Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2716 (16.9.1926)
- Date
- 1926-09-16
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Grit« f Men, Donnerstag I CASAU-LIKÖRE I I die führende Qualitäismarke g Belagerungsruftand ittltieft. Faszistenfchlachten. Belgrad. 15. September. Nach einer Meldung der „Politika" ist es in Triest zu fchweren Znfammenstößen zwischen Faszisten und Karabinieri gekommen, als deren Folge Uber die Stadt der Belagerungszustand verhängt wurde. Die ersten Unruhen fanden schon, vorgestern abends statt, erneuerten sich gestern früh und nahmen großen U mfang an. Zwei Faszisten sollen bei den. Zusammenstößen mit den Karabinieri getötet worden sein. Die Zahl der Verwundeten soll ziemlich groß sein. Die Telephonverbindung mit Triest steht unter Zensur, so daß keine weiteren Nachrichten einlangen. Wn neuer Schrill Frankreichs in Rom. Rom, 15. September. (Havas.) Der französische Geschäftsträger hat bei dem Generalsekretär der Consulta Bardo n a r o einen dritten Schritt unternommen, um gegen die bösen Zwischenfälle zu protestieren, die sich vor den französischen Konsulaten in Livorno und Triest infolge des Attentates gegen Mussolini ereignet haben. Der Quai d'Orsay teilt mit, daß der Generalsekretär im italienischen Ministerpräsidium Bordonaro der französischen Regierung durch Vermittlung des französischen Geschäftsträgers in Rom das Bedauernder italienischen Regierung über die Zwischenfälle in Livorno und Triest ausgedrückt hat. Averrrru in Rom. Rom, 15. September. Der rumänische Ministerpräsident ü c i e 5 c u' ist heute früh in R o m etngetroffen und vou Vertretern der italienischen Regierung empfangen worden. Mittags fand im Palazzo Chigi eine längere Unterredung zwischen M u s s o l i n i und Avereseu statt/ Rinrir kommt »ach Warschau. L. Warschau, 15. September. Der offizielle Besuch des fugoflotvi'chen Außenministers N i n c i c in Warschau ist für Ende September in Aussicht genommen. Während des Aufenthaltes Nmcic' wird derpolnisch-jugoslawischeFreundschaftsvertrag sowie eine Anzahl anderer Verträge unterzeichnet werden. MÜitärdienftkontrolle in Polen. L. Warschau, 15. September.. Die Militärbehörden haben die R e g i st r i e r u n g aller männlichen Einwohner, die in den 1883 u. ff. geboren wurden, begonnen. Diese Registrierung erfolgt zur K l ä r u n g des Verhältnisses der Registrierten zum M i l it ä r d i e n st. _ Parlament-Wahlen in Kanada. Schwere Niederlage der Konservativen. London, 15. September. Die dom Generalgouverneur von Kanada, Lord Byng, wahrscheinlich arvs Beseht von London aus, favorisierte konservative Regierung von Kanada, an deren Spitze Premierminister M e i g h e n steht, hat bei den Parlamentswahlen eine schwere Niederlage erlitten. Bisher sind 118 Liberale (deren Partei mit Mackenzie King an der Spitze von 1921 bis 1926 die Regierung innehatte), 90 Konservative und 34 Abgeordnete anderer Parteien (darunter 18 Progrsssisten, die im früheren Parlament zusammen mit den Liberalen über eine schwache Mehrheit verfügten) gewählt worden. Nur drei Wahlergebnisse stehen noch aus. .Der konservative Premierminister Meigh en und fünf Minister feines Kabinetts sind d u r ch g e f a l l c n. Man rechnet mit einer Majorität der Liberalen und ihrer Wiederkehr zur Regierung. Brrlegnng der Hauptbmeaur de» Kerea Haseffod. Bon London nach Jerusalem. rondon, 13. September. (I. T. A.) Die Geschüstsleitung des Keren Hajessod in London hat alle Vorbereituügen getroffen, damit die Ueberführung des Hauptbureaus des Keren Hajessod von London nach Palästina schon in den allernächsten Wochen erfolgen kann. Durch die Uebersiedlungsmaßnahmen wird eine