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Wiener Morgenzeitung · 1926-08-25 · Heft 2696 (25.8.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2696 (25.8.1926)
Date
1926-08-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Stttß 4 M«, MMtvoch Me««r Morsmrzetttttts 28. IM) HKt, 2WB Kaftntt Ittne in Sonlott. MS London wird berichtet: 96 Stiere, die tm $tosbtn Londons zu Markte getrieben werden sollten, brachen »ns mrd griffen nach alten Richtungen das PMitmn an. Es entstand eine allgemeine Panik. Bier Perforier,, darunter ein PoWst, wurden verletzt. Der Berkchr tvar für mchre« Stunden gestört. „Klaa"Mmmemni. La» Safte ft« „«uMtftarm KSnigrelcher." EinguterRat! Nur durch zweckmässige Reklame gewinnen Sie neue Kunden! erhöhen Sie den Umsatz Ihres Betriebes? tt Die zahlreichen Leser der „Wiener Morgen-Zeitung rekrutieren sich hauptsächlich ans den kaufkräftigen bestsituierten Ständen des konsumierenden Publikums> die Sie suchen (braudien) Inserieren Sie in der „Wiener Morgen-Zeitung“, namentlich in der am Donnerstag, 9. September 1926 anläßlich des jüdischen Neujahrfestes in bedeutend verstärkter Auflage zugleich auch als Propagandanummer erscheinenden Fest-Ausgabe Diese Nummer liegt 2 Tage auf / * Anzeigggmaim^ in der Administration, 2: Bezirk, Taborstraße 1 (Telephon 44-0-3$, 43-3-19) sowie bei allen in und ausländischen Annoncen-Expeditionen Auf Wünsch unverbindlicher Vertreterbesuch! K. J. Netv-Yvtk, 10. August. Mit großem Mrplomb und mit allem Klimbim einer konspirativen Geheimorganisation ist nach Schluß des Krieges „das unsichtbare Königreich" in den Vereinigten Staaten auf den politischen Plan getreten und begann, Hsvnöers in den südlichen und »vestlichen Staaten, ganze Landstriche durch Terror und Fememorde itt Atem zu halten. Ku-Klux-Klan Ivar dkr Inbegriff üks ijititoci(fPifltyjQitttgett ntttracmttßmt®, eines amerikanischen Nationalismus, der, auverikanisch dimensioniert, auf Bluff und trotz feiner Gcheimtuerei auf große, teuere ReVanre, auf „Publicich" aufgobaut war. Das politische SHlagwort dieser in schaurigen Aufzügen agierenden Dunkelmänner war wie das Schlagwort der Nationalisten aller Lander: Kamps gegen die Freurderi, Kampf gegen die Iutzen und — darin unterscheidet sich der Ku-Klux-Klan von den Rassnfchützlern katholischer Lander — Kamps gegen die Katholiken. Ter Klan-Apparat ist nicht billig und konnte nur von den Mitteln des reichsten Amerikaners, Henry Ford, geschaffen und erhalten werden. Wie überall, hat auch in Amerika die terroristisch-nationale Blase anfangs starken Zulauf gehabt. Cowboys, Desperados, entlassene, aber noch zu allem fähige Verbrecher bildeten die Kerntruppe. Später zogen die Ford-Ällillivnen auch übergaugene Beamte, käufliche Geschäfts-Politiker und sonst uuverlätzliche .Patrioten an, die unter dem Schutz der Maske und Bermumuiig und mit Hilfe von Mordbuden politische Widersacher aus dem Weg zu räumen hofften, um sich selbst an die Fleischtöpfe des Fiskus zu setzen. Der Klan-Schwindel Hielt verhältnismäßig nicht lange an. Die Fememorde, die Massenüberfälle diäser Sippe versetzte die Mehryik irt püillsthM Scheck urtti fitflette sie zur Gegenwchr auf. Dann hatte auch Hemy Ford genug von diesem Spleen. Cr ist Mehr auf Iudenverfolguntz eingestellt und ftm aMistmitischeß Budget wiw so zuletzt auch vvtt den russischen, zu stark.in Anspruch genommen. Mit der Zurückhaltung Fords Begannen auch die Mit- «rd Nachläufer