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Wiener Morgenzeitung · 1926-08-15 · Heft 2686 (15.8.1926) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2686 (15.8.1926)
Date
1926-08-15
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Sette 8 Wien, Sonnlag Wk««er Mornenzelkun-» WIIIIIIIIIIIl»»»»»»II»„II„II»»I»»»»III»!II„„„„»»»„ttttI»»»»„I»»I»I„l„„„,II„,I,I,l,>„»II„I»I„„I»„„„„„»,,„„„»,»»M IS'BS Mm Vückertil'ck...mm\ ällllMllltlllllllllllllllll &*'+'*+* w^*W4£****t-U£ IIIIIIHIItllllllllllllllllllllli ^lllllnnillllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllillllllflllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllinilllllllllli „An de» Stand geschrieben." Polgars Bnch*) blieb fiir den Nrlcurb aufgespart. Schon . beim Aufschneiden freue ich mich im Borgenuß der Stücke, die * ich kenne, suche rückwärts im Inhaltsverzeichnis nach solchen, die mir bisher entgangen sind. Es wird ein hoher Genuß sein, sie -u lesen. Diese Sicherheit des Vorurteils gibt mir eine vieljährige, stetig wachsende Vorliebe für Polgars Schriften. In der bittersten Stunde redaktioneller Tätigkeit, beim Durchackern des Stapels ' Inlands- und Auslandsblätter — „ablanfen" nennt man es im . Berufsjargon —, vergesse ich der drängenden Pflicht, den Stoff! für „die Rubrik" herauszufischen, wenn ich auf Polgar stoße. : Seine Beiträge erscheinen nämlich in verschiedenen Städten gleichzeitig. Was ich heute in einer Wiener Zeitung las, finde ich morgen 1 in einte ausländischen, übermorgen in einer Wochenschrift. Tann er- - fährt das hastige Blättern im Blätterwald eine Unterbrechuirg. Man liest den nmstrn Polgar mit Dchagen ein zweites, mH Gewinn ein ' drittes Mal. Labsal für den schuftenden Tagschreiber, wie ein quelll frischer Trunk für den Holzhacker. Die spartanische Knappheit der Tagebuchblätter — was ' nicht Theaterreferat ist (häufig auch dieses) wird bei Alfred Polgar; Tagebuchblatt, höchstpersönliches, wenn er auch Distanz hält : zwischen Ereignissen, Begegnungen und sich, wie kein anderer schreibender Zei:genösse —, die strenge Sachlichkeit der Mitteilungen, die in diesem Bande vereinigt sind, hat ihre geistige l Anmut und Formschönheit nicht, beeinträchtigt. Nur Wesentlichstes -u sagen, aber diesen Kern in die Schale gepflegtester, bedeutsamer Sprache 51t hüllen, ist seine besonder Kunst. So ist jede der 45 SkizM eine Frucht vom Bcrmue Polgarscher Erkenntnis und trägt den zarten Reis der Unberührtheit. Keiner hat noch im Alltag AchnlkchcZ gesehen und ausgezeichnet, keine Wendung, kein Wort ist dem Gehirnzettelkasten entnommen, in welchem anderen anerkannten, tauglichen, wertvollen Schreibern — ihnen selbst unbewußt — die Schablonensätze und Schablonenadjuktiva gebrauchsfertig bereitliegen. (Mit den Jahren bedienen sie sich häufiger, skrupelloser dieses gefälligen Helfers, jür die Konstitution des Stils gefährlicher, verderblicher, als Morphiunl und Kokain für die Nerven.) Dos macht diesen Prosaschriftsteller zum Schöpfer, zum Dichter, dem Lachlichkertssanatiker — aus Abscheu vor dem unlauteren lyrischen Wortschüttm, dem Flüchtling vor dem Pathetischen — „Wasserfälle liebe ich nicht; sie haben so was Pathetisches, Geschwollenes; als ob die Nattir deklamierte" — entgleist nicht selten die sorglich gehämmerte, .vor dem Ueberschwang gehütete Prosa in Versrhytmik von solch pathetischer Pracht und Tragik, wie etwa dieser, der dem almoftnherschendrn Bettler gilt: „Mit seiner offenen Hand laru?t die Tiefe nach dir." In der Betrachtung „Die Gebenden", der wir den Polgavschen Vers entnehmen, finden sich solcher löblicher mEn.