Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1926-09-07 · Heft 2709 (7.9.1926) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2709 (7.9.1926)
Date
1926-09-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2979076-2981549-2981796--27513-3015458
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wien /.um Abholen in der Expedition, 1L Taborstr. l-S, öder ln elnerverschleisstefle 'Trafik) monatl. b Schilling Strassenverkaut in Wien durch die Kolporteure der Firma Golds eh mied,!., Woitzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Ischecho*Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din.6Ö. Polen:Mon. 6 Zloty. Deutschland: Mon. Qm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Fres. 35 Nachzahlungen bei freiie ' R t> « n * t> <rorhtKa1lm Wiener omemenung i preis MTI England: Mon.4LChiMn- Italien: Monatl. 20 Lire Rumänien: Mon. 170Lei Bul gari en? Mon.IOOLewt. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien.II.Taborjtr.l tetephone: 44*0-38,43-3*19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25*2*82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postspaikassen - Konto 150.69 Nr. 2709 Wien, Dienstag, 7, sevteuwer 1926 8. Jahrgang Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen find durch ein vorangeletztes E gekennzeichnet. Die siebente BStterbundversammlung eröffnet. Ae Begrüßungsrede Benesch'. — Sr. Rinrir zum Prüsidenten gewühlt. M. MariahilferstrasseSdl v j. Rotenturmstrasse If' Masardk über tschechische Fragen. Die Deutschen. — Die Faszisten. — Gajda. — Die Präsidentenwahl. Prag, 6. September. Aus seinem slowakischen Sommersitz Tapolesany empfing der Präsideyt der Republik, M a s a r y k, einen Berichterstatter des „Prager Tagblattes", zu dem er sich über die wichtigsten politischen Ereignisse äußerte. Der Präsident sagte unter anderem: die Deutschen haben nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, an der Regierung teilzunehmen. Ueber die Affäre Gajda gab der Präsident interessante Aufklärungen, die andeuten, daß der Höhepunkt der Affäre noch nicht erreicht sei. Gajda habe selbst durch ein unwahres und illoyales Interview das erste Signal zur Pressehetze gegeben. Bei der ganzen Affäre handle es sich heute nicht mehr um Gajda, sondern um seine Beschützer und Anhänger. Die bevorstehende definitive Austragung der Sache werde ihnen allerdings eine etwas derbe Dektion geben. Die Regierung sei im Besitze entscheidender russischer Dokumente. Ueber die faszistische Bewegung sagte der Präsident, die Faszisten seien an und für sich nicht sehr bedeutend. Der Faszismus sei eine anonyme Gesellschaft mit beschränkter Haftung zur Fabrizierung politischer Märchen und Räubergeschichten. Der Faszismus sei nur eine Niedergangserscheinung des nationalen Liberalismus und ein Gradmesser der politischen Desorientierung der Bourgeoisie. Ueber die im Frühjahr ftattfindende Neuwahl des Präsidenten sagte Masaryk: Diese Wahl ist nicht meine Sache, sondern Sache der Nation und der Republik. Sie beunruhigt mich persönlich nicht im geringsten. Wie glücklich wäre ich, wenn ich der Republik und der Demokratie als treuer Journalist dienen und meine politischen Erfahrungen journalistisch verwerten könnte. Genf, 6. September. Heute vormittags fand die erste Sitzung der siebenten Vollversammlung des Völkerbundes statt. Laut dem Bericht der Verifikationskommission, der von deren Präsidenten Agnera (Kuba) erstattet wurde, sind folgende sieben Staaten nicht vertreten: Argentinien, Bolivien, Brasilien, .iCostariea, Honduras, Peru und Spanien. Die anderen Mitgliedstaaten des Völkerbundes haben bevollmächtigte Vertreter entsendet. O e st e rreich ist durch Mensdorff vertreten. Die Sitzung wurde durch die feierliche Ansprache des Präsidenten des Völkerbundrates, des tschechoslowakischen Außenministers Dr. Benesch, eröffnet, die mit großem Beifall ausgenommen wurde. Dr Benesch wies in seiner Rede u. a. auf die Vorbereitung der internationalen Wirtschaftskonferenz hin, deren vielfältige Aufgaben und deren Wichtigkeit er betonte. Sehr ausführlich behandelte Dr. Benesch das österreichische Problem und sagte, die gründliche Enquete, die voriges Jahr in Oesterreich von den zwei hervorragendsten wirtschaftlichen Sachverständigen Layton und Rist im Aufträge des Völkerbundrates durchgeführt wurde, habe bewiesen, daß die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen Oesterreich, wie so viele andere Länder, zu kämpfen haben, die finanzielle und die valutarische Sanierung nicht bedrohen. Dr. Benesch dankte auch dem früheren Generalkommissär Dr Zimmerman - für seine Tätigkeit -in- Oesterreich. . - - -> - - - ' Weiter wies Dr. Benesch auf die Schwierigkeiten hin, die bezüglich der A u f nah m e Deutschlands i n d e n Völkerbund von der Reorganisationskommission zu überwinden waren. Im allgemeinen wolle er keine Triumphfanfaren anstimmen und nicht die Schwierigkeiten verschleiern, durch die man gegangen sei und durch die Schwierigkeiten, durch die man noch gehen mutz. Jedenfalls sei Anlaß zum Optimismus vorhanden. Er würde es bedauern, wenn einige Staaten, die dem Völkerbund