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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-21 · Heft 2720 (21.9.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2720 (21.9.1926)
Date
1926-09-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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9tftt! •"''"v - WM. MeaW - ^MeEMokstSMMM ' E Sf. EcUeEr 1026 "".: " Nr. S7W Koffettfchaften diese 600.000 Schilling ohne Genehmigung eineverfassungsmäßigen Körpers geschenkt habe, das Geld wieder zurückgeben müsst, für das er Pcrföulich hafte. In den verlesenen Dokumenten ist die Rede davon, daß fünf Millionen Dollar für die inländische Veranlagung freigegeven worden sind. Dr. Danneberg behauptete nun, davon seien drei Millionen Dollar verwendet worden, um die steirischen Genosienschasten ans den Zinsengewinnen der Banken zu subventionieren; die restlichen zwei Millionen bat die Regierung der Bayernbank zugewendet, damit sie aus den Zinsengewinnen den Betrag streicht, den die Salzburger F e st s P i e l h a u sgemeinde, an deren Spitze der christlichsoziale Vizebürgermeister von Salzburg steht, ihr schuldig war, nämlich 12 Milliarden. Es mache fast den Eindruck, als ob die Bölkerbnndanleihe nicht zur Sanierung Oesterreichs, sondern zur Sanierung der chriftlichsozkalen Partei gegeben worden wäre. Nicht nur die fünf Milliarden seien verloren, die die steirischen Genossenschaften bekommen haben, sondern auch die Zentralbankkopfquote des Dreimillionendollarkredits an den Bankenverband, das ist ein Betrag von 13 Milliarden Kronen, weil die Zentralbank zahlungsunfähig wurde. Es sei jetzt bei der Zentrqlbank vom Kapital des Völkerbundgeldes mehr als der doppelte Betrag verloren gegangen, den man durch diese Zinsenschwindeleien den steirischen Genossenschaften verschaffen wollte. Der Ausschuß beschloß hierauf, neuerlich den Bundeskanzler Dr. Ramek, den Finanzminister Kollm a n n, den Minister Dr. R i n t e l e n, den Ministerialdirektor im Finanzministerium, Dr. Grimm, sowie Zeugen über die Verteilung des den steirischen Genossenschaften zugewendeten Betrages einzuvernehmen. (Hu gutes Seschüft der TelepbonverwaNung. Warum man keinen Telephonanschlutz bekommt. Die bevorstehende Erhöhung der Telegraphen-' und Telephongebühren wird mit den Zuwendungen an die Bediensteten begründet. Diese setzen sich nun zur Wehr und suchen darzulegen, daß die Telegraphendirektion mit der Gebührenerhöhung ein gutes Geschäft mache und daß es leicht möglich wäre, alle Forderungen der Bediensteten zu erfüllen, ohne die Gebühren hinaufzusetzen. In einer Konferenz der Betriebsräte, die in den Räumen der Technischen Union abgchalten wurde, ist gestern ein Referat erstattet worden, welches darlegt, daß bei Voraussetzung einer löprvzentigen Bezugsaufbesserung dies 2,769.000 S. kosten würde. Nun bekäme aber die Telephonverwaltung aus der geplanten Erhöhung der Gebühren für Viertelanschlüfle und Einzelarrschlüsse der niedrigsten Gebührenstufe in Wien alle in eine Mehreinnahme von 4,100.000 S. Die übrigen Gebührenerhöhungen werden in Niederösterreich und dem Burgenland weitere 1,10 0.0 0 0 S. abwerfen. Der Ausbau, des Telephonnetzes werde durch eine unkaufmännische Betriebsführung behindert. In Wien könnten in naher Zeit mindestens 20.000 Telephone zugoschaltet werden, während jetzt ganze Stadtteile vor der Unmöglichkeit stehen, neue Telephonanschlüsse zu erhalten. Aus der Verdichtung des Telephonnetzes habe die Verwaltung in einem Jahre allein Mehreinnahmen von 1,3 0 0.0 0 0 S. erzielt. Dazu kamen noch Einnahmen und Anfnahmsgebühren von 1,880.000 