Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2711 (9.9.1926)
- Date
- 1926-09-09
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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m. mm E8W, WWWWUA wsHntt MviM«zettu«s iE- N. MPTetMeS 1W9 wollen Ihre Wische sauber haben «ollen Ihre Wische schonen mästen daher waschen lassen bei der FfilNWAS€HA*tSTAI.Y BL AN CA XNl.. UNZERSTRASSE 299 TELEPHON 81-3-21 WIR holen und stellen jedes Quantum Wäsche kostenlos zu waschen Ihre Wäsche ganz separat, schonend und blUtenweiß halten Ihre Wäsche gegen jedes Risiko vollversichert 156 Sas . SoDenüroblent im Zähre 5686. Als Ussischkin im Juni 1924 in Wien über das Boden >problem sprach, betonte er es als ein Axiom, baß der aus!schließliche Käufer landwirtschaftlichul Bodens der Keren Kajemeth fe:. Dieses Axiom ist im Jahre 5685 über dm Haufen geworfen worden. Dank der stürmischen Vierten Alijah begann im Lande eine Bodenspekulation, die ihresgleichen in unserer Bewegung nicht hatte. Sie beschränkte sich leider nicht au städtischen, sondern griff auch auf landwirtschaftlichm Boden über. Ter Keren Kajemeth wurde in den Hintergrund gedrängt, seine Rolle als Erlöser des B od e n s VonErez Israel verblaßte. Als dann infolge der schiveren wirtschaftlichen Krise in Polen die vierte Alijah stockte und ein schwerer Rückschlag in Erez Israel eintrat., z/igte sich wieder in aller Klarheit, wie bedeutungsvoll der nationale Bodenfonds auch für die private Landwirtschaft ist. Einer der Hauptgründe der wirtschaftlichen Krise ist der daß die kleineren mittelständischen Elen mite ihr Kapital durch Bodenkauf immobilisierten und daran verbluteten, weil sie über keine Betriebskapitalien verfügten. Tas war nicht nur für die betroffenen Familien tragisch, sondern für uns alle als Volksganzes. Wir »vollen doch im Lande ein produktives Volk schaffen, einen entscheidenden Teil der Volksgenossen der Landwirtschaft zuführen. Dasjenige Elenrent der. vierten Alijah, welches sich der Landwirtschaft Mvandte, war für uns daher überaus wichtig und wertvoll. Zweifellos wäre diesem Strom ein neuer gefolgt und allmählich wäre ein Teil unseres Luftmenschentums absolviert worden. Nun aber bedeutet das Scheitern des ersten Versuches eine vorläufige Einstellung des so notwendigen Nachfchübs. - Hä t t e n s i ch d ie s>e E l e m e n te nicht darauf v e r.l e g t, Eigentümer ihr e s B od e n s z u w e rd e n und.wäre der Keren Kajemeth in der Lage gewesen, den nötigen Baden z.ur Verfügung zu stell e n — w i r kö nute n Heu te als Bilanz des Jahxes eine Erweiteru wn ser e r H r od u t-iv en Lebensbasis im Lande buchen. Die Ereignisse des letzten Jahres haben aber noch ein anderes Axiom: die Anschauung, daß der Keren Kajemeth j nur auf.Ankens von landwirtschaftlichem Boden zu beschränken habe, als falsch erwiesen. Es zeigte sich, daß die beiden Gebiete nicht hermetisch von einander abgeschlossen werden können. Ei ne Hausse in den städt is che n Boden preisen zieht ein Ansteigen des Preises der landwirtschaftlichen Böden nachfich. großen Gesi'thlsausbruch vorbereiten und sammeln. Mir war's so schwer ums kindliche Herz .... In der Synagoge zog Pinches sein weißes Linnen gowand an, das Leichengewand, ähnlich dem, das Mendl und Simon, die Männer der dicken Malke anhatten, als er sie ins Grab senkte . . . Eine schwere, dumpfe Stimmung herrschte in der Synagoge. Gewitterschwül lag das Weinen in 'der Luft und als auf dem Almemor die gedrungene Gestalt des Rabbiners eifchien und der greise Vorsteher, der seit vielen Jahren das. Ehrenamt eines SchofaMäsers versah, seine Vorbereitungen traf, zog Pinches feinen Tallis über den Kopf, packte mich beim Handgelenk und begann — zu weinen. Erst langsam und spärlich, dann immer heftiger und ausgiebiger quollen die Tränen über das Gesicht Pinches' des Totengräbers hinunter auf meine Hand. Bitteres, schweres