Unterbrechung der regulären Keren-Hajessod-Arbeit nicht erfolgen. Die Uebersiedlung geht staffelweise vor sich. Das Propagandadepartement befindet sich bereits in Jerusalem. Die Uebersiedlung von Buchhaltung und Kasse geschieht schon in den nächsten Tagen. Ab 15. September sind alle Zuschriften und Ueberweisungen nach Ierusalemzu leiten. Das Sekretariat «ud das Organisationsdepartement setzt die Arbeiten in London bis zum 15. Oktober fort. Ab 15. Oktober ist die für d i e s e A b t e i l u n g bestimmte Korrespondenz nach Jerusalem zu leiten. Die in der letzten Sitzung des Aktionskomitees gewählten neuen Direktoren, Dr. Artur Hantke und Leib I a s s e, sowie der Generalsekretär des Direktorenrates, Leo Herrmann, haben für den 13. d. nach Paris eine P l e ii a r s i h u n g der jetzt in Europa weilenden Mitglieder des Tirettiousrates des Keren Hajessod emberusen. Wiener Morgenzeiluns 16. Tepremver mm Ms. 2718 Der zentralbankskandal wird immer ärger. Sir Knkrtreiberrien der Steweag-Aktlen. — Eine Strafanzeise Men die zenttalbank. — Spekulationen de» StaatrkommWr« der Steirrrbank. Ter gestern veröffentlichte ausführliche Bericht der am Montag abg-.'haltenen Sitzung des ZetttralbanknntersüchungsausschusseS gewährt schon etwas genauere Einblicke in die Verquickung von Politik und Geschäft, die dazu geführt hat, daß der Staat und die Postsparkasse mit ungeheuren Mitteln die diversen verkrachten antisemitischen B a n k g r ü n ü u n g e n stützen mußten, um von den Politikern, die an der Spitze solcher Institute standen, die Gefahr abzuwehren, als Kridatare vor Gericht zu kommen. Da ist zum Beispiel die Steirer bank des jetzigen Unterrichtsministers und früheren Landeshauptmannes von Steiermark, Pr. R i n t e l e n, die von der Zentralbank anfgenommen werden mußte. Die Mitglieder des Untersllchungsausschusses, soweit sie der Majorität des Nationalrates angehören, wehrten sich am Montag mit Händen und Füßen dagegen, daß auch die Gestion dieses Instituts in die Untersuchung einbezogen werde. Man einigte sich jedoch schließlich dahin, die Bank durch ein Dreimännerkollegium revidieren zu lassen, obwohl die Bodenkreditaustalt für das Gesamtcirxcmgement der Steircrbank die Haftung übernehmen will. Hofrat Stern, Mitglied des Zentralbankknratoriums und der Bankettkommission, erzählte darüber int Untersuchungsausschuß unter anderem, daß der Finanzminister K o l l m a u n ihm die sofortige Aufnahme von Verhandlungen mit der Bodenkreditanstalt empfohlen habe. Hofrat Stern ging mit dem großdeutschen Mitglied des vom Parlament eingesetzten Zentralbankkuratoriums H e u r i t s ch zur Bodenkreditanstali, um deren Bett Tel. 61-1-58 Tal. 61-1-58 EXPress-Klelder-BQgelanstalt für Herren und Damen nach amerik. System Franz-Josefs-Kal 39 - Gölsdorfgasse 7 Ein Anzug S 2 — Eine Hose S 1.— xpresszustßllung und Abholung 20 Groschen 171 Chemische Putzerei-Uebernatime H Wien dingungen zu erfahren, und erhielt dort die Mitteilung, daß die Bodenkreditanstalt für jene Gelder garantieren würde, die die Postsparkasse gegeben hat, ferner für die Hilfsgelder der Regierung, soweit sie die Steirerbank betreffen, verlange aber dafür, daß ihr die Steirerbankaktien gratis ausgefolgt werden. Die Kuratoren beschlossen nun, um ein Gegenoffert in Händen zu haben, Offerten auf die Steirerbank oder für die steirischen Filialen von den drei Großbanken emzuholen. Für die Steirerbank mußte die Zentralbank bei der Uebernähme Zentralbankaktien im Werte von 11 Milliarden hergeben. Die Steirerbank hatte ein Loch, unterdeckte und dubiose Konti der Vevwaltungsräte, und da wurden ihr durch eine Hilfsaktion des Gouverneurs Kirmes ch, der