Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1926-08-08 · Heft 2679 (8.8.1926) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2679 (8.8.1926)
Date
1926-08-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2981549-2981766--27256-3015171
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

* Seite 4 Wien. Sonntag Daß der Krieg die Ursache fjtefür zu sein scheint, geht daraus hervor, daß im Jahre 1916 auf ION Gedürren bei Juden 4,0?, bei Nichtjuden 4,74 Totgeburten entfielen. Die schlechteren Ernährungsverhältnisse, ferner die Unmöglichkeit für die Frauen, sich während der Schwangerschaft ju schonen, wie eS notwendig war, dann der 'Umstand, daß die Frauen häufig zur Arbeit greifen mußten, um zur Erhaltung der Familie beizutragen, die durch die Kriegs- Verhältnisse hervorgerufene Häufigkeit von Geschlechtskrankheiten, deren geringes Auftreten bei den Irrten bisher eine der Hcnrptirrfachen für die niedrige Zahl der Totgeburten unter der Mischen Bevölkerung war, schließlich der Mangel an notwendiger Geburtshilfe sind die Erklärungen für die Erscheinung. Die statistischen Ergebnisse der letzten Jahre zeigen, daß auch hier ein Abklingen zu konstatieren ist. 1920 betrug bereits die Zahl der Totgeburten bei den Juden nur mehr 2,32 und bei den Nichljuden 3,44 auf je 100 Geburten. lieber das Verhältnis zwischen Knaben- Md Mädchenaeb urten gibt die hier angeführte Tabelle Ausschluß: Auf se 100 Mädchengeburten entfielen Knabengebnrten: Jabr Inden Nichtjuden 1895-1900 112,35 106.71 1901—1913 111,36 106,67 1914-1920 104.98 107,80 Auffallend ist, daß bei den Juden die Anzahl der Kn obengebürten zunächst höher war als bei den Nichtjuden, daß aber in der letzten Zeit eine Anglcichung in dieser Hinsicht stattfindet'. Ter Durchschnitt der zuletzt von der Statistik erfaßten sieben Jahre ergibt sogar, daß der Knabenüberschuß bei den Juden, der früher größer war als bei den Nichtjuden, jetzt kleiner geworden ist. Bezüglich der Legitimität der Kinder wurden die Ergebnisse der letzten Volkszählung nicht publiziert. Wir müssen uns daher mit den Zahlen begnügen, die wir anfzutreiben in der Lage waren. Von 1000 Geborenen waren unehelich: Jahr Juden Nichjuden 1895 126,07 343.82 1896 125,95 349 52 1897 122,69 342.64 1898 125,93 332,46' 1899 127,19 319,00 1900 124,63 328,31 1901 127 41 313,94 1902 93.66 314,11 Es war somit die Zahl der unehelichen Geburten Sreimal geringer als bei den Nichtjuden. Dieses Ergebnis dürfte sich lediglich in den ersten Kriegsjahren etwas zu ungunsten der Juden verschieben, in der letzten Zeit aber sich wieder den Friedensverhältnissen angeglichen haben. Wiener M uze k tunst j Zu einem jebr ungünstigen und beängstigenden Resultat! gelangt man, wenn man sich die Verhältnisse in lwrug auf die Sterbe fälle in Wien vor Augen führt. Auch hier seien zunächst die ab oluien Zahlen anaesürir. r Jahr Juden Nichtjuden 1913 2435 20.073 1914 2649 92.489 1916 3212 83 800 1916 3154 84.477 1917 8814 42 317 1918 8852 47.646 1916 8-84 87.678 19-20 2886 31.231 1921 ' 2868 26.429 1922 2914 27.154 1923 2568 22.916 1924 2694 22.483 Auf je 1000 Seelen entfielen Todesfälle t Jahr Inden Nichtjuden 1874 - 1884 11.4 30,8 1881- 1890 15.4 29.7 1890-19 0 13,4 23,3 1901-1904 13 0 20,6 