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Wiener Morgenzeitung · 1926-08-05 · Heft 2676 (5.8.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2676 (5.8.1926)
Date
1926-08-05
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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HM 4 Wik«, DemEßkckg «vtCIKt SFwtpCngtUUR« 3. AuM 1996 3!t. 2676 MARKUS LANDAU UND FRAU geben blemil die OEBURT EINES SOHNES bekannt und laden alle Freunde und Verwandten zu der Samstag den 7. d. M. In der Wohnung, XX., Mortaraplatz Nr. 4/66, stattfindenden n^d ein. Möbelfabrik JACQUES WALLIS Wien, 1., Wollzeile 21 Wohnungseinrichtungen bla tum feinsten Genre, reichhaltiges Lager in fünf Stockwerken vorgehaltenem Revolver eines großen Teiles ihrer Habe beraubt. In M e m e l S d o r f, das im ganzen etwa 550 Einwohner zählt, und wo neuerdings der jüdische Friedhof geschänd e t wurde, waren von 13 jüdischen Familien während des Krieges 22 Angehörige eingerückt. Hiervon starb ein Landsturmmann infolge des Militärdienstes in der Heimat, einer machte Dienst in der Etappe und die übrigen 20 Mcmelsdorfer Inden waren an der Front. Von diesen sind sechs gefallen, während mehrere andere dekoriert und verwundet wurden. Hierunter befand sich auch der Ober- und Bataillonsarzt beim 3. Bataillon des 4. Infanterieregiments, Dr. Herutann Gnnzenhäuser, der während der Ausübung seines Dienstes durch Verwundung ein Auge verlor und das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhielt. Banvenüberfiille auf Juden in der Gegend von Siryl. Ans Lemberg wird uns gemeldet: Im Dorf Rawrologi bei Stryj, das kaum 500 Einwohner, darunter vier jüdische Familien, zählt, organisierte sich vor kurzem eine aus einigen ukrainischen Bauern bestehende Bande zu dem Zweck, alle Juden in der Gegend von Stryj auszurotten. Die Banditen haben ihre „löbliche" Tätigkeit mit einem nächtlichen Ueberfall auf das Haus des jüdischen Gutspächters Abraham Schindler begonnen. Sie nahmen das Haus unter Feuer und die Einwohner konnten sich nur durch eine Flucht in den Keller retten. Am nächsten Tag wurde ein Ueberfall auf das Hans des Pächters Mendel Zuckerberg arrangiert, der zufällig nicht anwesend war. Zu Hause waren nur seine Frau und Tochter, die glücklich einer Verwundung entgingen. Zwei Pferde des Pächters wurden sehr schwer verletzt und. eines ist bereits seinen Verletzungen erlegen. In derselben Nacht haben die Bauern auf den jüdischen Feldern einen schweren Schaden angerichtet, der auf viele tausende Zloty geschätzt wird. Auch im Dorf O h e r s k a haben unbekannte Strolche eine Scheune eines jüdischen Pächters angezündet und ihm einen Schaden von 6000 Zloty zugefügt. Die Stryjer Polizei wurde alarmiert und verhaftete fünf Bauern, von denen einer.^Stephan Orzechowski, in Ketten gelegt wurde. Die Verhafteten wurden in einem Holzstall eingesperrt, der in diesem Dorf als Gefängnis dient. Die Polizisten entfernten sich, um eine Revision bei den Bauern des Dorfes durchzuführen, bei denen sie Gewehre, Revolver und Munition fanden. Als sie in den Stall zurückkehrten, fanden sie von den fünf Verhafteten mir den einen in Ketten. Die anderen vier waren entkommen. Zentralgestalt des Judentums. Ihr widmete er einen feiner herrlichsten Aufsätze, nach Moses benannte Achad .Haam sein Schmerzenskind, seinen Geheimbund B'nai Moschch. Und mit diesem Manne verglich Achad Haam seinen großen Gegner Theodor Herzl. Es war keine bloße Ehrenbezeugung vor dem Grabe des Großen, es war die Würdigung des historisch Gewordenen durch den historisch Tiefblickenden. Gerade weil Achad Haam Herzl so hochschätzte, bekämpfte er seine Fehler so unerbittlich. * Die hebräische Literatur. Achad Haam gelang es mehr als jedem andern, unsere Literatur von den