Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2686 (15.8.1926)
- Date
- 1926-08-15
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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M. WS ffllf * »| iaIa! JflJWitf BSOnlfrölg Me««e Msrse«zetttt«s IS. August 1SSS Mt - [tounettbett Mitwelt mit sechzchnm-l zusammengeraffter Intelligenz und Gescheitheit vorgeiragenen Stimmung, sind hekanltt. „Tubutsch" genügt vollkommen, zu beweisen, was Ehrensteln kamt, er müßte mcht evst durch fünGchn ander« Tubutsch's zeigen, was er nicht kann. p. y. - ^Der Querschnitt". 6. Jahrgang, -eft 8, Propyläenverlag : Berlin. Das neue Querschnittbest ist reichhaltig und vielfältig iAn gebundener, künstlerischer Laune, einmal ernst und einmal! Mer. schweift «8 im Text und BW durch die Zeiten und Völker j und alle Gebiete des LelbenS. Gin Brief au» Holland von N i k o-!rost steht neben einem Aussatz über die Neuordnung deS Berl liner VolkeMndemuseums von -Karl Einstein. Eine schöne! deutsche Nachdichtung zweier Fellachlieder stammt von Benno Bardi. Das Heft enthält französische Kindergsdlchte, heitere Erzählung aus Sowjetrußlaich, einen historischen Aussatz Über die i Paiva. die große Kurtisane des 1«. Jahrhunderts, eine lustige; 2tu8emört!betf<ftuit!fl über den Charleston, dem Tanz von 1926 und führt den Leser hinter die Kulissen von Positano. -er KünMer- und Schriftstellerkolonie am Gois von Neapel. In drei Aussätzen werden die literarischen Kaffees der Hauptstädte Europas gewürdigt: das romanische Cafe in Berlin schildert Matheo Q tt i n z, das Cafe Du Dome -in Paris M. Eogan, Zentralcafe und Herrenhof in Wien Anton Kuh. Zum Schluß enthält noch -das Heft als Sonderbeilaae zu,n ersten Mal ein Verzeichnis der auf den wich iigsten Auktionen der Welt erzielten Preise. Literarisch« Blätter", illustrierte Wochenschrift für Litera iiiir, Theater und Kunst. Verlag B. Kletzkin, Warschau, Nummer;119. Das neue -Heft enthält einen Aussatz über den verstorbenen polnischen Dichter Jan Kas-prowicz von Leo Fink eiste in und eine jüdische Uabersetzuna eines seiner Gedichte. Ferner wird ein Besuch beim Dkaler Iankel Adler geschildert und über die Vorbereitungen zur Gründung eines dramatischen Theaters in Warschau von Dr. Weichert berichtet. Ein größeres Fragment aus dem Werk des amerikanischen Dichters Menachem (M. Boreifcha), der jetzt -in Warschau weilt, „Der Gilgul" und oie Fortsetzung der Novelle „Saschk-a" von Lydia Sei-fulina. bilden den belletristischen Teil. „Semiroth schel erev Sabath." Gesänge für Freitagabende für Synagoge tntb für das jüdische Heim. Bon S. R o s e n b a u m, Oberkantor (Fiume, Italien). Diese neueste Schöpfung auf dem Gebiete unserer Musik trägt durchaus nationalen Charakter; die Kompositionen sind leit-faßlich, eignen sich für vier Stimmen und können sowohl mit, wie ohne Begleitung gesungen werden. Besonders zeichnen sich diese Kompositionen durch ihre weiche Melodik an6; man merkt den orientalischen und italienischen Einfluß. Das Werk ist durch den Verfasser, Fiume, via Dttlano 8 (Preis 1 Dollar) zu beziehen. Gerichtssaal. Keine Frrlsabe der Wohnungen in Hotel«. Der Oberste Gerichtshof hat soeben eine sowohl für die Mieterschaft als auch für das -Hotelgewerbe äußerst