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Wiener Morgenzeitung · 1926-08-28 · Heft 2699 (28.8.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2699 (28.8.1926)
Date
1926-08-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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OM f Men, Eamktag ©Metter Mvrstenzettuns Ä. August im Nr. m «ein Streik der Postangeftellten. Me Mirtgung der Regierung mit den Beamten. Gestern nachmittags um 2 Uhr fänd ein M iuistcrr a t statt, in dem Bundeskanzler Dr. R a m e k über den Stentt» der Verhandlungen mit den Vertretern des Sechserk o m r t e e S des gemeinsamen Zentralausschusses der Post- und T«legraphenangestellten, der Technischen Union und des Fünfundzwanzigerausschusses Bericht erstattete. Der Miniskerrgt nahm die Mitteklnngen zur Kenntnis und genehmigte einen Antrag, für die Auszahlung einer NotstairdSaushilfe in der Höhe eines halben M o n a t s b e z n g c s im Jahre 1926 in Genf eingutreten und nach Abschluß der Genfer Verhandlungen einen entsprechenden Gesetzentwurf im Nationalrat eintzubringen. Der Ministerrat ermächtigte den Bundeskanzler ferner, bezüglich der noch unbereinigt gebkiebenen Fragen die Verhandlungen fortzufetzen. Sohin erschienen um halb 5 U-hr nachmittags auf Einladung des Bundeskanzleramtes die Vertreter der Postgewerkschaft und des GewerVschaftsbnnldeS der nichtsozialdemokratischen Angestellten zu einer Besprechung bei Dr. Ramek. Nach längerer Verhandlung erzielte man die folgende Vereinbarung: Die vom Bundeskanzler gemachten Zusagen bezüglich der Notstandsaushilfe und einer allgemeinen Bezugsregelung bleiben aufrecht. Für das Jahr 1926 wird ferner zugvstanden, daß für alle aktive n Bundesangestellten in der Ortsklasse A (Wien), deren Monatsbezüge den Betrag von 150 Schilling nicht erreichen, mit Wirkung vom 1. Oktober d. I. Zulagen ausgezahlt werden, die ihre Monatsbezüge auf 150 Schilling ergänzen. In den anderen Dienstoxten wird diese Zulage entsprechend dem Ortsklassenschema abgestust. Die V ex tragßange st eilten erhalten eine nach ihren jeweiligen Bezügen ermittelte Zulage, die gleichfalls nach Ortsklassen ahgestuft wird. Als untere Grenze der Notstandsaushilfe wird in Wien der Betrag von 75 Schilling festgesetzt. * Diese Vereinbarung löst somit ven Konflikt und die S t r e i k g e f a h r, die noch vorgestern akut war, ist b ese i tigt. Nie Sentralbank-Angelegenheit. Verhandlungen der Rgiernng mit den Sparkassen. Zu dem für heute nach Wirrt einberufenen Spavkassenkag sind gestern die Vertreter der Landesverbände der Sparkassen hier eingetroffen. Die Negierung nahm die Gelegenheit wahr zu einer allgemeinen gründlichen Aussprache über die Angelegenheit der Zentralbank der deutschen Sparkassen, respektive über die Frage der Rückerstattung der für die Stützungsaktion zur Verfügung gefreite 62,5 Millionen Schilling. Von seiten der Sparkassen nahmen an dieser Aussprache teil: Herr Streeruwitz für das Kuratorium der Zentralbank, Herr B r o c i n e r für die Zenträlsparkasse der Gemeinde Wims ferner waren vertreten die Erste österreichische Sparkasse, das Dorocheum, die Postsparkasse sowie die Raiffeisenknssen durch den Abgeordneten Eisen hu t. Wie wir erfahren, zeigte sich in diesen Verhandlungen Mt gewisser Fortschritt, der jedoch noch nicht hinreichte, um die grundsätzlichen Differenzen zwischen den einzelnen Gruppen zu beseitigen. Es ist aber die Aussicht auf ritt« Ausgleichung der Gegensätze vorhanden. Insbesondere handelt es sich hiebei um die Regelung der Renten steuerfrage. Die Negierung wird neue Vorschläge ausarbeiten und den Intexessmtengruppen zur Begutachtung vorlegen. Auch die