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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-09 · Heft 2711 (9.9.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2711 (9.9.1926)
Date
1926-09-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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! i f \ [ j l | i j |! I i r r! Ml MtM» MsWmKMW" A«fH»$tmt 9t. mt PELZWAREN JEDEN ANT IN MINITER AUSFÜHRUNG BILLIG IT BEI GEBRÜDER BRAININ WIEN, II., GLOCKENGASSE 8 / TEL. 45-4-33 ramm Wildwest in Salzburg. Auch Karl Spieß in Haft. Wie berichtet, haben am Dienstag die Brüder Fvan-z und .üarl Spieß in Salzburg mehrere Rcmbüberfälle begangen. Franz Spieß konnte auf frischer Tat verhaftet werden, während Karl sich durch eine tollkühne Flucht über die Hausbücher seinen Verfolgern zu entziehen wußte. Noch am selben Abend verübte er einen neuen Raub üb erfall. Er schlich sich in den Garten der Villa des Professors Dr. P r ä h a u s e r ein und zwang den Professor mit vorgehaltenem Revolver, ihm sein Geld und die Brieftasche berauszugebeu. Auf die Bitte des Professors gestattete Spieß, daß dieser die Bilder seiner Frau und seiner Kinder aus der Brieftasche herausnehme. llm 11 llhr nachts wurde endlich Karl Spieß in einem vornehmen Salzburger Hotel verhaftet. Die beiden Brüder gestanden bei ihrer gestrigen Einvernahme, im ganzen fünf Raubüberfälle geplant zu haben. Alle Vorbereitungen hiezu waren breits getroffen. Im Gepäck der Brüder Spieß fand nran unter anderem eine Blendlaterne und einen großen Vorrat '-barser Mn-.-Kion. Im weiteren Verlaufe des Verhörs gestanden die Brüder Spieß, am 26. August im Hotel Kenner heim in Reifnitz am.Wörthersee einen Raubüberfall auf zwei Wiener Sommergäste verübt zu hoben. Sie waren um 1 Uhr nachts in das von dem Wiener Kaufmann Dr. Dürfeld und einem Herrn Alfred Mery bewohnte Zimmer oingedrungen und forderten, die Revolver im Anschlag, die Herausgabe der Barschaft der Hotelgäste. Diese gaben den Räubern, welche schwarze Massen vor das Gesicht gebunden hatten, 90 SKilling, eine goldene Armbanduhr, eine silberne Zigarettendose, einen antiken Brillcmtring und eine goldene Krawattennadel. Mit der Beute verschwanden die beiden. Den Schmuck versetzten sie später in Graz. Am letzten Sonntag begingen sie einen Raubanfall in G m u nd e n. Sie wollten der Tabaktrafikantin Magdalena Aschenberger, die sich abends auf dem Heimweg befand, die Tageslosung abnehmen und entrissen, ihr auch das Hcmd-täschchen, erbeuteten aber nur o Schilling. Sie BerhÄmig von MenbahnunMen. Epochale Erfindung eines Oesterreichers. Alle bisher existierenden Vorkehrungen zur Vermeidung üon Unfällen auf Eisenbahnen, Licht- und Läutesignale,' Weichenverschiebungen, Bremsen usw., haben sich als viel zu unzuverlässig erwiesen, als daß von einem unbedingten Schutz hätte gesprochen werden können. Denn bei allen Einrichtungen, seien sie noch so sinnreich erdacht und konstruiert, muß mit Hindernissen, wie Vergeßlichkeit der Eisenbahnbediensteten, Versagen der Hilfsmittel, verbrecherischen Anschlägen, Nobel usw. gerechnet werden, die die Sicherheit der Fahrt gefährden. Einem Oesterreicher war es n.un Vorbehalten, durch eine Erfindung, auf die niemand bisher gekommen ist, diese Hindernisse vollkommen a-usz uschalten. Herr Joses Drach, der seit Jahren ein bekanntes Antiquitätengeschäft in Wien, 1. B^., Wollzeile 39, besitzt, übrigens als Initiator und Propagandist für die Einführung eines von ihm so benannten Friedensdollars für alle Staaten Europas als Mttel zur Verhinderung künftiger Kriege in weiten Kreisen des In- und Auslandes bereits rühmlich bekannt, hat soeben eine Erfindung zur Verhütung von Eisenbahnunfällen und Entgleisungen patentieren lassen. Die Erfindung beruht auf einer der Ratnr entnommenen sinnreichen Konstruktion, welche die