die Ausgabe erfolgt seitens der Akademie in Verüindlrng mit der Gesellschaft zur Förderung der Wissellischaft des Judentuuls. An der Spitze steht eine Redaktionskommissioil, die sich aus den Herren Prof. Dr. E l b o g e n, Prof. Dr. G n t t m a n n und Prof. Dr. Ai i t t,w o ch znsammensetzt. Die Arbeit ist iit vier große Arbeitsgebiete geteilt, in denen den Herren der Hanptradaktionskolnmission jüngere Gelahrte zur' Seite stehen. Jll der Abteilullg für allgemeine Philosophie arbeiten die Herren: Dr. B a m b e r g e r und Dr. L. S t r a u ß, in de^ Abteilung für jüdische Philosophie Herr Dr. Rawidowicz, in der literaturgeschichtlichen Abteilung, die auch die reiche Briaf- Meratur behandelt, Herr Dr. Bruno Strauß, in der Abteilung Hebraica, in der auch die hebräischen Briefe sowie die im Homeassef, Jedidjah ustv. vorhandene hebräische Literatur berücksichtigt werden, Herr Dr. BorodianSki. Die ganze Ausgäbe ist auf zehn bis zwölf Bände berechnet. Wann fand der Auszug aus Aegypten statt? Für die Datierung der in der Bibel erzählten Ereignisse ist eine Reihe von Funden altorientalischer Literaturdenkmäler von Wichtigkeit. Für die älteste Geschichte der Juden, und zwar ihreit Aufenthalt' in Aegypten, die Auswanderung von dort und die Eroberung Palästinas, sind insbesondere jene Inschriftenllild Brieffuilde au3 Aegypten und den: vorderen Orient von Wichtigkeit, die in die Zeit des zweiten Jahrtausends vor der heute üblichen Zeitrechnung führen. Hieher gehören vor allem die sogenannten Papyri von Leyden, ferner die als „Liste des Pharao Tutmosche" bezeichnten historischen Dokumente, die im Jahre 1887. entdeckten Briefe, die nach ihrer Fundstelle Tvl- Amarna-Briefe' genannt werden, ferner die im Jcchve 1896 gefundene Inschrift ans dem fünften Regiorungsjah; des Pharao Meneptah, dessen Regierungsgeit um das Jahr 1220 v. Ehr. anznsetzen ist. Schließlich sind auch die allerdings noch recht Hypothetischen Sinai-Inschriften, deren Entdeckung vor etwa 20 Jahren durch Flinders Petrie erfolgte und die bislher eigentlich nur tot den Abklatschen durchforscht sind, während die Originale bisher an ihrem Fundort geblieben sind, zu erwähnen. - Bisher nahm man gewöhnlich an, daß der Aufenthalt der Inden in Aegypten ungefähr im 18. Jahrhundert vor der heute üblichen Zeitrechnung sein Ende fand und in dieses Säknlmn auch die Eroberung Palästinas zu setzen sei. Die erwähnten Inschriften rmd Briefe rücken jedoch dieses Datum um etwa zwei Jahrhunderte bis ins 18. Jchrhundert v. Chr. vor. Daß die Juden in Aegypten ansässig waren, dafür geben die oberlyähnten Leydener Papyri ein heute von den ägyptischen Philologen nicht mehr angezweifeltes Zeugnis. Sie berichten nämlich von einer fremdstämmigen Helötenkaste im alten Aegypten und nennen dieses fremde Polt nach der übereinstimmenden Lesart „A perl w". Diese ßt* Zeichnung deckt sich sachlich und sprachlich mit der in den Tel- Amarna^Briefen gelesenen Bezeichnung „Chabeiri", die unzweifelhaft eine ägyptisch-linguistische Umformung des Wortes „Jwri" (Hebräer) bezeichnet. Die Tel-Amarna-Briefe, in denen die Korrespondenz kleinaisiatischcr Fürste» mit den Pharaonen