Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1926-09-15 · Heft 2715 (15.9.1926) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2715 (15.9.1926)
Date
1926-09-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2979076-2981549-2981802--27581-3015532
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

«r. friL Gien, Mittwoch Wiener Msrstenzettu«" 16. September im mif Tagesbericht. Wert Htzamton tn Me». Der Leiter -es palästinensischen Einwanderungsdepartements. Der Chef des Einwanderungsdepartements der Palästinaregierung, Mr. Albert Hyamson, ist gestern abends in Wien eingetroffen und wurde am Bahnhof namens des Zionistischen Landeskomitees für Oesterreich, vom Präsidenten der österreichischen Zionistischen Organition, Herrn Dr. Desidor F r i e d m a n n, dem Vizepräsidenten Herrn Dr. Leo Gold Hamm er, ferner vom Leiter des Wiener Palästinaamtes, Herrn Dr. Nahum Blauer, begrüßt. Mr. Hyamson ist auf einer Studienreise durch die wichtigsten Länder Europas begriffen und hat sich zuletzt in Prag aufgehalten. * Mr. Albert Hyamson ist der Verfasser der Broschüre „Britische Projekte zur Wiederherstellung des Judenstaats", welche während des Weltkrieges als Publikation des politischen Komitees der Zionistischen Organisation in England erschienen ist. Während der Friedenskonferenz, fungierte Hyamson als Sekretär Sokolows. Freigabe der Pratcr-Hauvtallee für Den Antomobilderkehr. Bom Praterstern bis zum 1. Kaffeehaus. Dem seit langen Jahren immer wieder geäußerten Wunsche der im Prater ansässigen Geschäftswelt nach Freigabe der Prater-Hauptallee für den Automobilverkehr trägt nunmehr eine Verfügung des Handelsministeriums insoweit Rechnung, als die Freigabe der Prater-Hauptallee für den Automobilverkehr vom P r,a t e r st e r n bis zum 1. Kaffeehaus (Einmündung in die Rustenschacher Allee) probeweise bis auf Widerruf erfolgt ist. Dem Wunsche des Publikums, das eine Belästigung durch Staub und Benzingeruch fürchtete, wurde hiebei entsprochen, als der Hauptteil der Prater-Hauptallee in der Strecke vonr 1. Kaffeehaus bis zum Lu st ha ns nach wie vor für den Automobil- Verkehr gesperrt bleibt. Die Freigabe des obersten Teiles bis zur Rustenschacher Allee geschah auch deswegen, weil Automobile durch die Allee bisher nur von der Rotundenbrücke aus gelangen konnten. Ein Wiener Vortrag Prof. Sppenheimers Wer Srez Israel. Der bekannte Soziologe und Nationalökonöm ' Professor Dr. Franz Oppenheimer spricht Samstag den 25. d. um 8 Uhr abends im mittleren Konzerthau s s a a l (3. Bez., Lothringerstraße) über seine jüngste Palästinareise. Für diesen Vortrag Oppenheimers, der bekanntlich schon von Theodor Herzl zur Mitarbeit an dem zionistischen Werke herangezogen wurde, gibt sich lebhaftes Interesse kund. Der Gelehrte, der übrigens auch zu den eindrucksvollsten Rednern zählt, ist von früheren Wiener Vortragsabenden in bester Erinnerung. Die noch vorhandenen Eintrittskarten gelangen beim Bureau des österreichischen Keren Hajessod, Wien, 1. Bez., Kärntnerstraße 28 (Telephon 77-4-85 und 77-4-86),, zur Ausgabe. Der Streik im Kursalon beigelegt. Der Streik int Knrfälon wurde gestern nachmittags bei gelegt. Bereits um 3 Uhr nachmittags nahm das Personal bic Arbeit wieder ans. Nach Vereinbarungen bleiben zwar die Kündigungen für das Saisonpersonal aufrecht, doch wird dasselbe aushilfsweise beschäftigt. 