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Wiener Morgenzeitung · 1926-08-22 · Heft 2693 (22.8.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2693 (22.8.1926)
Date
1926-08-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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SeNe 4 Wien, Sonntag Menet ERmettAefhtna 22. Au inst IE viv. Heirat die Hauptrolle, zumal heute nicht einmal mehr eine Amtsbienevstklle durch die Taufe erlangt werden kann. Das Ehemoliv läßt sich auch ans Sem Alter der aus dam Judentum AuZtrernr Pen konstatieren, wie die nachfolgende Ausstellung zeigt: Jahr 14-20 20-30 3- 40 über 40 1890-1899 - 66 211 91 53 1900-1909 78 283 140 76 19B0 52 261 121 74 um 54 282 140 63 im 44 252 162 109 IMS 53 237 135 73 1914 67 271 124 80 <®S stlNche» aßo brnechokb der angegebeiren Zeitpemode 49, ^vogent im Mer vcm 20 bis 30 Jahren uitb 25,07 im Alter von 80 bis 40, somit mehr als 74 Prozent im heiratsfähigen Alter. WS zum Jahre MO nahm bas Alter von 14 bis 20 Jahren mit ungefähr 14 ProzeE an der gesamten Mischen Austtittsbewegung teil. Dam Jahre KLO sank es aber arrf 10,8 Prozent. Es scheint jedenfalls die Htonrstrfche Bewegung auf die Jugend einen derartigen Emfkrß genommen jp haben, daß sie fester im Judentum Wurzel zu schlagen begann. Aach aus dem Familienstände, der Aus tretenden läßt sich >der Nachweis dafür erbringen, daß die Ehe den hauptsächlichsten Grund für den AnStvitt aus dem Judentum bildet. Dem Zivilsiande nach waren von den Austretenden: Jahr ledig verheiratet 1890-1899 300 98 1900—1909 422 156 1910 886 126 19Ö. 416 114 1912 403 164 1913 389 109 1014 399 133 UnMföhr Bieviel aller Austr-tenden waren somit u nverheirv: et. Gm« oberflächliche Betrachtung der in diesem BLM periodisch erfolgenden Veröffentlichungen der Austritt« ans dem Judentum zeigt, daß der größte Teil der Austretenden der sogenannten Intelligenz angehvrt. Stellen wir die Berufe der Austretenden fest, 'o ergibt sich zunächst das Spiegelbild der beruflich:« Gliederung bei den Juden überhaupt. In >den Jahren 1910 bis 1914 waren dijüdischen Ausgetretenen in den nachfolgenden Bernsen tätrg: Beruf Absolute Zahl Prozentsatz Handel 556 21.1 Industrie und Gewerbe 424 16,1 Verkehr 44 1,7 Liberale Berufe 423 16,0 Sonstige Berufe 178 6,8 Berufslos 1010 38,3 Davon Studenten und Schüler 127 4.8 Mädchen bis 30 Jabren 478 18.1 Am fiäi Pen waren also Handel und freie Berufe vertreten, weil «n dieser Kategorie auch sonst die Juden am meisten tätig sind. Aus ccm bereutenarn Anteil der Berufslosen (88,3) läßt sich ebenfalls au: die mehrfach hingewiesene Ursache des Austrittes schließen, nämlich das Bestreben des Eingehens einer Ehe mit einem nichtiüdischen Tei'. Daß in den letzten Jahren das Moment der Eheschließung für die Austritisbeweg.lNg bei den Juden das ausschlaggebendste ist, dafür gib: die Austrittstabclle für 1924 nach Berufen gegliedert ein deutlicher' Beispiel. Wir führen diese an, weil sie das letzte Jahr betrifft, in dem wir die entsprechenden Daten erhalten konnten. Im Jahr 1924 fanden in Wien 848 Austritte aus dem Judentum statt. Ben den Ausgetretenen gehörten an: Beruf Ab'olute Zahl Prozentsatz Handel und Verkehr 180 21.2 7.3 Industrie und Gewerbe 61 Liberale Berufe 38 4.5 2.9 Sonstige Berufe 2b Berufslos Davon Studenten und 543 64.1 Schüler 37 4.4 Es hat sich cKifo die- Zahl der Berufslosen, die aus dem Judentum ausgetreten sind, zu denen die Ehekaudidaten zu rechnen sirrb, prozentuell stark vermehrt, wobei darauf