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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-07 · Heft 2709 (7.9.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2709 (7.9.1926)
Date
1926-09-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Stift i Wien, Tienilnz BHtnet {NotfltnjetWnfl 7. Kepiembef ISS« Sit. 5W# golonel Kish in Wien. Las VerhSllol« zwischen SvglanS und PalSstina. Seit vorgestern weilt hier der politische Referent der zionistischen Palästinacxekutive in Jerusalem, Kolonel Froderic Kish, der die jüdischen Feiertage in Wien verbringen will. Da er den Wunsch ausgesprochen hatte, vor einem Kreise zionistischer Freunde über die Lage in Palästina und aNe dort schwebenden Fragen Aufklärung zu geben» nahm das Zionistische Landeskomitee gerne die Gelegenheit wahr den Gast herzlich zu begrüßen und mit ihm mehrere Stunden in einer angeregten Auseinandersetzung zu verbringen. Ko lonel Kish, eine Persönlichkeit von bestechendsten Umgangs formen, beherrscht das Deutsche so weit, daß er sich für jeden verständlich machen kann. Nur bei allzu schwierigen Fragen nk-ergeht er zum Englischen. Er spricht ruhig, abgemessen, in jedem Wort von einem tiefen Verantwortlichkeitsgefühl be stell. Hin und wieder unterstreicht die schlanke Hand einen besonders wichtigen Satz. D-as Kluhzirnmer der Hakoah, in welchem die Bersamm lung stattfand, war bis auf den letzten Platz gefüllt, als der Präsident des Zionistischen Landeskomitees, Dr. Friedmann, kurz nach 8 Uhr die Versammlung eröfsnete und den Gast begrüßte. Oberst Kish begann mit einer längeren englischen Rede, in der er zunächst seine Freude aussprach, mit den führenden Persönlichkeiten der Wiener zionistischen Organisation in direkte Fühlung zu kommen. Er überging dann zu einer fesselnden politischen Darstellung des Verhältnisses der Mandatsmacht zum Mandatsland, so wie er es mit seinen Karen Augen ansieht. Die zionistische Presse widmet, so führte er in seiner Rede aus, die Herr Oberrabbiner Dr. Chajes ins Deutsche übertrug, in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit der Art, wie die englische Regierung ihre Pflicht als Mandatsmacht erfüllt. Der Redner habe nicht die Ausgabe und nicht die 2lbsicht. alle Schritte der englischen Regierung zu verteidigen. Er halte es aber für notwendig, verständlich zu machen, wasdieHandlungder englischen Regierung bestimmt. Ein Beispiel dafür, wie sehr notwendig es ist, die englische Mentalität zu erkennen, ist die Frage der Staatsbürgerschaft. Unser Standpunkt ist natürlich, daß auf dem Wege zum . Judenstaat jeder Jude das Recht hat, Bürger Paläst i u'a s zu fein. Der englische Standpunkt ist ein anderer. Die englische Regierung muß praktisch die Frage so stellen, daß jeder palästinensische Staatsbürger das Recht auf Englands Schutz hat. Das ist nicht das nationale Erfordernis des Judentums, sondern die praktische Stellung eines Staates, der für die Ausübung des Mandates die Verantwortung trägt. Viel Aufregung hat es hervorgerufen, daß der englische Oberkommissär das Recht habe, in gewissen Fällen die bereits erlangte Staatsbürgerschaft zu annullieren. Er hat aber dieses Recht nicht, sondern nur mit der Zustimmung des Staatssekretärs, der wieder vor dem Parlament verantwortlich ist. Das ist englische Bestimmung, sie gilt auch in England für Leute, die sich dort um das Staatsbürgerrecht bewerben und es geschieht nur höchst selten, daß in England zemandem das Staatsbürgerrecht aberkannt wird. Bei der Beurteilung des Verhältnisses zwischen England und dem Zionismus darf man nicht übersehen, daß fünf aufeinanderfolgende Regierungen des verfchiÄensten Parteicharakters, von der Arbeiterregierung zum konservativen Kabinett, die Mandatsverpflichtung