Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2678 (7.8.1926)
- Date
- 1926-08-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Me 4 Wieji, Zamstag Mener Morsenzertuttg 7. August 18S6 da K Rasscnvrinziv zu gründen. Die Mehrheit des stndev>ontages beschoß trotzdem, auf der völkischen Berf a i s u u g v o i! W i'i rzbu r g, die das Rassenprinzip in den Vordergrund stellt, zu bestehen und verhinderte sc» für die Zukunft jede gütliche Einigung. Sie nahm ferner eine Entschließung an, die sich gegen die von dem ehemaligen badischen Kultusminister Dr. Hell Pa ch eingeführte Heidelberger Verfassung werdet und die HeLelberger wie die Karls niher Studentenschaft auffodert, ihre Berfasstmg bis znin 1. Jänner 1927 im rasstsch-viMchen Sinne zu Ürnern. «et Mrchenkampf in Mertto. New-Aork, 6. August. Der amerikanische .Handelsattache in Mexiko hat mitgeteilt, daß sich die Boykottbeftrebung e n in Mexiko in allen Geschäftszweigen, besonders aber für Luxuswaren, fühlbar machen. Dagegen erklärt der mexikanische Finanzagent in New-Aork, daß die WrrtschaftÄage dnrch den Boykott nicht in Mitleidenschaft gezogen sei. Der Erzbischof von Mexiko hat neuerdings er klart, er sei zu einer billigen Verständigung bereit, die nicht im Widerspruch zu feinen Pflichten stehe. „Nctv-Aork Tribüne" beziffert die Gesamtzahl der wäh rend des Religionskonfliktes in Mexiko ums Leben G ck o m m c n e n auf 20, .die der Verletzten auf 30. Wie das Blatt ferner meldet, nehme die Spannung ab, da in der Stadt Mexiko die Truppen aus den Kirchen zurückgezogen worden seien. Die KvrwmvuSMLtter. New-Dort, 6. August. Associated Preß meldet aus Philadelphia: Ter Jahreskongreß des chauvinistischen Ordens der Kolumbusritter habe einstimmig cht-c Erklärung angenommen, in der gegen die Politik des mexikanischen Präsidenten Calles und die Religionslage in Mexiko Anspruch erhoben wird. Die Erklärung lenkt die Aufmerksamkeit der amerikanische Regierung darauf, daß Vertreter Calles' amerikanische Bürger beleidigt, ihres Amtes entsetzt und vertrieben hätten, unter Umständen, die der Auffassung des Ordens von einer verfassungsnläßigen Regierung völlig widersprechen. In der Erklärung heißt cs weiter: Wir weisen unsere amerikanischen Mitbürger warnend daraus hin, daß sie unmittelbar an ihrer Türschwelle eine Russifizierung Mexikos, nicht ungestraft dulden können. Wir ermächtigen den Vorstand, von den Mitgliedern des Ordens Beiträge in der Höhe von einer Million Dollar e inzu z i eh en, zu dem Zweck, einen Aufklärungsfeldzug einzuleiten, damit die Politik Sowjet ruß lands vom amerikanischen Leben ferngehalten wird und die Ideale: Gewissensreiheit und demokratische Rechte auch den hart mitgenommenen Brüdern jenseits («roift&tlsohe iatmeasi*), in Gläsern S 2 PO und Tuben s 2.4k). t-robetuba S —.90, zeichnet sich vor endeten Zahnpasten daduich aus, daß sie die zahne in kurzer Zeit blendend w«lß fei* mgt find garantiert unschäd tch tat. Dabei hat Twerdys Det tiflme einen - - .. ** * »fl erhältlich. 144 höchst angenehmen erfrischenden Geschmack. — Ueberafl erhältlich Apotheke „siam goldenen Hirschen« dos W. Twfirdy, Wien, l. Kehlmarkt Nr. 11 deren Version soll allerdings der , erschossene Pastor ein Spion der ProHibitionsbchörde gewesen sein, der eigens zu dem Zweck in die Stadt entsandt worden fei, um die Whiskyschmuggler im Staate Kentucky zu beobachten und ihre Tätigkeit anszukundschaften. Rio Grande gebracht werden könnet' Mord in der Kirche. Die Rache der Alkoholschmuggler. New-Dork, 6. August. Wie die Blätter berichten, wurde gestern in dem Städtchen Morgantown in Staate §tentucky der Pastor der Gemeinde, Reverend M o ß, während des