Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2671 (31.7.1926)
- Date
- 1926-07-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Hk. Ml Gien. Samstag Tagesbericht. Rathenaus Mutter. Das edle, vornehme Wesen von Walter Rathenaus Mutter, deren Tod wir gestern meldeten, wiegelt die nachstehende Unterredung wider, welche Ernst Norlind mit der Greisin hatte. Sie ist dem bei Karl Reitzner, Dresden, erschienenen Buche: „Gespräche und Briefe Walter Rathenaus" entnommen. „Den Prozeß gegen die Mörder Rathenaus hatte noch im : letzten Augeniblick eine große menschliche Pointe: als der Brief der Geheimrätin Rathenau an Frau Techow — einer Mutter Brief an Hne Mutter — verlesen wurde. Mitten im Wirbel von Klei-ngeisterei, Kriecherei, halben Lügen und Ausflüchten, inmitten geschickter Juristenkniffe und Latzverdrehungen, erklangen rein menschliche Töne aus gesltnder LebenKatnrosphäre und tiafech Leibensquellen. Ich tzvar ganz erfüllt von dem Inhalt des Bri^es, als ich . in einer Droschke durch Nebel uub heftigen Platzregen nach der Viktoria,strvße 3, dem alten Besitz der Rathenaus, fuhr. Der Brief way nicht die Ursache meines Besuches, obwohl es gut hätte so srin können. Die Droschke hielt vor einem der vornehmen Häuser des Westens. Innen war inan augenblicklich von Schönheit und Kunst umgeben. Eeine Hauskastellanin führte mich in ein Zimmer des Seiten Stsckes, dessen Möbel und Kunstwerke ausgesprochen persincklchen Geschmack bekundeten. Der Raum atmete Feiertagsruhe. Nur eine Uhr tickte, sonst herrschte Schweigen; auch kein Straßenlänn störte die Ruhe. Walter Rathenau war ein großer, stattlicher Mann. Die Frau dagegen, die nun eintrat, war klein. Sie hatte schwere Augenlider und tausend Fältchen und Runzeln im Gesicht. Aber ihre Stimme war ungewöhnlich klangvoll. Ich sprach meinen Tank für den Brief aus, der kürzlich in den Zeitungen veröffentlicht war. Als ich den Brief erwähnte, reckte sie Kopf und Schultern hoch und die Augenlider hoben sich. „Welchen Brief?" — „Den Brief, der vor Gericht verlesen wurde; Ihr Brief!" — „An wen?" —. „An Techows Mutter." — „Wie in aller Welt wissen S i e davon? Ich zog einen Ausschnitt aus der Kopctchagcner „Politiken" hervor und übersetzte: „Sagen Sie Ihrem Sohn, daß ich im Nrimen und im Sinne meines Sohnes ihm verzeihe, wie auch Gott ihm verzeihen wird, wenn er dem irdischen Richter volles Bekenntnis abgelegt und vor Gottes Richtorilvyl seine Tat bereut. Hätte er meinen Sohn gekannt, den edelsten Menschen dieser Erde, würde er wohl eher die Masse gegen sich selbst als auf meinen Sohn gerichtet haben." „Mas für eine Zeitung ist das?" fragte sie mit leichtem Erröten. , „Eine dänische," erwiderte ich, „Politiken"." „Ich hörte, daß mein Brief in deutschen Zeitungen wiedergcaeben wurde, und war darüber so bedrückt wie seit langem nicht." „War der Brief nicht für das Gericht bestimmt?" fragte ich bestürzt. ' I Wiener Msrsenzertüns „Nein", sagte sie bestimmt. Glauben Die, daß dieser Brief in mehreren Zeitungen erschienen ist?" ,ßt ist durch die Weltpresse gegangen und war der letzte große Moment des Prozesses." Ich sagte ihr, daß dieser Brief ein Stück Weltgewissen und von solcher Größe sei, die alles Kleinliche des Prozesses übertöne. Aufs neue versank sie eine Weile in Schrveigen. Tann: „Ich will Ihnen erzählen, wie dieser Brief entstand. Eine