Pseudoliteraten zu befreien, und zwar durch ein sehr probates Mittel: dadurch, daß er an sich ein lebendiges Beispiel gab, wie man schreibt und wie man Lebensprobleme erfaßt. Er zeigte, wie man hebräisch natürlich schreiben könne, daß es absolut nicht notwendig sei, biblische Phrasen >heranzuziehen, um Gedanken zu umschreiben. Cr brachte die klassische Kürze iJer hebräischen Sprache wieder zu Ehren und bewies, daß man viel sagen kann, wenn man auch wenig Worte verwendet. Er räumte mit der Sprach« und Stilverwahrlosung aus, von der auch die besten Schriftsteller nicht frei waren, es oft auch jetzt noch nicht sind. Mit dem „Haschtloch" schuf er ein Organ, das sich in Europa sehen lassen konnte. In diesem Organ erschien fast alles, was in der letzten Periode an bleibenden literarischen Werten entstanden ist. Erzieherisch wirkte Achad Haam auch als Redakteur durch das hohe moralische Niveau, welches er seiner Zeitschrift zu geben verstand: er lehrte die Schriftsteller, die Person von der Sache zu trennen; er lehrte sie, den Gegner mit Respekt zu behandeln, auch wenn man seine Ansichten bis zu Tode kritisierte. * Die Bedeutung Achad Haams liegt nicht nur in der Summe der von ihm vertretenen Idee allein, nicht nur im Kulturzionismus, sondern vor allem in seiner erzieherischen Wirkung. Sein Geist, der Geist der rücksichtslosen Offenheit, der abgrundtiefen Ehrlichkeit, der fanatische Kult der Wahrheit, die — nach einem Agadatvort — der Stempel Gottes ist, hat Schule gemacht. Ae Tagung des Zionistischen Mionskomitees in London. 10. Sitzung, Donnerstag den 20. Juli, vormittags. Im nachfolgenden geben wir einen ausführlickten Bericht über die Verhandlungen des Zionistischen Aktionskomitees am 28. und 29. Juli (9. und 10. Sitzung) über die wir am 1. und am 4. d. berichtet hatten. Der Referent des Keren .Hajessod, .Herr Dr. Bertold F e i w e l, dankte am Schlüsse seines (am Mittwoch) erstatteten Berichtes namens des Direktoriums allen Mitarbeitern, insbesondere Herrn S o k o l o w, Dr. S ch m a r Y a L e v i n und B i a l i k sowie seinen Mitarbeitern im Hauptburcau des Keren Hajessod. Er hebt besonders die Leistungcu der Zionisten in den Bereinigten Staaten von Amerika und in Südafrika rühmend hervor. r Jean Fischer wünscht festznstellen, wie hoch die Spesen sind, und bespricht die Arbeit in Belgien und den Spesensatz dortselbst im Verhältnis zu anderen Landern. Leo Herrmann gibt die notwendigen Aufklärungen. Wilensky bespricht die Arbeit in A l t r tt nt änien und betont, daß der Maasscrgcdanke erstickt wurde, weil Mut und Kraft fehlte, ihn durchzusetzen. Er verurteilt die Sammclmethodeu iu Amerika, erörtert den Mangel an Anschauungspropagandamaterial und meint, wir hätten zu wenig Menschen, weil die geeigneten Menschen zu klug wären, um die Arbeit auf sich zu nehmen. Morris Samuel bespricht die Methoden der Arbeit für den United Palestine Appeal und hebt insbesondere dessen moralische, politische nndtcchnischcBedeutung hervor. Alexander Goldstein unterscheidet bei der Arbeit zwischen Amerika, in dessen Arbeitsmethvden nicht einzugreifen wäre, den englisch sprechenden Ländern außerhalb Amerikas und Europa. Er schlagt eine K o n f e r e n z der K e r e n - H a j e s s o d - A r b e it e r m i t W e i z m a n u vor, fordert die Intensivierung und Individualisierung der Propagandamethoden und setzt sich dafür ein, daß mit dem Apparat des Keren Hajessod gleichzeitig die Papiere propagiert werden, tvelche als In v e st it innen in Palästina dienen können, Pfandbriefe der M o r t g a g e - B a n k und dergl. Zur Uebersiedlung des Hauptbureaus meint er, daß die Uebersiedlung nur zweckmäßig wäre, wenn sie geeignet ist, die Propaganda in Amerika zu stärken. Leib Jaffe bespricht ausführlich die