und die Balfour- Deklaration ohne jedwede Einschränkung aheptiert haben. Die Stabilität der Politik in diesem Punkt darf nicht verkannt werden. Es ist richtig, daß die englische Regierung im allgemeinen und besonders die englische Vertretung in-Palästina sehr langsam Vorgehen, zu langsam für unser Bedürfnis, das sich nach einem rascheren Tempo sehnt. Das ist aber englische Mentalität und die Geschichte der englischen Staatskunst zeigt in ihrem ganzen Verlaus diesen Charakter. Damit muß man rechnen, aber auch damit, daß England eine große islamitisch« Macht ist und daß sie die Einflüsse ihrer Schritte nicht bloß aus die Araber in Palästina, sondern aus die ganze islamitische Welt erwägt. Auch Herbert Samuel hat diesem Erfordernis Rechnung tragen müssen und nur aus diese Weise ist in Paläst i n a d e r F r i e d e n erhalten worden. Dies hat der Oberkommissär von Syrien, Herr de Jouvenel, anerkannt, der erklärte, daß die jüdische Kolonisation dazu beigetragen hat, das Land zu pazifizieren. Dieses friedliche Aufblühen ist wirklich der schönste Sieg des Zionismus. . Was die jüdische Einwanderung anbetrisft, so ist es richtig, daß die Regierung eine Einschränkung wünscht, aber nur in dem Sinne, daß di« Einwanderung die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes nicht überschreite. Aus der Erfahrung von vier Jahren kann ich sagen, 'daß es nicht richtig ist, von einer englischen Obstruktion gegen die Einwanderung zu sprechen. Daß die englische Ri'gierung sein prinzipiellen Schwierigkeiten macht, geht daraus hervor, haß zur Zeit der Prosperität im Vorjahre die englische Regierung genau soviel Zertifikate bewilligt hat, als wir angefordert haben. Leider aber blieb die ökonomische Lage nicht günstig. Es ergab sich auch, daß eine große Anzahl von Ein Wanderern, die in den letzten 18 Monaten gekommen waren nicht die Kr a s t hat t e, mit dem Lande zu verwachsen Es wird her Regierung auch her Vorwurf gemacht, daß sie die jüdischen Arbeiter nicht im angemessenen Ausmaß bei den öffentlichen Arbeite« beschäftigt. Nun sind aber die öffentlichen Arbeiten, der Van von Straßen usw., nicht derart dauernd, daß sie die Frage der Arbeitslosigkeit definitiv lösen könnten. Das kann nur durch landwirtschaftliche Besiedlung und durch Industrialisierung des Landes geschehen. Die erste Frage ist eine Frage von Geld, die zweite eine Frage von Menschen. Wenn die jüdischen Industriellen der ganzen Welt sich mit dieser Frage beschäftigen würden, so würde die zionistische Leitung die wertvollsten Anregungen erhalten und unsere Arbeit rascher »vorwärts kommen. (Lebhafter Beifall.) Dem Wunsche des Redners entsprechend, wurden uun aus der Mitte der Versammlung eine ganze Reihe von Fragen aufgeworfen, die Kolonel Kish teils in englischer teils in deutscher Sprache beantwortete. Die Fragen ergaben in isrer Zusammenstellung, noch mehr aber in ihrer Beantwortung ein übersichtliches B'ld von dem Arbeitskomplex der zionistischen Vertretung in Palästina. Kolonel Kish führte im einzelnen aus, daß eine endgültige Entscheidung der zionistischen Exekutive für das Projekt der Soskinfchen Kleinkolonisation >noch nicht erflossen sei. Für das Erzieh ungsbudget des Jischuw habe die englische Regierung 10.000 Pfund »eingestellt (von uns ber.oi.ts gemeldet. — Die Red.), doch hat« der Oberkomwissär erklärt, daß der Beitrag im nächsten Jahr aus der Basis einer neuen Kalkulation erhöht werden wird, wahrscheinlich, wie Kolonel Kish glaubt, attf 20.000 »Pfund. Auch die damit verbundene Frage des Aufsichtsrechtes der Regierung über das jüdische Schulwesen Werde zur Zufriedenheit gelöst werden, in der Weise, daß die Regierung wahrscheinlich cms 10 Vertreter der Schnlexekntive zwei