Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2718 (19.9.1926)
- Date
- 1926-09-19
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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beite 12 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung 19. September 1926 Rr. 2718 Irr Abend kringt schon herbstliche Kühle. Auch die Natur zieht allgemach ihr Herbstkleid an. Das prachtvolle Nachsommerwetter der letzten Zeit darf uns daher nicht darüber hinwegtäuschen, daß doch schon der Herbst vor der Türe steht. Bald, bald wird der prächtige Sommersonnenschein kalten Nebelschauern weichen. Es ist daher hoch an der Zeit, die Herbstgarderobe zu ergänzen und an die behagliche Einrichtung seines Heims für. die kalte Jahreszeit zu deniken. Es empfiehlt sich daher, zur Orientierung für den Herbsteinkauf die Käuflichen der Taborstraße zu besichtigen. Bor allem werden uns da die in wahrhaft künstlerischer Anordnung arrangierten Schaufenster des dominierenden Leopoldstädter Warenhauses Brüder Schiff mann, 2. Be;.. Tabvrstraße 48, angenehm aufsallen. Wir gewinnen bei deren Ansicht einen erschöpfenden Ueberblick icher die herrschende Mode in Bekleidungsartikeln jeder Art für Damen und Herren und müssen über die herrlichen Modedessins und die wunderbaren Farbenharmonien der Stoffe eben'o staunen tv-ie über die außerordentlich billigen Preise. Brüder Schiffmann, deren Renommee als verläßlichste ud billigste Einkaufsg'nelle preistvrrien Einkauf verbürgt, haben den Gipfel der Leistungsfähigkeit erreicht. Seide, Wollstoffe, Samte, Damen- und Herrenwäsche (allerneueste Herbstware). Teppiche. Vorhänge, Bettdecken. Leinen- und Wirkwaren usw. sind als „sensationelle Herbstoikkasion" zu konkurrenzlos billigen Vorsaisonpreisen erhältlich. Besonders billig sind die Einführungspreise für sämtliche Schneider- und Modistenzugehöre. Ein Besuch des Warenhauses Brüder Schiffmann — kein Kan-fzwang! — ist für jedermann lohnend! , Volksseele einznfühlen, Menschen zu schildern, die er wohl nie in ihrer Heimat gesehen hat. Diese Wolgaschiffer, die, im Joch der Lastschisse keuchend, ihre schwermütigen Lieber singen, diese russischen Aristokraten und tartarischen Zigeuner, sind oindmcksvolle, glaubwürdige Typen. Erstaunlich auch, wie richtig man es in Amerika getroffen hat, den Charakter der endlosen, dw^g flachen russischen F'lußlandschaften wieberzngeben. Gegen das Ende,zn wurde eine Szene gekurbelt, wie man sie derart wuchtig bisher tvohl noch in keinem Film zu sehen bekommen hat. Da lverden dir 'oei einem Balle überfallenen Offziere der weißen Armee und die Aristokraten samt ihren Frauen .in die Joche der Wolga schiffe gespannt und müssen min auf diesen ihre Sieger den Stroin auswärts zum Tribunal sichren, das sie richten soll. Männer in zerfetzten Galauniformen und Fracks, Frauen in Balltoilette keuchen an den Stricken, von unbarmherzigen Knuterchie^Len vorwärts getrieben, lieber dem ganzen Bilde liegt finstere tllacht, die die Gestalten der Uebcrwundeneu gespenstischen Silhouetten gleichmacht — eine Szene aus dem Inferno. Durchwegs hervorragend sind die darstellerischen Leistungen. William Boyd als Wolgaschiffcr, Eliiror Fair als Prinzessin und Viktor B a r 1 o n y als ihr Bräutigam