Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2665 (25.7.1926)
- Date
- 1926-07-25
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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mfBWTi wnnl^ > . ... ........,—■*—«- ptvgunp eiykWM, ott ptt ^Mv^rnrlMSMvrse vsrivenoei VeÄm. Im Westen Asiens, das hat England erkannt,, ist Ikt einzige Vorposten für die wahre, echte Kultur Europas vorhanden. Europa hat sie einst ans Palästina bezogen, und wenn es nicht z»rr Selbstbesinnung kommt, wird sie in ihre Heimat zurückkehren. .Hier wird sie jedenfalls Mt geborgen. _ —M-» ftehN wtHmn Netrlebseinstellunse« bei der Alpl»eu. Der Zollansschuß t^s Nationalrates beendigte gestem die Generaldebatte über die Zolltarif Novelle. Der Berichterstatter des Un:erausschttsses,?Mgcordneter He i n l, betonte: „Die nunmehr beantragten Zölle werden, wenn sie die-verfassungsmäßige ßienehmigung erlangen sollten, bei der weitaus überwiegenden Zahl der Tarifpositionen nicht sofort in Wirksamkeit treten können, weil diese Positionen in den bestehenden Handelsverträgen JU den niedrigen Vertragssätzen gebunden bleiben. Nur bei einer verschwindenden Zahl von Positionen würden die neuen Zölle nach ihrer parlamentarischen Erledigung sofort in Kraft treten. Nun beantragt der Unte-ausschutz bei solchen Waren, bei denen wichtige Verbrauchsimeresjen zu berücksichtigen sind, wie bei Brennholz. L ch m i e: ö l, Kunstseide und Z ü n d h ö l zch c n, ecn vorgeschlagenen Zöllen nur dann zuzustimmen, wenn die Regierung die Zusicherung gibt, daß sie die betreffenden Zölle sofort h.rabsctzt, wenn sie von den Erzeugern zu Preisausschreitungen ausgcniitzr werden sollten. Auch die beantragten E i s c n z ö I l e hat der Unterausschuß nur in der Erwartung angcnomnren, daß dir Negierung entsprechende Aufklärungen über die g-:plan,en Betriebseinschränkungen bei der Alpinen Montangesellzchaft gibt. Wgeordnecer Tr Bauer verwies auf die Betriebseins ch r ä n k u n g e n und Entlassungen bei der Alpinen. Die Sozialdemokraten müßten ihre Haltung zu den Eisenzöllen davon abhängig machen, daß die Regierung ihnen befriedigende Zusicherungen bezüglich der Einstellung der angrdrohten A-.bcitsentlassungen und Betriebseinschränkungen geben könne. Handelsminister Dr. Schür ff, der mit der Alpinen Fühlung genomnrrn Hai, teilte mit, er habe von der Gesellschaft die Erklärung erhalten, daß bei Jnkrafnreien der Zölle und bei Weiterbestand der jetzigen Konjunktur nicht nur weitere Arbeitere n t l a s s u n g c n u n t e r v l e i b e n werden, sondern auch die Betriebe in einem besseren Um sänge als bisher beschäftigt werden würden. Die Sozialdemokraten fanden diese Erklärung für viel zu nnbestiniml und sagten, sie seien heute noch nicht in der Lag?.,über die EisenzPle endgültig zu entscheiden. Minister Tr. Schür ff sprach hierauf seine Bereitwilligkeit aus, sofort neue B e r h a it d l u n g e n mit der Alpinen einzuleiten, »in eine klarere Erklärung betreffend die Ar-beiterentlassung'zu gehalten. Abgeordneter Eldrrsch beantragte die Zollrar',spositionen fit; Jure 169 a und b in Artikel 3 .auszunehmen, die Golütarifpositionen 141 o uno b zu vereinigen, sowie den Zollsatz aus Darmsaiten von 5060 auf 2000 Goldkronen herabzusetzen. 