Weinen, ohne Worte entrang sich der Brust dieses sonst heiteren, lebensfreudigen Mannes. Furchtbares Weh durchzitterte meinen Körper, als Pinches mich plötzlich an sich emporzog, sich tiefer zu mir herabbengte und mich liebkosend, schluchzte: „Weine mein Kind, weine, es ist der Tag des Gerichts!" Kalt lief's mir über den Rücken, ich warf einen scheuen Blick zu dem weinenden Pinches empor und die erste Träne 'rollte über meine Wange. Und ich weinte und weinte mit Pinches, den» Totengräber, als er rvunrätig gestand, daß „wir wegen unserer Sünden aus unserem Lande vertrieben und von unserem Boden entfernt wurden" und weinte, als er bebend rezitierte, daß an diesem Tage stimmt werde, „wer leben und sterben wird, wer durch Feuer, wer durch Epidemie" sein Leiben beenden werde ... Bleich und erschöpft brachte mich Pinches zu «reinen Eltern zurück. Mein Vater war zufrieden, ich war durch die Tränen zum Inden geweiht. In den fünsnndsürchig Jahren, die seither dahinschtvanden, wankte ich zwischen 'dem Ales-Beß und den Judentränen 'durchs Leben. Ich habe viel gelacht und viele Tränen vergossen, aber das Lachen Mang nie meihr so rein, so silberhell wie damals, als Reb Mendl mir das Ales- Beß beibringewwollte . . . Aber das Weinen 'haben mir PincheS und das Lehen gvündlich beigebvacht... Die Vorkommnisse der letzten Zeit haben bewirkt, daß der von der zionistischen Oessentlichkeit arg vernachlässigte Keren Kajemeth wieder Gegenstand allgemeinen zionistischen Interesses geworden ist. Es zeigte sich, daß -der Glaube, ein Aberglaube und daß die Zeit des Keren Kajemeth nicht vorüber ist. Der aus einer Idee theranS' geschaffne nationale Bodenfonds erwies gerade im Sturme des Leidens seine Uit entbehrlichkeit. Unsere Führer wandten dem Keren Kajemeth immer mehr ihr Interesse ,;<t. Ties kam auch bei der letzten Aktionskomiteesitzung in folgender Form zum Ausdruck: Ter Vorsitzende der Zionistischen Exekutive, Kolonel Kisch, wurde als Gcvernor in des Direktorium des Keren Kajemeth gewählt und das Erfordernis des Keren Kajemeth von 600.000 Pfund jährlich wurde als erste Post in das zionistisch B u d g e t a u f g e n o m m e n. . Noch ein Wort zur Aufbringung dieser Summe: Nach der Judenauzahl der Welt gerechnet, müßte der Keren Kaje meth in Oesterreich jährlich pro Kopf S. 1.10 oder 7500 Pfund ausbringen, um seinen Anteil an diesem Gefamtkontingent be'izutragan. 1500 Zionisten in Oesterreich, die an du» Keren Kajemeth bei sich darbietenden Gelegenheiten — und diese bieten sich ständig dar — denken, können durch ihre Mit a rbe i t (nicht aus eigener Tasche), indem sie die Aufbringung von je 5 Pfund auf sich nehmen, dieses Kontingent sichern Selbst in der Zeit der wirtschaftlichen Krise, die wir in Oester reich mitmachen! Dr. Chaim T a r t a k o w e r. Sonst stürzte sich der Hlmmelsflebe Kuß Auf mich herab in ernster Sabbatstille. Heut* schafft mir Huber größeren Genuß, Von seinen Likören trink’ ich. viele, viele. Ueberall erhältlich t 155 Noniften! Der Keren Kajemeth tritt in dar SS. Jahr seines Bestandes! Das Geistes- und Lteblingskind Professor Herrn»nn S ch ap i r a s und Theodor H e r * I S, der' wahrhafte erste jüdische Volksfonds, ist auch heute noch ein Eckvfeiler unseres Aufbauwerkes. Dies hat auch die letzte Aktionskomiteesitzung anerkannt: Im Crez-Ifrael-Dudget für das neue Jahr figuriert -er Keren Kajemeth an erster Stelle mit feinem Erfordernis von 300.000 Pfund! . Zionisten 1 Im Jubeljahr unseres Volksfonds rufen wir euch auf: Erneuert eure Kräfte, verdoppelt und verdreifacht sie, damit der Ker?n Kajemeth in Oesterreich seinen Anteil an der erforderlichen Summe beitragen kann. Die Tischriaktion sei der erste Schritt hiezu, vereinigt eure Kräfte, damit sie einen würdigen Verlauf nehme und ein hohes Er gebnis zeitige. Sehet mit der kuaendtllben knerale ans Werk, die uns bei der SrSndmia