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Wiener Morgenzeitung · 1926-08-13 · Heft 2684 (13.8.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2684 (13.8.1926)
Date
1926-08-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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«r. Wiener Msrse«-ettuns 13. August 1926 Seit« 5 . Wert, FreiW * Clephauten und D-Zug. Ein ungewöhnliches Eisenbahn husawwenstoß ereignete sich vor einigen Tagen auf der Eisenbahnstrecke. die van Singapore nach den Mckaienstaaien führt. Der D-Zua, der hier mit ungeheurer Geschwindigkeit dahinrast, blieb plötzuch in der Nacht mit scharfem Ruck stehen. wÄei die Fahraaste autzer einigen Nervenschocks keinerlei Schaven nahmen. Der Zug halte einen Zusammenstoß, der nur darum so ungefährlich M»ef, weil er sich gegen zwei Elephanten richtete, die fich ans den Dschungeln auf den Schienenstrang verirrt hatten. Bon der ungeheuren Kraft, die diesen Tieren innewohnt, kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man hört, daß n u r einer der Elephanten getötet wurde. Der andere flüchtete ich i« die Wildnis zurück. Trotzdem es sich um einen Zusammentoß mit lobenden Wesen handelte, wurde die Lokomotive leicht bechadigt. Der Zug hatte dadurch einen größeren Aufenthalt, so daß die Fahrgäste aus den: Schlafwagen kanten, um sich den Gegenwand des ungewöhnlichen Ersenbahiizusanrmenstoßes anzusehen. Einige geschäftskundige Passagiere machten sich bereits daran, die starken Stoßzähne des gestürzten Elephanten auszubrechen, um für den Schreck wenigstens eine Entschädigung zu haben. Aber sie mußten einsehen, daß dies vergeblich war, denn man kann derartige Operationen nur mit den notwendigen Apparaten vornehmen. Ohne ihr Ziel erreicht zu haben, mutzten sie den Zug w,oder besteigen und ihre Fahrt fortfetzen, denn der Zug konnte nach, einem Aufenthalt von zwei Stunden bereits wieder seinem Bestimmungsort zueilen. Der überfahrene Elephant, den man zuerst auf den Güterwagen zu verfrachten beabsichtigte, mußte aber uegen gelassen werden, da nicht genügend Hebeinstrumente vorhanden waren, um den Körper fortgnschaffen. * „Gesundes rechtes Bein gesucht." James Taiton, 41 Jahre alt, verlor bei einem Autöunfall in Dayton, Ohio, sein rechtes Bein. Kurz entschlossen setzte er ein Inserat in die Zeitung, in dem er ein gesundes Bein sucht, das er durch einen geschickten Operateur auf den verbliebenen Stumpf quasi aufvropfen lassen will. Als Bezahlung soll der Hergeber des gesunden Beines den Verkauf des Filmrechtes an der Operation bekommen, für das eine Firma schon 20.000 Dollar geboten hat. Auf das Inserat sind unglaüülichevtveise ein Dutzend Offerte eingelaufen, darunter zwei von Frauen. * Die Schwalben verschwinden. Die Internationalen Gesellschaften für Vogelschutz haben längst festgestellt, daß die Schwalbe mehr und mehr aus Mitteleuropa verschwindet, und daß sich während der letzten Jahre die Minderung des Schwalbenfluges auf mehr als 15 Prozent beläuft. Der Gründe für diese Erscheinung gibt es mehrere. Die Schwalbe hat drei Todfeinde: die Hochspannungsleitungen der Elektrizitätswerke, die Vogel spinne und den Sperling. Auf dem langen Flug, den die Schwalben von Afrika nach Europa zurückzulegen haben, machen sic ermüdet Rast und ruhen ein paar Tage oder ein paar Wochen aus, che sie den Flug Mer die Alpen nach den nördlichen Ländern fortsetzen. Zu ihrem Unglück wählen sie zu dieser Rast mit Vorliebe die Hochspannungsleitungen. Dabei werden die Vögel natürlich vom elektrischen Strom getötet. Es gehört überdies nicht zu den Seltenheiten, daß man eine in vollen: Flug befindliche Schwalbe plötzlich tot herab sinken sicht. Wenn man ihren Körper genauer untersucht, bemerkt man unter den Flügeln eine Spinne, die dem Vogel das Blut ausgesaugt hat, so daß der