Zeit nach dem Morde wurde mir gesagt, daß Frau Techow sich nicht öffentlich zeigen könne, ohne daß man sie beschimpfte. Dies ergriff mich so tief, daß ich ihr sofort schrieb. Es war, als wenn mein Sohn mir die Worte eingav. Gerade so würde er gehandelt haben. Bedenken sie die Lage dieser armen Mutter im Verhältnis zur meinigen: Sie hat ebenso viel, ja mehr verloren als ich. Sie mußte sich ihres Sohns schämen, ich konnte, aus den meinigen stolz sein. Als mein Schn starb, erhielt ich tausend und abertausend Briefe und Telegramme aus der ganzen Welt, Frau Techow dagegen empfing täglich cbeizso viele Beweise von Verachtung und Unwillen, und was war da wohl natürlicher, als daß ich ihr schrieb? Ich war die einzige, die sie trösten konnte . . . Können Sie sich rorstellcn, daß wirklich jentand zu mir kam und äußerte, daß wohl nicht viele Mütter so gehandelt haben würden? Können Sie das verstehen? Ich habe niemals einen Menschen gehaßt, wie sollten mir jetzt solche Gefühle 'kommen? Mein Verlust konnte mir dadurch doch nicht ersetzt werden. Das Gericht hat inzwischen den Brief aufbewahrt und ich begreife, daß er eine gewisse Bedeutung hatte, als er vorgelesen wurde, bevor das Urteil gefällt wurde. Geschrieben ist er aber schon gleich nach dem Mord ..." Die Beisetzung. Berlin, 30. Juli. Die Beisetzung der Mutter Malter Rathenaus wird, wie eine hiesige Korrespondenz erführt, in aller Stille in der Familiengruft in Oberschönewalde erfolgen, in der ihr Gatte und die Heiden Sohne Erich und Walter bereits ruhen. Am Tag des Eturres Herriots. In der Baseler „Nationalzeitung" schildert ein Augenzeuge bie. Vorgänge des 21. Juli, des Tages, an dem die Panik in Paris herrschte und Hcrriot gestürzt wurde. ES war am Mittag. Drückende Hitze stieg aus dem heißen Asphalt auf Ein Antocar. ein Ungetüm der Urzeit, knurrte über den Platz der Concorde und bog in die Champs-Elysees ein. Amerikaner, die bekannten Gesichter, mit Kautabak und Pfeifen im Munde, dickwangige Schönheiten der neuen Welt, mit neuen Sommerhüten und Kleidern des alten Kontinents frisch verseh.m, guckten mit großen Augen in die grünen Anlagen, zur Seine hinüber, znm Eiffelturm, durch die Avenue., Ratsch, da wachten sie ans ihren Betrachtungen unsanft ans. Ein paar oh! und ah! Eifrige Hände, die zerschlagene Hornbrillengläser ans dem Boden des Gefährtes zusammcnsnchten, schwielige Hände, die sich betrübten Gesichtes die Stirne rieben. Der Antocar war mir einem Taxameter znsammengestoßen. Verwundet war niemand, der Wagen unbeschädigt. Der Taxameter hätte sich, etwas hinkend zwar, aber immerhin noch auf vier Beinen, ebenfalls weiter helfen können. Aber die Pariser wollten es anders. I 3t. Jus? tm Seite 3 («roffiatfsoAe Zahnaasta) in Gläsern S "Z60 »ne Tuben s 2.40, h tobetub« S —.90 zeichnet s<cT vor anderen Zahnpasten dadurch aus, daß sie die Zähne In korzir 2«'t blendend w IB r?)> rttgt und garantiert tinschäd ich 18t. Dabei hat Twerdys De tifloie e.nen nächst angenehmen ei frischenden Geschmack. — lieber all erhältlich. 