Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2670 (30.7.1926)
- Date
- 1926-07-30
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. MV «Mn, FreWg dem Vorhang dieser Geschehnisse stand immer die Person d ö S Atamans und Diktators Petljura, der teilwohlwollend duldend, teils ermunternd, die grauenvollen Pogromtaten geschehen ließ, zum Teil sogas in mehr oder weniger versteckter Form das Stichwort gab. Herr Tscherikower erklärte sich, ebenso wie nach ihm die Diskussionsredner, gegen jeden persönlichen Akt deS Terrors. Allein nachdem nun schon ein Jude ans unbezwiuglichem Drange die Dergeltungstat vollzogen hat, darf eS nicht unterlassen werden, aus Anlaß des bevorstehendes Prozesses die ' ganze furchtbare, in der Geschichte der menschlichen Leiden einzig dastehende Tragödie der Juden sch aft in der Ukraine in den Jahren des Unheils 1919 bis 1921 vor der Welt erstehen zu lassen. Der Vortragende betonte, daß die Arbeit zur Aufklärung der . Petljura-Epoche keineswegs gegen die wirkliche ukrainische Bewegung gerichtet sein könne. (Die „Wiener Morgenzeitung" hat am 11. Juli ein eingehende- Gespräch ihres Berliner Berichterstatters mit Dr. Tscherikower über die Pogromzeit veröfftntUcht.) Ae jüdische Kolonisation in Rußland. Sonste««gen des Professors BrutzkuS. In einem Gespräch mit dem Berliner I. T. A.-Vertreter äußerte sich Professor B. Brutzikus, eine Autorität, auf dem Gebiete der Wirtschaftsgefchtchte Osteuropas, über die Mächten d:r jüdischen Kolonisation in Rußland. Er rühmt -ie Energie und Ausdauer >der jüdischen Siedler, äderen Wirtschaften schon jetzt die fortgeschrittensten find, gogenülber denen der nichtjüdischen Bauern. Trotzdem — sagt Professor Bvutzkuß — taam das jüdische Kolonisationswerk nicht als das Mittel angesehen werden, der durch daS kommunistische Wirtschaftssystem ruinierten jüdischen B «Völkern« gRnßlandS schnelle Hilfe M bringen. Eine durchgreifende Besserung ihrer Lage kann nur bei einem Bruch mit den kommunistischen W i r t s ch a s t s t e n >d e n z e n der Regierungspolitik di« übrigens im Frühjahr 1925 eine gewisse Milderung erfahren haben, eintreten. Auch die allerbilligste jüdische Kolonisation ist noch immer ein viel zu teures Unternehmen, als daß sie wirklichen Massencharakter annchmen könnte. Die eigenen Mittel der Ansiedler sind sehr beschränkt, das gleiche gilt von den Staatsficfritcit, sodaß man die Kolonisation hauptsächlich mittels der Zuwendungen der ausländischen jüdischen Organisationen durchführen muß. Die letzteren sollen bereit sein, nicht weniger als 1000 Rubel pro Familie zu investieren. Bei einer geringeren Investition wir') es Wohl im Süden Rußlands schwer K'Ifett, eine Wider stanasfühtge Wirtschaft zu schassen. Bei der Not, die auch in >d«n anderen Schichten der jüdischen. Bevölkerung h'rr'ch:, stellt diese Tatsache dem Kolenisationswerk, ivelches au-? beschränkten Fonds g.speist wird, bestimmte, nicht allzu .reite G v e it, e u. teilt anderes Hemmnis für eine weitere AuSdchnung des LicdlungswenkeS liegt in dem Manges an geeignetem und zugänglichem Land. Die Sowjetregiert.ng muß dem Umstände Rechnung tragen, daß es in Rußland Millionen landarmer Bauern gibt, -die ebenfalls den Austveg ans ihrer schweren Lage in der Binnenwanderung scheu. Aus diesem Grunde konnten von den eineinhalb Millionen Teßja-. tinen freien Bodens in der Ukraine jux die jüdische Kolonisation nur 100.000 Teßjatinen , von den 750.000 Teßjatinen der K r i m nur 60.000 und m Weißrußland uttd im Gouvernement Homcl nur 16.000 Teßjatinen der