vorgestern stattgehabten Besprechungen mit den Banken nahmen einen befriedigenden Verlauf, ohne jedoch zu einem Abschluß zu führen. Die Besprechungen mit siesen sowie mit den Sparkassen werden noch fortgesetzt, doch ist es fraglich, ob dies noch vor der Abreise des Bundeskanzlers;ur Genfer Völ-kerbnndtagung wird geschehen können- Rorsvtml geht. Prag, 27. August. „Narodni Praee" meldet, daß in der nächsten Zeit wichtige Aenderungen in der politischen Verwaltung von Karpathorußland erfolgen werden, wobei mehrere hohe Beamte, darunter der Vizegouverneur R o z s y p a l, zum Rücktritt gezwungen iierden sollen. — Rozsypals Namen ist wöhrend der letzten Wahlen in sehr odiosem Sinne genannt worden, Er hat die Verbindung zu den Agudisten hergestellt und mit ihrer Hilfe das jüdische Mandat hintertrieben. Dieses Mandat sowie die davon im Wege der Neststimmen abhängigen weiteren vier Litze haben dann vergnügt hie Agrarier eingeheimst. Kcmals rasche Justiz. Konstantmopel, 27. August. Die gestern als Verschwörer u Angora zum Torde verurteilten Dschavid Bei, Mazim Bei Na i l Bei und Hilmi Bei wurden heute nachts Hinze richtet. Die Exekution erfolgte wenige Minuten nach 12 Uhr im Hofe des Kriegsgerichtes von Angora. Donnerstag den 2. September 1926 in den Olympia-Sälen, I., Rotgasse 5 VORTRAG des Obsi*i*at»b* Prof. Di*. H. P. Obajos: | „Die Lage im Zionismus im Hinblick auf\ * die letzte Aktionskomiießsttzung“! •Beginn 8 Uhr abends Regiebeitrag 1 Schilling: Tagesbericht. Sie reifende Antenne. lieber die Besichtigungsfahrt des neuen Radiowagens der Bundesbahnen, die aut Donnerstag auf. der Strecke Wien—Graz stattfänd, haben wir bereits kurz berichtet. Als der Zug aus Wiener-Neustadt ausfuhr, kam ein Ingenieur ins Coupe und ersuchte, die Hörer anzulegen. Unter dem Sitz war ein Steckkontakt ttnb als man die Leitungsschnur befestigt hatte, hörte man hell und rein die Ouvertüre zur „Leichten Kavallerie". Der Zug Polterte über die Weichen, gswanu das Freie, und während draußen rechts und links die Berge vorbeizogen und in dem lachenden Sommertag immer höher und grüner in den Himmel stiegen, lauschte man drinnen einer durchs Telephon gegebenen erklärenden Ansprache. Durch Payerbach geleitete ein Straußscher Walzer und von Gloggnitz angefangen, das tief unten blieb, während vor uns Semmering, Schneeberg und Rax auswuchsen, ging fein und zart ein Mozartsches Menuett mit. Daß mau äber trotzdem nicht das stürmende Verkehrsleben Verlagen kann, daran erinnerten die Störungen. Die Antenne kämpfte gegen die Drahtleitungen des Telegraphen; Blockstgnal und Hughes-Geknatter schlug oft durch und beeinträchtigte das Vergnügen. Aber die Technik wird auch dies überwinden. Schienen und Telegraph haben bereits den Respekt vor der Weite eingeschränkt, das Radio hebt ihn fast ganz auf. Diese Anlage, die in den nächsten Tagen der allgemeinen Benützung übergeben wird, soll bent Fremdenverkehr dienen und dem Reisenden die sonst so unproduktive Zeit der Fahrt angenehm vertreiben helfen. Sie ist aber doch mehr als ein Behelf. Sie ist ein Mittel der Erziehung, die Vorführung eines Wunders, und dem Menschen wird bewußt werden, daß nur wenige Kilometer über ihm ein Reich heginnt, in dem es keine Grenzen gibt, in dem einzig die Kräfte der Natur herrschen, faßlich und sinnfällig gemacht, aber doch im letzten Grunde unverstanden. Ist es nicht ein Wunder, so wie das Blühen der Blumen ein Wunder ist? Irgendwo entsteht ein Laut, breitet sich in Wellen durch den Raum aus, stößt an einen Draht, klammert sich an ihn, passiert enggewundene Spulen und kommt als Läut, als Klang an das Ohr. Was uns die Akustik und die Elektromechanik