wichtige Entscheidung gefall:. Es Handel: sich um das Schicksal jener Wohn» räume in GaschöfAi, Stundenhotels usw., die seinerzeit vom Wohnungsamt airgesordert und bedürftigen Mietern zugewies-en looriden lvaren. ^>er Oberste Gerichthof hat nun entschieden, daß die Wirkungen des inzwischen erloschenen Anforderungsgesetzes für diese Wohnungen weiter in Kraft bil-eiben. Die Ränlne der gewerbsmäßigen Fremdenbeherbergung, in denen gegenwärtig etwa 6900 Parteien alz Mieter Hansen, bleiben also von der allgemeinen Freigabe der angefordevten Wohnränme ausgenommen. Diese Entscheidung stützt sich darauf, daß der Bürgermeister von Wien nach Ablauf des Anforderungsgosetzes in einem Erlaß ausdrücklich alle angeforderten Räume frei-gegeben hat, mit Ausnahme -derjenige» der gewerbsmäßigen Fvem-denbehepbuny. Für diese bestehe das Anforverniigsgesetz mit seinen Wirkungen noch zu -Rech:. Nachzuprüfen, ob diese Unterlassung der Frsigabeeüllärung durch die Gemeinde Wien gesetzmäßig sei oder nicht, sindnach Ansicht deS Obersten Gerichthoses die Gerichte nicht berui'en. Der auf der Anforderung und Zuweisung beruhende öffentlich rechtliche Titel bestchi daher für Rechtssprechung weiter. Die Gattenmörderin darf ihren Mann beerben. M§.,Nachspiel zu ocm vor dem Schwurgerichte dürchgeführten GatleMiordprozeß gegen die Gasüvirtin Dtarie Marusak hatte sich das Bezirksgericht Favoriten mit der Frage zn befassen, ob die trotz ihres Geständnisses von den Geschnvornen sreiqgsprochene Gattenmörderin als erbunwürdig im Sinne der Bestimmungen des allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches m'zus-chen ist. Wie erinnerlich, war die 23jährige Marie Marusak angevägt, ihrem Galten, der sie wiedecholt m unmenschlicher Weise mißhandelte, ein Messer in das Herz gestoßen zu haben. Gustav Marusak erlag sofort der tödlichen Verletzung. Die Angeklagte bekannte sich schuldig und rechtfertigte ihre Tat damit. daß sie von ihrem Manne unniitteiühar vorher im Gasthauso geohrfLigt, zu Boden geschlagen und mit den Füßen getreten wurde. Mit neun gegen drei Stimmen wurde sie von den Goschtvornen freigesprochen. Zur Verlassenschaft gehört außer der Gastwirtschaft auch ein Haus Dem Bezirksgerichte Favoriten als Vev'assenschastsaericht lag die Frage zur Entscheidung vor, ob das Zweijährige Kino als Alleinevbs anzufchon sei, weil die Marusak durch ihre Tat. die trotz ihrer Freisprechung f-eststehe. das Erbrecht verloren habe. Das BezlrkKgorichr schloß sich der Argumentation des Kurators, daß die Ta! der Marusak sie nicht des Erbrechtes verlustig mache, an, so daß die Marusak ihr E r b r e ch t b e h ä l t. Von der Frankensälschung darf nicht gesprochen werden. In Ungarn natürlich. Da hatten einige junge Juden in der Ortschaft Gava im Szabolcser Komitat den durchaus nicht unsynwatischerl Einfall, in einer vom Budapester Verein der Erwachenden Ungarn veranstalteten Versammlung zn gehen und sich den Vogronchetzern zu stellen. Denn in der Gegend von Gava herrscht« 'bisher vollkommener Friede zwilchen Jude,» und Christen. Das mochten die Erwachenden nicht länger dulden, den Szabolcs ist «in jndenreiches Komitat. Die Juden verteidigten also Ihr« Position. Dl-e Budapester Emissäre übevboten sich an Hetzreden gegen das