Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2691 (20.8.1926)
- Date
- 1926-08-20
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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# Nr. SM Men, Fttffckg Wiener Möksen-eitukks snnnlSs US der jüdischen Welt Ae WeMonsierear de« Mrrachl. Me uns aus Antwerpen berichtet wird, wurde die sMisrachLonserenz am Sonntag geschlossen. Die neue - Leitung! (Merkas Olaini) bestcht aus folgenden Herren: Rabbi Meir B e r-!lin, Rabbi Fischman, Landau und Sejmabgeovdneter ' Dr. S. Feldman (Warschau). Außerdem wurde ein vierzig- ^gttedriger Waar Harascht (Zentralrat) aus Mitgliedern aller Landsmannschaften gebildet. Der Jahreskonferenz lag der erste Jahresbericht der Misrachibank in Jerusalem, endend am 30. Juni 1926, vor. Dem Bericht sind folgende Zahlen zu entnchmen: Die Bank diskontierte 3029 Wechsel über insgesamt 64,646.550 ägypt. Pfund, hört denen 80.000 ägypt. Pfund von Kaufleuten, 7000 ägypt. Pfund von kleinen Industriellen, 9000 ägypt. Pfund von Badenbesitzern, 6000 ägypt. Pfund von Lehrern und Bureauangestellten und etwa 12.000 ägypt. Pfund von Institutionen und Gesellschaften stammten. 1727 Wechsel im Betrage von beinahe 31.000 ägypt. Pfund wurden der Bank zum Inkasso übergeben. Der Umsatz der Schecks und fremden Valuten erreichte fast 100.000 ägypt. Pfund. Ferner erhielt d'e Bank 6724 ägypt. Pfund für in Palästina, den Vereinigten Staaten und in europäischen Ländern verlauste Aktien. Ausstellung der Wischen Handwerker in Litauen. Vom 29. d. bis zum 2. September findet in Kowno eine Ausstellung der jüdischen Handwerker statt, die auf Initiative des jüdischen Verbandes für Handwerk und Kleinindustrie im Einvernehmen mit der litauischen Regierung veranstaltet wird. In der Ausstellung werden alle Zweige jüdischer Produktion vertreten sein. Die Regierung hat eine Anzahl von Preisen und Auszeichnungen für Bestleistungen gewidlmt. Einwohnerstreik ln Beersheba. Bor kurzem hat die Regierung erklären lassen, daß sie den Bau der Eisenbahnlinie von Nasa nach Beersheba nicht weiterzuführen gedenkt, da die Mittel hiezu fehlen. Dre Einwohner von Beersheba haben nun in einer Versammlung beschlossen, zum Protest alle Arbeit ruhen zu lasse'». Ju dem Beschluß wird noch gesagt, daß die Einstellung des Eiscnbahnbaues den Ruin von Beersheba und des ganzen Kreises zur Folge haben müßte. Besuch italienischer Studenten in Palästina. Dreißig Studenten der T r i e st e r Handelshochschule unter Führung von Prof. Julia S u b a k sind zu einem Studiumaufenthalt in Palästina eingetroffen. Zu Ehren der italienischen Gäste fand im Gymnasium zu Tel-Awiw eine Kundgebung statt. Ansprachen hielten Prof. Subak und'mehrere frühere jüdische Studierende an italienischen Hochschulen. Aus der Straße wurden die Gaste ,m i t Hochrufen auf Italien empfangen. Man sieht in diesem Besuch ein Zeichen wachsenden Interesses Italiens für die Palastinawirtschaft und die Wirtschaft im nahen Osten. Der Rabbiner von Rzeszow gestorben. Aus Rzeszow wird der plötzliche Tod des Ortsrabbmers Nathan Lev in, der in der Sommerfriiche Babica einem Herzschlag erlegen ist, gemeldet. Der Verstorbene, der beim berühmten jüdischen' Gelehrten und Lemberger Rabbiner Isaak S ch m e l k e s, dessen Schwiegersohn er später wurde, in die Lehre gegangen ist, war seit dem Jahre 1906 Rabbiner in Rzeszow. Neben einem umfassenden talmudischen Wissen besaß Levin auch eine breite wissenschaftliche Bildung. Er beherrschte einige Sprachen und war mrt der philosophischen