Gottesdienstes auf der Kanzel erschossen. Zwei mit Gewehren bewaffnete Männer zu Pferde ritten zur Kirche des Städtchens und feuerten durch das Fenster ein Dutzend Schüsse gegen den Prediger ab, der durch eine Kugel a u f der Stelle getötet wurde. Eine Frau, die in der ersten Bankreihe saß, wurde tödlich verwundet, andere Mitglieder der Gemeinde erlitten leichtere Verletzungen. Nach vollbrachter Tat galoppierten die Mörder davon und schlugen die Richtung ins Gebirge ein. Sie werden mit Bluthunden verfolgt. Die Attentäter sind, nach allgemeiner Annahme, Alkohol s ch m u g g l e r, die sich dafür rächen wollten, daß Pastor Moß von der Kanzel die Einwohner von Morgantown immer wieder zur A b st i n e n z ermahnte. Nach einer cm» Ja!!! (Für sich.) Was kann sie nur von Stoffer der Finsternis): m Mali: wollen? Die Stimme (schon weit draußen Was? Mali (formt ihre Hand zu einem Trichter): Jaaa. (Der Zug entschwindet vollends. Die Begleitpersonen Äeiben keuchend stehen.) Eine Stimme in der Nacht: Die Luise soll jeden Morgen zweimal nachfchauen, ob das . . . (Das übrige verliert sich im Gepolter des Zuges.) Mali: Geht das uns an? Ihr Manu: Nein. Mali: M-enn ich nur wüßte, 'was sie mit dem Schlüssel will! Ihr Mann (zuckt die Achsey: Irgend etwas von einem Trumeau ... Mali: Und in der Kredenz ist der Schlüssel des Wäschekasietts? Vergangenes Jahr hielten sie ihn im Klavier. Oder in der Speisekammer? Ihr Mann: Es scheint so. Mali: Auch hat sie etwas von einem Löwen gesagt. (Sie überlegt.) Und über ihren Magen hat sie geklagt. . . Wozu fährt sie dann ober an den Balaton? Ihr Mann: Komm', komm'.;Sie gehen nach -Hause.) Tie Tome (im Zug zu ihrem Mann): Was ist es doch für eine Beruhigung, daß Mali zuhause ist! (Der Zug rast wie verrückt dahin. Die Dame betrachtet ihren Mann, wie er ans dem Sitz hin und her wackelt. Sie blickt in den Spiegel und bemerkt, daß auch sie hin und her wackelt. Sie ergibt sich darein. Sie beginnen langsam zu schwitzen. Rauch einzuatmen und erschlaffen zuletzt vollends in der schwülen, nach Kehle riechenden, polternden, sommerlichen Coupe-Melancholie.) Sraf Franz Merhazy unter Kuratel. Aus Budapest wird unS berichtet: Einer der reichsten ungarischen Magnaten, der Majoratsherr von Totis, Graf Franz Esterhazy, wandte sich vor kurzem an den Dudapester Ge richtShof mit der Mitteilung, daß er, der auch über ein betracht licheS freies Vermögen verfügt, zu verschiedenen Geschäften verleitet wurde, die ihm ungeheure Verluste der ursachten. Auch seine sonstige Lebensweise kostete übermäßig viel Geld und er stellt daher das Ansuchen, ihn wegen Verschwendung unter Kuratel zu stellen. Der Gerichtshof hat diesem Ansuchen entsprochen und zum Kurator die Gattin des Verschwenders, Gräfin Maria Zichy, ernannt. Sine Abrechnung mit Szabolkfi. Wir hatten wiederholt Anlaß, gegen die Kampfesweise des Herausgebers des magyarischen Affimilantenblattes „Egyenlöseg", Dr. Ludwig S z a b o l e s i, Stellung zu nehmen. Besonders widerlich war die Rolle, die Szabolesi, anläßlich der letzten Verhandlungen Dr. Adolf Friedemanns in Budapest im Interesse des Keren Hajessod, gespielt hat. Da es ihm trotz Verleumdungen und Intrigen nicht gelungen war, die angesehensten jüdischen Kreise von den von Dr. Friedemann veranstalteten Konferenzen fernzuhalten und einen Erfolg der Aktion zu hintertreiben, fütterte er seine Leser mit den lügenhaftesten Schauermärchen über den Verlauf der Konferenzen und den Zweck des zionistischen -Aufbaufonds. Nun hält Dr. F r i e d e m a n n, der gegenwärtig auf einer Agitationstournee für den Keren Hajessod in der Tschechoflowakei begriffen ist, im Preßburger „Reggel" Abrechnung