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Wiener Morgenzeitung · 1926-08-20 · Heft 2691 (20.8.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2691 (20.8.1926)
Date
1926-08-20
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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0*lt f Me«, Fbettag Wkenek MovaMzeNrMft 20. August IM Nr. 2M Ae Palastrevolution im mzistischen Lager. (Bm unsrem Brckarester ll.-Korrcsponbentcn.) So lange die vom Jassyer Untversitätsprosessor A. C. CuW begründete und geleitete Hakenkreuzbewegung an ihrer theoretischen Grundlage arbeitete und sich nur hie und da der praktischen irdischen Betätigung im Einschlagen der Scheiden in Mischen Wohnungen, im Verprügeln jüdischer Mitreisender, im Mißhandeln jüdischer Studenten auf den Universitäten hingab, herrschte Friede und Zuversicht im Lager der »Weltverbesserer, und der Meister Cnza genoß schier göttliche Berchrung. Nun gingen die Clizisten bei den 'letzten Pavlamentswcchlen daran, die Massen für sich zu gewinnen, um in den gesetzgebenden Körperschaften eine Macht zu bilden und ihr Programm in die Tat umzusetzen. Trotz der staken Propaganda, in deren Dienst, sich ein Großteil der rumänischen Studentenschaft stellte, und trotz der Unterstützung von seiten des Innenministers Goca, der die Cuzisten mit Erfolg gegen die gefürchteten Zaranisten (sozialistische Bauernpartei, geführt von den bekannten rumänischen Politikern Dr. Lupu, Prof. Stere und Mihalachi) ausspielte, gelang es ihnen kaum, ein Dutzend Abgeordnete durchznbringen. Schon dies ^allein bereitete der großen Schar von Anhängern eine große Enttäuschung. Biele hofften aus ein,- bringliche Stellen, viele aus materielle Gewinne, viele teilten tm Geiste das konfiszierte Vermögen der Juden auf. Den Bauern versprach man, gleich nach den Wahlen die jüdischen Fabriken, Banken, Industrieanlagen zu übergeben, wenn sie für die „Befreier des rumänischen Volkes" ihre Stimme abgeben werden. Vergeblich warteten die Bauern aus die Erfüllung der Versprechungen u«b ergingen sich in vielen Ortschaften in Drohungen gegen die neuen „Apostel", die sich nach den Wahlen nicht mehr zeigten und ihr Versprechen nicht eitthiolten. Aber auch der intellektuelle Teil der Cnzisten sah sich von der Tätigkeit des Meisters in der Kammer enttäuscht. Cuza ist ein alter Parlamentarier, genießt großes Ansehen, Hütte viele Mitglieder der gegenwärtigen Regierung einstmals zu Bundesgenossen und trat nicht mit der Schärfe und Vehemenz gegen die „bestehende jüdische Gesellschaftsordnung" auf, wie es den „Jüngern" recht gewesen wäre. Im Gegenteil, Cuza zeigte in seinem.ganzen Wosen eine Hoffähigkeit, welche ihn zur Uebernahme der Regierung befähigen könnte. Cuza goß Wasser in den Wein und machte die ,,Jünger" zu Revolutionären, zu Oppositionellen. Es kam zwischen dem Meister und seinem Parteigenossen C o d r e a n n, dem freigesprochenen Mörder des Präfekten von Jassy, zu einem offenen Konflikt in der-Kammer, der nicht ohne Folgen bleiben sollte. Die jüngeren, radikaleren Elemente im Lager der rumänischen Hakenkreuzler waren mit dem politischen Kurs des Meisters nicht einverstanden, richteten an ihn in der Presse offene Briefe, in welchen sie erklärten, daß die Politik Cuzas sie um ihre Hoffnungen bringe, und verlangten die Einberufung eines Partöikongresses. Als Cuza diesem Ansuchen nicht rasch genug Folge leistete, kam es zu einem offenen Bruch. Ein Teil der Jünger berief einen Kongreß ein, um den Meister zu Maßregeln und ihn zur Vernunft zu bringen, wogegen Cuza Drohungen gegen seine Schüler ausstieß und selbst einen Kongreß einberief. Welche Formen dieser Kampf annehmen wird, läßt sich kaum Voraussagen. -Wahrscheinlich wird der Professor den Schülern Karzerstrafen mit Consilium abeundi diktieren und die Einheit der Partei Herstellen. Wahrend früher die ganze Tätigkeit der Cnzisten auf die Verfolgung und Expropriierung der Juden eingestellt war, dehnten sie jetzt ihr Programm aus das gesamte politische, soziale und kulturelle Gebiet aus. In ihrem Parteiorgan „Arma" fassen die Cuzisten ihre Ziele und Bestrebungen in folgenden Punkten zusammen: 1. Reduzierung der MilitardlenstJeit aus ein Jahr, jedoch mit der Beschränkung, daß der Soldat kein Analphabet sei. Er wird solange im Dienst behalten, bis er lesen und schreiben erlernt. 