1 Minister Dr. 2 ch u r f f teilte hierauf nnt, er Hab: soeben nochmals mit einem Direktionsmitglied der Alpinen verhandelt. Die Erklänmg der Alpinen Montangesellschaft laute nunmehr folgendermaßen: Die Alpine Moutangtsellschast erkläre, die bereits in Aussicht genommenen K ü n d i g u n g s m a ß n a h m e n nicht durchzuführen und nach Maßgabe des zu erwartenden höheren Einganges von Bestellungen Wiederaufnahmen vorznnehmcn. Schließlich gab der Minister das Versprechen, daß der Kunstseidezol! nur mit 95 K. zur Einhebung gelangen werde und daß die Regierung, wenn die österreichischen Zündhol.zfabriken aus An- __Mener MovgeirzeltimK laß der gegenwärtigen Zolltthöhung von 17 auf 10 Goldkronen die Zünbhölzchenpreise erhöhen sollten, dem Nationalrate den Antrag auf Herabsetzung des Zündhökzchsnzolles stellen werde. Der Ausschuß beschloß hierauf, in die Spezi a l veba t t e ein-,gehen, die Montag durchgesi'chrt werden wird. Re baakmSbige« Seschikfte der Sftaüaffea. Unter den Gesetzen, welche noch im lausenden SesiionsäöschNltt des Nationalrates erledigt werden sollen, befindet sich auch eine P e r s o n a l st e u er n o v r l l e, durch die die Ren:ensteuer der Sparkassen von 3. auf 5 Prozen: erhöht wird. Nach dieser Vorlage erhalten die Sparkassen für die Erhöhung ihrer Steuerleistung das Entgelt, daß si? in diesem Gesetz ausdrücklich als gewerbsmäßige Bankbetriebseinrichtungen anerkannt werden. Bisher haben die Sparkassen das Bankgeschäft auf Grund einer Mittisterialverordnunz betreiben können. Biele Sparkassen haben voir dieser Ermächtigung überhaupt keinen Gebrauch gemacht. Nunmehr soll trotz der traurigen Erfahrungen, die mit der Zentralbank der deutschen Sparkassen gemacht wurden, das überaus riskante Bankgeschäft den Sparinstituten in Form eines Gesetzes als förmliches Privileg gegcberi werden. Neue Wohnbaulose. Die Regierung hat schon vor geraumer Zeit dem Nationalrat eine Vorlage über eine neue Losinleihr des Bundes-Wohn- und -Siedlungsfonds zugchen lassen, mi: der die Ermächtigung zur Emission neuer Wohnbau lose mi: einem Gesamtnominale von sechs Millionen Schilling angesprochen wird. Montag wird der Finanzausschuß die Vorlage in BcrlMdlung ziehen, die dann noch im Laufe der kommenden Woch? sowohl vom Nationalrat wie vom Bundesrat beschlossen werden wird. Die Ausgabe der neuen Baulose wird dann ungesäumt erfolgen können. Gegen die zoverhShuugen. Die Kaufleute im Parlament. Unter Führung des Gremialvizepräsidenten Josef B i n z l begab sich eine Abordnung, bestehend aus Obmännern der Branchenorganisationen der Kaüflente ins Parlament, um ihre Beschwerden gegen die überstürzte Verabschiedung der Zolltgrifnovelle vorzubringen. Die Deputation wurde vom Vizepräsidenten des Nationalrates El der sch, Minister a. D. Heinl und den Nationalrätcn Partik, Volker, Zarboch und Klima n n empfangen. Der Sprecher der Deputation wies auf die großen Gefahren, die die Zolltarifnovelle nicht nur für die Preisentwicklung im Inlande, sondern auch für unsere zukünftige Handelspolitik beinhaltet, hin. Die Vertreter der einzelnen Organisationen brachten noch ihre Spezialwünsche bezüglich der Behandlung der einzelnen Positionen vor. Es wurde ihnen seitens der Abgeordneten zugesagt, zu versuchen, in einzelnen besonders krassen Fällen die bestehenden Härten zu mildern. . Stärkere Erholung der Fraukendeviseo. Der Kabinettswechsel in Frankreich hat gestern die Tendenz des französischen Franken günstig beeinflußt. Paris erhöhte sich in Zürich auf 12,62l/2 (gegen 11,72V» am Vortage). Parallel damit ermäßigte sich das Pfund in Paris auf 197 und hat auch später den Kurs von 200 nicht wieder erreicht. Bon der Erholung des französischen Franken profitierte auch Brüssel, wo sich das Pfund auf 198 ermäßigte. Die internationale Spekulation wartet zunächst-die weiteren Handlungen des