Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2698 (27.8.1926)
- Date
- 1926-08-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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* »mpic(iciT. wiki((|tnjfciiiiitD ' m-- SrMver itt Hernals. Drei r^rbvikAftockwerke abgebrannt. L'jefK'rn in den ersten Nachmittagsstunden ist in einem Aaunre der dreistöckigen Bettwarenfabrik Adolf Gans A.-G-, 17. Dez., Ottakringer st raße 48, ein Brand ausgebrochen, der mit Blitzesschnelle zu einem Großfeuer auSartete. Di« Fabrik war in vollem Gange, als Plötzlich bei einer Krempelmaschine im zweiten Stockwerk, an der der LHährige Hilfsarbeiter Georg Weinstaub stand, ein Funken austprang, der im Nu den im Raunte herumfliegendeü Stand von Seegras und Roßhaar in Brand fttzt«. Dies geschah ungefähr gegen zwei Uhr und bald stand der ganze Stock in Flanrmen. Der Betriebsleiter ließ sofort die Fabrik von den darin arbeitenden Menschen raumen. Bei der Feuerwehr liefen telephonische Marmr:ch ein. Auch vom Türmer von S t. S t r p h.a n kmn die Vlcldung „R a u ch s i ch t -b a r" und gleich nachher flammen s i ch t b a r." Bald Langten die Meldungen „Menschen in Gefahr" mrd „Großfemr ein. Die Brandstätte bot ein schauriges Bild. Knapp nachdem sich das Personal aus der Fabrik gerettet hatte, drang auch schon aus den Eingängen dichter undurchdringlicher Rauch empor. Tie Löschaktion gestaltete sich für die Feuerwehrmannschaften direkt lebensgefährlich. Die Holztreppe, die zum Brandherde führte, drohte jeden Moment einzustürzen. Ein Feuerwehrmann hatte schon eine Schiebeleiter erklommen, als plötzlich durch die aus den Fenstern schlagenden Stichflammen binnen wenigen Sekunden die Dachrinne zum Schmelzen brachten. Die siedende Flüssigleit trrchfte dem Feuerwehrmann aus Helm und Hände, so daß er sich nur mit größter Mühe retten konnte. Inzwischen standen der Dachstnhl, der dritte, zweite und erste Stock in hellen Flammen. Erst gegen halb 4 Uhr konnte die Meldung „F euer lokalisiert" an die Zentrale gegeben werden. Der Dachstuhl und die drei Stockwerke samt Inhalt sind vollständig vernichtet. Erst um 4 Uhr 59 Min. traf das Zeichen ,F e u e r au 3" in der Zentrale ein. Soweit die Vorräte intakt waren, wurden sie in Sicherheit gebracht. Die fliegende Ambulanz der Rettungsgesellschaft leistete zehn Personen teils Fabriksangestellten, teils Feuerwehrleuten e r st e Hilf e. T-er S ch a d e n ist enorm, jedoch durch Versicherung gedeckt. Die Adolf Gans A.-G., die in Wien acht Niederlagen in den einzelnen Bezirken hat, ist in dem Hause, Ottakringerstraße 48, das Eigentum der Gemeinde Wien ist, seit einigen Jahren untergcbracht. In der Rühe befindet sich der dort etablierte Zirkus „Westend", der mit seinem mächtigen Kuppeldach aus Teerpappe und seinen sonstigen Holzbestandteilen eine eminente Gefahr für die Löschaktion bildete. Während der Löschaktion mußten Kraftspritzen ständig das Holzgebäude des Zirkus unter Wasser halten. Auch das bedichte Gebäude der neuen Feuerhauptwache Hernals in der Rosensteingassen-frottt konnte nur durch fortwährende Spritzgntätigkeit gerettet werden. Kn Lieberdrama auf dem Semmerrn». Ans Mürzzuschlag wird gemeldet: Mittwoch abends krasen im Hotel Stephanie aus dem Semmering der 19 Jahre alte angebliche Gemüsehändler Kavl Kraus und dessen Braut, die 17jährige Drogistin Leopoldiue Jelinek, beide aus Wien, ein und versuchten gestern morgens einen Selbstmord. Kraus