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Wiener Morgenzeitung · 1926-08-04 · Heft 2675 (4.8.1926) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2675 (4.8.1926)
Date
1926-08-04
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Ar. -67t, M«n. MitflSvch Wirrrer MorsL«zettima 4. Nusust IW Sette 8 Wie der Shebrnch der Fra» ia Shina bestraft wird. Sind die chinesischen Mädchen und Frauen tugendhafter als ihre deutschen Schwestern? Die Beantwortung ist nicht leicht. In China steht die Frau noch gaiy unter der Herrschaft des Mannemtd eine Ueberschreitung ihrerseits, die gegen die Keuschheit verstößt, wird oft grausam bestraft. Wehe der Frau, di« von ihrem Manne beim Ehebruch erwischt wird; die Folgen sind oft schrecklicher Art. Der Gatte hat das Recht, den Verführer seiner Frau sofort zu töten, muß aber auch seine Frau töten, wenn er straffrei bleiben will. In C h a n g s ch a (Provinz Hunan) ertappte ein chinesischer Kaufmann, der unerwartet «von einer Reise zurückkam, seine Frau beim Ehebruch. Er ließ sie und ihren Liebhaber Gesicht zu Gesicht zusammenbinden, steckte sie dann in einen großen Sack, der mit Steinen beschwert war, und ließ sie von der Brücke aus in den Fluß werfen. Wird an des Gatten Darstellung des Geschehnisses gezweifelt, so läßt der chinesische Richter die Leichen herbeischafsen und ihnen 'die Köpfe vom Rumpfe trennen. Diese werden dann in ein großes mit Master gefülltes Faß geworfen, dann wird das Wasser umgerührt, bis sich in der Mitte ein Strudel bildet. Drehen sich die Gesichter einander zu, so ist der Gatte gerechtfertigt und erhält noch eine Belohnung; andernfalls wird er wegen Mordes bestraft. Ist ein Diener des Hauses der schuldige Test, so wird er zur Strafe des „langsamen" Todes verurteilt. Der Scharfrichter muß dem Verurteilten möglichst viele Stücke vom lebenden Körper schneiden, bis nach schrecklichen Qualen der Tod eintritt. Aber nicht immer ist der Ausgang der Verfehlung der Frau blutig. Manchmal zwingt der Ehemann den Schuldigen, ihm eine Geldbuße zu zahlen. In diesem Falle muß er seiner Frau oergeben. Oder der Schuldige wird den Ortsältesten überwiesen, vie den Mann durch die Straße peitschen lasten und dann ausweisen. Die Frau wird dann gewöhnlich in ein öffentliches Haus nevkaust. Wie hoch die chinesischen Frauen und Mädchen ihre Keuschheit schätzen, beweisen die vielen S e l b st m o r d e, die zu llriegszeiteu dort begangen worden sind, um den Gelüsten siegreicher Feinde zu entgehen. Ja, es gibt sogar ein Handbuch iür junge Mädchen, in dem ihnen gelehrt wird, ihre Gelichter durch Wunden zu entstellen, um sich dadurch reizlos zu mache:' Jahr«« schwer«« und Cohen M sieben Monate einfachen Kerkers verurteilt. Dr. Boroß ist nun am 29. v. M. tm Jnquisitenspital gestorben. * Selbstmord des Apothekers Kleiber. Wie berichtet, ist seit dem 28. v. M. der 59jähvlge Magister der Pharmazie, Rudolf Kleiber, aus seiner Wohnung. 11. Bez.» Dorfgaste 14, vermißt. Der Mann hatte feit einiger Zeit Anwandlungen von Trübsinn. Am 2. d. wurde in den Praterauen die Leiche eines Mannes gefunden, der sich di« Pulsadern durchschnitten hatte und verblutet war. In dem Toten wurde nun Kleiber erkannt. * Verhaftung des Dekeandanten Soika in München. Wie berichtet, hat am 30. v. M. «ne hiesige Maschinenfabrik ihren Geschaftsdiener, den 38jährigen Engelbert Soika, mit dem Auftrag weggeschickt, in einer hiesigen Bank 23.600 S., die zur Auszahlung der Arbeiter bestimmt waren, zu beheben. Soika hat das Geld behoben, ist aber nicht mehr zurückgÄehrt. Er hat den Betrag unterschlagen und ist geflüchtet. Besonders kenntlich war der Mann dadurch, daß er am Halse eine Kanüle trug. Gestern wuvde gemeldet, daß Soika in München verhaftet wurde. Der größte Teil deS Geldes wurde zustande gebracht. DaS