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Wiener Morgenzeitung · 1926-08-26 · Heft 2697 (26.8.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2697 (26.8.1926)
Date
1926-08-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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~T lOUM* Mttt, Donnerstag Wiener Moraen^eriunq 2tz. Mgust 1886 Nr. 2697 Ein guter Rat! Nur durch iwechm&Ht^e Reklame gewinnen Sic »euer Kunden! erhöhen Sic den pm»ata Ihres Betriebest Die zahlreichen Leier der „Wiener Morgen»Zeiiung" rekrutieren sid) hauptsächlich am den kaufkräftigen bestsituierten Ständen de» konsumierenden Publikum»! die Sie suchen (braudien) Inserieren Sie in der „wiener Morgen-Zeitung", namentlich in der am Donnerstag, 9. September 1926 anläßlich des jüdischen Neujahrteste» in bedeutend verstärkter Auflage zugleich auch al» Propagandanummer erscheinenden Fest-Ausgabe Diese Nummer liegt 2 Tage auf! enannanme in der Administration, 2. ßezirk, Tabprstiafie 1 (Telephon 44-0-38. 43-3,19) sowie bet allen in und auslnndis hen Annoncen-Expeditionen Auf Wunsch unverbindlicher Vertreter besuch! »er Mord in drr Kolainhöhle. T?ie Einzelheiten yes fnrcht'bflren. Verbrechens, dem die uno hübsche Telephonistin Fräulein Beirlaguet, die von dem Börsenspekulanten' G nv p t bet Paris ermordet worden war, ^u-m Ypser gefallen ist. sind noch nicht ganz Märt und schon besaht sich die französische Polizei mit einer zweiten, nicht weniger auMenerregende,! Mordtat. In einer Aylaiuhphle, die pgn Lebemännern ans aller Herren Ländern besucht wird, har eine Frau einen steinreichen Türken, den Millionär stblo M o h a m m e d, ermordet. Der Schauplatz dieser Bluttat ist ein altes Haus in einer ticinen Sackgasse dp? 19, Bezirkes. In der Passage Pnebla steht ein schmutziges, reparatuchedürstiges Gebäude. Es würde eine lebhafte Phantasie dazu gehören, in diesem Hause eine g eheime, luxuriöse Vergnügungsstätte zu vermuten. Wenn man jedoch auf dqs zweite Stockwerk hinausgelangt und den Taster einer geheimen elektrischen Glocke findet, die nur Eingeweihten bekannt ist, ändert man sofort die Meinung. Ein kleiner Negerboy öffnet die Tür, ein schmales, schmutziges Vorzimmer führt dann in einen geräumigen Saal, der mit der verschwenderischen Pracht des Orients eingerichtet ist. Schwere persische Teppiche schmücken die Wände, ans dem Boden Prachtvolle Polster, Ruhestätte für die Gäste, die zu Meister Colman kommen, nm sich dem verbotenen Genuß des heißbegehrten weißen Giftes hinzugeben. In diesem Raume haben sich bereits unzählige Orgien abgespielt, denn allabendlich treffen sich hier exotische Gäste, meist ans dem Femen Osten. Chinesen, Japaner, Aralber und Türken, die eine Auslage von 3000 bis 4000 Franken — so viel kostet ein Besuch bei Meister Colman — für die hier gebotenen Genüsse nicht scheuen, Auch Sonntag abends fuhren drei Herren vor dem Hanse vor. Zwei der Unbekannten verrieten auf den ersten Blick den Franzosen, Frack und Chapeau claque deuteten ans Pariser Lebemänner. Ein dritter Herr, den sie mit sich führten, war in türkischer Tracht, trotz Kenrals jüngstem Verbot mit Fes bekleidet. Es dürfte gegen N Uhr gewesen sein. Montag früh meldeten sich bei der Polizei zwei Herren es waren die befrackten Kavaliere vom Vortag Camille Jleury und Edmond Rhone — und machten die Anzeige, daß sie ihren Freund Jbko Mohammed Ben Mtzhand seit Sonntag vermissen. Sie sagten ins Protokoll, daß sie sich an diesem Abend bei Moitre Colman m der Passage Pnebla vergnügt hatten. Colman habe ihnen versprochen, den Türken nach Hanse zu bringen. Sie verließen Colrnans Wohnung gegen 4 Uhr. Selcher sei Mohammed