jüdischen -Kolonisation zur Verfügung gestellt werden. All dieser Boden wird gerade hinreiche», um 12.000 jüdische Familien auzusiadeln. Die weiteren 150.000 Dcßjatinen, die die Sowjetregierung in den Ka lmü ck e nst e p p e n (Saalsk) angeboten hat, fotum«n kaum i n Betracht, da diese Ländereien wasserarm und ungünstig gelegen sind. Richtig ist zwar, daß durch umfangreiche Meliorationen und durch Anlegung von Verkehrswegen neue Kolonifationsgebietc erschlossen werden können. Solche große Unternehmungen aber tonnen nicht allein ans gesammelten Geldern bestritten werden. Demnach ist damit zu rechnen, daß man in Rußland Boden zur Ansiodluug von tticht mehr als 13.000 bis 20.000 jüdischen Familien beschaffen könne. Wenn die Sowjetregie rniig von der Ansiedlnng von 100.000 Familien in den nächsten Jahren spricht, so ist cs unerfindlich, wo man das nötige Land bekommen wird. Das ist bloß einer ihrer Pläne, die ut d er Nicht u n g ihrer Politik liegen. Die jüdischen Organisationen aber müssen mit dem Möglichen und Erreichbaren rechnen. Wiederherstellung alter Judengrabsteine in Erfurt. Die Shnagogengemeinde Erfurt restauriert ihren kostbaren Besitz in altert Grabsteinen. Diese dem 13. und 14. Jahrhundert enrllEmn.den Steine, deren Inschriften ein wertvolles, kulturgeschichtltches Material enthalten, waren schon vor Jahrhunderten von ihretr ursprünglichen Plätze,: verschwunden und sind während der letzten Iahrzehtrte wieder entdeckt und gesammelt worden. Es wird ihnen jetzt auf dem neuetr jüdischen Friedhof in Erfttrt eine würdige Gedenkstätte hergerichtet, zu deren Ausführung >der Frankfurter Maler und Kunsthistoriker Prof. Dr. Hülsen berufen worden ist. '_ Vereine. Borlrllge und Versammlungen. Talmud-Thora-Mi-rachi, Wien 2. Bez., Praterstraße 43. Die Ein chretbungen sowohl in die Abteilung kür Aniänger. als auch für die Fori geschrittenen, die schon Talmud utw. lernen, finden täglich von b vtS 7 Uhr im Bureau der Talmud- Thora 2. Bez., Ptaterstraße 43 (Te>. 40-4-91), statt. » Statutenänderung des Bundes österreichischer Architekten. Der BerivaltttngsauSschtttz deL BttrtdeS österreichischer Architekten B. Oe. A. teilt mit, daß in der diesjährigen Generalversammlung eilte Statutenänderung vorgenommen wurde. Der Raute Bund jttnger Architekten B. A. wurde in Bund österreichischer Architekten (B. Oe. A.) abgeändert, die Ausnahnte der Mitgiierer tvird dttrch keine Altersgrenze beschränkt und die Ausli.ihü'.e erfolgt über Einladuttjg des VertvaltungSausschusses a ck Grün) kunslierr'chrr Qualttäten, tmtmt MovstM-eltuM Feinste Henengarderobe nach Maß liefert zu mäßigen PrNsen in tadelloser Ad<süß»«Ng (auch aus Tkllzablimg) SiNvolf itlifftift» Zivil- und Uniformschneider Gegr. 1866 Vir«, t. Sez.» Taborstratze 64 Tel. 45*6*29 Halls»« an» HafHpSafatt fattlt Sarette 135 Bühne und Kunst. das BWIsrst ln Lonaneschingen. 1. Wie in den Vorjahren brachten auch heuer wieder die Musikfesttage in der Stadt an der Donauquelle eine Fülle deS Anregenden und des Interessanten. Mail hat Donauefchingen gelegentlich ein Weimar der Mustkmoderne genannt und es verdient diesen Namen ebenso, um der Kunstbegeisterung der einheimischen Bevölkerung willen wie durch die echte Kunst, die dort jeden Sommer einer immer wachsenden Schar von Musikfreunden aller Länder geboten wird. Diesmal galt es der Propaganda für mechanische Instrumente, für mechanisches Ballett und für Neubelebung der Bläfermustk, worüber noch eingehend geschrieben werden soll. * Der heutige Bericht beschränkt sich auf Kammer- und