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Wiener Morgenzeitung · 1926-08-04 · Heft 2675 (4.8.1926) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2675 (4.8.1926)
Date
1926-08-04
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Gert« S mm, Mitrwoch Mene« MoLtzenzettuns 4. Av-ch 1926 Nr. 2678 Me große Konzeptton des Nonlsmns. Welrmann: In den nächste« Jahren immer wieder 40.080 Menschen nach Palästina. Me Tagung des gionWchen AkNonrkomNees. — Die Neeen-Saleffod-debatte. Die neunte Sitzung wurde am 28. Juli nachmittags vom Präsidenten Motzkin eröffnet. Es wurde zunächst eine Anzahl von Telegrammen verlesen, vor allem eines von Lord Balfour, der für die Glückwünsche anläßlich seines Geburtstages dankte. Das Referat über die Arbeit des Keren Hajessod erstattete Dr. Bertold Feiwel. Er führte aus: Das Direktorium des Keren Hajessod hat sich nur mit der einen Hälfte seiner Funktionen zn beschäftigen, nämlich mit der Aufbringung der Geldmittel; über ihre Verwendung in Palästina hat es keine Kontrolle, sondern der Kongreß, beziehungsweise das Aktionskomitee beschließt das Budget der Palästinaarbeit und der Keren Hajessod hat nur das Geld dafür zur Verfügung zu stellen. Was nun die Aufbringung der Mittel anlangt, so erhalte das Direktorium regelmäßig eine sehr große Anzahl von Vorschlägen, von denen aber nur ein kleiner Teil tatsächlich zur Anwendung gebracht werden könne. Daß der Keren Hajessod seine Aufgabe nur in einem beschränkten Maß erfüllen könne, habe seine Ursache zunächst in der vöfligm Ausschaltung des russischen Judentums, in det Wen'Zeit auch die schweren wirtschaftlichen Krisen in einer Reihe von europäischen Ländern. Der Referent beschäftigte sich mit der Lage der Arbeit in einer Reihe von einzelnen Ländern. Die Grundlage des Keren Hajessod sei die Konzentrierung der besten Kräfte des Zionismus aus die zentrale Aufgabe, den Aufbau Palästinas. Er sei auf dem Gedanken des Maasser ausgebaut und stelle gewissermaßen die Steuerverpflichtung eines jeden Zionisten gegenüber seinem entstehenden Staatswesen dar. Leider sei es nicht gelungen, dieses Prinzip in ausreichendem Maß zu verwirklichen. Es gebe noch s e h.r bedeutende Reserven von zionistisch eingestellten Inden, die bisher vom Keren Hajessod noch nicht ergriffen wurden. Es sei bedauerlich, wenn der Versuch gemacht werde, den Keren Hajessod als eine Geldmaschine darzustellen. Der Keren Hajesfod habe nicht nur eine materielle Funktion, sondern er gewinne den Menschen für den Gedanken Palästinas. Das Volk müsse zum Zionismus erzogen werden und das gelinge in einem hohen. Maß durch den Keren Hajessod. Für das nächste Jahr sei eine erhebliche Steigerung der Nngange notwendig und diese Steigerung könne auch erzielt werden, wenn die.Zionistische Organisation und jedes Mitglied des Aktionskomitees seine Pflicht dem Keren Hajessod gegenüber erfülle. Es sprachen sodann die Herren Jean Fischer, Leo Hermann, Wilensky, Morris Samuel, Alexander Goldstein, Leib Jaffa, Landau, Twerskh und Kurt Blumenfeld. In der zehnten Sitzung sprachen die Herren Naiditsch, Dr. Ruseisen, Dr. Feldman», Hestmann, Dr. Granovsky, Leo Hermann und Rubaschow. Hierauf erhält Präsident Dr. Weizmann das Wort zur Schlußrede in: bet Keren-Hajessod-Debatte. Herr Dr. Weizmann führt folgendes aus: Die Stimmung soll nicht vergessen werden, die hier zu Beginn der Tagung vorhanden war. Pie Aktionskomiteesitzung war von Anfang an von der Ueberzeugung erfüllt, daß ein Maximum der Anstrengungen notwendig ist, um gesunde finanzielle Grundlagen für ein großes Aufbauwerk zu schaffen. Diese Ueberzeugung ist auch in den Reden von B i a l i k und R e m e s zum Ausdruck gebracht worden und mutz alle unsere weiteren Schritte leiten. Es wird davon gesprochen, daß in den zionistischen Kreisen Europas eine defajtjstischeStimmungvorhanden