Ammchotep dem Dritten und Vierten enthalten ist — die Regierungszeiit der beiden Pharaonen umfaßt die Zeit von der ersten Hälfte des 18.. bis zur ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts —, enthalten unter anderem aucT; Bittgesuche palästinensischer Stadtfüvsten nm ägyptische Hilssiruppen gegen die eindringenden Ch a b e i r i. Die Identität dieses Namens mit den Hebräern ist in der erwähnten Liste des Pharao Tutmosche bezeugt, die ans dom Jahre 1490 v. Ehr. stammt. Die' Inschrift des Pharao Meneptah, in der es heißt: „Jsirir ist verwüstet ohne Frucht und Palästina ward die Witwe Aegyptens", stellt die älteste historische Nachricht über die Anweser cheit des Volkes Israel in Palästina dar; die Identität des ägyptischerr Wortes Jsirir mit dern hebräischen Israel ist he nie über joden Zweifel erhaben. Alle diese Dokumente rücken, wie bereits erwähnt, den Zeitpunkt des Auszuges aus Aegypten ungefähr in die Mitte des 18. Jahrhunderts vor der heute üblichen Zeitrechnung. Eine hebräische Zentralbibliothek in Warschau. Letzten Sonntag wurde in Warichau im Lokal des „Merkas" die erste hebräische ZeNtralbibliothek eröffnet. Sie besitzt schon jetzt 4500 Bände aus allen Gebieten der hebräischen Literatur. Zwanzig Jahre hebräische Wochenschrift „Hapovl Hazair" in Tel-Awiw. Mit dem Beginn des Jahres 8087 tritt die Wochenschrift „Hapoel Hazair" in das 20. Jahr ihres Bestehens. Die Leitung der Partei Hapoel Hazair hat beschlossen, das Ereignis durch eine I u b i l ä u m s n n m m e r zu feiern, die zu Chanuka dieses Jahres erscheinen wird. Die Jnbiläumsnummer, die 20 Druckbogen enthalten wird, wird Beitrüge aller SchriftstellH: enthalte»l, die während des ganzen Bestehens des „Hapoel Hazair" auf sein geistiges Profil bestimmenden Einfluß geübt haben. Die Wochenschrift „Hapoel Hazair" hat lvährend ihres 20jährigeii Bestehens ilnter beu schwierigsten Bedingungen und inmitten einer erst werdenden hebräischen Kultur für die Verwirklichung des Zionismus durch Arbeit, für den Chaliizgedanken, für den Aufbau eines arbeitende,: freien hebräischen Palästina, für die hebräische Kultur und Sprache, für die Festigung der ökonomischen und kulturellen Grundlagen der Mischen Besiedlung Palästinas und schließlich für. eine den Tatsachen angepaßte Politik gekämpft. Der „Hapoel Hazair" war stets bestrebt, ein ernstes und erzieherisches politisch-literarisches Organ zu sein, das dem jungen Zionismus in Palästina und in den jüdischen Zentren der Galnty als Wegweiser zur Selbsterzichung bienen soll. Das 20jährige Jubiläum des „Hapoel Hazair" ist schließlich ein Fest der hebräischen Literatur. Die jüdische Gemeinde in Charbin wird behördlich aufgelöst. Die oberste chinesische Behörde in Charbin lehnte die Bestätigung des Statuts der Charbin er jüdischen Gemeinde ab und forderte die Gemeindeverwaltung auf, sich anfzulösen. Als Grund wird angegeben, es sei unzulässig, daß ein Organ existiert, welches alle jüdischen Institutionen vereinigt und' seine Mitglieder besteuert. Nach der Auffassung der chinesischen Behörde würde eine jüdische Gemeinde einen Staat in: Staate bilden. Dagegen hätten die