Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2690 (19.8.1926)
- Date
- 1926-08-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Erste 4 Wien, Dcmn-rSkckg CÖlcncv Mokftenzeituwü Id. Stugwft 1926 Nr. 2690 Ae Mandatskommission und die PMtinafrage. die Wirelreferate über die Memoranden. Wir haben gestern den Bericht der Mandatskammiision des Völkerbundes, insoweit er sich mit dem Palästinamandat beschäftigt, mitaeteilt. Im nachfolgenden geben wir die Einzelreferate über das Memorandum der Zionistischen Exekutiv« und der jüdischen Rationalrates in Palästina wieder. Herr C. Aamanoka, der den Bericht über das /Memorandum der Zioniistischen Organisation! erstattete, stellte fest, daß die Kommission, nachdem sie den Brief -vom 3. Mai 1986 sowie das beigefügte Memorandum der Zionistischen Organisation und die darauf sich beziehenden Erllärnngen bet Mandatsmacht zur Kenntnis genommen hat, der Meinung Ausdruck gibt, daß die ErkVrungen der MantzatSmacht befriedigend find. Das Memorandum der Zionistischen Organisation, führte er aus, gibt einen interessanten Bericht darüber, was sie in ihrer Eigenschaft als Iewish Agency für die Entwicklung des jüdischen Nationalheims in Palästina im Jahre 1925/20 getan hat. Das Memorandum ist darum rein dokumentarischer NatM, und ich glaube nicht, daß es irgend welchen Kommentars benötigt. In dem begleitenden Brief jedoch werden vier Klagen ausgesprochen, die sich auf die Landverteilun g, das E r z i e h u n g s w e s e n, den Vorfall bei der Klagemauer und die Gründung einer Grenz verteidigungsmacht beziehen. Zur Frage der Beistellung von Staats- und Oedland für -die jüdische Kolonisation bemerkt die Mandatsmacht, daß die Regierung kürzlich eine gewisse Flache Staatsland im Beisandistrikt der Zionistischen Exekutive ange'boten hat. Das Angebot wurde jedoch z u r ü ck g e w i e s e n, da der Beden für den in Betracht kommenden Zweck ungeeignet sein soll. Die Mandatsmacht erklärt, es werde ihr nicht eher möglich sein, festzustellen, welches Staatsland für die jüdische Kolonisation verfügbar sein wird, als bis die Verteil»ng von Staatsboden an die eingeborenen Einwohner, die Anspruch auf ihn haben, beendet sein wird. Ich halte diese Erklärung von seiten der Mandatsmacht für ausreichend. Die Zionistische Organisation foickert Vorzugsbehandlung und Prioritätsrecht hinsichtlich der Erwerbung von früherem Staatsboden aus den Händen der Bebauer desselben, die den Boden aus freien Stücken veräußern wollen. In dieser Beziehung gibt die Mandatsmacht detaillierte Erklärungen, die klar die Gründe aufzeigen, die die Regierung daran hindern, diese Forderung zu erfüllen. Ich denke, die Kommission wird finden, daß diese Erklärungen die Frage genugsam beleuchten. Der Klagepunkt über die Unzulänglichkeit des R e g i e r u n g s; u s ch u s s e s für das jüdische Schulwesen, ein Zuschuß, der Nicht im Verhältnis zu der Zahl der jüdischen Bevölkerung und deren Leistungen zugunsten der öffentlichen Finanzen steht, ist schon von der Kommission anläßlich ihrer siebenten Sitzung erörtert worden. Nunmehr bringt die Mandats macht zur Kenntnis, daß der Regierungszuschuß für jüdische Schulen in dem finanziellen Voranschlag für das laufende Jahr beträchtlich erhöht ist. Die Kommisiion hält es für wünschenswert, daß die Mandarsmacht in ihrem nächsten Bericht die Resultate, die durch dieses Arrangement erreicht worden sind, mrtteilt. Hinsichtlich des Vorfalles b-i der Klagemauer teilt die Mandatsmacht die Meinung der Zionistischen Organisation, daß eine Lösung nur durch ein Uebereinkommen gesunden werden kann. Ich bin dessen sicher, daß die Kommission einmütig ist in der Hoffnung, daß ein solches Uebereinkommen 'bald erreicht sein wird. Was die von der Zionistischen Organisation ausgedrückte Hoffnung betrifft, daß die