Literatur vertrant. Der jüdischen nationalen Wiedergeburtsbewegung stand er nahe und erwarb kurz vor seinem Tode Boden in Palästina. Vom jüdischen Stndenteninsormationsburean in Nancy. Mit Rücksicht auf den bevorstehenden Beginn des neuen Schuljahres teilt das Jnformationsbureau des jüdischen Studenten- Vereines in Nancy mit, daß alle jüdischen Studenten, die ihre Studien in Nancy und in Frankreich überhaupt betreiben wollen, beim Bureau des genannten Vereines über die Aufnahms- und Lebensbedingungen, Lehrplan und Kurse an allen Hochschulen Frankreichs genaueste Informationen einholen können. Anfragen, welchen die Porwauslagen für die Rückantwort beizuschlteßen sind, sind an die Association des Etudiants Juifs de Nancy, 24, Rue du Haut Bourgeois, Nancy (Avance), richten. Statistik der palästinensische» Aerzte. Nach dem letzten Verzeichnis der Organisation der jüdischen Aerzte in Palästina hat die Zahl der Aerzte im Lande sich in folgender Weise entwickelt: Es gab im Lande im Jahre 1920 133 Aerzte (darunter 98 jüdische), 192f 249 Aerzte (129 jüdische),'1932 306 (171 jüdische), 1923 353 (208 jüdische), 1924 410 (265 Mische). 195 516 (861 jüdische). Am l. Jänner 1926 erreichte die Zahl der jüdischen Aerzte in Palästina 388 (darunter 119 AeHtinnen). Die jüdischen Aerzte verteilen sich auf die einzelnen Orte in folgender Weise: Jerusalem 96, Tel Awiw und Jaffa 132, Haifa 53, Liberias 7, Safed 7, übrige Städte 7; judäische Kolonien 29, Kolonien in Samaria 7, Emek Jesreel 13, Untergaliläa 2, Obergaliläa 5. In Städten mit gemischter Bevölkerung und ohne Inden gab es am Schluß des Jahres 1926 unter 168 Aerzten 118 jüdische. * Der Minister als Ranfbold. In Riga ereignete sich vor einigen Tagen ein Vorfall, der große Entrüstung unter der Bevölkerung hervorrief. Auf der Promenade vergnügte sich der gewesene Mini st er des Innern und jetzt Führer der Faszistenorganisation in Lettland und Redakteur des größten antisemitischen Tagblattes, Eduard Berg, damit, jüdische Passanten anzurempeln. Als ihn der Ingenieur M a y e r s o h n einen Lausbuben nannte, kam es zu einer Rauferei, der die Polizei ein Ende machte. Die Polizeicommunique stellt den Vorfall so dar, als ob Berg zuerst angegriffen worden wäre. Es vergeht kein Tag ohne einen Ueberfall in beu Straßen Rigas. An den lieber fällen nehmen insbesondere f a s z i st i s ch e Studenten teil. Vor einigen Tagen wurde auf diese Weise der jüdische Abgeordnete Professor M. Lasar so hu beleidigt. * Achtung beim Lösen von Rückfahrscheinen auf der Stadtbahn. Zur Erleichterung des Verkehres und zur Bequemlichkeit des Publikums können auf der Wiener elektrischen Stadtbahn schon beim Fahrtantritt Fahrscheine für die Rückfahrt gelöst werden. Die Rückfahrscheine sind jedoch bei den Kassen ausdrücklich als R ü ck f a h r s ch e i n c zu verlangen, weil sie sonst abgestempell werden und dann für die Rückfahrt ungültig sind. * Unbehobener Prämiengetviun. Am 1. Juli fand die Prämienziehung der Wassenkraftwerke-Obligativnen der. zweiten Emission statt. Der Treffer im Werte von 100,000.000 Kronen fiel auf Serie 2, Nummer 2964. Da sich der Gewinner der Prämie bis heute noch nicht gemeldet hat, wird er aufgefordert, die Prämie bei der Wassenkraftwerke-A.-G. zu beheben. * Fünfzehnte Klassenlotterie. Bei der gestern abgehaltencn Ziehung dks zweiten Tog«s der brtMen Kloße sirwc» neu: 25.000 S. das Los Nr. 82.948; 10.000 S. das LoS Nr. 91.802; 30« 0 S. das Los Ns. 25 l 17 : 1C00 S. die Lote Nr. 21.471. 