deine Körper völlig blutleer ist. Man hat ferner beobachtet, daß die Sperlinge, die^sich in Europa seit dem Kriegsende stark vermehrt haben, während des Winters von den Schwalbennestern Besitz ergriffen haben. Die Schwalben, die im Frühling nach Europa kommen, finden ihre Nester besetzt und sind nicht imstande, ihr gutes Recht gegen die Nesträuber zu behaupte». * Können Tiere zählen? Zn dieser Frage gibt E. Groppler inder „Umschau" folgendeu interessanten Beitrag: Wir hatten auf einem Bremer Segelschiff ans der Reise von England nach Südamerika einen Hund an Bord. Die Rasse war ..vollkommen undefinierbar. Er hatte aber die gute Eigenschaft, sehr geschickt Ratten;>n sangen, die das Schiff in dichten Scharen bevölkerten. Fast in jeder Nacht fing er zwei bis vier Ratten, die er vor die Eingangstüre zur Kapitänskajüte legte. Als Belohnung erhielt er .dann morgens für jede Ratte ein Stück Zucker. Wir haben oftmals den Versuch gemacht, den Hund zu betrüge», iubcut wir ihm, wenn er zum Beispiel vier Ratten gefangen hatte, nur zwei oder drei Stücke Zucker gaben. Der Hund war daun nie zu beruhigen und ging nicht früher weg, als bis er auch das dritte und vierte Stückchen Zucker erhalten hatte. . * Unser Freund, ’ das Krokodil. Prinzessin Marie Luiie, eine Enkeltochter der Königin Viktoria non England, •tft unter die Schriftsteller gegangen und hat über ihre Reisen an der Goldküste ein Buch geschrieben, in dem sie allerlei Bemerkenswertes über de» frc-iindschaftlichen Verkehr erzählt, den die Krokodile der Goldküste mit den Eingeborenen unterhalten. Uvber einen Besuch in Tnmn schreibt die Verfasserin: „Unser erster Besuch galt dem au der ganzen Küste berühmten Krokodilteich, der etwa eine Meile von nnsereut Lager entfernt war. Der Teich wimmelt von den scheußlich aussehenden Reptilien, die dort indessen gar nicht gefürchtet werden. Es klingt wie ein Märchen, wenn ich erzähle, daß die Dorfleute ohne Scheu tu dem Teich zwischen den Krokodilen herniiigehen, ihre Wasserköpfe füllen, ein Bad nehmen, ohne daß auch nur eines der Tiere daran denkt, sie zu belästigen oder sie gar anzilgrcifeil. Die Erklärung für dieses in der Welt einzig dastehende Verhältnis zwischen der: gefräßigen Krokodilen und dem Menschen ist, wie ich mir habe sagen lassen, darin zu suchen, daß das Krokodil dort als guter Geist des Hanfes gilt. Da die Tiere niemals a n g e g r i f f c n iverden, so denkt das wie ein Haustier behandelte Krokodil auch nicht . daran, sich feindlich gegen die Menschen zu stellen. Ich habe jedenfalls mit eigenen Augen gesehen, wie die Ivanen aus dem Dorf ungestört und unbvlcistigt ins Wasser gingen und wieder herailskainen, .und daß sie sich ohne jede Furcht neben den Krokodilen lagerten, die ruhig auf der Seite lagen und sich voll der Soime bescheinen ließen. * Wieviel Dich gibt es auf der Welt? Den amtlichen Feststellungen zufolge, hat der Biehstapel in Europa im Jahre 1924/26 ausvhillich zugenommen, doch ist die Gesamtzahl von 1913 noch nicht erreicht. An Rindvieh werden in der ganzen Welt ungefähr 400 Millionen gezählt, die Zahl der Schafe wird mit 480 Millionen angegeben, die der Schweine mit 116 bis 120. Millionen. Die ersteren Zahlen bedeuten eine Vermehrung von 12 his 14 Prozent, lind die letzte eine Verminderung um 6 Prozent im Bergteich zu den letzten Jahren. Die Zahl der Pferde beträgt rund 80 Millionen; das sind 5 Prozent weniger als vor denk Kriege. * Lichtliebende Kühe. Ein amerikanischer Gutsbesitzer hatte eines Tages die Wahrnehmung gemacht, daß die Hühner die Musik, insbesondere das Harmonikaspiel, lieben und unter deren Einfluß eiit-e regere Tätigkeit im Eierlegen entfalten. Nun hat ein Maastrichter Bürger eiltdeckt, daß die jungen Kühe das grelle Licht besonders schätzen. Infolgedessen hat er seine Ställe mit