löste in Wasser eine Tube Pyramidontabletlen und trank davon. Tann reichte er den Trank der Jelinek. An ihr zeigten sich später Vergiftungserscheinungen. - . Da die Lösung nicht die erwartete Wirkung hatte, versuchte Kraus, der Jelinek die S ch l a g a d e r der linken Hand.zu öffnen. Schließlich Lurchtrennie Kraus sich selbst die Schlagader der linken 'Hand und verletzte sich lebensgefährlich. Leopoldine Jelinek' erlitt ebenfalls sehr schwere Verletzungen. Beide wurden in einem Automobil in das Krankenhaus nach Mürzzuschlag gebracht und einer Op e ra ti o n unterzogen. Gegen Kraus werden die behördlichen Erhebungen eingeleitet. Radio im fahrenden 3ng. Oesterreich als Schrittmacher. Gestern wurde auf der Strecke W i e u—G raz Vertretern ter Presse die auf den österreichischen Bundesbahnen probeweise mit 1. September für das reisende Publikum zur Einführung gelangende Neuerung von RadioVorträgen im Eisenbahn-, zuge vorgefühvt. Die vom Chefingenieur Sliskowic konstruierten' Apparate lassen keinen merkbaren Lautstävkeunterschied zwischen stärkren und schwächeren Fernstationen erkennen, da auch die geringste Eingangsenergie zur vollen Lautstärke gebracht wird, so daß z. B. auf der Strecke über den Semmering, Bern, Breslau, Budapst und Agram fast mit der gleichen Lautstärke gehört werden können. Tie Inneneinrichtung wurde so getroffen, daß ganz dich unsichtbar zu jedem Sitze die Leitung führt, wo unter dem Sitzpolster der Steckkontakt für den Kopfhörer angebracht ist, der mit der Radiokarte von: Bedienungspersonal für einen Schi lling für die Radiostunde abgegeben wird. Für das Probestadium sind bisher nur einzelne Waggons als Rad i owag e n mit je 4 0 Sitzplätzen eingerichtet, die einstweilen bei einigen Zügen der Westbahn.(Wien—Salzburg) und Südbahn (Wien—Bilwch) mitrollen werden. Wenn das Publikum von dieser in Europa bisher noch nicht eingeführten Einrichtung eines Unterhaltungsrundsunks Gebrauch macht, dann wird sie im Spätherbst in allen Zügen eingeiführt werden. Während der Fahrt sandte die Rawag in Wien Musikstücke Mit Gesangseinlagen. Von Bruck sandte der Grazer Sender. Die Teilnehmer an dieser Probefahrt trafen mittags in Graz ein, wo sie in Vertretung der steirischen Landesregierung von Hofrat Kr au« imd anderen Funktionären begrüßt wurden. Nachmittags besichtigten die' Gäste die Settdestatioy auf dem Schlrtzberg und traten hierauf mit dem Eitzug die Rückreise nach Wien an, wo sie abends eintrafen. Sin Kongreß der „Bereinigung der internationaien Verständigung'. Vor kurzem fand im Oberammergau der erste Kongreß der Bereinigung der internationalen Verständigung (Fellowship of reconvalation) statt. Die Vereinigung der internationale Verständigung ist eigentlich ein Kind des Krieges und wurde auf Initiative englischer Kriegsgegner gegründet. Der englische Einfluß ist «noch bis heute dominierend. London ist der Sitz und das Mitglied .der Labour Party Walter D n e s ist der Präsident der Vereinigung. Der Grundgedanke dieser Vereinigung ist das Problem praktischen Christentums. Es kommt darauf an, die friedlichen Ideen des Christentums auf die Allslandspolitik der Staaten Einfluß gewinnen 51t lassen. Die Mitglieder dieser Organisation sind meist Pastoren und Lehrer, englische religiöse Sektierer, aber auch Berufspolitiker, Publizisten und sehr viele Parlamentarier. Alls dem letzten Kongreß wurde die Frage der n at i 0 u a l c n Minderheiten besprochen. Der