61.267,72.552 86 560, 89.396. Außerdem wurden 992 Fewinne. zwischen 600 S. und 128 S. auSgelost. * Bubikopfreifen, Marke De-Pe, gesetzlich geschützt. Eine praktische Neuerung für den Bubikopf bildet der neue 'Bubikopfreifen De-Pe, besonders geeignet, bei Tanz, Sport, Fabrik und Heim. Die einfache Handhabung sowie die Ausführung des Artikels zwingen jeden, der den Reifen sieht, diesen Reifen zu kaufen. Derselbe ist in allen einschlägigen Geschäften zu haben. Engrosverkauf bei Dukesz u. Paschkusz, Wien. 1. Bcz., Bauernmarkt 24. Telephone: 67-1-55 und 62-7-55. Bühne und Kunst. Shaw im Lichte der englischen Presse. Aus Anlaß des 70. Geburtstages von Vernarb S h aw veröffentlicht die „Literarische Welt" eine Zusammenstellung von englischen Zeitungsausschnitten über den in seinem Heimatlayh nicht sehr beliebten Dichter. Wir entnehmen dieser Zusammenstellung folgende interessante Bemerkungen: Shaws Entwicklung ist ein Hohn auf alle Vererbungstheorien; es war keinerlei Grund dafür vorhanden, daß das Kind eines Angestellten in den mittleren Jahren und einer um zwanzig Jahre jüngeren Frau drei Jahrzehnte lang die Intelligenz der ganzen Welt in Erregung halten und faszinieren.sollte. „Daily Herald." Shaw ist nicht nur ein großer Schriftsteller — zweifellos der größte unseres Zeitalters — wenn Größe am Grad geistiger Unruhe und pes Enthusiasmus gemessen werden kann, den einer erregt. Er ist auch ein gri^ßer Mensch. „Daily Herald." # Meine' erste Erinnerung an den kleinen „Sonny" Shaw, wie wir ihn immer nannten, zeigt ihn als 10- oder 11jährigen Jungen, der an einem Tisch sitzt und aus Pappendeckel ein Theater fabriziert (sicherlich eine prophetische Handlung). Ein blasses, zart anssehendes Kind und schon damals von einer Ruhe in seinem Wesen, die inan selten an Kinderü dieses Alters findet. Ada Tyvell. „The Tdtly News." * Shaw erklärte einst lachend, er hätte wegen des Geldes geheiratet. Ebenso stellte er fest, daß er als ein gesunder Junge nichts als eine Last für seine darob verlegene Familie gewesen sei: „Ich habe mich, nicht selbst in den Lebenskampf gestürzt; ich habe meine Mutter hineingestoßen. Ich war nicht die Stütze für, das Alter meines Vaters: ich Hab mich an seine Rockschöße gehängt." ' .,Sunday Expreß." * In Wahrheit ist Shaw, wenn er sich auch als Mephistopheles maskiert, durch und durch strenger Moralist und heroischer Idealist. Ein Großteil an ihm ist puritanisches Melodrama, ebenso streng im Zweck wie phataftisch in der Form. Garvin im „Observer." * Er ist der große Protestant unserer Zeit, ein Individualist vom Scheitel bis zur Sohle, ein Sozialist lediglich deshalb, weil er möchte, daß die Geschäfte des Tages auf anständige und ordentliche Weise durchgeführt werden. Wenn zu seinen Lebzeiten in England die Sowjetrepublik ausgerufen würde, so wäre er der erste, der sich subversiv gegen sie betätigen würde; der zweite wäre H. G. Wells, und der dritte, den man aufs Schaffst schleppen würde, Sydney Webb. St. John Ervine im „Observer." * Shaw hat mit einer Verachtung, die an Gewalttätigkeit grenzt, alle die üblichen menschlichen Vergnügungen verworfen. Tie Erklärung hierfür liegt nicht in einer wilden Aszese moralischer Natur, sondern darin, daß die Natur hier in einer sportlichen Laune diesen G. B. S. hervorbrachte, ein Individuum, das, selbst nüchtern, uns schon am frühen Morgen um drei Soda- Whiskis voraus ist. Seine Vitalität verwirft landläufige Stimulantien. Solche Reizmittel wären genau «so lächerlich, als wollte man ein Glas Schnaps in einen Vulkan