Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2716 (16.9.1926)
- Date
- 1926-09-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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tir«li zog Wien Zullt AbhületHn der Expeditton, ILTabotttr. 1-3, oder m einer Vewchlelsstell« 'Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkaut In Wien durch die Kolporteure der Firma Ool dsehmied. I„ Wollzelle 11 Mit Postversand fflr Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling 1schecho-Slowakeh Mon. K 22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen:Mon« 6Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Fr«. 35 * Nachzahlungen bei Freia* e *■ *> rt h a n - rti Vorbehalten Wiener Morgensettung England: Mon.4SchllHn Italien: Monatl « Ur Rumänien: Mon. 170Le Bul garlan tMon.lOOLew) Schweiz und das flbttg Ausland monatlich Fr«., Redaktion, Administration Wien, ll.Taboratr. 1 Telephone: 44*0*38,43-3-1! Ab 6 Uhr: 21*102, 25*2*85 IX., Ifoiversltltsstrasse 6-r (Druckerei lg. Steinmann Oesterrefchlsches Postsparkassen * Konto Nr. 150.69-!»r. 2716 wie». Lonnersiag. 16. sevtemver 1926 8. gahrgaug Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Samstag den 25. September 1926 HHHHHHÜ 8 Uhr abends, wird WWWWWWW : Univ.-Prof* Dr. Franz Oppenheimer 1! aus Frankfurt a. M, im Mittleren Konzerthaus, Wien,;; III. Lothrlngerstra$e 20, fiber: j Eindrücke I in Palästina 1 sprechen. Noch vorhandene Karten im Bureau des Keren Hajessod, Wien, I. Kärntnersirasse Nr. 23, Telephone 77-4-85 und 77-4-86, erhältlich. v Eine vrozioniDche Settaralion Der Regierung von MaWa. K. Berlin, 15. September. Der Präsident der Zionistischen Exekutive, Nahu« So ko low, der gegenwärtig in Berlin weilt, hat folgendes Telegrannn aus Io h a n n e sbu rg erhalten: ... „Die südafrikanische Regierung hat in ihrer Kabenettssitznng vom 4. d. folgenden Beschluß gefaßt: T»e Negierung der südafrikanischen Republik verfolgt seit vielen Jahren die Bemühungen der Zionistischen Organisation, dem jüdischen Volke in Palästina eine Heimstätte zu errichten, mit Interesse u n d S h mpathie und sieht in ihnen ein wichtiges Werk des Friedens und der Zivilisation. Sie wünscht ihnen vollen Erfolg und ist bereit, durch ihre Vertreter beim Völkerbund und anderswo alles zu tun, was in ihrer Macht liegt, um die Errichtung einer nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes in Palästina zu fördern." Dieser Beschluß der südafrikanischen Regierung ist das Ergebnis einer intensiven pol i t i s ch e n A r b e i t, die Präsident So ko low während seiner letzten Anwesenheit in Südafrika entfaltet hat. Der Deklaration kommt schon mit Rücksicht auf die selbständige Stellung der südafrikanischen Republik im britischen Imperium hervorragende Beleutnng zu. Heute Wahl des BölkerbunDkates. D<rs Wahlreglemenl von dev Volkerbun-versainirrlung angenommen. „ Goas, 15. September. In ihrer heutigen Sitzung hat die Völkerbundversammlung das Wahl r egle me nt für d e n B ö l k e r b u n d r a t, das die juristische Kommission vorgelegt hatte, in einfacher Abstimmurtg angenommen. Die Sitzung wurde auf morgen vormittags vertagt. Das Bureau tritt vor der Sitzung zusammen, um den W a h l m o d u s für die morgen vormittags vorzunehmenden Wahlen der nicht st ändigen Ratsmitglieder genau nach dem beschlossenen Wahlreglement festzusetzen. Ler private Lollarturs in Pole«. L. Warschau« 16. September. Der Dollar notiette heute im privaten Berkehr in W a r I ch a u 9.— bis 9.02, in Krakau 9.