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Wiener Morgenzeitung · 1926-09-04 · Heft 2706 (4.9.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2706 (4.9.1926)
Date
1926-09-04
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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TeM 4 Dien, Samstag Wiener MorgenzeUun^ 4. September 1926 Nr. 27O Ein guterRat! Nur durch zweckmässlfte Reklame gewinnen Sic neue Kunden! erhöhen Sie den Unuatz Ihres Betriebe»! a Die zahlreichen Leser der „Wiener Morgen-Zeitung rekrutieren sich hauptsächlich aus den kaufkräftigen bestsituierten Ständen des konsumierenden Publikums, die Sie suchen (brauchen) Inserieren Sie in der „Wiener Morgen-Zeitung", namentlich in der am Donnerstag, 9. September 1926 anläßlich des jüdischen Neujahrtestes in bedeutend verstärkter Auflage zugleich auch als Propagandanummer erscheinenden Fest-Ausgabe Diese Nummer liegt 2 Tuge auf l * Anzeigenannahme in der Administration, 2. Bezirk, Taborstiafle 1 (Tclephöfl 44-0^38, 43^16) ' sowie bei alle« irt lind ausländischen Annoncen-»Expeditionen Auf Wunsch Unverbindlicher Vertreterbesuch! Politischer und wirtschaftlicher SortschM des Zionismus. Ner Kongreh der teilenden Kausteute. Die Reise eines Mnstertofsers um Re Äelt löstet fö.OÖÖ Franken. Gestern wurde über den internationalen Zusammenschluß aller Organisationen reisender Kaufleute beraten. Die Hauptfrage war, ob die in Paris gegründete Federation Internationale durch Anschluß aller anderen Vereine zu der allgemeinen Organisation sämtlicher reisender Kausleute Europas ausgestaltet werden solle. Schließlich wurde eine R e s o l u t i n angeommen, in der der Kongreß beschließt, den Zusammenschluß vorläufig durchHuführen und ihn als definitiv nach Durchführung der gewünschten Statutenänderungen zu erklären. Dann hielt der bayrische Delegierte, Eisenbahnrat Oschatz, ein Referat über die Erlangung von V e r k e h r s b e g ü n st i g n n g e n für reisende Kaufleute, insbesondere auch über die Transportbegünstigungen für M u st e r k o s f i r. Die Begünstigungen sind fast in jedem Staat andere. Der Redner führte aus, daß die Begünstigungen im Wege der Gegenseitigkeit auch ausländischen .Reisenden zu gänzlich gemacht werden sollen. Der Referent bemerkt in bezug auf die Gewährung von Rabatten bei der Ausgabe von Fahrkarten, düß die reisenden K ä u f l e u t e gegenwärtig in dieser Hinsicht hinter AusflüglerN und Touristen zurückstehen. Namens des Vereines in Wien referierte Doktor T a u s s i g über die Erleichterungen der P ä ßllttö V i s a v o r s ch r i f t e n, welche die internationale Organisation airstreben wird. Das ideale Ziel sei die restlose Beseitigung von Paß und Visum. Zu erwägen sei die Ersetzung beider durch die Legitimationskarte des Verussreisettdeu. Vorgeschlagen werden für den Paß zunächst die Verlängerung der Geltungsdauer, und die Herabsetzung der Gebühren, für das Visum Abschluß internationaler Vertrage. Die Anträge werden angenommen und dem Plenum empfohlen. Dr. Taussig sprach dann auch über die die Freizügigkeit des Reisenden. In einer kurzen Debatte wird insbesondere auf die Belastung der reisenden Kaufleute Mit Fremdensteuern, Aufenthaltsgebühren, An- und Abmeldegebühren u. dgl. Hingewiesen. Die französischen Delegierten verlangen einen „Mustevpaß für Kollektionen". IN einer Zusammenstellung haben sie festgestellt, daß eine „Reise u m d.i e W e l t" für einen M u