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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-23 · Heft 2722 (23.9.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2722 (23.9.1926)
Date
1926-09-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2722 Wiener Moraenzeitung 23. September 1926 Seite 8 Wien, Donnerstag Ramels Rechenichaltsbericht über Genf. Im Hanptansschuß brachte gestern Bundeskanzler Dr. R a m e k einen Bericht über die Verhandlungen in iKenf, ans dem man nichts erfuhr, was man nicht schon aus den Resolutionen des Finanzkomiteds des Völkerbünde" erfahren hätte. Dr. Ramek erwähnte seine Begegnung »r C tres e m a n n, der volles Verständnis für die Notwendig keit der Entwicklung der gegenseitigen Wirt schuft l i ch e n B e z i e h u n g e n gezeigt habe, ferner den mit Dr. N i n c i c paraphierten Schiedsgerichtsvertrag mit Jugoslawien. lieber die Verhandlungen mit den: Finanzkomitee teilte der Kanzler mit, das; die in Genf vereinbarte A e n d e r n n g des Nativnalbankstatnts die Entscheidung des Nationalrates nicht präjudizieren. Gegen die S ch a tz s ch e i n e m i s s i o n hätten die Sachverständigen des Völkerbundes feinen Einspruch erhoben. Die .Kreditreste, die jetzt freigegeben wurden, betragen insgesamt noch 00 Millionen Schilling. Die N o tst a n d s a u s >h i l f e für die B e a m t e n — das habe er in Genf offen erklärt — könne er nicht durch Ersparungen hcr- -einbringcn. Da er aber die Versicherung gegeben habe, daß gleichwohl das Gleichgewicht im Staatshaushalt nicht gestört würde, habe er für den Standpunkt der österreichischen Negierung Verständnis gefunden. Auch die Hoheitsbeamten Sroh°» n>It dem NreN. Für Freitag hat Bundeskanzler Dr. Ramek die Vertreter des Fünfnndzwanzigcransschnsscs der Beamtenorganisationen und der Technischen Union zu einer Aussprache über "hutuyrfluMq *r. fi-JWUenen Kokospalmen liefern jährlich ihre Nüsse zur Herstellung des reinlichen, hygienisch einwandfreien Speisefettes xoo Prozent reines Fett aus Kokosnüssen. mmm 'Ji f «ÜÜ/III1 UM “'WZ Erzeugt unter streng ritueller Aufs:clit Seiner Elirwiirden des Herrn Oberrabbiners 8. B. Ehrenfeld, Mattersburg das ihm vorgelegte Ford e r ungs p r o g r a m m eingeladen. Dieses Programm wurde nunmehr auch vom Bund der öffentlichen Angestellten, einer sozialdemokratischen Organisation, zur Kenntnis genommen und der Vorstand ermächtigt, alle zur Durchsetzung der laufendenj Forderungen notwendigen gewerkschaftlichen Mittel in die i Wege zn leiten und anznwenden. Tie Taktik der sozialdemokratisch organisierten Telegraphen- und Telephonangestellten, mit dem Streik zu drohen, haben sich also auch die sozialistischen Hoheitsbeamten zu eigen gemacht, wenn sie es auch bisher unterlassen haben, ein Ultima t n m zn stellen. Roiftandsaushilfe für die Kriegsopfer. Erhöhung der Renten. Wie in den früheren Jahren, bekommen auch diesmal die Kriegsopfer eine Notstandsaushilfe im Oktober und Dezember dieses Jahres ansbezahlt. Hiezu ist die Summe von 3,6 Millionen Schilling erforderlich. Die hiezu notwendige Gesetzesvorlage ist bereits ansgearbeitet. Auch die Zustimmung des Finanzministers ist schön erteilt. Ferner wurde eine neunte Novelle zmn Jnvalidenentschädignngsgesetz, durch welche die Renten der Kriegsopfer erhöht werden sollen, ansgearbeitet, doch sind wegen der hiefür erforderlichen Summe von mindestens zehn Millionen S ch i l l i n g Verhandlungen mit dem Finanzministerium notwendig. kisenbahnunglück bei L»rk. Zwei Personen getötet.!