sagen, was sie an technischen Einzelheiten von Hoch- und Niedrigsreguenz, von Verstärkern usw. mitteilen, erklärt doch im Grunde nicht das Ganze. Hauptsache bleibt, daß wir den durch die Luft eilenden Ton ausfangeil und umformen, Stärker aber wirkt doch mtf den Laien (und Wohl auch auf den mit dem ganzeil Rüstzeug der ForschunObegfer ansgestatteten Techniker) die Vorstellung, daß alles allgegenwärtig ist. Wqs der Mensch ausfpricht, was also das menschliche Gehirn, dieses Wnnder an, sich, in Ton und Wort ausdrückt, das gehört nicht mehr ihm. Es läuft ins All hinaus und wenn es den ihm genehmen oder beu, seiner wartenden Draht trifft, dann wird es wieder zu Ton und Wort. Und wenn eines Tages die Technik auch das Mittel finden wird, beu Denkprozeß selbst, die Vorgänge in den Gehirnbahnen zu fassen und darziistellen, dann wird auch dieser letzte und ureigenste Besitz des Individuums zum Gut aller und es wird uns noch weit klarer werden, daß wir nicht und niemals allein sind, daß wir für Tun und Lassen Verantwortung zu legen haben. * Der Raum Ist nicht mehr, er ist unterworfen worden. Als wir am Donnerstag abends von Graz zurücksuhren, begann hinter Mürzzuschlag eine Vorführung der seltensten Art. Der Zug raste stöhnend zur Höhe des Semmering und bohrte sich dann ratternd und funkensprühend durch die dunkle Nacht in die Diese. Am schwarzen Himmel standen die Sterne in kaltem Glanz. Im Radiowagen kam das kaum zu Bewußtsein. Drinnen „gab" man uns erst Wien, dann Budapest, Brünn, Prag, Frankfurt, Mailand, Bern, Roni, Agram. Wir nahmen an einer Breslauer Feier siir Hermann Lohns teil, auf einer italienischen Station las eine Dame die neuesten Telegramme vor, ihr folgte eine wie Erz tönende herrliche Altstimme aus Budapest, die Miidhäuser sang in Wien ein Lied von Richard Strauß, in Müncheil hielt jemand einen Vortrag über PhiM. Mit allen diesen Zentren der Arbeit und hes Denkeiis waren wir verbunden und man hatte sie uns auch wirklich gegeben. Der dünne Draht mciftert dje unstaffljche Welle, bringt sie an den fahrenden Zug und zwingt sie, seiner Bewegung sich arrziibeguemeu. Es gibt sicher noch Kinderkrankheiten. Noch sind imaufgeklärte Stellen irr dieser Entdeckung; die Gebirgsmasslven, die Drcchtleitungen, die großen Fabriksblöcke der GsifeniHbufttie erzeugen Störungen, Gewitter mit ihren elektrischen Entladungen' irritieren die durch den Aethsr verlaufende Schallwelle, schwächen sie ab oder leiteil sie irre. Aber dieser Heiniuungen wird der Menschengeist bald Herr werden und es wird darauf an kommen, in welchem Sinn dieses Mittel der Erziehung angewendet wird. Wird es die Menschen besser machen und sie lehren, daß sie für etnentber da sind und daß es da draußen im Reiche des Aethers keine Vorherrschaft des Kehlkopfes gibt und das alles das gleiche Recht hat? Die Zukunft wird dies zu zeigen haben. * Der vorgestrigen Prestefahrt waren vier Versuchsfahrten nach Klagenfurt, nach Innsbruck, Villach und Graz voraugegangeu, welche den Zweck hatten, die technischen Voraussetzungen und Möglichkeiten der Aufnahme festzustellen. Diese Versuche leiteten die Herren .Hofrat o u a ck h für die Bundesbahnen und Chefingenieur Sl i s k o w i c für die konstruierende Firula Tes i g. Die airf bem Waggondach angebrachte Antenne ist zirka 16 Meter lang. Als Erdiliig dient eine Verbindung zu dem massiven Waggonullterbau. An der vorgestrigen Fahrt uahnlen außer den Vertretern der Presse teil Ministerialrat Dk. Fritz Steiner vom Handelsministerium, Sektionsrat Dr. Jansa, als Vertreter der Generaldirektion der Bundesbahnen Generalsekretär Doktor Steyrer, .Hofrat Dr. Werner N o u a ck h, Regierungsrat