jüdische Bevölkerung, die in der aufgelösten Gendarmerie hinreichend vertreten war, in dem gleichen Verhältnis in dem Grenzverteidigungskorps vertreten sein wird, so klärt 'die Antwort der Mandatsmacht die Situation auf; das Prinzip der gvoichen Behandlung für alle Teile der Bevölkerung scheint in zufriedenstellender Weise gewahrt worden sein. Herr Freire d'Andrad« berichtet über das Memorandum des W a a d L e n m i und führt aus: Der Nationalrat der Juden Palästinas legt dar, daß die Regierung gegenüber den Juden in Palästina eine negative Politik führt und eine passive Haltung einnimmt. Wäre dies der Fall, so müßte man seststellen, daß die Mandatsmacht die ihr durch das Mandat auserlegten Verpflichtungen nicht erfüllt. Es muß aber in Betracht gezogen werden, daß di? Mandatsmacht bei der Errichtung des jüdischen Heims in Palästina angesichts der Opposition der großen Mehrheit der arabischen Bevölkerung mit sehr ernsten Schwierigkeiten känrpfen mußte und daß sie viel Takt und Ueberlegung brauchte, um die Resultate zu erreichen, die sie tatsächlich erreicht hat, ohne ihre Zu flucht zu strengen Maßnahmen zu nehmen, die das Land mit Blut und Trümmern bedeckt hätten. In der Verwaltung Palästinas sind sehr große Fortschritte erzielt worden, die Wohlfahrt des Landes hat sichtlich zugenommen. Die Opposition der großen Mehrheit der Bevölkerung gegen die Errichtung eines jüdischen Heims hat sich verringert. und man da rf a n u eh m e daß die AusUM einer Verständigung, die für alle Beteiligten von Nutzen wären, jetzt viel g ü n st i g e r als früher liegen. Obwohl die permanente Mandatskommission anerkennt, daß die Inden im Rechte sind, wenn sie auf der kn dem PallssttnamMdat vorgpsehenen Förderung des Nationakheims bestehen, so ist sie doch der Meinung, daß die Mandatsmacht klug daran getan hat, die Vorgänge nicht zu überstürzen, sondern zu versuchen, er n st c Konflikte zwischen den beiden Teilen der Bevölkerung zu vermeiden. Hinsichtlich der einzelnen Beschwerden des Maad Leumi führt Herr d'A n d r a d e aus: Die mit der Verteilung von Land verbundenen Fragen sind am meisten da,zu angetan, die Leidenschaften der arabischen Einwohner zu entfesseln und müssen mit äußerster Vorsicht und Klugheit behandelt werden. Die permanente Mandatskommission ist der Meinung, daß die Politik der Mandatsmachr in d e r B o d e n f r a g e klug gewesen ist, und sie hofft, daß die Mandatsmacht fortfahren wird, ' eine immer dichtere Ansicdlung von Juden Es dem Lande zu begünstigen. Wenn die arabischen Farmer mehr Land erhalten haben, als sie bebauen können, so wird es den jüdischen Organisationen offen stehen, solches Land zu erwerben. Die Mandatsmacht wird ihnen sicher jede Erleichterung gemäß den Vorschriften des Mandats gewähren. Hinsichtlich der Beschwerde des Waad Leumi, daß die Zuschüsse für die jüdischen Schulen unzureichend sind, ist die Mandatskommission dahin informiert worden, daß diese Zuschüsse im laufenden Jahre wesentlich erhöht werden und sic hofft, daß dies den Petenten genügen wird. Es muß folgendes in Betracht gezogen werden: Da die arabische Bevölkerung als Gesamtheit, vom erzieherischen Standpunkt betrachtet, die am wenigsten fortgeschrittene ist und in dieser Hinsicht der Hilfe der Mandatsmacht am meisten bedarf, so wird eine Hebung ihrer erzieherischen Basis dazu beitragen, bessere Beziehungen zwischen den beiden Teilen der Bevölkerung herzustellen. Die Kommission glaubt, daß es von Nutzen sein würde, wenn die Mandatsmacht so schnell wie möglich Gesetze heransgibt, die die Arbeitsbedingungen von Männern, Frauen und Kindern regeln. Der Nationalrat beklagt sich über ungünstige Arbeitsbedingungen für den jüdischen Arbeiter. Es ist klar, daß die Mandats macht den Juden keine Vorzugsbehandlung angedeihen lassen kann, sondern daß