Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2723 (24.9.1926)
- Date
- 1926-09-24
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Seile 6 Dien. Freitag MeMr Moraenzettuns 24. September 1926 Kr. 2723 Bolkswitt. Ae Weltwirtschaltrkrlse und Id» Ursache». Bnndespräfident Hainifch und Seltionschef Schüller über -ie Wirtschaftslage. Tie Tagung des Bereines für Sozialpolitik evöffuctc gestern der Bundespräsident Dr. H a i n i s ch mit einer groß angelegten Rede, die sich mH der voraussichtlichen E n t- Wicklung der Wirtschaft befaßte. Der Präsident besprach zunächst die Wirtschaftslage Oesterreichs und wies darauf hin, daß die wirtschaftliche Rot nicht so sehr von der Zerschlagung des alten Wirtschaftsgebietes hcrkomme, als vielmehr von den Zollm aue r n, die die agrarischen Staaten in dem Bestreben, eine Industrie zu entwickeln, errichten. Es sei eine katastrophale Wirkung des Weltkrieges, daß sich die Entwicklung vieler Agrarstaaten zu I nd u st r i e st aa te n ü b e r st ü r z t habe. Die Zukunft gehöre einer stationären Wirtschaft, die nach dem Grundsatz der Autarkie aufgebaut ist, was allerdings zur Voraussetzung hätte, daß sich entsprechend große Wirtschaftsgebiete zufammeuschließeu. Einstweilen aber müssen wir den Konkurrenzkampf führen und trachten, uns in ihm zu behaupten, zugleich aber alles, was in der Richtung der Autarkie liegt, erhalten und entwickeln, in erster Linie unsere Landwirtschaft, der wir nur auf denr Wege der Monopolisierung ohne zu große Belastung der Konsumenten Preise garantieren können, bei denen sie bestehen kann. Ueber diese Monopolisierung soll im nächsten Winter eine Volksabstimmung in Oe st erreich entscheiden. * Wohl muß man bei genauer Beobachtung der Lage zur Ueberzeugung kommen, daß die kapitalistische Wirtschaftsordnung nur eine Episode in der Geschichte sein kann, aber was die Entwicklung der Produktivkräfte betrifft, so würde der Sozialismus, wenn er verwirklicht wäre, dem Kapitalismus gewiß nicht überlegen sein. In einer stationären, auf der Autarkie beruhenden Wirtschaft wird es wohl möglich und zweckmäßig sein, einzelne Zweige der Volkswirtschaft sozialistisch zu organisieren, aber es läßt sich wohl mit Sicherheit Voraussagen, daß dadurch die Lage der Massen keine wesentliche Besserung erfahren wird. Sie werden sich bei einer größeren Sicherheit der Existenz mit einer bescheideneren Lebenshaltung begnügen müssen. Die Zeit ist ernst, bitter ernst und die Zukunftsaussichten sind nicht sehr verlockend. Sodann trat die Tagung in die meritorischen Verhandlungen ein. Zunächst behandelte Geheimrat Harms in einem eingehenden Referat das Problem der Umwandlung der Weltwirtschaft, worauf Prof. E u l e n b u r g als zweites Referat zum Tagesordnungsthema „Krisis der Weltwirtschaft" die Handelspolitik der Nachkriegszeit besprach. In der darauffolgenden Debatte sprach als erster Redner Sektionschef Professor Schüller. Er wies darauf hin, daß der besondere Charakter der Wirtschaftskrise in'den Ländern mit stabilisierter Währung nicht allein aus den durch den Protektionismus hervorgerufenen handelspolitischen Schwierigkeiten erklärt werden könne. Die Wirtschaftskrise hat nicht zu einer entsprechenden Herabsetzung der Produktionskosten und der Preise geführt, sondern zu Produktionseinschränkung und Arbeitslosigkeit. Die Ursache hiefür ist die Wirksamkeit der Organisationen: Gewerkschaften, Kartelle usw. hindern das Sinken der Löhne und Preise soweit die Produktion für den inneren Markt arbeitet, unö im Export muß, damit die Preise der Konkurrenz angepaßt