Auslieferungsverfahren wurde eingeleitet. * Verhaftung. Der von der Polizeibehörde in Warschau wegen Urkundenfälschung verfolgte 32jährige Handlungsreijende Jmef Kuflik. zu Starzawa geboren, wurde gestern im 1. Bezirke, Kumpfgaste 3, verhaftet und dem Lande sgenchte oingeliefert. * Einbruch. Zwischen halb 9 und halb 10 Uhr abends haben pver etwa 20- bis 25jährige Burschen die Wohnung der Elisabeth N e d e l k o v i t s, 13. Bez., Fleschgasse 5, erbrochen und eine Stahlhandkassete gestohlen. Me Beute an Geld und Schmuck beträgt 6000 S. * Mn diebischer Angestellter. Der 21jährige Handelsangestellte Karl Gottes mann wurde vom Stodtkommissariat verhaftet und dem Landesgevichte eingeliefert, weil er während der letzten drei Monate seinem Dienstgeber, dem Kommerzialrat Max Markus, der in der Großmarrthalle etabliert ist, mehr als 15.000 S. bar gestohlen hat. Mn großer Teil der Beute ist zustandegebracht. * Mn großzügiger KantiouSschwindler. Im Mai d. I. wurde hier eine Fabrik für chemische Produkte unter der Bezeichnung „Ehemiag" gegründet. Das Unternehmen wurde in einem hölzernen Schupfen nt Floridsdorf betrieben. Es wurden zahlreiche Arbeiter und zirka 40 Beamte ausgenommen. Als Chef fungierte der 32jährige Otto Singer, der sich als Ingenieur bezerchnete. Er führte ein luxuriöses Leben, galt als sehr reich und die Beamten gaben bedenkenlos Kautionen von je einigen Hundert Schillingen. Dafür bekamen sie hochtrabende Titel, wie Fabriksdirektor, ,Hauptkassier" usw. und in der ersten Zeit auch die Gagen. Als diesen Monat die Bezahlung der Gehälter ausblieb, wurde Verdacht geschöpft. Herr Singer war tatsächlich verschwunden und es kam auf, daß alles anf Schwindel ge« gründet war. Luch das stellte sich heraus, daß der Chef M «Kn Jahren unzählige Male abgestraft und als unaMPher Staatsbürger aus Oesterreich abgeschafft war. Es heißt, daß Singer knapp vor seiner Flucht das ganze „Unternehmen" einer Dame nm 10.000 S. verkauft haben soll, obwohl der Bau bloß gemietet ist. Di« Verfolgung Singers ift eingeleitet. * Die Wiener Feuerwehr im Film. Gegenwärtig wird ein Film gedreht, der die gesamte TätiKeit der Wiener Feuerwehr zeigen wird. Im Zuge der dazu notwendig«, Ausnahme« wurde gestern mitwgs ein mit Rauchbomben inszenierter Brand deS Rathauses und die Bekämpfung deS Brandes durch di« Feuerwehr gefilmt. * Die Photographie im OperationSsaal. Airs der Deutschen Photographischen Ausstellung in Frankfurt am Main vom 14. d. bis 1. September ist Gelegenheit geboten, die Verwendung der Photographie im Operationswal kennenzulernen. In einem fachmännfich eingerichteten Raum wird gezeigt werden, in welchem Umfange ine Kamera in der Chirurgie wichtige Dienste zu leisten vermag. * Der Index in Polen. Wie uns aus Warschau berichtet wird, haben sich die Ernährungskosten im Monat Juli gegenüber dem Vormonat auf 3,43 erniedrigt. * Worüber sich die Tanzgelehrten den Kopf zerbrechen. Zurzeit tagt in deramerikanischen Stadt W a l f o r d der 48. Kongreß der Tanzlchrer. Zu Beginn dieser Tagung beschäftigte man sich uns verschiedenen beruflichen Angelegenheiten, über die man sich nnihclos einigte. Die erste Schwierigkeit erhob sich bei der welterschütternden Frage nach der Herkunft des C h a r l e st o u. Hierbei entstand eine heftige Debatte, bei der die Meinungen stürmisch erregt.wurden. Im Laufe der Aussprache teilte sich der Kongreß in zwei Lager: die eine Partei griff den Modetanz heftig an, während die anderen den Charleston mit dem Hinweis auf die Tatsache zu verteidigen suchten, daß er sich die ganze Welt erobert habe. Uebrigens sind auch die englischen Tanzlchrer mit dem Charlestone nicht zufrieden. Sie sind zurzeit damit beschäftigt, den neuen Tanz der kommenden Saison auszuknobeln, und sie erklären, daß der Charlcston hierfür nicht in