jüdische Beamte als Regierungsvertreter ernennen wevde. .,»•>; ... Die Erleichterungen in der Staatsbürgerschaft werden jetzt in London behandelt. Ein Ergebnis liegt noch wicht vor, doch dürste die Ge b ü »h r von einem P fu n d, die tatsächlich für die Naturalisation unserer Arbeiterschaft hemmend wirkt, herabgesetzt werden. Bezüglich der Kolonisation im Ostjordanland liegen formelle Beschlüsse der letzten Zionistenkongrefse vor. Wir werden aber darn nur dann denken können, bis wir unsere Lage im Westjordanland gestärkt haben werden. Dann aber werden wir dort arbeiten, das hat die Exekutive der Regievung gesagt, wit haben es auch den Arabern gesagt und man versteht es, daß unsere Arbeit auch dort dem Frieden und der Wohlfahrt aller dienen wird. Bon der letzthin beschlossenen Anleihe für Palästina, gegen die im Parlament kein Wort laut geworden ist, werden 2,400.000 Pfund dem Staat als Mitzahlungen zufließrn, was unsere Position auch politisch gegenüber dem engliischen Steuertzühler verbessern wird. Eine Million soll für den Ha isaer 5 a s e n,. 200.000 Pfund wahrscheinlich zur Verbesserung des Hafens in Jaffa verwendet werden. Bezüglich des Restes nst noch nichts bestimmt. Es ist wichtig, daran zu denken, daß i>a§ H in t e rl and von Haifa, der Djeddro-Boden, bereits in jüdischen Händen ist. Bei der Frage der Staatsländereien ist zu berücksichtigen, daß die Vermessung des Landes noch nicht beendet ist und daß sich als Konsequenz der türkischen Wirtschaft besonders im Beiscmgebiet eine Reihe von Prozessen entwickelt hat, bei denen vielfach Strohmänner austreten. Die Aktion, die der Zionismus bezüglich der Staatsländereien in London» in Jerusalem und in Gens geführt hat, hat zu gewissen Resultaten geführt, die sich vielleicht schon bei dem nächsten Kongreß in positiver Form zeigen werden. Die Stellung der Ara be r zu uns hat sich seit einiger Zeit von Grund aus geändert. Sie haben ihren negativen Standpunkt aufgegeben und mau steht jetzt schon bei der Frage, auf welcher Basis man mit uns kooperieren könnte. Die Araber akzeptieren die vollzogene Tatsache. Ein maßgebender gegnerischer Araberführer hat mir gegenüber interessante Aeußerungen über dieses Thema gemacht. Er fragte mich, ob wir nicht, wenn wir die politische Klub radikaler Zionilten m % Heute Dien tief den 7, September «livnm « Uh* übend» findet Mi Rhibiofltate CtrteA FAtl«»hof,f* AiperaplAt*, eine VERSAMMLUNG «. Referent! Hr. Hahum Saigonsky au* TdkAwt» {Palästina) filtert JKOtOWALPOLIflK und MÄNÖA'mYSTBM." t)A «ftakflidFies Erscheinen wird gebeten. Von Klnbttttgliedern ein*etöhr)e, 1« flslerrelchl!*be« Landesretbende oeeanfiteHe ztUHtftten sind «f« d&ffe «’rtltleomtten, Macht besitzen, die Araber unterdrücken würden. Ich habe geantwortet, da ß w i r a us unserer Geschichte zu viel darüber wissen, was Unterdrückung b edeutet. Er hat nun geantwortet: „Sie sollten nicht Aur in Palästina, sondern auch ttf Transjordanien und Syrien arbeiten und an der Entwicklung des arabischen Landes Mithelfer*, aber dort nicht im Besitze der politischen Macht, sodatz wib Sie unterdrücken könnten, wenn Sie uns in Palästina unterdrücken." Sie sehen, schloß Kolonel Kish unter stürmischem Beifall der Versammlung, aus diesem merkwürdigen Gedankengang, daß wir doch weiter gekommen sind und daß wir viel mehr vor uns sehen, als das heutige Palästina. Mit warmen Dankeswortcn an den Redner schloß der Vorsitzende, Dr. F r i e d m a n n, in vorgerückter Stunde die Versammlung. Wie wir erfahren, wird das Zionisti-sche Landeskomitee nwrgen nachmittags, um 4 Uhr, für die Vertreter der Wiener Presse und für die auswärtigen Korrespondenten einen Empfang im Hotel Imperial veranstalten, bei welchem Kolonel Kish über die Lage