gießen, um ihm etwas aufzuhelfen. Shaw lebt von Bohnen wie andere von Rindfleisch. Würde er sich ein Beefsteak und eine Flasche Burgunder einverleiben, so würde er, denke ich, bestimmt sofort explodieren. Jvor Brown in „The Saturday Review." * Siebzig zu werden ist so ziemlich das einzige Normale, was Vernarb Shaw in seinem ganzen Leben mit andern Menschen gemein hat, und er tut auch dies nur unter dem Zwang der Verhältnisse. Garvin im „Observer." * Die Tatsache, daß er an der Schwelle des 71. Jahres angelangt ist, scheint ein Ereignis zu sein, das die Welt mehr interessiert als G. B. S. selbst. „Westininster Gazette." * Siebzigjährig hat er die Kraft eines Dreißigjährigen unt> es ist für uns, die wir ins mittlere Alter hineinschludern, tröstlich zu wissen, daß er einer jener Typen ist, die ihr Bestes nach ihrem Fünsunddreißigsten und nicht vorher leisten. Sein ganzes bisheriges Leben war eine ausgezeichnete Reklame für das vierte, fünfte, sechste und siebente Jahrzehnt und wird es zweifellos für das achte, neunte und zehnte sein. „Saturday Review." Wohlan denn, G. B. S., los auf Methusalem! „Saturday Review." 20. August im " Scke * Preisünderung in Ben Punde-theatern. Rur in AnSrnchrn-Men besondere Preise. Nach den Ergebnissen der letzten Spielzeit wurden für daS Spieljahr 1926-27 die Preise für die Vorstellungen in der Staatsoper und im Burgtheaber geändert. Es werden nur bei wenigen ganz besonderen Vorstellungen erhöhte Preise angesetzt werden. Für all« übrigen werden die Normalpreise in Geltung bleiben. Diese Preise stellen sich für die Vorstellungen im Operntheater bei den meisten Sitz- und Stehplatzkategorien billiger als ty« früheren Preise bei den gewöhnlichen Vorstellungen. Bei den Logen im 1. und 2. Rang findet eine Differenzierung statt, so daß die der Bühne näher gelegenen Logen (Nr. 1 bis 6) billiger find als die weiter rückwärts befindlichen Logen, welche einer größeren Besncheranzahl Platz bieten. — Im Bnrgtheather wurden die bisherigen Preise für Logen und Logensitze herabgesetzt und wurde eine Differenzierung in den Logenpreisen nach Lage der Logen bei allen drei Rängen vorgenommen, hingegen aber die Preist der vorderen Parkettsitze rmd einzelner weniger Galeri-esitze etwas erhöht. » Da die im Vorjahre errichtete Filialkasse im Qperngebäude sehr wenig in Anspruch genommen wurde, wird sie tat Spieljahr 1926-27 nicht mehr eröffnet werden. Der Kartenverkauf für die Dundescheater findet daher wie früher nur bei den Tageskassen, 1. Bez., Bräunerstratze Nr. 14, zu den festgesetzten Kassastunden statt. Die Ausgabe der Stammsitze erfolgt gleichfalls bei den vorerwähnten Kaffen, jedoch nur an Werktagen, und zwar in der Zeit von 11 bis 1 Uhr und 3 bis 4 Uhr An« den Theatern. DeutscheSVolkStheater. Heute wird zur Feier deS 70. Geburtstages Vernarb Shaws feine Komödie „Heuchler" zum ersten Male aufgeführt, für Freitag den 27. d. stebt zur Erinnerung an Goethes Geburtstag .Iphigenie auf Tauris", für Samstag als nächste Neuheit Andrö B t ratz e a u s Lustspiel „Figuranten" auf dem Spiekplan. Am 1. September beginnt Leopoldine K o n st a n t t n in dem Lustspiel „D r. I u c t S z a b o" von Ladislans F o d o r ihre Wirksamkeit. Burian amputiert. Me der „Vecer" meldet, ist dem Baritonisten des tschechischen Nationaltheaters Emil Burian, der seit längerer Zeit an einer Muskelerkrankung litt, dieser Tage im Podoler Sanatorium ein Bein 'bis an das Knie amputiert worden. Der Sohn Jakob Wassermanns, Georg Wassermann, arbeitet an einer Operette, „König