werden, der Dumping der Staaten mit sinkender Währung ungesunde Verhältnisse für die Exportstaaten schaffen. Valutadumping ist durch die Regelung der Währungen zu begegnen. Der Kampf uni die Exportmärkte führt zu internationalen Kartellvereinbarungen, die der Handelspolitik neue Probleme stellen. Die durch die Währungsändernngen und die Regelung der internationalen Schulden in ihrer Macht bestärkten Banken fördern die Kartelle. So erscheinen überall die O r g a n i s a t i o n e n als.Hauptmoment der Wirtschaf! tzin Bu!wcrtunasge!etz in Siifloffotoien. Aus Belgrad wird uns geschrielvu: Am 11. d. ist das im August verabschiedete jugoslawische Gesetz betressend die Valorisierung der Bilanzwerte, der I n v c st it i o u e n bei den zur öffentlichen Rechnungslegung verpflichteten Gesellschaften» in Wirksamkeit getreten. Nach diesem Gesetz wird den zur öffentlichen Rechnungslegung verpflichteten Gesellschaften gestattet, jene Bilanzposten, welche den bis Ende 1916 durchgeführten Investitionen bis zum fünffachen, beziehungsweise wenn die bezüglichen Beträge in Kronen gebucht wurden, bis zum zw anzigfachen anfznwerten. Für die Gesellschaften auf dem früheren österreichischungarischen Gebiet ist außerdem eine Aufwertung jener Beträge vorgesehen (und zwar bis zum fünffachen), welche den in Leu Jahren 1917 bis 1918 durchgeführten Investitionen entsprechen. Die sich durch die Aufwertung ergebende Differenz ist nicht als Gewinn anznschen und unterliegt keinerlei Besteuerung und Bergcbühruug, und ztvar ohne Rücksicht darauf, in welcher Weise die Gesellschaft die Differenz verwertet. Was deren Verwendung betrifft, so sind hiefür in dem . Gesetz bestimmte einschränkende Vorschriften gegeben. Ebenso wird in dem Gesetz die Gestattung der Auswertung von gewissen Kautelen abhängig gemacht. Stinnes redivkvus? Aus Berlin wird uns berichtet: Die Verhandlungen der Stinnes-Gruppe über eine amerikanische Anleihe im Gesamtbeträge von 2 5 Millionen Dollar dürften noch im Laufe dieses Monats zum Abschluß kommen. In New-Aork verhandelt Hugo Stinnes jun. wegen einer neu zu gründenden Holding-Gesellschaft, in welcher die der Familie Stinnes verbleibenden Kohlengruben und sonstigen Substanzen eingebracht werden sollen. Da dem Bankkonsortium noch etwa 80 Millionen zurückzuzahlen sind, würden der Stinnes-Gruppe aus der Anleihe noch erhebliche Betriebsmittel übrig bleiben. Mit der Abdeckung der Bankschuld hört naturgemäß auch die Bankkontrolle auf. Der Schwerpunkt des Konzerns wird in den Kohlenhandels- und Bergbaufirmen liegen, doch sollen auch die Hotel Unternehmungen weitergeführt werden. Spiritusgesetz 1926. Das neue Gesetz über die SpirituSkontingentreruirg und -Besteuerung wurde gestern vom Natiönalrat in beiden Lesungen beschlossen. Als Folge wird mit einer starken Steigerung der Spirituse r z e u g u n g gerechnet. Allerdings taucht, wie gestern von agrarischer Seite bemerkt wurde, für die spätere Zeit d:e Gefahr von Absatzschwierigkeiten auf. Um solche zu bannen, wurde angeregt, die Regierung möge den Versuchen, die man im Ausland mit der Verwendung von Spiritus als Betriebsstoff für Motore gemacht hat, ihr Augenmerk zuwenden. Gegen den Verzögerungszuschlag der Gemeinde Men. In den Kreisen der Kaufmannschaft und des Gewerbes verursacht der Umstand große Erregung, daß die Gemeinde Wien im Gegensatz zum Bund, welcher die Berzögerungszim'en bei seinen Abgaben in der letzten Zeit der Entwicklung des allgemeinen Zinssatzes entsprechend erheblich reduziert hat, noch immer an ihrem 25prozentigen Verzögerungszuschlag festhält. Dies