st e r k o s s e r aus 79.009 Franken zu stehen kowmt. In einer besonderen Versammlung würden den seit seiner vor 40 Jahren erfolgten Gründung dam Wiener Vereint üngehörenden Mitgliedern des Vereines große Ehrungen zuteil. Es sind 67 Herren, von denen die meisten in Wien tvöhNen. Dem Verein selbst sind anläßlich seines Jubiläums eine Reihe wertvoller und künstlerisch ausgestatteter Ehrengeschenke zngekommen. Die Beratungen werden heute fortgesetzt. Morgen vormittags findet eine Begrüßung det Teilnehmer Im Rathaus statt. Das Zionistische SaiMeskoMttae für Oesterreich eröffnet« seine Tätigkeit nach dett SsMmekfttien mit einem Vortrag des Obörrabbitters Pkof. Dr. LH. P. Ehajes über die wirtschaftliche und politische Lage im Zionismus. In seiner einleitenden? wies der Präsident -er österreichischen zioni stischen Orgü. .non Dr Desider Friedmann aus die Wichtig keit Ser Beschlüsse der jüngsten Lsndoner La gnng des Zionistischen Aktionskomitees hin. Der diesmaligen Sitzung des Aktionskomitees komme um so größere Wichtigkeit zu, als sie die Richtlinien bis znM nächsten Zioni st enköngreh festzulegen halte. Das zionistische Zenttalprovlem bestünde in der richtigen Antwort aus die Frage, welche Anstalten zu treffen sind, um eine möglichst große Zahl dazu befähigter Menschen nach Erez Israel ZU bringen. Die gesamte zionistische Arbeit müsse darauf emge stellt sein, diesem Problem gerecht zu werden. Dem bevorstehenden ordentlichen Delegiertentag der österreichischen Zionisten obliege die Aufgabe, in seinem Wirkungskreise die jüngsten Beschlüsse des Zionistischen Aktionskomitees durchzusühren. Stürmisch begrüßt, ergriff sodann Lberrabbiner Prof. Dt. Chüjes das Wort. Einleitend betonte er, daß et Nicht beabsichtige, ainött Bericht über die Londoner Zionistische ÄkttonskomiteesttzUNg zu erstatten. Die Ergebnisse derselben seien ja bereits publiziert worden. Ec wolle überhaupt kein „Referat" halten, sondern sich darüber anssprechen, wie er die wirtschaftliche Lage in Palästina und die allgemeine politische Lage im Zionismus beurteile. Seit dem Weltkrieg wisse man, daß nichts schwieriger und gefährlicher sei, als Geschichte zu dozieren. Wenn es Möglich war, dem großen deutschen Volke vier Jahre hindurch das Ergebnis der Schlacht an dar Marne zu verheimlichen, se es auch für den Gewissenhaftesten, Einsichtigsten unmöglich, die historischen Tatsachen der Weltgeschichte zu erkennen. Um schwieriger sei ein objektives Urteil über den Stand der Juden frage. Gleich begabte, gleich verantwortungs volle, gleich scharfsehende Menschen sehen die Tatsachen grundverschieden, deshalb lege er Wert darauf, vorauszuschicken, daß er nNr seine persönliche Meinung knndgebe. Prof. Chajes führte sodann im wesent lichen folgendes aus: Als im Bsrjshrs die Einwaudererzahl auf 33.000 Seelen stieg, also das Ruppinsche Maximum (30.000 Einwanderer im Jahre) sogar überschritten würde, herrschte große Freude Aber es war eine „Freud« Mit Zittern," weil Man — wie sich jetzt zeigt Mit Recht — besorgte, dh cs auch gesuttd ist, Wenn eine große Zähl von Einwanderern ohne vollkommene zionistische Kontröllle, also Rich tzertifiküiisten, ins Länd kommen. Es ist Nicht zu leugnen, daß gegenwärtig in Pa lästina, insbesondere in Tel-Awiw, eine Krise besteht. Schuld an ihr tragen insbesondere die Verhältnisse außerhalb Palästinas. Die Katastrophe, von welcher die aus Polen ohne zionistische Initiative und Kontrolle