Kabinetts Poincare ab, und sieht sich in ihrer'Zurückhaltung auch dadurch bestärkt, daß der amerikanische Schatzsekretär Mellon und Morgan in Fr-ankreich eingetrofsen sind. Der Reportsatz für Paris ist auf 7^ Franken pro Pfund und Monat Der Zahrmarkt von Rohany. Novelle von Binjamin Segel. (».Fortsetzung (Alts dem Zyklus „Versunkene Welten".) Jetzt ließ sich von der Ferne ein Knattern von hölzernen Glocken vernehmen, ein Knallen von Peitschen und ein geräuschvolles Trampeln. Eine Schar von zehn- bis zwölfjährigen Bauernjungen trieb das Vieh auf die Weide. Sobald die kleinen Hirten yäherkamen und die vielen betenden Juden zwischen den Bäumen erblickten, brachen sie in lautes Johlen und. Pfeifen aus. Ter Großgrundbesitzer biß die Zähne Maanmen in bleicher. Wut und knurrte derbe Flüche hervor . . . Daß die verdammten Bengels es wagten . . . ohne aus seine Gegenwart Rücksicht zu nehmen! . . . aber er war hilflos, stand da mitten unter diesen gemeinen Juden und wurde für einen von ihnen gehalten.. . . Die gemeinen Juden schienen das Gejohle und das freche Lachen der Hirtenjungen gar nicht zu hören: „Mit ewiger Liebe, mit starker Liebe liebst du uns, Ewiger, unser Gott, mit großem und mächtigem Erbarmen umfängst du uns, Vater unser, König unser! Um unserer Vorfahren willen, die dir vertrauten, da kehrtest du sie die Gesetze des Lebens ..." Eine Ladung Sand und Staub fant von draußen durch das dichte Laub geflogen und fiel auf die Mäntel und Gebetbücher der Juden, diese schüttelten es ab wie lästige Raupen. „Leg es in unser Herz, daß wir alle Worte deiner Lehre erkennen, erfassen und begreifen, ihnen gehorchen, sie . lernen und lehren und befolgen und bewähren in Liebe. Erleuchte unser« Augen durch deine Thora, und hefte unser Herz fest an deine Gebote und einige unsere Herzen, daß wir dich lieben und dich fürchten, auf daß wir nicht beschämt werden ewiglich J . Eine noch dichtere Ladung sauste durch die Blätter; in das Pfeifen und Gröhlen mischten sich Spot Werse uns Schimpfvorte: „Jud, Jud, hast nicht was zu kauen, Mußt hungrig aus der Bude schauen ..." Und der Borbeter sang: „. . . damit wir dir danken und dich als Einzigen bekennen in Liebe. Gepriesen sei, Ewiger, der du erkoren hast dein Volk Israel in Liebe!" Jetzt fuhr es wie ein elektrischer Strom durch die. Versammelten. Die Augen schlossen sich, die Hände hoben sich hoch, wie zum Schwur: „Höre, Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig." „Echood!" zog es sich lange hiy, soweit der Atemzug reichte. Da zischten einige kleine Kieselsteine durch die Luft und fielen dem einen und dem anderen aus den Kopf. „Und du wirst lieben den Ewigen, deinen Gott, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Und es sollen die Worte, die ich dir heute gebiete, in deinem Herzen sein und du sollst sie deinen Kindern einschärfen . . ." Ter Großgrundbesitzer mußte seine ganze Energie ausbieten, um feine Wut zu bezähmen. Die Hirtenjungen hatten einen richtigen Spektakel veranstaltet, alle Paar Minuten schleuderten ihre kleinen Hände Sand und Kieselsteine auf <bde Äöpfe der Versammlung, von der keiner mit der Wimper zuckte, qls bezöge sich sdas Ganze gar nicht auf ihn. Jetzt rollte von der anderen Seite ein Leiterwagen herbei. Der Bauer hielt an, sah sich um, dann sprang er herab und schwang die Peitsche gegen die Schar der Leinen Missetäter: „Ihr verfluchten Hurensöhne!" ,/Jhr Saububen! Wollt ihr euch nicht sofort von dannen trollen? Oder soll ich euch erst das Fell gerben?" Er ließ die Peitsche ein paar Mal niedersaufen, ein großes Gekreisch erhob sich, dann stob die Bande davon und folgte der Viehherde. Ter Bauer, der für den Herrn Stationsvorsteher ein Füßchen Bier gebracht hatte, lud seine Ware ab, dann setzte er sich vor das Pförtchen des Gartens, als wäre er entschlossen, hier Wache zu halten. Mittlerweile war man zur Schemoneh Esreh gebangt. Aber die Zeit drängte, man durste es sich nicht ^vergönnen, zuerst die stille Schemoneh Esreh zu beten und sie dann laut zu wiederholen. Man mußte kürzen. Der Vorbeter fing daher *. 