S. Der erhöhte Personalaufwand müßte durch einen rascheren Ausbau des Telephons hereingebracht werden. Aber die Investitionen könnten eben nicht aus der Gebührenerhöhung, sondern aus den Völkerbundkreditresten bestritten werden. Die Telephonverwaltung wolle aber mit der Erhöhung der Gebühren sich einen Reservefonds schaffen, statt sich die notwendigen Investitionskosten auf dem Anlerhewege zu beschaffen. Es wurde weiter festgestellt, daß für die Telephonabonnenten ein großer Nachteil dadurch entstehe, daß die Zahl der Zuleitungen von einer Telephonzentrale zur anderen nur zirka 20 beträgt und daher zu gering sei. Auf einem Abonnentengestell gibt es 100 Abonnenten. Es kommt nun vor, daß mehr als 20 Abonnenten zugleich anrufen. Weil nun zu wenig Verbindungsleitungen vorhanden sind, so geht der „Wähler" auf den Besetztkontakt, was zur Folge hat, daß der Abonnent das Besetztzeichen bekommt. Dieser Vorgang wiederholt sich sehr oft, und wenn nun der Abonnent gerade kontrolliert wird, dann werden ihm höhere Gebühren vorgeschrieben. Noch ärger ist dies bei Abonnenten mit Halbarvfchlüfsen, wo auf einem Abonnentengestell 200, und gar erst bei Biertelanschlüssen, wo auf einem solchen 400 Abonnenten sind. Hat ein solcher Abonnent dann eine übergroße Zahl von Anrufen, kommt das Kontrollorgan zu ihm und teilt ihm mit, daß er das erstemal verwarnt und daszweitemalausgeschaltet wird. Srdbeben. Rom, 20. September. Die Erdbebenwarte von Faenza hat heute nachts ein Erdbeben in einer Entfernung von schätzungsweise 1000 Kilometer verzeichnet. Man glaubt, daß es sich um eine Wiederholung der letzten jonischen Erdbeben handeln dürfte. Staatshaushalt und Wirtschaftslage in Pole«. Ein Expose des FlnattMlnifters. L. Warschau, 20. September. Der Sejm hielt heute seine erste Sitzung nach den ParlamentSseriett ah. Zunächst verlas der Schriftführer Erklärungen der vier Deputierten, welche der ehemalige Ministerpräsident Grabski in einem Brief an den Sejmpräsidenten im Zusammenhang mit der gegen Grabski geführter: Untersuchung wegen der Verpachtung des Zündholzmottvpols angegriffen hatte. Die Erledigung der Tagesordnung — das Bndgetprovisorium — wurde vom Finanzminister K l a r n e r mit einem Expose über die Finanz- und Wirtschaftslage Polens eingeleitet. Der Minister teilte mit, daß der Staatshaushalt der ersten acht Monate dieses Jahres mit einem Defizit von 44 Millionen Zloty abschließe, der noch steigen müsse, wenn die Forderungen der Beamten berücksichtigt werden. Dennoch beurteilt der Finanzminister die Lage optimistisch und begründet dies mit dem Hinweis auf die Besserung der Handelsbilanz, die auch trqtz der steigenden Teuerung und der durch den Ernteausfall geminderten Exportmöglichkeiten seinen Glauben an die Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage rechtfertige. Ueber die Mittel, die die Regierung anzuwenden gedenkt, um das Defizit irn Staatshaushalt zu beseitigen, äußerte sich der Finanzminister nicht näher; dies läßt darauf schließen, daß die Regierung doch zu dem Mittel der Steuererhöhungen wird greifen müssen. Die Debatte über das Expose wurde auf Donnerstag vertagt. Der jüdische Klub und das Budgetprovisorium. In seiner heutigen Sitzung hat der jüdische Sejmklub nach einem eingehenden Bericht seines Obmannes, Deputierten Hartglas, über die politische Lage, in welchem der Klubpräsident hervorhob, daß trotz des guten Willens des Ministerpräsidenten Bartel nichts geschehe, um die Lage der jüdischen Bevölkerung zu bessern, beschlossen, sich der Abstimmung über das Bndgetprovisorium zu enthalten. Gleichzeitig wurde