einzelnen Institutionen Existenzberechtigung Die Behörde ordnete ferner die Schließung der jüdischen musikaiisch-literarisch-dramatischen Gesellschaft an. Die Gesellschaft existiert seit 18 Jahren und war.,Mi in der Zarenzeit legalisiert. Sie besitzt eine reiche Bibliothek und sorgt für die Erhaltung einer Reihe von Knlturinstitutionen. Vereine. BoelMe nnd veesmnminngen. Misrachi-Talmud-Thora tWien, 2. Bez.. Prateräraße 4-t). Die Einschreibung von neuen Schülern wird im Chol Hamod Suklo h statrsinden und Rasch Hodesch Che'chwan, abge ch lassen werden. Die Etn'chre'bungrn finden tügnch zwischen 8 und 7 Uhr nachmit agS tm MiSrack bnreau, 2. Bez., Praittstraße 49. statt. — Zionistische Bezirks, ektion Alsergrund. Montag 8 Uhr abendS, im Ca'k City. 9. Bez., Po'zellangaffe 1. Vortrag Jakob Weiner Über .Kritik derztonist t, ch e n . SamStag den 2. Oktober. 7,9 Uhr abends, «m Cafs City große Smichas-Thorafeter. Anmeldungen für den hebräischen Kindergarten tägllch in der H a h n g a s s e 29, T ür 6. * Asyl für mittellose kranke Israeliten in Meran. Dir Eröffnung findet am 1. Noocnit'rr 1920 statt. Geniche sind an kas Astst zu richten Hebräische Schule Sektion Prater. Der Unterricht in unserer dnittaligen Schule unter paoagogucher Leitung von Meter Charttner hat bereits begönne,» Es werden noch Einschreibungen tägl ch von 3 bis 8 Uhr abends (mit Ausnahme Samstag nnv Feiertag, in, SektwnSbeim. 2. Bez., Jnngstraße entgegenommen. Hechaluz, österreichischer Landesverband. Sonntag «den 26. d., pünktlich > m 11 Usr vormmags iprta t Reuden B r a t n t n (Reu-Aork) in den O l y m p : a s ä l e n, 1. Bez., Rothgasse, über daS Thema .Meine Eindrücke iNPaläftina und Rußland". Neneröffnung der hebräischen Schule im 2. Bezirk, Zivkusgasse 33. Einschreibungen für Kinder und Erwachsene, für Anfänger und Vorgeschrittene werden täglich, mit Ausnahme von Samstag und Feiertagen, von 7 bis 9 Uhr abends entgegengenommen. Schulbeitrag nur 2.60 S. monatlich. Die Kurse werden von der Zionistischen Betzirksssktion Leopoldstadt veranstaltet. . Gerichtssaal. Sie Veruntreuungen bei der Newag. Der Angeklagte, ein ehemaliger Assistent der Technik, wegen Geisteskrankheit freigesprochen. Gestern hatte sich ein Schöffensenat unter dem Vorsitze des Hofrates Dr. Kästner mit einer großen Unterschlagung bei der Niederösterreichischen Glektrizitätstvirtschasts-Ä.-G. (Newag) zn beschäftigen. Der frühere Generaldirektorst e l l v e r t r e t e r der Gesellschaft, Ing. Friedrich Wunderer, hatte sich wegen Veruntreuung eines Betrages von fast eineinhalb Milliarden Kronen zu 'veranttvorten, und außerdem wurden ihm auch Unterschlagungen „kleinerer" Beträge wie 176 Millionen, 20 unö 19,5 Millionen zur Last gelegt. Ingenieur Wunderer war ursprünglich in strasgerichNcher Untersuchung. Infolge eines Fakultätsgutach.tens, Pas Hn für unznrechnnngssähig erklärte, wurde die Untersuchung eingestellt. Die Newag erivirkte jedoch die Wiederanfmchme des Verfahrens. Gleich nach Eröffnung der Verhandlung gab der Psychiater, Hofrat Dr. Hövel, ein Gutachten über den Angeklagten ab, dahingehend, daß er Wunderer für geisteskrank befunden habe, was