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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-09 · Heft 2711 (9.9.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2711 (9.9.1926)
Date
1926-09-09
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Wl«r, DoMeMlg S. GqMMr IW GM 8 Gerne u, gut kauft man Tisditepptdic loucte, schöne, schwere Ware, Grösse <200X300 .S »9 — felours» schöne, schwere Ware, Grösse '200X300 .S 98 — UMtllnsCer, Schafwolle, J/s.8 112 — leppidUdHler chwcreTapestpic-Ware, 90 cm breit s 2 70 chwere KsIL-Vlars, 90 cm breit. . 8 4'40 chwsre buntgewebte Ware, 90 cm < breit.S 4 60 ehafwail'Tapestrle, 70 cm breit. . S 0*80 khafwoll-Tapestrle, 90 cm breit. . 8 180 kbaßwQtt°Vspe»trlle, felnmuschiZ, 70 cm droit.8 12'— Ic&afwoll-Tapesti'Ie, besondere Ausführung, 70 cm breit' ■. . 8 13'80 |c3tafwollaTapest?3e, besondere Ausführnng, 90 cm breit.8 18 60 fladras-Mfiissfier, dreien, ichSne, buntfarbige Ware, . . .8 (VßO keisbgestickte Ware, Flugelgrüße 60X300 . S 0'50 Heueste Musterung, modernste Ausführung . S 1250 Besonders reichhaltig gestickt. . 8 16*50 Alle Artikel Bis zur ieiuslen LNZMNUUE? 4 lv:.i*i7i|\1‘liio ^s*%y.p iv> Ny *.;•*. . Weiße Haustier n. 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WALLENSTEINSTRASSE 16 XXI., HAUPTSTRASSE 44 Aus beit skandinavischen Ländern ist wenig mehr zu belichten, als daß int hohen Norden Hakenkreuzagitation betrieben wird, ohne aber sonderlich das Verhältnis zwischen Juden und Nichijnden zu berühren. In Dänemarl Kat vor kurzer Zeit der zweite antisemitische Weltkongretz stattgefunden, an dem Pogromelemente aller Länder, insbesondere über russische Emigranten, teilnahmen. Das Geld zu dieser Veranstaltung scheint, wie bei allen ähnlichen Zusammenkünften dieser Art, aus der Tasche Henry Fords zu stammen. Der besagte Kongreß scheint aber nicht viel des Erwähnenswerten gebracht zu haben, denn die sonst so ruhmredige amissemitifche Internationale redet nur ganz allgemein von der ^Versklavung der Völker". In den englischen Dominions und in Ing oislawien stehen die Juden im vollen Genuß ihrer bürgerlichen Rechte. Sie nehmen ungestört an der Entwicklung ihrer Wohnländer teil und entfalten im Zeichen des Zionismus jeine rege Pflege des jüdischen Kulturlebens. In den Mittelmeergeb i eten Kerrschen die alten Zustände. Die Kolonialregierungen, die sich auf militaristische Repräsentanten stützen, sehen das einheimische Judentum nicht ungern in der Funktion des Sündenbockes, und vor ganz kurzer Zeit erst wurden aus dem gegenwärtig im Vordergrund internationaler Erwägungen stehenden Tanger Angrisse arabischer Elemente «uff das Jndenviertel gemeldet, Idie darum ausgebrochen waren, weil die Behörden nicht rechtzeitig für Wasser vorgesorgt hotten. Ein Vorfalls der die Jage des Judentums und seiner abgesprengten Teile grell beleuchtet. Für diese Kinder unseres Volkes bedeutet es eine große unfruchtbare Hoffnung, daß sich das s e p h a r d i s ch e I ud e n t u m seiner historischen Aufgaben bewußt zu werden lbeginnt und an eine Organisierung seiner Kräfte jschreitet. Dieser Teil des jüdischen Volkes hat lange Zeit in unserer Renaissance gefehlt. Zu unserem und zu seinem Schaden, vor allen: aber zum Schaden der Gesamtheit, die der Mitarbeit des an Orienwerhäl wisse gewöhnten Stammes nicht entraten f-uut. Die sephardische Bewegung ist wohl eine der besten und hoffnungsvollsten Errungenschaften dieses Jahres. Sie wird auch dazu beitrugen, freu jüdischen Aufbau in Palüstina dadurch zu sichern, daß durch ein landeskundiges Element Verbindungen zur arabischen Nation hergestellt werden. Daß