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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-14 · Heft 2714 (14.9.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2714 (14.9.1926)
Date
1926-09-14
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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1t. 2714 ffifon, Mener MsrsLttMuikS 14. September 4926 Tritt 8 -,,, , ——- ... in , , 7. Bez., Sigmundsgasse 5; Schindler Anton n. Söhne, Handel mit Erdäpfeln und Zwiebel, Wien 12. Bez., Dendlstakse 11: Uhl emann Ernst, DaunMernehmnnsi, Wien, 6. Bez.,' Schönbrnnner-- Itratze 68; Ungar Friedrich, Juwelennnd Goldwarenerzenger, Wien, 6. Bez., Millergasse 16; Willner Salomon, Schnhwaren« Händler, Wien, 3. Beg., Ungargasse 63. — Der Konkurs wurde eröffnet bei: Weislitz Erwin, Kaufmann, Wien, 6. Bez., Bürgevspitalgasse 9; Watzl Otto, Ingenieur, Wien, 1. Bez., Babenbergerstraße 9. Knrsabschwächung »er lateinischen Devisen. Die Umsätze auf den internationalen Devisenmärkten waren im allgemeinen nicht stärker als in der Vorwoche, nur Prag meldete lebhaftes Interesse für den französischen Franken. Sämtliche Lateindevisen waren rückgängig. Die Lira schloß in Zürich 18,G2'/9 (gegen 18,683/* am Samstag). Der französische Franken senkte sich auf 14,90, der belgische auf 14,12*/,. Auch der Leu war schwach; sein Swlußknrs in Zürich ergab 2,67'/, (gegen 2,68//, am Samstag). Be! gleichgebliebenem Dollarknrs (617,62) konnte der Schilling ein wenig anziehen und ging mit 73,08»/« aus dem Verkehr. Eine holländische Anleihe der französischen Staatsbahnen. Nachdem erst vor kurzem eine 7prozentige 60-Millionen-Anleihe der französtichen Staatsbahnen in der Schweiz begeben und stark überzeichnet worden ist, hat Ministerpräsident Poincare, wie aus Paris gemeldet wird, einen Vertrag mit einer Gruppe h o U äudischer Großbank e u abge'chwsseu, uack den: zugunsten der französischen Staatseisenbahneu das Bankenkonsortium eine Anleihe von 30 Millionen holländischen Gulden zu einem Zinssatz von 7 Prozent gewährt. Die StaatSeisenbahnen werden aus den Mitteln dieser Anleihe die Vorschüsse des französischen Schatzamtes für die Ausführung öffentlicher Arbeiten zurilckzahlen. Das Schatzamt seinerseits wird dann diese Zahlungen benützen, um den während des Krieges gewährten holländischen Kredit, der Ende 1927 abläuft, zu tilgen. Direkter Postverkehr Rumänien—Aegypten—Palästina. Aus Bukarest Wird uns berichtet: Ans der Anleihe, die die rnmänische Regierung, wie bereits gemeldet, zur Vermehrung allster den bereits gemeldeteil Kriegsschiffen auch der Flotte und oer Handelsmarine ausgenommen hat, werden drei Handelsschiffe für den „Serviciul Maritim Roman" bei italienischen Werften in Bau gegeben und die alten Dampfer repariert und modernisiert loerden. Zugleich damit wird gemeldet, daß mich die P o st Verbindungen mit den vorderasiatischen Ländern künftighin verbessert werden sollen. Während bisher die rumänische Post nach Aegypten nnd Palästina über Triest ging, wurde jetzt zwischen Rumänien nnd P a l ä st i n a sowie zwischen Rumänien und Aegypten eine Konvention geschlossen,, derznsolge der