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Wiener Morgenzeitung · 1926-08-15 · Heft 2686 (15.8.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2686 (15.8.1926)
Date
1926-08-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. zmi 5S51CII, ®vHUMg anewt Morftenzektung Sefte 8 Tagesbericht. Manfred Weiß de «level. In der Csepeler Explosionskatastrophe werden zwei Mo- Tucrtic wahrscheinlich für immer in Dunkel gehüllt bleiben. Die Zahl der Toten nndxdie Zahl der Kilogramm der explodierten Ekrasttmengen, Patronen und sonstigen Munitionsmaterials. Beide Ziffern hängen miteinander zusammen. Man verschivcigt die Zahl der Toten, man leugnet die Todesopfer überhaupt ab, weil ihre Bekanntgabe auch auf die Menge des unter Verletzung des Frisdensvertvages erzeugten und in unterirdischen Betonkammern verborgen gehaltenen Kriegsmaterials zwingende Schlüsse zuließe. Das in Trianon geschaffene Horthy-Ungarn ist förmlich unterminiert und nicht nur in Csepel, sondern auch an den Grenzen des Landes liegt eine Unmasse von Munition, Waffen und sonstigem Kriegsgerät verborgen. Es würde niemanden überraschen, wenn eines Tages versteckte Munitionslager an der bnrgeniländifchen, an der ungarisch-tschechoslowakischen Grenze bei Komorn oder an anderen Stellen in die Luft flögen oder sonst auf unliebsame Weise zum Vorschein kommen. Aber, wie gesagt, diese Momente des Esepeler Vorfalles worden, dank der Zensur, inr Dunkel bleiben, es sei denn, daß die Horthh-Rcgierung es für geraten halten wird, aus dein Ereignis einen Kommunistenanschlag zu machen, um ihre Position zu stützen. Uns interessiert bei diesem schwer traurigen Anlaß der Schöpfer der in amerikanischen Dimensionen angelegten und jetzt zum größten Teil zerstörten Industrieanlage von Csepel: Manfred Weiß. Er interessiert als jüdisch-assimilatorischer Typus, als ein Schuloeispiel für die Amoral der Assimilanten und den Undank der Regierungen, in deren Dienst diese ihre Fähigkeiten, ihren konstruktiven Geist stellen. Manfred Weiß war einet der hervorragendsten Begründer der ungarischen Großindustrie. Er selbst ist immens reich geworden, hat aber and) den ungarischen Staat reich gemacht. Seine unbegrenzte Arbeitskraft, sein immenses Organisationstalent, sein Scharfblick für industrielle Konjukturen, kam nicht mir ihn, sondern auch der ungarischen Regierung zugute. Manfred Weiß und der ungarische Staat haben sich gegenseitig ausgenützt. Das ist die Wahrheit. Die Regierung beutete den Verstand und die Energie des Juden Weiß nnd dieser die Kriiegslust und den Pananmgeist des Aristokraten- und Gentrhstaates aus. Bei aller Verurteilung der Ziele nnd Aufgaben der Manfred Weißschen Industrieanlagen muß jedoch der historischen Wahrheit die Ehre gegeben werden, daß in dem Paktverhältnis zwischen Manfred Weiß und der magyarischen Gesellschaft der Jude Weiß der Korrektere war. Tag und Nacht sann er darüber nach, wie er die mörderische Kriegspolitik seiner Regierung durch immer neuere Mordwaffen stützen könnte. Und was war sein Schicksal? Der eitle Assimilant bekam die Baronie unb mit ihm, der als Lieferant der Kriegskabinette, ins Magnatenhaus berufen wurde, wurde auch das Magnatenhauskonto der ungarländischeu Indenschast belastet. Er wurde mit unzähligen Millionen für politische und gesellschaftliche Zwecke ausgesprochen jildenfeindlicher Tendenz gebrandschatzt. Er war und blieb, selbst iN'chor liberalen Aera, der geduldete jüdische Baron, dessen