Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2672 (1.8.1926)
- Date
- 1926-08-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Ätttt, Hsnittss 99itfttf Msi^enzerm«« i. trtr^reti xe-at» 3lr. 2672 ^;;;illlllllllllllllllllllll!lll!lllllllllllllll!llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll!llllllllllllllll!lii Illllülllllllllltllllllllllllllll KlIlilllilllllllllllllllllHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIItllllllllllllllHIHIIIIIIHIIHIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIfllli? «.Möbelfabrik J. Spira Gerichtsfaal. Eqmout Colerus: „Zwei Welten." Paul-Zsoluay.Berlag, Men. 1926. Ein interessanter, ein spannender Nomon. Und doch: sind sucht siebenhundert Seiten zu viel, geht nicht di« Psychologifch- .dichtcrische Wahrheit in der Ilcbcrsülle der Ereignisse verloren?! .Komprimiert ist Historie noch genießbar, ober so Mit- und breit- und longg^ogeu wirkt sie ein wenig schul meisterhast und patriarcha lisch und findet konm den Weg zu unseren .Herzen. Colerus ist ober ein sehr geschickter, begabter und lebendiger Schriftsteller. (Wenn auch nicht unbedingt ein Dichter.) Er weiß in die Alben teuer, Fahrten und Erlebnisse Marco Polos, des venezianischen Kaufherrn, der am Hose des tatarischen Großlkhans höhe Würden erlangte, eine verbindende Idee hineinzudeuten, die dem Ganzen -den Anschein einer über das rein Gegenständliche hinansrayenden iDichtnng verleihen sollte. Der Schein „leuchtet", es bleibt aber!doch nur ein Schein. Die dualistische Philosophie patzt besonders zum chinesischen -Kolorit des Romans. Die chinesische Legende vom Kampf der ^beiden Drachen um die Perle der Vollkommenheit, die der Autor!mit sicherer Gewandtheit sowohl in den Lauf der Dinge der ^Welt als auch in das Innenleben des Holden hineürspielen lätzt,; fügt sich glänzend in die Gedanken-- und Gefühlswelt des wunder illichen Mittelreiches ein. In Venedig, dessen Schilderung Colerus entschieden plastischer und lebendiger geilang, bleibt aber das ganze „Zwei-Welten"-Problcm ein wenig in der Luft hängen Trotz der sehr wirksamen Konfrontierung (deus-ex-machina-Lösung!) iMareo Polos, des Großen in der Materie, mit — Dante, dem -Großen im Geist, am Schluß des Buches. Erst in dieser etwas -plötzlich arrangierten Schlußszene des Romans erfahren wir die ^einfache Lösung des lange hiugezogenen Rätsels: der Mensch muß Zich entscheiden. „Stets wird nur eine Welt zur Tat, die andere zur Reue!" Wenn um.dieser Weisheit willen das dicke Buch geschrieben wurde, dann war die Muhe zumindest — zu z groß. Es ließ sich straffer machen. Was der Roman an der kurzen, i prägnanten, „unhistorischen" Sprache gewann, das verdarb die -,Iust zum Fabulieren". Von den Gestatten sind neben Marco Polo am besten die!Frauen gezeichnet. Francesca, Melissa, ' Li-ping-erch sind sehr! interessante, sozusagen „durchsichtig" gemalte Franenporträts. Ihr« wnuderbaren Leiber sind bei Colerus fast immer nur von leichter, durchscheinender Seide umhüllt, es gelingt ihm aber, auch gleichzeitig ihre Seelen und Köpfchen zu durchleuchten. Iw: - Gegensatz zu den Männern, über die viel gesprochen wird, ohne i daß man sie ganz deutlich sehen kann. Wuchtig hingeworfen ist die ' Gestalt des treuen Dieners Enrico. Er steht da und schon kennt i man ihn gut. Ein