ist. Aber ich glaube doch, haß trotz der schwierigen Lage in Europa die finanziellen Möglichkeiten nicht erschöpft sind. Wir haben hier von einzelnen unserer Freunde gehört, dqtz an vielen Orten hke Zionisten schwer gesündigt haben. Piesleicht kann die Organisation eines oder zweier K e r e n - H a j e s s o d - M o n a t e, in denen -ie Zionisten sich ausschließlich für den Keren Hajessod zur Verfügung stellen, auch das Resultat in Europa erheblich verbessern. Was aber Amerika anbetrifst, so ist die Schätzung, die u, der Rede von Herrn B i a l j k znm Ausdruck kam, nicht ganz gerecht. Die Zionisten Amerikas, das kleine Häuflein, das mitten im Kampfe steht, unterscheidet sich nicht von den Zionisten der übrigen West. Sie verstehen alle unsere Probleme sehr wohl. Sie arbeiten aber in einem Milieu, das zionistisch weniger erzogen ist als etwa in Deutschland, In Deutschland hot 35 Jahre hindurch eine Generation der besten Männer gearbeitet. Wenn man diese. Arbeit mutatis mutandis auch in Amerika durchführt, so wird auch Amerika die besten Resultate haben. Dessen sind f WerbetAbormentensür die I; „Wiener Morgenzeitung" 1 sich die Zionisten Amerikas selbst voll bewußt. Das bringt mich zu der Frage, die Herr Rubaschow hier als Sprecher der Arbeiterschaft behandelt hat. Heute und von hier ergeht von mir die Forderung an alle, die Mitarbeiten können, zur Arbeit. Ich habe schon Tr. Arlosoroff aufgefordert, im Oktober nach Amerika zu gehen, auch wenn er auf seinem Posten eine Lücke hlnterläßt, wie auch ich vielleicht hier eine Lücke hinterlasse, wenn ich auf Monate nach Amerika gehe. Ich erlaube mir auch, an einige hervorragende Zionisten Amerikas die Aufforderung und Einladung zu richten, vor allem an Dr. W i s e und Dr. S i l v e r, sich für drei oder vier Monate absolut zur Verfügung des Keren Hajessod zu stellen. Ich weiß, was das bedeutet, aber — ich tue dasselbe. Wir müssen in Amerika eine ungeheuer große Arbeit leisten Aus die Gefahr hin, vielen als Träumer zu erscheinen, möchte ich eiü Bekenntnis oblegen: Ich glaube an den Gedankengang, den Herr Remes in sein Projekt gelegt hat. Wenn man richtig vorbereitet und nicht von. der Voraussetzung ausgeht, und es nicht so darstellt, daß der Keren Hajessod abgewirtschaftet hat, sondern wenn man die Konzeption vertritt, daß alles, was wir bisher geschaffen haben, eine Vorbereitung war, läßt sich das Große erreichen. Wir sind in der Lage, zu erklären, daß wir wissen,' wie man in Palästina kolonisiert. Wir kennen die Schwierigkeiten des Landes und des Klimas. Wir kennen auch die Schwierigkeiten des M e n s ch e n m a t e r i a ls, wir wissen aber, in welcher Weise und mit welchen Mitteln diese Schwierigkeiten überwunden werden können. Das ist mehr, als in Bezug auf andere Projekte, vor allem in Bezug auf die Krim gesagt werden kann. Diese Sicherheit ist der wertvollste Besitz, den wir haben, der Glaube an die palästinensische Erve und die Arbeit des jüdischen Pioniers in Erez Israel. Wenn' wir dem jüdischen Volk sagen, daß in Palästina hinreichend Platz ist für Zehntausende und Zehntausende Juden, weu-n wir sogar sagen können, daß unsere Arbeit über die Grenzen hinausgehen kann, wenn wir nur ein starkes Zentrum aufbauen, so ist das eine große Konzeption, an die ich mit voller Ueberzeugung glaube. Die nächste Arbeit der Delegation mutz Parin bestehen, den Boden für die Ausführurtg dieser Konzeption vorzubereiten, das Bewußtsein hervorzurusen, daß es so wke bisher nicht weiter gehen kann, daß aber die Möglichkeiten für Größeres vorhanden, sind, wenn unsere Anstrengungen groß genug werden. Ich glaube nicht nur daran, daß es möglich ist, in absehbarer Zeit die große jüdische Gemeinschaft in Palästina zu sichaffen. I ch w i H s i e selbst sehen! Hätte ich nicht diesen Glauben, so wäre ich schon müde, aber ich glaube mit