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Wiener Morgenzeitung · 1926-08-01 · Heft 2672 (1.8.1926) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
8 (1926)
Issue
Heft 2672 (1.8.1926)
Date
1926-08-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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SM 4 SS!««. Stmnla- Mener WfttmnttUttn* i. W'g',st im Nr. 5^72 Den Koeffizienten der Eheschließungen, das heißt die Zahl der Trauungen aus je tOOO Seelen des betreffenden Bevölkcrungsteiles, gibt die folgende Tabelle an. Jahr Juden Nichtjuden 1S81-1800 4,69 6,25 1891-1900 6,38 10.15 1901—1910 7,3t 9.52 1011-1914 5,52 10.67 1915-1918 4.33 7.52 1919-1924 10,40 13,49 1925 6,73 9.80 Ausfallend sind die großen Schwankungen in bcn einzelnen Perioden sowohl bei den Juden als auch bei den Nichtjuden, wobei auf beiden Seiten bis zum Kriegsausbruch ein allmähliches Ansteigen in der absoluten Zahl zu bemerket! ist. Die niedrigere Zahl der jüdischen Eheschließungen in dem Jahrzehnt 1880 bis 1890 dürfte auch noch darauf zurückzuführe» sein, daß damals bei den Juden noch häufiger rituelle Trauungen üblich waren, die, als nicht entsprechend den Bestimmungen des Eherechtes, nicht als Ehen angesehen und in die Statistik nicht ausgenommen werden konnten. In den ersten Nachkriegsjahren (1919 bis 1922) findet infolge der Rückkehr von Militärangehörigen ans dem Felde, die durch ihre Erlebnisse gereift waren und in den durch die Inflation geschaffenen Wirtschaftverhältnissen mit ihren leichteren Verdienstmöglichkeiten etwas Dauerndes erblickten, ein plötzliches Aufschnellen der Eheschließungen statt; durch die rapide Verschlechterung der Wirtschaftslage aus dem Taumel des Rcichtnmphantoms gerissen, hielt sich in den folgenden Jahren die Bevölkerung vom Eingehen einer Ehe zurück, so daß die Zahl der Eheschließungen wieder sank. Die in den letzten Tagen in allen Wiener Zeitungen erschienene Nachricht von einem plötzlichen stärkeren Sinken der Eheschließungen in Wien stellt sich bei näherer Betrachtung und unter Berücksichtigung der oben angeführten Umstände als nicht ganz richtig dar. Die Eheschließnugsziffer in Len Jahren 1923, 1924 und 1925 bildet, bei Berücksichtigung des Umstandes, daß die Bevölkerungszahl Wiens gesunken ist, die Friedenszahl. Jrn Jahre 1900 entfielen auf 1000 nichtjüdische Seelen 9,99 Eheschließungen und im Jahre 1925 beliefen sie sich auf 9,80, also eine ganz minimale Abnahme. Die obigen Tabellen lehren uns ferner, daß d i e Z a h l d e r T r a u u n g e n b c i d e n I u d e n st c t s k l e in e r w a r als bei den N i ch t j u d e n und sich auch ständig verkleinerte. In den ersten Kriegsjahren findet eine Abnahme wie bei der allgemeinen Bevölkerung statt, wenn auch nicht in dem gleichen Ausmaß wie bei dieser; 1915 eine Zunahme, die Prozentuell aber geringer ist als die der Nichtjuden, da die Inden im vollen Bewußtsein der Verantwortung und des Ernstes eines solchen Schrittes Kriegstrauungen mieden. Interessant und gleichzeitig besorgniserregend ist die Frage der Mischehen. § 61 unteres a. b. G.-B. lautet: „Eheverträge zwischen Christen und Personen, welche sich nicht zur christlichen Religion bekennen, können nicht gültig cingegangen werden." Dagegen ist die Ehe zwischen Christen und Konfessionslosen gestattet. Wenn also eine jüdische mit einer christlichen Person eine Ehe eingehen will, muß sie enttveder zur christlichen Religion übertreten oder konfessionslos werden; oder aber der christliche Teil mnß als konfessionslos sich erklären oder zum Judentum übertreten. Beiiu Uebertriit zur christlichen oder jüdischen Religion liegt in der Statistik keine Mischehe vor; sonst wird sie statistisch nur als Ehe mit einem Konfessionslosen erfaßt. Nur diese zuletzt genannten Ehen gelten in der