unsere« stoads beseelte! Oderrabbiner Dr. I. P. Ehajes Ing. Robert Stricker, Mitglied des Aktionskomitees Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich: < Dr. Friedman» ' Dr. Gotdhammer Kommerzialrat Markus Präsidium des Keren Kajemeth: Präsidium des Keren Hajessodr Böhm Dr. Lartakvwer Exter Dr. Getier Misrachizentrale Wien: Zion. Arbeitspartei Hitachduth Damninger Groß Twerski Weinreb Jüdisch-sozialdemokratische Arbeiterorganisation Poale Zion: Singer Gibt es erblichen Scheintod? Ueber die Frage, ob Scheintod int einer Familie erblich sein kann, berichtet eine französische wissenschaftliche Zeitschrift in interessanter Weife. Ohne die Frage näher entscheiden zu wollen, schildert sie die Verhältnisse einer Familie, in der es sich offenbar um einen Fall von erblichem Scheintod handelt. In dom Geschlechts der Grafen v. Dunby hatte sich der Scheintod häufig wiederholt und bei so zahlreichen Mi Webern seine schreckenerregende Rolle gespielt, daß man fast von einer erblichen Erscheinung sprechen kann. In einer bestimmten Zeit des Lebens verfallen meist die männlichen Mitglieder der Familie in jenen Starrkrampf, der mit dem Tode so große A-chnlichkeit hat und oft mit ihn: verwechselt wind. Wissenschaftlich verfolgt wird jener Zustand in der betreffenden Familie schon seit den: Jchr 1836. Obwohl schon wiederholt bedeutende Aevzte zu Rate gezogen wurden, konnte man doch die Ursache dieser Erscheinung nicht feststellen, wie es ja allgemein unmöglich erscheint, etwas Genaueres über diele tchreckenerregende Krankheit zu erfahren. Nur so viel stand fest, baß ine meisten männlichen Mitglieder der Familie, bevor sie wirklich tarben, in Starrkrampf verfielen. Es soll früher vovgekommen sein, daß man die Scheintoten für wirklich tot gehalten und begraben' hatte. Bei der Oesfnung mancher Särge fand man, daß die Scheintoten noch im Sarge Zeichen von Leben gegeben hätten. J>m Jahre 1836 hat darum das damalige Oberhaupt der Familie ein Famiiiengesetz erlassen, daß jedes männliche Mitglied auf dem Totenbette von Aevzten noch einmal aus das genaueste auf den Eintritt des Todes untersucht werden müsse. Ist der Tod einwandfrei festgestellt, daun muß dem Leichnam der sogenannte Herzstich verabfolgt werden. Dabei sollen schreckliche Szenen vorgekommen sein, wenn wie Aerzte nur oberflächlich untersuchten, oder wenn sie sich in der Feststellung des emgetretenen Todes irrten. Dje Furcht vor dem Scheintod ist in dieser Familie besonders stark ausgeprägt und hat schon manches LWr gefordert. KEINE FIUALE IN WIEN GRÖSSTES LAGER IN ECHTEN PERSER- U. 8MYRNATEPPHJHEN VORHÄNGE DECKEN MÖBEL* STOFFE TEPPICHE ALLER ART GRÖSSTES UND ÄLTESTES ETABLISSEMENT ÖSTERREICHS I Set glückhafte Pantoffel. Gin spaniolisches Volksmärchen. Wer sich nicht bloß theoretisch mit der Frage der Beschaffung von Lese- und Erzähluttgsstosfen für das jüdische Krad zu befassen, sondern dieses Problem auch praktisch zu lösen hat, ist oft in bte größte Verlegenheit versetzt. Die von Martin B u b e r herausgegebene Jugendbibliothek kann für die ganz » Kleinen nicht verwendet werden. Die wenigen in der letzten Zeit erschienenen jüdischen Kinoermärchen sind vielfach gekünstelte und gezwungene Uebertragungen oder Bearbeitungen fremder Märchen. Und doch besitzen Wir in den bei der jüdischen Volksmasse noch lebenden Sagen, Märchen und Erzählungen reiches Material, das nur gehoben werden braucht! Im nachfolgenden geben wir ein Märchen wieder, das wir von einer aus Saloniki stammenden spamolischen Greisin gehört haben, die es ihren Enkelkindern zu erzählen Pflegt. Dabei sei erwähnt, daß es bei den spaniolischen Inden ebenso wie bei vielen Völkern des Orients Märchenerzähler gibt; unter den jüdischen Märchenerzählern haben viele große Berühmtheit im Orient erlangt. Es war einmal eine reiche Witwe, die eine einzige, sehr schöne Tochter besaß. Die