ganzer Kraft, daß ich dieses Ziel in zehn Jahren sehen werde. Wenn wir alle diesenbrennenden D » V: st nach der Erfüllung haben, svird die Anstrengung kommen, die not tut. Ohne ihn zermürben wir die Kraft der Chaluzim ans den Felder«, von Erez Israel und nnsere eigene. Wir Haben an den Männern, die für den Keren Hajesfod arbeiten, Raubwirtschaft getrieben, wie an denen, die an der Kampffront in Palästina stehen. Wenn man an diese große Konzeption glaubt, so wird der Keren Hajessod im großen Stile wachsen. Hunderte von Menschen von großen Qualitäten wird man für diese Arbeit brauchen und mutz sie geistig vorbereitet Für diese große Konzeption und ihre Verwirklichung haben wir alle Prämissen, u n s fehlt nur das ausreichende Geld. Vielleicht gelingt es uns, ich glaube daran, daß man es in einer großen Anstrengung, vielleicht als Anleihe auf 10 Jahre aufbringen kann. Wezyi ein Wise. ein Silver und alle unsere amerikanischest Freunde mit dem Glaubest an diese Möglichkeit und Notwendigkeit in Amerika ausziehest, von Stadt zu Stadt, dann werden wir eine» durchschlagenden Erfolg haben, dann können wir das ganz« Geld haben, von dem wir träumen. Es ist für nns bereit in den Taschen des jüdischen Volkes. Wenn wir zu den Herzen, zur Einbildungskraft und Phantasie der Juden den Weg finden, finden wir ihn auch zu ihren Taschen. Heute haben wir eine ganz andere Basis als noch vor drei Jahren. In den Tagen der Leitung von Brandeis, sagte mir B r a u deis: „Kommen Sie mit einem großen Proj e t t!" Jetzj haben wir alle Plane, wir haben di« Mensch«», nnd haben vor der Welt und vor «ns bewiesen» daß mau mit Juden unter den schwierigsten Verhältnissen Palästina kolonisieren kann. Man kan.» uns nicht vorwerfen, daß wir keinen Plan haben und von der Hand in den Mund leben müssen. Bor uns steht eine gewaltige Kulturaufgabe, wenn wir die Sümpfe und wüsten Flächen Palästinas fruchtbar machen, wir Juden, mit unseren Kräften, unserem Geld und unserer Intelligenz, so ivarideln wir auch wie mit magischer Kraft unsere politisch« Position. Allen Regierungen, Parlamenten, Völkern der Welt können wir sagen: „Das haben wir geschaffen. Was habet Ihr getan?" Diese ungeheure Sache können wir mit den Millionen Dollar durchführen, die jeder Teil unserßr Konzeption braucht. Aber dazu muß man die heilige Unruhe in sich tragen und sie auch den Inden m» uns Mitteilen können. Das können wir tun, das können viele von «ns tun, wenn sie auf sich die apostolische Mission nehmen, von Stadt zu Stadt zu gehen nnd von Land zu Land. Dann wird auch die technische Frage der Unkosten ihre Bedeutung verlieren. Ich habe versucht, in diesen Sitzungen des Aktionskomitees zu vergessen, daß es politische Fraktionen im Zionismus gibt. Die Ausgabe verlangt einen gewissen Burgfrieden, eine Union saeroe. Man darf einem nicht in den Rücken fallen. Ich spreche zu den Männern., auf deren Schultern die Verantwortung lastet. Mir brennt es unter den Nägeln; sooft ich nach Palästina komme, brennt es noch stärker. Ich sehe die Unzulänglichkeit unserer Mittel; ich glaube, wenn man die große Konzeption, die vor uns steht, an jeden Juden heranbringt, dann werden wir auf dem nächsten Kongreß einen schönen und großen Kongreß haben, einen Kongreß mit einem Plan und Horizont. Glauben Sie mir,, die Regierungen der Welt, vor allem die englische, werden sich wie mit einem Schlag in ihrer Haltung zu unserer Arbeit ändern. Unter den bisherigen Verhältnissen war der Weg in d l« Downing Street für mich oft ein Dornenweg, da ich von der Stoßkraft der zionistischen Idee zwar wußte, aber nicht immer in der Lage war, sie zu beweisen. Jetzt ist Palästina eine Realität. Auch die Regierung kennt jedes Detail dieser Realität; jeder Schritt ist schwer, wird einmal aber dieser große Stoß gemacht, so wird auch die politische Lage verwandelt. Wir