schätzenswerter Roman. Womit alles gs-sagt jse'm soll: das Positive und Negative; die Grenze ist dadurch bej stimmt. Das reiche, farbige Material belehrend und unterhaltend — in manchen Teilen, aber nur in manchen, wie ein Roman; für die reifere Jugend —, die Bemühung und einige Szenen und; Gestalten achtungs- und bemerkenstvert; das Werk nicht iiberi ragend. Es wird im Rahmen der Historie bleiben. Leopold Thaler. Theodor Heinrich Mäher: David findet Wtrm. L. Staakmann Verlag, Leipzig. David ist alt geworden. Schwer -lastet das Alter auf ihm -und der Wunsch nach ewigem Leben oder dem Untergang alles! dessen, was ist und lebt und nach ihm erst zum Leben bestimmt ist. Er, der König in Israel, ist gleich dem Millionsten in Israel, - der, geboren worden, gelebt, gezeugt hat und gestorben ist, aus daß das Gezeugte ihn des Lebens enterbe, selbst lebe, selbst zeuge und selbst sterbe. Der Fluch des Väter ist der Sohn. Mitanscl)en mutzte er, wie das Volk sich von ihm abwendet, um Salomo, dem tvcisen Rechtsprccher zuzujubeln und der jungen, wilden Schönheit Absalons. Die Kraft des Geistes und des Körpers weicht. Phantasien der Erinnerung an ehemals mit trunkener Freude Erlebtes, ' das nie inehr wicdcrkehreu soll, das nur noch schal und leer im Gedächtnis nachklingt, zerwühlen ihn. Er kennt nur noch den Willen zur Vernichtung alles Geschaffenen, weil es nicht zn unendlichem Sein geschaffen ist, sondern nur zum Wirken für, das Koiumende. Ein Hohn ist ihm das, und' er höhnt Gott. Wie er ihm einst huldigte, als er vor der Lade des Bundes tanzte, so rebelliert er jetzt gegen ihn, indem er den Tanz des Todes tanzt, - den Tanz des Alten, das sterben will initsamt dem, was es geschaffen hat, den Tanz des Willens znr Vernichtung. Erst die Empörung des Sohnes Absalon und die glühende, jenseitige, aber vcm irdischen Leben fruchtende Liebe des göttlich schönen Mädchens Abisag bringen ihm den Sinn des Todes und der ewigen Erneuerung. Versöhnlich, schöu, vom göttlichen Sinn erleuchtet, stirbt der Held David. Mit ausreichend gestaltender Phantasie und knapper Diktion ist der Roman geschrieben. Der Wille zum Leben - und das Ringen um das Leben, seinen Sinn verlierend und ihn immer wiederftndend, Kennzeichen der Königsgestalt des antiken j Israel und Symbol des ganzen Volkes Israel, ist hier bei einem j Dichter und einem moderne artistische Tricks vermeidenden behütenden Erzähler iuteressanter Vorwurf geworden. P. H. Amor in Biedermeier. Ein« empfindsame Geschichte a-us dem «Heu Wien von Karl Adolf Mayer. Koehler und Amelanfl. Leipzig. Sehr gut gemeint, diese picksiitze Altwieuer Liebesgeschichte. Ein Bürgerhaus (in dem natürlich Schubert verkehrt), Freyuug^ Urbönikeller, der alte Staffel u. s. f. Aber man sieht weder dal oftc Wien, noch seine Menschen, noch spürt man auch nur eire) Hauch der Kultur von damals. Ein süffiges Büchet, anziel durch seine Belcheidenbeit — aber recht überflüssig. / feine Wohnungseinrichtungen Win. III. Sieftenstemsasse 1—2 (Ecke Karl-Schweighoter-Qasse) 1V2 BLAIMSCHEINS SEKB&TCDMA Margarine B nPlIlIr Unerreicht ln Qualität und Preis i Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwörden des Herrn Obeirabbiners 8. Fürst Orvweo'w aoii0 w n naan am nrwn r,nn> Ueberä n erhältlich ii28v KARL BLAIMSCHEINS vereinigte Margarine-und Butterfabriken, Wien, 14. Bezirk. Diefenbachgasse 59 KUNSTMÖBELFABRIK WE. 