Ben Mchcmd noch nicht heimgelchrt. Es begaben sich sofort -drei De t e k t i v e in die Passage Pnebla. Eine sofort vorgenonwene Durchsuchung der stokainhöhle führte zu einem grausigen Fund- In einen» kleinen dunklen Salon stießen die Detektive aoz zwei scheinbar Mose Körper. Aus dem tzrachtzvoM PerstrttzhpiH lag der Türke in einer furchtbaren Blutlache. -leben ihm eine jung« Frau. Die Finger, des Toten schlossen sich krampfhaft um den Hals der Unbekann-' ten. ES wuvde sofort ein Arzt gerufen und die Polizei verständigt. Der Türke war bereits tot, die Tänzerin kam jedoch nach lvenigen Stunden zu sich. Sowohl sie wie Colnran wurden verhaftet. Nachdem die Frau eine Weile ihre Schuld an dem Tod der Türken bostritten hatte, gestand sie schließlich, auf Anstiftung TolmanS einen Mordanschlag auf den Türken, der einen großen Betrag bei sich hatte, verübt zu Hatzen. Mit einem großen Küchenmesser Hobe sie Mo Mohammed rücklings überfallen. ES sei ein Handgemenge entstanden, in dessen Berlarvf sie den Mann erstochen habe. Hohe Schal« für raschendiebe. Sin moderner Oliver Twist. Harry Stein, im Charakter und Aeußeren ein treues Ebenbild der Dickensschen Fagin, verdiente nach amerikanischen Blättern sein Brot seit vier Jahren als Le h r e r der Taschendieb«. In einer engen, schmutzige» Straße des New-Gorker Judenviertels hielt er Schule, di« außerordentlich gut besucht wurde. Es kostete seinen Schülern viel« Mühe und groß« Anstrengungen, um die Zufriedenheit ihres Lehrmeisters zu erlangen. Bon mancherlei Hebungen in Fixigkeit und leiser Berührung ging es zu einem Kursus über, den selbst die Romangestalt des großen englischen Novellisten noch nicht erfunden hatte. In dem Schulzimmer wurden vollständig angezogene Holzsignren ausgestellt und an allen Ecken und Enden mit Klingeln behängen. Auch die leiseste Berührung der kleinen Taschendiebe wurde dadurch verraten und es gelang nur wenigen, selbst die äußeren Taschen der Puppen ohne ein warnendes „Klingling" zu leeren. Dst letzte Probe war am Meister selbst vorzunehmen. Wer ihn unbemerkt ausplündern konnte, war reif für seinen ,^öeruif", Steins Oliver Twist war ein 14jähriger jüdischer Junge namens Hymann G r o ß m a n n. Er war der einzige, der mit seinem Meister zusammen arbeiten durste. Bor einigen Tagen nun wurde» diese beiden Romanhelden bei ihrer Arbeit durch einen Geheimpolizisten gestört. Beide kamen ans die Anklagebank und die berühmteste Diebsschule New-Norktz hat bis aus weiseres ihre Pforten geschlossen Me der Pogrom Hehr der ukrainischen Nationalisten. Tos Lemberger ukrainische Organ „Dilo" schildert ans Grund der Berichte der Charkower ukrainischen Fettung „Wisty" die Älpung des Ukrkoaczets, in der die Krnnkolonil'atioi, besprachen wurde, imb bemerkt unter anderem, daß das stidische Komitee Komzet dein Rat der Polkskotttmissäre einen Antrag zur Reservierung voll Bodeu für die Kolonisierung von 9000 jüdischen Jaiuilieu vorgelegt hat. „Dilo^ führt weiter aus; „Nach den bestehenden Vorschriften ist für die Schaffung einer kolonisatorischen Siedlung mindestens eine Gruppe von zehn Familien notwendig. Der jüdische Komzet bemüht sich aber hei den Charkolver Behörden, die.se Norm aus sieben Familien zu verringern mit der Begründung, daß es schwer sei, zehn Familien zu sammeln. Was bedeutet dies, wenn man anderseits von tausenden jüdischen Familien als Kandidaten für die Kolonisierung spricht? Nichts anderes als einen gewöhnlichen jüdischen Dreh, um sich die Sache möglichst leicht zu machen. In dieser' Sitzung wurde auch der Arbeitsplan des Ukrkomzet für die nächsten drei Monate bestätigt. In diesem Zeitraum soll die