bieten allevbsstes, wie auch Julia Faye, Theodore Koslosf und alle übrigen in kleiineren Rollen. P. Bühne und Kunft. ^Fannys erstes SM." Theater in der Josefstad' Diese Shatv-Komödie, schlank und luftig gcbaui, diese famosen drei Akk mit dem ulkigen Kolportagceinschlag (Fannys erstes ist Georg Kaisers vorletztes Stück „Kolportage") macht Publikum und Schauspielern Freude. Hier hat der Dheatergast überall Zutritt, es gibt keine Fußangeln dunkler Anspielungen, jedermann weiß, wann mcnjschliche Schwächen im allgemeinen und englische im besonderen hergenommen sind, und es gibt fein Raisonnement, das die Handlung henrmt und zu dem man lächeln muß, auch wenn man's nicht versteht. Das bißchen Auseinandersetzung mit Kunstgeischmack und Unfug der Kritik ist ins Bor- und Nachspiel verlegt, prickelnd, anzüglich, und es bleibt manchem unbemerkt, daß Shaw in der Gestalt von Fannys Papa einen ernst zu nehmenden Shaw-Aburteiler er' .ut, so stört es manchen nicht weiter, denn es war ja nur an den .and geschrieben und gehört nicht zur Handlung. Die Schauspieler hinwiederum dürfen nach Herzenslust Komödie spielen, jeder und jede kriegt eine wirksame Rolle, steht zumindest eine Szene lang im Mittelpnükt des Interesses, und es ist nicht nett von Shaw, daß er die aus der Bühne versammelten Kritiker selbst diese Qualität von Fannys Erstlingswerk nicht erkennen ließ, zumal doch auch die Einglasträger unter ihnen, wie man weiß, das Monokel ausstemmen, wenn der Saal dunkel wird, und mit beiden Augen der Vorstellung beiwohnen. Das lustige Stück, von Emil Geyer famos inszeniert, wurde amüsant gebracht, außerordentlich von den Herren Goetz und Rom berg, Thimi g, dem Vater, und Frau Woi wode, gut von allen übrigen. N^ben den' genannten Künstlern darf Frau Dar das als Hauptdarstellerin doch nur austreten, weil sie Mölnars schöne Gattin ist.' Sie bcherrjscht die deutsche Sprache nicht besser als die Fedaik Sari und — so anmutig sie auch ist — die Autorschaft des Stückes kann man dieser Fanny nicht zumuten. Am Quartett der Kritiker des Vor- und Nachspiels beteiligtsich Anton K uh. Cs war löblich vom Herrn Direktor, daß er ihm ersparte, wie sonst, im Parterre Komödie zu maHen, und chm verstattete, solches dort zu tun, wo es am Platz ist. Und es nahm für ihn ein, als man ihn dort oben befangen sah, um abwechslungsreiche Haltung der Hände und Füße bekümmert, überlaut sprechend, ja sogar sich versprechend. Mau entdeckte gerne, daß auch feine Chugpa Grenzen hat. O.A. zwei neue Filmwerkr. „Faust." — „Wolgaschiffer." Man hat Dienstag im Zentralkino — allerdings noch ohne Titel von Gechar: Haupimann (technische Schwierigkeiten waren die Begründung dieses Umstandes) — den FaustMm der „Ufa" der Presse und den Interessenten vorgeführt. Das Buch, Kr das Hans K y is e r zeichnet, will nur die Volkssage vom Doktor Johannes Faust bringen, entlehnt aber die Figur Gretchens aus der Dichtung Goethes, was der Autor schamhaft verschwieg. Aus diesem Buche hat M u r n a u ein Fklmiwevk ..geschaffen, das reich an bildhafter Schönheit und wirkungsvollen Momenten ist. Aber die Bildwirkung über den Bildgeist. Denn alles in allem genommen, entstand hier nichts anderes, als ein grandioses Bilderbuch, das fasziniert