-• Warschau, 22. Teplember. In der Nähe von 3uck nui die Endvufter eines toten Geleises auf. Hieibei wurden acht Personen, darunter zrveiiödlich verletzt. Friede in der Sberau. Die Räumung erfolgt Freitag. Die Verhandlungen, die der Leiter der Bezirkshauptmaunschaft Floridsdorf, Hofrat Tr. Erb, gestern mit den! wilden Siedlern in der Oberau führte, endeten mit der! Zusage des Aktionsleiters Weiter t namens aller Koloni- I sten, das; bis Frei t a g den 25. d., 0 Uhr abends, die Oberau von den Kolonisten g e r ä u m t werde. Bis dahin werden die Schlägerungsarbeiten unterbleiben. Ihren Abzug machen die Kolonisten jedoch davon abhängig, daß ihnen ein gleich großes, in der Nähe Wiens gelegenes, zu Kolonisationszwecken geeignetes Stück Land Angewiesen werde. Weiters verlangen sie, daß das Bodenzuweisungsgesetz verwirklicht werde und dem Reichsverband „.Kolonien in der Heimat" andere Landgründe, die für Kolonisation geeignet sind, zugewiesen werden. Diese Forderungen, die nicht in die Kompetenz der Landesregierung fallen, werden von dieser unverzüglich der Bundesregierung zur Kenntnis gebracht werden. Zwischenfälle haben sich gestern in der Au nicht ereignet. * In und vor dem Rathaus veranstaltete gestern der Verein „Kolonien in der Heimat" eine Protest-Versammlung, die sich mit den Vorgängen in der Oberau beschäftigte. Die Versammlung war von etwa 8000 Personen besucht. Es sprachen der Führer des Vereins, Lanüesknlturrat Wagner, der Siedler Müller und der An/rrchist Pierre R a m u s (Großmann). In der Versammlung herrschte eine sehr erregte Stimmung, die noch durch das Gerücht gesteigert wurde, daß die Oberau von 1000 Manu des Bnndesheeres zerniert sei. Der Tenor aller Redner ging dahin, daß bis Freitag 51c Forderungen der Siedler e r f ü l l t sein müssen. Würde dies nicht der Fall sein, dann würden auch in L i n z, Graz, Wiener-Neu st adt und anderen Orten die Kolonisten zur Selbsthilfe greifen und Siodlungsland, ohne erst viel zu fragen, besetzen. Wieder ein geheimnisvoller Diebstahl im Diamanlenüub. Vor mehr als einem halben Jahre hat sich in: Diamantenklub ans dem Neuen Markt Nr. 8 ein rätselhafter Diebstahl ereignet. Während des Gespräches zweier Edelsteinhändler war dem einen eine Brieftasche mir Juwe.eu im Werte von etwa 10.0 0 0 S., die ans einem Tischchen neben ihm lag, abhanden gekommen. Alle Anwesenden ließen sich damals freiwillig untersuchen. Aber die Juwelen blieben verschwunden. Drei Tage später wurde ans einem alten Garderobekasten in einer Rumpelkammer die Brieftasche mit dem un verschrien Inhalt gesunden. Die Nachforschungen nach dem Täter blieben ergebnislos. Dienstag in den Nachmittagsstunden Hai sich im Klub ein ähnlicher Vorfall abgespielt, wobei ein schwarzledernes Portemonnaie mit Smaragden, Perle n und Brillanten im Gesamtwerte von 4000 T. verschwand. Auch diesmal ließen sich die anwesenden Mitglieder, etwa 100 Personen, durchsuchen, doch wnwe nichts gefnMen. Bicher ist es ganz unaufgeklärt, wie der Diebstahl förmlich unter den Augen des Opfer? geschehen konnte. tzine Aurmlataftrophe in Paraguay. New-Iork, 22. September. Wie aus Assnnciou gemeldet wird, bat in E n c a r n i c o n (Paraguay) e i n s ch w e r e r W r r b e lst u r m g e w ü t e t. der eine Katastrophe ähnlich der an der Küste von Florida, hervorrief. Die Nachrichten über die Z a h l der Opfer sind u n b e st i m m t. Eine Meldung spricht von 150 Toten und 500 Verletzten, eine andere von 400 Totenund 350 Verletzten. 