Mi'das", deren Libretto aus bet Feder Karl Wickerha users, eines jungen Wiener Autors, stammt. ' Wiener Operetten sollen in der Tschechoslowakei boykottiert werden? Wie aics Prag gemeldet wird, Hai der Verband der deutschen Bühnenleiter in der tschechoslowakischen Republik zu den jüngst vom Wiener Bühnenverlegerverein vorgeschriebenen erhöhten Material lei Haebühren für Operetten Wiener Herkunft eine ablehnende Stellung eingenommen. Die Mitglieder des Direktorenverbandes löhnen dieses Diktat des Verlegervereines ab und werben, falls der Bühnenverlegerverein ans seinem Standpunkt verharren sollte, die Aufführung von Wiener Operettenneuheiten unterlasstn. Gerichtssaal. Irr Giäikbiger darf auch ohne Anmeldung seiner Forderung über den Ausgleich stimmen. In einem beim Zivillandesgericht gegen einen nichtprotokollierten Kausmannn anhängigen Ausgleichsverfahren wurde bei der letzten Tagfahrt, in welcher über den Ausgleich abgeistimmt wurde, ein Gläubiger, der die größte Forderumg angemsldet hatte, vom AusgleichSkommissär zur Abstimmung nicht zugelassen, weil er seine Forderung verspätet angemöldst hatte. Der Ausgleich, gegen den der von der Abstimmung ausgöschlässene Gläubiger stimmen wollte, wurde nunmehr von der Mehrheit der Gläubiger angenommen. Der vom Stimmrecht ausgeschlossene Gläubiger meldete gegen den Beschluß des Ausglcichskommissärs betreffend ifit Nichtzulassung zur Abstimmung wegen verspäteter Anmeldung der Forderung den Rekurs an das Oberlandesgericht cm. Diüses Gericht gab auch dem Rekurs Folge, hob den Beschluß des Ausgleichskommissärs auf und erklärte, daß auch ein Gläubiger, der seine Forderung im Ausgleichsverfahren verspätet oder überhaupt nicht cmgemeldet habe, bei der Schlußtagsatzung das Stimnrrecht ausüben dürfe. Die Nichtamneldung der Fovdermug rechtfertige noch nicht den Aitsschluß vom Stimmrecht, >da im konkreteil Falle der Ausgleich nicht zustande geko-mmen wäre, wenn der vonr Stimmrecht ausgeschlossene Wänbiger zur MstlUlUlllng zngelassen worden wäre. Deut Ausgleich wurde die Bestätigung versagt, nachdem altch der Oberste Gerichtshof die. Eutscheidllirg des Oberlandesgerichtes bestätigt hatte. Infolge Scheiterns des Allsgleiches mußte der in Frage kommrende Schuldner in Konkllrs gehen. Keine Vergütung für Triukgelderentgang wShrend deS Urlaubes. Be-ilii Gewerbegericht hatten in der letzten Zeit wiederholt Kellner gagen ihre Dienstgeber Klagen aus Erlsatz für den Entgang an Trinkgeldern Während der Urlaubszeit eiugebrächt. Die Klagen wurden damit bvgründet, daß der Zweck des. Urlaubes, die Erholung des Beurlaubten, nicht erreicht Würde, wenn den evhöhten Allsgabell geringere Einnahmen gegenüiberstehell. Da die Trinkgelder einen wesentlichen Bestandteil der Bezüge des Kellners bilden, sei es recht und billig, daß er während der Urlaubszeit keinen geringeren Lohn beziehe als Dienstnehmer dersellben Kategorie, die kein Tvinkgökd echalten. Das Getverbegericht hat die Klage a b g e w i e f e n llnd der gvwevbegevichtliche Berufungsfenat hat die Abweisung bestätigt, und zwar cms Olrnud eines Gutachtens des Oberstnigungscnntes, welches am 8. Jänner 1926 nm eine glltachKiche dlealßerung in dieser Frage ersucht worden war. Das Obereinigungsanlt hat sein Gutachten dahin abgeg-obell, daß dem Dienstnehmer, auch wenn er burdb den Trinkgeldelltaarlg wahrend des Urlaubes geringer entlohnt ist als artdere Dienstnehnler derselben Kategorie, kein Ansprllch auf Bergütllng des Trinkgeldentganges für die Dmler des Urlanbeo zusteht.