Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2675 (4.8.1926)
- Date
- 1926-08-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Hr . 2675 Wen, Mittwoch» Wiener Msksrnzeittr«« '4. August 1926 KM S Tagesbericht. Ein Nachens Leon Kellners für zangwill. In der „Neuen Freien Presse" widmet Professor Leon Kellner dem verstorbenen Dichter Israel Za n gw ill einen .Nachruf, dem die folgende Stelle im^Wortlant entnommen sei: . . In: Jahre 1897 wohnte-er dem ersten zionistischen Kongreß in Basel bei. Bei der Eröffnung kannte seine Begeisterung keine Grenzen. In seinem Ueberschwang tat er es den unbeherrschtesten Teilnehmern gleich, ging sogar darüber hinaus. Er lachte und iveinte wie ein Kind. Ein Jahr darauf verhöhnte er sich selbst, war voller Zweifel, zerfaserte sein Fühlen, hatte alle Hoffnung verloren. „Warum ich in Basel mit den anderen zum Kind geworden war? Ich will das erzählen. Ein englischer Reisender hatte ein MaoriklNd im zartesten Alter seinen Eltern abgekanft und nach England gebracht. Der Knabe zeigte gute Fähigkeiten und bekam eine gute Erziehung in einem vortrefflichen Gymnasium; später kan: er nach Oxford und wählte den geistlichen Stand. Er wollte Missionär werden, um seinen Stammesgenossen das Heil zu verkünden. Er ging nach Australien und suchte die Maoris auf. Er traf sie gerade dabei, wie sie ihrem Götzen opferten und einen ihrer wilden religiösen Tänze zu barbarischer Musik aufführten. Was, glauben Sie, geschah? Er riß sich die europäischen Kleider vorn Leibe, drängte sich in den Kreis der Tanzcnlden und heulte lauter als alle!" „Und dann?" fragte, ich. Zangwill sah mich mit seiner traurigen Ironie an. „Dann? Dann schämte er sich und schämt sich bis auf den heutigen Tag." Die Nutzanwendung liegt nahe. Aber sie ist in diesem Falle falsch. Zangwill hat sich nicht geschämt und er hat bis zum Ugandakougreß an jedem Zionistenkongreß tcilgenommen. Er hat immer gewußt, daß das Maorikind zu den Maoris gehört, auch ivenn es nicht in Oxford erzogen wurde. Hat sich nicht Professor Kellner geirrt? Die Pogromgreuel in der Mraina. Die Reise des Schriftstellers Leeoche. Der französische Schriftsteller Lecoche, -der zur Erforschung der Geschichte der von den Pctljura-Battden veranstalteten Judenpogrome nach Rußland reist, 'halle in Kiew eine längere Besprechung mit dem Advokaten M r zk i c w i c z, einen: der genauesten Kenner der Geschichte der ukrainischen Judenmassakers. Lecoche erklärte, daß die Mitteilungen Mizkiewicz', an dessen Auchcntizität nicht ge- .zweifelt werden könne, ihm erst die Ungeheuerlichkeit jener ker Ocfftntlichikeit der zivilisierten Welt bisher fast unbekannt gebliebenen blutigen Ereignisse vor Augen geführt halben. Sie ubcchcigt die Vorstellungen der kühnsten Phantasie. Lecoche hält es nicht für ausgeschlossen, daß Advokat Mizkrewicz von» Pariser Gerichtshof als Zeuge und Experte im S chw a r; 'b a r t h - P r o z e ß einvernommen werden wird. Der Prozeß Schwarzbnrth. K. Paris, 3. August. Der Chefredakteur des New-Dorker „Äkorniüg Journal", Jäkclb F i s h m a n, der auf der Rückreise von London wieder hier weilte, teilt seinem Blatte mit, daß man sich auf eine sehr heftige Attacke der ukrainischen Kreise im Verlaufe des kommenden Prozesses gegen Schwarzbarth gefaßt machen müsse. Der Delegierte des dänischen Roten Kreuzes in Prosknrow für Schwnrzbarth. L. Warschau, 3. August. Wie Ihr Korrespondent erfahrt, h.it Tr. S ch a ch n o w s k i, der gewesene