Postsparkasse einfach 10 Milliarden geschenkt. Das geschah in der Weise, daß der Zentralbank für die Steiverbank und die Industrie- und Handelsbank ein Betrag von 20 Milliarden zu 6 Prozent unter der Bank rate geliehen wurden, bis der Zentralbank aus der Zinsenspannung ein Gewinn von 10 Milliarden erwachse, das heißt also, da der Zinsfuß jetzt 7 Prozent beträgt, zu 1 Prozen t. Würde nun die Bankrate sich senken, so müßte die Postsparkasse wahrscheinlich der Zentralbank noch etwas draufzahl e n. Im Laufe der Untersuchung stellte sich auch heraus, daß der Steirerbank am 2. Juli 4 Milliarden durch die Filiale Graz der Nationalbank überwiesen wurden. Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Abg. Eldersch, machte die Mitteilung von einer Zuschrift der Staatsanwaltschaft, in der es heißt, daß gegen die Zentralbank seitens des Züricher Bankgeschäftes Esch er, Freisz u. C o. durch den Rechtsanwalt Dr. Max K o h n «ine Anzeige wegen Veruntreuung von Aktien, die im freien Depot waren, erstattet worden ist. Dr. Danneber g sprach den Verdacht aus, daß die Bodenkreditanstali offenbar von der Regierung dazu gepreßt worden sei, die Sache mit der Steirerbank zu machen. Die schleunigste Untersuchung der Steirerbankangelegenheit scheine mich wegen der Kurstreiberei in Steweag-Aktien, die sich seit dem Sommer ereignet haben, wichtig. Der steirische Landtag beschloß, Steweag-Aktien zu kaufen. Das hatte zur Folge, daß diese Aktien, die nur einen Kurs von 25' oder 30 Groschen hatten, in wenigen Tagen auf nahezu das Dreifache hinaufgegangen sind. Das Land Steiermark hat mehr als eine Million solcher Aktien zu einem Kurs von 6000 bis 7000 Kronen aufgekauft, das heißt, daß hier ein Börsenmanöver größten Stils zwischen der steirischen Landesregierung, derStei rer bank, der Bodenkreditanstalt, der Unionbank und der Agrarbank in Graz durchgeführt worden ist. Die letzteren sind die Lieferanten aller dieser in die Höhe getriebenen Aktien gewesen, stir die das Land Steiermark Gelder aus der Dollaranleihe gezahlt hat. Hofrat Stern ergänzte das Kapitel Steirerbank durch Mitteilungen aus seiner Praxis in der Bankenkvmmisston. Schon bei der Nevidierung der Kommerz- und Diskontobank habe er bei den oststeirischen Genosseuschaften eine u u k v rrekte Führung gesehen. Damals habe bereits die Postsparkasie ganz merAvürdig fungiert, dann sei der Uebergong auf die Judustriebank gekommen und diese habe sich um billigen Zins von der Postsparkasse Geld verschafft, um die oststeirischen Genossenschaften zn subventionieren. Dann sei die Sache auf die Steirerbank übergegangen und aus den Listen der Steirerbank sei zu ersehen, daß die steirischen Genossenschaften dort noch hängen. Für diese Hilfsaktion sei schließlich ft» Zentralbank durch die Nationalbauk ein Betrag von 18 0.000 Dollar zu einem geringen Zinsfuß zur Verfügung gestellt worden, aus dem sich schließen läßt, daß der Verlust der steirischen Genossenschaften 6 Milliarden betragen hat. Dafür, daß die Kurstreibercicn in den Steweag» Prioritäten von der Steircrbank ausgegangen sind, habe er einen Beweis in der Hand. Er legte einen Brief an die U n i o n b a n k als Beleg hiefur vor und ein Tableau, aus dem hervorgeht, daß steirische Landesbeamte an diesen Treibereien beteiligt waren. Sie verkauften die Aktien zum Höchstkurs der steirischen Landesregierung. Nach diesem Tableau ist die Landesregierung mit drei Posten belastet worden, und zwar mit dem Höchstkurs. 