diese Brücken bisher nicht geschlagen werden konnten, 'empfindet der.Zionismus, der Träger der jüdischen Aktivität, am tiefsten. In die Stimmungen und Verstimmungen greifen sunberusene Schürer und. Hetzer ein, die die europäische Jnstrigenpolttik nach dem Orient entsendet, um dort jeden keimenden Ansatz zum Frieden und zur wirtschaftlichen Erschließung, 'zu ersticken. Zwar konnte der Zionismus tu diesem Jayre seine Ausb Untätigkeit in Palästina sortfttzen, aber das Tempo der Ei''Wanderung hat sich verlangsamt, die Jndaisiernng des Pod^'s ist ins Stocken geraten, d e nationale Expansion stößt 'an die Hemmnisse der Wirtschaftskrise und der Erwerbslosigkeit. Außerdem tzat M der Zugand der MßWon NlMecheit erhalten und trotz aller Versicherungen der Londoner amtlichen Zentralstellen gilt auch für Palästina das Wort, daß der Himmel hoch und der Zar weit ist. Die Gegner des jüdi'chen Aufbaues operieren sehr geschickt mit demokratischen Schlagworten und es steht gegenwärtig sogar wieder das Projekt einer gesetzgebenden Körperschaft für Palästina in Erwägung, die auf der Basis der gegenwärtigen Bevölkerungsrelation errichtet werden soll. Das Judentum muß aus seinem ureigensten Interesse heraus gegen diesen Mißbrauch mit Demokratie Stellung nehmen. Es ist peinlich, daß das Judentum in Palästina auf der ganzen Linie in die Verteidigung gedrängt worden ist und daß es in dem ihm zugesprochenen Land genau dieselben Kämpfe um das gleiche Recht und die bürgerliche und wirtschaftliche Geltung führen muß wie in den europäischen Kerkerländern. Freilich führt es diese Kämpfe mit einer ganz anderen Intensität; denn das Judentum in Palästina steht aus seinem Boden und es weiß, daß es auf seinem Boden steht. Es muß aber in noch diel höherem Maße als bisher die innere Sicherheit haben, daß hinter ihm das Fünfzehn-Millionen-Volk der Juden steht und jede Phase der Entwicklung mit angespanntester Aufmerksamkeit beobachtet. Der jüdischen Siedlung in Palästina muß idie volle Hilfe der Nation zuteil werden, um deren Zukunft in Palästina es geht. Palästina ist in der Tat eine alljüdische Position geworden, aber in der jüdischen Welt draußen ist das -Empfinden der unbedingten Verbundenheit mit der werdenden Zelle jüdischer Freiheit nicht so lebendig wie dies sein sollte. Der Zionismus hat Gegner in Hülle und Fülle. Er ist eine gesunde ju.gendkräftige Bewegung, die jeden Fehler und jeden Verstoß gegen einen Teil als Fehler und Verstoß gegen die Gesamtheit empfinden muß. Sicherlich macht auch der Zionismus -Fehler, denn er betreibt die politische Erziehung eines politisch vernachlässigten Volkes erst fett dreißig Jahren. Und selbst die Gegnerschaften, die ihm als dem Vertreter der nationalen Idee erwachsen, sind ans ihm selbst entstanden. Ehe der Zionismus kam, gab es überhaupt kein aktives politisch e s L e b e n t nt I u dentum und , auch die Agudah und die mit ihr Hand in Hand gehende bewußte Assimilation des jüdischen Bürgertums in Europa und in Amerika haben ihren Inhalt erst aus der zionistischen Ideenwelt erhalten. Ihre Kämpfe gegen die zionistische Anjschauung der Dinge, gegen die nationale Politik d?s Judentums, sind in diesem Jahre weitaus intensiver geworden; schuld daran trägt auch die veränderte Taktik des Zionismus, der die organisatorische und politische Arbeit zugunsten der finanziellen zurückgestellt hat. Der Zionismus muß dre Führung im Judentum haben; in dem Augenblick, in dem er auf diese Funktion verzichtet, anerkennt er auch seine Feinde, die ja die Feinde des lebenden und wollenden Judentums sind, als gleichberechtigt «und schneidet sich von