Gründe, welche einer erfolgreichen Arbeit des Keren Hajessod in Europa entgögenstehen, insbesondere empfiehlt er Repressalien gegenüber Zionisten, die ihre Verpflichtungen gegenüber dem Keren Hajessod nicht erfüllen, ruft die Arbeiterorganisationen zur Mitarbeit aus und verlangt neuen Schwung in der Arbeit, die er im übrigen optimistisch beurteile. Dr. Thon hält nun eine Ansprache über Achad Haam, dessen 70. Geburtstag gefeiert wird. m Landau (Galizien) bespricht die Spesensätze insbesondere in Polen und die unfruchtbare Konkurrenz zwischen Keren Kajemcth und Keren Hajessod. Zum Keren Kajemeth findet er einen Mangel i n der Buchführung bezüglich der Spesensätze, die zwischen Einnahmen und Ausgaben für die Geldcinbringung einerseits und für die Verwaltung des Keren Kajemeth in Erez Israel andererseits zu teilen seien. Er fordert Erweckung zionistischer Gesinnung und Zusammenarbeit mit der Zionistischen Organisation. Twcrsky stellt fest, daß von den bedeutenden Einnahmen des Keren Kajemeth nur ein verhältnismäßig geringer Betrag f ü r Bodenankauf übrig bleibe. Die Perspektiven für den Bodenkauf der nächsten Jahre seien ungünstig. Auch - der Keren Hajessod habe enttäuscht und nicht gehalten, was man bei dessen Gründung voraussetzte. Das Hauptbureau des Keren Hajessod dürfte die amerikanischen Spesen nicht gemeinsam mit beit anderen Spesen verrechnen, weil diese Art der Verrechnung den Spesensatz beeinflusse. Kurt Blumenfeld: Keren Hajessod ist eine Wissenschaft geworden, die nur die wenigen Mitarbeiter beherrschen und die in verschiedenen Ländern verschieden sei. Keren Hajessod könne Zivnismizs eröffnen, wo er noch nicht vorhanden ist, und als dessen Nachfolger versuchen, die Massen zu gewinnen, wo die alten Z i o n i st e n v e r s a g e n. In manchen Ländern müsse jeder einzelne gewonnen werden. Zur Entwicklung der Keren-Hajessod-Methoden und der Expansionsmöglichkeiten sei die Vorbereitung einer Reihe von Propagandisten nötig, die ausgebildet werden müssen; dazu sei eine entsprechende Po st in das Budget eittzustellen. S o n d e r s a m m l u n g e n, welche sich an die Massen wenden und den Keren Hajessod daher schädigen, müßten verboten werden. Cs müßte endlich einmal die Gelegenheit gegeben werden, eine ausführliche Darstellung vor dem Aktionskomitee oder in Form einer Broschüre zu geben, über die veränderte Lage der jüdischen Welt und die neuen Perspektiven, insbesondere auch in der Frage, ob wir überhaupt noch in der Lage sind, die Galuthfront aufrecht zu erhalten; dies muß der Keren Hajessod besorgen. Wenn nichts neues geschehe, würden wir aürnählich zu Grunde gehen, weil wir unsere Kräfte verlieren. Herr Nalditfch erklärt, daß daS Direktorium des Keren Hajessod, obzwar es die Gefahren und Schwierigkeiten, die mit der U e b e r s i e dlung des Hauptbureaus des Keren Hajessod verbunden sind, kennt, es nicht für richtig hält, seinerseits dem speziell von seiten der Amerikaner ausgedrückten Wunsch entgegenzutreten. Er wendet sich ferner gegen den Vorschlag, den Absatz von Pfandbriefen der Hypothekenbank mit der Keren-Hajessod-Arbeit zu verbinden, da es sich dabei um zwei grundverschiedene Aufgaben handelt. Wenn von einer Verkleinerung des Keren-Hajessod-Niveaus gesprochen worden ist, so haben daran auf einer Seite die Zionisten selbst schuld, die die Forderung des Maasser nicht erfüllt haben. Auch eine Schuld des Direktoriums liegt vor, das nicht genügend Kräfte für die Arbeit ausgebildet und den Wünschen und Widerständen der Landeskomitees oft zu weit nachgegebeu hat. Dr. Rufcisen bemängelte, daß der Keren Kajemcth zum Aktionskomitee keine Bilanz vorgelegt hat und gibt schweren Besorgnissen wegen der beabsichtigten Uebersiedlung des Keren Hajessod Ausdruck. Er verlangt, daß