die Fakultät bestätigt hat. Trotz einer Besserung durch eine Kur bei Professor Wagner-Janregg seien Symptonw des 'Grundleidens noch immer vorhanden. Der Anklage zufolge wurdet: die Veruntreuungen in den Jcchren 1923 tlnd 1924 begaben. Der Angeklagte gibt anseinerzeit an der Technischen Hochschule m Wie,: als Assistent gewirkt zu haben. Seine regulären Bezüge betrugen bei der Newag ungefähr 40Militione» monatlich. Er erklärt, sich an die Details nicht mehr erinnern und im besonderen nicht angeben zu können, wie und -wo er die unterschlagenen Beträge verwendet hat. Aulf die Frage, wovon er gegenwärtig seinen Unterhalt bestreite, erklärte der Angeklagte, dies von einem Betrag von 100 Mllionen Kronen zu tun, den er ,nit Zustimmung des Präsidenten der Gesellschaft, Segur, von den Beträgen, die er zurückerstatten wollte, zurückbehalten habe. Nach kurzer Beratung fällte der Gerichtshof einen Freispruch, mit der Begründung, daß der subjektive Tatbestand nicht feststellbar sei. Das Fakultätsgutachten sage ausdrücklich, daß der Angeklagte zur Zeit der inkriminierten Handlungen des Gebrauches seiner Vernunft beraubt gewesen sei. Mit ihren Ansprüchen wurde die Newag auf den Zivilrechtsweg verwiesen. kill Rohling-Prozeß in Kratnu. Krakau, 23. September. Uebernwrgm beginnt hier der Prozeß. gegen den verantwortlichen Redakteur der Krakauer Wochenschrift „Haslo Narodove",. Jan Kozicki, der des Verbrechens der Beleidigung der jüdischen Religion angeklagt ist. Kozicki hat in einen: Aufsatz in der Wochenschrift Infamien lind Schmähungen gegen „den jüdischen Gott" niedergeschrieben, in denen die Staatsanwaltschaft das Verbrechen der Religionsschmähllng erblickt. Kozicki will einen „wissenschaftlichen" Antisemitismus begründen lind nimmt sich als Beispiele Rohling und I n st u s. Der Alimenteanspruch der schuldigen Frau. RechtsanwaA D. I u i° i s schreibt uns: Sie haben am 19. d. unter der Aufschrift: „Auch die schuldige Gattin hat Anspruch auf Alimente", einen Verhandllmgsbericht gebracht, worin mitgeteilt wird, daß der ans beiderseitigem Verschulden geschiedenen Frau zufolge einer Feststellnngsklage des Gatten das Alimentationsrecht vom Bezirksgericht Melk aberkannt, hingegen zufolge ihrer Berufung vom Kreisgericht St. Pölten als Berufungsgericht das Urteil abgeändert rmd das Klagebegehren des Ehemannes abgewiesen worden wäre. Dieser Bericht ist dahin richtigzustellen, daß das erstrichterRche Urteil vom Berufungsgerichte aufgehoben nnd die Sache an das Erstgericht mit der Weisung znrückvorwie'en wurde, zn prüfen, ob außerordentliche Umstande für die Verpflichtung zur Alimentierung der aus beiderseitigem Verschulden geschiedenen Frall auf Grund des Hofdekretes vom 18. Juni 1841 sprächen. Nach diesem HofkaMleidekrat bleibt es, ivenn die Scheidung durch beiderseitige Schuld veranlaßt wurde, dem Richter überlassen, von Fall zu Fan mit Berücksichtigung aller Verhältnisse und der für die geschiedene Gattin sprechenden Billigkeitsgründe aus n a h m s w e: s e den Ehemann zur Verabreichung des anständigen Unterhaltes für seine Gattin zn pechalten. i

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