elektrischen Lampen von großer Lichtstärke ausgestattet. Die Folge davon war, daß die jungen Kühe ein doppeltes Quantum produzierten, und zwar eine Mich, die besser und auch vitaminereicher fit. Der Experimentator schreibt, dem französischen Blatte „Vele- Mele" zufolge, dieses günstige Ergebnis dem Umstand zu, daß die Kühe welliger schlafen und — vergilügter sind. * Unersetzlich ist der Verlust Ihrer Zähne durch Schlechtwerden Sie vermelden denselben beim Gebrauch von W. D w e rdys D e n t i f l y r v, 1. Bez., K o h l yr a x 11 11. Bühne und Kunst. Stöbert Bottner — der neue Leiter der Bottsover. Dir Arbeitsgemeinschaft wird fortgesetzt. In der gestern stattgefundenen Vollversammlung des gesamten Personals der Wiener Volksoper wurde zum neuen Leiter der Arbeitsgemeinschaft Oberintendant Robert VolknerauSKarlSruhe gewählt. Nach Schluß des Wahlganges wurde von den Versammelten eine Resolution angenommen, die sogt, daß die Vertrau ensperk o n e n auch weiterhin beauftragt werden, gemeinsam mit ihren OrganisationSlettungen Verhandlungen auf Grund eines syndlkalifierten Betriebes bei vollständiger Wahrung der Interessen der A n g e st e l l t e n als Mitglieder der ArbeitSgemeins chaft zu führen. Nach Abschluß der Verhandlungen sollen die Wünsche des Personals beim Theaterverein und der Gemeinde Wien sowie allen sonstigen in Betracht kommenden Faktoren vorgebracht werden. Sie Salzburger Festspiele. Heute gelangt im S t a d t h e a t e r die „Fledermaus" zur Aufführung. Frau M a s s a r y wird eine ihrer brillanten Partien, die Adele, singen; Frau Achsel singt die Rosalinde. Die Herren Tauber und Pallenberg svielen den Eisenstein, beziehungsweise den Frosch. Dirigent Bruno Walter. Samstag wird zum erstenmal im F e st s v i e l h a u s e das Märchenspiel „T u r a n d o t" nach G o z z i bearbeitet von Alfred Polgar, aufgeführt. Mitwirken werden: Gustav Waldau. Helene T h t m i g. Dagny S e r v a e 8, Lilli DarvaS, Frieda Richard. Lotar M ü t h e l, Max P a l l e n b e r g, Richard R o m a n o v S k y, Oskar H o m o l k a, Hans Mose r, Friedrich Kühne, Herbert. D i r r m o s e r, Josef Danegger (Louis Rainer). Die Musik haben nach alten Meistern Einar R i l s o u und Dr. B. P a u m g a r t n e r komponiert. Die Choreographie besorgte Heinrich K r Ü l l e r. Die malerischen Entwürfe und Kostüme sind von Dr. OSkar S t r n a d. Das Werk wurde von Professor Max Reinhardt inszeniert. Srattecfeiet für Fudittz Sam. Ans Arad wird uns berichtet: Vorigen Dienstag fand im hiesigen Sommertheater, in welchem die Wilnaer Truppe letzthin große Erfolge erzielt hatte, eine sehr gut besuchte Tvauerfeier zmn Andenken an die unter so tragischen Umständen verstoßene Tragödin Judith L a r e s statt. Die ungarische Gedenkrede hielt Herr Dr. Alexander Herzog, der neben der Würdigung der Verdienste der Verstorbenen um die jüdische SchausP'ie'Nlifil, auch ein in breiten Strichen gezeichnetes Bild der Entwicklung der jüdischen Bühnenknnst entwarf. Der Direktor der Wilnaer Truppe, Schalom M a z o, schilderte die große Bedeutung der Bevblichenen für die jüdische Kultur im allgemeinen und die jüdische Bühnenkunst im besonderen. .Hieraus hielten die Schauspieler Alexander Stein, Mirjam Örleska, Weislitz, I. Kamen und andere Vorträge. Das Erträgnis für die Veranstaltung 'wiirde dem Fonds zur Errichtung eines Grabdenkmales für die große Tragödin zugeführt. Am dm Zfteatent. Jobann-Strauß-Theater. Trude Kollin wurde von Direktor Erich M ü l l e r für die nächste Spielzeit verpflichtet. Renaissancebühne. Heute beginnt die neue Spielzeit. Zur Erstaufführung gelangt das französische Schauspiel ,Das Grabmal des unbekannten Soldaten" von Paut R e y n a t, deutsch von Hedw g G e r l a ch. Modernes T b e a°t e r. Heute zum letztenmal „H abenSte nichts zu verzollen?" Samstag