Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 8 (1926)
- Issue
- Heft 2665 (25.7.1926)
- Date
- 1926-07-25
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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fr. AW «em « Dis«. Lsn«sl>s Me«ee M-SOMHetLü«- sv. mm im rnmmmJtä li>s>Wi>ii>>lWiMiöMMlliAWlWiiWp>j'MiMEiiLuu^M.,»...ujI L»lMMUi!LMLuj>MiOuiMiiÜliMWUiI^>UMÄ,Mil WIMWMIIWWMMMMWMMDWl ■mmKm— Nächste NuS»atzl 9 n mmmmm Navettttols, »adettet-er Badehauben, Bademän tel, Badecape-, Babe sch« he -14, Gtrickwaren- und Garns-eziglheuS „Zu« Löwe«" IX.. Porzellsngasse 82, Eck« Glasergasse ' ttebersiedlung der ZoNdepartementS de- Bunbe-miNist«. rlums fUv Finanzen. Die mit der Behandlung der Zollongelegenheiten brtrauton Departements 8 und 9 des Bundesmintsteriums jür Finanzen sind vom 9. Bezirk, Marxergasse 2, in daS Gebäude des BundöSmittisteriilms fUt Finanzen, 1. Bez., Johannesgasse 8, i-.bcrsiedelt. Tie Kanzlei für Ein- und Ausfuhrbewilligungen befindet sich ebendort im 3. Stock. Neue Emissionen der Lande-hhpüthekenanstalt für Niedcr- Ssierreich. Montag den 26. d. gelanget» an der Wiener Börse sech^prozentige Goldpfandbriefe und siebenprozentitze G o l d k o m m u n a l o b l i g a t i o n e n der Landeshhpochekenanstatt zur Einführung. Die sechsprozentigen Goldpfändbriefe werdet zum Kurse von 93, die stebenprvzetttigen Goldkvmnrunalobligationen zum - Kurse von W eingeführt werden. Börse für landwirtschüftliche Produkte. Die gestrige Börse tendierte infolge der dringlichen Angebote, flau. Ungarweizen war in allen ProuelilcUzen zu erheblich billigeren Bretien dringlich angeboren. Gihnr.delt wurde ungarischer neu-r ^errlchaltd'wetzen (Lchleppladnngen), 7H Kilogramm, zu 1,77 ts'che.ch K. c;; ÄMi'.it. )>' oage lt lag ebcufalls iit motzen Mengen ö;if den! Markte. March fei der satter) war zu 28 V. ab Berlaoelration, »ngar'schcr blcurcggen Muncr) ist;»t 26,60 S. bei vromvter Berladnng uito pro August zu 26 S. ab Hegveshalgur vfserier: tvordei:. Mais hat sich be:' vollkommener Geschäftsiosiakeit weiter vcrflant. Ansgeboten war runiänischer Prompter Mais zu 1,16 tschech. K. ex Schlepp Wien. Cinguatttin wertet 98 bis 99 S. WienDürrmals Pro Oktober wird zu 1,06 bis 1,07tschech. K. ex Schlepp Wien taxiert. Neumäis pro November-De- '«cmber-wertet 0,91 tschech. K. ab GreW. Haferlag vollkommen interesselos. Neuer ungarischer Hafer wurde .zu L5S. Pro August 'b Hegyeshalom angevöten. Zum erstes Mül« ' war inländische stu t t c r g c r st e ausgeboten, die zu 24 bis 25 S-mb Verladestation taxiert wird. Das Mehlgeschäft tendiert in griffigen Marken freundlich, dagegen hat der Absatz lu Nöggenmehl etwas nachgelassen. E? iioncricn W ei , e n ^nländnchei .44 60 vir 4b.— lluaariicher Tbeil; 79/60 Kiwaromm 42.— bis 4360 llugarische» 78/79 Kilogramm 41.— bis 43.— Jugoslawischer 7g Kilogramm >45.- bis 4b ü0 Jugoslawischer 77/78 Kilogramm -.— bi- — —!)lpo o e n Inländischer Marchfelder. 28.— bis 98 50 Bester Boden 2625 H« 26 80 Gerst er Brnüwäre 'nländilche 90.