Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2713 (12.9.1926)
- Date
- 1926-09-12
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2979076-2981549-2981800--27560-3015509- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Wien, Sonntag SSHettef Moime«zettiM" nt. S718 Sette 2 Sokolow über die PMftinalrise. Sin Sespröch mit dem VrMeuteu der zionlftischea Srrkvtide. (Von unserem palästinensischen F. L.-Bertchterstatter.) Jerusalem, I. September. Gestern srüh hat der Präsident der Zionistischen Exekutive nach dreiwöchigem Aufenthalt Palästina verlassen. Sokolow traf hier, von Südafrika kommend, ein, wo er, wie bekannt, mit außerordentlichem Erfolg die Aktion für den Keren Hajestod geleitet hat. Sein Aufenthalt in Palästina diente Hör allem der Information über die Gründe der gegenwärtigen Krise in Palästina. Sokolow hat an einer großen Reihe von Sitzungen teilgenommen, vor allem an einer großen kombinierten Sitzung der Exekutive, des Waad Leumi, der Arbeiterschaft und anderer wichtiger Körperschaften, die sich mit der Lage auf dem Arbettsmarkt und der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit beschäftigten. Sokolow weilte überdies in allen wichtigen Zentren des Landes; er besuchte die ihm bisher unbekannten neuen Siedlungen des Mittelstandes, so Bne Barak und Magdiel bei Tel-Awiw, das von der Gesellschaft Manor erbaute „Jndustriedorf", Djedda sowie Afuleh. Ebenso besichtigte er die neu gekauften Böden zwischen Haifa und Akko. Sokolow hat in drei großen öffentlichen Versammlungen, im Beth Haam in Tel-Awiw, im Techilikum in Haifa und im Amphitheater der Universität in Jerusalem zu vielen Zehntausenden von Juden gesprochen. Seine Reden waren besonders dadurch interessant, daß Sokolow in den letzten Monaten in Amerika und Südafrika in praktischer Keren- Hajessod-Arbeit mit diesen beiden wichtigen Teilen der Judenheit in lebendigem Kontakt gestanden hatte und so imstande war, über die Palästinastimmung und den Palästinawillen der Galuth zu sprechen. Er zog bemerkenswerte Parallelen zwischen den wirtschaftlichen Krisen, die heute in vielen Ländern der Welt existieren, und der palästinensischen Krise. Er sagte, daß es in Palästina nicht irgend ein bestimmtes Ereignis gegeben habe, das die Krise ausgelöst habe, keinen Sturz der Valuta, keinen Bergarbeiterstreik, keine Revolution. Der wahre Grund der palästinensischen Krise liege eben nicht in Palästina, .sondern in den D i a s p o r a l ä n d e r n, vor allem in Polen. In einer gewaltigen Anstrengung aller Kräfte werde die Krise überwunden werden, denn es mangelt in Palästina ebensowenigan Arbeits- Möglichkeit wie an arbeitswilligen Kräften. * Am Abend nach seinem großen .Vortrage auf dem Sköpusberge empfing Sokolow Ihren Korrespondenten zu einer informativen Aussprache, aus der hier die wichtigsten Gedankengänge / wiedergegeben seien. Sokolow erklärte es einleitend für die Aufgabe der Presse, mit voller Ehrlichkeit und Objektivität zu berichten und sich dabei ebenso vom Verschweigen wie von U e b e r t r e i b ü n g e n fernzuhalten. Es sei natürlich, daß nur diejenigen klagten, denen es schlecht ginge, aber wer die Dinge prüfe, wie er (Sokolow) es z. B. in Afuleh getan habe, der werde auch viele fintzen, denen es wirtschaftlich durchaus befriedigend ginge. Auch - das müsse erwähnt werden.. Im ganzen sieht Sokolow trotz der sogenannten Krise Fortschritte auf allen Gebieten. Er erzählte dann ausführlich Über seine Besprechungen mit dem Oberkommissär, den er als wohlmeinenden Mann schätzen gelernt habe. Er habe sich besonders für die