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Wiener Morgenzeitung · 1926-08-20 · Heft 2691 (20.8.1926) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2691 (20.8.1926)
Date
1926-08-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I Polen; 33 gtöity I Wien: Zum Abholen in der Expedition, il.» Taborstr. 1*3, oder in elnerVerschleisstelle "Trafik) monati. b Schilling Strassenvefkaut in Wien durch die Kolporteure der Firma Ool dachmied, Wolirelie 11 Mit postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling ischecho-Slowakei: 1 Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen:Mon. 6Zloty. Deutschland. Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 35 N ichfiahlongen bei Frei» rnfth'in 'Mi »«rheheliee Wiener Morgenzritung ruvtfrrafli England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monati. 20 Lire Rumänien: Mon. 170Lei. BulgarleniMotUOOLewi, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Tabors*!*. I Telephone: 44-0-38,43*3*19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-3-82 IX,, Universitätsstrasse 6-8' (Druckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postspai» kassen- Konto Nr. 150.R9- 'Jlt. 2691 Wien, Srettng, 20. A«M 1926 8.8ol)tßaim Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein Vorangesetztes E gekennzeichnet. Las Ralfe! des Tisza-Mordes. Neue Enthüllungen. Bukt.)Pest, 19. August. „Esti Kurir" setzt seine Vor einigen Tagen begonnenen Enthüllungen über den Tis za-Mord fort. Wie das Matt mitteilt, meldete sich gestern bei dem Advokaten Dr. En drei — demselben, dem vor einigen Monaten die ungenannte Frau ihre Mitteilungen. über die wirklichen Tisza-Mörder machte — ein Ingen ieur Schmidt und gab an, Ufj er am 31. Oktober 1918, dem Tage, an dem Graf Tisza ermordet mürbe, Jnspektionsofsizier in der Maria- Theresien-Ka ferne war. Er entsinne sich genau, wie eine von einem Korporal kommandierte Patrouille drei bewaffnete Männer in die Kaserne einlieferte, die den Minister- Präs i d e n t e n i n s e i n e r V i l l a e r s ch o s s e n h a t t e n. Schnndt verhaftete die drei Attentäter, doch »vurden alle drei Hon nach ivenigen Tagen „auf Befehl ei»er unbeivmmten Behörde" frcigeliasscn. Schmidt erinnert sich an den Korporal, der die Täter in die Kaserne cinbrachte. Dieser Korporal ist heute Zahntechniker in Budapest. Rechtsanwalt Dr. E n d r e i gab *bic Informationen des Ingenieurs sofort an den Verteidiger, der wegen der Ermordung Tiszas zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilten Tibor Sz ta n y k o v s z k y und Marcell Gärtner, Doktor Földvary, werter. . Földvarh wurde, wie ^Ksti.Kurir" berichtet, heute vormittags unerwartet .... auf bk wo er vom Staatsanwalt Dr. Polanyieingehend verhört wurde. Ter Staatsanwalt wird, in, den -nächsten Tagen dem Jnstizm i n r st e r Bericht über die neue Wendung in der Angelegenheit des Tisza-Mordes erstatten. „Esti Kurir" schließt seine aufsehenerregenden Enthüllungen mit der Bemerkung,"man könne überzeugt sein, daß durch die neuesten Zeugenaussagen der ganze Mordprozeß von Grund aus a ufge rollt werden wird.' Der Frankenfälscherprozeß. Budapest, 19. August. Im Frankenfälscherprozeß begannen heute die Verteidigungsreden. Der Verteidiger Na d.os sys, Dr. Eugen Gal, sprach über zwei Stunden ,und Plaidierte auf Freispruch seines Klienten,, weil die Tat Naidossys keinesfalls als Geldfälschung im gewöhnlichen Sinne zu kennzeichnen sei. Schon die erste Instanz habe in der Urteilsbegründung ausgesprochen, daß Nadossy und/ Genossen Opfer einer nationalen Katastrophe, nicht aber Verbrecher gewesen seien. ' \ Der Verteidiger des Prinzen Windischgrätz und anderer Angeklagten, Abg. Dr. Franz Ulain, spricht gleichfalls fast zwei Stunden. Sein Plaidoyer ist ein Appell an den Patriotismus der Tafelrichter. Die Frankenfäischer, erklärt Ulain, haben ehrlich geglaubt, im Interesse der ddation zu handeln. Ihnen gebishre die Hochachtung und Dankbarkeit der N a t i y n, nicht aber die