— bis 3S.5Q böhmische mährische bis —. Mai Sr Jugoslawischer 26.— 'bis 27.—. Ein« a u a u t i u 91,80 bis 83.— H a'f e r: Inländischer 80.— bi- 80.E0 SH e i § Italienischer 80.- bi- 85,-. tzuttnä 67.— bis 66.—. M a b l p r o d u k t «i . Grieß inländische, 85.— bis 86.—, Weizenmehl 0 mländischeS 84— bis 8b^. Kochmehl 2 inländische« 72.— bis 74.— Brotmehl inländische- 50.— bis 52 — ' Dttdapester, Getreidebörse. Der gestrige Markt eröffnete in lustloser Stimmung, im späteren Verlaust jedoch-Machtesich für. effektive Ware freundlichere Stimmung geltend. Die Schluß4urse in ungarischen Kronen lauten! OktoöerweizkN 366.000, Roggen ^40.000. ''''v ' . Die Devlsen.kurie. Nürlcß, 24 Juli. (Deviienkttrie yo» 12 Nhr.) Barts ■liÖSSV, UX.72V«) fcpMDoii 26.12»/,-(95.121/«)# Atzw-?lor« 516,62 (01B.62J. Mrillicl 12 70 (11 95). Mailand 18.61V« '16.75), 'Mcivno 5:0.cö 80.42'/a > Holland 207.60 207.70), Peru.. 122 96'/, IltL2 9c'/,. ’i'ien 73 038/4 (73.09'/.', Stockholm 188.38 188.85). O-Io >13 8d 113.37. Kooettbagvn 136.98 '136.63V Lono 372'/, l-l.71'/4>, Vrag 15.29V« 05.80,, Waruvao 58nöm (86 78N0M.). Wuhapeii '-.MI7230 ^0.007280,. Belgrad 9.11'/« l 9.11,. V/ltäre«' 2 37 -2 35) Btteiio« Atroß 806 80 (809,76. ftit m«' Schillim-, Vom aaaaMe« ProWoaaN,««,. Die «pieler «ollen nicht unterschreiben, wett ihnen die Bezahlung zu gering erscheint. Wir haben dieser Tage über den endlich bevorstehenden offenen PköfesstonalizniliS iin ungarischen Fußball berichtet und auch die Zahlungsweise sowie die Höhe der geplanten Gagen gemeldet. Nunmehr kommen aus Budapest Nachrichten, daß sich viele Spieler weigern, B e r u fs sp l el e rv er t rage zu unterschreiben, da ihnen die praliminierte Bezahlung als zu gering erscheint. Demgegenüber weist ein BudSPester Sportblatt darauf hin, daß es sich nicht um Hungerlöhne handelt,. uttt welche die Spieler „arbeiten" fallen. Freilich müßte auch darauf gesehen werden, daß die Vereine-durch zu gLohe Belastungen nicht z n g r n n d e g e h e u sollen. Das Blatt streift die österreichischen Verhältnisse und. bemerkt, daß die meisten Wiener Klubs nur infolge zu größer Budgets in Schwierigkeiten geraten sind, so daß auf der ganzen Linie eine Gagenreduktiön erfolgen mußte. Es sei, sagt das Blatt, natürlich keine Rede von fürstlichen Bezahlungen und es werden keine goldenen Berge versprochen. Aber im allgemeinen sichert düS System ein bescheidenes Dasein und bringt hervorragenden Könnern ein EinkomMett, um das sie sehr-viele tüchtige Schauspieler oder namhafte Akademiker beneiden würden. Die unterste Grenze für die dirtte und vierte Klafle sei freilich gering. Die Bezüge her.