den Wurzeln seiner Existenz ab. Ter Zionismus ist das größte politische Mivum im Judentum. Seine Mev'bekraft hat sich in diesem Jahr in Amerika erwiesen, wo es gelungen ist, weite Kreise des jüdischen Mittelstandes für den nationalen Gedanken und für Palästina in EnchufiaAyms D verfeM. Das amerikanische AudenkW P erst in der Zeit nach dem Kriege züm pMtischen Bewußtsein gekommen, und wenn es dieses vermöge der ^besonderen amerikanischen Verhältnisse nicht in Amerika selbst zeigen konnte, so liegt die Schuld an seinen Führern, an der Großbourgeoisie, die in Anrerika, wie überall, mit dem Judentum nur durch ein höchst lückenhastes Sentiment verbunden ist. Dieser Bourgeoisie geht nichts über sich selbst. Sie hat nur ihren materiellen und politischen Vorteil im Auge und obzwar ihr Einstnß in Amerika ein sehr hoher ist, 'hat sie ihn doch nicht im jüdischen Sinn angewendet. Sie hat gegen die Verschärfung der E i n w a n d e x u n ß § $ e tf e^ e, die das Judentum des Ostens bis ins Mark getroffen haben, nicht angekämpft, weil sie dies vielleicht in den Verdacht natronal- Mischler Denkart gebracht hätte. Um diesen Verdacht, falls er. sich irgendwo doch regen sollte, nicht aufkommen zu lassen, halben diese Schichten des Judentums, aus deren Mitarbeit am Palästinawevk wir zu rechnen glaubten, nach dem Krimprojekt gegriffen. Der Vorwand der charitatrven Tätigkeit kann aber nicht verhüllen, daß es sich hier um einen Akt politischer Negation handelt und daß der zionistischen Idee, die so tief in das Leben des jüdischen Volkes eingegviffen.hat, ein Konkurrenzplan entgegengestellt worden ist. Es ist leider im Juidentum wieder zu einem Kampfe geko-mmen, dessen einzelne Phasen unsere Umwelt mit hämischer Freude betrachtet. Die Rückwirkungen, die sich zunächst in Rußland zeigten, haben wir schon vorhlin erwähnt und es ist ein tröstlicher Gedanke, daß selbst ein Lobredner der Krimkolonisation wie Herr Reuben B r a i n i n feststellen mußte, daß das zionistische Leben im ruffischen Judentum und die zionistisch>e Gedankenwelt noch vorhanden sind. Selbst in der Krim denkt man an Zion und es wird Sache der Zionistischen Organisation und ihrer Leitung sein, mit diesen im Judentum vorhandenen Imponderabilien zu rechnen, die stärker sind, als alles Geld, stärker als alle Feindschaft, stärker als das Exil. * Daß die jungjüdischen Strömungen auch bei den Intellekiuellen der anderen Nationen Sympathie finden, hat der jüngste Minoritäten kongreß in Genf gezeigt. Es ist dort zutage getreten, daß das Judentum eigentlich unter den gleichen Uebeln leidet wie jede Minorität, daß es aber außerdem noch den Anfeindungen dieser Minoritäten ausgesetzt ist. Wenn wir aber 'beginnen, uns gegenseitig zu verstehen, und wenn wir zur Anssprache miteinander gelangen, dann zeigen sich doch Wege ins Freie. Das Unrecht am Judentum ist das älteste der Welt. Aber aus diesem Unrecht ist alles Uebel geflossen, das heute die Weilt Venvüstet, Md nur dann,, wenn die Völker' es in ihr politi-sches Bewußtsein aufnehmeu werden, daß kein Unrecht ohne Sühne bleibt, daß jeder Äaat und jede gesellschaftliche Ordnung zugrunde gehen muß, wenn sie sich auf Unterdrückung anfbant, nur . dann wird Demokratie sich durchsetzen können urch' mit ihr das Recht des demokratischesten Volkes 'der Welt, des jMschon Volkes, seine Anevkemtung finden. Nach dieser Seite hin: Verstaadigung mit allen Nationen, nationale Organisierung des jüdischen Volkes und Ausgleich mit den Arabern mutz die jüdische politische Arbeit ftn komimendon Jahre mehr wie je gchchrt müden.

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