Judentum, wurden aber von den anwesenden jüdischen iungen Leuten durch berichtigend« Zwischenrufe unterbrochen. die a-uf die 'bäuerlichen Zuhörer nicht ohne Wirkung -blieben. Der Hauptredner der Erwachenden Nikolaus Sztrecska fiel ans seinem Konzept und rief den jüdischen Störern — kurz und bündig: „Kusch, Jude!" zu und da auch diese Aufmunterung im Auditorium nicht den gewünschten Erfolg hatte. gin»i Sztrecska hin und zeigte die Juden wegen Uebertret-ung der öffentlichen Ordnung an. In der Anzeige beklagt sich -der Erwachende besonders darüber, -daß, als einer der Hetzredner von der Olesz- Uszkaer Geldsälschung und der angeblichen Teilnahme des Wunderrabbis sprach, einer der Icc-ensungen Ihm -ugerufen habe: Sprechen Sie lieber von -er Frankenfälschnnal. was für die Präpotenz der Juden bezeichnend sei. Die erste Verhandlung E wird, wie uns aus Budapest berichtet wird, am J7. Anglist vor ifeem Govaer SiMrichter stattfinlden. Bolkswitt. Dir Neoteuftase. Fast unbeachtet, unzulänglich oder überhaupt nicht kmn mentiert ist dieser Tage -er Bericht der Reparationskommission über di« Aufteilung der VorkriegSschulden der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie geblieben. Das ist um so auffallender, als -in mehreren Varianten die Aufteilung ,vollzogen", das Verfahren als „abgeschlossen" bezeichnet wurde Offenbar war diese Feststellung sehr wichtig und darum er achtete es die Reparationskommission für angemessen, sich an die Maxime zu halten: „Du mrtßt cs zweimal, du mußt es dreimal sagen!" Aber fast will cs scheinen, daß g-Ävisse Kreise den so eindringlich betonten SpNtch gern überhörten. Die Beendigung des Verfahrens über die Aufteilung der BorkriegSschulden ist ein bedeutsames Ereignis; es sind zwar noch immer nicht alle BorkriegSschulden aufgeteitt, aber es ist schon viel gewonnen, daß der Großteil der Renten (von den österreichischen die Goldrente und die 4V»Pwzentigen Sta^tsschatzscheine voni Jahre 1914) von den fundierten Schulden die Aprozentlgen Staatsbahn Prioritäten, lautend auf Franken, scwi« die chrozentigen StaatsLahnprioritäten vom Jahre 1900, lautend auf Franken und Mark, aus dem strittigen Komplex ausgeschieden worden sind und einem eigens hiefür bestellten Organ, der Caiss-e commune in Paris, der Zinfendienst übertragen wurde, und zwar für die Staatsbahnprioritäten ohne Rücksicht aus die staatliche Zugehörigkeit der Inhaber, für die Renten nur, soweit Altausländer die Anspmchsberechiigten sind. Es -ist viel ge Wonnen, denn die Wiederaufnahme des Zinsen-dienstes, selbst nur für einen Teil der Borkriegsschulden, 'bedeutet die Liquidation wenigstens eines Teiles der vom Kriege hinterlassenen Erbschaft, bringt uns somit normalen Friedensverhältnissen näher Daß dieses Ereignis nicht nach Gebühr von der großen Presse gewürdigt wurde, ist gewiß sehr befremdend. Erinnert man sich aber, daß die österreichische Regierung nicht lange vorher mit Berufung aus eine Forderung der Repa rat io ns lkommisswn, die noch im April erhoben worden sei, die Einberufung der Äoldrente und der Staatsschatzanweisungen an gekündigt hat, so wird man allerdings die Zusammenhänge -begreifen und zugleich der österreichischen Regierung bezeugen dürfen, daß sie eine gute Presse hat. Denn -die Einziehung der erwähnten Tilrcs wurde do'mit begründet, daß die Roparations kommission ihrer für die „Altstaiinng" der BorkriegSschulden 'bedürfe, um nämlich festzustellen, welche R-enten zum Dienst der Caisse comntnne Melassen, welche ausgeschlossen werden sollen. Die numnehr „vollgogene" Aufteilung, das als „abgeschlossen" erklärte Verfahren stellt sich also, >>venn schon nicht -al» ein Desavouierung der österreichischen Regierung, so doch zumindest als ein Verzicht aus jeueu Behelf dar. Im April '.rar die Reparationskornmission der Ansicht, daß die Einziehung notwendig sei, im August hat sie -sich anders besonnen. Es müssen nicht bloß gescheite Individuen sich wandeln, auch Institutionen, ganze Körperschaften, sollen ihre Ansicht ändern, wenn es die bessere Einsicht verlangt. Daß sie es auch können, hat die ReparatlonS-kommission di-esntal aller ’2öqÜ und der österreichischen Regierung bewiesen. Als das ibekannte Communique über die Tlnerläßlichkeil der Renteneinziehuckg verlautbavt wurde, deutete man -di-e angekündigte -Rentensperre nicht mit Unrecht als ein Mittel, um die Bälorisierungsspekulation in hie Schranken zu weisen. Man verivies in BanKreisen darauf, daß eine einseitige Verfügung in der Frage der Dor-kriegSschulden geeinet ist, den Staatskredit für unabsehbare Zeiten unheilbare Wunden zn schhagen. Man verwies aber auch darauf, daß die Zeiten nicht mehr für solche Maßnahmen, wie Ablieferung und Depotzivang, günstig sind, weil die Inhaber von noch so fiktiven Vermögensiverten -widerspenstig ge'.rorden sind. Wenn es schon eine Staatsnotwendigkeit gewesen -sein sollte, eine neuerliche Konskription -der Renten vorzunehmen, so hätte man den Ablieferungszwang sofort dekretieren müssen. Das ist aber nicht geschehen, und so kam cs, daß bei den Banken und Bankfirmen sosvie im Giro- und Kasscnverein ein Run der Rentenbe-sitzer auf ihre Titres stattgesunden habe, so daß alle diese Institute „rentenrein" geworden seien. Unter solchen Umständen müsse dep Rentenäblioferungszlvang sich als ein Schlag ins Wasser erweisen. Erreicht wäre zugunsten der mißverstandenen Interesien des Staates nichts, die Renten verblieben im Privatbesitz, bis bessere, für die Staatsglärrbiger gerechtere -Zeiten gekommen wären; erreicht wäre aber das eine, daß die durch die Erfahmng gewitzigten Staatsgläubiger künftig sich sehr wohl hüten würden, devl Staate jemals neue Mittel zu borgen. Zu den in Oesterreich am allerwenigsten von offizieller Seite berührten Problencen, die der Krieg hinterlassen -hat, gehört unstreitig die Frage der Rentenvalorisierung. Nur die österreichische Regierung schließt sich von der längst Gemeingut gewordenen Ueberzeugung aus, daß eine Billigkeitsgründen rechnungtragende Lösung -dieses Teilproblems der allgemeinen Auswertung eine unerläßliche Bedingung für die Schaffung eines regulär funktionierenden Marktes für innere?lnleihen sei. Nur dadurch könnte dem Staate der Zugang zu den Kapitalsquellen eröffnet iverden, die ihm so lange verschlossen bleiben müssen, als er mit dem Makel eines zahlungsunwilligen oder zahlungsunfähigen Schuldners -behaftet ist, der sich juristischer Spitzfindigkeiten bchient, um sich seinen Verpflichtungen zu entziehen. Die Rentenbewegung an