Delegierte des dänischen Roten Kreuzes in Prosknrow, an D:^ Mizkiewiez in Kiew ein Schreiben gerichtet des Inhaltes, daß er bereit .sei, in dem bevcrstchcudcn Schwarzbarth-Prozeß in Paris/ als Zeuge aufzutreten. Er könne in der bestimmtesten Weise erklären, daß P e t l j u r a s Schuld an den Pogromen feststehe. Aer ßolnW-rnssische Eisenbahnverkehr. L. Warschau, 3. August. Heute hat in Pose n eine Konferenz von Verirrten: der polm che«: und russischen E seubabnverwal» Imin begonnen. Die Beratung gilt der Regelung des Eisenbahn- Verkehrs ^vi cher« den beiden Staaten. Ser Magdeburger SnstkMndal. Der Knutionsschwin-ler Schröder. Berlin, 3. August. In der Magdeburger Mordaffäre Helling ist heute ein weiterer Fortschritt in den Erhebungen erfolgt. Zwei Kriminalbeamten haben in K ö l n die Hansangestellte Hildegard Götze, die Braut des Verhafteten Schröder festgenommen. Die Verhaftete wird nach Magdeburg überstellt werden. Die Götze steht in dem dringenden Verdacht der M i tw i s s e r s ch a f t au dem Kapitalverbrechen, das an Helling verübt wurde. Die beschlagnahmten Briefe, die Schröder an seine Braut geschrieben hat, beweisen, daß Schröder Personen in seine Wohnung gelockt hat, unter dem Vorwand, ihnen eine Stellung verschaffen zu können, aber die Zahlung von Kautionen als Vorbedingungen stellte. Es wird mit Sicherheit angenonrmen, daß der Ermordete Helling sich ebenfalls um eilte Stelle bei Schröder beworben hat und zu diesem Zwecke auch in der Wohnung Schröders erschienen ist. Helling hat sich aus diesem Grunde auch 600 Mark a l s K a u t i o n von B e k a n u t c it ausgeliehen, die er dann tatsächlich dem Schröder übergebcrr haben dürfte. Es ist zu erwarten, daß angesichts dieses sehr belastenden Aussagennlatcrials in die ganze Mor-dasfäre Aufklärurlg gebracht wird. Schröders Rnnbmcrd erwiesen. Magdeburg, 3. August/ Von den Berliner Kommissären Bnsdor f, Tr. R i e m a n u und Rasch w i tz sind in der Mordsachc Helling weitere Ermittlungen im Aufträge der L a n d e s k r i m i u a l p o l i z e i d i r e k t i o ir airgestellt worden, arrf Grund deren die Berliner Krimiiralpolizci den g e nr e i n eu R a u b m o v d, begangen vom Schröder, als erwiesen ansicht. Ein Telcgraiuln des vereidigten Schießsachversländigen Dr. Metzger (Stuttgart) erklärt, daß die Kugeln im Kopfe Hellings ohne jeder: Zweifel arrs dem Revolver Schröders stammen. Man sieht bei der Berliner Kriminalpolizei als sicher an, daß Schröder den Helling in sein Ha ns lockte und dort ermordete, um ihn: die 600 Mark Kaution zu ranben, die Helling auf Grund eines Inserates Schröders mitgenommen batte. Trotzdem bleibt der Magdeburger Urrtersnchrlngsrichter K ö l l i n g dabei, daß sich das Netz der Untersuchungen immer enger um die Person des Direktors Haas znsammerrziehe. Er sei im Besitze schwerer:, zum Teil neuer: belastenden Materials, daß an eine Haftentlassung entgegen der. Ansicht Berlins gar nicht zu denken sei. Nach seiner Ansicht komme nur Mord ans Anstiftung in Frage. Er werde auf jeden Fall seine Untersuchung trotz des Ergebnisses der Berliner Ermittlnngen fortsetze::. ttafaH eines italienischen Lustschiffes. Rom, 3. Anglist. Das Lcnklnftschiff 2, das den an Bord des Dampfers ,Biance Mario" befindlichen italienischen Nordpo lfahrern das Ehrengeleite gegeben hatie, mußte auf dem Rückflug wegen eines unvorhergesehenen Zwischenfalles etwa zwanzig Kilometer von G a e t a n i e d ergeh e n. Dabei fielen der