19» ~ ' ft. S8B5 zurückgegangen, ein Zeichen, daß die Baisseengagements itt Franken in den letzten Tagen stark abgebant worden sind. Auch die Lira wies gestern eine Erholung bis 16,9» gegen Zürich auf. Dev Ausweis der Bank von Frankreich. Der Ausweis der Bank von Frankreich nach dem Stande vom 22. d. läßt nichts von der katastrophalen Leere erkennen, die der Finanzmittister im Kabinett Herriot, de Monzie, unmittelbar vor seinem Sturze in der Kammer enthüllt hatte. Die Post Gold in der Kassa weist rund 6,6 Milliarden Franken aus, der Barvorrat in Silber wird mi: 631,7 Millionen Franken angegeben. Die N o t e n z i r k n l a t i o n wird mit 65 Milliarden ansgewiesen und ist im ganzen um eine Million Frankeir gestiegen. Dagegen haben die Vorschüsse an den Staat nmr-xen stiegen. Dagegen haben die Vorschüsse an den 'S'ta a t um 550 Millionen ans 38,35 Milliarden zugenommen; hierin kommt zweifellos die Wirkung jener Maßnahmen zum Ausdruck, die die Kammer dem zurücktretenden Ministerium Herriotnoch in letzter Stunde geurhmtgt hat: die Verwendung der Reste des Morgan-Fonds und die Ausgabe von Noten aui Grund der einfließenden Devisen. Insolvenzen. Der Konkurs wurde eröffnet Wer das Vermögen des Alfred Schasrane k. yiHeinnibnbei» der Firma Gebersdörfer Holzindustrie und Dampfsägewerk Schafranek in Wien. 1. Bez, Werdertorgasse 17. — Dem Antrag auf Konkurseröffnung über das Lernrögen der Petrazit A.-G. in Felixdorf. Ntederösterreich wird k e i n e Folge gegeben, da die antragstellende Partei ein ,ur Deckung der Kosten des Konkursversahrens voraussichtlich hinreichendes Vermögen nicht bescheinigen tonnte und sich nicht bereit erklärte, einen angemessenen Kostenvorschuß zu letsteu. — Das AuSgleichSverfabren wurde eröffnet Über die Firma Karafek L Sternlicht, Ledertreibriemen-ProbuktionS-Gesellichast m. b. H. tu Wien, b. Bez.. Straußengasse 18. über Moritz Lauser und Elias B a r d a ch, beide öffentliche Gesellschütter der Firma. Lauser & Bardach in Wien. 2. Bez., Obere Donaustraße 45 b. über das Vermögen der. registrierten Firma Frischverlag Ernst Wtlhartitz in Wien. 1. Bez.. Riemergaffe 6, über Hedwig Sauer, ÄaumeisterSwitwe in Wien. 4. Bez, Karolinengasse 5. über Karl Starecek, Cafetier in Wien, 8. Bez.. Jofefftädterstraße 21, wohnhaft Wien, 16. Bez.. Ottakringerstraße 226. an Stelle des mlt Beschluß des Oberlandesgerichtes Wien vom 5. Juli 1926 aufgehobenen Konkurses, über Martin Simon, Kaufmann in Wien, 4. Bez, Floragaffe 7. über Leovold W i t u l a. Schuhmachermeister in Wien, 16. Bez.« Hietzinger Hauptstra'te 62. über das Vermögen der Schuldnerin Erna Lohwasser, Modistin. Kunstblumen und Schmuckfedern, Wien, 9. Bez , Rußdorferstraße 83, über Isidor Glück. TeilzahlMgshandler in Wien, 6. Bez. Marlahilserstraße 43, über Julius D u tk a. Kantineur in Wien, 9. Bez, Roßauer Kaserne, Südtrakt, über Hans S-ch m i e d t, Kaufmann in Wien, 6. Bec., Gumpendorferstraße. 