'Für die nächste Woche erhält dieses Personal den Saisonznschlag. Für das stabile Personal bleibt das Ueberftnndenpanschale bis znm Abschluß neuer Vereinbarungen weiter bestehen. Lee Ninftliche Blitz. Jnvnstrieelektrizität aus der Lust. Au« Leningrad wird geme bet: Ter hiesige Professor Rösing hat «inen besonderen Transformator konstrniert. der eine neue Art der Gewinnung elektrischen Stromes anSderLnftznJndustrlezwecken ermöglicht. ES wird «ine Entladung elektrischer Energ'e rus der Lust durch k tt n st l t ch e n B l i tz herbeigefttbrt und zugleich die in der Erdrinde enthaltene Elektrizität verwertet. Die ersten mit dem nenen Transformator angestellten Versuche haben vollkommen z nsrteden st eilende Resultate ergeben. zwei BSrcn — Herren von Fafftz. Montag erregten in I a s s y, wie die dortigen Blätter tuclbeit, zwei aus einem Wanderzirkus entsprungene Bären eine große Panik. Die Tiere rannten auf den Marktplatz der Stadt, wurden durch die Hilferufe der evh schreckten Passanten noch mehr gereizt und rissen mehre r e P e r s o n e n z u B o d e n, die zum Teil schwerverletzt wurden. Die Straßen waren augenblicklich menschenleer, die Geschäfte geschlossen. Die Bären stürzten auf dem Marktplatz einige Buden um und verletzten ein 18jähriges Mädchen. Die bloß mit Revolvern bewaffneten Polizisten wagten nicht, den Tieren entgegenzutreten. Ungefähr zwei Stunden waren die beiden Bären Herren der Stadt, bis es endlich den Zirkusbediensteten gelang, sie einzufangen und nach dem Käfig zurückzubringen. Ludendorff.LinvsirSm ln Hochzeitsfarben. Nach einem Münchener Telegramni des Berliner „8-Uhr-Abendblattes" fand gestern in Tutzing, dem Wohnorte der Braut Ludendorffs, die Verehelichung von General Ludendorff mit der Aerztin und Schriftstellerin Dr. Mathilde v. Kemnitz vor dem Standesamt statt. Die bereits zweimal geschiedene jetzige Frau des Generals Ludendorff bringt ihrem Gatten zwei schulpflichtige Söhne in die Ehe mit. General Ludendorff beschenkte seine Stiefsöhne anläßlich seiner Hochzeit mit Motorrädern. (Wie sinnig!) Als Trauzeugen fungierten unter anderem der aus dem H i t l e r - P u»t s ch bekannte damalige Adjutant Lndendorffs, Major i. G. S i r Y. General Ludendorff und Major Siry erschienen in feldgrauer Uniform mit Helm und allen Auszeichnungen dekoriert. Die blaue Brille des pseudonymen Schwedenfahrcrs L i n d st r ö m hatte der Generalfeldmarschall nicht angelegt, obwohl er doch Hochzeit machte! MWe Frauenberufe in DeuNcklaub. Uni auch den Töchtern streng orthodoxer Familien die Mögtichkeit zn bieten, die Berufe der technischen Lehrerin und der Gewerbelehrcrin zu ergreifen, ohne während der Ausbildungszeit ein religiöses Gebot verletzen zu müssen, hat die Jüdische H a u s h a l t u n g s s ch u l e in Frankfurt a. M. neuerdings mit dem Seminar der städtischen Hanshaltnngs- und Gewerbeschule in Frankfurt a. M. die entsprechenden Vereinbarungen getroffen. Die Ausbildung zur technischen Lehrerin und zur Gewerbelehrcrin setzt eine abgeschlossene Lyzenmbildung und einjährigen Besuch einer staatlich, anerkannten .Hanshaltnngs- oder Frauenschule voraus. In Ausnaymefällen kann nach vorhergegangener Prüfung auch Mittelschulbildung genügen, jedoch ist dann ein zweijähriger Vorkursus Bedingung. Zur technischen Lehrerin sind zwei Jahre Ausbildungszeit nötig.. Die jungen Mädchen erhalten