Major F e r y und der technische Leiter R o s s i in daS Meer und gingen unter. Das Luftschiff wurde von rasch herbeigeeilten Kriegsschiffen abgeschleppt. Es wird wieder instand gesetzt werden. Sie Erschließung SbersalilHas. Unser Jerusalemer Korrespondent schreibt uns: Wer, wie der palästinensische Berichterstatter jüdischer Blätter gezwungen ist, gerade in letzter Zeit so viele llnerfrenliche Dinge zu melden, wird mit um so größerer Genugtuung einige Fortschritte verzeichnet. Nachdem die Regierung im Zusammenhang mit der Drusengefahr die Chaufiee Safe d—M etullah gebaut hat unb damit der: ersten Schritt zur Erschließung Obergaliläas getan hat, ist nunmehr die Chaussee Akk o—S afed dem Verkehr übergeben worden. Damit gewinnt Safed, das bisher nach Westeli überhaupt keine Verbindung hatte und das von Haifa ans nur auf dem riesigen Umweg über T i b e r i a s zu erreichen war, eine -direkte s ch n e l l e 'V e r b i n d u n g mit A k k o und Haifa. Die Länge der nellen Chaussee beträgt 55 Kilometer. Der Weg rvon Haifa nach Safed, der bisher über Tlberias-Rosch Pilffah j 110 Kilometer betrug, wird damit um nicht weniger als 45 Kilometer verkürzt, so daß man i: Zukunft bequem in 1,6 bis 2 Stunden im Auto von Haifa nach Safed kommen kann. Natürlich wird dadurch agch dieEntfernng von Haifa zur Nordgrenze bei Metullah entsprechend verkürzt. Die Chairssee wird hoffentlich dazu beitragen, Safed einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung zu geben und wird hoffentlich den: großen Teil Obergaliäas, den die Chausse-e durchschneidet, der jüdischen Kolonisation erschließen. Auch Jerusalem hat in diesen Tagen einen Schritt vorwärts getan. Die neue Wasserleitung von Ain-Farah nach Jerusalem ist fertiggestellt und feierlich dem Verkehr übergeben worden. Wie errinnerlich, hat Mawromatis, nachdem seine Konzession bestätigt war, ihre Ausübung der englischen Firma, John Jackson, übertragen. Das Problem einer endgültigen modernen und ausreichenden Wasserversorgung Jerusalems wird von dieser Firma in: L' von zwei Jahren gelöst werden. Was in diesem Vierteljahr imcits geschehen ist, nämlich die Wasserleitung von Ain-Farah, bedeutet jedenfalls schon eine sehr fühlbare Erleichterung für die unter dem Wassermangel so schwer leidende Bevölkerung Jerusalems. Der Stadt selbst kommt übrigens nicht das nnndestc Verdienst an diesem Fortschritt zu, der vielmehr durch direkte Verhandlungen der Regierung mit den in Betracht kommenden Firmen erreicht wurde. Es zeigt sich erneut, das die arabischen Stadtverwaltungen nicht das notwendige Verständnis für die Aufgaben einer modernen Stadtverwaltung haben; hat man doch Jaffa, Haifa und Liberias die Versorgung mit elektrischer Kraft durch die Ruthenberg-Werke gerade;n aufdrängen müssen! Der Prozeß der Lady Ruffell entschiede». Aus London, 1. August, wird gemeldet: Der Londoner Gerichtshof unter Vorsitz des Richters Swift I>at gestern in einer Verhandlung, -die alle Merkmale einer gesellschaftlichen Sensation an sich trug, dem Klagebegehren der geschiedenen Lady Cristabcl Russell, gebornen Hart, der Gattin des Hon. John Hugo Russell, -des ältesten Sohnes und Erben des Earl of Ampthill, auf Feststellung der Legitimität ihres viereinhalbjährigen Sohnes Geoffrey Russell stattgegeben und entschieden, daß das Kind ehelich -geboren und somit der legitin:e Erbe de sA m Pt hi-l Ischen Vermögens sei. Der Ehezwist in: Hause Russell bildet seit Jahre«: Gesprächsstoff der