Chormufik, in welcher man auch in Donaueschingen, wie bet allen Musikfesten der letzten Jahre, ein Abrücken von der äußersten musikalischen Linken wahrnehmen konnte. Ganz links stand gelegentlich nur Gerhart Münch in seinem Kammerkonzert für Klavier und Orchester. Er präügt Bach und Gedrängtheit des Ausdruckes und schreibt linearen Mißklang und gelegentlich weit hergeholte leerlaufende Passagen. Mit seinen 19 Jahren ist er ein Theoretiker der klaren Werte und als praktischer Musiker noch ein Wirrkopf. — Stark empfunden, wenn auch nicht immer plastisch scharf Umrissen ist die kleine Bratschen-Suite von Johannes Müller, ein ungemein geschickt aufgemachtes Werk, dessen eleganter Nahmen einen dürftigen Inhalt umspannt, das Concertino für Flöte, Viola und Kontrabaß des bekannten fruchtbaren Komponisten Erwin Schulhofs. Der Klang ist abwechslungsreich, die verschiedenen flämischen Motive — tschechische, russische, karpathorussische — jedoch fadenscheinig in ihrer armseligen thematischen Verarbeitung. Auch sein Landsmann Hans Krasa, einer der begabtesten unter den jüngsten deutschböhmischen Musikern verwendet nationale slavische Motive, auch er schreibt in seinem Streichquartett nicht durchwegs den saubersten Satz, doch es steckt viel Musikalität in seiner Melodik und in feinem Satzbatt. Ganz famos das Scherzo! Sauber gearbeitet, doch schwerfällig in seinem durchaus deutschen Atlsdruck ist das Streichquartett op. 41 von Friedrich Wilhelm Lothar, grotesk, doch für einen guten Witz zu lang geraten eine Sni'te von Ernst P e p p i n g für Trompete, Posaune und Saxophon, ein bald hundertjähriges, scheintotes Blechblasinstrument,'' welches hier eine fröhliche Aus-- erstchnng feiert. Durchwegs Gutes und Bestes brachten die Chorwerke ttnter Mitwirkung der von Hugo Holle (Stuttgart) geleiteten ganz vorzüglichen Stuttgarter „M a d r i g a l - Verein i g u n g". Gediegene Arbeit und reiches, bewegtes Seelenleben spricht aus der Kantate „Gesang vom Tode" von Hermann R e u t t c r, tiefes, unverkünsteltes Empfinden aus den Chorliedcru von Josip S l a v e n s k i. ^8or wenigen Jahren noch ein armseliger kroatischer Bäckergehilfe, ist er heute ein. namhafter Tondichter, der den Zusammenhang mit dem slavischem Volkstum und dessen alten Weisen nicht verloren hat. Eine archaisierende, mittelalterliche Tonwelt tut sich in der „Martenminne", einem Zyklus fünfstimmigcr Madrigale von Hugo Hermann auf, der in Texten aus dein 13. Jahrhundert im Palestrinastil, in einer unsinnlichen, unharmonischen Tonsprache und in einer Art strengem Satz sein Heil sucht. Und Karol Rathaus führt wieder ztl den Problemen der Gegenwart zurück in seinen Liedern ohtte Worte für A-capella-Gesang „Pastorale" und „Tanz". Radikaler als Debussy und andere Jungfranzofen, welche die tcxtlose Singstinune gelegentlich für kurze Zeit mit den Orchesterinstrnmenten in Wettbewerb treten ließen, verzichtet er vollends auf die Textuntcrlage und läßt die. Melodie bald offen auf A, bald gedeckt auf O, bald mit geschlossenen Lippen auf M singen. So stellt er sein wohlklingettdes Vokalquartett dem Jnstrumentalquartett qleich und objektiviert gewissermaßen die Singstimme. Die „Los-von-allem-Literarischen"-Bcwegung in der ntodernen Kunst besitzt in ihm einen beredten Anwalt, der es leicht hat, für seine eigene gute Sache erfolgreich zu plaidieren. _ Erwin Felder. tzara Bernhardt? Brautkiand. Vier Telegramme der großen Tragödin veröffentlicht jetzt eine englische Zeitung. Sie betreffen ihre Verheiratung tuH Dcmala und sind für die göttliche