kam auch in einer jüngst abgehaltenen Sitzung des Gremiums der Wiener Kausmannschasi zum Ausdruck, wo einhellig festgestellt wurde, daß die Ausrechterhaltung eines derartigen Zinsfußes, der, wenn er von einem Privaten heute in Anrechnung gebracht würde, eine strafgerichtliche Verfolgung nach sich ziehen müßte, vollkommen unmöglich sei. Insolvenzen. Der Konkurs wurde eröffnet über Moritz W a4i o r. All mmhaver der Firma Wa.rvi L Co., Wien, 1. Be.,.. Rabensttig; Über A l v , n e B a n. u n d H o l z A «G. in Wien. 4. Bez. ArgtNt'N'erstraße 29. - Da- AnSgleichsvert ii ti t e it wurde eröffnet über Rudolf Hude tz. Ta-etterer, Wien. 17. Bez. Gentzgasse 115« über Emma Weiß, Gemt'cht» Warenhandlung W in. 2 Bei Stiiwerstraße 9» Erholung, der lateinischen Devisen. Interventionen auf säst allen Plätzen befestigten den Kurs des französischen und des b e I g t r cn c n Franken Der P rnno arm i, Unit« nur 179'/,. in B r tt s s e l mtr 182 * u t it cf I, Zürich erböhle ' < ch D e v ' s e Paris auf 14 45 (oegen 14 *2'/« am M'ltwoch), Devi > e B r ü > s e l auf 19.86 (gegen >9 45 des Äotages). Die Lire liegtm großen mtt> ganzen unverändert; in Zürich 'chloß Mailand etwa« höher 1902'/. gegen 18.92V, am Mittwoch) Der Leu ist leicht nach gebend; er 'chloß 3.79 Pa> täi Zürich Bet unverändertem D.llarlurs (517.60) verze chnete der S ch t l l i n g in Zürich eine leichte E r h ö h u n g au> 73 62'/,. Verkürzung der Budapester Börsenzeit an Samstagen. Die Budapester Börsenkammer wird sich heute mit der Frage der Verkürzung der Börsendauer an der Effektenabteilung an-Samstagen befassen. Wahrscheinlich wird der Antrag einiger Kammermitglieder durchdringen, die Börsenzeit an Samstagen um eine halbe Stunde zu verkürzen, so daß ab 2. Oktober die Börse an Samstagen von viertel 12 bis halb 1 Uhr dariern wird. Ungarns Zuckerproduktion. Ein Teil der ungarischen Zuckerfabriken bat mit der Aufarbeitung der neuen Zuckerrübenernte begönnen. Im Laufe der Woche wird die Arbeit auch in den übrigen Zuckerfabriken anfgenvmmen werden. Arrf Grund der bisherigen Lchätzungerr wird in diesem Jahre eine Zuckerrübenernte erwartet, ans der rrrnd 18.000 Waggons Zucker gewonnen werden können. Da der inländische Znckerkonsum auf "10.000 Waggons geschätzt wird, erübrigen 8000 Waggons für die Ausfuhr. Neue rumänische Einfuhrzölle. Ans Bukarest wird uns berichtet: Auf Verordnung des Franzministerrums sind mit sofortiger Wirkung die nachstehenden neuen Zollsätze eingeführt woideir (alles >n Go dlei).' vermiedene Lebe waren i.2b, schwarzes ober farbiges Boxleder 2 5'», Schuhe 3,75 bi» 5'5 pro Kilogr mm, B ertie'e flü'fta, gevreßt oder vuloertsiert 62,50 vro 100 Ktlogr mm. G 1 a 8 w a r e n 14 40 Fensterglas 16 20, GlaSvlatten 20,40 pro 100. K'logr mm. Walrei'en 9.- bis 11,67 vro 100 Kilogramm Walteten iu Barren 8 33 pro 100 Kilogramm, Ei er,bah•»» und Sttaheobahnicbenen 11 bis 20 Goldlei vro 100 Kilogramm Walze'ün für Brücken 30 Lei pro 100 Kilogramm. Ei'envlatien je nach Ausmaß 13.38 bi« 20 Lei vro 100 Kilogramm, verzinkt und messt» erie Ei envlat en 23.83 bi« 80 Le» V'v 100 Kilogramm Biarten und We'chen 38 33 Lei pro 100 K'logramm, Radbänger gedrechselt 9b 2er vro 100 Kilo ramm, Danrpfloiomottven über 30 0>0 Kilogramm 80 Lei vro 100 Kilogramm. W o l lg'ew e b e von 6- 0 bis 800 Gramm vro Meter 10 Lei pro Kilogramm, Wollgewebe von 200 bis 500 Gramm vro Meter 20 Lei pro Kiloa amm Exportshndikat für polnischen Zement. Aus Warschau wind berichtet: Jur Ministerium für Handel und Industrie fand eine Konferenz mit Vertretern der "polnischen