2. Alle Fabriken, welche Alkohol erzeugen, werden beschlagnahmt. 3. Konfiszierung des jüdischen Vermögens und Vertreibung der Juden nach Uganda, weil Palästina als Geburtsort des Heilands die Juden nicht ausnehmen kann und davs. Aber auch bei der Realisierung des Programms ergeben sich zwischen dem Pavteiches und seinen Anhängern Differenzen. Während Cuza mit gewaltsamen Maßnahmen - bloß droht, im ganzen und großen aber als schier 70jähriger Greis in sich kaum die Kraft noch verspürt, Welten umzustürzen, verlangen seine Jünger, wenn es sein muß', sogar einen revolutionären Staatsstreich, um ans Ziel zu gelangen. Der Zwiespalt ist nicht mehr in programmatischen Punkten zu suchen, vielmehr in der Weltauffassung des gereiften Mannes und der stürmischen Jugend. Daß die ganze Bewegung ihre geistigen Waffen aus den antisemitischen Werkstätten Deutschlands holt, bedarf kaum besonderer Erwähnung. Alle Lügen und Verleumdungen gegen die Juden, gegen den Talmud, alle Kindermärchen aus den „Weisen von Zion" sind, in Deutschland geboren und in Rumänien aufgezogen, mannbar geworden. Interessant ist noch die Tatsache, daß bei den letzten Parlamentswählen den Cnzisten in vielen rein deutschen Dörfern, trotz der Vernichtung des deutschen Schulwesens durch die rumänische Regierung/ keine Stimme fehlte. Die zerstreuten Söhne Gevmaniens wenden gespeist von der vergifteten Quelle, die Menschenhaß und Völkerunfrieden stiftet. Trotz des Zwiespaltes im Lager der Cnzisten wäre es verfehlt, Res« Bewegung von jüdischer Seite aus zu bagatellisieren. In puncto Judenhaß sind sich Meister und'Jünger einig. Zu einer Volksbewegung freilich kann der Cuzismus in Rumänien nicht Heranreisen, da die rumänischen Bauern jeglicher politischen Betätigung abhold sind und sich für die Partei entscheiden, welche ihnen die Zuteilung von Boden, von Wäldern verspricht und das ist die auf den broiten BaucrttMassen aufgebaute zaranistische Organisation. Absall von Hitler. Die Spaltung unter den österreichischen Hakenkreuzlern. Wie wir am Montag bereits berichteten, kam es auf der nationalsozialistischen Parteisitznng in Passau, der auch Hitler beiwohnte, zu einem offenen Gegensatz zwischen den österreichischen Nationalsozialisten (Hakenkrenzlern) und Hitler, da dieser die vollständige organisatorische Eingliederung der österreichischen Nationalsozialisten in die reichsdeutsche Parteiorganisation, verlangte und eine vorherige Erörterung und Prüfung dieses Zusammenschlusses ablehnte. Diese Differenz hat zu einer neuen Spaltung in der n ak! o n a ls o zta l tst is ch e ii Partei tu Oesterreich geführt, indem entgegen der Haltung der Führer der österreichischen Partei die. Landesverbände Steiermark, Kärnten, Tirol, Oberösterreich und Waldviertel sich ausdrücklich der Führ u n g Hill e r s unterstellt haben. Sie bilden nun einen neuen Verband, die nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei Oesterreichs (Hitler-Bewegung), die als Gau Oesterreich in die Gesamtbewegung eingegliedert wird und mit dieser eine organisatorische und ideengemäße Einheit bildet. Es wurde bis zum Gantag, der noch.im August abgehalten wird, ein Ausschuß gebildet, dem die Nationalsozialisten Gräber und L o ß m n n n aus Wien, als Vertreter der Länder Knaus aus Graz und D e r d a aus Krems, angehören und dem die Ausarbeitung der neuen Statuten obliegt. Daneben besteht noch weiter die bisherige alte nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei Oesterreichs, der die Ortsgruppen in Wien, Niederösterreich und Salzburg unterstehen, die sich dem Kommando Hitlers nicht unterworfen haben. Antisemitische ötmßenkravalle in Paris. Astachenriverfülle auf jüdische Restaurants. 