« leist-naen nicht wenige. (Ich griff es heraus, weil es mit Alfred Polgar, dem Charakter vertraut macht, dem ferner ncch die militanten *) Al »red Polgar: „An den Rand geschrieben". Ernst RcHwast Verlag.' Berlin, 1926. drei Seiten „bet närrische Knecht" gelangen.) Wer Len humorvollen Belächler, der uns aus das Delikateste amüsiert, beim Formen solcher Verse ertappt, glaubt nicht recht, daß ihm Las grandios« Naturspiel eines Wasserfalls zuwider ist. Die Sommerfrischler und Touristen sind es hm, die das bestaunte Phänomen zu plichtgemäßer, verlogenpacheth'cher Deklamation chrer Gefühle veranlaßt. Umvest jener Tafel, die — nicht für ihn — zum Wasserfall zeigt, sieht er sekundenlang im Dorüberslitzen eine Frau im Auto und notiert: „E,n staubgrouer Schleier weiht wie Rauch aus ihrem Haar." Die Romantik wehender Schle'cr hat es dem Wassersallverächter angetan. Man räume das laut entzückte Publikum ab und er wird den Weg zum Wasserfall nehmen. Der Band enthält ferner die außerordentliche 'Skizze .Handschrche", Sükkus einer Tragikomödie — Dtrindbevg mit Menberg- Würze —, ferner den lusti^n Brief vom „Semmering" (,/eines der. bekanntst.-n ungarischen Konritate^, die vielzitierte aber keineswegs bloß geistvoll-amüsante „Theorie des Cafe Central" und nebst anderen Kostbarkeiten (nämlich den übEN Stücken) zum Schluß die beiden besonders wertvollen Porträt-MOnkel Philipp" und „das Antlitz" Die Freude an der Pointe, di« er mit unvergleichlichem Elan als leisen Tupfer hsiilfttzt, wo sie totsicher trifft, kaschiert ein tiefes Schamgefühl. Wer sich dem Vergnügen am Artistischen, das Polgar meistert, nicht unbedingt hingöbt, wer Mischen den superben Zeilen liest, milß es entdecken. — Dieses Buch wird bleiben. Otto A b e l e s. Akuo Rädels „Ton". Jeli; St'öhinger, Verlag, Berlin. Der Autor nennt fein umfangreiches Werk „eine religiöse Dichtung". Unter Religion versteht er (in dem als Separatabdruck beigegebenen Begleitwort) „das erlebte Wissen von den letzten Dingen". Der Ton will lehren: „Die Erlangung des Gotteswissens." Der Inhalt ist: Gott und das Leben. Gott als Summe aller Weisheit und Macht, Leben als die Betätigung und Erfüllung von Leib und Seele in den höchsten nnd schönsten Sphären dieses unseres Daseins." Er will das nicht durch Logik lehren, „wenn auch sein ganzer Inhalt eine logische Einheit bildet". Weil das Werk nicht reine Logik ist, heißt es nicht das Wort, sondern der Ton. Gemeint ist der Ton der Logik, die Melodie der Wahrheit, weil wir uns doch nun einmal in Worten ausdrücken müssen." Das also will das Gedichtwerk Nadels, will nicht Lyrik sem, will nicht vom Leser als reine Dichtung genossen werden, sondern heischt von ihm Erkenntnis, Verwandlung zu . . . Ja, wozu? Es lehnt eine objektive Wertung ab und nimmt keine subjektive vorweg. Schließt sich also mit weitester Ambition in den engsten Kreis. Eine Dichtung . kann religihs sein, auch wenn sie die simpelsten Dinge zum Inhalt 'hat.' Sie muß es nicht sein, und ist es in den allerhäusigsten Fällen nicht, wenn ihr Inhalt die Erkenntnis Gottes ist mit dem deutlichen Hinweis daraus. So auch das Gedichtwerk Arno Dadels nicht. Denn sich religiös gebärdende Systeme, in Gedichtform, der Reihe nach vorgetragen, 15. August 1926 Nr. 2686 ihre Zusammenschweitznng in braver Gedanklichkeit versuchend, ergeben kein religiös wirkendes Gedicht. Die Gestaltung, Formung des Ersehnten und der Forderung, nicht aber ihre bloße Bildlichkeit, vermöchten es. Man steht vor keinem Gestrüpp des Bildsichen, das nirgends einen Ausblick auf tröstliches Land greifbaren Erlebens gewährt. Man ist froh, auf dies und jenes Gedicht zu stoßen, das durch seine