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Dieser Band, der ansgewählte Werke enthält, ans allen Teilen seines durchaus nicht engen Schaffcnsgebietes — Ge schichte, Ncisebeschreibungen, allgemeine Betrachtungen ans dem „Demokritos" — ist geeignet, ihn für einen größeren Leserkreis neu erstehen zu lassen und diesem nicht nur für den „Demokritos", mehr noch vielleicht für seine interessanten geschichtlichen Darstellungen zu interessieren. Weber, der in einer-Zeit schöpferischer Gestaltung deutschen Schrifttums lebte und in der lna,er lösten geschichtlichen Epoche des Deutschtums, war, wie wenige seiner Zeit ein deutscher Schriftsteller. Dies im vollln Sinne sowohl des Hauptals auch des Beiwortes. Er ging/von der Gegebenheit .des deutschen Volkstums aus, dessen Eivhöit ihm in seinem geläuterten nationalen Sinne Vorwegnahn^e und Ziel war, weshalb er sich sein Verlieren in die damals herrschenden Richtungen des literarischen Aesthetizismus und der.-Wosophischen metaphysischen Spekulation verbieten zu müssen/glaubte. Er wollte nichts anderes als ein deutscher nationaler Aufklärer sein. Er hatte im Gegensatz zn den misten seiner literarischen Zeitgenossen einen politischen Willen/den er in allen seinen Schriften hervorkehrte mit deutlicher Sponung des Didaktischen, Erziehungsmäßigcn. Und er könne an seine Aufgabe mit deni Rüstzeug des Humors, gründlicher/ geisteswissenschaftlicher Kenntnisse und schriftstellerischer Uuozhäugigkeit Herangehen. Die Distanz der Zeit, die ihn von u# trennt, läßt ihn uns als solchen fruchtbaren Aufklärer unk/Erziehcr, wie ihn ein im Werden begriffenes und um seinempolitischen Willen ringendes Volk notig hat, erkennen, als eine/ wie er reiner, voraussetzungsloser, ehrlicher und fruchtbringe^cr nicht gedacht werden kann. Das innerste Wesen seines Mes kennend, von keiner ans ihm selbst kommenden Ideologe beschwert, führt er auf leichte, graziöse, darum aber nicht/ miwer gründliche und wirksame Art den Kampf gegen seit/ Bidersachcr r>i|jj den Waffen des Humors und der BelehriM ,b den eigentlichen ursprünglichen, das Volk beeinflussend/ Schriftsteller .reHifertigend. Denn alles, was ihm in diesem pune beachtcns-, hejahens- und verneinenswert schien, zog er/n den Kreis seiner reinigenden Betrachtung, die nichts als fc« Ansicht erhärtende. Polemik darstellt. Polemisierend ist die Wstellung geschichtlicher Zeitabschnitte, der Völkerkunde, der MkSgebräuchd und -Neigungeu, der Religion, der Sprache und fr Kultur, i Wieviel boil dem, gegen das er spricht, ist heute noch wahr, und Wieviel von dem, was bei ihm zu lesen ist, ist heute noch bcarl mswert, wL überhaupt. weniges, was er geschrieben hat als inzlich vergüt anzusehen ist. Deshalb ist der schöne Band in d Ausgabe Tempelklassiker sehr begrüßenswert. P. H. Dir ,,Z«Nz--Platt«". Ans W i e n e r - N e n st a d t wirb berichtet: Vor einem Schöffensenate des hiesigen Kreisgerichtes haste sich die sogenannte si>eu.