direkte P o stn n d P a k e t v e r k e h r zwischen den genannten Ländern demnächst beginnen soll. Durch oiese neue Verbindungwird die Brief- und Paketpost aus Rumänien und ans Wunsch auch ans Polen, Ungarn, Südsla-wien und den umliegenden Ländern in 14 Stunden von Konstanza nach Konstantinopel, in dreieinhalb Tagen nach Haifa und in viereinhalb Tagen nach Alexandrien gelangen können. Eine neue belgische Münzeinheit. Ans Brüssel wird gemeldet: Die belgische Regierung, die bei der Stabilisierung des Franken an der Relation 176 Franken für ein englisches Pfund festzuhalten beabsichtigt, trifft Vorbereitungen für die Einführung einer neuen Münzeinheit, die als ein festes Zahlungsmittel von 0,60 Golidfranken unter der Bezeichnung ,^Franc ecu" in Umlauf gebracht werden und dem später größere Münzen folgen sollen. Im Zusammenhang mit der Aufnahme der geplanten Ausländsanleihe in der Höhe von 70 Millionen Dollar ist die Ablösung der schwebenden ausländischen Schiilden in Aussicht genommen. Die Placierung dieser Anleihe ist jedoch binnen einer kurzen Zeit nicht zu erwarten, da die konkreten Verhandlungen bisher Nicht ausgenommen worden sind. Das BerstcherungSwefen in Polen. Nach den neuesten amtlichen Daten sind gegenwärtig in Polen 14 Versicherungsgesellschaften auf Aktien und sechs Gesellschaften auf Gegensei tigkeit tätig. Von den Aktiengesellschaften arbeiten vier mit rein polnischem und zehn mit gemischtem oder anslädischem Kapital. Insgesamt haben die 20 Gesellschaften im Jahre 1925 an Prämien etwa 25 Millionen Zloty eingenommen. Viehmärkte in St. Marx. Rin der mar kt. Der Auftrieb betrug 2994 Stück, davon 2297 Stück Mast- und 697 Stück Beinlvieh. Bei lebhaftem Verkehr haben alle Gattungen bis auf Sriere leicht angezogen. Stiere büßten 10 G. pro Kilogramm in der Notiz ein. — Auf bem Kontumazmarkt wurden 219 Stück Stück aus Polen onfgeirieben. Tendenz entsprechend dem freien Markt. Ausländische BSts««. Berlin. Die Besserung der politischen Lage und die verschiedenen günstigen wirtschaftlichen Berichte gaben zu einer allgemeinen Besserung der Tendenz Anlaß, die sich aber nicht ans allen Gebieten durchsetzen konnte, da die Baissepartei verschiedentlich hervortrat. Die' Kursschwanknnaen bewegten sich in engen Grenzen und der Verkehr blieb ziemlich still. Rur' Schiffahrtswerte wntden reger umgesetzt und begannen höher, da die Freigabe des deutschen Eigentums im He'rost erwartet wird. Maschinenwerte tvaren zum Teil höher. Bankaktien erlitten nur geringe Veränderungen. Die Lage des Geldmarktes blieb unverändert. — Prag. Die Börse eröffnete bei behaupteter Stimmung ruhig. Im Verlaufe erfuhren einzelne Schrankenwerte Besserungen, das Geschäft nahm jedoch keinen größeren Umfang anund einzelne Papiere blieben sogar . ohne Notiz. Heimische Banken behaupteten ihren Kursstand, Menet waren durchwegs schwächer. Auch in der Kulisse war das Geschäft unbedeutend und einige Effekten auf Realisationen ni'edviger bewertet. In Eroten war das Geschäft bei behaupteten Kursen minimal. Von Devisen ist der Franken mit einer namhaften' Besserung zu erwähnen. — B u d a p e st. Die Tendenz