Sicherheit des Landes interessiert gezeigt und Sokolow viel über die in dieser Richtung unternommenen Schritte berichtet, durch die er die Sicherheit des Landes gewährleisten zu können glaube. Weiterhin zeigte er sich sehr besorgt um den Gesundheitszustand im Lande und äußerte sich mit großer Anerkennung über die Selbstdisziplin im Emek, die sich in der Frage der so erfolgreich durchgesührtitt TyphuSSekämpfung gezeigt habe. Nachdem Sokolow dann die seiner Ansicht nach etwas gebesserte Atmosphäre in Lodon hervorgehoben hatte, äußerte er sich auf eine Transjordaniett betreffende Anfrage, daß es sich um eine durchaus aktuelle und reale Frage handle, die seitens führender iransjordanischer Kreise angeregt worden sei. Man sehe in Trattsjordanien, daß man nicht weiterkomme, und erhoffe vieles von der jüdischen Initiative. Zur aktuellsten Frage, der Arbeitslosigkeit, berichtete Sokolow über die unter seinem Vorsitz abgehaltenen Sitzungen, über die Bemühungen, weitere Arbeitslose in den alten Kolonien unterzubriugen, über die Versuche, städtische Noistandsarbeiten zu inaugurieren. Die Regierung halte leider an ihrem Prinzip, öffentliche Arbeiten an den billigsten Bieter abzugeben, fest. Dennoch hofft Sokolow, wenigstens in einem gewissen Umfang auch Beschäftigung jüdischer Arbeitsloser durch die Regierung zu erwirken. Was den notleidenden Mittelstand anbetreffe, so sei ihm natürlich schwerer zu helfen. Er habe sich in Südafrika für die Beschaffung von H y p o t h e k a r k r e d i t bemüht, den südafrikaische Juden ja seinerzeit für den Bau von Hadath Hakarmel gewährt haben. Es gelte vor allem, jetzt die Jnduftriebanl stark zu machen. Zur Gendarmeriefrage betonte Sokolow auf Anfrage, daß man natürlich weiter in dieser Frage sowohl in Jerusalem als auch in London bemüht bleiben müsse. Nach einigen kleineren Mitteilungen (Organisation des Erziehungswesens usw.) sprach Sokolow abschließend über den auch von ihm als u n b e \x t e b ig end empfundenen Bericht der Mandatskommission und betonte, die Hauptarbeit sei nicht in Genf, sondern in den Hauptstädten derjenigen Mächte zu leisten, die in der Mandatskommission vertreten seien. Die Mitglieder der Mandatskommission kämen mit festen Aufträgen nach Genf; also gelte es, diese Aufträge zu beeinflussen. PELZ WAR EN JEDER ART IN FEINSTER AUSFÜHRUNG BILLIGST BEI GEBRÜDER BRAININ WIEN, II., GLOCKENGASSE 8 / TEL. 45-4-33 ■ ••■• ■ : ' __613 Schon wieder Streildrohungen der Technischen Union. ■ Das Streikkomitee bereits einberufen. Der Vollzugsausschuß der Technischen Union, in der die sozialdemokratischen Telegraphen- und, Telephonbsdiensteten und 'Staatsarbeiter organisiert sind, droht wieder einmal mit dem Streik. In seiner geistrigen Sitzung wurde ein Antrag angenommen, worin erklärt wird, daß die zwischen der Postgewevkschaft und der Regierung getroffenen Vereinbarungen für die Telegraphen- und Fernsprechangestellten, die BundeLbetriebs- . beamten und Staatsarbeiter nicht bindend seien und von .diesen abgelehnt werden. Das Anbot der Regierung betreffend *die Gewährung einer äüprozentigen Notstandsaushilfe wird zur Kenntnis genommen, jedoch verlangt, daß diese Notstandsaus- Hilfe auch den aktiven und pensionierten Fernsprech- und Telegraphenangestellten, den Kollektivvertragsarbeitern und Staatsarbeitern ausbezahlt werden muß. Die Konferenz sprach sich ferner dahin aus, daß der Verband auf seiner Forderung nach Gewährung eines Mindestbezuges von 170 Schilling für alle Bundesangestellten, einschließlich der Vertragsangestellten, und ohne Abstufung der Ortsklassen beharre