1905-1910 13,8 18,4 1911-1914 13,2 16,5 1916—1919 18,8 22,2 1920-1924 14,8 14,6 Die Anzahl der Todesfälle ist somit bei den Juden viel niedriger als bei den Nichtjuden. Während sie aber bei den letzteren stetig sinkt, n i m m t sie bei den Juden, wenn auch nicht in erheblichem Ausmaße, so doch stärker zu, im letzten Jahrfünft 1920 bis 1924 ist sie bereits größer als bei der übrigen Bevölkerung. Die Kriegszeit wollen wir zunächst unberücksichtigt lassen, weil sie eine Ausnahmszeit darstellt; wie aus der Ziffer für die Periode 1916 bis 1919 hervorgeht, zog der Krieg ein erhebliches Anschwellen nach sich. Während sie sodann in der Nachkriegszeit bei den Nichtjuden um mehr als ein Drittel gesunken ist, fiel sic bei den Juden um kauni ein Viertel. Zieht man die Bilanz ans den Gebnrts- und Todesfällen, so bietet sich in bezug auf die Juden ein sehr trauriges Bild dar. Seit dem Jahre 1911 ist ein Ueberschuß fast nicht mehr zu konstatieren, sondern im Gegenteil eine Abnahme des natürlichen Zuwachses. 1890 betrug der Ueberschuß auf je 1000 Seelen noch 9,97, 1900 9,26, 1901 bis 1910 4,42, 1911 ergab sich bereits ein Abgang von 0,13, 1912 von 0,11, 1913 von 0,63, 1914 von 0,02. Diese Abnahme ist seit dem Jahre 1914 in stetigem Wachsen. Die Kriegsjahre 1915 bis 1919, in welchen eine Abnahme von 6,2 zu konstatieren ist, wollen wir gleichfalls, wegen der außerordentlichen Verhältnisse, nicht be- 8. August 1986 Nr. N78 rücksichtigen, die durch den Krieg hervargerufeu wurde«. Im Jahre 1920 ist noch immer ein Abgang feststellbar vmi 0,48. 1921 ein Ueberschuß Von 1,12, 19S3 ein solcher von 0,21, 1923 ein solcher von 0,74, 1924 dagegen wieder ein Abgang van 0,77. In Betracht zu ziehen ist auch, daß erfahrungsgemäß und statistisch nachweisbar kaum ein Viertel der aus Mffcheheu zwischen Juden und Konfessionslosen geborenen Kinder dem Judeutuiuc zugeführt werden, was den jüdischen Gebmrtcn- Überschuß noch herabdrückt. lieber die Ursachen der Todesfälle zu sprechen, müsse», wir mit Rücksicht auf den beschränkten Raum, der uns zur Verfügung steht, unterlassen; dies geht aber auch über den Raihmen dieser Studie hinaus. Erwähnt sei nur, daß bei den Indem die häufigste Todesursache nervöse Erkrankung, Erkältungserkra»knng (Gelenksrheumatismus und dergleichen), Erkrankung der Ber« dauungs- und Blutumlaufsorgane ist, während bei den Nichtjuden die häufigste Todesursache die Tuberkulose ist. Der Kuriosität wegen und als symptomatische Erscheinung sei noch angeführt, daß während in den Vorkriegszeiten SeLbstm o r d e bei den Juden nur sehr selten waren, sie in den, Zeitabschnitte 1914 bis 1920 eine bedeutend höhere Zahl' erreichten als bei den Nichtjuden. Von 1000 Todesfällen sind in diesem Zeiträume 2,62 bei Juden und 1,98 bei Nichtjuden, auf Selbstmorde zurückznführen. Sta Bombenattentat. Budapest, 7. August. In der Ortschaft D o r o g bei Grau wurde heute nachts gegen den Oberuvtär Morva ein Bombe nattentat verübt. Bei Morgengrauen befestrgten unbekannte Täter eine Dynamitpatrone an einem Fenster der Wohnung des Obernotärs, setzten die Zündschnur iit Brand und entfetten sich. Die Patrone exp'lcdiertc, wodurch das Fenster zerschlagen und ein Teik der Mauer demoliert wurde. Auch ein Teil der Zimmer