dann nach einer Prüfung in Hauswirtschaft und Handarbeit die Lehrbefähigung als technische Lehrerin. Diese Ausbildung kann mit km 19. Lebensjahre vollendet sein. Die weiter: Ausbildung als Gewerbelehrerin baut sich ans der Basis der technischen Lehrerin ans und erfordert nach eineinhalb Jahren praktische und Pröbetätigkeit. Während des praktischen Jahres ist mindestens ans frei« zn rechnetz Ein weiteres Examen im Turnen, eventuell auch im Zeichnen, « gibt natürlich bessere Anstellungsmöglichketten. Bedenkt man, daß in den meisten jüdischen Schulen fc* Unterricht in Nadelarbeit, Zeichnen, Turnen usw. in nicht« jüdischen Händen liegt, so wirman verstehen, daß dieser Bermi gerade für Jüdinnen sehr gute Aussichten bietet. Vergessene» Fnbilönm eines SrDteil». Im Jahre 1926 (eigentlich sogar ein Jahr früher) hätte der jüngste bewohnte Kontinent sein lOOjähriges Jubiläum feiern sollen, aber merkwürdigerweise blieb eS so gut wie unbeachtet, obwohl Australien (um diesen Erdteil handelt eS sich) heute fast völlig englisch ist und die Engländer, wie bekannt, die geschichtlichen Erinnerungen ihres Reiches und seiner Kolonien sonst stets m:t besonderer Liebe pflegen. Das Mißgeschick, das sich in der Nichtbeachtung seines Jubiläums ausdrückt, ist für Australien gewissermaßen schon Tradition; denn es verdankt auch seine Entdeckung einem Mißgeschick. Im Juli 1526 schickten die Portugiesen von ihrer Ansiedlung auf Ternate, einem kleinen Eiland an der Ostküste der großen Molnkkemnsel Halmahera, ein Schiff nach Celebes, um dort Gold einzuhandeln. Dieses Schiff wurde auf seinem Rückweg von einem heftigen Sturm nach Osten in offene See getrieben. Als dann noch das Steuerruder in Unordnung geriet, landete das Schiff auf einem kleinen Felseneiland. Der portugiesische Historiker Castanheda, der erst etwa 20 Jahre nach der Entdeckung Australiens diese beschrieb, erzählt, daß die Bewohner des erwähnten Felseneilandes gutartige Menschen von schokoladebrauner Hautfarbe, schön gebaut und von guter Gesichtsbildung waren; sie trugen langes, schlichtes Haar und die Männer einen Bart. Es waren also keine Papuas oder Australneger, sondern echte Australier, wie sie noch heute in kleinen Gruppen auf dem australischen Kontinent leben. Sie schienen noch im unverdorbenen Zustand der Natur zu leben und kannten den Gebrauch der Metalle nicht. Bier Monate weilten die Portugiesen unter der Führung von Gomez de S egneira auf diesem Eiland, da sie durch widrige Winde festgeholten wurden, und kamen am 6. Jänner 1626 wieder in Ternate an. 'Dieses Felseneiland war, wie allgemsin angenommen wird, eine der Prinee-of-Wales-Jnseln, die der Nordspitze des australischen Kontinents so nahe liegen, daß die portugiesische Seefahrer unter Segnßira unzweifelhaft auch sichere Kunde von diesem Kontinent bekamen, ja ihn sogar während der vier Mona»? ihres Aufenthaltes auf der Insel wahrscheinlich auch selbst betreten haben. Aber Australiens Mißgeschick wollte es, daß die Kunde von seiner Entdeckung geheimgehalten wurde./Das harte verschiedene Ursachen: Portugal und Spanien traten im Anfang des 16. Jahrhunderts in den östlichen Meeren als Rivalen im Ländererwerb auf; dies hatte znm Vertrag von Saragossa geführt, durch den den Portugiesen die Molukkeninfeln, den Spaniern aber alle Gebiete östlich davon zufielen; da nun Australien östlich von den