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Wiener Morgenzeitung · 1926-08-05 · Heft 2676 (5.8.1926) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2676 (5.8.1926)
Date
1926-08-05
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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Tagesbericht. Achad Hamm Werdegang. Ofcher Gingbe rg (mit seinem Pseudonym Achad Haam) wurde am 26.?lw 5616 (1866) in Skwira (Gouvernement Kiew) geboren. Sein Vater gehörte einer angesehenen frommen und reichen Familie an. Der Sohn erhielt zunächst die übliche traditionelle Erziehung, die sich auf die Vermittlung des überlieferten religiösen Wissensstoffes beschränkte und sogar die Erlernung fremder Sprachen ansschloß. Achad Haam mußte sich so im Geheimen die Kenntnis der russischen Schriftzeichen aneignen. 1863 übersiedelte seine Familie nach dem Dorfe Gufrschitza, und hier verblieb Achad Haam die nächsten 18 Jahre. Er vergrößerte hier den Umfang seiner Kenntnisse der überlieferten hebräischen Literatur und galt schon mit 16 Jahren als ein großer Kenner des Traditionsstoffes. Im Jahre 1873 heiratete er. 1878 kam er zum ersten Male nach Odessa und hier machtat die Werke der russischen Gelehrten auf ihn einen so starken Eindruck, daß er seitdem begann, sich auf die Reifeprsifung vorzubereiten. Zur selben Zeit entstand bei ihm der Gedanke, nach Westeuropa zu gehen mtb an einer Universität zu studieren. Er hielt sich vorübergehend in Wien auf, kehrte aber bald wieder nach seinem Heimatdorfe zurück. Lange freilich hielt es ihn in der Weltabgeschiedenheit dieses Dorfes nicht. Sein Bildungsdrang führte ihn bald wieder ins Ausland. In den Jahren 1883 bis 1884 versuchte er in Berlin, Breslau und Wien erneut, das Universitätsstttdinm zum Abschluß zu bringen, freilich ohne Erfolg. Nach Rußland zurückgekehrt, wandte er sich wieder dem Selbststudium zu. Im Jahre 1884 trat die entscheidende Wendung in seinem Leben ein. Bei einem zweiten Besuche Odessas kam er mit dem dämals gegründeten, unter Leitung Dr. Leo P i n s k e r s stehenden Verein der C h o w e w e Zion in Berührung, ßcr schloß sich diesem Verein sofort an mtb gelangte in ihm bald zu einer führenden Stellung. Als die K a t t o w i tz e r Konferenz die Chibbath-Zion-Bewegung auf eine philanthropische Grundlage stellte, trat Achad Haam gegen diese Bestrebung in Opposition und scharte um sich einen kleinen Kreis von Gesinnungsgenossen mit dem Ziele, die Chibbath-Zion-Bewegung zu einer umfassenden, nach innen gerichteten Renaissancebewegung des Judentums zu enttvickcln. Dieser zahlenmäßig kleine Kreis von Menschen drängte Achad Haam, seine Anschauung über die Chibbath-Zion zu veröffentlichen. Achad Haam schrieb 1689 in der Zeitschrift „Hameliz" seinen berühmt gewordenen Aufsatz „Nicht dies ist der Weg" (zum ersten Male unter seinem Pseudonym). In diesem Aufsatz führte Achad Haam aus, daß-der Besiedlung des Landes die Erziehung des Volkes voranzugehen habe. Gegen diesen Artikel und den von Achad Haam geschaffenen Bund „Bne Moscheh" erhob sich im Lager der Chowewe Zion heftige Opposition, der Achad Haam durch neue Artikel entgegentrat. Jrn Jahre 1891 besuchte Achad Haam Palästina und veröffentlichte seine Eindrücke vom Lande in dem zweiten berühmten Artikel des „Hameliz", „Wahrheit aus Palästina". 1893 besuchte Achad Haam erneut Palästina und berichtete wiederum über seine Eindrücke im Lande. Daneben beschäftige er sich eingehend mit philosophischen Studien. 