Juden und Araber die gleichen Rechte und Pflichten ha be n s ol l e n. ' Dve jüdischm Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen in Palästina haben dem Lande gute Dienste geleistet, sie sind auch gut ausgestattet. Die Regierung erkennt dies an. Wie aber der Waad Leumi mitteilt, hat die Mandatsmacht sich g e w e i g e r t, zu den Ausgaben für die jüdischen Gesundheitsanstalten beizutragen. Tie Juden sind gleich dem übrigen Teil der Bevölkerung Wohl berechtigt, aus dem öffentlichen Gesundheitsdienst der Regierung Nutzen zu ziehen. Die Mandatskommission meint aber, daß laut dem Sinne des Mandats die Mandatsmacht nicht verpflichtet ist, den besonderen' jüdischen Gesundheitsdienst finanziellzuunterstützen. Es wird behauptet, daß hinsichtlich des Gewährens offizieller Hilfe und Protektion für die Industrie die Mandatsmacht weniger liberal ist csss es das türkische Regime gewesen ist. Die Resultate der Verwaltung der Mandatsmacht, wie sie durch wirtschaftliche Stütistiken und öffentliche Einnahmen gezeigt werden, sprechen gegen diese Behauptung. Die Mandatsmacht sollte indessen gewisse Wünsche, die in dem Mcnwrandum des Waad Leumi .ausgedrückt werden, in Betracht ziehen unr> sie, soweit sie gerecht und ausführbar erscheinen, befriedigen. Ta die Frage der inneren Organisation des Jifchuw in einem besonderen Bericht behandelt wird, wollen wir bemerken, daß, sobald das Gemeindegesetz veröffentlicht sein wird, es leichter sein wird, sich mit der angeregten Frage zu beschäftigen. Die jüdische Gemeinschaft beschwert sich über die Art der Rekrutierung der militärischen und politischen Macht. Sie behauptet, daß das Verteidigungskorps hauptsächlich aus Arabern zusammengesetzt ist. Es muß jedoch bemerkt werden, daß in Wirklichkeit von den 475 Soldaten der p a l ä st i n e n s i s ch e n Abteilung der Gendarmerie 100 Juden sind. Ueberdies macht die Administration bei der Aufnahme von Aspiranten in das Verteidigungskovps keinen Unterschied nach Rasse und Religion. Die diesbezüglichen Beschwerden scheinen demnach der Begründung zu entbehren. Der Waad Leumi erwähnt gewisse Fälle, in denen die hebräisch« Sprache nicht als offizielle Sprache behandelt worden sei. Die 'Kommission meint demgegenüber, daß in einem Lande mit drei offiziellen Sprachen solche Fälle unvermeidlich erscheinen. Die Mandatskommission ist überzeugt, daß die MandatSregier-ung die nwwendigen Schritte zur Abhaltung von Ge« VÄrcheWvhleu« foM dies Mötzlich fein Mch, ergreifen wM. Der Waad Leumi fordert, daß ein Gesetz zu Berhinderung von Landspekulation in Kraft tritt. Obwohl solche Spekulationen dem Ziel, der Er. richtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina, abträglich sein mögen, sieht die Mandatskommission die Schwierigkeit, die gewünschten Resultate auf dem Wege der Gesetzgebung zu erreichen. Sie würde der Maudatsmacht dankbar sein, wenn sie über die Gründe aufklären wollte, die zur A n n u l l i e r n n g der B e r o r dnung betreffend Landübertragung Anlaß gegeben haben. Was die dem O b c r k o m m i s s ä r verliehene Gewalt, ohne Gerichlsverhandlung und ohne daß das Appellationsrecht gewährt wird, jemand des Bürgerrechtes für verlustig zu erklären, anlangt, so ist die Kommission der Meinung, daß die Mandats- .nacht die Notwendigkeit, diese Macht dem Oberkonunissär zu übertragen, wohl erwogen hat. Die Kommission hätte die Beschwerde nur dann in Erwägung ziehen können, wenn diese Macht mißbraucht worden wäre. Was die Beschwerde betrifft, daß bei der Verwaltung angestellte Juden gezwungen sind, an jüdischen Savbattager. und an jüdischen Festtagen Dienst zu tun, so lenkt die Kommission unter Hinweis auf Artikel 23 des Mandats die Aufmerksamkeit der Mandatsmacht auf diesen Punkt. Die Mandatskommission hofft, daß das gegens e i t i g e V e r st