Molukken liegt, so hatten die Portugiesen keinen Grnnd, ihre Konkurrenten auf dieses neu entdeckte Land aufmerksam zn machen, das nur den Spaniern Nutzen gebracht hätte, von dem sie aber noch nichts wußten. So hielten die Portugiesen die Entdeckung Australiens geheim und dies blieb auch weiter so, als die Holländer als sehr lebhafte Mitbewerber um jeden nur halbwegs einträglichen Kolonialbesitz eintraten. Erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts umsegelte der niederländische Seefahrer Abel T a t m a n n den südlichen Teil des australischen Festlandes und entdeckte dabei die Nordwestküste von Neuseeland. Erst durch die Forschungstätigkeit des berühmten englischen Weltumieglers James Cook in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde die Gestalt des australischen Kontinents genauer bekannt; Australien fiel England zu, das es seit 1788 als Strafkolonie benützte, bis im Jahre 1851 die Entdeckung von wertvollen Goldfeldern in Nensüdwales und Viktoria einen Strom freiwilliger Auswanderer nach dem jüngsten Erdteil führte. (Ans der altjüdischen Spruchdrchtung.) Von Dr. M. Berkowiez. Die althebräische Spruchdichtung, die bekanntlich didaktischer Natur ist, hat der Zunge große Bedeutung geschenkt und der Talmud, dessen Sittenlehre aus dem biblischen Schrifttum aufgebaut ist, hat den: Reden: Zunge, Lippen und Mund viele geistreiche Betrachtungen gewidmet, aus denen tvir hier die interessantesten herausgreisen wollen. Folgende Aeußernngen der Bibel sind es zunächst, die von talmudischen Lehrern vielfach benützt wurden, um Betrachtungen über die Gewalt der Zunge, besonders der losen, ungezügelten, boshaften und verleumderischen, anzustellen: „O Herr, rette mich von der Lippe der Lüge, von trügerischer Zutlge. Was soll dir (Gott) geben und was dir weiter geben, du trügerische Zunge?*) sSie ist wies scharfe Pfeile des Kriegers und glühende Ginsterkvhlen." (Psalm 120, 2-—4). „Tod und Leben sind in der Hand der Zunge und ihre Freunde essen ihre Frucht." (Sprüche 18, 21.) —» Daran knüpft die Aggada folgende Erklärungert: „Scharfe Pfeile des Krieges, glühende Ginsterkohlen." — Weshalb vergleicht man die böse Zunge mit dem Pfeil und nicht mit anderen Waffen? Alle Waffen töten in der Nähe, der Pfeil aber in der Ferne. So ist die böse Zunge tätig in Rom und tötet in Syrien. Und weshalb mit Ginsterkohlen? Alle anderen Kohlen, wenn sie von außen erloschen sind, sind es auch im Inneren; nicht so die Ginsterkohlen, die im Inneren fortbveunen. So läßt sich derjenige, der eine Verleumdung ausgenommen, scheinbar böschwichtigen, während das Gift der Verleumdung in seinem Inneren sortwirkt. „Was soll er dir geben und dir weiter geben, o trügerische Zunge?" — Gott sagt nämlich zur Zunge: „Me Glieder *) So übersetzt der ältere Delitzsch und so versteht, es auch der Talmud. des menschlichen Körpers sind aufrecht und du in liegender Stellung; alle sind nach außen frei und du nach innen versperrt; ich habe dich sogar mit zwei Mauern — die eine von Bein und die andere von Fleisch — umgeben. Was sollte ich dir noch geben und dir weiter geben?" Zweihundertachtundvierzig Glieder gibt es im Menschen, manche liegend, andere aufrecht; die Zunge allein ist vom Kinn eingoschlossen, besitzt keine Festigkeit und ist von einem Wasserquell umgeben. Und doch! Wie Viole Brände stiftet sie! Wie wäre es, wenn