vorgeschlagen, der jüdische Klub möge ein Mißtrauensvotum gegen den Unterricht s m i n i st e r S u i k o w s k i beantragen, da der Glombinski-Erlaß, der den polnischen Hochschulen die Möglichkeit gibt, den Numerus clausus gegen jüdische Hörer anzuwenden, trotz der Vorstellungen der jüdischen Vertreter und der Versprechungen der Regierung noch fortbesteht. Die Luden in der Landwirtschaft Polens. Aenßerungen des Ministers Rarzynski. Wie wir an anderer Stelle berichten, fand gestern in der polnischen Gesandtschaft ein Presseempsang statt, bei dem der Ackerbauminister Dr. Raczynski Aufklärungen über das Verhältnis der polnischen Landwirtschaft zur österreichischen gab. Die zu dem Empfang erschienenen Pressevertreter wurden durch den Gesandten Herrn Kowalski und den Pressechef Prof. P a r n e s dem Minister vorgestellt, der dann auf verschiedene Anfragen Antwort erteilte. Auf eine von dem Vertreter der „Wiener Morgenzeitung" gestellte Frage bezüglich der Juden in der Landwirtschaft Polens führte der Minister aus: Wir haben in Polen eigentlich sehr wenige Juden in der Landwirtschaft und sie unterscheiden sich irr gar nichts von ihren nichtjüdischen Berufsgenossen. Sie haben ihre beruflichen Organisationen, die mit den anderen reibungslos Zusammenarbeiten. Allerdings ist bei den jüdischen Bodenbesitzern vielfach zu merken, daß ie Landwirtschaft mit dem Nechenstift betreiben, was der polnische Bauer nicht tut. Und wenn die mathematische Kalkulation ergibt, daß die Landwirtschaft nichts trägt, so ist der Mische Besitzer leichter geneigt, seinen Besitz zu verkaufen, während der Bauer bleibt. Infolgedessen, aber auch infolge der schwierigen innerpolitischen Verhältnisse verringert sich die Zahl der jüdischen Produzenten. Doch zeigen die allgemeinen Verhältnisse die Tendenz zur Besserung, und auch die Beziehungen der Juden zur städtischen Bevölkerung — aus dem Lande sind sie ungetrübt — werden sich bessern. Ans eine Frage nach der Aktion K e m m e r e r erwiderte der Minister, daß Professor Kemmerer ein Gutachten von 800 Seiten an die Regierung erstattet habe, mit dessen Inhalt sich der Minister noch nicht vertraut machen bnnte. Dieses Gutachten werde zweifellos von großer Bedeutung sein, da auch die amerikanischen Geschäftsleute ihr Verhalten zu Polen danach einrichten werden. Abschied des Gesandte« KowalE. Der Gesandte Prof. Wierusz Kowalski hielt vor Beginn des Empfanges an die Journalisten eine Ansprache, n der er sich von ihnen verabschiedete und der Wiener Presse ür die Unterstützung dankte, die sie ihm in der Zeit seiner Wiener Wirksamkeit hatte angedeihen lassen. Gesandter Kowalski reist am 26. d. mit seiner Familie von Wien ab, um sich über Bukarest und Konstantinopel ans seinen neuen Dienstposten in Angora zu begeben. Der neue Gesandte Polens, Dr. Bade r, wird am 1. Oktober sein Amt übernehmen. Er war bekanntlich bisher Gesandter in Angora. Sine KorruvtionsaffSre in der Posener Anrffverwaftung. Warschau, 19. September. Aus Posen wird eine neue Panamaafsäre in der dortigen Forstdirektion gemeldet. Die bisherige Untersuchung ergab, daß die Unregelmäßigkeiten, die einen Schaden von vielen Hunderttausenden Zloty verursacht haben, sowohl den höchsten als auch den unteren Beamten zur Last fallen. Unter anderen wurden auch zwei Professoren der Posener Universität, Thaddäus Wielgnsz und Julian Rapalski, verschiedener Malversalionen angeklagt. Ein Strafverfahren wurde auch gegen den Inspektor des Forstwesens GroßpolkNs, W i t k e w i c z, und gegen den Posener Forstinspektor Jchodzki eingeleitet. Er soll große Bestechungssummen