144 Apotheke „zum goldenen Hirschen11 des Ad W. Twerdy, Wien, I. Kohimarkt Nr. I I Kaum standen die beiden Wagen still, so stürzte sich auch schon eine ganze Mente drauf los. Feine Herren mit dem Stocke, d e m. b e k a n n 1 e n Zeichen der F a s z i st e n bewaffnet; Arbeiter mit dem Spaten in der Hand, Chauffeure anderer Taxi, müßige Spaziergänger, alle eilten herbei und begannen die Fremden zu bedrohen, sie zu beschimpfen, anszuäfsen und a n s z n p f e i f e n. Ein Luxuswagen nahte, geführt von einem FranzrHe«. Aber im Coupe selber saß zufällig sein Geschäftsfreund, ein Engländer. Der Franzose hielt gezwungenermaßen an; denn die beiden Wagen, die znsrinmengestoßen waren, verbarrikadierten die Straße. Der Franzose, um freie Bahn zu bekommen, suchte zu intervenieren und nahm die Fremden in Schutz. Ta wandte sich die Menge gegen ihn! Mit Püffen und Stößen wurde der gutherzige Landsmann gar übel zngerichtet. Ein Knall, und die Pneus seines Automobils platzten, durchschnitten von seinen Taschenmessern. Erst als ein Trupp fahrender Polizei herankam, beruhigte sich die Menge und zerstreute sich langsam. Am Abend desselben Tages. Die Antocars, „Paris Night" standen wie immer an den Grands Boulevards bereit, die Fremden im lichterfüllten Paris herumzüfnhren. Sie waren bereits voll besetzt. Amerikaner waren in der Mehrzahl, aber es saßen auch Schweizer im Gefährt und Engländer, ja sogar ein paar Provinzler. Man kannte sie übrigens nicht, der Platz ist nicht so hell, und also niachten sich ein paar Burschen, die nichts besseres zu tun hatten, daran, die Fremden a u s z u p f e i f e.n. Seit Primo de Ribera also empfangen wurde, wendet man dieses zügige Verfahren jedermann gegenüber an. Wer aber die Pariser Boulevards und den Nachtbetrieb darauf kennt, kann sich leicht vorstellen, daß sich alsobald Leute genug einfanden, die mitzumachen bereit waren. Es ist schwer, eine ziisammengelanfene Menge nachts zu schätzen, aber so viel ich. von meinem Taxameter aus sehen konnte, waren es ein paar tausend Personen. Die brüllten hu, hu, und nieder mit den Amerikanern! und pfiffen wie die Wilden. Die meisten machten zwar aus Lumperei mit, aber sie machten immerhin mit. Und das i st nicht der Pöbel, der sich nachts ans den Boulevards ergeht! Die Garden sprengten heran durch die Nacht, Polizisten ans Lastwagen trafen ein zum Schutze der Fremden. Aber bis um Mitternacht dauerte die Manifestation an und affe Wagen, i n denen ntatt Fremde witterte, w nrde n a n s g e p f i f f e n zwischen der Madeleine und der Porte Saint-Dcnis. Vor dem Palais Bonrbon. . Die Polizei tut was sie kann. Ans dem Montmartre droben stehen jeden Abend' starke Aufgebote, bereit einznspringen, wenn es not tut; durch die Boulevards fahren fortwährend die Abteilungen der Radfahrer; durch Montparnasse reitet die städtische Garde. Aber der Pariser sind mehr! 44 Nicht immer, aber sehr häufig kann die Etymologie eines Wortes, mit dem die Sprache einen gewissen Begriff bezeichnet, «ns Aufschluß geben über dessen Wesetl und Entstehung. Es ist entscheidend für den jüdischen Begriff der Wohltätigkeit, daß er int Hebräischen „Zedakah" heißt, welches Wort von der biblischen Zeit bis auf den heutigen Tag im Volksntunde der Juden aller Länder fortlebt. Zedakah ist eigentlich Gerechtigkeit. „Zedek" bedeutet die Gerechtigkeit, katexochen, als die höchste Tucend, besser: als der Inbegriff aller Tugenden, der Gott beigelegt wird und dem der Mensch in ewigem Ringen nachzustreben hat, um seinem Schöpfer ähnlich zu werden, „sich ihm anzuschließen". Wer das Zedek besitzt, ist ein „Zaddik". Gott wird darum als der Zaddik der Welt bezeichnet: dies Wort wird mit „Gerechter" nur sehr unvollkommen übersetzt; im Bewußtsein eines Inden weckt es eine ganze Symphonie von wundervollen Obertönen. die ihm eine Klangfarbe verleihen. von der die Uebersetznng nicht einmal eine blasse Vorstellung gibt. Ein Zaddik ist unendlich viel uiehr als einer, der nur „gerecht" ist, nur das Verdienst hat, keinem Unrecht zu tun, ebenso wie Zedek nneudlich viel mehr ist als Gerechtigkeit im juristischen Sinne. Zedakah aber ist zur besonderen Bezeichnung für die Wohltätigkeit geworden und bekundet, daß die jüdische Lehre in der Uebung der Wohltätigkeit das Element der Gerechtigkeit betont wisset! will. Das erhebt den ganzen Akt in eine vornehmere Sphäre und benitnmt ihm das Peinliche, das er für den Spettder, uub das Demütigende, das er für den Empfänger sonst naturnotwendig mit sich führt. Mit einem, dem peienüber ich einen Akt der Gerechtigkeit geübt habe, kann ich mich sogleich zu *,'*»»" h.'s aeringste zu Vergeben, ihn mit derselben Höflichkeit behandeln, die ich meinesgleichen schtllde. Ebenso wenig bratlcht der Empfänger sich Zn sagen, daß er auf eine tiefere soziale Stufe hinabgefunfcit ist. Aber dieses Moment der Gerechtigkeit macht die Wohltätigkeit nicht etwa zu einer frostigen und freudlosen Pflichterfüllung; das Wort „Zedakah tun" oder „Zedakah geben" enthält so viel Zartheit und Herzetlswärnie, daß es sich eigentlich gar nicht übersetzen läßt. Und die Lehre lautet: „Die Zedakah ist nur so viel wert, als in ihr Liebe (chesed) enthalten ist. Dieses .chesed" ist ebenfalls ein unübersetzbares Wort. Die göttliche Liebe wird damit bezeichnet und in solchen Fällen übersetzt mall es mit Gnade. aber cs dient auch zur Bezeichnung der Liebe des jungen Weibes zum Erwählten ihres Herzens. „Ich gedenke dir deiner jugendlichen Hingabe (chesed), deiner bräutlichen Liebe, da tm mir folgtest durch die Wüste, durch saatenloses Land. Ueber keinen Gegenstand enthält das religiöse und ethische Schrifttum der Juden eine solche Fülle von Lehren und Ermahnungen wie über die Zedakah in allen ihren Formen utld Abarten. Der Taltnud bietet hierüber eine nnerschöpfliche Menge von Bemerkungen, die erstaunlich treffliche psychologische Einblicke in die soziale und individuelle Natur des Menschen gewähren. Die Zusammenfassung der meisten dieser Lehren durch M a i m o n i d e s und Caro bilden in knapper Form ausgezeichnete Lehrbüchlein der Armenpflege im edelsten Sinne des Wortes, die uns modernen Menschen sehr gute Dienste leisten könnten. Da das Wohltun ein Akt der Gerechtigkeit ist, so kann man von Gerichts wegen dazu gezwuttgen werden, durch Pfändung, auch am Hegenden Gütern, sogar durch körperliche Strafen. Das Wohltnn ist aber nicht ein Vorrecht der Neichen oder Wohlhabenden, denn a u ch w e r auf d i e W o h It ä t i g k e i t angewiesen i st, ist verpflichtet, Zedakah zu geben. Für die Unbeniittelten ist ein Mindestbeitrag fcstgelegt: als Maximum gilt der fünfte Teil des Vernlögens oder der Einkünfte, über den hinaus zu gehen Verschwendung ist, welche die Familie des Gebers schädigt; letztwillig aber ist es gestattet, die Hälfte des Vermögens der Wohltätigkeit zu widmen. Das mittlere Maß ist der zehnte Teil, das Maasser, das schon die Bibel für Palästina vorschreibt. Noch hentzntage gibt es, auch in den „fortgeschrittensten" Lätldern, zahlreiche