und Sonn» t"7 „D i e A r t, s i ch h i n z u g e b e n". Artistenprüfung im Johann-Strauß-Theater. Am Damstag den 28. d. um 8 Uhr nachmittags findet die Artisteirprüfung im Johann-Strauß-Theater statt. Der Kartenvorverkauf hat bereits all den Kasseti des Johann-Stranß-Theaters sowie an der Kasse der Internationalen Artistenorganisat'ion, Wien, 2. Bez., Praterstraße 48, begonnen. „Der Untergang des Abendlandes" betitelt sich ein dreiaktigcr Schwank von Alois Ul reich und Kurt Breuer, dessen Uraufführnng in der nächsteir Saison in Wien stattsinden wird. Eine eigenartige Ehrenafsäre in Lodz. Aus Lodz wird ilns geschrieben: In einem der hiesigen Kinos tritt ein populärer Säilger, der zugleich der Verfasser fetnev Lieder ist, Wladislaw Lin, ans. Einen großen Erfolg hatte ein Lied, unter dem Titel: „Grabsteine bekannter Lodzer Bürger". Eine der Persönlichkeiteil, über die Lin singt, fühlte sich beleidigt iwb schickte dem Sänger die Sekundanten. Die Ehremfifäre endete mit einem Duell. Nach dreimaligem Kugelwechsel, bei dem niemand verletzt wiirde, versöhnten sich die Gegner. Jüdisches Theater in Südafrika. Die Africa Theater Trnst- Compaily hat aus Verlangen der jüdischen Bevölkerung iü Südafrika eine jüdische Truppe engagiert, die ans einigen >berühmtvn jüdischen Schauspielern besteht. Es gehören unter anderem der Truppe an die namhafte Soubrette Vera K anewski, der Sänger Breit mann, der Charakterschaüspieler B e r d i c z e w s k t, die jugendliche Soubrette Susann e, die 'besonders in London und Paris großen Erfolg hatte, und der Komiker Tepner. Die Truppe steht unter der künstlerischen Leitung des Schauspielers Eisikowicz. Schon die ersten Vorstellungen brachten den Künstlern einen großen Erfolg. ß Werbet Abonnenten für die | 1 „Wiener Morgenzeitung" I TOrarotSligiBSIRRlglggigligiRKnSIRSiraHHgtSllgllgUgl Gerichtssaal. Pretzprorrffe. Mitte Juni erschien in der „Roten Fahne" unter der Aufschrift „Monarchistische Provokationen" ein Artikel, in welchem es sehr abfällig und scharf kritisiert wurde, daß ein Hotel i« der Rotenturmstraße eine schwarz-weiß-rote Fahne ausgesteckt hatte und ferner erwähnt wurde, daß im physikalischen Institut ist der Boltzmanngasse noch heute eine Büste des Kaisers Franz Josef des Ersten ausgestellt ist. Im Zusammenhänge mit dieser Kritik wurde in dem Artikel auf die Vorgänge am 1. Dezember 1921 hingewiesen, bei welchem bekanntlich viele Geschäfte geplündert und demoliert wurden. In dem Inhalte dieses Artikels erblickte die Staatsanwaltschaft das Verbrechen der gefährlichen Drohung. Da der Verfasser des Artikels nicht eruiert werden konnte, wurde gegen den verantwortlichen Redakteur des Blattes, Fviedrich Höschmann, die Anklage wegen Vernachlässigung der pflichtmäßigen Obsorge erhoben. In der gestern vor dem Hoftat Dr. Höfl-- mayer durchgeführten Verhandlung wurde der angeklagte Redakteur, welcher nicht erschienen war, zu einer Woche Arrest verurteilt. In der Urteilsbegründung führte der Richter aus, daß der Inhalt des Artikels sowohl das Verbrechen der gefährlichen Drohung, als auch des Hausfriedensbruches beinhalte, weshalb der strengere Strafsatz angewendet wurde. Nach den Vorfällen in Mödling, bei welchen der Mödlinger sozialdemokratische Gemeinderat Leopold Müller durch eine Hakenkreuzlerbande, unter Führung des geflüchteten Roland Steingruber, den Tod gefunden hatte, tvar in der „Arbeiterzeitung" unter dem Titel „Das Quartier der Mordbuben" ein Artikel, gleichzeitig mit der Abbildung des Hauses Neustedlergasse 19 in Mödling, erschienen. In diesem Artikel wurde mitgeteilt, daß in dem Hause die Beratungen der Hakenkreuzler und Frontkämpfer stattgefunden hätten, und daß die Banditen nach dem Morde in diesem Hause cingekehrt und bei den dortigen Bewohnern Unterschlupf gefunden hätten. Vier