144.000 Stück zu 7300 K. sind am 16. Juli für den Staatskommissär Pfleger, den Regierungsrat Leinweber und anderen Landesibeamten sowie von dem Hofrat» Schüller von der steirischen Landesregierung der Landes-- regierung selbst angehängt worden. Schüllers Konto ist stark unterdeckt. Er hat 318.000 Stück. Stoweag und ist eine Masse darauf schuldig. Die Rolle, die die Unionbank dabei spielte, ergibt sich aus folgendem: Am 16. Juli erfolgte ein Kauf der Unionlbank, arg 16. Juli sind die bisher nicht zur Kotierung gelangten Steweag-Prioritäten zum Börsenhandel zugelassen worden, und infolgedessen - ist dann plötzlich soviel Material auf den Markt gekommen, daß kein Kurs mehr zustande gekommen ist. Der Kurs ist dann auch sofort auf 3000 herunter gegangen. Jetzt versucht angeblich die Bodenkreditanstalt, den Kurs wieder zu heben, und es ist zweifellos, daß der steirischen Landesregierung die Prioritäten mindestens zum doppelten Wert angerechnet worden sind. Abgeordneter Danneberg resümierte diese Feststellung dahin, daß der Stadtkommissär der Steirerbank, Dr. Pfleger, am 13. Juli bei der Steirerbank um 50 G. per Stück 3000 Aktien der Steweag kaufte und sie zwei Tage später der Steirerbank um 73 G. pro Stück verkaufte, die sie tarnt um denselben Betrag an die steirische Landesregierung weiterverkaufte. Es hat akfo der Staatskommissär der Steirerbank und Präsident der Finanzlandesdrrektion von Graz ein Spekulation für sich gemacht, die der steirischen Landesregierung schweres Geld kostete. Uebrigens haben auch noch andere Beamte der Landesregierung bei der Bank des Landeshauptmanns von Steiermark zum Schaden der Kasse der Landesregierung spekuliert. Auf Grund eines Berichtes des Kuratoriums wurde festgestellt, daß der Zentralbank bis zum 10. Juli insgesamt 56 Millionen Schilling Überwiesen wurden. Auf Grund des Zentralbankgesetzes wurden weitere 426.000 S. in Anspruch genommen. Bis 10. Juli wurden über 57,723.000 S. ausgezahlt. In der gestrigen Sitzung begannen die Zeugeneinvernahmen. Es wurden Finanzminister Kol?" mann und Bundeskanzler Dr. Ramek verhört. Sie Rotftandrunterftiitznng kür die Beamten. Die von der Regierung den Bundesangestellten und Pensionisten zugesagte Notstandsaushilfe in der Höhe eines halben Monatsgehaltes wird in zwei Raten zur Auszahlung gelangen, und zwar werden am 1. Oktober nebst dem Gehalt 20 Prozent und am 1. Dezember 30 Prozent eines Monatsbezuges verabfolgt werden. In der für die kommende Woche in Aussicht genommenen Nationalratssitzung wird die Regierung eine diesbezügliche Vorlage einbringen. _ . Keine Sinionno über die Setrünkeftenern. Die Pavteienbefprechungen über die 5. Abgab enteil u n g s n o v e l l e wurden gestern vormittags fortgesetzt, hatten aber wiederum kein Ergebnis. Abg. Dr. Danneberg legte zu den in der letzten Sitzung vom Abgeordneten Dr. Gürtler unterbreiteten Vorschlägen Gegenvorschläge vor. Im Laufe der Debatte sagte die Regierung zu, das zur Beurteilung dieser Gegenvorschläge erforderliche statistische Material in der nächsten Sitzung vorzulegen. Die nächste Besprechung findet Freitag vormittags statt. Steigerte Einnahmen des Wische« Rationalfand». Vom 1. Oktober 1925 bis 1. September d. I. mehr als eine Viertelmillion Pfund. Die Einnahmen des Steren Kajemeth betrugen im A u g u st, wie das Hauptbureau des Jüdischen NationalsondS in Jerusalem mitteilt. 35.13b Pfund; von dieser Summe haben die V e r e i n i gt e n Staaten 16.431 Pfund, England 1318 Pfund und Polen 1182 Pfund, die größten Anteile aufaebracht, dir Beiträge jedes der anderen Länder bleiben unter 1000 Pfund. Mit den Augusteingängen haben die Gesamteinnahmen des Keren Kajemeth in den verflossenen elf Monaten des laufenden Jahres 3b 1.6 78Pfund erreicht, die eine Steigerung von etwa 10 Piozent gegen die gleiche Periode des A.rjahres bedeuten, wo 335.586 Pfund aufgebracht wurden»