Frage kvmme, da er nicht lebhaft genug sei. Das sind Sorgen, die man haben möchte! * Wie viel wiegt ein i-Tipferl? In Milwaukee hat der Chenliker Bock eine Wage konstruiert, die an Empfindlichkeit wohl kaum übertroffen werden kann. Um die Empfindlichkeit der Wage zu denwnstrieren, legte Dr. Bock einen Brief auf die Wage und wog ihn. Hierauf wurde das Papierblatt wieder weggenommen und ein i-Tipfcrl darauf angebracht. Ein abermaliges Wiegen ergab einen Gewichtsunterschied von zwei Hunderttausend st e l G r a m m. Sie Menagerie in der Wohnung. Die Ehescheiduugsprozesse bringen, so schreibt ein Pariser Ülatt, immer neue Uebcrraschungen zutage. Kürzlich wurde der Hall einer jungen Frau berichtet, die sich die Haare ohne Erlaubnis hres Gatten hatte schneiden lassen, und die foamt den Bescheid errielt, daß sie keinen GmnS hat:e, sich über die Beleidigungen zu beilegen, die ihr der Ehemann wegen ihres Bubikopfes zugefügt hatte, dieses Urteil bestätigte so das Recht der Kontrolle für den N)eintmt über die Handlungen seiuer Frau nnd machte es dieser unuöglich, ohne seine, Erlaubnis etwas von chrem Körper abzuschneiren, und wenn es auch nur dekorativen Wert härte. ' Der neueste Fall ist aber >der des Ehemannes, der von seiner Frau geschieden werden will, weil diese eine ganz kleine Meta gerie in die gemeinsame Wohnnng eingeführt hätte: „Zwei dunde, eine Katze, eine Schildkröte, ein Meerschweinchen, eine Aniahl Bügel nnd Fische. Ich habe meine ganze Autorität ausbieten nüsseu," erklärte der geplagte Ehemann, „um den Ankauf von Igeln, ron Assen und eines Bären zu verhindern. Meine Frau bringt ihre;an;e Zeit damr: zu, diese Tiere zu liebkosen und zu ihnen zu prechen, wie wenn es menschliche Wesen wären." An einem Abnch im, letzten Winter wurde der Mann durch Schläge aufgeweckt, die n regelmäßigen Zwischenräumen auf den Fußboden des Nachbar- :aums, der als Menagerie diente, geführt wurden. Es hörte sich an, rls ob dauernd harte Körper aus gleicher Höhe herabfiesen. Er vandte sich an seine Frau, sie solle nachisehcn, was das für ein Geckusch wäre. Sie kam lächelnd zurück: „Es ist nichts Ernstes, aber :s wird lange dauern. Der Tausendsuß zieht sich die.Schuhe auS!" Daß er in seinem Aerger nun auch noch verhöhnt wurde, war dem Mau ne doch ,,u viel und er ging zum Richter. Das Tribunal de la Leine hat eine genaue Un:crsuchung des Falles altgeordnet. Wien, 4. August. * Zum Ableben unseres Kollegen Dr. Max Rosenbera 'chreibt uns die Handelsredaktion der Baseler „National-Zeltnng . ,Zu unserem Bedauern vernehmen wir, daß ganz plötzlich der volkswirtschaftliche Redakteur Ihres Blattes gestorben ist. Wir prechen Ihnen zu diesem Verlust unser Beileid aus. Herr Doktor Rosenberg war auch gelegentlicher Mitarbeiter unseres Blattes und hat uns erst noch vor kurzem mit einem Besuche beehrt." * Opfer der Berge. Sonntag abends ist auf der Hohen Band der 19jährige Sohn Franz des Fleischhauers Stan gl mf der Hohen Wand abgestürzt und blieb tot liegen. — Aus? erinoos wird berichtet: Am 27. Juli begab sich der 69 Jahre rlte Gastwirt Jakob S ch o n g e r aus Gries bei Lermoos auf die tahe Weidalpe. Als Schouger am Abend nicht zurückkehrte, wurde >as ganze Gebiet abgesucht, jedoch infolge des dichten Nebels und ws - 30 Zentimeter hohen Neuschnees vergeblich. Schouger dürfte ich im Nebel verirrt haben und erfroren sein. * Zwei Personen im Millstättersee ertrunken. Drei Reichs- «ätsche vergnügten sich in der vergangenen Woche auf einem Aalten im Millstätter See. Einer rutschte ab und drohte zu errinken, weshalb ihn: der andere nachsprang. Beide versanken odoch bald vor den Angen ihrer Angehörigen in den Wellen, ohne »aß ihnen Rettung gebracht werden konnte. * Ein tödliches Faltbootunglück. Der 32jährige Hochschule kalter Klimitsche! wollte von Hieflau