1896 begann er, die Zeitschrift „Haschiloach" herauszugeben. In dieser Zeitschrift führte er g c g e n die von H e r z l entfachte Bewegung des politischen Zionismus einen heftigen Kampf, weil nach seiner Meinung der politische Zionismus acwftwt aytgPBCKfgtttlitg ffttt das Aenßere der Judenfrage, nicht aber ihre inneren Wurzeln sehe und auszurotten bestrebt sei. Als Herzls „Altneuland" erschien, lehnte Achad Haam dieses Buch als u njüdisch und von einer mechanischen Auffassung des Problems diktiert, ab. Im Jahre 1900 besuchte er zum dritten Male Palästina. 1902 nahm er an dem allgemeinen Kongreß der Zionisten Rußlands in Minsk teil und hielt hier einen Vortrag über „Renaissance des Geistes". In den Jahren 1905 und 1906, den Jahren der russischen Revolution, nahm er an den Kongressen für die Gleichberechtigung der Juden teil und trat leidenschaftlich für diese Gleichberechtigung ein. 1905 veröffentlichte er im „Haschiloach" unter dem Titel „Die Herrschaft des Verstandes", einen berühmt gewordenen Aufsatz über Maimonides, 1907 in der palästinensischen Zeitschrift „Haomer" den Aufsatz „Die Stunde ist gekommen", in dem er mit dem größten Nachdruck die Schaffung eines geistigelt Zentrums in Palästina forderte. 1908 übersiedclte Achad Haam nach London. Hier verblieb er bis nach dem Weltkriege, wo er seinen ständigen Wohnsitz nach Palästina verlegte., Achad Haam gehört heute unumstritten zu den tiefsten Denkern des jüdischen Volkes. Insbesondere hat die Forderung der Erneuerung des jüdischen Geistes nirgendwo einen so tiefen Ausdruck gefunden wie bei Achad Haam. Seine Aufsätze sind unter dem Titel „Al Peraschath Derachim" („Am Scheidewege") gesammelt, in vier Bänden erschienen. _ Grundfteknlrgimg der Mische» Rational- «nd Uniticrfitätsfnüliotl'cf. Am Sonntag den 18. Juli wurde der Grundstein des David- WolffsohmHauses auf dem Skopusberge gelegt. Der Beginn dieses neuen Baues, welcher das zukünftige Heim der National- und Universitätsbibliothek sein wird, bezeichnet einen wichtigen Abschnitt fiir die kulturelle Entwicklung des palästinensischen Jischuw. Nachdem die Bibliothek sechs Jahre auf vier kleine unzulängliche Gebäude verteilt, mit den größten technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, eröffnet sich ihr jetzt die sichere Aussicht, nach Ablauf von zirka zwei Jahren, in einem Gebäude untergebracht zu werdest, das allen modernen bibliothekarischen Anforderungen entsprechen wird. Doktor Magnes nahm die Grundsteinlegung vor. Trotz der großen Einfachheit der Feier zeigten alle interessierten Kreise die lebhafteste Teilnahme. Für den Bau sind bereits 190 Arbeiter beschäftigt. Austauchen des Kometen Finletz. Hamburg, 4. August. Die Hamburger Sternwarte teilt mit: Der periodische Komet Finley, der eine Umlaufszeit von sieben Jahren hat, ist bei seiner diesjährigen Wiederkehr in der Nacht zum 3. d. von Dr. S t o b b e mit einem Lippcrtschen Astrographen der Hamburger Sternwarte wieder aufgefunden worden. Der Komet steht im Sternbild des Stieres. Seine Helligkeit entspricht der eines Sternes zwölfter Größe. Er ist also für das bloße Auge unsichtbar. Sein letzter Periheldurchgang fand im Oktober 1919 statt. Der diesjährige ist für den 7. A u g u st berechnet. Selbstmord eines StahlhelmWrers.; Wegen der Fememorde. Frankfurt a. M., 4. August. Iw Bad Nauheim hat sich heute ein Stablhelmführer, namens Herinann V o r t m a n n. erschossen. lieber die Motive des Selbstmordes ist bis jetzig nichts bekannt. doch vermutet man. daß die Tat mit den neuerdings a u f g e d e ck t e n F e m e a f f a r e n zusammenhängt. 