- bis 9.03. Zer neueste ungarische Schwindel. zwei angebliche „Milderungen" der Numerus rlansur. — 8In Muff für Senf. — Klebelsberg als Missionär. Um die Frage des ungarischen Numerus clausus ist in den letzten Tagen ein auffälliger Rummel entstanden, der schon wegen seiner Aufmachung verdächtig war. Die berühmte magyarische politische Regie ist wieder kräftig am Werk, wie jedesmal, wenn der Völkerbund in Genf tagt und des Berichtes des ungarischen Unterrichtsministers über die Erfüllung seiner Zusage harrt, das Gesetz über deu Nuj merus clausus endlich einmal aus der Welt zu schaffen. Un- terrichtsminister Graf Kuno Klebelsberg ist einer Vcr- | antwortung vor dem Völkerbund ausgewichen, indem er ein-! fach nicht nach Genf ging. Er rechnete, wie wir vor einigen Tagen berichten konnten, damit, daß sich im Völkerbund niemand finden werde, der in seiner Abwesenheit die ungarische Delegation an das gegebene Wort ihres Ministers erinnern werde. Es scheint jedoch, daß die ungarische Negierung auf Grund der Berichte aus Genf, nicht mit voller Zuversicht auf die erhoffte Nachsicht rechnen zu können glaubt und entschloß sich, einen der frivolsten Bluffs anfznführen, den sich jemals eine Negierung zu leisten bisher gewagt hat. Ans Budapest wird nämlich offiziös berichtet: Wie die Blätter melden, hat Kultus- und Unterrichtsminister Graf Klebelsberg zwei Verordnungen erlassen, durch die die Bcstimmungen des Numerus - clausus - Gesetzes gemildert werden. Der einen Verordung zufolge werden die getan f t c n S u b e n n i ch t in die Quote per. jüdischen .Universitätshörer eingerechnet. Nach^ einer anderen Verordnung aber ist die Q u o t e d e r j ü d i sch e n H ö r e r nicht nach der tatsächlichen Hörerzahl,sondern nach der an der Universität vom KulLnsminister überhaupt gestatte Len Hörerzahl zu berechnen. Diese zwei Verordnungen sind die' .niederträchtigste Augenauswischerei, und nur Borniertheit oder Mitschuld an der reaktionären magyarischen Regiernngstaktik vermag die Verfügungen des Grafeil Klebelsberg als eine Milderung des Gesetzes vom Numerus clausus hinzustellen, wie dies bereits in den ungarischen und auch den Wiener Blättern geschehen ist. Der Kampf, den die Juden in der Frage des ungarischen Numerus clausus, der ausschließlich gegen Inden in Anwendung gebracht wird, bisher zu führen hatten, war zweifacher Art. Es war ein Kampf um die Aufhebung des Schandgesetzes an sich und überdies — so grotesk dies klingen mag — ein Kampf auch darum, daß wenigsteits dieses Judengesetz, solange es nicht aufgehoben wird, nicht gebeugt n n d z n ungunsten der Iuden ve r s ch ä r f t w e r Ä e. Die Rassenschützler batten sich nämlich nicht damit begnügt, daß für die Juden eine Prozentnorm nach russisch-zaristischem Muster gesetzlich festgelegt wurde, sondern hatten mit Hilfe der antisemitischen Universitätssenate diese selbstgeschaffene gesetzliche Prozentnorm ans raffinierte-Weise herabgedrnckt, indem sie sich auf den nationalen Standpunkt stellten und auch die getauften Juden, allerdings nur in Beziehung auf den Numerus clausus, als zur jüdischen Nation gehörig zu Lasten des Kontos der jüdischen Hochschüler buchten. Das war eine flagrante Gesetzesverletzung, unter der fast ausschließlich die nichtgetanften jüdischen Studenten zu leiden hatten, da die Universitätssenate bei der Aufnahme der Studenten die Getauften in der Regel bevorzug. Ebenso ungesetzlich war der bisher geübte Vorgang bei der Errechnung des Prozentsatzes der jüdischen Hörer. Das Gesetz vom Numerus clausus bestimmt, daß der Unterrichtsminister alljährlich oder ztl Beginn des Semesters die allgemein zulässige Zahl der neu anszunehmenden Hörer festsetzt und diese Gesamtzahl der Studenten habe als Grundlage für den Numerus clausus der Inden zu gelten. Mit dieser Gesetzesbestimmung sollte die Tendenz des Gesetzes, dem Zustrom zum Hochschulstudium überhaupt einen Damm zu setzen, dokumentiert werden. Die Universitätsbehörden setzten sich über diesen klaren Sinn