und daß dieser Mindestbezug als Mindestpensiansbemessungsgrundlage dienen soll. Am Schlüsse der Verhandlungen sprach sich der Vollzugsausschuß einmütig dahin aus, daß die ausgestellten Forderungen mit allen gewerkschaftlichen Mitteln , durchgesctzt; werden müssen. Das Streikkomitee wurde sofort einberufen . und erhielt den Auftrag, mit den notiweMtzgn Arbeite^ zu beginnen nnd die erforderlichen Weisungen an die Vertrauensmänner des ganzen Bundesgebietes hinauszugeben. Diese Weisungen ergehen an sämtliche Telegraph enu n d F e r n s P r e ch b e t r i e b e, an . das Münzamt, die Staatsdruckerei, „Wiener-Zeitung", Salinen- und staatliche Forstbetriebe und einige kleinere Betriebe. Sie österreichischen Borkriessschuwen. Einsetzung des Kontrollausschusses für den Zinsendienst. London, 11. September. Der Text der Dokumente über die Verteilung der österreichischen und ungarischen Vorkriegsschulden und über den Coupondienst sichernden Vereinbarungen, wie sie das Innsbrucker Protokoll von 1923, das Prager Uebereinkommen von 1925 und das Pariser Zusatzprotokoll von, 1926 regeln, ist jetzt offiziell veröffentlicht worden. Das gemeinsame Amt, das die Obligationenbesitzer der verschiedenen Nationalitäten vertritt und den Zinse ndienst besorgt, wird unter die Kontrolle eines von der Vereinigung der Obligationenbesitzer gewählten Direktionsausschusses gestellt. Der Präsident des Ausschusses ist Paul Gauthier, während die britischen Vertreter Sir Vernarb Graenwell und L. W. S t e w a r t sind. Nach der Meinung der City ist dadurch eine liberale und doch wirksame Kontrolle dieser dornigen Frage gesichert. Abschluß eine« öfterreichisch-jugoslawischen Schiedrgrrichtrvertrages. Genf, 11. September. Nach den Aussprachen zwischen dem Bundeskanzler Dr. Ramek und dem Präsidenten der Vöbkevbundversammlung, dem jugoslawischen Außenminister Dr. N i n c i c, wurde heute von den genannten Staatsmännern der Text eines Schiedsgerichts- und Bergt eichsvertrag es zwischen Oesterreich und dem Königreiche S. H. S. paraphiert: Die endgültige Unterfertigung des Vertrages soll demnächst in Wien oder Belgrad erfolgen. Der neu« Vertrag schließt sich auf das innigste an den im Frühjahr d. I. unterfertigten Schiedsgerichts- und Ver- | g!eichsvertrag zwischen Oesterreich und der Tschechoslowakei j an und weicht von diesem Muster —- abgesehen von einigen IS. September 1926 KLUB RADIKALER 2WNISTEN Mittwoch, den 15. September 1926, am 8 ÜHr abend», im Klablokale »Ca/4 Atlashof", 1. Bezirk, Aspernplatt Mitglieder- Versammlung Tagesordnung: „Was lehrt uns die Aktionskomitee-Sitzung?11 Referent t Hans Kandl Freie Diskussion Der Obmann: Robert Stricker Von Klubmitgliedern eingeführte, im ösferr. Landesverbände organisierte Zionisten sind als Gäste willkommen. Detarlbestimmungen von geringer Bedeutung — nur darin ab, daß er Streitigkeiten ilf/et Tatsachen, di« den Abschluß des Vertrages zeitlich vorangehen und der Vergangenheit angehören, von seiner Geltung ausschließt. Um die Komvetevzs« der MandatskommMon. Aendevnng des MmidatSfystemS? Genf, 10. September. (I. T. A.) Die Frage der Erwe'ternng dev Kompetenz der ständigen Mandatskommission bei der Prüfung der Verwaltung der Mandatsterritorien, die in den letzten Tagen zwischen dem VölkerbündSrat und der Mandatskommission erörtert worden ist, hat, ungeachtet der angenommenen Beschlüsse, für die Dauer keine Lösung erfahren. Im Rat selbst bleibt die Stellung Italiens neutral; sein Vertreter Seialoja behält sich im Namen seiner Regierung die volle Handlungsfreiheit vor. Deutschland wird wohl im Zusanimenhang