5. August 1926 Sette 8 Sie antisemitische Rotbrüderschaft in Deutschland. Eine Boykottftrirm, die kn Palästina reisen läßt. Wie schon am Dienstag berichtet, hat in Berlin ein gewisser B e y t h i e n eine Deutsche Notbriiderschaft gegen jüdische Solidarität ins Leben gerufen. Dieser Beythien, der 27 Jahre alt ist, versendet Aufrufe mit bau folgenden Text: „Geld vom Juden nehmen, wo es nur möglich ist, aber es nur in rechtsstehenden Kreisen ausgeben! Damit so die jüdische Kapitalsfront allmählich geschwächt ivird. So skrupullos Vorgehen wie die Juden! Vom Inden lernen und rühriger werden! Sich auftaffen zum Kampf bis aufs Messer!" Er versucht, eine geschlossene germanische Kette unter Ausschluß jeden jüdischen Gliedes herzustellen. Eine Einzeichnungsliste, die Herr v. Ger lach in der „Welt am Montag" erwähnt, enthält 112 Berliner Namen. Die gezeichneten Beträge schwanken zwischen 10 unb 300 Mark. Alle Zweige des Geschäftswesens sind vertreten, Konfektion, Spedition, Uhrmacherei, Bankiers, Lederindustrie, Druckereien, Papierfirmen, Weinhandlungen, Aerzte nsw. Zur Illustration gibt v. Gerl ach die Namen der Anwälte wieder, die sich in die Liste einzeichnen ließen: Dokor Karschny, v. Kleist, Haiko Heikes, Zielisch, Alfred Koeppen, Lignih, Eplinius, Kunkel, Adolf Kur, Rettkowskr, Dr. Wiede, Werda, Walter Hans, Stern, Jnstizrat Lahn, Dr. Kagermann, Doktor Guischard, Lucke, Justizrat Salomon, Dr. Pohl, Zelle, Jnstizrat W. Hahn, Ernst Junaier, A. Scherk, Will, Dr. Karvaß, Doktor v. Alten-Reuß, Dr. Kummerdt, Dr. Ricius, Dr. Rocksiroh, Doktor Bruno Dommer, Ministerialdirektor a. D. Dr. Meyer-Gerhard, Hans Stark, Justizrat Walter Schü(, Kurt Lange. H. v. Gerlach schreibt: Etwas behindert wird der völkische Organisator durch die Aengstlichkeit vieler seiner teutonischen Geschäftsfreunde. Sie möchten von seinem „R i n g s y st e m" profitieren, aber sie fürchten, daß sie geschäftlichen Schaden haben, wenn ihr Techtelmechtel an die Oeffentlichkeit kommt. Eine sehr drollige Rückendeckung hat sich für diesen Fall eine Firma aus der Ei s e n b r a n ch e zugelegt. Nachdem sie sich den Förderern der Deutschen Brüderschaft gegen jüdische Solidarität zugesellt hatte, Iieß si e P aläst i n a durch einen jüdischen Vertreter bereisen . . . Nachdem die Grundlage in Berlin gelegt ist, soll das Unternehmen auf das ganze Reich ausgedehnt werden. Beythien rechnet auf die Schwerindustrie. Mit ihrer Unterstützung glaubt er, sein Unternehmen unter dem Namen „Hansa, deutsches Wirtschafts am t", ganz groß aufziehen zu können. Für die Propaganda hofft er auf den „Stahlhel m", mit dem er schon Beziehungen angeknüpst hat. In 3000 deutschen Städten soll ihm der Stahlhelm je zwei Mitglieder zur Verfügung stelleil. So würde das ganze Deutsche Reich mit einem Netz antijüdischer Wirtschaftsorganisationen überzogen werden können. Jüdisches Martyrium in Deutschland. Der „Schild" berichtet über die Leiden der kleinen jüdischen Gemeinde in Memelsdorf in Unterfranken, wo bis zum Kriegsende Christen und Juden in völliger Eintracht lebten. Unter der Wirkung der Hetze des Pfarrers König und des Lehrers B ü r i n g e r terrorisierten ansässige Bewohner gemeinsam mit den Ehrhardt-Leuten, zur Zeit des Hitler- P u t s ch e s, mehrere Wochen in rohester Weise die Juden von Memelsdors-Untermerzbach und Autenhausen, woselbst sogar zwei