Mutter kümmerte sich jedoch nicht um ihr Kind, denn sie war von einer bösen Leidenschaft gepackt, dem Hang zu KartenspiÄ, dem sie viel Zeit und Geld opferte. Wohl bewarben sich viele Jünglinge um die Hand ihrer Tochter, der schönen Selika, doch jeder fand das Kartenspiel der Mutter als genügenden Grund, um sich zurückzuziehen; befürchteten sie doch, die Witwe werde in ihrer Spielwut eines Tages auch die Mitgift ihrer Tochter verspielen. Eines Tages saß Selika, wie gewöhnlich, allein zu Hause und nähte. Da flog eine Taube zu ihr ans Fenster und sprach: „Du bist so schön und doch hast du kein Glück zum Hmraten." Als die Mutter abends nach Hause kam, begann das Mädchen bitterlich zu weinen. „Warum weinst du, mein Kind?", fragte die Mutter. Selika erzählte, was die Taube ihr gesagt hatte. Ms dies die Mutter hörte, faßte sie den Entschluß, vom Kartenspiel zu lassen; nun blieb sie immer mit der Tochter zu Hause und hals ihr beim Nähen. Eines Tages sah sie gegenüber dem Fenster einen großen marmornen Palast, der früher nicht dort gestanden hatte. Die Tür des Palastes war offen ünd davor lag ein goldgesttckter Pantoffel. Sie sprach zur Tochter: „Gehen wir zum Palast und holen wir uns den wertvollen Pantoffel." Kaum hatte Selika den Pantoffel in die Hand genommen, da wurde sie von unsichtbarer Hand in den Palast gezogen. Die Türe schloß sich und die Mltter stand allein draußen. Sie weinte und klagte um ihre Tochter, hoch es half nichts — die Tochter blieb verschwunden. Indes saß Selika einsam im Palast. Täglich standen zu gemessener Zeit die Mahlzeiten vor ihr aus einem kleinen Tischchen; sie über wußte nicht, woher das Essen kam und wer es ihr brachte. Als sie so eines Tages traurig, am Fenster des Palastes saß, da flog die Taube, die schon einmal mit ihr gesprochen hatte, wieder hinzu und sagte: „Bleibe einundvierzig Nächte wach und ein großes Glück wird dir beschert sein. Ein Jüngling wird kommen, der dich unter den Baldachin führen wird." Vierzig Mchte -Web Selika wach. In der einundvierzigsten Nacht sah sie vor dem Fenster ein fremdes Mädchen, das jammerte und wehklagte. „Warum weinst du?" fragte sie das fremde Mädchen. „Weil ich einsam und verlassen aus der Straße bin," war die Antwort. Da nahm Selika einen Strick, ließ ihn durchs Fenster hinab und zog daran das verlassene Kind von der Straße in den Palast. Kaum war das fremde Mädchen in dem Zimmer, da schlief Selika ein. Das fremde Mädchen wachte bei zhr. Um Mitternacht erschien ein Jüngling, der zu dem wachenden Mädchen sprach: „Jetzt habe ich mein Glück gefunden. Ich will dich freien und heiraten." Selika aber wurde in eine Kohlenkammer gesperrt und mußte als Magd alle niedrigen Arbeiten rat Palaste verrichten. Immer näher rückte der Tag heran, an dein das fremde Mädchen den Jüngling heiraten sollte. Da rief er alle Mägde zusammen, um sie ans Anlaß des Hochzeitstages zu bechenken. Als alle ihre Geschenke in Empfang genommen jatten, sprachen sie zu Selika: „Geh' auch du hinauf, daß er auch dir etwas gebe." Sie ging hinauf und sagte zum Jüngling: „Geschenke will ich nicht; ich bitte Euch nur um ein Messer und einen Strick." Am Tage vor der Hochzeit wurde der Goldstaat der Braut hergerichtet, die gesamte Aussteuer geordnet und alles ging schlafen. Da erwachte der Jüngling plötzlich und hörte, wie Selika sagte: „Ans eigener Schuld habe ich mein Glück verloren; hätte ich nur noch die eine Nacht nicht geschlafen, o wäre es mein Glück gewesen. Nun will ich mit dem Messer und dem Strick allem ein Ende nrachen." Als der Jüngling dies hörte, war er neugierig, wer dies wvhl sein mochte, der so verzweifelt sprach. Er ging hinab, traf Selika und fragte sie, warum sie wehklage. „Wie sollte ich nicht weinen, Herr? Solltet Ihr doch mein Glück sein. Vierzig Nächte habe ich im Wachen zugebracht und «in der einen Nacht, die ich nicht wach geblieben 111714