der Börse gestaltete sich schwächer. Da auch vom Ausland keine anregenden Momente ei>ntrasen' nnd die Konterncine mit Abgaben hervortrat, bröckelten die meisten Papiere ab. Fast sämtliche Effekten waren znm Schluß ermäßigt. Die Einbußen gingen nur ganz vereinzelt über 2 Prozent hinaus, wie namentlich bei den favorisierten Werten, die stärker rückgängig tvaren. Budapester Getreideterminmarkt. Die von den amerikanischen Börsen gemeldeten höheren Vorwochenschlußkurse blieben auf dem Budapester Termünnarkt ohne wesentlichst Einfluß. Die Kurst lauten gegenüber denr Vorwochenschluß unverändert: Okkvbcrweizen 3690 bis 5600, Mai 3960, Oktoberroggen 2600 bis 2570, Märzroggen 2800 Börse für landwirtschaftliche Produkte. Die rrm 2 Cents höhereil amerikanischen Preismelvungen vom Ende der vorigen Woche blieben hier bei geringer Nachfrage unbeachtet. Weizen behielt seinen Preis, Roggen war schwach offeriert, doch drückte die weichende Budapester Tendenz den Preis. Er notierten W e r i c it: Znlaiivtsche, neu 37.25 bis 38.26 ilnantifdict Tbeiß neu79/80 Kilogramm 42.— bi- 43.—. Ungarische: 78/79 Kilogramm neu 39 60 bis 40 60 Jugoslawischer 76 Kilogramm neu 67 60 bis 38 — Jugoslawischer 77/78 Kilogramm 38 — bis 38 60 R vagen Inländische' Marchselder 26 60 bis 26.76 Bester Boden 27 60 bis 27 76 Gerste: Brauware ml. neu Prima bis Ausstich 34.— bis 88.— böhmische mährische bis Mä: S: Jugoslawischer 24.50 biS 2560 Ciit* 0«aitHn- 62.— bis 83.— Haler: Inländischer 34 — bis 24.60 Reis Italienischer 78.— bis 89.—, Burma 67.— bitz 69.—. M a h l p r o d n k t e r Grieß ' inländische: 79.— bis £0. —, Weizenmehl 0 inländisches 78.— bis 76.— Kochniehl? inländisches 66.— bis 63.— Brotmehl inländisches, 47.- bis 49.—. __ Wiener Börse. Geschäftslos. — Nachgebend. Die Montagbörse zeigte gleich zu Beginn wenig Geschäftslust nnd die Umsätze waren gering. Nur in Renten gestalteten sich die Umsätze, durch Anslandskäufe angeregt, lebhafter und die Kurse befestigten sich. Goldrente stieg bis 91.000 K. und ging mit 90.000 K. ans dem Markt; auch die übrigen Renten wiesen kleine Steigerungen aus, die im weiteeren Verlaufe jedoch zumeist wieder schwanden; immerhin war das Kursmveau behauptet. Lose und Elsenbahnprioritäten waren lebhaft gefragt und gingen höher. Die neuen Baulose, die gestern im Börsenverkehr eingeführt wurden, hatten einen Einfuhrungskurs von 87 Schilling. Der Aktienmarkt war still und diese Haltung änderte sich auch nicht, als die Meldungen der 'Nachbarbörsen eintrafen, die ebenfalls geringen Verkehr aufwiesen. Die Kurse gaben im Laufe des Verkehres einigermaßen nach, so Salgo, Rima, Ungarische Hofherr, Juli-Süd, Staatsbahn, Alpine u. a., wozu auch Emlastungsverkäufe der Spekulation baitrugen. Der Schranken MALOWAN VORM. MALOWAN A FRANZ WIEN,OPBRNRINQ %3 bringt für die heurige Herbst- und Wlntersaiso'n ROCKE .iiiiiiiiiüiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiir In herrlichen Dessins und Farben auf Seide E iÖII gearbeitet, zum Preise von.d iOU« HAARHUTE .illllll!l!l!!llllllll!lllllll!l!lll!lll!!l!ll!ll!l!l!l!lllllllllllll!llr in den modernsten Fassons, durchwegs mit E 8C M