und durch feine Monumentalität für Augenblicke überwältigt. Doch weder der Stofs der Faustsage, noch weniger der der größten deutschen Dichtung, wurde hier erschöpft. Bon den durchwegs ausgezeichneten darstellerischen Leistungen muß in erster Linie der Mephisto Iann >ings hervovgchoben werden. Me einem alten deutschen Holzschnitt entstiegen, mehr von dem Gefühl der Uebermacht erfüllt als von höllischer Dämonie, ist er der richtige Teufel aus dem alten deutschen Märchen. Neben ihm verliert der Faust Gösta Eck man ns, man erkennt stellenweise den routinierten Filmliebhaber und -Helden. Camilla Horn, eine wunderschöne Erscheinung, verspricht eine Mite Henny Porten zu werden. Sehr gn: auch Mette Gu'lbert als Marthe Schwerdtlein. — Die Aufnahme- und Beleuchtungstechnik dieses Films ist ein Wunderivevk für sich, bedeutet die Höchstleistung deutscher Filmkunst auf diesem Gebiet- " 4 Nach einer Novelle von Konrad Bercovic schuf der amevikanislhe Regisseur Eecil B. de Mille diesen eindrucksvollen, spannenden Film aus der Zeit der russischen Revolution. Es ist kein politischer TendenMm. Der Regisseur hat es verstand-«, ftch in eine i§m fremde. Apollolhealcr. Die heurige, Nachmittagsvorstellung beginnt infolge der Füllder Darbietungen präzise um 3 Uhr nachmittags. Vollständiges Messefestprogramm bei kleinen Preisen. Zugunsten des Wiederaufbaues der Wiener Volksoper findet am 25. d. auf der Hohen Warte eine Freilichtsestvorstellung des „Z i g e u n e r b u r o n s" statt. Es hat sich ein Ehrenkvmitee aus Damen uns Herren der Gesellschaft gebildet. .Hermann Strack in der Nationulgalerie. Aus Berlin wird gemeldet: Geheime Dr. Ludwig Justi hat soeben für die Nationalgalerie zwei Aauarelle von Hermann Struck erworben: den „Kops eines Juden aus Jemen" und „Blick auf Jerusaleni vom Oelberg". Es sind zwei von den neuesten Arbeiten des hervorragenden jüdischen Künstlers. — Struck lebt bekanntlich seit mehreren Jahren in Palästina. Er ha: sich in dem neuen Stadtviertel Haifas am Karmel angesiedelt. Hervorragend bewährt zur Bekämpfung rhenmatischer, gichtischer, nervöser Schmerze« sowie gegen Kopfschmerze«. Dt, Wirkung tritt unmittelbar et». Steine schädlichen Nedeuwietnngen. ktanaa «erztiich lobend drgntachtcu - In allen »»oiheien. wmmmmrnt Möbelfabrik J. Spira Feine 019 Wohnungseinrichtungen I. III. MMllMM 1—2 (Ecke Karl -Sch weighoter-üasse) k.Em‘r.K'i.Zahlungserleichterung Auffrischungs- Spezialverfahren, auf jedem Stück ersichtliche Kassapielse im WARENHAUS FÜRST, WIEN VI. Stumpergasae 15 Geschäftsbestand 40 Jahre I Eigene Pelz* reparaturwerkstätten / Elg. 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Bezirk, Kärntnerstraße 28 (Telephon 77-4-85 und 77-4-86) erhältlich V •t TO BLAINSCHEINS TO TERNO Pflanzen* Margarine Unerreicht in Qualität and Prell t Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürden des Herrn Obeirabbiners 8. Fürs» onwronr taons w' ■"» ’itun mn nnawn nnn) Ueberau erhältlich 11286 kajuTblaimsc^^ Buttertabriken, Wien, 14. Bezirk. Dietenbachgasse 59 Anmeldungen für berufsmäßige Ausbildung bis zum 8. Febntar 1*/. Jahre bis zur Prüfung. Wochen- und Monatskurse 9223 gmnnminniiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinnTiiiiiiiiiiimnniiiniiHinmniiiiimfiimimiiiiiiiiiiHmiimiimiiiniinmnnnwtg ISSEGM. KORNMEHL! GROSSFLEISCHHAUEREI I § Zentrale: IX. Bezirk, Berggasse Nr. 19, Te.ephon 17-3-99 und 16*9-34 | Lieferant für Heilanstalten | ( Abteilung für "1^3-Fleisch ( | unter Autsicht des Ehrwürdigen Rabblnats | | der Isr. 