zum Schaan der Forstvcrwaltung angenommen haben. Die anlifkimzöfischen Kundgebungen kn Trieft. Der Rädelsführer verhaftet. Paris, 20. Septemöec, Wie amtlich mitgeteilt wird, ist der Haupträdelssührer bei den Kttndgebnngen vor dem französischen Konsulat in Triest von den italienischen Behörden verhaftet worden. Dem französischen Botschafter nt Rom wurde die Zufichemng gegeben, daß jede Ausschreitung gegen em französisches Konsulat streng bestraft werden würde. Wer hat die ukrainische Pogromregierung finanziert? Die Voruntersuchung im Schwarzbarth-Prozetz. dl. Paris, 20. September. Ueber die Aussagen der von der Petljura-Seite geführten Zeugen in der Voruntersuchung zum Schwarzbarth-Prozeß veröffentlicht die französische Presse kurze Notizen, die jedoch stark gefärbt sind, vor allem, indem die Erwiderungen Schwarzbarths selbst nicht angeführt sind. Die antisemitische „Action Francaise" ergeht sich in heftigen, ihren Tendenzen entsprechenden Ausfällen. Nur „Quotidien" berichtet wahrheitsgemäß, daß Schwarz- Harth auf seinen Aussagen, Petljura habe die Pogrome nicht nur geduldet, sondern auch angestiftet, beharrte. Einer aus Moskau hier eingelangten Meldung der „Jswestija" zu folge hat der in Moskau weilende Anwalt Lecache in einem Interview erklärt, er sammle für den Schwarzbarth-Prozeß Material über die Pogrome, gleichzeitig aber auch darüber, welche europäischen Regierungen eigentlich die ukrainische Regierung Petljuras während der Pogromzeit finanziell u n t e r st ü tz t haben; besonderes Interesse bringe er (Lecache) dem Verhalten der französischen Besatzungen in der Ukraine während der Pogrome entgegen, über das ihm mancherlei Mitteilungen zugekommen seien. Wenn die Angaben der „Jswestija" richtig sind, so sind nach der Rückkehr Lecaches sensationelle Ergänzungen des Materials über die Pogrome nach der politischen Seite hin zu erwarten. öir Samuel Met nicht nach Amerika. Die zionistische Anleihe im nenen ökonomischen Rat. K. London, 20. September. Wie „Jewish Times" melden, hat Sir Herbert Samuel der Exekutive der Zionistischen Organisation mitgeteilt, daß er aus politischen Gründen nichknach Amerika reisen könne; dieser sein Entschluß sei endgültig. ° Samuel wird jedoch an den Sitzungen des neugebildeten ökonomischen Rates teilnehmen, der zum ersten Male im Oktober zufammentreten Wird. Die soeben in Paris, stattgesundene erste Sitzung des Keren-Hajessod- Direktoriums, in der unter anderem das Problem der zionistischen Anleihe behandelt wurde, hat beschlossen, diese Frage dem ökonomischen Rat zur Behandlung zu übergeben. 8m Lnftschifi über den Szean. Paffagierdienst Paris—New-Iork und Berlin—Buenos Aires. Wie „Matin" meldet, werden in Frankreich gegenwärtig drei Luftfahrzeuge instand gesetzt, die einen Flug von Paris nach New-Aork unternehmen sollen. Eines derselben würde am 5. Oktober abfahrtsbereit sein. Das spanische Kabinett hat beschlossen, die Konzession für eine Luftlinie Sevilla-—Buenos Aires zu erteilen und hiefür einen Vorschuß von 30 Millionen Pesetas zu gewähren. Die Linie dient zur Verbindung Berlins mit Buenos Aires über Sevilla. Schröder legt Berufung eiu. Die Goetze noch nicht verhaftet. Wie der „Berliner Lokalanzeiger" aus Magdeburg meldet, hat der zum Tode verurteilte Raubmörder Schröder seinen Verteidiger beauftragt, Revision gegen das Urteil anzumelden. Die Gerüchte von der bevorstehenden Verhaftung -er Braut Schröders, Hildegard Goetze, haben sich nicht bestätigt. Samstag dev 25. Sevtember. 8 Ußr abends, im Mittleren Kaarettbanslaal *

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