der Börse wäre nicht verständlich und könnte nicht jene Erfolge erzielt haben, die sie tatsächlich erzielt hat, wenn sie nicht von Kräften getragen würde, deren innerster Kern moralischer Rätllr ist; nicht etwa daß 'wir damit Auswüchse der Rentenspekulation beschönigen wollten, sondern der Ausdruck wurde hier in dem vollen Bewußtsein gebraucht, daß eine auf ein Nichts gchellte Sache sich wohl niemals so lange hätte behaupten können, wie sich die RewensPÄzllotwn schon - in dem pminöseq Krhenjchr 1924 z» behaupten vermochte. Die Luftgebilde der Mtienspekulation sind, samt den aufgeblähten Aktienkursen damals zerpvatzt und auf der Walstatt sind di« zahllosen Existenzen liegen geMeben, die geglaubt hatten, daß man Vermögen zusammenrvffen könne, lediglich auf Grund eines Schneeballensystems und eines endlosen Kettenhandels; kaum halbe ein Glied in der Kette versagt, kaum war im System ein Schräubchen gelockert worden, und sofort brach die Kette an unzähligen Stellen und löste sich das Systenl in einen einzigen Trümmerhaufen auf, als -welcher sich während -der Börsenkrise der Aktienmarkt darstellte. An den Aktien hat -im Kriscnjahr 1984 jedermann verloren; gerettet wurde nur ein Bruchteil des in Aktien veranlagten Vermögens und geblieben ist nur die allerdings nicht unbegründete Hoffnung, daß dereinst die Uebertretbungen Mch unten hin den natürlichen, durch die realen Berhaltnisie ge» botenen Ausgleich finden würden. Zur selben Zeit aiber -haben alle RentenWuser gewonnen, ja sogar ein Vielfaches -essen herausgenommen, was sie angelegt hatten; die Renienkäufer und die alten Besitzer der Renten köunen Mit Genugtuung darauf zurückblicken, was ihnen das Krisenjahr leschert hat, und hoffnungsvoll und auch weniger von -der ZweifeMäfs« angekränkelt blicken sie jetzt, da den Mtausländern, wie ans dem Berichte der Reparationskommisiion -hervmgeht, Gere'chti^ksit widerfahren soll, in die Zuikunst, die auch ihnen (den INländerni) Erfüllung -ihrer gerechten Wünsche bringen soll. Nachstehende Ziffern veranschaulichen die Erfolge der Rentenbewegung seit Beginn des Jahres 1924. ES notierte«: 2./1. 1224 2./1. 1925 13w/8.1926 4"/«ige Mairente . . . . 1.360 6,000 5.390 4*/.ige Jultrente.... 1.3 >0 6.200 4.950 4.2V»ige Februarrente . 2.120 6.800 8.450 4,27o'ß« Aprilrente. . . 8,600 8.500 18,900 4%iflC Oesterr Goldrente 28.200 30.800 74.500 4°/»1ge Märzrente . . . 1.240 6.000 4.450 4*/tiot Zunirente. . . . 1260 — 4.150 2'/,°/oige Invest-Rente . 1100 5.700 9,200 ä'/,°/»ige Staatschatzanw. — — 60.000 lieber di« Papierrenten ist Ende Juli dieses Jahres der -Sturm, den die angedwhte Rentensperre entfeffelt hatte, tzahmgebraust, so daß sie sich -noch nicht auf den Stand vom Jänneo 1925 wieder erheben konnten. Die auf Silber (April), und Gold lautenden Renten^ haben jedoch seither ihren Kursstand mehr als verdoppelt, da für sie das nicht ohne weiteres zu ignorierende Metallversprechen stimuliert. Was ein solches Metall- oder Balutaberjlprechen bedeutet, lehrt die Aufnahme der Goldrentc und der 4V^prozenligen Staatsschatzan-tvelsungen in den Dienst der Caisse commune. Das geschieht freilich Vorläus-vg nur sÄk die Altausländer. Für die Goldrente allein, die sich zumeist im Mausland befindet, muß der