^Spielet erstklassiger Professionalvereine jedoch werden sich tatsächlich zwischen zwei und sechs Millionen bewegen. DaS Blatt w ar N t die Spieler davor, M zur Weigerung von Vertragsunterzeichnnngen verleiten, zu lasfeir, weil nach dem festgesetzten Termin erst wieder nach einem Jahre Professionalerkläungett abgegeben werden können..Eine höhere Bezahlung komme nur in Amerika in Betracht und auch dorthin sei bisher noch keiner abgegangen. Wer weiß, meint die Zeitung, ob die Amerikafahrer am Ende nicht noch froh fein werden, wenn ' sie zu ihrem alten Klub werden z u r ü ck k e h r e n können — vielleicht noch für kleinere Gagen. Razso, Häusler, Konrad 2, Wortmanu, Fischer, ist die Stürmerreihe/ die ein ungarisches Blatt der Hakoah für den Herbst in Aussicht stellt. Lettland schlägt Schweden. Vor 3000 Zuschauern besiegte in Riga die lettlandische Auswahlmannschaft em schwächeres schwedisches Team 4:1 (2:1). Folgende Hakoah-Spieler haben sich heute um 5 Uhr nachnuttags am Columbia^ 21-Play (neben Admira-Blatz) einzufinden: Turner, -Berson-, LeiNwaNdet, WödtmaM,' Amsier, Laikdim, -Turnschein, Birnbaum, tzerlinaer, Weißmaün,' Fischer, LebenÄaum, Kahn, Rosenfeld, Schweinburg. I. S. B. Makkabi—Laxenbnrg 6:3 (3:1). McKabi. der seinL Mannschaft - durch Heranziehung'von Spielern arts der Jugendmannschüft reoraattrsiert hat, konnte wiederum feine in der letzteil Zest gezeigte Leistung wiederholen. So gelang es ihm, den spielstariken Sportverein Larenbürg -in einem' schönen Treffen zu schlagen.'Obwohl die südifche Mannschaft durch den Laxenburaer Schiedsrichter gehandikapt War der zwei ganz unberechtigte Elfer gegen Wafkalbi gab. gelang es MaiKabi, den Gegner Kl bvzwingen. In hevvorrügenlder Verfassung befand sich der Maklabifturm. -insbesondere der Mittelstürmer Lutz' 2 und der linke Verbinder' Wachs, der sämtliche. Tore vorbereitete. Auch die anderen Stürmer, PAlmger. Kröiildler und Tvrczymr befgllden sich in guter Form. In der Läuferreihe bot der Zenterhalf Lutz 1 eine sehr gute Leistung. Bon den Flügellänferlr konnte der 'jugendliche Placiek aesallen, dagegen fiel Schorr aus dem Rohmen der Mannfchast. Die Berteidiger Sewler und der Tormann Zwirn besandeü sich auch in gütet Fonn. Die Tore erzielten Lutz 2 (4), Torczyner (1) und Kreindler (1). Tie Tore für die Gegner erzielte der vom W. A. C. und W. A. F. bekannte Jltternationale Sedsatschestdec auch der beste Mann der Laxenbnrger war. Die Reserve Makkabts gewann ihr Wettspiel 9 :0. Die Tore erzielten Grünlvevg (2) uud Flcsch (1). Die akademische Mannschaft gewann 6 :1. Tore: Futterweit (Ü), Ehrenwald (1). Schapira (1) und Klein (1). Vöslauer jüdisches Sommerteant—Aoung Boys (Wien) 1:9 .(1:6). Das heurige Debüt der Kurgäste Böslaus gegen den spiel- ,ichkeu fünjtklasjlgen Wiener Verein fiel überaus erfolgreich aus. Dte Vöslauer, depeu Mau nur. kerlüge SiegeSchaueen gab. waren den Wienern im Felde durchaus ebenbürtig, vor dem Tore sogar bedeutend schußsreudiger. Speziell Schwarz u. der Torschütze, ließ einige schöne Schüsse vom Stapel. Weiters verhlenen erwähnt zn werden: Popik und Schwarz 1 vom B S. T, Rosengarten t und Birner von Jom,a Hops. B. S. T. Luftig. Gommer, Ssium i, Sirum II, KUrzrock. Barän Schwarz l. Echwürz lU Popik. Mandler. Asilen. I o u n g B o y sr Lvwy, Henzel l. Roseugarien II, Birnbaum, Schroit, Btrner. Heüzel 1t, Vologh. Saar, Rofengaiten!