Schöpfergeist für verwerfliche'Zwecke äüsgebentet wurde. Nach dem politischen Zusammenbruch erlitt Manfred Weiß seinen ersten seelischen Zusammenbruch. Die Kommunisten taten dasselbe, was ihre Gentryvorgänger an der Herrschaft taten. Sie räumten Manfred Weiß nicht ans dem Wege,' sondern ernannten ihn in seiner komnmnisierten Fabrik zum Buchhalter. Nach den Konrntuniften kamen die weißen Ritter des christlichnationalen Kurses. Da erlebte der jüdische Baron die niederschmetterndste Erniederltng. In den zahllosen Pogromversammlungen wurde erzählt, daß der Jude Manfred Weiß den Krieg gewollt, den Staat betrogen nnd den Verlust des Krieges verschuldet habe... Niemand verteidigte ihn, niemand nahm ihn in Schutz. An Geist, und Seele gebrochen wollte er seinem Leben freiwillig ein Ende bereitem Di« Zerstörung seines Werkes hat er nicht mehr erlebt. Seine Söhne setzen das fort, was ihr Vater begonnen und aufgebaut hat. Sie sind reich, aber sie sind mehr noch wie ihr Vater es war, die Inden mit dem verachteten Handwerk der Hehlerschaft der verborgenen Mordtvasfen. Gewinn und unnatürlicher Patriotismus sind die Motiven ihres Tuns. Die gerechten Pa trioten, die rassenschützlerischen Mordbnben sehen in ihnen nur die gewinnheischenden Inden. Dort, wo der Patriotismus Orgien feiert, haben auch diese Inden keinen Zutritt. Assimilanten schicksal. Jakob Kransz. Me bevorstehende Tagung der österreichischen Aioniften. Die brschtossene Statutenänderung. Das Z i o n i st i s ch e L a n d e s k o m i t e e für O e ,r e rr e i ch teilt mit: Der kürzlich stattgefundene außerordentliche Parteitag hat A e n d e r u n g e n in den Statuten des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich vorgenommen, die im Mittagsblatt der „Wiener Morgengeitung" vom fl. d. veröffentlicht worden sind. Die Wahlen zu dem vom 30. Oktober bis 1. November d. I. stattfindenden ordentlichen Parteitage iverdcn ans Grund dieser statutarischen Bestimmungen durchgeführt werden. Die zionistischen Bezirkssektionen, Ortsgruppen und Sondervereinignngen werden daraus aufmerksam gemacht, daß für die Wahlen nur jene Mitglieder als wahlberechtigt in Betracht kommen, die ihre Parteisteuer geleistet und im Wege der Sektionen an das Zionistische Landeskomitee aibgeführt haben. Die Organisationen sind verpflichtet, die Mitgliederlisten späte st ens einen Monat vor den: Parteitag dem Landeskomitee zwecks Ueberprüfung des Mitgliederstandes und der abgeführten Parteisteuerbeträge einznsenden. Das Landeskomitee macht auch auf dm: Beschluß des dreizehnten Zionistenkongreß aufmerksam, wonach das passive Wahlrecht von der Erfüllung der Keren-Hajessod-Pflicht abhängig ist. WEsafelwasssp ■fliHeilwasser WJ.tr ÜkXcteHSAU E R B R Ü hU Rick Carter gestorben. In ReadfieD, in Nordamerika, ist John R. C o r y e l l, der Schöpfer der Nick-Carter-Figur, in hohem Alter gestorben. In kcc Gunst der Jugend war er!der Nachfolger Karl Mays. Aber weitaus moralischer noch als der Sachse. Die Verkörperung der tugendhaften Lehre, daß das Gute belohnt und das Böse bestraft wird. Der Laus der Welt mag ja meistens anders sein; der Meisterdetektiv aber dessen unübertrefflicher Lcharsfinir in Hunderten von Fortsetzungen von Abenteuer zu Abenteuer rast,. ist zugleich mit edleni Sinn begabt und erfüllt so-,, «sagen eine höchst moralische Funktion. Er siegt immer, cb er nun Jungfrauen befreit, Verbrechern das erraffte Gut absagt, oder in den Slums von New-Aork