in Palästina Anfklärnngen geben wivd. __ Sie Mische Frage in Griechenland. Die Wahlrechts beschränkungen der Inden werden aufgehoben. K. Athen, 6. September. General K o n d y l i s hat den ehemaligen Abgeordneten Saies empfangen und ihm versichert, daß er bemüht sein wevde, die jüdische Frage in Griechenland in günstigem Sinne zu lösen. Unter anderem sollen die Beschränkungen des Wahlrechtes der Juden bei den nächsten Pavlmnentswahlen aufgehoben werden, so daß es den Juden möglich sein werde, eine größere Anzahl von Abgeordneten in die gesetzgebenden Körperschaften zu entsenden. (Ueber den wirtschaftlichen Antisemitismus, der unter Patronanz der Behörden in den Handelsstädten Griechenlands, vor ollem in Saloniki betrieben wird, hat sich General Kondykis gründlich ausgeschwiegen. — Die Red.)_ Sie poinisch-rumiinische RMKekonventio». Ein Dementi der rumänischen und polnischen Völkerbund» delegation. Genf, 6. September. Die rumänische und polnische Delegation beim Völkerbund veröffentlicht ein Dementi der von „New-Dovk American" gebrachten Meldung von der Unterzeichnung einer Militärkonvention zwischen Polen und Rumänien, die besonders für den Fall eines Konfliktes mit Deutschland oder Rußland abgeschlossen worden sein soll. Die Mitteilung des Nsw-2)orker Blattes wird von der rumänischen Delegation als Phantasieg eb i lde bezeichnet. _ Wozu ein Mnalmordmönhe« f&fct. An «mttjkdifcher Exzeß in Dobrzyu. L. Warschau, 6. September. In der Nähe des jüdischen Friedhofes des kleinen Posener Städtchens Dobrzyn wurde vor einigen Tagen die Leiche eines Zigeunerkindes ge« unden. Diese wurde von antifemitilschen Hetzern und ihrer Presse zu Gerüchten von einem Ritualmord auSgeboutet, die in der Ortsbevölkerung große Erregung hervorriesen. Es kam zu A u schreitungen gegen die jüdischen Bewohner, in deren Verlauf inige Juden verletzt wurden. Die Polizei schritt ein und teilte »die Ruhe wieder her. Bei dieser Gelegenheit wurde merkwürdigerweise auch ein überfallener jüdischer Bürger »des Ortes, namens Flußberg, verhaftet, jedoch sofort nach Eintreffen der behördlichen Un tersuchungskommi ffion f r e i g e l a f f e n. Die Erhebungen bezüglich der Leiche des Zigeunevkindes ergaben seDstverstündlich die vollständige Haltlosigkeit der R i tua l m o rd g er ü ch te; das Zigeunevkind war von den Zigeunern selbst mißhandelt und getötet worden, weil es Banknoten im Werte von 300 Zloty zerrissen hatte. Aus Furcht vor Strafe verbreiteten die Zigeuner das Gerücht, das Kind sei von den Inden getötet worden. Dieser Tatbestand wurde von einer hcck'boffiziellen Privatagentnr, der Ostagenoe, in recht sonderbarer Weise weitergcgeben, indem diese Agentur die Nachricht ansgab, die Behörden .führten eine strenge R i t u a l m o r d u n t e r« n ch u n g. Ihrem Korrespondenten, der im JustiMinistevium nur Aufklärung,über diese Nachricht ersuchte, wurde vom Juftizizeminisrer mitgeteilt, daß von einer Ritualmorduntersnchung selbstverständlich keine Rede sei. Da das Lomnmnique der erwähnten Agentur keinen offiziellen Charakter trage, so könne sie leider hiefüc nicht zur Verantwortung gezogen werden. Ms l\mm BtzHim .veranstaltet zu llllillllllllllllllllllllllllllllllllf DV1 iwn WKi Feierliche Gottesdienste mit Chor tm neurenovierten Zentral-Kino, 2. Bezirk, Taborstraße 8a Der bekannte vorzügliche Oberkantor A. Margullea fungiert als Vor» beter / Karten sind bei der Kassa des ZentraNKlnos, 2. Bezirk, Taborstraße 8 a, tm Warenhaus Brüder Sclitffmann, 2. Bezirk, Tabor« straße 48, Josef Singer,'2. Bezirk. Tqborstraße 25, Bücherstube Rath 2. Bezlrk. Taborstraße 20a, und bei der Zionistischen Bezfafrs«ft|r%?fy 744438 484853235348482348

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