Juden, die über 60 Jahre alt waren, in der Nacht gewaltsam auf das Feld geschleppt und bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen und gefoltert wurden. In einem Fall wurden nachts zwei Familien in Untermerzbach unter Androhung des Erschießens mit Achad Haam, der große Erzieher. Voll Dr. Chaim Tartakower. Wenn wir begreifen wollen, was Achad Haan: der heranwachsendell ersten zionistischen Generation war, müssen wir uns bat gegenwärtigen Moment unserer Bewegung vor Äugen holten. Wir fühlen uns hellte fast verwaist. Abgesehen von Weizmann, der, wann immer er spricht, stets etwas zu sagen hat, fühlen wir Ulls in geistiger Hinsicht führerlos. Viele Probleme unseres Lebens dringen aus uns ein und wir sichen ratlos da. Anders war cs in der Blütezeit Achad Haanis für jene Generation, die das Glück hatte, von ihnt erzogen zu werden. Er war der große Wächter unserer nationalen Bewegung. So oft er unser Schiff eineil falschen Kurs cinschlagen sah, erhob er seine warnende Stinlnie, die jeder Hörer: mußte: Anhänger und Gegner. Besonders als er sich seine eigene Tribüne geschaffen hatte, .beit „.Haschiloah", wurde er zum wahrhaften Weglind Lebenswciser. Ein Artikel Achad Haams bedeutete damals ein Hochgefühl, eine Läuterung unseres Alltagslebens. Der bescheidene als „Einer aus den: Volke" in unsere Literatur cintretende Uscher Ginzberg wurde der Einzige .des Volkes, der Anscrwählte. Er brachte in unsere Bewegung folgende Mitgift ein: ein profundes jüdisches tntb europäisches Wissen, einen tiefen und zugleich Aaren Blick, den Mut des Götzetlzerstörers, einen kristallklaren, herrlichen Stil. So ausgerüstet bezog e^' die Wache. Der Chowejwe-Zionismus. Achad .Haam Maß sich dieser Bewegung all, erkannte ihre Mängel mtb trat gegen sie auf. Die Gründung von Kolonien war für ihn nicht genügend;- für ihn ivar -die Bewegung ein Mittel zur Wiederbelebung unseres Volles und seines Geistes. Ohne sie war die Chibbath-Zion wesen- und seelenlos. Und Achad Haam bewährte sich gleich als der Zevstörer des Heiligtums, um ein treues anfzurichten. Er verlangte Propheten und Priester der nationalen Freiheitsidee, während die Chowejwe Zion sich mit der Aufbringung des Budgets für Kühe ri. dgl. befaßten, ausschließlich befaßten. Er veröffentlichte faiieit „Lo seh haderech!" Die Wivkung: ein Kassandraruf inmitten einer Siegesfeier. Im Schrifttum jener Zeit, da znsammengelesene Zitate aus mannigfachen Bibelstellen „Stil" bedeuteten, mußten Achad Haanis Allssätze wie eine Bombe wirken, rein stilistisch genommen. Keine Phrasen, klare Worte unb Gedanken, menschlich, einfach, natürlich. Also die Chibbath-Zion ist nicht auf der Höhe, die schön gedrechselten Bibelzitate, der Stolz so vieler Jünglinge, sind nichts. Grund genug, um Achad Haam zu einem „Volksfeind" zu stempeln. Dieser aber begnügte sich nicht mit Worten. Er schuf seinen Orden B'nai Moscheh, welcher die Träger der Idee konzentrieren sollte. Er reiste dreimal nach Erez Israel und verbrachte -dort stets Monate, veröffentlichte feine berühmten ,-Emeth m'eretz Jisrael", die Wahrheiten aus Palästina, bereiste jede Kolonie, durchforschte jede Einzelheit und holte ztl einem entscheidenden Schlag aus: gegen die Rothschildsche Administration. Achad Haam wies nach, daß die Rothschildschen Kolonien stir unser Voll ein Unglück bedeuten. Die Kolonisten müssen auf eigene Füße gestellt und dürfen nicht künstlich — durch Gewährung von regelmäßigen Unterstützungen — aufgepäppelt