Engländer John Stephens bereiste Südtirol und sammelte ein reiches Material, das die italienischen Fa'szisten in bezug auf die Behandlung der Deutschen schwer belastet. Der Kongreß hat in diesem Sinne ein Memorandum ausgearbsitet, das dem englischen Ministerium des Aeußern vorigelegt irnd in der amerikanischen und englischen Presse publiziert werden wird, lieber die Frage der nationalen Minderheiten im allgemeinen referierte Dr. Camillo M 0 r 0c u t t i, ein Deutscher, der jetzt in Jugoslawien lebt. Er verwies auf Dänemark und Estland, die einzigen Lander in Europa, die eine gerechte Minderheitspolitik betreiben. Der größte Feind einer gerechten Politik gegenüber den nationalen Minderheiten ist einerseits das Prinzip des „einheitlichen" Staates und andererseits die Jrredsnta. Einen peinlichen Zwischenfall bildete ein Streit zwischen dem Vertreter Iug 0 slawiens und dem Bulgariens über Mazedonien. Wenn sich Pazifisten in dieser Angelegenheit nicht einigen konnten, wie sollten es erst Nationalisten vermögen? Der weitere Verlaus der Verhandlungen verwischte aber diesen unangenehmen Eindruck. Das Präsidium kam aus den glänzenden Einfall, das Referat über England und Deutschland einem Franzose::, über Deutschland und Frankreich eiuenl Engländer und über Frankreich und England einem Deutschen zu übertragen. Ter Kongreß beschäftigte sich auch mit der A b r ü st u n g s f r a g e und beschloß, aus seinem Mitgliederkreise Sachverständige zu beauftragen, vor der breiten Oefsentlichkeit eine ständige Kontrolle der internationalen Rüstungen zu üben. Der Kongreß nahm entschieden Stellung gegen den Lust krieg und die Verwendung giftiger Gase und beschloß in dieser Richtung eine lebhafte Propaganda. — Diese Oberammerganer Tagung des pazifistischen Christentums steht in bemerkenswertem Gegensatz zu der nationalistischen und imperialistischen Wühlarbeit der Hakenkreuzler. 38 Fvdianersiümme klage» die amerikanische Regierung. Aus Washington wird berichtet: 35 verschiedene Jndianerstänime haben gegen die amerikanische Bundesregierung Klagen über eine Gesamtsumme von 1.293,890.455 Dollar eingebracht..Die Klagen, die zurzeit beim Court of Claims der Vereinigten Staaten anstehen, wo sie in Verfolg gewisser Kongreßakte zur Beilegung dieser Zwiste eingereicht worden sind, gehen zum Teil auf Vorgänge zurück, die sich vor mehr als hundert Jahren abgespielt haben. Es laufen 19 verschiedene Klagen von Jndiaucrstämmen gegen die Bundesregierung. Tie Schwarzfuß-, Blut-, Peigan-, Gros->Ventre- und Nez- Percesindianer legen ihrer Klage einen Bruch eines Versprechens zugrunde, Washington habenden Schutz der Jndianerrechte auf Fischer:, Jagd und Fallenstellen gebrochen. Das südwestliche Montana sei der Besiedlung freigegeben worden und damit sei ein an Oel, Gold und Silber reiches Land ihnen ohne Kompensation genommen worden, wofür sie jetzt 42 Millionen Dollar fordern, lieber einen gleichen Betrag lautet die gemeinsame Klage der Ari'kara-, Gros-Bentre- und Mandae-Indianer aus dem Norddakotagebiete; diese Kläger sagen, daß ihnen durch Exekutivorder Land im Werte von 42 Millionen Dollar ohne irgend welche Zahlung genommen und an die Northern Pacific imb andere Bahnen übertragen oder sonstwie verkauft worden fei; mit gleichen Ansprüchen kommen auch die Assiniboine-Jndianer in Montana. Die Creeks haben ihre Forderungen bei 195 Millionen Dollar niedergelegt; sie sagen, der Vertrag mit General