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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-12 · Heft 2713 (12.9.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2713 (12.9.1926)
Date
1926-09-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Mi* 4 Wir«. Sonntag Wiener MseWN^ettuntz <1 September 1926 Ni. 8718 Kaum ein Fünftel -er Realschüler ivaren Juden, während wir Mn konstatieren konnten, daß mehr als ein Drittel aller Gymnasiasten von den Juden gestellt würbe. Frappanter kommt der Drang der Juden nach Erlangung einer Mittelschulbildung $unt Ausdruck» wenn wir ihren Anteil am Besuch aller Mittelschulen sui generis feststellen. Es waren nämlich von den Schülern aller Mittelschulen: Jude» Nichtjude« Prozent der Juden 1912 8605 14 654 47.41 1013 57IÖ 14 956 88 85 1014 5494 13.‘201 41.61 1028 6268 14 449 48 88 43 66 1024 6465 14 i05 Tie Zkbncihme der ZE der Mittelschüler im Jahre 1914 l, bei Juden als auch bei den Nichtjuden wird wohl ebenfalls mit d'.',n in dieses Jahr fallenden Weltkriegsbegiun;usammenhangen. da eine nicht geringe Zahl von Mittelschülern freiwillig oder unfreiwillig einrückte. Jedenfalls ist das neuerliche allmähliche Anwachsen der jüdischen Mittelschüler auffallend. Diese ungewöhnlich hohe Zahl der Studierenden, die sich auch bei dem noch separat zu behandelnden Hochs ch lt l st u b i u nt zeigt, dürfte einerseits eine Begleiterscheinung der abnormalen Berufsgliederung sein, ist aber auch ein Beweis für den mächtigen, unstillbaren Drang nach Wissen bei den Juden. $ Eröffnung Der BurgeMnvischen Landeraurfteünng. In der Hrrrrptsta-dt des Burgenlandes, in Eisenstadt, wurde gestern m fe-ierlicher Weise die e r st e a l l g e nt eine b ur ge n l-.ä n d if che L andes au sft el l u ng für Gewerbe, Handel, Industrie, Sand- und Forstwirtschaft und Fremdenverkehr eröffnet. Die Stadt hatte aus diesem Anlaß Festschmuck angelegt. HandÄsml niste r Dr. Schürff hielt eine Ansprache, in der er dem Wunsche Ausdruck gab, daß die Ausstellung den Ausgangspunkt für ein dauerndes Aufblühen des Burgenlandes bilden möge. Die aus acht Abteilungen bestehende Ausstellung zeigt sowohl auf gewerblichem und industriellem, wie auch auf landwirtschaftlichem Gebiete die große Bedeutung des Bürge n lande s für die gesamte österreichische Volkswirtschaft. Jeder Bezirk des Landes ist mit zahlreichen Produkten vertreten. Bemerkenswert sind insbesondere die Ausstellung der beiden Zuckerfabriken des Burgenlandes, des Verbandes der Großgrundbesitzer, der einzelnen Genossenschaften und der Vereinigung der Kleinbauern. In Einzeldarstellungen wird insbesondere die Produktion in Körnerfrüchten und die O b st p r o d u k t i o n gezeigt. Die burgenländische Hausindustrie in Korbwaren, Weberei- und Strickereiprodukten, Töpferwaren ist besonders zahlreich vertreten. Besondere Räume sind dem Fremdenverkehr und der burgenkändifchen Kunst gewidmet. Mit der Ausstellung ist eine Landesweinkoft und ein Vergnügungspark verbunden. Abschluß »er Herbftmeffe. Die Messe wurde gestern im grüßen vtttfc ganzen grschlossen. Rur die Rotunde wird heut« noch von halb 9 Uhr vormittags bis 6 Uhr abends geöffnet seilt. Die Radioausstellung ist noch die ganze Woche bis einschlieMch Montag den 19. d. zugänglich. Der gestrige Tag stand im Zeichen lebhaften Verkehres. Roch in den letzten Stunden konntet! zahlreiche Aussteller Geschäftsabschlüsse verzeichnen. Ae Hakrntteurler «erden übrmStia. Eilt« „Einsvrttchs"-versammluttg gegen Breitner mit Äusschrritun« gen. — Sie wollten auch in die Lropoldstvdt „hiniiberriicken". 2lnf dem Karlsplatz veranstaltete gestern nachmittags der Deutsche Turnerbnitd eine „E!nsprnchs"versammlurrg gegen die Stenervovschrekbnng des Wiener Magistrats für das im August abgchaltene Turnerjest. An drei Stellen wurden gegendasStcuershstem Breitners Reden gehalten. Rach Beendigung oer Versammlung, an der etwa 2000 Personen tcilnahmen, entfernten sich einet Ausfordernng des Schlußreduers entsprechend, die meisten Teilnehmer. Nur einige hundert Jugendliche fammolten sich nachträglich wieder und zogen lärmend Und schreiend über die R i n g st r a ß e, in der Richtung gegen das Rathaus. Auf dem Wege dahin schleuderte einer der Demonstranten einen Stein gegen das Glasschild des Maximilian-Kellers auf dem Opernring. Der Täter wurde sofort arretiert, von seinen Parteigenossen jedoch, die in überaus gewalttätiger Weise gegen den Wachebeamten Stellung nahmen, der Wache, die z>n ihrent Schutze den Säbel ziehen mußte, wieder entrissen. Neuerliche Versuche, sich vor dem Parlament und beim Burgtheater und später