des Ku-Klux-Klan sich zu verziehen. Die strenge Anwendung >der amerikanischen Gesetze gegen sÄche Ausschreitungen trüg auch das Ihrige dazu bei, daß die Furcht vor de« verkappten Beherrschern der „unstchibarett Königreiches" allmählich schwand, wodurch auch ihre Kraft erlchmen mußte. .Heute wagt man schon selbst in ihren .Hauptnestern bei lokalen oder Wahlen für Staatsstellen ihnen Kandidaten etttgegenzustellen und .den Kampf gegen sie offen zu führen. In Grlllh County, im Staate Missouri, ist ihnen sogar das für sie Schrecklichste widerfahren: eine ihrer größten Kanonen wurde hei der Wahl eines State Representntiv Von dem MdstchM Famvir Simon FtsthMlMN, der sein Gegenkandidat war und eine erdrückenide Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhielt, besiegt. Auch int Staate Kansas wurden die Klan-Führer bei den letzten Wählen durchwegs geschlagen und ihre ProtestmanifestaiilNt gegen den Euch« r ist ischen Kongreß der Katholiken endete mit einem schMWichen Fiasko. Die Klan-Dämmerung vollzieht sich mit unerbittlicher Folgerichtiglkert. Der Ku-Klux-Klan wird bald ein „unsichtbares Kö.n ig.re ich" indes Wortes natürlichster Bedeutung fein. VI. Geliebte Juden — ihr, die ihr Theater besucht und kritisiert mnd euch amüsiert — habt ihr eine bl alle Ahnung, was „Theater" in Palästina bedeutet? Theater — das ist ein Saal. Ein Saal. Punktum. Natürlich hilft die Kunst des Architekten, diesen Saal so unmöglich als möglich für die Zwecke des Theaters zu machen: einmal macht er eine schöne Gliederung in der Decke: Hübsch viele Querbalken mit Feldern, die die Stimme so nett brechen, daß ihr ganzer Klang verloren geht... ein anderes Mal konstruiert er sine mächtige Längshalle mit gewölbtem Dach und nettem, doppeltem Echo . . . ein drittes Mal — aber wozu aufzählen.' Theater in Palästina — das heißt bis jetzt: schlechtes Bovstadtkinogebäude, denn es gibt nicht einmal ein gutes, elegantes Kino. Theater heißt: so enge, unbequeme Holzsessel, daß ein korpulenter Besucher mit der .Hälfte feiner Sitzfläche den Darbietungen der Künstler folgen kann, weil die andere in der Garderobe abgegeben werden muß. Theater heißt — vier enge Löcher als Garderoben für die Künstler. Die Primaballerina empfängt bei Gott kerne Besucher in ihrer Garderobe, es wäre nämlich kein Platz für einen zweiten Sessel darin . . . Theater heißt: ein „Foyer" von fünf mal acht Meter in Jerusalem, von vier mal fünfzehn Meter in Tel-Awiw. Theater in Palästina — das heißt: eine Bühne ohne Versenkung und ohne Bühnenboden, so niedrig, daß die Kulissen' nicht in die Höhe gezogen werden können, sondern nach jedem Akt fein säuberlich hinausgetragen werden müssen — und so wenig tief, daß man hinter der Szene nicht Platz hat, um eine neue Szene vorzubereiten, ja nicht einmal Platz hat, um hinter der Bühne auf die andere Seite der Bühne zu gehen: wer so unborsichtig war, rechts abzngehen und lirrks auftreten soll, der muß die Folgen tragen: er muß auf die Straße gehen, um ans diese Weise auf die andere Seite des Bühnenraumes zu gelangen. Ohne Scherz — das ist das - palästmenfische Theater von heute! Juden Europas und Amerikas — wollt ihr nicht vielleicht einmal überlegen, ob ihr nicht helfen sollt, daß würdige Meateroebävde in Palästina gebaut werden? Die Verfehlungen einer Proknriftin. Trotz 75V Schilling Monatsgehalt die Firma um 4V.VVV Schilling geschädigt. Im Sicherheitsbuveau hat eine hiesige Schuhwarenfirma