sich nrit dem Abschaum der Menschheit herumschlägt. Falltüren gibt es da, verborgene Eingänge,' verschiebbare Wände, geheime elektrische Leituirg-'i', fl-nchrschÄlpfrige Kerkerkeller, Revolverknallen,' «Fesseln und Knocheninacken... aber Nick Carter siegt immer und mit ihm. die Tugend. Er trüg! einmal den Frack und das Monokel, einmal die Ballonmütze und den Apachenschal, aber sein scharfgeschnittenes bartloes Gesicht sicht immer voll Triumph drein. Blassen Neides voll ’r Vit vie kompakte Majorität der berühmten, aber langweiligen MenschheiiLverbosserer auf die Schundhefte, die jeder Bub in der Tasche trug, und die Väter taten entsetzt, nicht mit vollem Ernst; sie err-.'.'.nerien sich an die Jndiamvbüchel und an Karl May. Sie alle werden sich jetzt freuen, daß Jnez-Nawarro, daß Morris Carrilther der König der Diebe, tot sind. Aber hoffentlich kommt wieder so ein Ko:», der das Geheimnis kennt, baß die Phantasie des Buben und des Mädels nach abenteuerlichen Ereignissen, hungert und der ihr y'lst. Auch wenn die Banausen in ihrem Unverstand zetern! IS. August 1986 Meine Klage gegen die Tanten. Von Theodor Brun. Was Kiudererziehung anbelangt, habe ich meine Prinzipien. Aber sie nützen mir nichts. Ich kann mein Kind nicht so erziehen, wie ich es für richtig halte. Die Tanten und alle anderen alten Frauen lassen mich nicht. Die jungen übrigens auch nicht. Ich ntiißte zuerst meine ganze Umgebung erziehen. Dazu habe ich aber keine Zeit. Und außerdem bin ich nur einer. Und von den Tanten — das ist der summarische Begriff — gibt es Legionen. Und jede erfindet jeden Dag etwas neues, ummich zu ärgern. Zum Beispiel: Zum Beispiel finde ich, daß die Kinder von den Erwachsenen das Sprechen lernen sollen und nicht umgekehrt. Meine Tanten hingegen sind der Ansicht, daß man mit einem Kind' chaddälen muß, womöglich in einem quäckenden Fistelton, gerade so, als hätten sie bei einen! Säugling Sprachstllndcn genonrmen. Mein Kind darf boi ihnen keine Hände und keine Beine haben, keinen Mund, keinen Kopf, keine Nase, keinen Bauch. Boi den Tanten verwandeln sich diese Dinge in ein Hanbili und ein Fussili, Mundcrle, Kopfili, Nasili und Bauchili und ähnliche Gräulichkeiten. Wenn sie dem Kinde etwas bringen, so sind das dutte Zuckizucki, oder Kokoladiladi, oder ein Obsterl, oder ein Apfiapfi, und nachdem das Kind schön brav Bittebitte gmacht hat, begleiten sie das Verzehren der Näscherein mit den Ausrufen: „Fffsf — aaah — t-t-t-t-t, ist das aber üutt," und verdrehen die Augen. Was würden die Tanten sagen, wenn ich ihren schulpflichtigen Kindern beibringen würde, 7 mal 8 sei 16? Mit der Begründung, 56 sei für sie noch zu schwer. Sie würden bös sein. Gut — aber wenn sie meinem Kinde eine idiotische Sprache beibringen, soll ich nicht bös sein? Den Tanten sollte doch einmal das Bedenken aufsteigen, ob sie mir nicht meine Erziehungstätigkeit vollkommen unmöglich machen, wenn sie. jede Aufforderung an das Kind mit den Worten zu unterstützen sich verpflichtet fühlen: „Folg' schön den! Papi, dann kauf: er dir dutte . . ." (Je nach der Jahreszeit: Kirschen, Bananen, Orangen, Schokolade usw.) Denn der Effekt ist, daß sich das Kind jedes Folgen abkaufen lassen will. Das führt dann zu unangenehmen Komplikationen, an denen das Kind unschuldig ist, denn die Tanten haben es auf die gute Idee gebracht. Und außerdem glaubt das Kind, ich wolle ihm nichts kaufen, während . . . Ich will nicht, viel erzählen; der Steuerreferent