Andrew Jack s 0 n im.Jahre 1813, dürch den Washington 23,000.000 Acres Landes, Stammesland in Westgeorgien und Alabama, übernommen habe, sei nicht autorisiert gewesen. Die Delaware» wollen sich mit 1,5 Millionen Dollar begnügen; sie haben wieder einen anderen Grund: ein Regierungsbeamter habe ihnen 1961 Regier» ngsbons über 800.000 Dollar gestohlen und dieser Diebstahl sei nur znn: geringen Teil ausgeglichen worden. Die größte und umfangreichste Klage aber kommt vvn den früher so kriegerischen Sioux. Zwölf Siouxstämme mit 50.000 Angehörigen haben gemeinsame Klage auf 800 Millionen Dollar eingereicht und dazu 45 verschiedene Gründe vorgebracht. Einer führt Schwindel u n d Z w a n g" an nach der Siouxniedevlage und * dem großep C n ste r - M a s s a ke r, um die Abtretung der Black-Hill-Distrikie in Nord- und Südda'kota chne den gerechten Ausgleich zu erreichen. Weiters wird angeführt: Die Regierung habe nichls getan, die A n s t i l g u n g der Bussel zu verhindern, die der Sioux Hauptnahrung gewesen seien, und daß sie den Vertrag von 1868 verletzt habe, nach dem sie die Erziehung der S i 0 u x k i n d e r habe übernehmen wollen. Ser jüdische Leibarzt »er Mrße« Bismarck. Msnmrck Ü-er tut* Heine. Der im Spätherbst 1884 verstorbene praktische Arzt Dr. Eduard Cohen in Hamburg, von 1880 bis 1884 Hausarzt der Familie Bismarck in Friedrichsruhe, war bald «ach seinen ersten Besuchen beim Fürsten Bismarck in ein besonderes Vertrauensverhältnis zu diesem getreten, und es ist bemerkenswert, daß der Fürst sich ihm gegenüber mit einer Rückhaltlosigkeit äußerte, die als ungewöhnlich zu bezeichnen ist. Dr. Cohen hat sich nach jedem Besuche sofort Aufzeichnungen über die Gespräche mit Bismarck gemacht. In dem soeben erschienenen zweiten Bande der Gespräche Bismarcks, herausgegeben und bearbeitet von Doktor Willy Andreas, ordentlichem Professor der neueren Geschichte an der Universität Heidelberg (Bismarck, die gesammelten Werke, zweite Auflage, Band 8, Otto Stollberg u. Co., Verlag für Politik und Wirtschaft, Berlin), gelangen nun die Aufzeichnungen Cohens in ihrer ursprünglichen Form und ungekürzt zum ersten Male nach dem Manuskript zum Abdruck. Aus dem von den „Abwehrblättern" (Mitteilungen aitS dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus) wiedergcgebenen Auszug ans den Aufzeichnungen Dr. Cohens seien die folgenden Stellen reproduziert: In den allerersten Tage-< buchaufzeichnungen des Dr. Cohen ist zu lesen: „Als ich mich entfernen wollte, aus Furcht, ihn bei der Arbeit zu stören, sagte er . . . mein Besuch sei ihm schon Arznei, ebenso der seines Rechtsanwalts Philipp in Altona." Auch der Rechtsanwalt, Iustizrat Philipp in Altona, der in den Jahren 1880 bis 1893 der juristische Berater des Fürsten Bismarck in Friedrichsruh gewesen ist, war Jude. Er entstammte einer jüdischen Familie aus Glückstadt und war mit einer Schwester des bekannten Justizrates Aronsohn (Braunschweig) verheiratet. Auch Justizrat Philipp hat über die zahlreichen Unterredungen, die er 13 Jahre hindurch mit dem Fürsten Bismarck gehabt hat, Auszeichnungen hinterlassen, die bisher infolge des Widerstands der Hinterbliebenen unveröffentlicht blieben. Dr. Cohen verzeichnet« über seinen Besuch bei Bismarck am 25. September 1880 den folgenden Ausspruch Bismarcks: „Gladstone sei ein verrückter Professor. Die Bulgarenschwärmerei reiner Blödsinn. — Da sei ihm sein p h a u t astischer Freund Disraeli