Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2700 (29.8.1926)
- Date
- 1926-08-29
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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EWe 8 Mett. Sottnkckg Wlenetk Myeaeiszeskiirig SS. Attgust 1SS6 Nr. 2700 der Bitte um Einstellung dieser Hetze wandten, antwortete der Pfarrer, seine Aufgabe sei, alle hiesigen Juden auszurotten. Auch die Behörden sehen Me|em Treiben untätig zu. Ter jüdische Sejmllub wandte sich in beiden Fällen an den Minister des Aeußern, Mlodziankowski, und verlangte rasche und radikale Hilfe. Sin eigentümliches BerMnis. Von Theodor Brun. Sei-t Jahren beobachte ich schon dieses merkwürdige Verhältnis zwischen ihm und ihr. Anfangs dachte ich mir, es sin alles in Ordnung und fand nichts auszusetzen. Da kannte ich die beiden nur vom Hörensagen. Später Wollte es eimnal der Zufall,-daß ich mit ihr zusammentraf. Es war spät nachts und ich wartete vor dem Haustor geduldig auf die Gnade des Hausbesorgers. Da gmg sie vorbei. Obwohl es ziemlich dunkel war, erkannte ich sie sofort. Sie hatte einen lauernden, heimtückischen Blick. „Was tun Sie hier so spät?" sprach sie mich an. Weiß Gott, was mir einfiel, ich wies sie grob ab, und der Skandal tvar fertig. Seit damals hat sie ein scharfes Auge auf nv:ch und verfolgt mich mit ihrer Rache. Aber ich wollte ja nicht von mir, sondern von ihm erzählen, von ihm, der sein ganzes Leben lang an sie gefesselt ist Nach jener ersten Erfahrung, die ich mit ihr gemacht hatte, wußte ich, daß er kein gutes Leben an chrer Seite führte. Die beiden sind nicht verheiratet, ja mir kommt es sogar vor, als ob ihn gar nichts an sie binden würde — außer einenr grenzenlos dummen Vorurteil: er bildet sich ein, ohne sie nicht leben zu können. Er ist ein Mann von zirka 30 Jahren. - Er kann auch v:el älter sein. Eventuell auch jünger. Er ist mittelgroß, mäßig intelligent, hat einen anständigen Beruf, der. ihn schlecht und recht ernährt, und liebt vor allem die Ruhe. Er regt sich nicht gevne ernstlich auf. Ja, hie und da ein bißerl. schimpfen und nörgeln muß er.freilich, aber mehr nicht. Revolutionen sind ihm m tiefster Seele verhaßt Weil sie ihm zu brutal sind. Nichtsdestoweniger war er ein braver Soldat und ist stolz darauf Bon seinen Tugenden spricht er ungemein gern und so oft er auf dieses Thema verfällt, bekommt seine Sprache eine starke dialektische Färbung. Er ist seiner Zeit imurer ein Stück voraus, leider in der verkehrten Richtung. Das kommt daher, weil er alle Ansichten von ihr bezieht. Nun: sie Sie ist eine sehr merkwürdige Person. Existierte sie Nicht, kam Satiriker wäre imstande, eine derartige Figur zu «finden. Rein äußerlich bereits wirkt sie etwas lächerlich Ein anmutloses, bösartiges Gesicht mit finsteren, buschigen Brauen. Dabei ist sie imstande, wenn es darauf ankommt, ein derart faszinierendes Lächeln aufzusetzen, als wäre sie die liebliche Güte selber. An ihrer Kleidung kann man sie unter tausenden herausfiuden. Sie trägt einen schlierigen Rock und ist mit funkelndem Gold beladen. Gold ist ihr Ehrgeiz. Je mehr Gold sie zu ihrer äußeren Gewandung tragen darf, desto glücklicher ist sie. Ihre Tätigkeit ist unbeschreiblich. Leute, die es wissen wollen, behaupten, sie faulenze den ganzen Tag, und liege nur ihm in der Tasche. Andere urteilen noch böser und erklären schlankweg, sie treibe nichts als Unfug. Jedenfalls läßt sie sich bei der Arbeit nicht znschauen und