Londoner Gesellschaft. Lord John Russell heiratete vor etwa sechs Jahren die durch außerordentliche Schönheit ausgezeichnete Cristabel Hart, wobei der Lord mit seiner Gattin die absonderliche Vereinbarung traf, daß die Ehe nicht vollzogen werden müsse. Tatsächlich lebte das Ehepaar in dem Londoner Palais des Lords ständig in getrennten Schlaf« z i m in e r n. Als nun Lady Russell vor viereinhalb Jahre«: einem Knaben das Leben schenkte, brachte Lord Russell gegen seine Gattin die Scheidungsklage ein, mit der Begründung, daß seine Frau Ehebruch begangen habe und daß das Kind nicht von «hm sei. Das Londoner Gericht sprach in erster Instanz die Gräfin schuldig und sprach die Trennung der Ehe aus dem Verschulden der Gattin aus. Lady Russell appellierte gegen dieses Urteil an ein R: ch t e r k o l leg in m des Oberhauses, das unter Vorsitz Lord Birken he ads das Urteil aufhob und den angeblichen Ehebruch der Gräfin als nicht erwiesen erklärte. Nnnmehr brachte Lady Russell eine Zivilklage auf gerichtliche Feststellung.der Legitimität ihres Kindes ein und gewann diese«: Prozeß durch das -heute erflossene Erkenntnis des Londoner Gerichtshofes. Die Kosten in diesen: vierjährigen Sensations-Prozeß belaufe«: sich bisher, de«: Blättern zufolge, auf mehr als 50.000 Pfund. Lord Ampthill, -dessen ältester Sohn und Erbe der Hon. John Hugo Russell ist, gilt als einer der r e ich st e n Großgrundbesitzer Englands. Lady Russell betätigt« sich seit ihrer Scheidung, da ihr Gatte ihr jede. materielle Unterstützung entzog, zunächst als Modistin und ist derzeit Filmschau s p iel x r i n. Var "" “ in JomueWnsen.*) n. ' - Die Berweudnngs- und Entwicksungsrnöglichkeiten, welche für die moderne Musik in den m e ch a n «scheu I » st r u m e nteil (Pi-anolö, Orchcstrion u. a. m.) liegen, wurden von den -schasietDen Tondichter«: bisher' so gut wie gar nicht beachtete Ab- . gesehen vo«, gelegentliche«: Versuchen, für Glockenspiel oder Spieldosen kürzere, schablonenhafte Stückchen zu schreiben, gab es da überhaupt leine Originalmusi'k. Wahllos bearbeitete man Operu- , un-ö Konzenmnsik für Musikautomaten, ohne zu bedenken, daß der Geist. beziehungsweise umgekehrt, die Loblosigkeit dieser Instrumente -eine ganz andere besondere Musik erfordere. Diese Musik strebt ei«:e -u'll-stäichige Entpersönlichung an, einen reinen Mechanismus, wie er . i«: technischen Zeitalter der Maschine feine Berechtigung hat, sie will vollständig gefühllos und in ihrem Vortrag objektiv, mathematlsch - genau n«:d unveränderlich sein. Um diese«: Zweck zu erreichen, wind sie nicht von: Künstler persönlich gespielt,, solider«: auf technischem Wege n >: m ittelbar auf die Platte g e st a n z t, wodurch j-ede ' Zufälligkeit und jedes Gefühlsmoment im Vortrage ausgeschlossen ist. Die Musik wirkt danüt kühl und starr, aber auch — dank der Vollkommenheit -der heutige«: Technik — viel klarer als in: persönlichen Bortrage «n:d die Möglichkeiten der dynamischen Nuanei-erung in: Vorträge sind hier ungleich mannigfaltiger. Dazü ' kommt noch, daß die mechanischen Kompositionen aus die begrenzten 1 physischen -Kräfte des Spielers, der nur zwei Hände hat, kei«:e Rücksichte«: zu nehmen brauchen, sie können etwa im Orgelspiele für; *) Siehe Nr. 2670 der „Wiener Morgenzeitung" .von:; 30. Julj. beliebig viele Manuale, Pedale und Register gesetzt -sein, sie können auf dem elektrischen Klavier eine«: -ungleich reicheren, vollgriffigeren Satz als bisher zu«:: Klingen