auf dem Schottenring und aus dem Franj- Josefs-Kai zu sammeln, um in die Le op oldst ad t zu ziehen, wurden von der Sicherheitsmache zu Fuß und zu Pferd vereitelt. Hiobei wurden insgesamt 16 Personen, und Mar 5 wegen Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit und 9 wegen Vergehens des Auflaufes und die übrigen w e g e n Störung der öffentlichen Ordnung verhaftet. Ein S'checheitZwachobeamter erlitt anscheinend durch Fan st s ch l ä g e, ein Passant durch einen Stockhieb leichte Verletzungen. Zwei Schüler vermißt. Der 13jährige Mittelschüler Kurt Pollitzer ist seit Freitag vormittags aus der Wohnung seiner Mutter, Gentzgasse 11, vermißt. Er dürfte in den Auen bei Klosterneuburg vagieren. Der Junge ist mittelgroß, schlank, hat längliches Gesicht, blondes Haar und blaue Angen. — Seit gestern mittags ist der 11jährige Volksschüler Hans M i ch a l e k, Fasangartengasse 89, der um diese Zeit in Begleitung seines Vaters einen Spaziergang unternommen hatte, verschwunden und seither tticht ausfindig gemacht worden. Die Angehörigen befürchten, daß dem Knaben, der körperlich und geistig zurückgeblielben ist, oin Unfall gugestoßen sein könnte. I AMrowbei «ad Sedtofl. Eine BeslchtlMOOstchrt fit» Ee««KkM»iet. Der moderne Mensch will Naiuvschönheiten bequem genießei können. Er will hohe MW« in Bahnen posteigen", in komfortabler .Hotels wohnen und m Ermanglung eines Meeresstrandes schafft eeinen künstlichen. Sozar die Sportler und Touristen schen eS gerne wenn ihnen im Berghvtel ein Bad winkt, oder wenn sie den Airfslift mit Skiern am Rücken sich durch eine Seilbahn evsparsn können Und sv bemüht man sich, für den zahlungskräftigen Fremden hi, technischen Fortschritte dem Naturzanber anzupasfen und sozusager die Natur als glänzenden Hintergrund für mondäne Tanzdielen uni einen internationalen Bevkchr zu benützen. Um den letzten Stand dieses Harmonisierungsprozesses der Natur und der Technik im Mst öetSiks entdeckten österreichischer Süden kennrnznlernen und auf eventuelle Mängel ausmeiEsam zu werden, beziehrtngsweife Anregungen zu deren Behebung zu empfangen, wurde kürzlich aus Initiative und unter Führung des Landtagsabgeordneten Kliebrr osss Stellvrrtcetervorsitzenden des Fremdenverkehrsbeirates für Niederöfterreich eine Besichtigungsfahrt über Rax, Semmering, Döslau und Baben veranstaltet, an der auch Vertreter der in- und ausländischen Presse teilgenommen haben. Die Rax wird binnen kurzem ein Promenadenweg für Greise und Matronen werdet!. Unten bei der Tafftation der Raxseilbahn, bi^'es Prachöwerks der Technik, stellen sich bejahrte Leute an, um nach einer ZehnmiNutensahvt von einem zirka AM Meter hohen Plateau die menschlichen Siedlungen als Spielzeuge zu betrachten. Vorausgesetzt, daß es der Sonne gelungen ist, den dichten Nebel zu zerreißen. Wenn es ihr aber gelingt — und das geschieht ziemlich oft — ist das Raxplateau, auch ohne die Romantik der lebensgefährlichen Steige und des mühevollen Kletterns, ein wahres Para« dies für Auge und Atmungsorgane, für Wintersport uttb „Gemüt". Für das letztere, wofür bekanntlich Raum ist „in der kleinsten Hütte", eignen sich hier besonders die nachdenkliche^ WgldidhlleU und sonnenibeglanzten Haiden. Am Semmering lebt man von der Aussicht auf die Rax «n& den Schneeberg. Jeder Ort dort, jedes Hotel und jede Pension wird meist darnach gewertet, ob sie einen Ausblick auf diese zwei wilden Berge gewähren: im sashionablen Kurort der Luxusinternationale sehnt man sich nach der Ursprünglichkeit rauher Bergnatur. Obwohl auch diese auf dem Semmering selbst trotz Charleston, Saxophon, französischer Küche und Autorennen noch reichlich vorhanden ist. Sie fällt noch eher auf als Kontrast, wenn du dich aus der vornehmen Hotelhalle in die sternenhelle Nacht und würzige Luft der Semmeringer Waldstraßen stiehlst oder am frühen Morgen das faul-zögernde Erwachen grüntrunkemr Natur bewunderst. Die Rückkehr über Böslau und Baven bewies' noch mehr, patz Oesterreich sich bemüht, aus einem Krähwinkel ein Lach mit weltbekannten Werten und Errungenschaften zu werden. Tatsächlich kann ein solch kleines Land es nur so werden, indem es die vorhandenen Möglichkeiten, Naturschätze und -Wnhöiterr durch die An- Sensationelle Herbst-Angebote!!! Unerreicht in Auswahl, Qualität und Preis!! im führenden Leopoldstädter Warenhaus Brüder Schiff mann, II., Taborstr. 48 Telephon 47-1-79 Telephon 43-408 PS* NeuclnfUhrung! -WW Sämtliche Schneider- und Modisten-Zugehöre f Billige Elnftthrungsprelsel Jedes Kind erhält ein Geschenk! Qualitätsware! 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