verträgt auch keine Kritik chrer Leistung. Brrr, da kann sie böse werden. Wie gesagt, zwischen den beiden besteht ein eigentümliches Verhältnis. Sie schreibt ihm vor, wann er aufzustehen hat und wann er sich schlafen legen muß. Sie schreibt ihm vor, wieviel er zu verdienen hat und wieviel davon ihr gehört. Den ganzen Tag schnüffelt sie ihm nach, ob er sie ja nicht beschwindelt. Sie kontrolliert seine Bücher und zählt ihm das Geld in der Tasche. Was s i e aber macht, darf ihn nichts angehen. Er hat nur dafür zu sorgen, daß er ihr genug Geld geben kann. Daß sie mit diesem Geld schlecht wirtschaftet, ist ihm zwar bekannt, aber er ist es nicht gewöhnt, >:hr Vorschriften zu machen. Wenn fremde Leute einmal Kritik üben und ihn einen Trottel '.rennen, weil er sich von ihr alles gefallen läßt, so ergreift er ihre Partei und erklärt, das müsse so sein. In dieser Beziehung ist ihm nicht zu helfen. Gewöhnlich ist sie für :hn nicht zu sprechen. Wenn er von ihr etwas haben will, nruß er stundenlang im Vorzimmer bei ihr warten. Bis sie die Gnade hat, ihn zn empfangen. Dann muß er ihr, die von ihm lebt, seine Bitte in höflichem Ton vortragen. Gewöhnlich bittet er, mit seinem eigenen Geld dies oder jenes anfangen zu dürfen. Doch sie gewährt nicht so rasch. Sie muß sich das erst überlegen. Und dann läßt sie sich furchtbar lang Zeit. Denn sie muß mit sich selbst zu Rate gehen und das ist eine komplizierte Angelegenheit. Zum Schluß weist sie ihn ab. Manchmal will sie etwas von chm. Dann schickt sie ihm eine unhöfliche Einladung. Unfrankiert, natürlich. Wenn er dann stundenlang in ihrem Vorzimmer gewartet hat, befiehlt sie chm ihre Wünsche. Die müssen dann prompt erfüllt werden, sonst regnet es Strafen. Cr darf nichts unternehmen ohne ihre Einwilligung. Will er wegfahren, muß er sie um Erlaubnis bitten. Will er in seinem Hause ein Möbelstück umstellen, muß er sie uw Erlaubnis bitten. Will er ein Buch lesen, muß er sie fragen, ob sie nichts dagegen hat. Ja selbst über das, was er im Laufe des Tages denken darf, muß er ihre Einwilligung einholcn. Wehe, wenn er mit ihr in Konflikt kommt. Das kann ihn die Existenz kosten. Ja, auch mir, wenn er zu einem Dritten abfällig über sie spricht. Er muß das Maul halten und sich von ihr wie der letzte Fetzen behandeln lassen. Und wenn sie einmal mit ihresgleichen in Streit gerät, daun schickt sie ihn, damit er sich fiir ihre Ehre duelliere. Er kommt für sie nur solange in Betracht, als er Geld verdient und sich von ihr aussaugen läßt. Geht es ihm einmal schlecht, dann blinzelt sie ihm zu, er möge sie nicht mehr belästigen, das heißt, sie gibt ihm den Rat, sich aufzuhängen. Und er hängt sich auf. Wer die beiden sind? Er ist der brave Staatsbürger und sie ist die Amtsperson, die Repräsentantin der modernen staatlichen Ordnung. Helmspaikaffenvttsicherung. Die Stabilisierung der österreichischen Währung hat es mir ,,d) gebracht, daß der Versicherungsgedanke wieder in weite Kreise dringt. Eine-Anzahl von Vevsichemngsgesellschaften hat, dem Rechnung tragend, eine neue Bersicherungsart, die sogenannte Heimsparkassen- oder Heimprämienversichemug, eingefi'chrt.' Dabei stellen die Anstalten ihren Versicherten kostenlos Heimisparkassen zur Verfügung und ermöglichen es ihnen, mit ganz kleinen Tagesralen (von 10 G. aufwärts) die Prämien e'-ner Versicherung zu bestreiten, die wirklich allen Anforderungen geechr wird, indem sie eine Evlebs-, eine Ablebens- und