sie aufrecht und fest stünde! Die böse Zunge gleicht einem angefetteten Hunde, der sich in einem mehrfach abgesperrtcn Raum befindet, und wenn er bellt, erschrecken alle vor ihm. Wie wäre es, wenn er frei wäre! So ist die böse Zunge von Mund und Zähnen eingeschlossen und tötet doch; um wie viel gefährlicher wäre sie draußen in der Freiheit! * Weshalb wird die böse Zunge (im Syrischen und Aramäischen) „D r e i z ü n g l e r" genannt? — Weil sie drei Menschell schädigt: den Ueberbringer, den Empfänger nnb den Verleumdeten. „Tod und Leben sind in der Hand der Zunge." — Hat denn die Zunge eine Hand? Das will sagen, daß, ebenso wie die Hand, auch die Zunge tötet. Tötet aber auch die Zunge ebenso wie die Hand, auch in der Nähe? Nicht doch! Da heißt es (Jeremias 9- 7): „Witz ein scharfer Pfeil ist ihre Zunge." Tötet auch die Zunge, ebenso wie der Pfeil, auf eine Entfernung von 45 Ellen? Nein, da heißt es (Psalm 73, 9): „An den Himmel setzten sie ihren Mund, während sich ihre Zunge auf Erden bewegt." * Aber nicht nur die b ö s e Zunge tadelt das talmudische Sprichwort und warnt vor ihren Verleumdungen. Auch sonst wird, wie in anderen Sprachen, das Reden überhaupt für nachteiliger gehalten als das Schweigen. „Auch ein Tor» der schweigt, wird für weise gehalten." (Sprüche 17, 28.), An diesen Satz knüpft ein Talmudist an und lehrt: „Das Schweigen geziemt denr Weisen, um so mehr dem Toren." Ein anderer lehrt: „Ein Zaun um die Weisheit ist das Schweigen." Wieder ein anderer: „Mein Lebtag bin ich unter Weifen aufgezogen und ich fand für den Körper nichts besseres als das Schweigen." R. Jchuda lehrte: „Die beste Arznei ist Schweigen", und als R. Dime (nach Babylonien) kam, sagte er: „Im Westen (Palästina) sagt man: Ein Wort ist einen Denar- Schweigen zwei Detlare wert." * R. Simon b. Gamliel sagte einst, wie eine Anekdote berichtet, seitdem Diener: „Hole mir was Gutes zum Essen!" Er ging und brachte Zunge. Ein anderesmal sagte er ihm: Hole mir was Schlechtes zum Essen!" Er brachte wieder Zunge. Auf die Frage, warum er beidemal Zunge gebracht, erklärte der Diener: „Die Zunge ist gut, aber auch schlecht. Wenn sie gut ist, gibt es nichts besseres, wenn sie schlecht ist, gibt es nichts schlechteres." Eine interessante, märchenhafte Erzählung findet sich im Midrasch zu Psalm 39, die lebhaft an die bekannte, von L i v i u s, 2, 32, erzählte und in Shakespeares „Coriolan" verarbeitete Fabel des M e u e n i u s A g r i p p a, vom Streit der Glieder, erinnert. Sie lautet: Ein Persischer König verfiel in eilten Schwächezustand und lixiv dem Tode nahe. Die Aerzte meinten, die einzige Heilung wäre es, wenn er Milch von einer Löwin tränke. Der König fragte: „Wer sollte mir Milch von einer Löwin herbeischaffen?" Da sagte einer der Aerzte: „Ich will sie dir beschaffen, aber ich müßte zehn Ziegen mitnehmen." Es wurden ihm zehn Ziegen gegeben und er begab sich zu einer Löwengrube, in der eine Löwin ihre Jungen säugte. Anl erstell Tage warf er aus der Ferne eine Ziege hin, die sie auffraß; am zweiten Tage trat er näher und warf ihr den Fraß vor und so kam er jeden Tag mehr in ihre Nähe, bis er endlich am zehnten Tage mit ihr spielen und sie betasten konnte. Hierauf melkte er sie, nahm die Milch und machte sich auf den Heimweg. Unterwegs schlief er ein und hatte einen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.