das Aktionskomitee diese Angelegenheit noch erwägt. Die Herren Dr. Feldmann und Heftmann sprechen über die Umstände, die in Polen dazu geführt haben, daß der Apparat der Geldaufbringung nicht so billig arbeiten kann, wie gewünscht wird. Dr. Granovsky erklärt, daß der Keren Kajemeth den Mionsmitgliedern seine Bilanz zugänglich machen wird. % Leo Herrmann nimmt zu den Ausführungen der Debatte über die Keren- Hajessod-Arbcit uameus des Direktoriums Stellung und stellt fest, daß auch im laufenden Jahre eine, wenn auch k l e i n e E r h ö h u n g der G e s a m t e i n g ä n g e zu verzeichnen sein wird. Die große Steigerung, die im kommenden Jahve notwendig wird, kann nur erreicht werden, wenn alle Organisationen u n d Komitees, die ihnen auferlegte Verantwortung erfüllen werden, ohne sich in dieser außerordentlich schweren Tätigkeit von der Aussicht beirren zu lassen, daß auf eine andere Weise, vielleicht leichter, größere Geldmittel beschafft werden können. Wenn das Direktorium bei allen ^Gruppen volles Verständnis und volle Mitarbeit finden wird, wird es, gestützt auf ungeteiltes Vertrauen, die Aufgabe lösen können, die Einnahmen den Bedürfnissen Entsprechend zu steigern, und damit auch im allgemeinen und in den einzelnen Ländern den Prozentsatz der Spesen h e r a b z u d r ü ck e n, ohne die Leistungsfähigkeit der Organisation zu verringern. Rubaschow erklärt namens der gesamten jüdischen Arbeiterschaft, daß sie in voller Würdigung der Bedeutung des Keren Hajessod bereit ist, a 11 c Opfer z u bringen, um feine Leistungen zu erhöhen, daß sie bereit ist, ihre besten Kräfte ihm zur Verfügung zu stellen. Es folgte sodann die von uns bereits gestern miigeteilte Schlußrede des Präsidenten W e i z m a n n. Oberra-bbrner Chajes abge reist. T. London, 4. August. Oberrabbiner Dr. C h a j e s ist heute nach Paris abgereist, um dort an der Sitzung dos Kuratoriums der hebräischen Universität teilzunehmen. Am 12. d. wird er wieder in Wien eintrcffen. Ser 81. Selegiertentag der zionistischen Bereinigung für Jenischlaud. Der Delegiertcntag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland findet vom 22. bis 21. d. im Kaisersaal zur Erfurt statt. Die Vormittagssitzung des ersten Tages bringt nach der Eröffnung durch tom Vorsitzenden der Zionistischen Bereinigung Är Deutschland, Herrn Kurt Blumenfeld, der Wahl des Bureaus und einer Ansprache des Vertreters der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation in London ein Referat des Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung fiir Deutschland über „Zio nist i s che Arbeit in De u t sch l a ud". Die Nachmittagssitznng wird im wesentlichen durch die Generaldebatte in Anspruch genommen werden. Die sibendsitznng des ersten Tages bringt geschlossene Beratungen der Vertrauensleute des K e r e n Hajessod und des Keriui Kajemeth unter Teilnahme der Delegierten und Ersatzdelegierten. Der zweite Tag dient der Erörterung von jüdisch-kulturellen Fragen und Erziehungsproblemen. Herr Dr. Kairo Witz, geschäftsführender Vorsitzender der Berliner Zionistischen Vereinigung, spricht über die „Zionistische Jugendbewegung in Deutschland", Herr Dr. Wolfs borg über „Das zionistische BildungSaroblem in Deutschland". Auf eine Ansprache über diese Fragen olgt iu der Nachmittagssitzung ein Referat von Dr. Martin Bubor ,^öolkserziehung als unsere Aufgabe". Der Schlußtag gehört einem Referat über „Jnnerzionistische Politik", in dessen Verlaus Herr Blumenfeld über die Ergebnisse der letzten Aktionskomiteesitzung in London sprechen wird und die in dieser Zeit der Wirtschaftskrise in Palästina manches zur.Klärung der Ansichten beitragen soll. Dann folgen die Initiativanträge und die Wahlen.

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