einfache, lyrische Schönheit fesselt, unbeschwert von der „religiösen Forderung". Die Sehnsucht nach der Ausdrucks,nöglichkciit der seelischen Dynamik hat sich während des Krieges und nach dem Kriege gesteigert. Als Folge der Enttäuschung der nwdernen Menschheit an den Resultaten 'der evolutionistischen Kunst- und Wissenschaftsideologie, die den gegenwärtigen technischen Mechanismus vorbereitet haben. Das konsenrplative Erleben des Dichters geriet ins Hintertreffen, da er zu begreifen glaubte, daß dieses Erleben dem Rhythmus des um -ihn Geschehenden im besten Falle na chh i nk e. Daß er es reicht Mjektiv gestalte, sondern höchstens objektiv erlebe. So entstand der Wille zur Tendenz, das Dichten nach einem geistigen Program,n. Die Dichtung der letzten Jahr« wollte politisch, .sozial oder religiös sein. Und unendlich wie die Zahl der politischen, sozialen, religiösen Programme, ist die Variabilität der Vorzeichen dieser „Dichtungen", die sie erkennen lassen sollen. Die bewußte Konzeption eines überragenden Genies, die man programmatisch nennen kann, eines Dante oder Dostojewski etwa, mag ein»Motor für die künstlerische Emotion gewesen sein — für die Begabung ist sie nichts anderes als das Geleise, in das sie ihr Können zwängt. Die Diskrepanz zwischen Wollen und Können wird offenbar. Wort und Gestalt sind dann immer Kennzeichen der allzuvielen, derartigen Produkte verschiedener Autoren, einander oft zum Verwechseln ähnlich. Der Atem der Unfrnchtbarkeit umiveht sie. Dazu kommt, daß die bewußte Konzeption gewöhnlich das Höchste anstrebt, ohne sich bescheiden zu können. Das religiös Gedichtete zum Beispiel will nichts Geringeres, als eben die letzte Erschließung Gottes und seiner Welt. Arno. Nadel ist ein religiös Gerichteter. Seine Dichtung „Der Ton" ist in den Kriegsjahren entstanden, in der Zeit des größten Konflikts, in der sich die wirklichen Dichter deutscher Sprache befanden. Dieses Werk legt Zeugnis von der Verwirrung ab und ist als solches echter Ausdruck. Mi'p -- * Slatl Je nt sch Volkswirtschaftslehre", neu bearbeitet von Dr. Heinrich Rose. Verlag Fr. Wilh. Wruuow, Leipzig. Volkswirtschaft interessiert henk« jedermann r.nd darum ist diese, Neuauflage des grundlegenden Werkes von Ionisch fahr willkommen. Das Buch wendet sich an keinen Stand besonders und setzt keinerlei Vorbildung voraus, nur klaren VeSstand und guten Willen, die 'behandelten Dinge zu begreifen. Ohne unter einer Füll« von anderern RLaterial verborgen zu sein, ohne jeden rein theoretischwissenschaftlichen Bast, vermittelt das Buch auf angenehme und genußreiche Weis« völlig« Klarheit über die volkswirtschaftlichen Vorgänge u„d über di« Gesetze, nach den«n sie verlaufen. Dabei ist das' Buch objektiv und gerecht gehalten, denn Ientsch sicht weder im Dienste einer Partei, noch im Banne einer Schule. Das Werk behandelt alle Vorgänge, der Volks- und Weltwirtschaft, Produktionsprcbleme. Eigentum. Kapital. Preisbildung. Handelsbilanz, Privatwirtschaft und ein« ganze Reihe anderer volkswirtschaftlicher Fragen. Albert Ehrenstein: Ritter des Todes (Ernst Rowohlt Verkag, Berlin). Es .sind die Erzäklungen Ehrensteins aus den Jahren W19, neu gesammelt und neu hevausgcaeben. Tie meisten dieser Erzählungen, der sechzehnsachen Abwandlung einer einzigen, einmal genossenen, der wahrscheinlich nicht mehr Pariser Kunstwaaderung. Paris, anfangs August. Der Fremde, der zum ersten Male uach Paris kommt, lenkt feine Schritte zunächst zum Louvre und hier zuerst zum Bilms der „Monna Lisa" von Leonardo da Vinci (wogegen der Besuch der in der Plastikensammlung des Louvre aufgestellten „Venus von Milo", der