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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-05 · Heft 2707 (5.9.1926) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2707 (5.9.1926)
Date
1926-09-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Mt« Mt«. JimiilSz Wiener Morgen,eit««- 8.e«»tairt« im Ar. SM i=iiii=iiii=iiii=ini=mi=iiii=!iii=nii=iB>=ii« üMIIlMUWM Nus drr jüdischen Welt W zUlSIU^l^i^IMIWIWIWIWUW^ Synagogen ln Palästina. Die Synagogen in Palästina tragen einen ganz besonderen Lharatter. Die Urform der Mischen Synagoge, die als das Prototyp für alle späteren zivilisierten .Kulkstätten gilt, ist in Ere; Israel zu finden. Bon den ältesten Synagogen, die vor der Zerstörung des zweiten Tempels und unmittelbar danach erbaut inlrden, sind jedoch mn wenige Spuren, da und dort auch einige Ruinen >ts halten geblielben, mit deren Erforschung und Aufhellung sich gerade in Wngjster Zeit die Archäologen in anerkennenswertem Matze befassen. Diese Ueberreste alter Synagogen in Palästina werden von den breiten Mischen und vielfach auch nichtjüdischen Massen als heilig verehrt und bildeten das Ziel langer Pilgerfahrten. An hohen Festtagen oder an Tagen, die der volkshistorischen Erinnerung geweiht sind, wallen tmrsende Juden aus Jerusalem und anderen Orten Palästinas zur K l a g e m a u e r. Bei anderen Anlässen wieder sicht man tausende Juden in Meron bei Safcd versammelt oder kann den großen Pilgerzug zur Höhle des Propheten Elija hu am Karmclberg beobachten. Die Höhle Machpelah in Hebron, die Familiengrabstätte des Erzvaters Abraham und das auf dem Wege zwischen Jerusalem und Bethlehem befindliche Grab Rachels stehen m so hohen: Ansehen bei der gläubigen jüdischen Masse, daß ihnen sogar eine übernatürliche Heilkraft im Falle schwerer Erkrankt ng zngeschrieben wird. In den letzten Jahrhunderten wurden in Palästina wenige Synagogen gebaut. Die älteste ist di« nach Rabbi Jochanan ben Sakikai benannte Synagoge, die von spanischen Flüchtlingen vor etwa 400 Jahren errichtet wurde. Es fft ein alter orientalischer Bau, der mit seiner malerischen Inneneinrichtung bereits die Aufmerksamkeit großer Künstler auf sich gezogen hat. Die große Synagoge von T e l - A w i w ist eine Welt für sich. Errichtet auf dem Boden des Nationalfonds, bildet sie das architektonische Symbol der Renaissance dieser jungen, neuen, Mischen Stadt. Die Bewohner von Tel-Awiw und auch ausländische Besucher haben bedeutende Summen zu den Baukosten beigetragen, aber sonderbarerweise konnte der Bau dieses Wahrzeichens von Tel-Awiw bis auf den heutigen Tag nicht vollendet werden. Inzwischen sind in Tel-Awiw mehrere Bezirkssynagogen erbau: und ihren Zwecken übergeben worden. Auch sonst hat sich die Scheidung nach Synagogen verschiedener Riten. nach der großen Mischen Stadt verpflanzt, aber die große Synagoge ist vorläufig unvollendet. Besonderes Interesse erweckt die Synagoge in der landwirtschaftlichen Kolonie Kfar Chittin. Zwanzig Jahre lang hat deyiNÄionalfon^?. den Kampf für die Erlangung dieses Bodenstriches an: Fuße der Gebirgskette geführt, bis es endlich gelang, Besitz davon zu «.'greisen, aus diesem Boden die entzückenden Häuschen der Kolonisten anfznrichter: und in ihrer Mitte die Synagoge erstcher: zu lassen. Das ist nicht die Synagoge der Städter, sondern jüdischer Bauern, die von Sonnenaufgang bis in den späten Abend mit schwerer Arbeit den: noch vor wenigen Jahren öden Boden die lebrnsechaltende Frucht abgewinnen. Bevor sie an die Arbeit gehen, trenn der Morgen dämmert, und am Abend nach getaner Arbeit, versammeln sich die Kolonisten in dieser Synagoge, um nicht nur zu beten, sondern auch den: Studium des jüdischen Schrifttums zu obliegen. Tie Jenreniten haben chre eigene Synagoge, die sie „Schdwath Zion" (Rückkehr nach Zion) benannten. Die Kolonie der Jemeniten befindet sich gleichfalls auf dem Boden des Nativnalfonds, der ihnen auch die Synagoge errichtete.' Aus schweren Gäluthlklben sind die jemenitischen Inden zu dem Boden der Väter znrückgokchrt, wo sie, ohne ihre alte Tradition anfzngeben, auch vom Bcdsn leben. Besondere Erwähnung verdient die romantisch gelegene Synagoge von Rechobolh, die vor etwa Zwanzig Jahren aus einen: inalerischen Hügel zwischen Gärten und Weinpflanzungen erbau: wurde und seither von den