aus meinem Bezirk hat mir neulich gesagt, er würde mtx gerne etwas pumpen, aber leider habe er boi mir keine Aussicht, das Gold jemals wieder zu sehen. Die Tanten sollen wissen, daß ein Kind weder gescheit, noch durum ist. Es ist also vollkommen unnötig, daß jeder Satz, den mein Kind spricht, von altert anwesenden Tanten — manchmal sind es auch sechfe — nacheinander wiederholt wird, mit der Randbemerkung, daß das Kind sehr gescheit sei. Ich wiederhole auch nicht joden Satz der Tanten, geschweige denn, daß ich ihn aus den Gescheitheitsgehalt hin prüse. Ich bin ferner auch gar nicht neugierig, ob wein Kind mich oder die Mutter lieber hat, also braucht das die Tanten auch nicht zu interessieren. Sonst sind die Tanten um Gesprächsthemen nicht verlegen, aber bei einem Kinde fällt ihnen nur die obige Frage ein, zur Not vielleicht noch, ob das Kind schön brav ist, und ob es auch folgt. Dann sollen sich die Tanten merken, daß ein Kind kein Wunderasfe ist, der Kunststücke vorzusühren hat. Es sind also alle Aufforderungen verpönt, die mit „sag schön" und „zeig schön" beginnen. Das „schön" ärgert mich am meisten. Anders nehmen sie's gar nicht. Gänzlich unerwünscht sind psychologische Studien auf Kosten der Nerven eines Kindes. Man unterlasse daher die Frage: „Soll ich dauren Papi durchhau'n?" Man unterlasse auch die Ausführung. (Bei der ich leider nicht zurückhau'n Ttzven der Wische« Witzes.*) Bon Dr. Meir Präger. m. Neben dem Gesetz. Der Witz der jüdischen Masse zeigt eine gewisse aus soziologischer Homogenltät sich ergebende, unter anderem in der Typisierung zutage tretende konstruktive Gesetzmäßigkeit, durch die ersich von der sozusagen destruktiven Art des im europäische»! Westen bei Iud und Christ gangbaren jüdischen Witzes unterscheidet. Dennoch gibt es naturgemäß zwischen den beiden Kategorien des jüdischen Witzes zahlreiche Berührungspunkte. Vor allen! dort, wo gleichartige Bedingungen, gleichartige Lebensformen ergeben: so ist zum Beispiel in Osteuropa wie in Westeuropa der Jude in wirtschtftlicher Beziehung vielfach „Lückenbüßer", er füllt Lücken im jeweiligen Wirtschaftsleben (ob es sich nun um das Kleingewerbe in Rußland, den Handel in Polen oder etwa die Konfektionsindustrie in den Vereinigten Staaten handelt); dieses Füllen, der Lücken hat zur Folge, daß der Jude euch in die gesetzlichen Normen, die sich für die Lebensformen in den einzelnen Ländern aus dem bestehenden Brauch gebildet haben, erst eine Einfügung braucht. Diese ist nur in einer Auslegung der Norinen.möglich, die dann das Gesetz dreht, wendet und seine Lücken" sucht. Das Bewußtsein dieser Existenz „neben dem Gesetze" schafft dem Witz des Juden — naturgemäß ein ebenso' großes Betätig-unMelld wie seiner geistigen Energie, die zur „Anpassung" seiner Lückenbüßerexistenz an das Gesetz oder umgekehrt notwendig ist. Besonders ist dies dann und dort der Fall, wo die Juden — wie es im Osten Europas der Fall war und noch heute zum Teil der Fall *) Siehe „Wiener Morgenzeitung" vom 1. und 8. d. ist — tatsächlich in vieler Beziehung außerhalb des Gesetzes gestellt sind. ' Darum ist auch das Thema „Neben dem Gesetz" für den jüdischen Volkswitz ein geradezu unerschöpfliches. Es reicht von der kleinen „Deutung" des Gesetzes bis zu der» Erscheinungen des „Ungesetzlichen". Der Typus der „jüdischen Gauner" ist in unzähligen Bolkswitzeu variiert und oftmals liebevoll charakterisiert. Etwa'hier: Ein Trupp Arrestanten wird ins