österreichischen Statistik als Mischehen. Es werden aber auch nicht wenige Ehen eines Christen mit einem Konfessionslosen solche mit einem Juden sein, da in der Regel der jüdische Teil in der Frage des Religionswechsels der nachgiebigere ist, so daß tatsächlich die Zahl der Mischehen größer ist als die in der statistischen Aufnahme enthaltene Ziffer anzeigt. Im nachfolgenden bringen wir ein« Zusammenstellung der Mischehen seit dem Jahre 1881: reht jüdische Ehen Mi'chehen zwilchen Juden und flott* Jahr fesstonSlosen in ads Zahlen Prozent der rein jüdischen 1881—18^4 390 43 10.8 1865-1894 638 48 89 1895-1899 839 76 9.1 1900-1903 864 92 10,7 1904-1907 963 107 11,1 1908-1910 1083 143 13,4 1911-1914 1016 205 20.0 1916-1918 817 215 26.5 1919 1358 426 31,4 Wir sehen also ein regelmäßiges und erschreckendes A nst e i g e n d t r Mischehe n. 1919 stand bereits drei rein jüdischen Ehen eine Mischehe gegenüber, so daß ein Viertel aller von Juden überhaupt geschlossenen Ehen Mischehen waren. Das Verhältnis der Zahl der Mischehen zu den reinen Ehen bei Juden und Nichtjuden gibt die nachstehende Tabelle wieder. Auf 1000 reine Ehen entfallen Mischehen: Jahr bei Juden bet Nichtjuden 1914 20,83 2.79 1916 14,26 3,23 1916 19,89 3,11 1917 21,06 3,49 1918 18,36 5,81 1919 31,42 2,96 Wir sehen also, daß in den Kriegsjahren speziell bei den Nichtjuden die Zahl der Mischehen stieg. Wahrscheinlich ist dies daraus zurückzuführen. daß die Brautleute zum Teilt sich jetzt entschlossen, ein früheres dauerndes Verhältnis zu legitimieren, wobei auch iu Betracht kam, der in der Heimat zurückbleibenden Frau itnb eventuell Kindern die materielle Unterstützung zu verschaffen, die durch die Kriegsgesctze den Familien der Eingerückten eiugeräumt war. Die Anzahl der von I u d e n eiugegaugeueu Mischehen ist inehr als zehnmal so groß als die der Nichtjuden. Besonders ist darauf hinzuweisen. daß gleich im ersten Jahre nach Beendigung des Krieges die Zahl der Mischehen bei den Nichtjuden fast auf die Zahl des letzten Friedensjahres sinkt, während sic bei den Juden ein geradezu frappierendes Emporschnellen aufweist. Bor dem Ende des Budoprster Kommunisten- Prozesses. (Eigendicnst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 31. Juli. Die P l a i d o y e r s int RaLosi-Prozeß wurden heute beendet. Der Staatsanwalt machte von dem Rechte der Replik keinen Gebrauch, worauf die Angeklagten das Schlußwort echieltcn. Rakosi bezeichnete sich und seine Genossen als Patrioten, die int Kampfe um das Wohl des Volkes keine Grenzen kennen. Die Hoffnung Ungarns, die alten Grenzen des Landes durch außenpolitische Verbindungen wieder herzustellen, seren ganz unbegründet. Die alten Grenzen würden nur vom Proletariat und von Sowjetrußland wieder hergestellt werden. Cs sprachen dann noch die Angeklagten Oeri, Gögös und Frau T o k h, tvorarrf die Verhandlung auf Montag vertagt wurde. Der MagdrSnrger Fustizskandal. (Eigendicnst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 31. Juli. Wie die „Vossische Zeitung" berichtet, halten sich die Berliner K r i m inalbeamten dauernd im Magdeburger Polizeipräsidium auf, un: gegebenenfalls dem Untersuchungsrichter zur Verfügung zu stehen. Wie d-ie Blätter wissen wollen, soll das Material der Berliner Beamten ausreichen, die Täterschaft Schröders einwandfrei f e stz u st e l l e n sowie die vollkommene Unschuld Haas' und Fischers zu beweisen. Nach dem „Lokalanzeiger" hat der deulschnationale Landlagsabgeordnete des Landkreises Magdeburg, Prof. Mayer, beim Oberstaatsanlvalt in Berlin 1 Strafantrag gegen den preußischen Minister des Innern S e v e r i n g und den Leiter der Landcskriminalpolizci Dr. Weiß wegen Begünstigung der Mörder des Buchhalters H ö l l i n g gestellt. 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