lieber." Am 30. September desselben Jahres verzeichnet Doktor Cohen in seinem Tagebuch folgende Aeußerung Bismarcks über Disraeli, der damals schon zum Lord Beaconsfield ernannt worden war: „B e a c 0 n s f i e l d h a l t e r sehr hoch. Er spräche stets „to the Point", wüßte, was er wollte und sei sehr entschieden, sodaß man rasch mit ihm zum Ziele käme. Er hat, ihn während des Kongresses oft bei sich zu Haufe gesehen, aber Disraeli habe stets nur allein dort essen wollen." Am 2. November 1880 notiert Dr. Cohen unter anderem: „Gespräch über den neuen Ban^ Reden des Ab-, geordneten Bismarck. . . . Als ich bemerkte, daß. er wohl auch nicht alles wiederholen möchte, was er damals gesagt, meinte er: Beileibe nicht, — tempora mutantur —, es wächst der Mensch mit seinen Zielen." ' Am 6. Jänner 1881 verzeichnet Dr. Cohen: „So lange Bismarck am Ruder sei, hatten ihn alle Parteien mit Kot beworfen. Die einen nennen ihn einen Antisemiten, die anderen werfen ihm vor, daß er ein Freund Bleichröders sei. Die einen schalten ihn Reaktionär, die anderen einen Liberalen. Es komme daher, weil er keiner Partei angohöre, sondern nur seinem Könige und dem Vaterland bestens dienen wolle." Dr. Cohen verzeichnet am 3. Mai 1862: „Gespräche über Heine, den er sehr liebt. Ein Zitat ans Atta Troll erregt große Heiterkeit. As passe ganz gut aus unsere Zeit, auf unsere Leute." (Hne bemerkenswerte Hochzett. Wie uns aus Krakau berichtet wird, fand dort gestern die Hochzeit vvn Mirjam Reset Körnitz er, der Tochter des bekannten Krakauer Oberrabbiners I. N. Kornitzer, mit Red Hirsch Hüsenstadt aus Warschau statt. Die.se Hochzeit, welche vollkommen gemäß der Mischen Tradition gefeiert wurde, bildete für die jüdisch^ Bevölkerung Krakaus ein ganz bssondercs Ereignis. Dies hängt mit dem Ansehen zusammen, welches die Familien der Brautleute unter den Juden Polens genießen. Der Vater der Braut, Oberrabbiner Kornitzer, ein Sohn des früheren Krakauer Rabbiners Kiwe Kornitzer und Enkel des berühmten Krakauer Rabbiners Simon Soffer, ist eine der bekanntesten Erscheinungen in der Judeuschast Polens. Der Bräutigam, Herr Eisenstadt, ein jüdischer Rechtsgelehrter von Ruf, entstammt einer an'geselhenen Warschauer Familie, .die der polnischen Judenheil zahlreiche Rabbiner geschenkt hat. So fand denn die Hochzeit, die im Freien vor sich ging, unter Anteilnahme der gesamten jüdischen Bevölkerung Krakaus statt. Auch aus der Umgebung waren zahlreiche Vertreter der Judenfchaft sowie zahlreiche Ra'bbiuer evschienen. Die offiziellen jüdischen Persönlichlke-iten Krakaus, das Vertreterkollegium der Kültusgemeinde mit -dem Präsidenten Rafael Landau an der Spitze, nahmen vollzähl-i.g teil. Der Andrang der Gäste nnd Zuschauer ivar so groß, daß ein starkes Wachcaufgebot die Ordnung aufrecht crhälton mußte. Die Hochzeit, die mit großer Feierlichkeit vor sich ging, bildete das Tagesgespräch der ganzen Stadt. * Tod im Gefängnis. Dienstag gegen 8 Uhr abends brach, iloie aus Prag gemeldet wird, aus unbekannten Gründen in einer Gefängniszelle des Bezirksgerichtes Schumbnrg Feuer aus. Es wurde rechtzeitig entdeckt u:td die Feuerwehr erschien sofort auf den: BraNdptatz. Die Zelle konnte zedoch nicht geöfsuet werden, da der diensthaibende Beschließer zur .kvttischen Zeit in der Stadt weilte. Erst als der Beschließer cn:s der Stadt zurückkehrtc, konilte das Feuer gelöscht werden. Die beiden Strämnge waren aber bereits tot.