bringe««, sie können schließlich mit ganz geringfügige«: Kosten, ioelche durch die einmalige Herstellung der Platten und die Transportkosten des Instrumentes entstehen, ein ganzes Orchester ersetzen, wodurch wohl einerseits mit -der fortschreitenden Mechanisierung der Musik ihre lebendige Seele -gefährdet ist, andererseits aber durch Popularisierung guter, neuer Musik zu billigen Preisen lveite«: Bolksschichte«: geholfen sei«: «nag. Diese Musik steht wohl Vorderhaus «roch in den erste«: Anfängen, -immerhin verstehen sich Paul Hindenrith und Ernst Toch in ihren Originalkornpositioire«: für mechanisches Klavier schr gut ar«f -das gleichmäßige Passagenwerk, auf das Steift, Marionettenhafte des Musikalitoinate,:. Hindenrith hat übrigens auch für eirre «nechailische Orgel ein Ballett -geschrieben, das in seirr-em groiesike«: Wesen irgendwie an Busonis ^Arlecchino" erinnert. Oskar Schlenrmer, vorn Bauhaus in. Dessa«:, der szenische Schöpfer dieses „triadischen Ballettes", welches von Daisy Sp-ies (Berliner Sta-atseper), Karl von Hacht und Karl Heiningh (Dessaner Friedrichs-Theater) ganz reizend getanzt lvurde, nennt das Ballett „ir-iadisch", . weil hier lauter Dreiheiten: drei Favben rot, blau-gelb, drei Grundformen: Kugel, Kubus, Pymnride usw. arrf der n:echanischen Bühne znfammenwirken. Hier «ft alles entrpersönl-icht, selbst ei,:e Lickesszene — tvenn h-ier übe «Haupt -noch von Harrdlun-g -nrid Ideen -die Rede sein kann — wirikt gefühllos, gleichsam objektiviert. Mit staunenswerter Techltik lvciß die routinierte, klallgr-eiche M««fi-k Hindeinichs über wenig Einfall hinlve-g zu voltigieren. Neben der Förderung der nr-echanische«: Jnstvmnente hat sich das Mnsikftst in Donaue-jchingen die Miede:erlvecku«:g der alten Bläser- -und M i l i t ä r m u s i k angelegen sein lassen. Z«: dieser Idee, die Wohl gleichfalls von Hir:dem-ith ausgeht, wurde er Wohl durch die Erinrrerung an die klassische Zeit der alten Sere«:a-den -und Divertimenti ^bestimmt, wenir-gleich seine für diesen .Anlaß komponierte ,F!onzertm:n-sik s-ür Blasorchester Op. .41" mit den schlnisisige«: Bariatior^n über den Prirrz Eugen-Marsch — «md ebenso das „Spiel sür Militärorchester" von Ernst T o ch, in welchem ein wahres Feuerwerk an brillantem Klang abgebranitt wird — mit der Gesühlsseligkeit jener guten alten Zeit ga'r nichts gernei-nsam haben und siir einfache Bieru,:d Gartenmusik, die ihn: vorgeschwebt haben mag, in ihrer -grotesken GrunD'ftimmung gänzlich ungeeignet sind. Und ebensowenig sind die drei Militärnmrsche von Ernst K r e n e k, die von Strawinski und Exotis««:cn nicht los'kommen, keine deutschen Märsche, weder zun: Marschieren, noch als Prgmeiradennursik für ein großes Publikum. Alle diese Kompositionen sind eben viel zu zerebral erfunden und klanglich viel zu modern orientiert um in den eirrfachen Bolksschichte«: Widerhall z«: fi«:den. Jmmechiu mögen auch alle. diese Ideen in der Durchführung vorlälrfig -nicht geglückt soin, schon das Streben, a-rrf moderner Grilndlage ettvas für die Poprrlarifierung der Musik z>« tu-«:, verdient Da«:k und Anerkennung u«:d fast scheint es, als ob das, tvas den großen Mllsik- und Kulturzentren nicht gel-ii:ge» will — die «noderne Musik populär zu nvachen — in den allsomlnerlicher: Tagungen in dem kleine«: Donaueschi«:geu infolge der zielbewußten L'oitrrng der Musikftste im engsten Rahmen an kl-oir«sten Anfä-rrgei« allmählich Aussicht auf Erfolg hätte. Dr. Erwin Felder. 7625