zugewanderten Unternehmer, lento und Gewerbetreibende und in Auswirkung der Krise, dann aüch die Zertifikatisten betroffen wurden, ist zum großen Teil auf die finanziellen Verhältnisse in Polen znrückzusühren. Matt habe erkannt, düß auch außerhalb Palästinas wirkende Faktoren entscheidend sind und wir müssen dafür dankbar sein, daß uns diese Belehrtmg fv rasch erteilt wurde. Es sind jetzt sin Lande Erwerbslose Und Arbeitslose. Dis letzteren, zionistisch Erzogenen, bleiben trotz Schwierigkeiten und persönlichen Opfern säst ausschließlich im Lande. Freilich hätte sich die Arbeitslosigkeit zum großen Teile beseitigen lassen, wenn Wir über die Mittel für Notstandsarbeiten verfügt hätten uüd den betroffenen MtttelständlerU hatten Kredite gewähren köNnsii. Wenn die Beschlüsse der Londoner AktioNsküMiteesttztlNg, ein« Jndustriebünk zu gründen und die Hypothekenbank zu neuem Leben zu erwecken, eyeMögllchsl durchgsführt werden, dann wird eine - große Erleichterung eintreten. Hingegen sei die Frage der Anleihe, die eine jüdische Anleihe sein Müsse, noch nicht ' ttif, deNn dte von England bewilligte PälästiNaanlethe von 4,ä Millionen Pfund sei dem gegenwärtigen politischen Staate Palästina gewährt worden und man könne nicht damit rechnen, däß stein besondereÄiMaßedernJischttW unter die. Arme greifen Werde. Immerhin sei Nicht zu unterschätzen, däß sich sofort mit dem Beginn des Häfenbaues der jüdische Handel iU Palästina beleben werde. Große Hoffnungen setzt Chajes ans dis ReälWkUtlg der RütheNöergscheN Konzession, Nämlich der großen Konttn Vortrag Bes Lberrabblne» Sr. «hole». säst sich«, daß zsssioN, welche sich aus , die Elektrifizierung des ganzen Landes bezieht. Diese Konzession würde verfallen, Wenn ihre AusUützNlrg nicht zeitgemäß beginnt. Der außerordentlichen Tatkraft Rüthens bergs sei es gelungen, den größten Teil des hierzu erforderlichen Betriebskapitals bereits anszuöringen und es sei Rntyrnberg i« Artlhjahtt das groß« Vor! fe» ginnen könne, welches eine sehr große Zahl von Menschen in Arbeit mck Erwerb setzen werde. Ferner seien die Pläne betreffend die Ausbeutung des Loten Meeres für die wirtschaftliche Hebung des Jtschuw von nicht zu unter» schätzender Bedeutung Und der Begintt dieses Unternehmens sei in greifbare Nähe gerückr- Was die politische Situation betrifft, Mt Prof Chajes fest, daß seines Erachtens keine Verschlechterung, sonder« ein« Besserung der pokitifche« Läge des Zionismus zu verzeichnen sei, und zwar aus dem wichtigen Grunde, daß eine erfreu liche Minderung der Hindern iss« in der Ueberwindung der Schwierigkeiten eingetrsien sei, welche Unserer Aufbauarbeit entgegenstehen. Der wichtigste Fortschritt in dieser Richtung ist, daß Frankreich fein Verhalten zum politischen Zionismus vorteilhaft verändert hat. Joüvenel, der gegenwärtige Oberkommissär von Syrien, hat vor wenigen Jahren, als er noch Chefredakteur des „MatiN" war, dem Zionismus gegenüber eine unsrenndliche Haltung eingenommen. Als er vor eintgen Monaten von Shvisn aus Palästina besuchte und die Erfolge jüdischer Arbeit sah, war er vom jüdischen Ansbauwerke geradezu überwältigt und tat den Ausspruch: „England ist zu beneiden, daß vs die Juden in Palästina hat." Die Aettdermig in der politischen Haltung Frankreichs beginnt konkrete Formen anzunehman. Man beschäftigt sich ernstlich mit der Frage »er Besiedlung Syriens mit Juden. Dieser Erfolg sei vielleicht nicht geringer einzuschätzen