mit einem Faltboo wch Wien fahren. Auf der Enns kippte jedoch das Boot um uw klimitschek, der in sehr erschöpftem Zustand nicht mehr di« Kraf um Schwimmen aufbrachte, ertrank. Der Verunglückte ist de vohn einer HofratSwitwe. „ * Tod deö ScheckfAschers Dr. Emil Boroß im Kerker. In veptember v. I. wurden hier vier Mitglieder einer internationa cn Gauner- und Schmugglerbande, der Juwelenhändler Aloii beidenreich, der beschäftigungslose Dr. Emil Boroß aui krapina in Ungarn, der berüchtigte internationale Ladendiel!ouis Cohen aus Podolien nnd der Rumäne Ernst M.arkui -erhaftet. Sie haben Reiseschecks, die von Tascheudiebstählen her ührteu, gefälscht und mit dem Gelde Kokain gekauft und es nack cm Ausland geschmuggelt. Heidenreich wurde zu zweieinhall fahren, Dr. Boroß zu eineinviertel Jahren, Markus zu eineinhall us der jüdischen Welk Sin Kongreß jüdischer Fugend in Paris. Am Sonntag wurde in Paris der Kongreß der W e l tv ereinigung jüdischer Jugend eröffnet. Zur Zeit des Zionistenkongresses in Karlsbad im Jahre 1923 wurde von Vertretern jüdischer Jugendorganisationen in verschiedenen Ländern der Grundstein zu dieser Bereinigung gelegt. Als Hauptziele gelten: 1. Schaffung einev Weltvcreinigung jüdischer Jugend zwecks materieller und moralischer Stütze der jüdischen Jugendbewegung. 2. Stütze der Chaluzbewegung. 3. Verteidigung der Rechte der jüdischen Jugend. 4. Schaffung von Kulturinstitutionen. 5. Propagierung der Idee des Weltfriedens. Die Weltvereinigung zählt bereits 11.000 Mitglieder in verschiedenen Ländern; allein in Frankreich bestehen 25 Ortsgruppen. Sie steht im allgemeinen auf nationaljüdischer Basis und wirkt für denjüdischen Aufbau in Pal5stin a, tritt aber im allgemeinen im politischen Tageskampf nicht hervor und schließt ein Zusammengehen mit anderen Richtungen der jüdischen Jugendbewegung nicht aus, ja, sie sucht ein solches Zusammengehen herbeizuführen. Auf dem gegenwärtigen Kongreß wird die Frage der Einberufung eines Weltkongresses der jüdischen Jugend ohne Unterschied der politischen Uebcrzeugung sowie die Frage des Kampfes gegen den Numerus clausus behandelt werden. Bis jetzt sind bereits 50 Delegierte zur Teilnahme an dem Kongreß eingctroffen. Bon französischer Seite werden unter anderen der bekannte Schriftsteller Andre Spire und Adv. Corcos anwesend sein. In der Eröffnungssitzung berichtete der Vorsitzende, Herr P a l i e r, über die Ziele der Jugendbewegung. Unter stürmischen Ovationen der Versammlung begrüßte der Präsident des Pariser Mumzipalrates, Herr Goden, die Versammlung. Sodann hielt Madame Netter eine Ansprache namens der Pariser jüdischen Frauen und Hillel Z l a t o p o l s k i, der hebräisch sprach. Unter .den Anwesenden befanden sich Madame N o r d a n und - ihre Tochter sowie Rechtsanwalt Dr. C o rc o s. Eine telegraphische Begrüßung lag seitens des Unterrichtsministers Herr io t vor. Die Versammlung beschloß, Achad Ha am zu seinem 70. Geburtstag telegraphisch zu beglückwünschen. Kongreß der jüdische» Fügend Fugoilawiens. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Vom 26. bis 29. Juli wuvde in Sarajevo der diesjährige jüdische Jugendkongreß Jugoslawiens abgehalten, der sehr statck beschickt war. Das Hauptthema war die Diskussion über das Verhältnis der Palästinaarbeit zur Galutharbeit. Hauptsächlich die sephardische Jugend und noch einige andere Jugendliche haben außer der Palästinozentrischen Arbeit eine intensivere G alutharbeit verlangt, was auch in der offiziellen Verbands- Ideologie mehr zur Geltung kommen müsse. Die jüdische Pfadfinderorganisation Achduth Hazofim hat den radikalen Palästinozentrismns vertreten, der aber nicht den Wert der Galnthärbeit verkennt. Die Debatte wurde scharf geführt und zum Schlüsse wurde eine Resolution angenoinmen, die den P r i