mit Ludwig Szabolosi. Er schreibt unter anderem: ,/Szabolesi hetzt in seinem Blatte unausgesetzt gegeu den Zionismus und schrickt, aus Geschäftsgründen, selbst vor dem niedrigsten Terror nicht zurück. Von Woche zu Woche werden in seinem auf niedrigstem Niveau gehaltenen Blatt die Zionisten zu gemeinen Vaterlandsverratern gestempelt, gegen die er die Anwendung jedes Retorsionsmittels für geeignet und gut genug hält. Auch meine Arbeit in Budapest will Szabolesi hemmen. Sein Bestreben war, mich unmöglich zu machen, er richtete gegen mich die schwersten Angriffe, stellte mich als einen Auswanderungsagenten hin, der von den Provisionen aus den gesammelten Geldern fürstlich lebe. Er ging sogar so weit, daß er bei den verschiedenen Behörden und beim Minister des Innern die Forderung stellte, mich als gemeingefährlichen Fremden auszu weisen. Gegen den Bevollmächtigten des Keren Kajemeth, Bela Szekelh, erstattete er sogar die Anzeige wegen Aufreizung zum Mord. Die Intrigen und Denunziationen Szabolcsis sind wirkungslos geblieben und ich konnte meine Tätigkeit zufriedenstellend beenden. Cs ist durchaus unwichtig, was Szabolosi schreibt oder spricht. Sicher ist bloß, daß nach dem Vorgefallenen kein Mann von Ehre sich mehr mit Szabolosi an einen Tisch setzen kann." ' Mische Spkiichweisheit. Tachrichim (Steibekleider) macht man ohne Taschen * kann bis zwölf im Rabbiner können kein Minjan machen, aber zehn Wer den Ruf eines Frühaufstehers hat. Bett liegen. Ms Neun Schuster ja. * Er derckt darüber nach, ob ein Floh einen Nabel har. * Venn ein Narr die Kuh bei den Hörnern hält, kann Kluge sie melken. Neue polnische Anekdoten. Ms Tschitscherin in Marseille den Bahnhof verließ, wurde er von einer Schar äußerst zudringlicher Bettler angefallen. Tschitscherin wehrte ab. Tin besonders zudringlicher Bettler aber verfolgte ihn bis ins Hotel, ahnungslos, daß er es mit dem bol« schewikischen Außenminister zu tun hätte. „ES ist eine Schande," rief er wütend über TPhisscherins Weigerung, chm etwas zu geben, „daß solche kapitalistische Schmarotzer in Frankreich noch geduldet werden. Wer bald kommt die Revolution. Dann wird aufgeräumt mit solchen Bourgeois wie Sie. Genau wie in Rußland." * Rappaport, der bekannte französische Kommunist, gehört zu den Unglücksraben, denen keine Seife hilft. Cr sieht immer ungewaschen aus. Eines Tages klopfte chm in der Kammer ein Kollege auf die Schulter und sagte: „Alles was recht ist, Rappaport, du könntest wirklich ein Bad nehmen." „Aber ich bade mich doch jeden Tag, mein Lieber!" „Dann würde ich dir raten, vielleicht auch einmal das Wasser zu erneuern." * Nach dem Flaggenerlaß des Kabinetts Luther kam ein Mtglied des britischen Unterhauses zufällig nach Berlin, und da er vergeblich nach den Gründen dieser Verfügung suchte, wandte er sich an einen deutschen republikanischen Journalisten mit der Frage: .Können Sie mir vielleicht sagen, weswegen ihre Auslandsvertretungen ansgerechnet die Handelsflagge zeigen sollen?" Prompt erhielt er zur Antwort: „Die Welt wll wissen —- die Republik laßt mit sich handeln." Eine hübsche englische Journalistin interviewte während der Genfer Verhandlungen über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund den damaligen Premier B r i a n d. „Und nun," fragte die junge Dame abschließend, indem sie auf Briands sozialistische Vergangcuheit anspielte, „möchte ich von Ihnen noch einiges über die Gefühle eines Renegaten wissen." „In meinem Alter, mein Fräulein," erwiderte der französische Ministerpräsident, mit. den Augen zwinkernd, „besitzt man nicht mehr sämtliche Gefühle." * Bolschewikcnführcr unter sich. Man sprach über die sexuelle