>, Pelzl. Schiedsrichter Neumaun-ZeUevra- Die Wafferballmeistttschaft, die in der dritten Runde gestern im .Aetzinger Strandbad ausgetragen wurde, brachte mit dem Sieg des Ersten Wiener Amateurschwimmklubs-gegett Hakoah 4:2 (3:0) eine U e b e r r a s ch u n g. Vrenna schlug den W. A. S. vorher 6:4 (2:1). ' Im Badener Thttwälbad findet heute das Eröffnungsschwimmfest des 1. W. A.. S. K. statt. Hakoah nimm wegeu der Erholungspause ihrer Schwimmer nicht teil. Die jüdische Jugendbrigade vom Prinzen von Wales empfangen. Aus London wird uns gemeldet: Der Prrüz von Wales hat gestern das erste Kadettbataillon der Mdrschen Jugendbrigade, einer Sportvereinigung, im St.-James-Palais empfangen. Der ’ Empfang fand in ven Privatzimmern des Prinzen statt. Der Prinz begrüßte die Brigade und überreichte , ihr den von der Brigade während der letzten vier Jahre zum vierten Male gewonnenen Wappenschild mrt den Initialen des Prinzen. Er schüttelte jedem der vorgestellten jungen Leute die Hand. ’ Nnruu-Wide-Baraton-Dr. Pellzer. werden an einem «n 19, Altgnst >in Berlin stattstndenden Meeting teilnehmen. Den Boxkampf Rapid—Sportklub gewann gestern Rapid 9:7. Zwer Punkte sielen kampflos den HÜtteldorfern zu. Jüdischer. Turnverband. Die nächste Sitzung des Tuwvevbandes findet morgen Montag um halb 9 Uhr. im Sitzungszimmer des MaKabi, 16. Bez., Herklotzgasse 2l, statt. Tagesordnünig: 1. Bericht des Obmannes über die Bechandlungen mit dem Landeskomitee. 2. Bericht des Berbandsturnwartes über die Gründung von turnerischen Kursen durch den Verband. 3. Die Versicherungssrage. 4. Allfälliges. \ Sportklub Kadimah. (Schwerathletiksektiyn.) Die Kampfmannschaft der StemmfektioN.trat Sonntag den 18. d., wie berichtet, zur diesjährigen Mannschaftsmeisterschaft an. Die Sektionsleituna mußte für den verletzten F. Kohn den Ersatzmann I. Zaluski aufsiellen, der ,m einarmia Stoßen gänzlich versagte. In guter Form waren die Gebrüder Ranzen-. Hofer und I. Pollak. Die Sektionsleitung hbfft, daß die Mannschaft im nächsten Jahre, mit Hilfe desgroßen Talents M. Hirsch'l, in die erste Klasse aussteigen wird, Mitgliederaufnahme sowie Training findet jeden Dienstag und Freitag ab 8 Uhr abends statt. Dienstag den 21. d. gemeinsamer Besuch beim Athletenklub Herkules, wodurch das Training entfällt. Ohren, um nichts zu hören. Wle znsanttnengoballt. in emem einzigen Bilde standen sie alle plötzlich vor ihm, der Bichhändler, der Waser, .her Schneider und sein kranker Knabe, der Haubonmacher und der Hucklige und alle anderen, die zillu Jahrmarkt hinwollten, um etwas zu verdienen ,, % . Vielleicht den Unterhalt von Weib und Kind für einige Wo- L)en . . . Wenn 'sie jetzt' auf und davon liefen, wer .würde es fertigbringen, einen Stein, auf sie Zu werfen? . . Er flüsterte schmerzlich, fast laut: j,Verzeih uns, Vater, denn wir habe,» gesündigt . . . Vergib uns, König, denn wir hähen ge-« feevelt . . ." Er hielt die Angen