m a t der auch bis jetzt geführten palästinensischen Jugenderziehung in den Jugendverband anerkennt, was aber nicht die Vernachlässigung der nationalen Arbeit im Galnth bedeuten soll. Für diesen Kongreß war charakter-iftisch, daß die sephardische Jugend diesmal als besondere Gruppe mit eigenen Forderungen auftrat. Die Meinungen über die Notwendigkeit und den Wert einer besonderen sephardischen Jugendorganisation sind geteilt. Die einen betrachten sie als nicht wünschenswerte Separation, die der Einigkeit des jüdischen Volkes in Jugoslawien schaden konnte, die anderen aber sind der Meinung, daß durch eine besondere sephardische Jugendorganisation die großen Massen der sephardischen Jugend bester zu erfasten sind. Die Jungsepharden anerkennen die Einheit des jüdischen-Volfes, Me in der Generaldebatte zu sehen war, wird i>er Jugendverband nicht mehr als ein einheitlicher Verband geführt werden können, sondern als eine Rahmenorganisation, in welcher sich einzelne Jngendverbände autonom entwickeln werden. Es wurde weiter beschlossen, eine große Propaganda in Bosnien und besonders in Südserbien durchzuführen. F i A j n a l. Las Reicheehrenmal ans rem alten jüdischen Friedhof. In der am 26. Juli abgehaltenen Konferenz der Landeshauptleute und Oberpräsidenten der Rheinprovinz und Hessen- Nastau, an welcher auch die Verbände der Frontkämpfer, Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen tei ln ahmen, sprachen sich sämtliche Delegierten für die Errichtung des Ehrenmals auf der' Toteninsel bei Lorch aus. Diesem Projekt stinnnieu auch die Vertreter des Stahlhelms und des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold aus den beiden Provinzen zu. Hiezu bemerkt das „Kölner Jüdische Wochenblatt": „In Anbetracht dcLn, daß die Lorcher Toteuinsel das Ehrenmal kragen wird, di^e es interessieren, etwas von der Geschichte dieser Stätte zu evfahren, um so mehr, als sie uns Juden direkt angeht. Die Totcninsel hat ihren Namen davon, daß in früheren Jahrhunderten die Juden in niauchen vheinischeu Städten ihre Toten ans dieser Insel zur letzten Ruhe brachten, da ihnen verivehrt war, in ihren Heimatorten einen eigenen Friedhof zu unterhalten. Noch heute findet sich auf dieser Insel ein umfangreicher, vollständig verfallener Friedhof, der aus jenen Zeiten stannnt und von dem die Gedenksteine znm Teil von den .Rheinwellen weggeschwemnlt, zum Teil von den Anwohnern zn Bauzwecken verwendet wurden. Nur wenige Reste alter jüdischer Denkmäler sind verblieben." Eine jüdische Zeitschrift in Marokko. Am 22. Juli erschien in Casablanca die erste Nummer der jüdischen Zeitschrift in französischer Sprache „L'Avenir Jlluftre". Als Herausgeber und Chefredakteur zeichnet I. Thursz tn Casablanca, der in seinem Pro« grammartlkel erklärt, ein unparteiisches jüdisches Matt zur Wahrung der Interessen der nordafrikanljchen Juden bieten zu wollen. Thursz selbst gehört zn den eifrigsten Zionisten in Marokko. Der hundertste Geburtstag von Charles Retter. In den September dieses Jahres fällt der 100. Geburtstag des berühmten Mitbegründers der Alliance Israelit« Universelle, Wharles Netter. Wie uns berichtet wird, werden sowohl ia Frankreich und den französischen PrytektoratSaebieten wie auch in Palästina Vorbereitungen zur würdigen Begehmta dieses Tages getroffen. Charles Netter war, wenn auch auf Drängen russischer Äiowewe- Zion, der Gründer der ersten jüdischen Mnstersarm und landwirtschaftlichen Schule „Mirweh Israel" in der Nähe von Jaffa, die sehr viel zur Heranbildung moderner Agronomen und »andivirtc beigetragen hat. Unter den verschiedenen Aktionen zur Ehrung seiner Andenkens hat die Anregung, ihn ins Golden« Buch des Jüdiscl-en Nationalfonds einzutrage», lebhaften Anftans gefunden.

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