als die Erzielung rer Valsour-Deklaratwn, und zwar deshalb, weil er auf Grunv der in Palästina geleisteten jüdischen Arbeit erzielt wurde. Er würde seine Bedeutung nicht geringer erachten, wenn er bloß ein moralischer Erfolg wäre. Ein großer politischer Fortschritt sei ferner der Inhalt des letzten Berichtes der Mandatskommission. Während der vorjährige Bericht noch Vorwürfe enthielt, sei diesmal im Mandatsbericht nicht das leiseste Wort der Angriffe gegen das jüdische Aufbauwerk enthalten. Der Bericht beschränkt sich darauf, England in seiner Eigenschaft alsMandatar- Mücht zu rechtfertigen urtb zu verteidigen. Auch die öffentliche Meinung in England hat stch vorteilhaft geändert. In den letzten eineinhalb Jahren wurde tin englischen Parlament auch Nicht ein unfreundliches Wort über den Zionismus gesagt und das gleiche gilt bezüglich der großen englischen Presse. Richtig ist, daß die MaNdatsregierung ihre Mandatspflicht in Palästina nicht so erfüllt, wie wir diese Pflichterfüllung auffassen. Die englische Regierung glaubt allerdings, daß alles, was sie in Palästina unternimmt öder unterläßt, die Realisierung des Zionismus unterstützt. Wir sind darüber anderer Meinung. Nichts berechtigt uns aber zu dem Urteil, daß sich die gegenwärtige englische Regierung dem politische» Zionismus gegenüber ungünstiger' verhalte als die früheren Kabinette einschließlich dem Kabinett Mae Donald. Die englische Negierung hätte die Palästinaanleihe von viereinhalb Millionen Pfund nicht garantiert, wenn sie nicht von der Stabilität der Berhältnisseim Lande überzeugt wäre. Das Budgetjahr Palästinas hat auch für die englische Regierung Mit einem Ueberschüß von einer Million Pfund Sterling abgeschlossen- Es ist daher an der Zeit, von der englische» Regierung zü fördern, daß st« kundgM, wie sie ihren Mandatspflichten in der nächsten Zukunft gerecht zü werden gedenkt. Auf der Londoner Zionistischen AktiönskoMiteesitzung wurde über Antrag eines Mitgliedes der ZronistrscheN Exekutive, Nämlich des KoloNei Kisch, eine dies» bezügliche Resolution gefaßt. Cs ist die Zeit gekommen, in der wir von der Mandatarmücht vre Festlegung eines Minimatprogkammes fordern dürfe«, so wie die Mülchatarmücht vor »rer Jahre« von uns Zionisten ein Minimalprogramm gefordert hat. ZMmmensasfend stellte Prof. Ehajes fest: Die 'ökonomische Lage in Erez Israel ist nicht solcher Art» daß sie unsere positive Arbeit behindern würde. Die politische Lage ist nicht sö güt, wie wir sie wllnscheU, aber sie. ist Nicht derart, daß sie als alarmierend zu bezeichne» wäre, sie hat sich nicht verchlimmert, sondern in gewissem Siime sogar verbessert. In Erez Israel besteht eine Kchd. Dis Krise des Jahres 1683 war aber viel gefährlicher, Weil sie ein chwächeres Ärsz Israel btttäf und NM jene Kreise, die unter, zionistischer Kontrblle standen. Es sei ein älter Fehler der Juden, jüdische AUgelegenheiten Utik nrchtjiidrschett Augen zu beUkkeileN. AiisNähmsWeife würde Pros. Gäjes wünschen, daß düs jüdische Bülk die Grdße des Pälästinawerkes. die bewundernswerte Tat des neuen Jtschuw, ihre Peveutung für die Judsuheit und für die gesamte Kuliurwelt so erkennen würden, wie die nichtjüdische Gelt. Las idlsche Geschlecht der Gegenwart habe das Privilegium, sich durch Realisierung ves ssoltkischett Zionismus u uerblich -u machen- MÜMischor, kwmtmtof ' - ’ . J,' , - ' A- •' 4 .

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