goschlpssen und lehnte sich schlver an den Baum. War Noch jemand im Wäldchen oder waren sie schon alle fort? . . . „Blick' cherab auf unser Elend, nimm dich Unser an und erläse und, um deines Namens willens, denn du bist öin mächtiger Erlöser . . Heiß rmd leidenschaftlich, wie nie zuvor im Leben, hauchte er. diese Worte hin. krampfte unter dem TollÜh die Finger zusammen, daß sich i£)m die Nägel ins Fleisch bohrten . . Sende uns deine Heilung und wir werden genesen, schick uns deine Hilfe, und uns wird geihvlsen sein, denn du bist ein ■ treuer und. barmherziger Arzt!...." Wie - Ätt geheimnisvoller Strom ging es von ihm aus und legte sich, einem Bvnne gleich, über alle anderen. Keiner w:igte sich zu rnhreu . . . Ein Pfiff, dann fing das Knattern der Lokomotive wieder an, der Zug setzte sich in Bewegung . . . Fort war er . . . „Zum Donnerwetter," schrie, der Stationsvorsteher, der wieder herauskam. „Die alle find znrückgMieben! Stehen da und schaukeln sich wie die Aehren im Mnde . . Und sind die halbe Nacht gelaufen, um den Zug zil erreichen . . Eine schöne Geschichte! Jetzt können sie bis zum Abend warten." Berl fühlte, daß ihm ein Stein vom Herzen gefallen war . . . Nun war alles überstanhen. . . Er holte tief Atem. Ihm war, als hätte er etpiaS Großes erlebt. Er war sehr bewegt. Triumphierend klang seine Stimme, jetzt hatte! es keinen Zweck mehr, sich zu beeilen. Er holte die schönsten Weisel! hervor und sang die stille Schemoneh Eßreh. ganz laut und feierlich zu Ende, als wäre heute ein rechter Festtag. „Mein Gott, bewahre meine Zunge vor bösen Reden und meine Lippen vor trügerischen Worten, denen, dte mir fluchen, lasse meine Seele schweigend verzeihen, und demütig wie der Staub sei sie gegen alle . Oeffne mein Herz deiner Lahre, auf daß ich deinen Geboten nachstrobe. . der du Frieden wirkst , m deinen Höhen, sende Frieden Mer uns und über ganz Jsvael. Amen!" . . Er verneigte sich tief, trat drei Schritte zurück, dann wandte er sich um. Alle waren schweigend damit beschäftigt, Tallith und Thephillim abzulegen. >,Eine schöne Geschichte habt ihr mir-da eingebrockt..." platzte - endlich der Großgrundbesitzer heraus . . . Mit Juden soll mätt sich nie einlaffen, . das sag' ich mir immer. Kommt da solch ein Hungerleider, - solch ein Tagedieb und schleppt mich hinein zu Minjan, und ich laß mir'den Zug vor der Nase-weglaufen . . . Jetzt muß ich die Pferde abhetzen, um noch rechtzeitig in Rohatty zu sein . . ." Was er nicht sagte, war, daß er heute das morgendliche Schäferstündchen mit der Frau Bezirkshauptmann versäumt hatte, sie erwartete ihn vergebens im Garten, es würde große Mühe kosten, sie zu versöhnen «... ,; „Ach, was werden Sie sich ärgern, gnädiger Herr," sagte Labik, „holen Sie lieber Ihre Flasche mit dem güten Tropfen hervor, wir ^vollen mal Thirkun trinken, da wir schon Minjan gemacht haben." > „Hol dich der Teufel, mit deinem guten Tropfen," schrie der Gutsbesitzer wütend. „Janko, Stephan!" vief er Nach dem