-P!a!:e wegen Verbrechens des Diebstahls, bczw. der DiebstahILieilnehmung zu' verantworten. Augeklagt waren der Hilssarbeiler Franz Zenz, dessen Brüder Karl und Simon, seine Briil: Leöpoldme Hölm.'ing und der A l te i s c n h ä n d l e r Leopold Latzelsberger. Franz Zenz, der Führer der Platte, suchte während der Unteriiichungshaft aus dem Arrest auszubrechen, indem er sich in Hausschuhen in die Sohlen kleine Sägen t i n* nähe n ließ. Diese wurden jedoch bei der Visitation gefunden. In der lKacht zum 2k Februar gegen 2 Uhr früh wurden, wie seinerzeit berichtet, in -er Rielallwärcusabrik in Oed mehrere Männer unter verdächtigen Umständen betreten und verfolgt. Einer von ihnen gab auf den Nachtwächter hiebei einen Schuß ab weshalb dieser von der Verfolgung ablictz und die Arbeiter des Walzwerkes verständiatr Am Tawr:e wurden Kupferbarreu im Gewichte u^... zirka 390 Kilogramm gesunden, welche die Täter ans der Fincht znrückgelassen halten. Es wurde festgejtcllt. -aß auf mehreren Beniezügen KnpsS' im Wcr:e von in.de vis -7000 Schilling ron dieser Partie gestohlen iv'nde» war. Auch andere Einbrüche und Diebstahl.' werden 'der Bande zur Last gelegt. 2 n nt 11 i ch e Angeklagten wurden schuldig erkannt. Franz Zenz wurde zu 8 Jahren, Karl zn 9 Jahren, Latzelsberger z>> füus Jahren. Simon Jen', zu 8 Monaten uns die Hölmling zu vier Monareu schweren Kerkers verurteilt. Bei der Nrteilsvrrkündi.ng spielten sich im Gerichtssaale w ü st e Szenen ab. Eine Frau aus dem Anaitorinn^ begann laut zu schreien, belegte den Senat mit allen erdenklichen Schimpfnamen und wurde, wählend Uraus dem Saale e Franz Zenz auf, _ __ Zitat aus dem „Göh" entgegen. Er mußte mit Gewalt in die Felle geschasst werden. Tie Erregung über das ilrtcil setzte^sich unter dent Anhang der Platte noch bis auf die Straße fort. 'Sämtliche Ber- - urteilte hielten sich Bedenkzeit ofscu. t Zen tri Jahren ... ... r , ........... poueutin tätig. Im heu>:g,'„ Frusahr kam man daraus, das; sie serr vier Jahren rasfirucrte Betrügereien zum Schaden der Firma m der Höhe von mehr als einer Milliarde Kronen begangen harte. Der Buchhalter Ins.'; L a ck n e r «deckte durch falsche Buchungen sie Uirterschleife Dre beiden Hanen sich g.stern vor einem Schöffensena: unter dem Vorsitz des Oberlandesgerichlsrates Hell m e r zn verantworten. Leopoldine Zafouk unterhielt mit dem obn eines Klavterfabrikanten ein Verhältnis und wollte mit :hm men erhielt Lackner zusammen 20.000 Schfling. Beide Angeklagten waren dieser Betrügereien geständig. Tie Zafv-nk bekannte ilch^nur teilweise schuldig. Das alternde Mädchen mit stark ergrautem Haar trägt einen langen, grauen Spitalsmantel, da sie sich im Jnquyitenspital in Pflege befindet. Sie leidet an einem Geleuksrheumat'.smus, die Folge eines Mo:orradunsalles. der ihr knapp vor ihrer roerhaftung zugcstoßen ist. Der Gerichtshof erkannte die Angeklagte des Verbrechens des Betruges schuldig und vcrurtellre du- Zasonk zu 18 Monaten, den Lackner zu 9 Monaten schwenm Kerkers. Letzterem wurde auf sein Ansuchen ein zweimouatiger Ltrafansschub gewayrt. m. „Haischa".Eine Monatsschrift, her-ausgegeben von der Or ation hebräscher FrauenOr Palästina und der OrganisaU.