20 Häuserblocks sind z e r st ö r t. darunter zwei Hotels, zwei Bankhäuser und das städtische Elektrizitätswerk. Der Sachschaden wird auf eine M i l l i o n D o l l a r geschätzt. Hittszüge mit Lebensmitteln Medikamenten und Hrl'smannschasten sind abgegangen. Aeb Fejtl, der nörrilche Melamed. Voll Julius Csermely. (Einzig mitovifiertc Uebersetznng ans dem Ungarischen von Maurus M e z e i, Wien.) Ich erinnere mich noch ganz genau an ihn, obwohl es über beute oder morgen schon dreißig Jahre sind, daß ich aus weiner Heimatstadt fort bin, Ivo der närrische Rcb Fejtl Melaaned war. Er war ein langer, nragerer Mensch, der Thpns eines rnfsisch-polnischen Inden, mit schütterem Schnurr- und Vollbart, aber mit desto mehr Furchen int Gesicht und auf der Stirne. Wie er zu uns gekommen ist, wußte weder ich noch sollst jemand. Wenn inan ihn fragte, woher er stammt, nannte er den Namen irgelld eines polnischen Torfes mit unzähligen Konsonanten. Wie bereits erwähnt, war er ein Melamed, doch hat er — vielleicht war er dennoch närrisch? — mehr als sieben Schüler niemals angenommen, denn, wie er sagte, hat ja die Woche nur sieben Tage und nicht zehn oder fünfzehn oder gar voch mehr. Reb Fejtl nnterrichteic nämlich nur für Verpflegung, er hatte also vollkommen recht, daß man an den sieben Tagen der Woche nur bei den Schülern von sieben Eltern zu Kost sein kann. Soll er zehn Kinder übernehmen oder gar zwanzig? Wo soll er für das achte Kind essen, wo doch die Woche nicht mehr wie sieben Tage hat? Daß er sich für die übrigen Schüler bezahlen lasse? „Nieinals," sprach der närrische Reb Fejtl. „Es ist nicht erlaubt, fürs Unterrichten Geld anzunehmen. Oder finden wir irgendwo," fragte er, „daß Echaminaj und Hille! oder die anderen großen Meister und Lehrer seinerzeit für Geld gelehrt haben? Daß damals andere Zeiten waren als heute? Kindisches Geschwätz," meinte 2u'b Fejtl. „Der Aleph war auch damals ein Alcph,und das Bes lvar auch damals ein Bes; die ganze heilige Thora war auch damals das, Ivas sie heute ist. Wenn es also auch damals nicht erlaubt war, Geld fürs Lehren zu nehmen, ist es auch jetzt nicht erlaubt, weder dem Melamed, noch dem Rabbi." „Haben Sie doch Verstand, Reb Fejtl," redeten ihm die Juden meiner Heimatstadt zn, „man benötigt nicht bloß Speise und Trank, sondern auch Kleider und Wohnung und sonst dergleichen... und woher nehmen?" „Woher? Was ist das für eine Frage? Wohnung bekomme ich von Reb Sanftl, weil ich allabendlich mit ihm lerne; Kleider, Wäsche und dergleichen? Ter liebe Gott wird auch das geben ... keine Sorge." (Das war seine typische Redensart.) Nun, der liebe Gott gab ihm auch alles im Wege der Glaubensgenossen des Ortes. Tenn der Jude ist in derlei Dingen gar erfinderisch. Bald sprach der Vater des einen Schülers, bald der eines anderen mittags zu ihm: „Reb Fejtl," spracben sie, „wir haben heute kein Nachtmahl, da meine Frau irgendwo zu tun hat. Hier haben Sie also ein Stück Brot und einen Gulden, kaufen Sie sich dafür beim Greisler ein Nachtmahl." Damals war ein Gulden eine große Summe; selbst bei einem reichlichen Nachtmahl blieben ihm von dem Gulden noch achtzig Kreuzer übrig und diese ersparten achtzig Kreuzer machten in manchem Monat sogar fünf Gulden aus. Das heißt, sie machten nicht mehr ans als zwei, denn