die Strafanzeige erstattet, daß sie von ihrer Prökuriftin, der 36jährigett Anna I l l i n g e r, schwer geschädigt worden >sdi. Die Prokuristin war seit dem Jahre 1919 bei der Firma angestellt und genoß das größte Vertrauen. Ihr Monatsgehalt betrug 750 Schilling. Vor drei. Wochen war sie auf Urlaub gegangen und in ihrer Abwesenheit stellte vin Beamter der Firma fest, daß die Buchführung nicht in Ordnung.sei; ein Kunde hatte mitgeteilt, daß er hundert Dollar übersendet Halle, doch war der Eingang der Summe nicht, verbucht. Ein Buchlsachverständiger schätzte den Schaden auf rund 40.000 Schilling. Als die Jllinger am 23. d. von ihrem Urlaub, den sie auf Arbe verbracht chatte, zurückkehrte, wurde sie im Sicherhettsbureau einvernommen. Sie gab wohl zu, sich Geld aus der Kasse genommen zu haben, bestritt aber die' Absicht einer Veruntreuung und wollte glauben machen, daß sie das Geld bloß in Erwartung .ihrer Bilanzgelder in der Höhe von 5000 Schilling der Kasse entnommen und im Drang der Geschäfte es unterlassen habe, die Beträge auch zu verbuchen. Sie hat zur Schadensgulmachung ihre Wohnung, für die sie 3800 Schilling Ablöse gezahlt hat, samt Einrichtung im Werte von 5000 .Schilling angeboten. Sie wurde dem Landesgericht eingelisfert. LebensgeMrliche Straßenausbefferungsarbetten. Ein schwerer Unfall in Meidling. In der Meidlinger Hauptstraße werden gegenwärtig Arisbesserungsarbeilen vorgenommen. Das Geleise des Ser-Dagens ist an verschiedenen Stellen zwischen den Schienen ausgerisien. Bei einer solchen abschüssigen Stelle ist Hestern abends gegen 9 Uhr ein bisher unbekannter Radfahrer in ein unbeleuchtetes Loch hineingefahren, stürzte mit dem Rad urid blieb' mit einer schweren Kopfverletzung und Gehirnerlschütterung b ewußtIos liegen. Unter riesigem Aussehen wurde er in em nähegelegenes Haus und von dort durch die Nettungsgesellschaft auf die Unfallstation gebracht. Die Unglücksstelle war unbegreiflicherweist durch kein Lichtsignal gesichert. Die Eichungen über die.Verschuldenslsrage sind eingeleitet. Die Mer der Serge. Sechs Personen abgestürzt. Aus Innsbruck wird berichtet: Beim EtzMoeiißpf-lücken stürzte, wie der „Tiroler Anzeiger" meidet, der 26jährige Robert G i e s e ck e aus Eppan am Penogal bei Eppan ab; auf dem Titsch im Valfevtal bei Brixen stürmte die 22jährige Luise Mayer aus Brixen ab. Nach den ^Innsbrucker Nachrichten" stürzte auf dem Brenner die 13jährige Marie Eisenftecken auf Pfitsch ab. Alle drei blieben tot liegen. In den Wänden der Köllefpitze wurde die Leuche des seit neun Tagen vermißtem Studenten Engl aus München aufgefunden. Auf «dem Wege znur HÄnmMorn wurde die Leiche eines 20jährigen Mannes gefunden, dem die Hälfte des Ko Pf e s f eh!lt e. Es handelt sich vevnmtkch um den Studenten Oskar Hagge n mül'le r aus Kempten, der bei einem Unwetter die Orientierung verloren haben Mtft« und über einen mehrere hundert Meter hohen Abhang hinäbgestürzt ist. Am Sonntag stürzte der 23jährige Arbeiter Pendl aus Kaltenbach beim Edel w ei ßpf lücken auf der sägenanten Sonnwand am Tristner in den Zillertaler Mipett ungefähr 100 Meter tief ab. Er wurde von Kamevaden geborgen, starb jedoch während des Transportes an den erlittenen BerbetznNgen. Der Mgermord im Schneeberggebiet. Neugehauer leugnet jede Schuld ab. Aus Wiener-Neustadt wird berichtet: In der Movdaffäre der beiden Jäger Johann Berger und Florian Spanrrng, welche in der Nacht von Sonntag auf Montag