Zementscvbriken statt, in welcher Werse der Export von Zernerrt gehoben werden könnte. Es wurde beschlossen, ein spezielles Exportsyndikat für Zement zu bllden, dem alle polnischen ZementfcrHriken angchörerr werden. Ein europäischer Trust der knochenverarbeitenden Industrie. Aus Berlin wird berichtet: Die seit längerer Zeit schwebenden Verhandlungen wegen Zusammenschlusses der Interessenten der knochenverarbeitenden Industrie Europas sind durch Abschluß eines Vertrages zwischen fünfzehn Staaten Perfekt geworden. Wiener Viehmürüte. Äorstenvtebmarkl. Der Austrieb auf dem beutigen Schwe'nenrarkt belief sich auf 1468 Stück, darunter 948 F'eiich- und 515 Feiisclnveine. Be» belanqlo em Ver- . kehr biteben die Montagprei'e in Ge tung. — R i n d e r m a r k t. A»'getrieben wurden 527 Stück, davon 374 >». aftoicl)' und 153 . Stück Be'nlvieh. Bei flauem Absatz bl ebett die Momagvreiie schwach behauptet.. Stere waren besser gefra.il und festiaien sich nn Preise. Budapester Getreideterminmarkt. Die unfreundliche Stimmung Hielt an, io *onB me Mime erwae nachgoben. Ouooe we'zeir notierte 3490 ,mch 3510. Maitveizerr 3940, Oktobenoggen 2580, März, oaaen 284t. Mener Produktenbörse. Flauer Bericht vom Budapester Terminmarkt bewirkte mattere Stimmung. In Weizen konnte man im Großhandel um zwei Tschechenheller billiger ankommen. Roggen lag ebenfalls ruhiger; nur Attnvais zeigte sich wieder etwas freundlicher; man bezahlte 1,175 tschechische Kronen, waggonfrei Wien. Auch Hafer hatte etwas Das Rätsel. Ein Märchen aus den Mernmren der Glücket von Hameln. 2. Fornetzung. Ans dein Jüdischen übersetzt von Dr. Leo Goldhammer. Des Morgens ging er zuni König und kaufte ihm die Insel ab, welche einige Meilen lang war. Er baute sich ein Schloß und eine Stadt. Schließlich ward aus dieser Insel ein wirkliches Reich. Der Bewohner wurden immer mehr und sie wählten ihn zum Fürsten. In all seinem Glück dachte er noch immer an Weib und Kinder, die er so jämmerlich verloren hatte, und da ließ er verkünden, daß keines der Schiffe, die an seiner Insel vorbeiführen, ununtersucht passieren dürfe. So hoffte er, sein Weib wiederzufinden, das ihm durch Schiffer geraubt worden war. So geschah es auch: alle Schisser meldeten sich bei ihm und speisten mit ihm. Doch lange erfuhr er nichts von seinem Weibe und feinen Kindern. An einem Passahtage saß der Gelehrte mittags bei Tisch und war gar fröhlich, da kam ein Knecht und nreldete ihm einen braven reichen Fischer an, der darum ersuchte, daß man sofort die Untersuchung des Schiffes vornehme und ihn nicht allzu lange aufhalte. Da sprach der Gelehrte: „Heute ist Feiertag. Ich darf ihn nicht fragen, was für Ware er führt. Er muß bis nach den Feiertagen warten. Er möge heraufkommen und mit mir speisen." Er schickte einen Diener, um ihn zu holen. Der Schiffer kam und wurde vom Fürsten zum Sitzen eingeladen. Aber der Schiffer bat gar sehr, man möge ihn welterfahren lassen. Es half aber nichts, er mußte bleiben und mit dem Gelehrten speisen. ' Der fürstliche Gelehrte fragte den Fremden, woher er sei und ob er Frau und Kinder habe. Der fremde Schiffer erzählte ihm, woher er komme und daß er zwei Weiber habe, die eine wäre zu Hause und mit ihr hätte er drei Kinder. „Tiefe halte ich als Hauswirtin. Die andere ist aber gar zart und taugt nicht zur Hausarbeit. Aber verständig ist sie, weswegen ich sie immer mit mir führe. Sie empfängt von den Leuten das Geld, das sie mir schulden, schreibt es auf und verwahrt mir alle meine Sachen. Ich. habe sie aber noch kern einziges Mal berührt. Da fragte der Gelehrte: „Mein lieber Schiffer, warum habt Ihr sie noch nicht berührt?" Da antwortete ihm der Schiffer: „Die Frau hat früher einen Mann besessen, der sehr verständig war und von dem sie ein Rätsel gelernt. Wer das Rätsel löst,, der ist ihr Mann und den läßt sie neben sich schlafen. Wer über das Rätsel nicht trifft, dem weigert sie sich." Da sprach der Gelehrte: „Lieber Schiffer, ich bitte euch, erzählet mir, wie das Rätsel lautet." Da sagte der Schiffer: „Die Frau behauptet, wie ein Vogel fliegen zu können, vmn Himmel bis auf die Erde, ohne Flügel, Un setzt sich auf ein kleines Bäumlein, Gär hübsch und gar fein. Es wendet und kehrt sich das Bäumlein hin und her, Man sieht den Vogel ninimermehr, Es kräftigt das Bäumlein, bis es tut blühen die schönsten Blumen. Es zieht an sich alle Kräfte, die es nur kann bekummen. Unversonnen dörret das Bäumlein, ult wird ganz vergift. Der Vogel fliegt von ihm in die Lift, Hebt an zu singen un zu brummen, Schreit: „Ei, du betrübtes Bäumlein, wer hat dir deine Kräfte genummen, Da du sie gern gehabt hast, kannst du sie nit bekummen, Nun hast du sie bekumnren durch mich, So verdorrst du, was hilft es dich?" „Weiser König, das ist das Rätsel, das ich unmöglich lösen kann." Als der Gelehrte dieses Rätsel vernahm, erschrak er gar sehr, da er wußte, daß dies sein Rätsel sei und das Weib das seinige sein mußte. Als der Schiffer den Fürsten so erschrocken sah, sprach er zu ihm: „Lieber Herr, warum erschreckt Ihr?." Und der Fürst antwortete: „Ich wundere mich über das herrliche, vernünftige Rätsel, ich möchte es von der Frau selber gern hören. Vielleicht habt Ihr was vergessen oder etwas hinzugefügt. Und wenn sie mir auch so erzählt, so will ich dann darüber Nachdenken, vielleicht errate ich es." Der Gelehrte sandte denn auch einen Boten zu ihr und der Knecht lief geschwind zu der Frau und sagte: „Macht euch fertig! Ihr sollt zum Fürsten kommen und mit ihm und eurem Mann dort essen und trinken." Als die gute Frau dies hörte, schlug ihr das Herz gar stark, denn sie wußte nicht, warum sie hingeführt werde und fürchtete, sie könnte aus dem einen Unglück in ein noch größeres kommen. Doch was konnte sie tun? Sie mußte dort hingehen, wohin man sie führte. Nun kleidete und schmückte, sie sich, wie eine, die vor einen König kommen soll. Sie kam ins Schloß und der Fürst ließ sie eintreten. Sie trat ein, man reichte ihr einen Sessel neben ihren Mann hin und der Gelehrte begrüßte sie. Er zweifelte aber, ob sie sein Weib sei und auch sie erkanpte ihn gar nicht; denn es waren bereits viele Jahre verstrichen und beide hatten sich ganz verändert sowohl im Aussehen als auch in der Kleidung. Und der Gelehrte schwieg und sie aßen und tranken und waren fröhlich und guter Dinge. Nur der Fürst konnte nicht lustig feilt und saß in Gedanken vertieft. Da sprach der Schiffer zu ihm: „Mein Herr, waruni seid Ihr so traurig und sitzt in so schweren Gedanken? Wenn Ihr es nicht gerne seht, daß wir so lauge essen und trinken, so wollen wir aufhören und unseren Weg gehen." Da sprach der Gelehrte: „Ihr seid mir gewiß liebe, werte Gäste, doch ich denke eben über das Rätsel nach, ich nröchte es von der Frau selbst gerne hören." Und der Schiffer hieß die Frau das Rätsel wiederholen. Und sie sagte es fv, wie es der Schiffer getan. Der Gelehrte fragte sie: „Bon wein habet Ihr das Rätsel?" Sie sprach: „Herr, ich habe einen fromnien Mann gehabt, einen großen jüdischen Rabbi, und er erzählte mir oft derlei alte Geschichten und Rätsel. Von diesem schwierigen alten Rätsel aber weiß kein Mensch die Lösung." (Schluß folgt.)