er verwendete von den ersparten fünf Gulden mindestens drei, wenn nicht mehr, für wohltätige Spenden. Der arme Mensch für die noch ärmeren! Einmal sprach einer zn ihm: „Nur Gotteswillen, Reb Fejtl, Sie übernehmen nicht inehr als sieben Kinder., Was machen Sie aber, wenn, Gott behüte, eines davon sterben sollte?" „Eine närrische Frage," erlviderte Reb Fejtl und sein runzeliges Gesicht wurde sehr böse. „Das wird Gott nicht tun. Ich will die Kinder zn guten Juden erziehen, darf also Gott selbst dies verhindern? Er darf cs nicht, sage ich, uild weil er es nicht darf, wird er es auch nicht tun." War es Zufall oder ein Wunder, oder wollte ihn Gott für fein grenzenloses Vertrauen belohnen: Von den Schülern des Reb Fejtl starb auch nicht ein einziger. Einmal wurde er selbst schwer krank. Man hatte ihn schon aufgegeben, aber int letzten - Moment genas er wieder. Was sagten darauf die Witzbolde des Ortes? Sie sagten: „Ein Narr ist er wohl, der Reb Fejtl, aber so ein Narr doch nicht, zu sterben." Er selbst aber sprach ganz anders. „Warum schickt der Allmächtige diese Krankheit über mich?" fragte er sich, ltitb er sprach sowohl zn sich selbst wie auch zn anderen Leuten, daß vergangenen Jom-Kippur, als in das große Buch eingetragen wurde, wer leben und wer sterben soll, bei ihm sicherlich ein Fehler unterlaufen sein dürfte. Er stand schon im Buch der Abgehenden und ist dann nachträglich daraus gestrichen worden. „Warum hat aber Gott gewollt, daß ich schon mit fünfzig Jahren sterben soll? Ich halte es dem lieben Gott nicht vor, daß ich trotz meiner Armut schon viel Gutes getan habe, auch nicht, daß ich schon so viele jüdische Kinder auf den Weg der heiligen Thora geführt habe; aber ich halte ihm vor, daß ich hier auf Erden noch vielen Kindern Wissen und Gottesfurcht einflößen muß. Das hat aber der Allmächtige sehr wohl gewußt, warum wollte er also dennoch, daß ich vor der Zeit sterbe?... Und wie wird es erst am nächsten Jom- Kippur sein? Wie, wenn der Satan wieder keine Ruhe gibt, ich wieder ins unrichtige Buch eingetragen und daraus auch nicht nachträglich gestrichen werde? Ich muß dagegen etwas tun, um sicher zu fein und ruhig schlafen zu können." ... Was tat also der närrische Reb Fejtl, um sich fein Leben zu sichern? Man erfuhr es am nächsten Jom-Kippur. Das heißt, schon am Tage vorher wurde sein sonderbarer Einfall bekannt. Reb Sanftl, fein Hausherr, schenkte ihm einen wundervollen Hahn und sprach: „Reb Fejtl, hier haben Sie Ihre Kapvvoh. Ich bekomme dafür einen halben Gulden und zwanzig Kreuzer." Reb Fejtl zahlte ihm den Betrag aus, ließ aber den wunderbaren Hahn in der Hand des Hausherren. „Seien Sie so gut, Reb Fejtl, sagen Sie rasch das Bneodom" (die einleitenden Worte des vorgeschriebenen Gebetes), bat ihn Reb Sanftl, „damit ich ihn zum Schlächter trage; ich habe viel zu tun." „Tragen Sie ihn nur hin, wenn Sie es eilig haben und lassen Sie ihn schlachten." „Sie werden aber doch vorher das Bnc-odom sagen?" „Ich? Ueber den Hahn? Das tue ich nicht. Was für ein Kaporoh ist denn ein Hahn, den man schlachtet und aufißt ... nun? Kann Gott daran eine Freude haben? Ich mache nicht mit einem Hahn Kaporoh, sondern mit diesem hier, schauen Sic." Und er nahm eine Zehnguldennote, sprach das Bneodom und wiederholte dann dreimal: „Sc kaporosi, se chafilosi, fe temurofi, fe hamomajn jeleck) lez'doko v'ani &d) veekoncs

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