Wild, Pressekonsulent Th. Schlag, von der Buudesbahndirektion Südwest Qberbaurat Ingenieur ^P a ch n e r und Sekretär Julius Leuthier, von der Getteralpostdirektion Oberbcmrat Pfeiffer und Dr. Schweiger von der Ravag. Selbstmord eines Prager Bank« direttors. Dr. Horak von der ZivnoftenSkn Bmrkn. In einem Walde in der Nähe der Station O st r o m e r der Eisenbahnlinie O st r o m c r-r-J i c i it warf sich der Großgrundbesitzer und Direktor der Zivnostenska Banka Dr. H o r a I gestern vormittags vor dieNäder eines Personenzuges, wobei er den T o d fand. Das Motiv derTat i st nicht bekannt. Schwere Grubenkataftrovbe in PenMvanien. 68 PyheAypfer einer BerglvevkAexylofron. Nchv-Aopk, 27. August. (Reuter.) In einem der Bituminorrs Coal Company in Clymen gehörenden Bergwerk bei Clecmfidd (Pennsylbanien) wurden mehr als 7 0 Bergarbeiter mfolge einer Explosion verschüttet. Sofort nach Bekanniwerden des Unglücks wurden Rettungsmannschaften von verschiedenen benachbarten, Plätzen entsendet, denen es unter Lebensgefahr gelang, sechs Bergarbeiter zu r-ette n. Bisher wurden 5 4 Tote geborgen. Die übrigen unter den Explostonstrümmern begrabenen 'Arbeiter gelten als verloren, so daß mit 68 Todesopfern der Katastrophe zu re chnen ist. . Mer: Todesopfer eines Orkans. ' New-Odeans, 27. August. Bei einem Or ka tt, der gestern iktzütete, wurden vier Personep getötet. Der Schaden, der an her Reis-, Zucker-, Baumwoll- und Getreideernte angerichtet 'wurde, wird auf mehr als eine Million Dollar geschätzt. Der Sturm führte mit ungeheurer Gewalt Häuser fort und vevwiMtt meilenweite Strecken von ZuckerrohrpslaMUgen. __ Der ßisenbahnanschlag von Lehrte. Eine Spur des Täters. Aus Hannover wird berichtet: Bei den Fahndungen nach dem Urheber des Wen'hahmtnMcks bei Lehrte wurde von der Kriminalpolizei eine ostenhar wichtige Spur verfolgt, die nach Braunschw ig führt. Bisher haben die Ermittlungen jedoch zu keinem Ergebnis geführt. Nevk GisenHrrhnattentcrte. Berlin, 27. August. (Te'l.-Komp.) Nach einem Breslauer Telegramnl des „Lokalanzolgers" wurden in der Nacht auf den 26. d. irr Oberschlesten zwei E i s e n b a h n ä t t e n t«i c verübt. In Zaborze tvurden von unbekannt gebliebenen Tätern fünf und eine halbe Stunde später zlwqnzig Güterwaggons von einem Zuge a'bgekoppelt und ins Rollen gebracht/ In >bcv Nähe von Hi irden bürg entgleisten ztvei Waggons eines Güterzuges und wurden voMornmen zertrünmiert. Re Trude vom Kanal. Die Ankunft der Kanglschwimmerin Edorle in New-Zork. Aus New-Aork wird gemeldet: Die Stadt New? S)orl hat die Karlalschwinlmeriu Gertrud E d e r l e bei ihren: Eintrafisen äußerst herzlich empfangen und, wie die Blätter feststelleu, ihr vielleicht den .st ü r iit i s ch e st e n Empfang bereitet, der je einer bekannteil Persönlichkeit in New- * Ä)ork bereitet worden ist. Eirl Dampfer mit führenden Persönlichkeiten an Bord holte „Die Trude von; Kaiial", wie sie hier genannt wich, an der Quaraittänestation ab Uild brachte sie, von beu Sirenen sämtlicher im Hafen liegender Fahrzeuge begrüßt, ans Land. Sie fuhr dilrch eirl Spalier dichter Menscheiliilasseu nach denl Rathause. Auch die Dächer und alle Hochgelegeileit Punkte waren von zahlreicheit Zuschauern besetzt. Im Rathaus wurde Gertrud Ederle bom Bürger m eister begrüßt, der ihr eine Eh r euur kunde überreichte und seine Bewunderung für ihre große Leistilng aussprach. Der Keren Keiemeth tritt in des 25. Jahr seines Bestandes S Helfet bei der Aufbringung der 500.000 Pfund! Erster Schritt: Spendet beim Thora-Aufruf an' den hohen Feiertagen! Sorget dafür, daß alle Aufgerufenen spenden!

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