e-i nr i ch t u n g wurde arg beschädigt. Der Obernotär Mief mit seiner. Frau und drei kleinen Kindern in einem anderen Zimmer seiner Wohnung, so daß die Familie « n v e r 1 v tz t blieb. Ans die gewaltige Detonation erivachte der Notar und alarmierte die Gendarmerie, der es aber bisher nicht gelang, den Tätern auf die SM zu kommen. Es. handelt sich der muss ich um einen Racheakt. ' ,, , Neue Ausgrabungen in Athen. Athen, 7. August. Die Ausgrabnngsarbeiten auf dem iGe« biet der alten königlichen Stallungen in der Stadionstraße in Aäyen haben zahlreiche Spuren eines antiken Friedhosies zutage gefördert, insbesondere ein-eschöneStatuevon Wermenichltcher Größe und zwei Sarkophage die v«erschiedene Schmuckgegenstände enthalten Die Fjunde besitzen großen archäologischen Werk. fSommer-Räumungsverkauf^ WEGEN UMBAU UND VERGRÖSSERUNG im führenden Leopoldstädter Warenhaus Brüder Schiff mann, II. Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 Telephon 43-408. Wir müssen unsere Lagervorräte an Sommerwaren anläßlich des Umbaues und der Vergrößerung unserer Verkaufsräume abstoßen und veranstalten daher einen ungewöhnlich billigen Räumungsverkauf sämtlicher SeidenWasch- und Wollstoffe für Kleider und Kostüme, Waschwaren, Damen- und Herrenwäsche, Mode- und Badeartikel Der gewaltige Kunderizustrom und die wachsende Popularität Qualitätsware! S unseres Kaufhauses beweisen unsere besondere Leistungsfähigkeit Großer Umsatz — Kleiner Nutzen I Billige Preise I Waschwaren (per Meter) Blaudruck . ... . ... S —.98 Cotton de Lerne. S —.85 Waschcreton.S — 98 Backenfutter. S 2.10 ßfiamine, in allen Farben ..S 1.98 Etamine. 115 cm breit.S J8.SÄO Seidencloth, 140 cm breit, in alten Farben . . S 3.50 Damenwäsche Garnituren, Hemd und Hose.. S 3,90 Garnituren, Handajour gest. .S 7.50 Damenhemden.S,2.80, 2.50, S 1.98 Miederleibchen.. S —.98 Seidenjumper ........ S 12.50, 7.50, S 5.90 Herrenwäsche u. Modeartikel Modehemden mit 3 Kragen.S 4.98 Cretonhemden ..S 9.98 Unterhosen .......... S 3.50, 2.00, S 1.80 Seldonblndor.s l öo Socken. S —.48 Strümpfe.S -.90 Einiges aus unserer Preisliste: Kleiderstoffe Rohseide,' glatt und gemustert . ... S 3.90 CrOpe de Chine in allen erdenklichen Farben .. S 6.50 Mille de clalre, das Letzmodernste Kleider und Mäntel.S 6.50 Seidenfouiards für Kleider . . . .3 7.50 Färbige Rohseide in allen Farben 5 750 Schafftvolirips „ „ „ .8 6.50 Eponge . . . ..8 1.90 Cr6pe marocain.3 1.50 Volletamlne.s 1.50 Wollrlps für Mäntel und Kostüme . . 8 7.90 Narocalns..s 1.35 Badeartlkel Mode«Badeartlk4l, weiß und schwarz 8 3.90, S 1.90 BadehaUbe .. - . s i ■ *~ Badecap .S 19.50, S ll.8.50 Wimpasslng-Badeschuhe» alle Größen . . s 1.50 NerranschurimmHese .......... S 1.50 Leinenwaren la Wobo .... *.per Meter 8 1,10, 8 —.85 la Chiffon..per Meter S 1.20, —.95, S —.80 la Strelfgradl. 8 1.40 Bettücher, 40 cm breit, per Meter 8 2.40, . . . 8 1.98 Handtücher.per Stück S —.88 Frottier-Handtücher.. . s -.55 Tischtücher. S 3.90 la Inlet. per Meter 8 1.48 la Mollno.. .. s - 89 BattiaUBO . ..per Meter S 1.20, S —.98 Hemden-Cretone.per Meter S -.98 Ballktchlffon. S 148 Matratzengradl. S 9.80 Vorhänge, Teppiche, Bettgarnituren usw* sehr preiswert i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.