Kutscher und dem Lakai, „packt die Sachen wieder in den Wagen, wir fahren nach Rohany! . . ..Ha, was soll ich nur mit'euch anfangen, ihre Habenichtse, ihr Schnorrer, ihr Lumpengesindel? Ich kann euch doch nicht alle in meinen Wagen stecken, es ist kein Platz! . . . Du, Jossel, pack deinen kranken Bengel hinein, ganz oben auf metnen.Sitz,.damit er's bequem hat . . . und ihr beiden da, ladet eure verfluchten Päcke hinauf und klettert hinein, so viel nur hinein können , . . Zum Teufel auch, will man sich einmal einen vergnügten Tag machen, kommen einen! die mit ihrem Minjan dazwischen und man muß sich mit einem Wagen voll schmieriger Juden zur Stadt schleppen, allen anständigen Leuten zum Gespött, und versäumt dabei das wichtigste . . Schimpfend und fluchend überwachte er die Aufladung ihrer Habseligkeiten, - ließ ihrer einsteigen, so viele Platz^fanden. „Hier, du buckliges Kamel,-da hast du eine- Fasche vom Besten, ttink' und ersäufe daran, -willst du auch einsteigen? . . ." . „Nein, ich danke," antwortete Labik, „ich werde zu Futz gehen mit den anderen, wir haben nichts zu versäumen."/ r Die meisten mußten Zurückbleiben. Es galt,, zu Fuß Rohatty zu erreichen, aber der Jahrmarkt war'verloren. DaS warein bitterer Verlust. Aber sie waren allevon einem gehobenen Gefühl beherrscht, als hättew sie ein Fest mitgemacht. Teuer bezahlt Hätten sie es, nä, Gott wird ihnen das schon auf eine andere'Weise ersetzen . . . Wie sollte man einer solchen Mizwah aus dem Wege gehen, die män so selten zu erfüllen Gelegenheit hat? .. . Wegen eines Jahmnarktes, wegen einiger Geldstücke? . . . Man will doch> einmal Jude sein . ... . Gott kann einem auch ohne den Jahrmarkt helfen ... Halb wehmütig, halb fröhlich tranken sie einander zu, nippten'an dem Gläschen und wünschten sich gegeonseitrg alles Gute. Dann riefen sie den Bauer herbei, der die Hirtenjungen verscheuchte und schenkten ihm ein, er spuckte kräftig aus und jagte drei Gläschen nacheinander hinter die Binde. Jrnmer mehr verflüchtigte sich der Mißmut über den herben Verlust. Eine herzhafte, hoffnungsfreudige Stimmung überkam sie. Hersch Lügner allein ging schweigend und aufgeregt hin und her, dann wurde er auf einmal redselig und sing an, seine Geschichten zu erzählen. Plötzlich brach er ab, eilte fort in den Hinterhof des Stationsgebäudes, wo er von keinem goWn,werden konnte, zog das verfluchte, sauber geschriebene Stück Papier aus der Brusttasche, zerriß es in winzige Fetzen und ließ sie im Winde flattern. Dann kam er zurück und rief: „So, nun können wir gehen! Es ist höchste Zeit!" Die Kutsche des Großgrundbesitzers trabte die Anhöhe hinan. Oben ängelangt, sah sich Steiner um und erblickte die paar Juden, die mit ihren Bündeln auf den Schultern unten im Tal ein'hertrotteten, schüttelte voll Mitleid den Köpf und dachte bei sich: „Solch ein dummes Volk! Sagt man da immer, die Juden seien kkügl Wegen eines Minjans den Jahrmarkt zu versäumen! Solch ein'dummes, dummes Volk!" . . . «Schluß.)