Frage. Da warf Rade! dazwischen: „Die Sache ist wirklich ganz einfach. In granen Zeiten herrschte das Matriarchat. Später kam das Patriarchat. Heute haben wir dafür das Sekretariat." * Lloyd George, als Franenfeind berüchtigt wie durch seine Schlagfertigkeit berühmt, erging sich wieder einmal in einer Agitationsrede — es war lange vor dem Krieg — in Wendungen von ausgesuchter Boshaftigkeit gegen die Einführung des Frauenwahlrechtes. Plötzlich unterbrach ihn in äußerster Empörung eine Frauenrechtlerin mit dem Zwischenruf: „Wenn Sie mein Mann wären, Ihnen würde ich Gift geben!" „Wenn Sie meine Frau wären," schallte es zurück, „würde ich es nehmen." der Ein Mensch kann Ochsen ziehen können. auf seinem Buckel mehr tragen, als zehn Wenn ein mmer Mann ein krank — ober das Huhn. Huhn ißt, so ist entweder er Früh ausstehen und früh heiraten schadet nichts. * ** Der Eßrog kostet das ganze Geld — aber über den Lulow macht man die Breche. * Wenn Gott will, schießt ein Besen.!j! Vor Gott soll man' sich fürchten - vor den Menschen sich hüten. * Last' den Hund auf die Bank, so springt er auf den Tisch. M* Wenn der Schadchen die Leute zulammenführt, versteckt er sich auf dem Boden. * Sei nicht zu iüß — man soll dich nicht aufessen, sei nicht zu bitter — man soll tnch nicht aussvucken * Wenn du hungrig bist, lecke Salz — e» wtro drch dürsten. Ans der Slndtbnhn dürfen tzmtde besZrdert werden. .Vor einiger Zeit sind Vertreter der Gemeiwderatsmehrheit -in den Vorstand des Wiener Tierschutzvereines getvählt worden. Es sind dies ine amtsführenden Stadträte Kokrda und Weber sowie Gemeinderat Hofbauer. Die Vertreter der Gemeinde im Tierschutzverein haben es nun bewirkt, daß einem lange gehegten Wunsche der Hundebesitzer mit dem in der Oeffentlichkoit so oft aufgetauchten Wunsch nach Beförderung Rechnung getragen wurde. Stadtrat Weber gab gestern einer Abordnung des Wiener Tierschutzvereines die Bedingungen bekannt, unter denen die Mitnahme von Hunden a-uf der Stadtbahn gestattet werden soll. Es sollen nur Hunde bis zu einer Schulterhöhc von 60 Z e n t i m e t e r auf -der v o r d e r e n P l a t tform der Raucherwagen der Stadtbahn befördert werden. Größere Hunde dürfen nur mitgenomnten werden, wenn sie Polizei-, Führer- oder Jagdhunde sind. Die Hunde müssen einen Maulkorb tragen und kurz an der Leine geführt werden. Für Hunde bestimmter Raffen, die vom Manlkorbzwang befreit sind, gilt diese Befreiung auf der Stadtbahn nicht. Hunde, die augenfällig krank sind oder ein ekelerregendes Aussehen haben, werden nicht befördert. Die Beförderung der Hnnde auf der Stadtbahn kann nur an Sonntagen ohne Beschränkung erfolgen. An Werktagen ist in den Stunden des stärksten Verkehrs, nämlich von Betriebs beginn bis 9 Nhr vormittags und von 4 Uhr bis 6 Uhr, die Beförderung von Hunden ausgeschlossen. Für die Mitnahme eines Hundes ist der jeweilige Tageseinzelfahrpreis für eine erwachsene Person zu entrichten. Die Straßenbahndirekt ion wird eigene Hundekarten herausgeben. Eine Weiterbeförderung von Hunden von der Stadtbahn auf die Straßenbahn kann nicht erfolgen. Dies gilt insbesondere von der Stadtbahnllnie 18 G, die bekanntlich bei der Gumpendorferstraße das Stadtbahngeleise verläßt und auf dem Straßenbahngeleise bis zum Ostbahnhof fährt. Hier kaim die Beförderung der Hunde nur bis zur Gumpendorferstraße erfolgen. Stadtrat Weber teilte noch mit, daß diese Erleichterungen für di« Hundebesitzer längstens anfangs September wirks a m werden und ersuchte das Präsidium des Wiener Tierschutz- I Vereines auf die Tierfreunde einzuwirken, damit die Beförderung (der Hunde auf der Stadtbahn sich möglichst reibungslos abwickle».