Seide gefüttert, dazu passend, zum Preise von A Ad* stagnierte ebenso wie die Kulisse, doch waren die Kurse widerstandsfähiger. Notierungen im Stellageverkehr. Es notierten ver ultimo September: Oesterreichische Kredit 24.000 b<8 80.000 K.. Staatsbahn 60.000 bis 60.000 K.. Alpine 60000 bis 70.000 K., Rima 82 000 bis 40.000 K., Salgo 60.000 bis 70.000 K. fler ultimo Oktober: Oesterreichische Kredit 34.000 bis 42 000 ronen, Staatrbahn 76,000 bis 95.000 K., Alvtne 75.000 bis 96,0(0 ft., Rima 48.000 bis 60.000 K., Salgo 85.000 bis 105.000 K. Sie Devisenkurse. Zürich, 13 September. Devisenkurse von 12 Uhr.) Paris 14.90 (15.—). London 35.13'/, (25.18'/«), R-w-Aorl 617.62 (517.62), Brüssel 14.12'/, (14.20), Milano 18 62'/, (18.68»/«). Madrid 79.20 (79.40 .voll and 207.47'/, (207.40). oerin. 123.25 (128 25,. Wien 73 08»/, (73.05), Stockholm 13842V, 138.42'/,), Oslo 113.42'/, (119.45». Kopenhagen 197.51'/, (137.50-, Sofia 3.73»/« (8.75,. Prag 15.94 (15.99,. Warschau —(—.— ), Budapest 0.007250 (0.007250), Belgrad 9.14 (9.11), Bukarest 2.57*/, (2.58'/,). Buenos Aires 209.75 (—.—). . Budapest, 13 September. (Devisenkurse — Eigenbericht.) Amsterdam 28560 Belgrad 1259.—, -oerttn 16960 Bukarest 853.—, Brüssel 1995, Kopenhagen 18940, London 346275. Mailand ',650. Retv-York 71300. Paris 2030. Prag 2111.10, Sofia 514.—, Stockholm 19065 Warschau 7800. Wien 10060. Zürich 13.779. Prag, 19 September. lDevlfenkurie.i Berlin,803.75 303.75), Zürich 652 87 <652.25,. OoitboH 168.75 (163.7250;, Aew-?Iork 88.70 (88.70», Paris 96.9260 (96.1750,, Belgrad 59.62 (59.57), Budapest 4.6916 (4.69225,, Bukarest 16.85 (16.70). Wien 476.10 oie 479.10 (476.16), für 100 Schilling, Warschau 374.— (374.60), jugoslawische 59.85 (59.90;, Ungarische 4.6825 (4.6826). Polnische 373.60 (874 60* Oösterreichische gestempelte Krone 474.25 (474 25. Lelarao» 13. September. (Devisenkurse.- London 274.70. Paris 161.— New-Aort 56.45. Genf 1098.75, Mailand 203 50. Prag 167.70, Berlin 1342.-, Wien 795.— Bukarest 27.75 Lofia —, Budapest 0.795 Brüssel —, Amsterdam 22 63, Warschau —v—. Warschau, 18. September. (Devisen.) Belgien 24.69 bis 24.81, Berlin —.— bis —.—, Holland 360.85 bis 362.65, London 4369 bis 48.91, Rew-Aork 898.— bis 902.— Paris 25.94 vtS 26.06 Schwei- 179.86 bis 174.74, Budapest —bis —. Prag 26.66 bis 26.78, Wien —bis —kür 100 Schilling, Italien 32.60 bis 82.76 Stockholm —bis Devisen Devisen- und Baluteninrse vom 13. September 1SS8. Zweier vom » . . Belgrad » . » , . Berlin. Brüssel Budapest, ». . Bukarest . . London ■ Mailand . . . . New-York. « , . Paris . . . « » . Prag. Geld 283.80 12.60 188 47 18.44 99.( 6 8.6460 34.36 26.46 707.45 20.47 Wars 284 80 12.64 168.97 19 66 89.36 8.6660 34.46 26.66 709.86 20.62 Sofia.. .. . » Stockholm «•••••» Warschau . . , . . . Zürich . » » « . » Valuten Amerikanische Noten Belgische Noten » « Bulgaf. Npt. . . » Deutsche Noten' . . » . Gelo 6.12 138.10 78.26 136.71 War» 6.16 188.70 78.76 137.21 704.26 708.26 188.16 168.75 PtanxOslsche Noten . . Holländische Noten . . Italienische Noten , » , ingoslawische Noten Polnische Noten . « Rumünleche Noten . . Russische Noten (Romaq.) Schweiter. Noten . . . Tschecho-slow. Noten » Türkische Pfund-Noten . OelQ 20.47 282.30 26.60 12.48 78.26 20.82 98.98 War» 20.63 284.3 J 26.66 12.64 79.26 21.04 89^36 ^°KfthtVerla6gJVien- Leipzig 12* Fortsetzung gakardat. Line ji'tvische Legende. Die geretteie Gemeinde wußte ihrer Dankbarkeit kein Ziel un-d Ende. Sie überhäufte Jrikar-daj mit dem Köstlichsten, das sie auftreilben konnte. Drei Tage nacheinander fdlgte chm zu Ehren ein Fest dem anderen. Jude wie Christ wetteiferten, sich »hm gefällig und freundlich zu evlveiisen. * Der Ruf jenes merkwürdigen Ereignisses zu Nürnberg hatte sich rasch allenthalben verbreitet und war auch zu den Ohren des edlen Pflegevaters Jakar-idajs and seiner Braut gelangt. Doch es war der letzte Sonnenblick der Freude in -einen Abgrund von Trauer und Trübsinn. Nachdem jene frohe Nachricht alles zur Heiterkeit umgestimmt hatte, vergingen Monate, endlich em ganzes Jahr, ohne daß den besorgten Freunden auch nur eine leise Kunde von Jakar-daj geworden wäre. Der Jüngling schien verschollen. Da begann abermals die Trauer ihren düsteren Schleier um die Herzen zu weben, da herrschte wieder Jammer und Trübsinn im Hause des Rabbi und des reichen, Naihan. Nnd als nun gar zwei Jahre verflossen waren, ohne daß Ialcir-daf etwas von sich hören ließ, da überstieg Esthers kumnrervolle Betrübnis alle Grenzen, ihre Lebenslust erlosch, ihre herrliche Gestalt sank zusammen unter der Last der Trauer, sie hatte keine Freude am Dasein mchr. Zudem tvurde ihr '"ater tätlich düsterer und immer mchr verstimmt. Er schalt das Mädchen wegen ihrer Kopshängerei, eiferte gegen ihre ausharrende Treue und erging sich endlich nicht selten in Schmähungen gegen den fernen Geliebten, der, nachdem er hier solches Unheil über sein Haus gebracht und dessen Frieden auf immer gestört, sicherlich längst in den Armen einer anderen seine Schwüre vergessen hatte. „Ich sehe nicht ein," brach er endlich eines Tages los. „ivarum wir gegen den Treulosen mchr Rücksicht üben sollen als er gegen ugs. Er hat diK vergessen, aljp vergiß du ühn auch! Ich werde dich wahrlich seinetwegen nicht eine alte Jungfer werden lassen." > * . ' Nun folgte eine jammervolle Zeit für die schöne Esther. Es verging keine Woche mehr, ohne-daß 'ber Vater mit irgend einem neuen Heiratsprojekt hervorgetreten wäre. Wenn ihn nun Esther' weinend und händeringend von seinem Vorsatze äbznbringen strebte, . so gab es schreckliche Auftritte, die bald den letzten Rest des Familiensriedens vernichteten nnd eine Verstimmung hervorriefen, die erdriickend auf allen Gemütern lastete. * Es lvar im fünften Jahre nach, der Abreise Jakar-dajs. Eines. Abends trat der reiche Nathan in einer ungewöhnlichen Stmunnng in sein freundlich erleuchtetes Zimmer. Tiefe Trauer maste sich in seinen Mienen, sein ganzes Aeußertz verriet schmerzliche Aufregung. Esther nahte sich, ihn sanft zu begrüßen, er, offenbar ungemein bewegt von ihrem Anblicke, neigte sich zu ihr herab, küßte sie mit ganz ungewöhnlicher Zärtlichkeit auf die Stirn und erteilte ihr mit bebender Stimnie den Segen, was sonst nur am Sabbat geschah. „Allmächtiger Gott!" rief