Sara bezeichnend. Für ihren Ueber,schwang, ihre Leidenschaft und ihre Tüchtigkeit. Es war im Jahre 1882. Sara Bernhardt rvar in Neapel und telcgtaphierte von dort am 31. März: „Ich komme nach London für einige Stunden, Liebster, aber es genügt, um zu heiraten sind ich fahre sofort rveiter. Mein Bräutigam heißt Aristide Damala, er ist ein Grieche, ich bin Französin. Ich wende mich an Ihre große Gute, tun Sie alles, was notwendig ist, damit ich meinen Zug nicht versäume, da ich am nächsten Mittwoch, den 6., in Nizza spielen soll. Ich fahre morgen aus Neapel fort. Ich rechne auf Sie und Ihre entzückende Frau." An demselben Tage bekam Sara Bernhardts Frettnd in Lottdon ein Telegramm von beinahe gleicher Länge: „Wir konunen in London am Montag abend um 6 Uhr an, müssen jedoch am M. JUN 1026 Seile 8 folgenden Tage aöreisen. Ich bitte Sie, alles zu arrangieren» und ta Ihnen nichts unmöglich ist, werden Sie es,schon einrichten, daß ich am Abend den Standesbeamten sehen Durn. Mein Glück liegt in Ihren .Händen." Am nächsten Tage folgt telegraphisch ein ebenso dramatischer Ausbruch: »Mir fahren heute früh ab. Ich rechne auf Sie. Unmöglich, Ihrem Rat zu «folgen, es muß getan werden — es muß getan werden — es muß getan werdet:. Ich werde viel Geld verlieren, wen« ich eine Stunde langer da bleibe." Und am 2. April folgt das vierte Telegramm, dieselbe Mischung von Leidenschaft und Berechnung: „Wir sind nntertvegs; kommen Montag, 12 Uhr, in Ccharing Croß an. Erwarten Sie uns an der Bahn, lieber Frermd. Ich muß unbedingt Dienstag morgens weiter. Ich rechne auf Sie, daß wir noch am Abend olles erledigen. Räumen Sie jede Schwierigkeit aus dem Wege, koste es, was es wolle, sonst sterbe ich vor Schmerz." Am nächsten Morgen nach dem letzten Kabel stürzte plötzlich Sara in das Zimmer ihres Freundes, warf die Arme in die Luft und schrie: ,^Jch bin verheiratet, ich bin verheiratet, wein Mann wartet unten." Das Eheglück währt« «nicht lange. Damala hielt es bei dem komplizierten Bühnenstar nicht aus. Zwischen zwei Gastspielen gewann sie ihn, zwischen zwei Gastspielen ging er mit einer anderen durch. ««»de« Wecker». Theater in derJojefftadt. Als nächste Novität geiangt DieMag den 9. August das Lustspiel „M o n > i e u r H «I ö tt c" von Siegfried Geyer und Paul Frank zur AnfstihrMg. Bis dahin „D e r I g e l*. Modernes Theater. Donuer-taa den 6. August Premiere des Lustspiels »DieArtsich hinzugebe n" von Felix C a n d e r a, deutsch von Robert Blum. Rolandbühne. Heule zum 25. Male *(£ a f 6 Elektrik", der Lebensweg einer Gefallene«, von Felix Fischer. Die Wiener Vorstellungen von ,CafsElektrtk" wurden bis Ende August vrolongiert. Im September beginnt mit diesem Stück eine dentschböhmisch-süddeutsche Tournäe Die Lander für die Steuerfreiheit der Bundescheater. Im Bundesrat kant gestern der Landeshauptmann von Vorarlberg auf die Buttdestheater zu sprechen und erklärt« «. a.: ,Zn den Ländern draußett kann, man nicht verstehen, daß die Bundestheater vont Bttnde, also aus den allgemeinen Bundesmitteln fo große Zuschüsse brauchen und auf der anderen Seit« der Stadt Wiett als Stetterobjekt dienen. Man kann dies um so weniger verstchen, als in den Ländern jedesmal, wenn ein Lattdessteuergesetz gemacht wird, die Gebäude des Bundes und der bundesstaatlichen Monopolverwaltttng von den Steuern froigelassen werdet: müssen. Dem würde gerechterweise entsprechen, daß auch die Bundestheater als Bundesunternehmungen m der Stadt Wien von der Steuer fr ei gelassen würden. Es liegt hier eine U tt g l e i ch h e i