Bestrafung. Die Verhandlung wird übermorgen vormittags fortgesetzt. Da noch acht Verteidiger ihre Plaidohers halten müssen, ist das Urteil kaum vor Mitte nächster Woche zu erwarten. Die Forderungen der Sfterreichischea Postangeftellten. Die Postyewerkschaft' hat den Bundeskanzler schriftlich ersucht, ihre Vertreter sofort zu empfangen, um im Interesse der Allgemeinheit eine weitere'Verbitterung hintanznhalten. Der Bundeskanzler hat daraufhin die Vertreter der Gewerkschaft für heute mittags und den Fünfündzwanzigerausschuß für heute, halb 4 Uhr nachmittags, zu sich geladen. Es heißt, daß bei diesen Besprechungen keine endgültigen Entscheidungen fällen werden. Der Bundeskanzler wird erklären, daß er züerst die Bn dg e t v o r s chl äg e der einzelnen Ressorts abwarten müsse, ehe er eine definitive Antwort gibt. Da man in den Kreisen der Angestellten bereits mit dieser Erklärung rechnet, ist die (Gefahr der Anwendung der äußersten gewerkschaftlichen Mittel im Augenblick nicht a k t u c <11, Man scheint sich vielmehr darauf einrichten zu wollen, erst den Verlauf der Genfer BöLkerhnn d se f f i o n abzuwarten. Der englische Bergarbeiterstreik. Die Verhandlungen gescheitert. London, 19. August. Die heute Nachmittag zwischen dem Vollzugsausschuß des Bergarbeiterverbandes und den Arbeitgebern geführten Verhandlungen sind e rgebnislos abgebrochen worden. Eine Rede Churchills. London, 19. August. Churchill sägte in einer Rede in Swansea, der Generalstreik und det Bergarbeiterstreik hätten zu einer Verarmung der arbeitenden Klasse und der kleinen Gewerbetreibenden geführt. Außerdem hätten die Finanzen des Landes schweren Schaden gelitten. Die Möglichkeit einer Herabsetzung der SteueD sei dadurch aufgeschoben worden. Churchill fügte hinzu, seine ganze Anstrengung sei darauf gerichtet, eine Erhöhung der Steuern zu vermeiden. Keine Fortführung der Auhsprache. London, 19. August. Zum ersten Mgle seit etwa zwei Monaten^ traten heute Vertreter der Grubenbesitzer und der Bergarbeiter zusammen, um die Grundlage für eine Wiederaufnahme der Arbeit in den Kohlengruben zu suchen. Diese erste Fühlungnahme hat aber das allgemein erhoffte Ergebnis nicht gezeitigt, da es beiden Parteien nicht einmalmöglich war, sich über die Führung der Verhau d l u n g e n zu einigen. Abends wird mitgeteilt, daß die g emein*sa me KoNferenz nichtsortgesetzt werden wird. Die Ursache des Fehlschlages ist darin zu suchen, daß sowohl die Arbeitgeber wie die Bergarbeiter in der Frage «des Achtstundentages sich unnachgiebig zeigten. Dem Cmnrnunique der Grubenbesitzer zufolge, erklärten die Arbsitervertreter, daß sie von ihren früheren Forderungen keineswegs abgohen wollen. Siebestehen auf einem nationalen Lohnabkommen, lehnen den A ch t st u n d e n t a g ab, wollen Lohnherabsctzungen nur dann diskutieren, wenn ein Abkommen über die Reorganisierung der Grubeninldustrie zustande gekomen sei und erachten neue Regierungssnbsidien für den Bergbau für erforderlich. Der Vorsitzende des Grubeubefitzerverbandes erwiderte, daß es vom wirtschaftlichem Standpunkt unmöglich sei, unter den vor dem 11. Mai in Kraft gewesenen Bedingungen die Arbeit in allen Grubenbezirken wieder anfnehmen zu lassen und bemerkte weiters, daß die Bergwerksbefitzer Gegner des Snbsidienregimes seien. Angesichts des Umstandes, daß die Arbeiter vollkommen auf ihren: alten Standpunkt verharrten, heißt es in dem Cvm-- nrunique, sei es üb er flüssig, die Verhandlungen fortzusetzen, da keine reale Grundlage für eine Einigung vorhanden sei. c m« iw „Sie PoNt» der versünNSm UufShigkett. u Paris, 18. August. Zu dem internationalen demokratischen Friedenskongreß in Bierville ist heute nachmittags der frühere italienische Ministerpräsident Nitti aus Paris eingetroffen. Er erklärte in seiner Rede: Jede Kundgebung für den Frieden ist nützlich, selbst wenn ihr nicht sofort Ergebnisse folgen. Sie ist auch deshalb nützlich, weil sie eine moralische Entspannung zwischen den Völkern schafft. Alle