5. Paris, 19. August. Montag nachts haben sich hier Szenen abgespielt, die man in der Weltstadt Paris nicht für möglich gehalten hätte. Jus einer kleinen, nichtigen Kaffeehausrauferei entwickelten sich plötzlich Krawalle, die fast nach östlichem Muster angelegt waren. In dem in B e l l e v i l l e gelegenen Cafe S ad o u l, einem jüdischen Rendezvousort, war ein jüdischer Gast mit einem betrunkenen tschechifchen Arbeiter in Streit geraten. Als ihm der Tscheche ein Schimpfwort zuries und ihn o h r f c i g t e, kam es zu Handgreiflichkeiten, in die sich auch andere Gäste einmengten. Als der Arbeiter ohnmächtig wurde, lief jemand auf die Straße und schrie, dieJudenhatteneinett Franzosenermordet. Sofort sammelte sich eine große, aus Nacht^esindel bestehende Menge um das Cafe. Der Besitzer des Cafes forderte, mit dem Revolver tn^der Hand, die jüdischen Gäste auf, sein Lokal sofort zu Verla s s e n. Die Polizei schritt ein und räumte die Straß«. Darauf zog die Menge unter der Führung vdn zwei Männern namens F r a n c i s e und S e m a n in die nächste Straße, zum Faubourg de Temple, zu dem jüdischen Restaurant Vernarb. Franeise rief unterwegs: „Rache an den Zionist en!" Das Restaurant wurde überfallen und mit einem Steinregen überschüttet. AlleFensterundTüren gingen in Trümmer. Auf der Straße wurden jüdische Passanten angehalten und verprügelt. Einer derAngegriffenen, ein Schächter namens Jankovitsch gab in der Notwehr einen blinden Revolverschuß ab. Er wurde von!>er Polizei sofort verhaftet.. Die Unruhen nahmen einen derartigen Umfang an, daß ein außergewöhnlich starkes Polizeiaufgebot ausrüüen müßte, um wieder Ordnung zu schaffen. Franeise, Seman und ein gewisser Hubo wurden verhaftet. Auf dem Kommissariat erklärte sich Franeise stolz als A nt i s e m i t. Als sich Dienstag nachmittags wieder Apachenmaflen vor dem Restaurant Bernard sammelten, wurden sie sofort von der Polizei auseinandergesprengt. Seither haben sich die Krawalle nicht mehr wiederholt. Der Pariser „Soir" bespricht die Krawalle in einem Artikel mit dem Titel: „Ein Äreuzzug der Pariser Huligans gegen die Iuden in Belleville." Bei den Unruhen wurden mehrere Juden leicht verletzt. Das Cafe Sadonl wird von den Juden nicht mehr betreten. Ae polnische Handelsflotte. Warschau, 19. August. In einer Konferenz im Prätbiitm des Ministerrates berichtete der Handelsminister über ne Bemühungen zur Schaffung einer Handelsflotte. Die bisherigen Ergebnisse seien minimal. Polen besitze zurzeit nur zwei Handelsschiffe. Es wurde ein Anschuß gewählt, der weitere Vorschläge zu erstatten hat. Man erträgt auch die Errichtung einer Unternehmung,!>ie binnen drei Jahrelt eine Flotte von 18 Handelsschiffen chaffeu soll, Swel Millionen Pfund für die PalWnaarbeit. Ein Aufruf der Aionistkschen Organisation. Die Zionistische Exekutive und das Präsidium des Z onistischen AktionSkonritees erlassen beit folgenden Aufruf: /»Die Zionistische Organisation, die die Verantwortung für den Wiederaufbau des jübtfdj««' nationale» Heimes auf sich genommen hat, beschloß ein A r b e i t s b u d g e t. welches Palästina eben in den Stand setzen soll, die augenblickliche Krise zu überwinden. Die schwierige Lage des letzten Jahres war keine Folge unüberwindlicher Bedingmrgen oder solcher Hindernisse, die in der Natur des Landes oder im Wesen der jüdischen Einwande-- rung liegen. Sie entsprang vielmehr den nicht ausreichenden Einnahmen des Keren Hajessod und des Kererl Kajemeth. Vor uns steht die Ausgabe, zumindest 30.000 jüdische Einwanderer jährlich innerhalb der nächsten zehn Jahre aufzunehmen. Unsere 2lrbeit in Palästina seit der Verkündung der Äa 1 four - Deklaration beweist, daß die Verwurzelung von 30.000 Einwanderern jährlich