teuer seien, a u s s ch e i d e n wollten. Er habe aber nicht die Hoffnung verloren, daß sich dieser Verlust werde vermeiden lassen. Er appelliere an die beiden wichtigen Staaten, die dem Völkerbundrat sechs Jahre angehört haben, nicht einen Teil der Verantwortung, die ihnen zukomme, aufzugeben. Am Schluß seiner Rede gab Dr. Benesch eine Ueber- Ae Milttärrevolte in Svanie«. Offiziell Ruhe. B. Paris, 6. September. Wie aus Madrid offiziell (für andere Nachrichten ist der Draht gesperrt) gemeldet wird, ist die Revolte der Artillerieoffiziere in Madrid und anderen Städten ohne Gewaltmaßnahmen unterdrückt worden. Diese offizielle Meldung erfährt durch eine zweite eine gewisse Einschränkung: Primo de Riv e ra hat nämlich Pressevertretern erklärt, daß es in P a m p l o u a bei der Aufforderung an das dortige Artillerieregiment, sich zu unterwerfen, zu einem G o f e ch t gekommen sei, in dessen Verlauf ein Leutnant und ein Soldat getötet und zwei Soldaten verwundet tvuvden. Die Unruhen sind von S e g o v i a ausgegangen, wo nach den offiziellen Mitteilungen die Ruhe ebenfalls wieder hergestellt ist. So belanglos wie es dargestellt wird, ist die Revolte nicht, zumal die offiziellen Mitteilungen selbst darauf Hinweisen, daß sämtliche M u n i t i o n s f a b r i k e n u n d Arsenale unter vollständig neue Leitung gestellt, alle U rlaube widerrufen und die Mikitärurlauber zurückbeordert wurden. Primo de Rivera hat vom König weitgehende Vollmachten zur Stützung seiner Regierung erlangt, die. er naturgemäß entsprechend ansnützt. Für wie lange die Gewaltmaßregel des Belagerungszustandes ausreichen wird, bleibt abzuwarten. Die Unruhen dauern fort. London, 6. September, Nach den Meldungen, die aus Gibraltar und den spanischen Hafenstädten in London in preis, Qualität und Auswahl I wi-iimr' Italic. sicht über das Werk des Völkerbundes seit seiner letzten offiziellen Versammlung und wies aus die große Bedeudung der Abkommen von Locarno für die Schaffung friedlicher Verhältnisse in Europa hin. Bei der hierauf folgenden Präsidentenwahl wurden 48 Stimmzettel abgegeben, von denen 42 auf den südslawischen Außenminister Dr. Nincic lauteten. Damit ist Dr. Nincic zum Präsidenten der siebenten Völkerbundversammlung gewählt. Dr. Nincic bestieg unter lebhaftem Beifall der Versammlung die Tribüne und erklärte, daß er die Wahl annehme. In seiner Antrittsrede, die starke Beachtung fand, führte er u. a. aus: Mit besonderem Stolz erfüllt es mich, dieser Session, die in der Geschichte fortleben wird, präsidieren zu können. Trotz aller Schwierigkeiten, die der Völkerbund durchmacht, wird er aus dieser Tagung stärker als je hervorgehen. Die bevorstehende Anwesenheit eines ganzen Volkes mehr unter uns, muß uns mit großem Vertrauen erfüllen. Ein neuer Gast wird unser Haus betreten. Wenn wir ihm morgen den Willkommengvuß entbieten werden, werden wir in uns die Ueberzeugung haben, daß alle unsere Freunde, welche an diesem großen Tag fehlen werden, bald zu uns zurückkehren. Für jene Völker, die uns noch beobachtend und zweifelnd gegenüberstehen, wird es kein überzeugenderes Beispiel und keinen eindringlicheren Appell geben, sich un8 bei unserem Werk des Friedens anzuschließen. Wenn wir den Frieden entschlossen aufrechterhalten wollen, müssen wir unsere Ueberzeugung laut verkünden, daß er fortan unerschütterlich ist. Nach der Ansprache des neugewählten Präsidenten Dr. Nincic genehmigte die Bölkerbundversammlung die 92 Punkte umfassende Tagesordnung, wobei der Präsident auch die Entschließung des Völkerbundrates über seine Umbildung vo»rlas. Nach Verteilung der einzelnen Gegenstände der Tagesordnung an die sechs Kommissionen des Völkerbundes, die morgen vormittags in nichtöffent lichen Sitzungen ihre Präsidenten wählen werden, vertagte sich die Versammlung auf Dienstag, 6 Uhr. eintreffen, hat es nicht den Anschein, als ob die Lge in Spanien überall so ruhig wäre, wie die Regievungscommuniques behaupten. In Barcelona haben sich die Artillerieoffiziere geweigert, sich zu unterwerfen, worauf die Kasernen umzingelt und Geischütze aufgefahren wurden. In der Nähe von Cadix hat ein Kavallerieregiment gemeutert. Unruhen iverden auch aus Valladolid gemeldet. Aus Spanien eintrsffende Reisende erklären, daß sich das Hauptzentrum der Opposition gegen das Direktorium in Bilbao befindet. Die der -Regierung ergebenen Truppen halten die Straßen von Madrid besetzt. Man rechnet mit der Möglichkeit eines Staatsstreichs der unzufriedenen Elemente der Armee. Der Pesetakurs ist in London stark gefallen. Sin neuer Generalftabsches ln Polen. L. Warschau, 6. September. Wie an informierter Stelle verlautet, soll auf dem .wichtigen Posten des General* stabschess demnächst eine Veränderung stattfinden. Der bisherige Genera Mösches Pi stör soll zu rück treten und durch den MiMrkommandanten von Dhorn, Berbecki, ersetzt werden. Brr private Lollarlur» ln Pole«. L. Warschau, 6. September. Der Dollar notierte heute int vrivaten Verkebr in W a r ' ck a u 8.98. in Krakau 8.98 l Telephon 474*79,49*408 Ea detail j I ■!: ■?!- < i I 604

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.