vorige Woche am Kuhschneeberg ernwvdet wurden, ist noch keine Klärung eingetreten. Der verdächtige Förster N engeba«er wurde zur besonderen Üntersuchurrg vom Bezirksgericht Gutenstein an das hiesige Kreisgericht überstellt. Neugebauer ist vollständig znsammengebrochen, doch leugnet er noch immer, mit der Tat in irgend welchem Zusammenhänge zu stehen. Straßenname«. In,-bcr Londoner Zeitschrift ,Mchiteeture" ergieß: em Schriftsteller seinen Spott über die amerikanische Praxis, den Straßen Nummern statt Namen zu geben. Man mag freilich, so behauptet er, die'Schnelligkeit der Franzosen und Italiener sttoos lächerlich finden, mit de: sie einen Heldennamen an einer Straßenecke Verewigen, um ihn vielleicht 14 Tage spater wieder for^unchmen mit der Be^gründung, daß jener ,Held" sein Vaterland mit Schimpf und Schande bedeckt habe. Mer liebet die „rhetorische Verherrlichung von Palast- Und Bankrevolniionen, von Kabinettsmrd Ausschußkrisen" wie in den breiten Avenuen südamerikauischer Hauptstädte als die „Bankrotterklärung 'bet Tradition oder Phantasie", die de« Straßen Nummern gibt, als ob „irgend eine städtische Rechenmaschine 'bei ihnen Pate gestanden hätte". Eine Straße, die sich „Straight" nennt, das ist Poesie, aber töc Avenue, die die ^Fünfte" heißt, das ist Avithmerik, Maihematik. Die Amerikaner sind zwar eine junge Nation, ihre Geschichte reicht aber vollständig aus, um den Haupt- und Ndb.'nstraßen ihrer Straßen wirkliche Namen geben zu können. Und was den Bankrott der Phantasie betrifft, welcher anderen Nation der Welt ist es jemals eingefallen, jedem seiner erstklassigen Eisenöahnwaggons ildamen zu geben? Nein, die Gründe, warum Amerika diese Mechode ausübt, sind sehr nüchterner Natur: AmerNa numerieert sei« Stvaßen nicht, weil es ihm an Geschichte oder Phantasie gebricht, sondern weil sem Gott der ,Lahlenrausch" ist. Die Verhältnisse werden sich jedoch vielloicht einmal so andern, daß die amerikanischen Straßen Nawen erhalten und ruch: auf «vem Altar dieser Gottheit geopfert werden. Mer Autos, Motorräder und Radio nmffen eine gewisse detzentralisterende Wirkung ausüben. Erst wenn die fieberhafte Erregung der Menschen und Städte abflaut, dann werden die numeriertrn Straßen allmählich wiMiche Namen bekommen und mau wird daun in Amerika in oiuer ,Mosevertstraße" oder einer „Walmißbaumallee" oder „SonnenuMergaUgsstraße" wohnen können, denn niemand, nicht ornmai der praktische Amerikaner, lebt gern in der 127. oder 913. Straße. ES gibt klüge SeMe in New-HoÄ, die diese Enttvicklung prophetisch vorauGHäuen und ihre geschäftlichen Interessen brreüs «lf diese Erkenntnis einznstellen beginnen. XMIroKr VDnfIvflt W® vtffttwiwlnlBvil ezirkSsektiou Bri g ch-i- Zionistische tenau. Morgen schüMUng, PeztrkS sektton B rl DönneMag um 8 Uhr abends dringende A»S- Hebrütfche Kurse für Anfimgirr und Fortgsschvittene, für Kinder und Erwachsene werden von der z t o n t st r i ch e n B ez i r k 8! e k t i o n des v. Bezirkean; 1. September eröffnet. Im ArrfLpgerkurs wird Sprache, Bibelrmd Grammatik »ttterrtchtet und im Kurs für Fortgeschrittene wird Bibel: .Hiob", netto Literatur: „81 $ a dH a a m", Wiederholung der Grammatik und Konversation vorgenommen. Einschreibungen täglich (Freitag und Samstag «rsaenommen) von 6 bi- 7 ilhr abends und Sonntag von 11 vjs 12 Uyr vormittags, im GettionSlokal, S. Bez., Liechtensteinstraße 11/13.

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