werden. Er schmetterte sein „Hands off von den jüdischen Kolonien!" in die Welt. Man vergegenwärtige sich, was dieser Kampf damals bedeutete. Die Chibbath-Zion-Bewegung war durch idealistische Studenten geschaifsen worden, die durch die Revolution im eigenen Leben das ganze Voll revolutionieren wollten. Sie gingen nach Erez Israel und schufen Kolonien ohne Mittel, ohne Kenntnisse. Ihr Werk schien dem Untergange geweiht, da die Chibbath-Zion über keine Mittel verfügte. Man lugte nach kapitälskräft-igen- Menschen aus, die für das Werk Verständnis hätten, und -fand den Baron Rothschild in Paris. Er warf sich mit Begeisterung auf die Sache, machte aber große Fehler, vor allem dadllrch, daß er Administratoren einsetzte, die kein Verhältnis zur Sache hatten und aus der Kolonisation eine neue Chalulla schufen. Wiewohl AchadHaam als führendes Mitglied der Chowejwe Zion tvußte, daß diese über keine Mittel verfügten und nran man daher auf Rothschild angewiesen ivar, nahm er beit Kampf gegen das Administrati-onssYstem auf und scheute nicht davor zurück, auch gegen die Person des Barorrs selbst anzukäntpsen, als er sich für die Kritik unzugäMick) erwies, Man lese den Aufsatz Achad Haams gegen den Baron, von dem er sagte, jeder Baron habe seinen Sport, der unserige habe sich die jüdische Kolonisation hiezu ouserwählt. Jener kleine Aussatz wirkte mehr erzieherisch als Bände vieler Schriftsteller. , , , . * Der He rzlf che Z i o n ismus. Am jüdischen Horizont tauchte wie ein Meteor Herzl auf. Achad Haam empfing ihn mit großer Liebe und mit großen Hoffnungen. Als er jedoch eingesehen hatte, daß Herzl seine Kraft auf die Diplomatie verlege, die Kolonisation ohne Charter als unzulässige Infiltration ansi'he und fiir das kulturelle Problenr kein Verständnis zeige, wurde er sein Gegner, konzentrierte er alle Kräfte auf den Kampf gegen Herzl. Mährend dieser Zeit arbeitete er sein eigenes System noch schärfer heraus: die Idee, der Zionismus sei dazil da, unser Volk und seinen .Geist wieder lebendig zu imachen, und hiezu sei die Scha-sfung eines Zentrums in Erez Israel die wichtigste Voraussetzung. Der Kampf gegen Herzl tvar der -schwerste, den Achad .Haam je geführt ff-pt. War doch Herzl der Liebling des jüdischen Volkes, ja der jüdischen Massen, und gerade in: Osten. Vielen, sehr vielen int Zionismus tvar der Kampf gegen Herzl der Kampf gegen ihr Allerheiligsdes. Es kam die Ngandazeit. Die von Achad Haan: exogene Opposition der rnsisischen und galizischen Zionisten reagierte auf den Ugandaplan mit der Sezession vom Kongreß; Uffischkin organisierte die Palastrevolution in Charkow. Sokolow schuf die Organisation zum Schutze der Organisation und Herzl selbst schickte gegen seinen —wie er glaubte — Todfeind Achad Haam das schwerste Geschütz: den mächtigen Größenvernichter Max Nordau. In dieftm Kampfe erwies sich Achad Haam als der Stärkere: alles Geistige konzentrierte sich um Achad Haam. Herzl starb. Ta war -der große Herzl-Bekämpser Achad Haam derjenige, der w i e k e i n a n d e r e r die hiftorrsche Größe Herzls erfaßte. In seiner Einlei Ul ng zum dritten Bande, unmittelbar nach dem Tode, würdigte Achad Haam -den verstorbenen Führer. Er umschrieb -ihn als den Moses unserer Zeit. Man erwäge: Für Achad Haam, «den Verfechter des jüdischen Ge-istes- -!:eb-en§, fiir .den der Zionismus eiben die Renaissance dieses Lehens bedeutete, war Bcoses, „der Herr der Propheten", die

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