hiuizmveiisen ist, daß die Zahl der Lrudeuten und Schüler eine kleine Zlbuahme zeigt. Dagegen ist die Prozent-Ziffer der Angehörigen freier ruid sonstiger Berufe, unter denen früher die Anstvittstendenz aus wirtschaftlichen und Karricregründen viel stärker war, im Jahre 1924 stark zurückgegangen. lieber die Zahl der zum Jud>entum übe r t r e t e n e u Personen gibt die nachfolgende Tabelle AusschWt Jahr § I je 1 N 1891-1885 419 1581 1876 1195 1896 - 1600 277 2006 3322 1456 1901- 1905 335 2 4014 1760 1906-1910 436 2374 4312 2374 1911-1915 566 2669 10202 4882 1916 -1920 997 2996 4933 2755 1921 305 707 3357 3085 1922 319 639 3195 4723 1923 237 bö7 2522 20403 Die.Zahl derjenigen, die zum Judentum übertraten, war verhältnismäßig gering, und Zwar auch hier zum größten Teile hecvorgerufen durch das Bestreben, eine Ehe mit einem jüdischen Teil einzugehen. In den Jahren 1890 bis 1900 waren 69 Prozent aller Cm re'.enben Frauen, 1900 bis 1910 bereits 78,8 Prozent mi5 1911 6:1 1914 z'.rka 45 Prozent, 1915 bis 1923 zirka 40 Prozent. Aus 20.086 Austritte i« den Jahren 1891 bis 1923 entfielen für die gleiche Zel: 89' l. C:n:nrte, beziehungsweise wurden 19,47 Prozent des Verlustes, den das Judentum durch die Austritte erlitten hatte, ö'if-'- den Uebertrit: zum Judentum wetbgemach. Ae steigende Lrbr««müv!gteit. Drei Selb st m orde und' fünf Versuchs aus äveiu Leben zu scheiden, verzeichnet die Chronik des gestrigen Tages. Ter Schuhmachergchilfe Johann Linz hat fidj infolge Arbeitslosigkeit aus einem Fenster des fünften StMverkes im Stiegenhans des Hanfes Schottenring 30 in die Tiefe gestürzt und blieb tot liegen. — Die 58fahr,'ge Wirtschafterin Therese Dvorak hat wegen Krankheit ihrem Leben durch Leuchtgas ein Ende gemacht. — Ein unbekannter Mann ist von der Franzensbrücke in den Donaukanal gesprungen und ehe die Nettungszille ihn erreichen konnte, nntcrgegangen. — Unter den Selbstmordversuchen gab es drei Leuchtgasvergiftungen (ein Briefträger, eine Erzieherin und eine Hausgehilfin). Ter Schmhnmchergchilfe Franz L., anbeit§- und wohnungslos, hat durch Lysol feinem Leben ein Ende zu machen versucht. — Die 29jährige Privrte Regina K. aus Proßnitz hat sich in einem Hotel in der Leopoldstadt mit Beronal zu vergiften gesucht und wurde beiwuizll'-L ins Rudolfsspital gebracht. Sin Familiendrama in Iöblkng. Mord rstnd Selbstmord. In Döbling hat sich Freitag nachts ein Fumiliendrama abgespielt. Die Parteien des Hauses Weinberggasse 41 hörten aus der Wohnung, die der 28jährige Zimmermaler Michael Täubl und dessen Lebensgefährtin, die 25jährige Hilde Seiler, sowie deren öjähriger Sohn innehatten, mehrere dumpfe Töne, denen sie jedoch keine'Bedeutung beimaßen. In der Früh bemerkten die Parteien, daß eine auf den Gang füchrende Fensterscheibe der Wohnung zerbrochen war, was offenbar von einer Revolverkugel herrührte. Äöan schöpfte im Zusammenhang mit den gehörten Schüssen in der Nacht Verdacht, und als man durch die Fensterscheibe in die Küche blickte, sah man den Zimmer m a l e r und seine Lebensgefährtin leblos auf dem Boden liegen. Sicherheitswache wurde gerufen, ließ die Tür ausbrechrn und fand Täubl und Frau Seiler in Blutlachen auf dem Boden liegend. Das unverletzte sechsjährige Kind spielte in der Küche mit dem Trommelrevolver. Der Arzt der Rettungsgesellschasi konnte nur mehr den Eintritt des Todes bei beiden Personen fesistellen. Wir sind unerreicht Sn Auswahl, Qualität und Preis! 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