Vakuumbremse mittels vorgeschobener automatischer. Vorrichtungen in Tätigkeit setzt, ehe der auf dem gleichen Geleise entgegenkommende Eisenbahnzng in Sicht ist. Der Vorzug der Erfindung besteht nicht allein in der Verhinderung von Zusammenstößen, sondern auch darin, daß das A b s ch r a n b e n oder A u f r e i ß e n von Schienen, ebenso die Entfernung derselben das automatische S t e h e n b l e i b e n des gefährdeten Zuges bewirkt, so daß keine Entgleisung mehr erfolgen kann. Unser armer österreichischer Staat ist nicht so reich, twtt das Patent zn verwerten; doch werden die Segnungen dieser unschätzbaren Erfindung, die einem jüdischen Bürget aus Oesterreich in ingeniöser „Weife gelang, auch uns zugute kommen, da kein Staat auf die Dauer sich ihr wird verschließen können und sich die Verwertung allmählich verbilligen wird. f j Tel. 64-7-67 Wien, II. MollandStralle 1 Tel.64-7-67 erzeugen in eigenen Werkstätten aus Ia engl. Stoffen bei garantiert tadelloser Paßform die fernsten, elegantesten und modernsten 699 >Aa/ Wunsch Zahlangserleichtsrnng ohne Pr elsan! schlag! > Sie Konferenz der radikalen Zionisten in Berlin. Eine Aussprache der führenden Mitglieder der Vereinigung. Am.31. August und 1. September fand, wie schon berichtet, in Berlin eine Konferenz führender Mitglieder der Vereinigung r a d i k a l er Zionisten aus verschiedenen Ländern statt, die sich, mit der zronistischrn Lage nach der Sitzung des Aktionskomitees beschäftigte. Es nähmen unter anderem an der Konferenz teil di- Herren: I. G r ü n b a um und Dr. L i fs ch i tz aus Warschau, Ingenieur R. Stricker aus Wien, Dr. N. G o l d m a n n, Dr. A. Ol | chwanaer und Dr. M. S o l ow e i t f ch i k aus Berlin, Dr. Em. M a r g u l i e s aus Leitmevitz und ande'e. Die Konferenz nahm in drei Resolutionen zu den wichtigsten aktuelle*' zionistsichen Problemen Stellung. Si« beschäftigte sich sodann eingehend mit der künftigen Tätigkeit der Verewigung rad'kalrr Zionisten. Es wurden diesbezüglich verschiedene wichtige Beschlüsse gefaßt. Naben einer Ausdehnung der Presseprvpaganda si 12. für den Winter verschiedene Landeskonferenzen b >r radikalen Zionisten sowie für das Frühjahr eine allgemeine Konferenz geplant. Die von der Konferenz beschlossenen Resolutionen lauten: 1 Die Vereinigung radikaler Zionisten erachtet die gegenwärtige politische Lage des Zionismus als in hohem Grade unbefriedigend. Die Nichterfüllung der wichl!lll!l!l!lll!llllll!lllll!lllll!IIIIIIIIIW I Werbet Abomreirtenfür die» I „Wiener Morgenzeitung" I iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniii n iintaitt nur WIMM IMM.tauMkM, G — — EFRA m BEZ., GETREIDEMARKT 14 defra*8cke - Tel. *4-16 Slmttutie Mette Neuheiten I GeschäftsfUhrender Direktors Jt* R. MANG tigsten politischen Forderungen der Zionistischen Organisation durch die Mandatarmacht sowie die unbefriedigende Antwort der Mandatskommission des Völkerbundes auf die Beschwerde der Jewiish Agency und des Waad Leunri sind Symptome einer ernsten politischen Situation. Daher konstatiert die Vereinigung radikaler Zionisten mit bssorcherer Genugtuung, daß das Aktionskomitee in seiner letzten Sitzung sich einstimmig die politische Auffassung zu eigen gemacht hat, die früher von der Majorität der Bewegung bekämpft wurde: daß nämlich die Mandatarmacht an Stelle ihrer bisherigen Politik des Göwährenlassens und der Erfüllung der rein administrativen Aufgaben eine Politik der aktiven Unterstützung des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina setzen müsse. Me Bereinigung radikaler Zionisten hält es für notlveudig zu erllären, daß die Politik der Zionistischen Exekutive sich bisher nicht in der Richtung dieser Forderung bewegt hat und erwartet mit Bestimmtheit, daß die Exekutive nunmehr ihre Politik rm Sinne dieser Forderung neu orientieren wird. Es wird Aufgabe der zionistischen Oeffentkichkeit sein, dafür Sorge zu trage", daß die Resolution des Aktionskomitees von der Exekutive in ihrer ganzen Tragtveite zur Durchführung gebracht wird, und daß die Verhandlungen mit der Mandatarmacht zur Verwirklichung der Forderungen des Aktionskomitees unverzüglich ausgenommen werden. 