eine Unfallpolizze -it sich vereinigt. Die Polizze des Phönix gewährt überdies auch bei bleibender Invalidität durch Unfall beträchtl'che Enrschadigu ngszahlu ngen. Die Versicherungen sind nach zweijöbrigem Bestände unverfallbar und rückkaufsbcrechügt. Wird die Prämienzahlung wann immer e ^gestellt, so bleibt der Vertrag noch drei bis sechs Monate unverändert aufrecht; nach Ablauf didser Zeit kann die Versicherung noch innerhalb weiterer sechs Monate durch Nachzahlung der rückständigsu Prämien oder durch Verlängerung der Dauer d-r Polizze wieder in Kraft geieyt werden, jo daß einmal geleistete Präm'enzahlungen den Versicherten, die sich innerhalb eines Jahres da-mn bekümmern, niemals rerlcren gehen können. Dle geschilderte Versicherungsart hat beim Publikum großen Anklang gefunden uns es sind im letzten Halbjahr be'm Phönix allein etwa 15.000 solcher Versicherungen abgeschlossen worden. Die Prämien kür diese Versicherung sind im, Verhältnis zu den versicherten Kapitalien sehr niedrig und die Polizze ist, wenngleich sie ohne ärztliche Untersuchung abgeschlossen wird, für 1000 Schilling vom ersten Augenblick an für den Todesfall wirksam. Diese Umstände — rm Verein mit den früher erwähnten UnVerfallbarkeitÄ>S''timm<rngen.— bedeuten einen sehr großen. Fortschritt gegenüber der Volksversicherung, wie sie in der Vorkriegszeit üblich war, so daß die Neuerung auf dem Gebiete des Verficherungstpesens auch in vrinzipieller Hinsicht von ansehnlichem Werre ist. ~ Wien, 29. August. * Das Wetter. Die Voraussage lautet: Wechselnd wolkig, trocken, nur wenig wärmer.. * Der höchste Flugplatz Europas. Wie die Korrespondenz Herzog meldet, wird m Vent im Oetztal. 1892 Meter hoch, im September d. I. ein Flugplatz eröffn«!. Bon Innsbruck werden die Touristen mit Flugzeugen auf diesen hochalipinen Platz gelangen, der nicht nur ein grandioses Paiwrama, sondern auch den Ausgangspunkt für zahllose Touren ins Gletschergebiet bietet. * Eine neue Zigarettensorte. Die österreichische Tabakregie wird in der nächsten Zeit eine neue Zigarette feiner Qualität, die Aeghptische zweiter Sorte, zum Preise von 8 Groschen pro Stück zur Ausgabe bringen. Die neue Zigarette wird zum erstenmal auf der Herbstmesse zum Verkauf kommen. * Aerzliche Nachricht. Facharzt für innere Krankheiten Dbktor Siegfried Plasckkes. 9. Bez.. Fveiheitsplatz 6. ist yon seinem Urlaub zurückge'kchrt. Win sind unerreicht in Auswahl, Qualität und Preis! Die restlichen Bestände unseres Sommer - Räumungsverkaufes jp werden um jeden Preis abgestossen, da wir unser Lager für die bereits eingelangten Herbst-Neuheiten frei machen müssen Ein Versuch und Sie sind ständige Kunde des führenden Leopoldstädter Warenhauses Brüder Schiff mann, II., Taborstr. 48 Telephon 47-1-79 Telephon 43-408 fl Der gewaltige Kundenzustrom und die wachsende Popularität fl , unseres Kaufhauses beweisen unsere besondere Leistungsfähigkeit , Qualitätsware! Großer Umsatz — Kleiner Nutzen! Billige Preise! Einiges aus unserer Preisliste BHB Waschwaren (per Meter) Blaudruck .. . Cotton de Lene. Wäschereien. Backenfutter . Etamine, in allen Farben . . . Etam-ne, 115 cm breit .... Seidencloth, 140 cm breit, in allen Farben S -98 s -.80 S —.98 S 2 10 S 198 S 2 20 S 3.50 Damenwäsche Ctarnlturen, Hemd und Hose Garnituren, Handajoui gest. . Qair.ennemden. Miederleibchen. iieidenjumper ...... .«... s ..... s S 2.80, 2.50, S . 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