Itldett. die mit peinlichster Genauigkeit darauf achten, von allen ihren Einnahtnen den -ebitten Teil aCi-aifr^tcit; das mfn-eu sie sich nicht als Zedakah an. sondern als eine Art Pflichtstener, erst was sie darüber hinaus geben, erachten sie als eigentliche Wohltätigkeit. Wer hinter diesem Maß zurückbleibt, gilt als geizig. Schon diese Vorschriften allein lassen darauf schließen, daß die Wohltätigkeit bei den Itlden schon frühzeitig gesetzlich geregelt war. In der Tat gab es eine richtige Armengesetzgebung und eine wohlorganisierte Armenpflege. Gleichwohl wurde das größte Gewicht stets auf das persönliche Moment in der Zedakah gelegt. Wer einem Armen seine Gabe mit griesgrämiger Miene schenkt — lehrt Maimuni — und den Blick mürrisch zu Boden gesenkt hält, mag er ibm, tausend Goldaitlden schenken, so hat er sein Verdienst ver-1 ~T~ dorben und verloren. Nein, er muß ihm die Gabe Mit Herzlichkeit und Freude reichen, er muß an seinem Kummer teilnehmen, sich für seine Bedürfnisse interessieren, ihm sanft und milde Trost znsprechen, er muß zn ihm sein, wie ein Vater und wie ein Bruder in Wort und Tat. „Zweimal wehe," ruft Maimuni, „über den, welcher einen Armen gar beschämt und gedemntigt hat." Das hauptsächliche subjektive Mometrt in der Wohltätigkeit ist die Herzettswärnte, die Barmherzigkeit (rachamim). We'r sich über seinen Nächsten erbarmt, über den erbarmt sich der Himmel, wer kein Erbarmett hat, sondern grausam ist, steht im Verdacht, nicht von makelloser Abkunft zu sein; denn die! Hartherzigkeit ist bei den Heiden zu finden. Barmherzigkeit dagegen ist ein Anzeichen der Abstammung von unserem Erzvater Abraham. Nur auf der Zedakah wird der Thron Israels anfgerichtet und fußt die Religion der Wahrheit. Israel wird nur der Zedakah wegetl erlöst. Kein Mensch wird arm durch sic, aus ihr erwächst kein Schadett oder sonst ein Nachteil. Maimuni zählt acht Stufen der Zedakah auf. Die höchste ist, einen beizustehett, indem man ihm durch eine Subvention oder ein Darlehen ermöglicht, sich ans die eigenen Füße zu stellen; man gehe mit . ihm ein Kompagniegeschäft ein oder verhelfe ihm zu einem Handwerksbetrieb, um „seine Hand zu stärken", damit er keiner Menschcnhilfe bedürfe. „Fasse ihn kräftig an und richte ihn ans, bannt er nicht falle und hilfsbedürftig werde." Eitlem verborgenen Armen, der sich weigert, die Wohltätigkeit in Anspruch zu nehmen, muß-man „schlau kommen", und ihm unter einem annehmbaren Vorwand ein Ehrengeschenk verabreichen oder ein Darlehen gewähren. Charakteristisch ist folgendes Gesetz: ein wohlhabender'Mann, dem unterwegs das Geld ausgeht — nt alten Zeiten kannte man ja keine Eisenbahnen und Kreditbriefe —, darf .die Wohltätigkeit aller Art in Ansprnckr nehmen; nach Maimuni ist er auch nicht verpflichtet, das Genommene zurückzuerstatten, „denn in diesem Moment war er ent armer Mann". Dieses unscheinbare Gesn; bietet eine wichtige sitiltche Lehre. Es spricht zum Re chen: Auf der Wanderung durch das Leben kannst anch du einmal in die Not geraten und gezwungett sein, zu kostenwie es schtneckt. d:c Wohltätigkeit in Anspruch zn > nehmen. Die siebente Stufe ist, jo zu spenden, daß der Geber nicht weiß, wer der Empfänger und der Empfänger nicht weiß, wer der Geber war. Der Talmud lehrt: „Wer Zedakah int Verborgenen tut. iit größer als Moie. unser Leliwr. Sigma.