österreichische Staat, ha er sich im Prager Akkord zu einer 32prozentigen Valorisierung bequemen mußte, schon jetzt etwa 80 Milliarden Kronen an Jahreszinsen aufbringen. Womit einerseits erwiesen wurde, daß der Grundsatz Krone ist Krone nur dort angewendet wird^ wo der -Staat einen: Schwächeren — dem machtlosen Inlandsgläubiger — gegenübersteht, -daß dieser Gnrndsatz aber sofort zurückgeftellt wird, wenn ihm -ein Stärkerer — der auf Macht gestützte Ausländer — entgegentritt. :-;■ Ob , es ratsam ist, dem Bürger zu solchen, DerglekcheN Anlaß zu geben, diese Frage mögen sich einmal unsere Staatslenker vorlegen, und sie werden gewiß um die Antwort nicht verlegen sein. Im Prager Mord ist auch eine sogenannte „Bessemngsklausel^ enthalten, das heißt, falls sich die österreichffchmi Finanzen nach Ablauf einer gewisien Zeit gebessert haben sollt«»-, wären über eine 32prozentige Valorisierung hinausgehende Beiträge für den Zinftndicnst der Caisse conmmne zu leiste». Der altausländische Gläubiger darf also sogar damit rechnen^! daß er einmal noch mehr bekommen wird, als er schon dem-' nächst auf Grund des Prager Ausgleiches 'beziehen wird -r-. und da soll es der ausländische Goldrentner ohne Murren hm- - nehmen, wenn man ihm beweisen will, daß Gold gleich ist Papier, daß vier Papierkronen vierhundertstel Groschen Zinse» Ir hundert Kronen Goldrente dasselbe seien wie die versprocheneu vier Goldkronen? Er hat einen Titre in der Hand, -der ihm seine Goldfowerung bescheinigt, ist es denkbar, dqß sich der^ Schuldner Staat auf die Dauer darüber hinwegsetzen kann? Würde aber der 'Staat gemäß dem Prager Akkord auch die nländischen Goldrentenbesitzer mit 32 Prozent befriedigen, so hat er selbst den Grundsatz Krone ist Krone gebrochen -und er unterbindet seinen eigenen moralischen Lebensnerv,'wenn er ~ an die morsch gewordene Stütze klammert, um die -Papierrentner auf die derzeitige Papierkrone zu verweisen. Vor solchem Unheil könnte er sich nur dann bewähren, wenn er an eine generelle Lösung des Valor-isierungsprobloms schritte und mit einem Anbot an die inländischen Rentenbesitzer hervorträte, das erkennen ließe, daß er sich mit ihnen -friedlich auseinandersetzen wolle und auf jede Anwendung von Gewalt, wie Nenteneinz-iehung und dergleichen, verzichtet habe. Die .vollzogene" Aufteilung der Vovkriegsschrllden durch die Roparatioyskommission hat ihm ohnehin den Vorwand hiefür entzogen. Dir deutschen Kokelieferungeu an Frankreich. Revision des Reparationslieferungsprogrammes. Paris, 14. Aligust. Der „Usine" zufolge, haben die wiederholten Besprechungen zwischen dem in der vergangenen Woche in Paris emgetroffemn Vertreter des Kohlensyndikates und der franizösischen Metallindustrie über die Kokspreise zu kämer Berstäiwigung geführt. Es sei daher eine neue Zusammenkunft für Mittwoch den 18. d. nach Brüssel einberufen worden. Die Reparationskommission wird über die Unterhandlungen auf dem Lmrfenden gehalten und nach Abschluß des dlbkommeus wird ihr daS Lieferungsprogramm fiir September, Oktober und November mitgeteilt werden. Die Entwicklung der UnterhaMnngen scheint dahin zu gehen, daß der größte Teil, der bisher «tf Reparativ ns ko nlo stehenden Menge in Ztlbunft auf Freiverträge geliefert werden.