t vor, die in den Ländern bitter empfunden wird, zumal die Folge davott ist, daß ein stärkeres Defizit a tt § b c tt allgemeinen St e tt e r g e l dern zu decken ist." tein Theater- und Konzerthaus in Reichenau. Aus Reichenau wird uns berichtet: Die hiesige Gemeindevertretung hat über Anregung der Kurkommiffion ein Theater- und Konzerthaus errichtet, welches am 1. August eröffnet werden wird. Theaterbrand in Braila. Während der Abendvorstellung brannte das Pasalagua-Theater in Braila nieder. Das Feuer hatten Verbrecher gelegt, welche die Panik zu Plüitderungert bcttützlett. Der Schattspielerin Poljak wurdet: aus der Garderobe wertvolle Schmttck-gegenstände gestohlen. Die letzten Stunden der Judith Lares. Aus Arad wird uns über die letzten Stunden der großen jüdischen Schattspielerin Judith Lares folgendes mitgeteilt: Die „Wilnaer" hatten auf ihrer Gastspieltournee durch Rumänien Arad bereits verlassen uub ihr Gastspiel in Kolozsvar begonnen. Sie mußtet: Judith Lares, die plötzlich schwer erkrankte, in Arad int Sanatorium Therapia zurücklassen. Sie lag in hohem Fieber, bereits von den Aerzten aufgegeben. Plötzlich richtete sie sich im Bette auf und verlangte von ihrer Ankletderin, geschminkt zu werde::. Sie wollte^ ihre Szene mts An—skis „Tag und Nachts spielen. Die Schauspieler 'der Wilnaer Truppe, die davon verständigt worden waren, daß ihr große Kollegitk verloren sei, hatten das Gastspiel in Kolozsvar abgebrochen ugid wäret: an das Sterbelager Judith Lares geeilt. Einige von ihnen waren erschütterte Zeugen, wie die Künstlerin im Fieberparoxismus ihre berühmte Szene sprach. Das Leichenbegängnis fand unter großer Beteiligung statt. Namens der Araber Schauspieler sprach der Direktor des Theaters, S z e nd r e y, nantens der Journalistenorganisation Dr. Deutsch. Alle Kreise der Araber Gesellschaft, die Gelegenheit hatten, die große Kunst der Lares zt: genießet:, fandet: sich zum Begräbnis ein. (gilt marokkanisches Bühnenwerk, das Drama „Männerlist" des Marokkaners Si Kaddur Ben Ghabrit, ging in P a r i s, in: Theater Madelaine, in Gegenwart des Sultans von Bkarokko in Szene rmd hatte einen Ktlriositätserfolg. Das Schauspiel marokkanischer Sitten und Gebräuche fesselte das Publikum. Die Handlung, welche die Erkenntnis, daß die Frauen klüger sind als die Männer, an einem einleuchtenden Beispiel zeigt, hätte mehr Humor vertragen. Die schöne Malika bringt den stolzen Sise Eodin, der die Franet: für dumm erklärt, dahin, daß er die bucklige Tochter deS Kadi heiratet. Dann aber befreit sie ihn von dieser Mihehe und wird selbst seine Gattin. Gerichtssaal. Arthur Iruüer und Camillo Caftiglioni klagen den Anwalt Ir. Steiner. Ein NachMel zum Weisz-Fuchs-Prozeß. Bor dem Oberlcrndesgerichtsrate Dr. F u ch s i g, Strafbezirksgericht 1, fand gestern ein Nachspiel zu dem Prozeß gegen den ehemaligen Chefredaftem des „Abend", Alexander W e i s z, statt. Während der an Sensationen reichen Verhandlung gegen Weis; und Fuchs machte der Anwalt des Angeklagten Weis;, Dr. Robert Steiner, mit Bezug auf den in Paris lebenden ehemaligen Vizepräfidenten der Depositenbank, Artur Drucke r, die Aettßernng, daß dieser von der Staatsanwaltschaft st e ckbrieflich verfolgt werde, und um Gewährung des freien Geleites angesucht habe. Um die Zeugeireinvernahme Camillo C a st i g l i 0 n i s entbrannte während der Verhandlung ein heftiger Kamps. Die Verteidigung bestand unten: allen Umständen auf dessen Einvernahme. Zur Charakterisierung Caftigiionis erklärte Dr. Robert S t e i n e r, daß piefer im Kriege