die Frau, die inzwischen eingetreten mx und so Zeugin des Auftrittes wurde, bestürzt, „was ist geschehen,. was gcht vor?" Ta verhüllte Nathan sein Gesicht mit beiden Händen, und nachdem er sich in den Ehrensitz an der Spitze der Tafel niedergelassen hatte, fing er nach langem Schweigen endlich an: „Wie gern wollte ich es euch verschweigen, aber leider, Gottes, das Unheil bricht nun einmal über uns herein und es ist besser, ihr erfahret es von mir. Schon seit Monaten ziehen sich düstere Wolken über unsere Häupter zusammen. Hört, was mir vor vierzehn Tagen, ein Freund aus der Residenz mitgeteilt hat; es ist derselbe Brief, den ich neulich so sorgfältig vor euch verborgen habe. „Nathan", schreibt er, „es naht eine trübe Zeit für uns Juden. Wehe, daß meine Augen es erleben mußten, dies zu schauen. Ihr kennt unseren Fürsten, wißt, daß er, im Grunde ein. guter Mann, uns Söhne der Verbannung stets mit Schonung behandelte. Aber er ist zu schwach, um dem Andringen unserer Feinde zu widerstehen, die nicht aushöpe«, uns zu verleumden und unser Volk als das verworfenste der Erde zu schildern. Wehe, schon sind die bitteren Folgen überall zu verspüren! Ich, der sonst mit mehreren Herren vom Hose im freundschaftlichsten Einvernehmen stattd, muß es nun erleben, alle Türen vor mir verschlossen zu finden; und die Gesichter vieler meiner ehemaligen Freunde, der Hohn, dem ich jetzt überall begegne, lassen mich das Schlimmste befürchten. Und so ergeht es jetzt hier allm unseren Glaubensgenossen, die sonst friedlich ihr Brot erwarben und verzehrten. Möge der allmächtige Gott unse«er Väter sein Erbarmen über uns walten lassen und alles zum Guten wenden!" Also schrieb mir mein Freund vor vierzehn Tagen. Bisher tröstete ich mich, mit der Hoffnung, daß das Gewitter über unseren Häuptern wegziehen würde. Doch im Bethhaknesseth habe ich soeben die Bestätigung seiner Befürchtungen erfahren. Ja, es ist Zeit, daß wir uns Hinwersen vor unseren Gott und sein Erbarmen erflehen. Wisset, es ist eben ein Edikt aus. der Residenz erschienen, welches nichts Geringeres besagt, als daß binnen Jahr nnd Tag alle Juden dieses Land zu verlassen haben!" Nathan konnte nicht fortfahren, denn die Stinrme versagte ihm bei dem Anblick seines in Angst erstarrten Hausgesindes. Was aber hier geschah, das wiederholte sich an diesem traurigen Abend in jedem einzelnen Hause des Ghetto. Familienväter lagen die ganze Nacht auf die Erde hingeworfen in ergreifender Andacht vor Gott, von ihren Weibern und Kindern umstanden, die laut weinend mit ihnen Psalmen und Gebete sangen. Viele der Frommen waren in der Synagoge gebliebey und flehten, ihren Augen keinen Schlaf gönnend, mit wundgerungenen Händen den Gott ihrer Väter um.Pettnng und Beistand an. Der greise Rabbi aber hatte einen Sack umgetan und Asche aus sein Haupt gestreut, er mochte nicht essen, noch, trinken und verharrte in dumpfer Betrachtung bis zur Mitternacht. Dann aber eilte er, nur von seinem Schames begleitet, hinaus auf die stillen Gräber der Väter, um im Gebete hier den Anbruch des Morgens zu erwarten.

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