2. Die Vereinigung radikaler Zionisten ist der lieberzeugnng, daß die jetzige Krise in Palästina der deutliche Beweis dafür ist, daß der Auslbauprozeß im Lande nur möglich ist in der Form einer systematischen, bewußt geleit e t e n K o l o n i s a t i o n mit dom vornehmlichen Ziel der dauernden Verwurzelung der Einwanderer in den Boden und den Produktionsprozeß des Landes. Die letztjährige Jmmigrations- und Kolonisationspolitik >der Exekutive ließ jedes System vermissen. Die Vereinigung radikaler Zionisten fordert, daß neben der stärksten Kraftanspannung aller Zionisten und des gesamten jüdischen Volkes zur Ueberwindung der Krise — insbesondere durch Aufbringung weit größerer Geldmittel — vor allem eine zentrale Regelung und bewußte Lenkung der Immigration nach Palästina erfolgt. 3. Zur Frage der Jewish Agency und der im Aktionskomitee von Dr. Weizmann bekundeten Absicht, im Herbst die Verhandlungen in Amerika zur Erweiterung der Jewish Agency wieder anfzunehmen, erklärt die Vereinigung radikaler Zionisten, daß sie nach wie vor an ihrer grundsätzlichen Ablehnung der Erweiterung der Jewiish Agency in der jetzt geplanten Form festhält. Die Entwicklung des letzten Jahres hat die völlige Fruchtlosigkeit der Bemühungen zur Durchführung dieser Politik erwiesen; die Tatsache, daß diese Politik noch nicht völlig liquidiert ist, bedeutet eine weitere dauernde Schädigung der zwnistischen Bewegung uüd eine empfindliche Minderung ihres Kampfwittens innerihM des jüdischen Volles. Die Vereinigung radikaler Zionisten wird alle Versuche, die Liquidation dieser verfehlten Politik künstlick binausru ck'.eben mit allem Nachdruck bekämpfen. i Diese Strömung, die' in Polen durch die Maiereignisse unterbrochen wurde, war bis zu diesem Frühjahr herrschend in Litauen. Sie ist in den letzten Wahlen zurückgedrängt worden und die Demokratie hat begangenes Unrecht gegen die Juden beseitigt. Finnland ist nach wie vor christlichnational, dagegen hat E st l a n d durch die staatskluge Einrichtung der national-kulturellen Autonomie in seinem Judentum neues, verheißungsvolles Leben erweckt. Tie christlich-nationale Strömung hat sich in den von ihr ergriffenen Staaten immerhin noch kaschiert. Sie sucht die Unterhöhlung der jüdischen Position nur evolutionär zu erzielen. Nur in einem Lande, :n Ungarn, ist sie Staatsprinzip geworden, und wenn auch die schlimmsten Exzesse, die den guten Namen des ungarischen Volkes für ewige Zeiten - mit Schande besudeln, abgebremst wurden, so ist doch Ungarn das einzige Land, das dem Antisemitismus Unterschlupf im Gesetzbuch gegeben hat. In Ungarn besteht die Prozentnorm; die heimtückische Abschnürung der jüdischen Jugend von den höheren Bildungsa «stallen, die in Oesterreich, in Deutschland, in Polen und in Runlänien unterirdisch betrieben wird, ist dort Gesetz. Das Judentum Ungarns, geführt von rückgratlosen, volksvergessenen Notabeln, ist sich der demoralisierenden Wirkungen dieser Situation wohl bewußt, bringt aber nicht die Kraft auf, die nötig wäre, um die letzten Widerstände, die dieses Gesetz noch verteidigen, megzuräumen. Das ungarische Judentum steckt zu tief in der patriotischen Narkose ltnd sein hauptsächlichster Repräsentant, der in diesem Jahre verstorbene Abgeordnete B a z s o n y i .hat feierlich auf alles jüdische Recht Verzicht geleistet, ohne daß aus den Reihen des Judentums selbst Protest laut geworden wäre. Damit ist auch für die Juden der Türkei das schlechte Beispiel gegeben worden und auch