1u2, über das Vermögen des Schuldners Ludwig P r a m e r. GeschäflSntann in Wien, 9. Bez-, Nußdorferstraße 11. — DaS Ausgleichsverfahren über das Bankgeschäft A. R o ch a r t L Co., Wien, 16. Bez. Lmnzerstraße 147. wird e i n g e st e l l t, da der AuSgleichs'chnIdner den Ausgleichsantrag zurückgezogen hat. Der Privatverkehr. Im gestrigen Privatvevkshr war die Stimmung reserviert. Renten wuvden niedriger taxiert. In Effekten hat sich kein Geschäft entwickelt, di.e Taxationen bewegten sich auf Basis der F,eitagschlutzkuvse. Zahlungsverkehr mit der Schweiz. Das Postsparkassenamt hat den vollen Ueberweisungsverkehr mit der Schweizerischen Kreditanstalt in Zürich wieder ausgenommen. Es können daher, wie vor dem Kriege, bei dieser Bank und ihren Zahlstellen Einzahlungen auf die hiesigen Scheckkonten geleistet wevden. Hiezu sind von den Einzahlern besondere Erlagserkla« ruugen zu verwenden, die das Postsparkaffenamt, mit der Konto» bezeichnung und der Koutonummer bedruckt, seinen Scheckkontoinhadern, cutf Bestellung liefert und die von den Kontoinhabern mit .den Rechnungen an ihre in der Schweiz wohnenden Geschäftsfreunde übersendet werden. In der Durchlsührrrng von Auszahlimgen ans hiesigen Scheckkonten an Empfänger m der Schweig im Wege der Schweizerischen Kreditanstalt tritt keine Aenderung ein. Bei dieser Gelegenheit mag erwähnt ivevden, daß das Postspa-rkassenämt für seine Kontoinhaber auch mit fast a-ll e n europäischen Staaten sowie mit Amerika einen Zahlungsverkchr unterhält. . gleich mit der lauten Rezitation an, erst nach der Keduschaih sollte sie leise fortgesetzt wevden. So war immerhin eine gute Viertelstunde gewonnen. Er leistete es sich noch, den Schluß- Vers der Keduschcch mit. der schönsten Meilydie herauszuträllern: „Bon Geschlecht zu Geschlecht wollen wir deine Größe verkünden und durch die Dauer, aller Zeiten deine Heiligkeit bewähren; und dein Lob soll aus unserem Munde nicht weichen ist alle Zeit und Elvigkell ..." Dann senkte er seine Stimme und fuhr fort, zuisanimen mit den anderen: ,^Du schenkst dem Menschen Erkenntnis und lehrst der Sterblichen Einsicht ..." In das Vogelgezwitscher, welches die Luft erfüllte, mengte sich plötzlich etwas wie ein fernes Donnern und Kracherl. Noch eine Sekrrnde und greller Pfiff ertönte, der Zug wälzte sich dröhnend und ächzend heran. Den Vorbeter durchzuckte es.vom Scheitel bis zur Zehe. Ein verdächtiges Scharren und Hüsteln ließ sich ringsum vernehmen... Wird der Zrrg warten, bis die Schemonoh Esreh zu Ende ist? ... Sonst ist der Ia»hrmarkt verloren ... Er bot alle seine Kraft auf, llm diese niodrigen Gedanken abzuweisen . . . Der Jahrmarkt . . . Zehn oder auch zwanzig Gnbden Verdienst . . . Die Unruhe wuchs und Berl, der GetreidemaNr, fühlte, daß seine ganze Gemeinde jetzt an allen Gliedern zitterte . . . Man müßte die stille Schemoneh Esreh abbrechen, Gott stehen lassen, um zu den Waggons zu stürzen . . . Jetzt ertönte abermals ein langgezogener Pfiff, dann ließ sich ein ohrenbetäubendes Zischen vernehmen . . . Die Lokonrotive hielt, der Stationsvorsteher stürzte heraus mit der Glocke in der Hand und schrie: „Eine Minute Aufenthalt, alle einstvigen! Alles einsleigen!" Der Vorbeter fühlte sich wie gelähmt an alleri Gliedern. Auf ihm lastete jetzt die Verantwortung, er war ihr Abgesandter von Gott. . ..Wenn sie jetzt Reißaus nehmen und das heiligste Gebet abbrechen und zur Krippe und zum Jahrmarkt hinstürzen, nie im Leben würde er: wieder den Mut finden . . . Welch eine Schrnach vor Gott. . . „Eine Minute Aufenthalt! Alles einsteigeu!" gellt es ihm durch das Hirn. Er stopfte sich die Daumen in die