berühmten, vor einem Jahrhundert aus der griechischen Insel Melos (Milo) ausgefundenen Aphroditenstatue aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert, oft verabsäumt wird). Zu jeder Tageszeit umlagern Scharen von Besuchern das dunkel getönte Frauenbildnis und lauschen dessen rätselhaft geheimnisvollem Lächeln, um welches Mereschkowskh einen ganzen Roman gedichtet hat. In einem benachbarten Saale hängt ein älteres Frauenbildms Lionardos, das wie eine frühe Vorstudie zur Monna Lisa anmutet: Die gleiche dunkle Tönung, die gleiche Haartracht, Aehnlichkeit in Haltung und Ausdruck, doch noch nicht das Mysterium des lächelndem Antlitzes. Rings um die Monna Lisa gruppieren sich die berühmtesten alten Bilder des Louvre, gleichsam der Hofstaat der Königin, wie ja überhaupt im Louvre nicht durchaus Sachlichkeit und Ordnung nach Schulen, sondern vielfach das Pomphaft-Dekorat'ive des Romanen für die Anordnung Maßgebend scheint. Unmöglich bei der Fülle erstrangiger Meisterwerke .auch nur einiges hervorzuheben. Besonders mannigfaltig und doch wieder gewissermaßen einheitlich in der Börtrefslichkeit der Technik, des rein Malerischen, ist die „französische" Sammlung. Immer wieder freut man sich über die schönen vornehmen Frauenkörper von Ingres, oder über die Schäferpoesie deS Rokoko in den Bildern von Boucher oder Watteau. Die von Rousseau gepredigte Rückkehr zur Natur lebt sich hier ebenso im Bilde auS wie baulich in den schmucklosen, strohgedeckten Bauernhütten des Hamsau im Äersailler- Patk, welche für die Schäferstündchen der verschiedenen Louis^ aus dem Königsthrone Mit ihren Favoritinnen erbaut wurden. Bsrhüllnismähig reich find Im Louvre än Zahl und Knalitckt die Spanier vertreten (Morales, Murlllo, Belascjuez), weniger reich die deutschen Meister. Roch schreiender ist das Mißverhältnis in der Moderne, man findet in den verschiedenen Pariser Sammlungen kaum einen Liebermann *•» wiewohl doch der Künstler in seinen holländischen Bildern dem Romanischen zunetgt, oder elmm Sleevogt. Uebrigens ist auch die französische Moderne in den großen Sammlungen recht MmüttsRiH vertreten. Weder im „Luxembourg", wo einiges von Manet, Monet, Von Gogh und Eezanne ausgestellt ist, noch auch im „Petit Palais", das trotz einzelner schöner Gemälde von Manet, Gaugoin oder Renoir kn seinem Konscrvatidis-mus den Eindruck eines übergroßen „Künstlerhauses" macht, hat die Moderne ein unabhängiges, eigenes Heim, etwa vom Range des Berliner „Kronprinzenpalais". Und doch hat Paris eine moderne Sammlung, um welche sie die ganze Welt beneiden kann, das „Rodin- M u s e ü m". Idyllisch, mitten in einem Garten, steht der stattliche Barockbau, daneben in einer Kapelle Gipsabgüsse der Monumentalwerke des Bildhauer-Giganten, der Klassik und Romantik, Nordisches und Gallisches in seiner Kunst vereinigt. Sein Gesamtschaffen bedeutet weit mehr, als das eines großen Künstlers am Ende einer Epoche; es mutet beinahe wie ein Abschluß der ganzen abendländisch plastischen Kultur an der Wende der „Zivilisation" an. An den Hunderten von ausgestellten Plastiken, Skizzen und zeichnerischen Plänen Mag man die ungeheure Vielseitigkeit dieses Genies bewundern, der aus dem Steine den geistigen Menschen heranSkämpft, hinter dessen menschlicher Maske allerlei Tiersratzen lauern. Hier steht der vergeistigte Gustav-Mahler- Kopf, welchen Rodin nicht lange vor dem Tode des Künstlers modellierte, hier stehen die bekannten Büsten Shaws und Viktor Hugos, hier ragt die ungeheure Micholcmgeleske „Hand Gottes" empor, hier' kann man urg'ewaltige, förmlich dem Mythos abgerungene Schöpfungen bewundern,' „Die