diese haben durch ein Dveizehnerkomitee, das ans den waschechtesten „Honoratioren" besteht, den Verzicht auf alle durch den Vertrag von Lausanne gewährleisteten Minoritätsrechte erklären lassen. Auch das türkische Judentum ist im Verfolg von Krieg und Pestilenz arg mitgenommen worden und es hat insbesondere in Kleinasten schwere Verluste zu beklagen. An den Leidensweg dieser Brüder schließen sich die Juden Griechenlands an, deren wirtschaftliche Situation bereits seit den Balkankriegen die absteigende Linie verfolgt. Saloniki, einst ein von heißem Leben erfülltes jüdisches Zentrum, ist verödet, das Judentum verarmt; nur ein Teil konnte bisher durch die Ueberführung nach Palästina geborgen werden. Auch für Bulgarien und Rumänien kann man wenig des Erfreulichen sagen. Hier sind es politische und soziale Komplikationen. Die Mißstimmung der mazedonischen Revolutionäre gegen die b u l g a r i s ch e Regierung, die ihre Autonomie- und Anschlußwünsche nicht erfüllen kann, hat sich die Juden als Blitzableiter ausgesucht und alle Korrektheit der bulgarischen Regierungsbehörden konnte das Ausbreiten der antisemitischen Mentalität nicht gänzlich unter« Kinde«, die cußerdem auch noch durch die in das Land geflüchteten russischen Emigranten genährt wurde. Die r u nt ä n i s ch e n Juden, deren Zahl durch den Ausgang des Krieges um ein Bodeutentz>es vergrößert wurde, haben auch eine vergrößerte und vergröberte Heye zu überstrhen. In der Hauptsache sind es d:e aus Deutschland herübergetommensn Lehren des'wissenschaftlich angestrichenen Pogromantisemitismus, die in Rumänien wirken. Auch die Nachbarschaft Ungarns tut das ihre und so kann auch die neue rumänische Negierung nicht alle Schlacken wegräumcn, die ihre liberalen Vorgänger aus Opportunismus für den Judenhaß ausgeworfen haben. Ein großer Teil der Judenschaft der neuen Gebiete ist durch allerlei Winkelzüge um das Staatsbürgerrecht gebracht worden. Trotzdem Hot sich ein eigenes politisches Leben unter den Juden entwickelt, und bei den letzten Wahlen wurden fünf Juden, darunter zwei Zionisten, in die Kammer und den Senat entsendet. Leider konnte es nicht zur Bildung eines jüdisch-parlamentarischen Klubs kommen, was selbstverständlich auch die Stellung der offiziellen Kreise zu den jüdischen Fragen ungünstig beienflußrn wird.. Die Regierungen zeigen überhaupt das Bestreben, sich die innerjüdischen Streitfragen zunutze zu machen, um eine klare und eindeutige Antwort auf die an sie herantretenden Probleme vermeiden zu können. Dies war in diesem Jahre in der Tschechoslowakei zu merken, wo subalterne Provinzpaschas in dem weltfernen Karpathorußland den klerikal-jüdischen Agndaseparatismus zur Sprengung der jüdischen Front in Bewegung setzen konnten. Die jüdische Vertretung in der tschechoflowatkischen Kammer wurde auf diese Weise verhindert und die Mandate fielen den tschechischen Agrariern und Katholi schkler ikalen als müheloser Gewinn zu. Das unter zionistischer Führung zu starkem Polit'- schen Millen erzogene Judentum in der tschechischen Republik hat dies nicht vergessen, und die warmen Worte, die Minister B e n e s ch :m Frühjahr gelegentlich eines Empfanges in Wien für den Zionismus gesunden hat, können das Mtztricmen nicht bannen, das noch durch die Abweisung der WaPbesHverde seitens des Mahlgerichts'hoses sich vertieft hat. Die wirischafllichc Situation der Juden in der Tschechoslowakei schetint sich in bei letzten Zeit zu erschweren. Aber auch im gesellschaftlichen Leber der Republik treten :mmer stärker antijüoische Velletitäten, geschürt durch saszistlsche Tendenzen hervor und sie greifen auck auf das Verwaltungsgchiet über, insbesondere auf das Gebie!!der Agrarrefor m, die zuungunsten jMscher Besitzer ge. handhabt ivird. » . _ Ü 74468

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