-. -pMischer Freien tu AMika .Hadassa-. Die dritte Ruinwc. die/r palästineftschen FraueMitschrist^ stiegt mm vor. Ans der la«en Reihe da intereMntenMnsiätze. die fast alle Gebiete jtt- ' fiter Frauentftgkeit in PMitina berühre,!, seien folgende genannt: chmann. «Mer und Söhne", Lea Seliger, „Unsere Pflichten seren KInM gegenüber". Rechama Schorr. „Die Erziehnngk- > llnterriMrage bet Erwachsenen".I Kaufmann. „Das ehrerimie»/"Nr Gärlnerimreillennilar in Tlel-Amiw". Helene Manna Zw, „Else Lasker-Schüller*. „Gedichte" von Else Lasker- Schüller-Meinmatm. „Ruhe", Dr. Grünfelder. „Bemerkungen zur - Dola Oster. „Was sollen wir anzieben V Femer eill<|Ä! a*>1 von Bemerlmtgm, Nachrichten, Berichten und eine Merle? ssntekuatiousle». Zn den vielen Juterilatioualen, die um Macht und Einfluß iu der Welt ringen, ist dieser Tage eine neue hinzngekommen: die „eiserne Internationale". Frankreich, Belgieit, Luxemburg, Deutschland, Oesterreich und die Tschechoslowakei, also die wichtigsten ersenproduzierenden Länder Europas, haben sich über die wichtige Voraussetzung einer Verteilung der Interessensphären auf den Absatzmät'kteu — die Preise — geeinigt und die Folge wird eine Milderung des Konkurrenzkanrpfes der nationalen Eisenindustrien sein, die künftig auf streng fixierte Llbsatzguoten werden rechnen können. Die Angst/ diese Quelle schlechter Entschlüsse und verhängnisvoller Handlungen, dürfte zum größten Teile zurückgedrängt werden, wenn die Eisenindustrie des einen Landes nicht .mehr zu besorgen haben wird, daß sic ans dem heimischen Markte der Ueberlegenheit der fremden zum Opfer falten könnte. Tie maßgebenden Eisenindustrien Europas wären im wesentlichen einig und brauchten nicht mehr au die von ihnen beherrschte staatliche Gewalt zu appellieren, dainit sie durch Entflammung der nationalistischen Instinkte eine Haßatmosphäre schaffe, deren Energie sich im Bedarfsfälle iu das „nützliche" Geschäft des Krieges umsetzen läßt. Tenn der Krieg bringt Lieferungen, der Krieg schaltet vor allem den ausländischen Konkurrenten vom heimischen Markt aus, und der Krieg, der in solcher Weise allen von der Eisenindustrie abhängigen Industrien erhöhte Beschäftigung schafft, vermag zunächst die im Hiuterlaude Arbeit und Erwerb suchende Masse darüber hinwegzutäuschen, daß sie einem - Moloch dient, der früher oder später von ihr selbst seinen Tribut mit zwingender Gelvalt heischen wird. Um einige hundert Millionen Gulden der Industrie zu verdienen, scheuten sich die weisen Staatslenker Europas nicht, Milliarden und Milliarden in Rauch und Flammen ausgehen zu lassen. Die Paar hundert Millionen, die unmittelbar durch den Krieg hereiugebracht zu werden pflegen, täuschten die Völker Europas: sie gestatteten es den Wortführern der „nationalen Begeisterung" den die Wohlfahrt vernichtenden Charakter -des Krieges zn leugnen, und so durfte mau es wagen, den Völkern zn beweisen, daß er eilt Element der göttlichen Weltordnung sei, '«gen die sich airfzulehuen, törichtes Beginnen wäre. In Wirklich« ..l ging es um ein beschleunigtes Tempo einer Vermögcnsumjchichtnng, die, weil sie sich im Rahmen des normalen Handelsverkehres der Nationen nicht nach Wunsch bewerkstelligen UeL. mit künstlichen Mitteln dirigiert wurde. Es wäre übertriebener Optimismus, wollte man behaupten, daß diese Mentalität völlig entwurzelt und der Einsicht in die ökonomischen Notwendigkeiten gewichen sei. Bon der Kriegsmentalität gilt das Wort „der Widersacher ruht nicht" in vollem Umfange, aber vorläufig fehlt ihm die Gelegenheit zur Betätigung — die Kriegsmacher wissen, daß diese Generation wirtschaftlich viel zu sehr geschwächt ist, um sich in neue Kriegs- \