können alle Faktoren überzeugen, so lange fie glauben, daß der Tag kommen wird, daß wir diesen großen Schritt tun. Nur wenn wir in Unserer Arbeit st a r k sind, wenn wir selbst leistungsfähig sind, können wir auch voll ausnützen, was die allgemeine Entwicklung des Landes uns an Chancen gibt. Argumente helfen so lange in Verhandlungen, als bei dem Partner der Glauben vorhanden ilt, das; wir selbst imstande sind, ein wirklich großes Werk zu vollftthren. Diesen Glauben können wir einflötzen, wenn wir ihn selbst haben. Deswegen bin ich mit meinem Freunde Morris S am. u e l nicht ganz einverstanden, wenn er glaubt, daß der Kampf immer nur langsam vor sich gehen kann. Selbstverständlich müssen wir auch diesen langsamen Kampf kämpfen« Aber es mutz alles geschehen, was möglich ist, um die flache Kurve mit einem Ruck in die Höhe zu biegen. Ich hin sicherlich kein Phantast. Ich stehe für geduldige und systematische Arbeit. Ich habe sie immer nicht nur gepredigt, sondern auch getan. Aber ich sehe auch andere Möglichkeiten, wenn sie vorhanden sind. Meine Konzeption ist sestgelegt durch den Willen, i n d e n n 8 ch st e n I a h r e n i m m e r Wieder 4 0.0 0 0 Menschen ins Land zu bring e n. Dazu ist eine große Anstrengung notwendig. Ich glaube, diese Anstrengung ist möglich für die Männer in diesem Saal, wenn sie an sich glauben, an die Sache glauben. Ich möchte, daß allen die Zahlen vor Augen stehen, an die ich denke. Für uns kommt es darauf an, aus den 18 Prozent unseres Anteils an der palästinensischen Bevölkerung 33 Prozent zu machen. Das ist nicht die Majorität I a b o t i n s k h s, aber «s ist die qualitative Majorität. Sie könne» wir erreichen, aus unserer jetzigen Position heraus, wenn wir daran glauben. Heute giht man u«s Kredit, wie überhaupt die Juden oft mehr Kredit erhalten, als sie sich selbst Zutrauen. Nützen wir diese Möglichkeit aus! Ich sage das alles als ein Arbeiter im Feld, mit dem Vollen Glauben an das amerikanische Judentum. Wir müssen das amerikanische Judentum mit Verständnis für die tiefe Bedeutung seines Schicksals ansehen. Es ist ein Wunder geschehen, daß die Juden, die vor 40 Jahren aus Europa gejagt wurden, jetzt imstande sind. Heu größten Anteil für das Werk des Ausbaues von Palästina zu liefern. Machen Sie aus diesem Wunder eine Realität: es liegt in Ihrer Hand. Ich habe vielleicht niemals eine Minute in Amerika zugebracht, ohne dafür ein moralisches, politisches und finanzielles Equivaleut zn schaffe«. Jeder, den wir bitten werden, der muß kommen, ganz gleichgültig, wo er arbeitet, und ob er eine Lücke hinterläßt, wenn er unserem Rufe folgt. Das ist d i e z e n t r a l e Aufgabe. Wenn wir sie vorbereiten und zum nächsten Kongreß gls ein großes Ganzes, mit neuem frischen Mut kommen, werden wir den Stoß vollbringen. An mir soll es nicht fehlen. Ich Haffe, es wird auch am Aktionskomitee und an der ganzen Zionistischen Organisation nicht fehlen. (Stürmischer Beifall.) HM «der Port Fiud. Der palästinensische Hasen. Wie toir bereits berichteten, hat Präsident Weiz« m a n u am Donnerstag in der Sitzung des Zwnfftischen Aktionskomitees erklärt, daß der Hase» Palästinas unbedingt Nu r i n H Alfa, nicht aber in dem am Eingang zum Suezkanal gelegenen Port F u a d errichtet werden wwd, Die Anlegung des Halens in Port Fuad war zuerst hon dem Direktor der palästinensischen Eisenbahnen Kolonel Holmes Vovgvschlagön worden, der sich von diesem Projekt eine tvesentliche Verstärkung des Eisenbahnverkehrs durch Umleitung der Güterbeförderung verspricht. Die jüdischen kaufmännischen Kreise lehnten jedoch den Plan, den Kolonel Holmes in einer Bersannnlung entwickelte, sofort ab. Aus Kreisen der Palästinaregierung wird mit allem Nachdruck erklärt, daß nur Haifa als Hasen in Betracht kommen könne. mm

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