namentlich genannte Bewohner dieses Hauses haben deshalb gegen den verantwortlichen Redakteur der „Arbeiterzeitung" wegen des Inhaltes des Artikels die Preßklage wegen Verrlachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge erhoben, über welche gestern vor dem Hoftat Dr. Hölfmayer die Schlußverhandlnug stattsand. Der Verteidiger des Angeklagten Dr. Paul Wienfried erklärte, daß die „Arbeiterzeitung" mit Rücksicht auf die Ergebnisse in fern Prozesse.gegen Roland Stoingruber bereit wäre, den Klägern eine entspreche«^ Ehrenerklärung 'abzugeben und ihnen die Prozeßkosten zu ersetzen. Die Kläger zogen daraufhin ihren Strafantrag zurück nnd das Verfahren gegen den beschuldigten Redakteur wurde eingestellt. Volkswirt. Werden die Renten einbernfen? Was sagt die Neparätionskommission? — Die Aufteilung der Vorkriegsschulden ist vollendet. — Die Caisfe Commune beginnt ihren Dienst. Wie erinnerlich, wurde Ende Juli die Oeffentlichkeit durch Meldungen arrs offiziöser Quelle, denen dann auch ein durch die Staatskorrespondenz ausgeschicktes offizielles Communnique folgte, überrascht, daß die Neparätionskommission in einer No:e an die österrsichische, Regierung die Einziehung der österreichischen Gold reute und der 4,5 Prozent ig en Staatsschatzanweisungen verlangt habe. In oen offiziösen Kommentaren wurde damals diese Forderung damit begründet, daß die Reparationskommission entscheidendes Gewicht davauf lege, daß eine strenge Sonderung zwischen dem Jnlandsblock nnd dem Altauslandsblock der Renten vorgenommen werde. Zum Jnlandsrentenblock gehören diejenigen Renten, die auf dem Gebiete der Republik Oesterreich abgestempelt und durch den Stempel „Oe." als Schuld der österreichischen Regierung gekennzeichnet wurden, während der Altanslandsblock jene Renten umfaßt, die auf denl Gebiete des Altauslandes abgestempelt wurden und dadurch unter die Bestimmungen des Prager Akkords fallen, wonach für Besitzer von österreichischen und ungarischen BorkritztzDtitres die Caisse Commune in Paris den Zinsendienst aus Basis eines 32prozentigen Ansgleiches mit den für den Altauslandsrentenblock haftenden Nachfolgestaaten besorgen wird. Die Ankündigung einer Einbeziehung der ans dem Gebiete Oesterreichs vorhandenen Renten hatte damals einen Krack) ans dem Nenienmarkte zur Folge, umsomehr als gleichzeitig verlantbart wurde, daß auch die Papierrenten einbernfen .werden sollen, um „anstrisiziert", d. h. aus Schillinngvechnung im Verhältnis von K. 10.000 — 1 Schilling umgestellt, also zusamnieiigelegt zu werden, wodurch die österreichische Regierung ihrelr Willen kundzugeben schien, dos Rentenproblem gemäß dem Grundsätze „Krone ist Krone" endgültig aus der Welt zu schassen. Von der geplanten Maßnahme hörte man im Laufe dieses Monates nichts mehr; man kümmerte sich übrigens darum nicht, da als Termin der Renteneinziehnng der 1. September angegeben worden war, so daß die Spekulation in der Freude, daß ihr noch eine kurze Lebensfrist vergönnt sei, sich tveiter dein Rentenhandel hingab und dadurch den Renten zu öiner Erholung verhalf. Gestern ist nun folgende durch das Wölfische Bureau verbreitete Depesche aus Paris bekanntgegehen worden: Die Reparationskommission hat, wie sie tu ihrem abends der Presse übernlittelten Bericht mitteilt, die Aufteilung der hauptsächlichsten Kategorien von Staatspapieren der ehemaligen vsterreichisch-ungarischen Monarchie abgeschlossen. Bon dieser Anfteilung tverden folgende Papiere betroffen: Die 4prozentige österreichische Gokdrente, die 4prvzentige ungarische Rente, die 4,5prozentigen österreichischen Schatzarmweisungen, Ausgäbe 1914, die 4,5prozentige ungarische Rente Ausgabe 1913 Md 1914, die Lprozentigen ungarischen Renten in viererlei Währungen, Ausgabe 1910,

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