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Bald darauf wandte er sich der Gvillparzer-Forschung zu und wurde im Jahre 1889 vom Gemeinderat der Stadt Wien mit der Abfassung einer großen Grillparzer-Biographie betraut, die zur Grillparzer-Feier des Jahres 1891 hätte erscheinen sollen. Der Gelehrte erkannte jedoch, daß die Grundlage der bisherigen Forschung eine groß angelegte Biographie noch nicht zulasse und sv wurde er, als eine Krankheit ihn an der Weiterarbeit hinderte, von der Gemeinde seiner Verpflichtung entbunden. Später wurde ihm die Redaktion einer großen historisch-kritischen Monumentalausgabe der Werke Grillparzers übertragen, von der bisher zwanzig Bände erschienen find. Die Vollendung dieser Ausgabe war dem Gelehrten nicht mehr gegönnt. Sauer erreichte ein Alter von 71 Jahren. * Es ist noch der Verlust eines zweiten Literarhistorikers zu verzeichnen. Der Berliner Gelehrte Dr. Gustav R o e t h e ist am 17. d. in Bad Gastein im Alter von 67 Jahren einem Herzschlag erlegen Aus den Theatern. Bur g th e ater. Morqen, 7 Uhr abends. ..Peer Gyn t" (Ttieateraemeinde Serie E, gelbe Mitgliedskarte»!. be° chränkter Karienve kauf). Akademtetbeater. Morgen. */,8 Uhr abends, „DieWelt, indermanfichLangwetlt". Overntveater. Morgen, 7 Uhr abends, «Der R o f e n k a v a l i e r." Deutiches Volkstheater. Samstag Erstaufführung der dretaktigen Komödie „Die Schule der Kokotten", von Armont und Gerbidon, mit Leopoldine K o nsta w t i tt. Kammerspiele. Das Parller Montmartre Tbeater „VAtelier" gastiert bis inklusive Dienst g. Von Mittwoch bis einschließlich Sonntag „Das Sprungbett der Liebe" mit Josef Jarno. Renaiilancebühne. Donnerstag Premiere von Galswortdys Drama «Justi z". Montag und Dienstag „Tote nt a n z" mit Jo'ef Jarno. Theater an der Wien. Jnfolae Erkrankung eines Mitgliedes entfällt bte heutige Nachmittagsvorstellung. Johann-Strauß-Thearer. Heute als Nachmittagsvorstellung «Die Fledermaus". Täglich, 8 Uhr abends, „A d r e u M i m t". Zmn IW). Mal „Adieu Mimi". Donnerstag feierte die ein- .icymeichelnde Operette Ralph Benatzkys dieses seltene Jubiläum, das am besten für ihre Qualität spricht. Die Hauptrolle ist von Rfta Georg auf Gisa Kolbe übergegangen und ruht auch bei ihr in besten Händen. Fritz Jmkoff, Max Br ob, Mitzi Griebl und Eugen Günther konnten im Verein mit dem Komponisten und den Autoren Horst und Engel den wohlverdienten Beifall des Publikums einheimsen. Die Direktion des Johann-S:ranß- Theaters wird voraussichtlich lange nicht „Adien Mim," sagen. „Internationale Kulturliga." Der zweite Band der „Internationalen Kulturliga", Revue des gesamten internationalen Lebens, ist eben erschienen. Er umfaßt eine Fülle von Stoff aus allen Gebieten des Denkens und Wirkens m monographischen Beilagen und gibt eine instruktive Uebersicht über alle international gerichteten politischen und kulturellen Strömungen. Die Redaktion befindet sich in Prag 12., Vinohrady, Slezska 1789,