keineswegs eine übertriebene Forderung ist. Das Ziel ist erreichbar, wenn nur die nötigen Bedingungen geschaffen werden. Erforderlich ist zunächst und vor allem Boden; zweitens, ein angemessener K o l o n is a t i o n sfonds; drittens, Kreditmöglichkeiten; und viertens, die Schaffung der Voraussetzung für kulturelle Arbeit und ausreichender Schutz der V olks ge su ndh ei t. Das Aktionskomitee ruft daher alle Juden auf, der Zionistischen Organisation für das Jahr 1926-27 eilt Budget von zwei Millionen Pfnnd zur Verfügung zu stellen, welches für Landsrwerb Und landwirtschaftliche Ausicdlung, für Einwanderung und Arbeitsbeschaffung, für Erziehungsweisen und Gesundheitspflege sowie für Schaffung der notwendigen Kredite für Handel und Industrie verwendet werden soll; es ruft alle diejenigen, die für den Ausbau des jüdischen nationalen Heimes eintreten, ans, ihre Cnergietr zu vereinigen, um Reserven privaten Kapitals für Jnvestitionszwccke unter öffentlicher Kontrolle zu schassen. Die zwei Millionen Pfund, die wir vom Judentum für die Verwendung durch die Zionistische Organisation verlangen, sollen auf folgende Weise verwendet werden: Bodenerwerb.. 500.000 Pfund Landwirtschaftliche Ansiedlung und Arbeitsbeschaffung. ....... 500.000 „ Kredite für Handel und Industrie . . 900.000 „ . Große technische Unternehmungen . . t100.000 „ Gesundheitspflege und Spitalbauten . 200.000 „ Erziehungswe'en und Schulbauten. . 150.000. „ Religiöse Arbeiten ........ 50.000 „ Förderung der Bautätigkeit. 100.000 „ Verschiedenes und Verwaltungskosten 100.000 2,000.000 Pfund Dies stellt hen dringenden. Bedarf der - Zionistischen Organisation für das kommende Jahr dar. In den letzten Jahren ist es in einem gewissen Maße gelungen, das schlummernde Gewissen des jüdischen Volkes zu ivecken. Ileberall in der Welt beginnen die Juden sür die Fonds zu arbeiten, die aus Palästina das jüdische nationale Heim machen sollen. Wir stehen aber erst an der Schwelle der nationalen Erlösung. Stärkere Anstrengungen sind notwendig, als alles was wir bisher gaschen haben. Alle unsere Kräfte müssen geweckt und mobilisiert werden. Kein Jude darf sich von der Pflicht ausschließen, seinen Beitrag zu dem Werke ber Erneuerung mtd des Wiederaufbaus zu leisten; aber der Haupt an teil der Summen, die sür diesen beispiellosen Fortschritt erforderlich sind, muß aus jenen Ländern kommen, die mit WoHstand gesegnet und vom Lichte der Freiheit bestrahlt sind. Die Zionistische Organisation geht , darum ihren Weg voll Vertrauen weiter und erwartet im kommenden Jahre eine Erhöhung .Ihrer. Kräfte, diehingebungsvolle Zusammenarbeitaller Gruppen im Zionismus, und die großzügige Hilfe aller Elemente und aller Schichten des jüdischen Volkes. Exekutive der Zionistischen Organisation: Ch. Weizmann, N. Sokolow. Präsidium des Zionistischen Aktionskomitees: L. Motzkin." Das Budget der PalSstinareglerung. Jerusalem» 17. August. (I. T. A.) Die Palästinaregiörung veröffentlicht soeben ihr Budget sür das Jahr 1926-27. Das Budget beläuft sich aus 2,525.034 Pfund. Unter den Ausga'benposten sind beachtenswert eine Position von 307.656 Pfund für öffentliche Schulden- und Amortisationstilgung, 322.826 Pfund für Polizei und Gefängnisse, 177.223 Pfund für den Grenzschutz in Trattsjordanien und 121.378 Pfund für Erziehungsweson. Die Steuererleichterungen in Polen. 1.. Warschau, 19. August. Wie Ihr. Korrespondent von authentischer Sorte erfährt, sollen die Vorlagen für die Steuererloichternngey, die Finanzminlster K l a r n e r kürzlich angMndigt hat, in drei Wochen fertiggestellt werden. . Es handlo sich, in erster Linie um die V e r z ö g e r u n g s z uschlläge, die unn 2,5 bis 3 Prozent reduziert werden sollen. Wetter soll die Umsatzsteuer derart vereinfacht werderr, daß nicht die Ware aus dem Wege, vom Produzenten znm Konsunienten durch die Steuer verteuert Um-'*

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