ä n d n is, das sich unter den verschiedenen Teilen der Bevölkerung anzubahnen scheint, sich so schnell wie möglich weiter entwickeln und so der Entwicklung und dem Fortschritt des Landes dienen wird. Die Jndustriebrntk. X. London, 18. August. Wie Ihr Korrespondent ewfährt, wird die I n du st r i eba n k in Palästina noch vor Ende dieses Jahres eröffnet werden. Palästina un>d Tvansjovdanien. Jerusalem, 18. August. Oberkonunissär Lord P l u m e r empfing vor seiner Abreise nach London den Emir Abdullah und den Chef der transjordanischen Negierung sowie den Chef der arabischen Truppen in Transjordanien in Audienz. Den Besprechungen, die aus diesem Anlaß stattfanden, wird in arabischen Kreisen große Bedeutung beigemessen. Der Mord der Wilderer. Die Leiche des Jägers Spanring gefunden. Aus W i e n e r - Ne u st ad t wird berichtet: Die Leiche des Forstadjunkten Sp a n r i n g wurde gefunden. Zwischen der Fadenwand und der Breiten Lachen sah der Jäger Neu genauer Dienstag vormittags die Leiche des Forstadjun'kten in der Nahe des Almgartlweges im. Geröll liegen. Auch die Leiche Spanrings wies eine Zertrümmerung der Schädeldecke und mehrere Stichwunden auf. Die beiden Jäger dürften bei ihrem Borpaß auf-Wilderermeuchlings ermordet worden sein. Die schrecklichen Schädel- Verletzungen wessen darauf hin, daß beide wahrscheinlich von rückwärts mit Gewehr kolben.niedergeschlagen wurden, sich aber noch mit letzter Kraft der Angreifer erwehren wollten und dabei die tödlichen Stichwunden erhalten haben. Der Kampf zwischen den Jägern und den Tätern dürfte sich in den .frühesten Morgenstunden am Montag abgespielt haben, da der Hüttenwart der Fischerhütte um diese Zeit mehrere Schüsse gehört 'hat. Als Täter kommen nur Wilderer in Betracht, und die Stichwunden lassen darauf schließen, daß es sich um einen Racheakt gehandelt hat. Die Frau des Jägers Berger wurde erst Dienstag nachmittags von dem an ihrem Mann verübten Verbrechen verständigt. Auch das Schicksal des Adjunkten Spanrrng ist überaus tragisch, da er in einigen Tagen hätte heiraten sollen. Berger hinterläßt außer seiner Frau zwei Kinder. UbgeWrzt, erfroren. Innsbruck, 18. August. Wie die „Innsbrucker Nachrichten" melden, ist auf dcm Pettnener Riffler der 41jährige Bunöesbahnoberrevident Rudols D i ck ans Ebenfee tödlich abgestürzt. Auf dem Brüusteiu stürzte der Itzjährige Sohn -des Eisenbahnoberittgenieurs Reif aus Rofenheim tödlich ab. Wie der „Tiroler Anzeiger" meldet, wurden Montag auf 'dem Uebergang vom Krimltal über die Tauern nach Pvettau im Ahrntale drei Person e n an der österreichisch-italienischen 'Grenze, jedoch noch auf österreichischem Boden, erfroren aichgefu irden. Es sind dies Johann H oser, sein jüngster Sohn mrd 'ein Wjähriges Mädchen namens Maria Kirchler, die von der Alm im Krimltal am 1. d. fortgegangen waren, um -dem Gottesdienst in Pr-eit-au beizuwchnen. Infolge eines Untvetters -cruf der Paßhöhe konnten sie nicht weiter -und sind erfroren. LIebcsdrama in Budapest. Ein Dreimldfechzigjähriger schießt eine. Achtundzivanzigjährige nieder. Budapest, 18. August. Heute nachmittags spielte sich in der Akaezfa-utkza ein blutiges Liebesdrama ab. Der 63jährige Fabriksarbeiter Valentin Horvath erschoß die 28jährige Arbeitersgattin Frau Anton Zeller und jagte sich darauf selbst eine Kugel in den Kopf. Die Frau war sofort t o t, Horvath ist lebensgefährlich verletzt. Horvath -unterhielt mit der Frau ein Ve rhältn i s. dem jedoch der Gatte .der Frau vor einigen Tagen ein jähes Ende gemacht hatte. Horvath versuchte heute nachmittags, seine Geliebte zu überreden, daß sie ihren Mann verlasse und nnt ihm zusannnenziehe. Als die Frau dieses Ansinnen energisch zurückwies, zog Horvath eine Pistole und schoß die Frau nieder. Der ZuftarD des 63jährigen Liebhabers ist hoffnungslos.