des Gesetzes einfach hinweg, und da das Hochschulstudium in Ungarn im allgemeinen im Rückgang begriffen ist, errechneten die Universitätssenate die Zahl der auszuneymenden jüdischen Hochschüler nicht aus Grund des Ansatzes des Unterrichtsministers, sondern auf Grund der Zahl der tatsächlich neu inskribierten christlichen Hörer, die jedoch aus den erwähnten Gründen nicht die von der Regierung zugebilligte Ziffer erreicht. Wenn also Graf Klebelsberg die angeführten zwe Verordnungen erlassen hat, so bedeutet dies keine Milderung» sondern bloß die Abstellung eines von ihm bisher geduldeten und geförderten unmenschlichen Mißbrauches des schändlichen Gesetzes. Daß die ungarische Regierung überhaupt nicht an eine Milderung, geschweige denn an die völlige Aushebung des Numerus clausus denkt, geht auch aus der Erklärung des Unterrichtsministers Klebelsberg hervor, die er erst vorgestern in Debreczin abgegeben hat. Der Herausgeber der Jüdischen Telegraphenagentur, Herr Jakob Landau, weilte vor einigen Tagen in Budapest und hatte mit dem Minister Klebelsberg eine Unterredung. In einer Aussendung, b-t? auch von Wiener Blättern übernommen wurde, teilte Herr Landau mit, der ungarische Unterrichtsminister habe erklärt, daß er den Numerus clausus als eine provisorische Maßnahme betrachte, die sich selbst aufheben werde, sobald man ihrer nicht mehr bedürfen werde. Demgegenüber stelltM-ntevrichtSminister Klebelsberg fest, daß er Herrn Landau gegenüber eine solche Erklärung niemals gemacht habe, dasiekeinen Sinn habe. Er habe vielmehr erklärt, daß der Numerus, clausus eine Uebergangsmaßnahme sei, die infolge der durck deN; . , . . Trianonvertrag eingetretenen Lage notwendig wurde. Sobald diese Notwendigkeit anfhört, wird der Numerus clausus von selbst überflüssig. . Das ist klar! Die Juden müssen warten, brs Trtanon und seine Folgen aus der Welt geschafft sind. Bis dahin gibt es keine Aufhebung und keine Milderung des Gesetzes. Höchstens Genf zuliebe und um die Inden Ungarns bei dm nächsten Wahlen ins Negierungsnetz'zu locken eine Verordnung — zur strikten Einhaltung des antisemitischen Gesetzes. Die Frage ist nur, ob der Völkerbund und die jüdischen Organisationen sich mit diesem Betrug abfinden werden. . . Diese Verordnung scheint übrigens nicht nur. ein jesuitisches Auskunftsmittel gegenüber Genf, sondern auch ein jesuitisches Einknnftsmittel für die klerikale Mission zu sein. Denn, wie „Esti Kurir" berichtet, ist man in intransi» genten rassenschützlerischen Kreisen über diese beiden Verordnungen sehr erregt. Man bezeichnet diese beiden Verordnungen als „den Tod des Numerus clausus" mit der Erklärung, daß von nun an alle Juden, die an den Hochschulen studieren wollen, sich einfach nur taufen lassen werden. Kultusminister Graf Klebelsberg erwiderte auf diesen Einwand der Rassenschützler, daß gegen die Taufe der Juden nichts einzuwenden sei, da die Assimilation der Juden die nationale Pflicht eines jeden Ungarn sei. Nach -en Franken- — SchiMnsfälschungen. Aus Budapest wird berichtet: Dis österreichische Gesandtschaft übersandte vor einigen Tagen der Obevstadthaupt- Mannschaft eine Zuschrift, daß zwei stellenlose ungarische E i s e n b a h n « r b e i t e r Maschinen und Farben gekauft haben, um ö st e r r e i ch i s ch e S ch i l l i n g m ü n z e n zu fabrizieren. Die österreichische Gesandtschaft nannte auch die Namen der beiden, die von Detektivs mehrere Tage lang hier beobachtet und schließlich zur Polizei gebracht wurde«. Da die vorgenommene Hausdurchsuchung resultatlos verlief und auch das Verhör der beiden keine Verdachtsmomente ergab, setzte die Polizei die beiden Arbeiter auf freien Fuß. 3 in Preis, Qualität und Auswahl! 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