mit seinem Wunsch, eine Wiederverteilung der Mandate zu erreichen, für eine kritische Prüfung eintreten. Schweden, durch seinen' Vertreter Unden, wird seine bisherige Stellungnahme Veibehalten; sollte Schweden ausscheiden, so wird das ihm folgende Holland wohl dieselbe Stellung einnehmen, die sein Vertreter in der Mandatskommission, van Rees, btSber verfochten hat. Angesichts dieser Situation erwartet man, daß Großbritannien Und Frankreich sich gezwungen sehen werden, eine Interpretation des MandatssystemK in dem Stnne herbeizuführen, daß die Mandatare die Mandatslander als integrale Bestandteile ihrer Territorien verwalten. Dadurch sollen die im Zusammenhang mit der Frage der Kompetenz der MandatSkonrmission immer wieder entstehenden Schwierigkeiten in Zukunft vermieden werden. Me blutige Strabensrene in Jerusalem. Am Vorabend des Rosch-Haschanah. London, 11. September. Nach einer bisher unbestätigten „United Preß "-Meldung aus I e r u s a l e m soll es am Mittwoch abends, dem Vorabend des Rchch-Haschanah, Im jüdischen Viertel zu einem Zusammenstoß zwischen Juden und Arabern gekommen sein. Eine Gruppe von Arabern belästigten und insultierten einige zum Temvel gehende Juden auf der Straße. Als diese dagegen remonstrierten, zogen die Araber ihre Revolver und schossen in die jüdischen Passanten. Angeblich sollen dreiJuden getötet und vier verletzt worden sein. Die Polizei schritt ein und v e r h a f t e t e die Ruhestörer, die von der erregten Mengbeinahe gelyncht worden wären. Sie Verleumdungen gegen Benesch. Prag. 11. September. (Tschechoslow. P.-B.) In einer ans Gens datierten Zuschrift tritt Außenminister Doktor Benesch den im Organ der tschechischen Volkspartsi Benesch den Verdächtigungen entgegen, die einige Blatter über das Vermögen des Ministers uttb seine Einkünfte veröffentlicht hatten. Dr. Benesch verweist in seiner Entgegnung auf seine Senatsrede vom November 1930, in der er derartigen Verleumdungen entgegentritt, und ergänzt nun die feinerzeitigen Darlegungen durch genauere Ziffern und weist nach, daß er in den Jahren 1920 und 1921 ein Vermögen von ungefähr 865.000 tschech.K. besaß, die durchaus aus Quellen der Vorkriegszeit stammte. Hierzu muß sein Ministergehalt für das erste Jahr,, der im September 1919 nach seiner Rückkehr von der Friedenskonferenz ausbezahlt wurde, in der Höhe von 60.000 K. hinzugerechnet werden. Während der langen Zeit seiner Ministertätigkoit habe er aus seinen Gehältern über 100.000 Kronen erspart, so daß sich sein Vermögen gegen Ende 1924 auf etwas über eine Million belief, wovon mehr als vier Fünftel aus der Vorkriegszeit stammen. Der Außenminister fügte diesem Ausweise folgende Informationen hinzu: „Im Dezember des Jahres 1922 gab mir der Präsident der Republik als seinem Freunde und Mitarbeiter zwei Millionen Kronen in Wertpapieren als einen Teil eines Nationalgeschenks, das ihm im Jahre 1921 gewidmet wurde und das der Präsident unter feine Familie aufteilte. Bon dieser Summe wurden dem Staate mehr als 500.0 00 Kronen als Geschenksteuer bezahlt. Das Geld blieb unangetastet. Dr. Benesch konstatierte schließlich zur Frage seines monatlichen Einkommens, daß er keine anderen Gehälter außer denen als Minister und als Abgeordneter beziehe, daß er als Delegierter auf der Friedenskonferenz weder einen Gehalt noch Diäten, und daß er weiters für seine Dienstreisen im Auslande ehenfalls keinen Gehalt und keine Diäten erhalte und daß er außer den angeführten Gummen k e i n e B a n k d e p o t s noch W e r t o b j e k t e weder im Jnlgnde noch im Auslände besitze." a ■an