Gefängnis geführt, darunter einige Juden. De Judenfrauen auf der Straße bleiben stehen und schütteln bedauernd die Köpfe. Sie fragen einen von den jüdischen Arrestanten: „Warum wirft du eingesetzt?" — ,Wegen einer Paßgeschichte" — ist die Antwort. Großes Gejammer unter den Frauen: „O nebbich, wegen einer Paßgeschichte!" Sie fragen einen zweiten Juden: „Warum wirst du eingesperrt?" „Wegen des Militärs." Wieder großes Gejammer: „O nebbich, wegen des Militärs!" Ein dritter Jude, ein kräftiger Bursche, konnNt in: Trupp vorbei; auch ihn fragen die Frauen: „Warum steckt lnan dich ein?" — „Ich bin nebbich ein Gauner!" (Die Psychiologle des jüdischen Diebes ist für den Bolkswitz ebenfalls der Gegenstand eingehender Betrachtung. Als Beispiel: Ein jüdischer Dieb steigt in einen Gemüsegarten ein, reißt eine Menge -Möhren aus und steckt sie in einen Sack. Der Eigentümer des Gartens hat es bemerkt und saßt den Dieb: ,Mas soll das heißen? Du stiehlst meine Möhren?" — „Sie und ich sollen so leben, wie ich ganz unschuldig bin, es ist mir nie eingefallen zu stehlen; ein starkes Unwetter ist losgegangen, da bin ich in den Garten hinein und wollte mich unter einem Baum niederlegen. Aber der Sturm hat mich hin- und hergeworfen da Hab' ich mich an emem Büschel Blätter am Boden anhalten wollen, dabei .hat sich eine Möhre losgerissen. Und wie ich mich an einem anderen Büschel Blätter anhalten will, -hat „sich wieder eine Möhre losgerissen; s-o ist das ein paar Mal gegangen." Daraus der Gärtner: ,-Schön, ich glaube dir, aber wie sind die Möhren in deinen Sack gekommen?" — „Auch eine Frage!" ist die Antwort. In ungefähr d:e gleiche Kategorie gehört die folgende Anekdote: Gin Jude kommt in ein Gasthaus, läßt sich ein gutes Essen und eine Flasche Wein geben-, ißt und trinkt behaglich und will Weggehen. Der Wirt hält ihn auf: ,-Halt, wohin? Erst einen Gulden für die Zeche!" — „So, einen Gulden? Ich Hab' aber keinen Kreuzer in der Tasche!" — ,Machen Sie keine Geschichten, wenn Sie keinMeld haben, hätten Sie »licht essen gehen sollen. Ich rufe die Polizei." — ,M»s nützt nichts, damit werden Sie auch nicht zu Ihrem Geld tomrnen. Aber weil wir * gerade von der Polizei sprechen — hören Sie, ich möchte Sie etwas fragen: Wenn einer jemanden eine Ohrfeige gibt, wieviel Strafe muß er zahlen?" — „Fünf Gulden nach dem Gesetz. Aber lassen Sie mich nlit Ihren Dunnn,heiten in Ruhe, bczahleu Sie lieber die Zeche!" — „Bezahlen? Warten Sie, wisse»» Sie was? Sie haben doch, sagen Sie, einen Gülden vor» mir z»» bekomnren, geben Sie n»ir eine Ohrfeige und vier Grrlden Rest!" Neben dem Gesetz spielt sich natürlich im jüdischen Völkswitz Geschäfts- und Berufsleben ab. Gewisse Berufe sind im Bolkshunlor als „nebeugesetzlich" typisiert, so der des Schneiders, der im Bolksnlund stets ein ,-Gau»»er" ist. Ein Beitrag z»»r Schneiderpsychologie im Spiegel des Witzes: Der reichste Mann der Stadt trifft eines Tages den Schneider des Ortes und rnerkt, daß der einen ganz zerrissenen Rock trägt. ,^Das verstehe ich nicht," sagt er z»lm Schneider, „du bist doch selber Schlt-eider, wamnr flickst du deinen Rock nicht?" — ,Ach habe so viel z»l tun, daß ich für »nich selber nie Zeit habe." Den Reichen, der ein gutes Herz hatte„ -erbarmte der Schneider. Er gibt ihm Zwei Gulden nnd sagt: „Da hast du zwei Gulden zum Ersatz für deine Zeit, flicke dir .deinen Rock a.us!" Der ^Schneider steckt

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