sogenannte Herbstkampagne beendet sein, und zwar soll die Uebersiedlung der Juden in die Gegend von Cherson, Zgporoze und den Krzhworosker Bezirk durchgesührt werden. Wie wir also sehen, ühersiedeIn di e Iud en nicht in irgend eine beliebige Gegend, sondern dorthin, wo man nicht nur aus der Landwirtschaft. sondern auch aus den ukrainischen Bodenschätzen Nutzer; u n b Gewinn ziehen ka n n. Ferner sollen in diesem Zeitraum auch die Vorbereitungen zur jüdischen Besiedlung der Czongar-Halbinsel. also der Meeresgebicte, beendet werden." . , , Trotz des Protestes der Charkower Behörden schreitet diese Kolonisation intensiv fort. Im Jahre 1936 wurden über 4000 jüdische Familien augesiedelt, obwohl sie mit dem Ackerbau nichts gemein hatten und jetzt statt einer rationellen Wirtschaft auf diesem so fruchtbaren Boden die spezifisch jüdische Schlamperei und Schmutzwirtschaft treiben. Der ukrainische Bauer dagegen, dem es in Podolien, in der Kiewer, Tschernigower Gegend und in Wolhynien an Boden fehlt, muh immer wieder die Schar der Arbeitslosen in der Ukraine, die jetzt schon Zehntausende zählen, vermehren, oder er ist gezwungen, auf der Suche nach einer Existenz» Möglichkeit ins Ausland zu emigrieren, weil seinen freien und s ch ö n st o u Boden im Chersoner unb K r z y wor » sker Gebiet die Juden besetzen. Wenn man dem ukrainischen Bauer wese Erde geben würde, hätte er nicht nur sein Auskommen davon, dies würde auch dem Staat nützen, denn der Ukrainer, ist geborener Landwirt. Den jetzigen Herren aber scheint es wichtiger zu sein, die Erde den der Landwirtschaft unkundigen Inden als den geborenen Internationalisten zu geben, statt dem ukrainischen Bauer, der an seine Heimat, an sein Volk und an seine Kultur gebunden ist. Der ukrainische Bauer, der in die Welt auf die Suche nach Boden geht, hat von niemandem Hilfe zu erwarten. Ganz allein sucht er das neue Leben, und was ar er» SejienrcAmtng an Amerika. Die unbezahlten Schulden der Vereinigte« Staaten. Bekanntlich haben die Bereinigten Staaten die Krieg, führung der Entente finanziert und verlangen heute von Frankreich die Rückzahlung der vorgestreckten 3;3 Milliarden Dollar. Findige Köpfe haben nun herausgefunden, daß die Union, deren 160. Geburtstag tm Juli dieses Jahres gefeiert wurde, in den Jahren 1778, 1779 und 1783 Anleihen in Frankreich ausgenommen hat, aus deren Rückzahlung man heute noch wartet. Im Jahre 1778 borgte man sich von Frankreich 18 Millionen P f» n d; 1779 wnrde ein« zweite Anleihe in H p l l a n d aufgelegt, deren Kapital und Zinsen von Frankreich garantiert wurden, und 1782 folgte in Frankreich ein« Anleihe in der Höhe von 6 Millionen Pfund. Insgesamt hat Amerika von den damals gewährten Krediten 12 Millionen Pfund nicht z u r ü ck g ez ahl t, die, mit 6 Prozent verzinst, heute die stattliche Summe von 2,25 M i lliarden Pfund auSmachen. An den Garantieverpflichtungen hat Frankreich mehr als 2 Millionen Dollar verloren und die englisch-amerikanischen Berechnungen gehen nun dahin, daß sich die G e s a m t sch u l d Amerikas aus den Anfängen der amerikanischen Republik bis heut« mch auf 3,76 Milliarden Dollar tzelgufe. Bekanntlich wird in Washington rmd in Paris viel über die Streichung der französischen Kriegsschulden geredet. Ob wohl die Gegenrechnung der Franzosen, bei der die Vereinigten Staaten an Frankreich noch das für die Stabilisierung mehr als ausreichende Sümmchen von 480 Millionen Pfund zu zahlen hätten, von dem Schuldnergläubiger jenseits des Großen Teiches anerkannt werden wird? * Ein indianisches Doknment. Die amerikanische Stadt Salem int Staaten Massachusetts hat jetzt das Dokument, austdem