Kolonisten der Umgebung, deren Zahl in der letzten Zeit stark angcwachsen ist, besucht wird. Medizinalrat Dr. I. L. Braun. Der auch in der jüdischen Fürsorgebewegung verdienstlich wirkende Leopoldstädter Arzt Dr. Jstdor Ludwig Braun Wurde zum Medtzrualrat ernannt. Ernst Marcus 70 Jahre alt. In diesen Tagen begeht in Berlin der bekannte Philosoph und Kant-Forscher, Geheimrat Ernst Marcus,/seinen 70. Geburtstag. Ernst Marcus veröffentlichte eine Reihe Schriften, die ihm den ersten deutschen Philosophen ebenbürtig -an die Seite stellen. Zu nennen '• sind: „Das Problem der exzentrischen Empfindung und seine Lösung" (Berlin, 1918), „Das Erkenntnisproolem" (Berlin, 1919), „Aus den Tiefen der Erkenntnis" und schließlich „Kants Weltgebäude" (zweite Auflage, München, 1920) sowie eine ganze Reihe Schriften, die der Erklärung und der Ergänzung Kants gewidmet sind. Offiziere als antisemitische Exzedenten. Aus Riga wird gemeldet: Wegen eines Uebevfalles antisemitischer Radaubrüder, unter denen sich auch lettländische Offiziere befanden, hat die Zeitung „Sozialdemokrat" einen scharfen Artikel veröffentlicht, in dem behauptet wurde, daß an der Spitze der Offiziere ein Leutnant B a l o d gestanden se.i. Der Qffiziersverband fühlte sich dadurch beleidigt und hat diese Meldung :n der gesamten Presse dementiert. Der „Sozialdemokrat" hat dieses Dement: abgedruckt, seine Feststellung aber nicht widerrufen. Daraufhin erschienen zwei Offiziere in der Privatwohnung des Redakteurs des „Sozialdemokrat", Ernst E l i a s, und forderten von ihm, daß er sich in der Zeitung entschuldige. Dabei wurde ihm ein Termin für diese Entschuldigung gesetzt und ihm für den Fall der Weigerung mit scharfem Borgehen gedroht. Die führenden sozialdemokratischen Abgeordneten haben sich deshalb m:t dem Kriegsministe.r in Verbindung gesetzt ^nd die Maßregelung beider Offiziere verlangt. Letzte Sportnachrichten. Schwimme«. Vier neue Rekoeds beim gestrigen Meeting. Ter erste Tag des Schwimmfestes des Verbandes der österreichischen Schwimmvrreine der gestern im Amalienbade abgehalten wurde, war ein voller Erfolg. Bei glänzender Abwicklung mW gutem Besuche Wurden vier neue Rekords geschaffen. Die Ergebnisse waren: D a nr e n - R ü ck e n - S ch w i m m en 100 Meter (Meisterschaft): 1. Konetzny (Danubia) 1:98,6, 2. Breitegger. Turmspringen für Herren: 1. Saud:nger, 2. Stadelmeyer, 8. Billig (Hakoah). Herren-Freistil-Stasfel 4 mal 200 Meter (Meisterschaft): 1. W. A. S. K. 11:01,4, Rekord, 2. Hakoah. I ü n g l i n g s - B r u st - S ch w i m m e n 200 Meter: 1. Loderer (1. W. A. S. K.) 3:23. Damen-Freistil 100 Meter (Meisterschaft): 1. Fritz: Löw^y (Hakoah) 1:20, Rekord, 2. Pari« (W. A. S.). Jünglings-Freistil 100 Meter: 1. Riedl (1. W. A. S. K.) 6:26. Herren-Lagen-Staffel 3 mal 100 Meter (Meisterschaft): 1. Vienna 8:51,3, Rekord. Damen-Lagen-Stafsel. 3 mcr 100 Meter (Meisterschaf:): 1. Hakoah (Bienenfeld, Bratmann, Löwy) 4:39,2, Rekord, 2. Danubia, 3. W. A. C. Das Wasserballspiel zweier kombinierter Teams des Verbandes gewann die Ä-Mannschaft 5:4 (3:3). 3um Abschied beschert uns der scheidende Sommer eine ganze Reihe herrlich schöner Sommersonnentage . . . wie einst im Mai. Es rst, als ob er uns für das trübe Dauevwetter der letzten Monate entschädigen wollte. Und doch gemahnt schon eine oft recht empfindliche Morgen- und Abendkühle daran, daß der Sommer bald, zur Rüste geht und Herbst und Winter nicht mehr ferne sind. Dje letzten schönen Tage verlocken zu einem Spaziergang. Sehen wir uns dabei zur Orientierung d:e Kaufläden der Taborstraße an, da wir ja bald für die kühle Jahreszeit einkaufen müssen. Vor allem werden uns da die mit wahrhaft künstlerischem Geschmack arrangierten Schaufenster des dominierenden Leopoldstädter Warenhauses B r ü d er Schiffmann, 2. Bez., Taborstvaße 48, angenehm ins Auge fallen. Wir gewinnen bei deren Ansicht einen erschöpfenden Ueberblick über die herrschende Made in Bekleidungs-artikeln jeder Ärt für die Dame und den Herrn, und müssen über die herrlichen Modsdessins und die wunderbaren Farbenharmomen der Stoffe ebenso staunen, wie über die auffallend billigen Preise. Brüder Schiffmann, als verläßlichste ■ und billigste Einkaufsquelle allgemein bestens bekannt, übertreffen sich selbst. 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