Nationen der Welt find daran interessiert, mit ganzem Herzen an dem Siege des Friedensgeistes zu arbeiten. Verletzte Krieg hat uns gezeigt, daß die Nationen, ob Besiegte oder Sieger,, nicht gewinnen können, wenn sie einen Krieg führen, Unabhängig von dem menschlichen Gefühl, das zur Wirkung hat, daß jeder Mensch, der dieses Namens würdig ist, den Krieg und seine Grausamkeiten nur verabscheuen kann. Weiters sagte Nitti, er bedauere has Fehlen des Parlaments und der freien Presse in . Italien. Er werde so lange in Frankreich bleiben, als diese Lage in Italien anhalte. Ebenso wichttg wie der Friede sei die Freiheit. Das schlechteste Parlament sei immer noch besser als gar keines. Ohne Freiheit und ohne parlamentarisches Regime sei es unmöglich, dem Frieden, aufrichtig zu dienen.: Gewiß seien die Anfänge der Diktatur angenehm, aber sie sei eine PolitikderPersönlichenNnfah i g k e i t, des Verzichtes und der T r 8 g he i t. Man müsse auf die Demokratie vertrauen, daß sie der Welt den Frieden sichern werdender mit der Freiheit unzertrennlich verbunden sei. Verschlechterung der italienischen Handelsbilanz. Rom, 19/August. Nach der Agenzia Bolta ist das Defizit der H a n delsbilanz in den ersten fünf Monaten 1926 gegenüber dem Vorjahre »m 6 Prozent, was den Wert, und um 19j Prozent, was die Quantität anlangt, gestiegen. Verschlechtert haben sich dem Werte nach unter anderem die Positionen für Petroleum, Benzin und Chemikalien um. 5 Prozent, die Position für Metalle-um 26 Prozent, für Holz um 45 Prozent, für Oele, Tier- und Pflanzenfette um 64 Prozent und die für Textilien um 98 Prozent Sie Reorganisation des Völkerbundes. Berlin, 19. August. Wie das Wolffsche Bureau erfährt, ist der Reichsregietün'g:heute durch Vermittlung des Generalsekretärs des Völkerbundes telegraphisch die Einberufung der Kommisfiion zum Studium der Reorganisation des Völkerbundrates für d e «,30. August mitgeteilt w o den. __ Der Ausweis der Bank von Frankreich. Paris, 19. August. Der heute veröffentlichte Wochen» answeis der Bank von Frankreich zeigt einen Rückgang der neuen Vorschüsse an den Staat uw 350 Millionen auf 36,95 Milliarden und des Banknotenumlaufes um rund 612,5 Millionen ans 55,66 Milliarden Franken. Mark nnd Dollar. Frankfurt am Main, 19. August. Wie die „FranLfnrter Zeitung" erfährt, schweben in Verfolg des von der Ne ich sbank betriebenen Abbaues der im Devisenver-kehr anferlegten Beschränkungen beim Reichsbankdirektorinm gegenwärtig Besprechungen, die starre Bindung der Mark au den Dollar im Laufe der nächsten Zeit aufzuheben, falls dies die Entwicklung angozergt erscheinen lassen sollte. Dies bedeutet, dom Blatt zufolge, daß die Reichsbank vermutlich in absehbarer Zeit ein Schwanken des Dollarkurses innerhalb der Goldpunkte bei starkem Angebot und starker Nachfrage zulasten werde. •_ Die MinoritNenfrage in Polen. L. Warschau, 19. August. Gestern aberchs hielt der Mlnifterrat unter. Vorsitz des Ministerpräsidenten Professor Bartel eine längere Sitzung ab, um zu den Vorschlägen des Innenministers M l o d z i a n o w s k i über die Fragen der nationalen Minoritäten Stellung'zu nehmen. Es entwickelte sich eine längere Debatte, an der der Kriegsminister Pilsudski, der Außenminister Zaleski und der Instizminister M a k o w s k i teilncchmen. Nach der nativnaldemokratischen „Gazetta Poranna" ergaben sich gewisse Meinungsverschiedenheiten, indem angeblich der Innenminister MlodzianowsLi sich für die Erfüllung der nationalpolitischen Forderungen der Juden, Weißrussen nnd Deutschen anssprach, während Kriegsminister Pilsndski die Notwendigkeit der Erfüllung der tt k r a i n i sch e n und weißrnffischen Postnlate mtterstrich. Schließlich wnvde.das p o l i t i scheKomiteedes Mimsterrates mit der Ausarbeitung eines Plaues betraut. Der vrlvaie Dollarlms ln Pole». L. Warschau» 19. August. Der Dollar notierte tote kn privaten Bevkehr in Warschau 9.95, i« Sraka» 9m,

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