vor 340 Jahren der Kaufvertrag -wischen den Gründern der Stadt und den indianischen Vortzüsitzern des Stadtgebietes ausgezeichnet lvuHe, in einem speziell dafür erbauten Safe untergchracht; bisher hatte es im Rathaus hinter Glas und Rahmen gehangen. Der Grund und Boden wurde damals für 80 Pfund Sterling verkauft, heute dürfte er etwa hundert Millionen Dollar wert sein. Bon den Namen der Indiynerhäuptlttrge, die unterzeichnet Hatzen, kann inan noch einige entziiffern. Sie heißen zum Beispiel San: Wnttaanoih, Thomas Usq-rteaknssermum und Wattawtinnusk. vorbereitet wird. — Sie Gefahr der Krlmkolonlsatlon. pömt und erringen wird, wird nur sem persönliches Verdienst, erreicht im Schweiße seines Angesichtes und mit blutigen Händen, sein. Dem Juden, der die ukrainische Erde kolonisiert und sie den Ukrainern rautzt, helfen nicht nur die Regierung, sondern auch die sogenannte jüdische „goldene Internationale", die verschiedenen Joints und andere Jnsti-« tutionen, die die Erde der Ukrainer und die gange Krim sich als ein neues Palästina erwählt haben. So steht es jetzt um die Verteidigung verarbeit enden ukrainischen Massen in der Ukraine und deren Schutz vor fremder und jüdischer Ausbeutung. * „Dilo" ist das Organ der ukrainischen Nationaldemakraten, einer Partei, die für die FreiheitSbestrebungsn ihrer Nation um das Wohlwollen der zivilisierten Oefsentlichkeit. wirbt. Es ehrt diese Partei sehr wenig, wenn ihr Organ in einer für Millionen jüdischer Mitbürger immerhin wichtigen Angelegenheit den Ton des infamsten Antisemitismus anschlägt. Es ist ein sehr großer Unterschied zwischen politischsachlicher Polemik und dieser Art von Betrachtung, wie sie dem „Dilo" beliebt. Wer auf den Tisch haut, ist noch kein Politiker, sondern ein Flegel. Wir nehmen aber zur Kenntnis, daß das führende ukrainische Blatt in seinem Rachedurst wegen der Erschießung Petljuras bereits auf dem Niveau der Hakeukreüzlerei angekonlmen ist. Abgesehen davon aber zeigen diese Ausführungen des zitierten Blattes die furchtbare Gefahr, die der Kolonisationsplan für die mit ihm beglückten jüdischen Siedler in sich birgt. Er zeigt die ganze große Gewissenl o s i g k e it, die mit dem Leben der jüdischen Nation ihr Spiel treibt. Während auf die Beschwerden der Bauern in der Ukraine der Volkskommissar Kalonin augenzwinkernd versichert, mau gebe doch den Juden keinen guten Boden, erklärt „Dilo" zum Zweck der Hetze gegen die Sowjets und gegen die Juden, dem ukvainischon Bauern Werde der beste und fruchtbarste Boden genommen und an die Juden vergeben. Nun mag es sich mit der Güte des Bodens verhalten wie immer ~~ Tatsache bleibt, daß es sich um enteigneten Boden handelt und daß die Inden wie überall in der Welt so auch hier zwischen zwei kreisende Mühlsteine geraten sind. Ein Teil der russischen Juden, die vom Swvjetsystvm gewaltsam und systematisch ruiniert worden sind, erblickt in dem Kolouisationsprojekt eine Rettung; dies mag aus dem Zwang der Verhältnisse zu erklären sein. Die Sowjetregierung aber benützt dies, um mit dem Golde, das aus dem amerikanischen Jndentnni kommt, also hne eigene Ausgaben, eine e w i g e u n d t i e s e K l u s t z w i s ch e n I u d e n u n d Ukrainern aufzureißen. Die jüdischen Kolonisten erhalten für die ihnen feindliche Welt den bolschewikischen Stempel, sind in ihrer Arbeit und ihrer blutigen Mühe bedroht und haben nicht einmal die Sicherheit dos Besitzes. Das a m e r i k a n i s ch e I u d s u t u in aber berauscht sich an der Vorstellung, das Judenpvoblem in Rußland zu lösen und dem Zionismus das Terrain atzzugvabeu. tz

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