Quelle", „Adam und Eva", „Der erste Mensch", „Der Kuß" und andere Werke von Ewigkeitswert. Zu den in ihrer intimen Wirkung schönsten Pariser Sammlungen zählt neben dem wenig beachteten Jarquemart-Andre-Museum (Bilder, Plastiken, KnnstgeUwrbe) das Elüny-Musenm. Von, dem aitrömischen Kaiserpalast, der sich einst an gleicher stelle erhob, sind noch heute die Thermen erhalten, und im 18 Meter hohen Kaltbid sind gegenwärtig römisch mittelalterliche Statuen und verschiedene Ste-lninschrifthn, darunter auch hebräische, aUSgestellt. Das Museum selbst — früher die Pariser Residenz der PeNediktineräbte' — besitzt übrigens Neben einer gotischen Kapelle, spanisch maurischen FayeNeen, spanisch sizilianischon Stickereien Unb Btoitzen, altsraWsischen Holzschnitzüvbeiten, kostbaren flämischen Möbeln, koptischen und byzantinischen Äoffen und. änderen höchstivertigm Erzeugnissen des Kunst» gewüches äüch ein jüdisches Zimmer, in welchem alte mäelitlsche Kultusnttd Gebrauchsgegenstände (Arbeiten in EdölntetaU, Manuskripte, Schttitzersieu und Stickereien^ ausgestellt jmd. Interessant zu böobachtrtk, wie neben aller romanischen Eigenart der Wirtsvölker auch hier das ursprünglich orientalische Element in Form und Ornamentik immer wieder durchschlägt, wie das Jüdische auch hier gleichsam eine Bindung zwischen Okzident und Orient hevstellt. Orientalisches Und Exotisches birgt auch das G u i m e t- Museum, in welchem die Kunst und das Kunstgewerbe Japans, Indiens und Chinas in ungleichwertiger Auswahl, ungünstiger Aufstellung Und schlechter Belichtung untergebracht ist, ferner das Kambodscha- und ethnographische Museum des in pseudo-orientalrschem Stil erbauten „Trocadero". Alle diese Sammlungen haben durchaus nicht die wissenschaftliche Geschlossenheit und UebersichLlichke.it ° der Berliner Völkerkunde-Museen, dienen. vielmehr in erster Linie der Propaganda für die kolonialen, wirtschaftlichen Interessen Frankreichs. Auch der botanische Garten, zu dem man auf einer schönen Fährt mitten durch dis Stadt Paris auf einem Seinedampfer gelangt, wird vott'Fachileuten nicht hoch eingeschätzt. Den größten Zulauf hat hier der angrenzende Bärenzwinger, in welchem die Eisbären gleich Hunden mit den mächtigen Pfoten austvarten^ wenn man ihnen ein Stückchen Zucker zrkwirft. Paris ist übrigens eine tievfreundliche Stadt. Die .Hunde, die, gleichwie in Italien, den Katzen gegenüber in der Minderheit sind, Nennen keinen MckUlkorbMäng und besitzen einen eigenen Friedhof mit einem Denkmal des Bernhavdinerhundes Barry, der vierzig Personen das Leben bettete. Recht stimmnngslos sind die Menschenfriedhöfe: Der „Pere Lachaise" mit den Gräbern BörneS, Ehchinr, Cüernbinis und BellintS und der „Montmartrtz" mit den Gräbern Heines, Bertioz^ und Offenbachs sind keim weltfernen einsamen letzten Ruhestätten, sondern unruhige Totenstädte mit engen, kaum in Grün gebetteten TvtenhäussrN. Für Manchen Fremden, der weder knnWstorisch graduiert oder kunstpolitisch einseitig festgelM, noch auch ein Kunstsnob ist, wird sin Bummel über die breiten PoulsvardS Äo schönste Pariser Krsnstwanberung FiN. Hier drängt sich ein von f#mft«U Geschmack erfüllter Prnnkladen Neben dem anderen^ hier «rmet romanischer Esprit, französischer Charme und Paviser Geschmack irt krnsweschwängerter Atmosphäre. Hie mag dem MchumSschöUeN MtNstlakeN in wenigen Smnden einen leböndigereN AnschamlnMmwrricht geben als evnrüden'dr Wanderungen durch die Dutzends ja doch historisch fundierter Kunstsammlungsn, welche dör Kunst der Gegenwart nur ein karges Asylrecht einränmen. Erwin Felder, C9/+34^^

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